Cluster-Kopfschmerz Behandlung: Unterschied zwischen den Versionen
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# [[Sumatriptan]] als Nasenspray (20 mg) nennt die europäische Leitlinie von 2023 mit starker Empfehlung als Alternative zur Spritze; die Wirkung setzt allerdings langsamer ein.<ref name="EAN2023"/> Zugelassen ist es in Deutschland nur für die Migräne, nicht für den Cluster-Kopfschmerz.<ref name="IMIGRANNASAL">[https://www.fachinfo.de/fi/pdf/001283/imigran-nasal-mite-10-mg-imigran-nasal-20-mg Fachinformation Imigran Nasal mite 10 mg / Imigran Nasal 20 mg], Stand August 2025, Abschnitt 4.1: Als Anwendungsgebiet ist nur die Migräne genannt; der Cluster-Kopfschmerz kommt im Dokument nicht vor.</ref> Für die intranasale Zufuhr von vier- bis zehnprozentigen [[Lidocain]]-Nasentropfen spricht die Leitlinie eine schwache Empfehlung aus, gestützt auf den Konsens der Fachleute.<ref name="EAN2023"/> | # [[Sumatriptan]] als Nasenspray (20 mg) nennt die europäische Leitlinie von 2023 mit starker Empfehlung als Alternative zur Spritze; die Wirkung setzt allerdings langsamer ein.<ref name="EAN2023"/> Zugelassen ist es in Deutschland nur für die Migräne, nicht für den Cluster-Kopfschmerz.<ref name="IMIGRANNASAL">[https://www.fachinfo.de/fi/pdf/001283/imigran-nasal-mite-10-mg-imigran-nasal-20-mg Fachinformation Imigran Nasal mite 10 mg / Imigran Nasal 20 mg], Stand August 2025, Abschnitt 4.1: Als Anwendungsgebiet ist nur die Migräne genannt; der Cluster-Kopfschmerz kommt im Dokument nicht vor.</ref> Für die intranasale Zufuhr von vier- bis zehnprozentigen [[Lidocain]]-Nasentropfen spricht die Leitlinie eine schwache Empfehlung aus, gestützt auf den Konsens der Fachleute.<ref name="EAN2023"/> | ||
Die Inhalation von reinem Sauerstoff beendet ([[kupiert]]) einen großen Teil der Attacken innerhalb von 15 Minuten. Die oft genannten 78 % stammen aus einer randomisierten Studie und beziehen sich auf einzelne Attacken – 150 mit Sauerstoff behandelte Attacken von 76 Teilnehmenden gegenüber 148 mit Raumluft –, nicht auf den Anteil der Betroffenen, denen Sauerstoff hilft; einen solchen Anteil nennt die Studie nicht. Gemessen wurde außerdem nicht allein Schmerzfreiheit: Der Endpunkt war, nach 15 Minuten schmerzfrei zu sein oder, wo im Tagebuch kein Schmerz vermerkt war, ausreichend gebessert.<ref name="COHEN"/> Sauerstoff ist sehr gut verträglich und hat nicht die Nebenwirkungen der medikamentösen Akutbehandlung; nebenwirkungsfrei ist er jedoch nicht – beschrieben ist unter anderem ein Wiederkehren der Attacke nach zunächst erfolgreicher Inhalation.<ref name="GEERLINGS">{{cite journal |author=Geerlings RP, Haane DY, Koehler PJ |title=Rebound following oxygen therapy in cluster headache |journal=Cephalalgia |volume=31 |issue=10 |pages=1145-9 |year=2011 |pmid=21700644 |doi=10.1177/0333102411412087 |url=}}</ref><ref name="DG" /><ref name="DMKG1">{{cite journal |author=May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC |title=Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft |journal=Schmerz |volume=19 |issue=3 |pages=225–41 |year=2005 |month=June |pmid=15887001 |doi=10.1007/s00482-005-0397-8 |url=}} [https://web.archive.org/web/20151106202717/http://www.dmkg.de/dmkg/sites/default/files/therapieempfehlung%20clusterkopfschmerz.pdf DMKG: PDF-Datei]</ref> Lidocain hilft nur einer Minderheit der Patienten und nicht jedes Mal. Weil es fast frei von Nebenwirkungen ist, kann man es dennoch ausprobieren; die europäische Leitlinie von 2023 gibt dafür eine schwache Empfehlung, gestützt auf den Konsens der Fachleute.<ref name="EAN2023"/> | Die Inhalation von reinem Sauerstoff beendet ([[kupiert]]) einen großen Teil der Attacken innerhalb von 15 Minuten. Die oft genannten 78 % stammen aus einer randomisierten Studie und beziehen sich auf einzelne Attacken – 150 mit Sauerstoff behandelte Attacken von 76 Teilnehmenden gegenüber 148 mit Raumluft –, nicht auf den Anteil der Betroffenen, denen Sauerstoff hilft; einen solchen Anteil nennt die Studie nicht. Gemessen wurde außerdem nicht allein Schmerzfreiheit: Der Endpunkt war, nach 15 Minuten schmerzfrei zu sein oder, wo im Tagebuch kein Schmerz vermerkt war, ausreichend gebessert.<ref name="COHEN"/> | ||
Sauerstoff ist sehr gut verträglich und hat nicht die Nebenwirkungen der medikamentösen Akutbehandlung; nebenwirkungsfrei ist er jedoch nicht – beschrieben ist unter anderem ein Wiederkehren der Attacke nach zunächst erfolgreicher Inhalation.<ref name="GEERLINGS">{{cite journal |author=Geerlings RP, Haane DY, Koehler PJ |title=Rebound following oxygen therapy in cluster headache |journal=Cephalalgia |volume=31 |issue=10 |pages=1145-9 |year=2011 |pmid=21700644 |doi=10.1177/0333102411412087 |url=}}</ref><ref name="DG" /><ref name="DMKG1">{{cite journal |author=May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC |title=Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft |journal=Schmerz |volume=19 |issue=3 |pages=225–41 |year=2005 |month=June |pmid=15887001 |doi=10.1007/s00482-005-0397-8 |url=}} [https://web.archive.org/web/20151106202717/http://www.dmkg.de/dmkg/sites/default/files/therapieempfehlung%20clusterkopfschmerz.pdf DMKG: PDF-Datei]</ref> Lidocain hilft nur einer Minderheit der Patienten und nicht jedes Mal. Weil es fast frei von Nebenwirkungen ist, kann man es dennoch ausprobieren; die europäische Leitlinie von 2023 gibt dafür eine schwache Empfehlung, gestützt auf den Konsens der Fachleute.<ref name="EAN2023"/> | |||
[[Octreotid]] kann zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzattacken verwendet werden, wenn andere Medikamente ineffektiv oder kontraindiziert sind.<ref name="EFNS"/> Die europäische Leitlinie von 2023 nennt dafür 100 µg unter die Haut, stützt das aber nur auf den Konsens der Fachleute, hält weitere Studien für nötig und weist darauf hin, dass Octreotid selbst Kopfschmerzen bis hin zu Cluster-Attacken auslösen kann.<ref name="EAN2023"/> Die Akutbehandlung mit [[Olanzapin]] in Dosierungen zwischen 2,5 und 10 mg führte in einer offenen Studie bei vier der fünf Patienten zu einer Schmerzreduzierung von mehr als 80 % innerhalb von 20 Minuten nach der oralen Einnahme, zwei der Patienten wurden schmerzfrei.<ref>Rozen TD.: Olanzapine as an abortive agent for cluster headache. ''Headache.'' 2001 Sep; '''41'''(8): 813-6. PMID 11576207, [https://doi.org/10.1046/j.1526-4610.2001.01148.x DOI].</ref> | [[Octreotid]] kann zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzattacken verwendet werden, wenn andere Medikamente ineffektiv oder kontraindiziert sind.<ref name="EFNS"/> Die europäische Leitlinie von 2023 nennt dafür 100 µg unter die Haut, stützt das aber nur auf den Konsens der Fachleute, hält weitere Studien für nötig und weist darauf hin, dass Octreotid selbst Kopfschmerzen bis hin zu Cluster-Attacken auslösen kann.<ref name="EAN2023"/> Die Akutbehandlung mit [[Olanzapin]] in Dosierungen zwischen 2,5 und 10 mg führte in einer offenen Studie bei vier der fünf Patienten zu einer Schmerzreduzierung von mehr als 80 % innerhalb von 20 Minuten nach der oralen Einnahme, zwei der Patienten wurden schmerzfrei.<ref>Rozen TD.: Olanzapine as an abortive agent for cluster headache. ''Headache.'' 2001 Sep; '''41'''(8): 813-6. PMID 11576207, [https://doi.org/10.1046/j.1526-4610.2001.01148.x DOI].</ref> | ||
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Die Stimulation des [https://de.wikipedia.org/wiki/Ganglion_pterygopalatinum Ganglion pterygopalatinum] (Ganglion sphenopalatinum) mit einem implantierten, von außen aktivierten [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurostimulation Neurostimulator] ([[SPG-Stimulation]]) wurde von 2011 bis 2019 bei chronischem Cluster-Kopfschmerz eingesetzt. Das Gerät wurde über einen Einschnitt im Zahnfleisch eingesetzt und mit zwei Knochenschrauben am Oberkiefer befestigt, die Elektrodenspitze lag hinter dem Wangenknochen am Ganglion. Bei einer Attacke stimulierte der Patient das Implantat [https://de.wikipedia.org/wiki/Elektromagnetische_Induktion induktiv] über ein Steuergerät, das er von außen an die Wange hielt. | Die Stimulation des [https://de.wikipedia.org/wiki/Ganglion_pterygopalatinum Ganglion pterygopalatinum] (Ganglion sphenopalatinum) mit einem implantierten, von außen aktivierten [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurostimulation Neurostimulator] ([[SPG-Stimulation]]) wurde von 2011 bis 2019 bei chronischem Cluster-Kopfschmerz eingesetzt. Das Gerät wurde über einen Einschnitt im Zahnfleisch eingesetzt und mit zwei Knochenschrauben am Oberkiefer befestigt, die Elektrodenspitze lag hinter dem Wangenknochen am Ganglion. Bei einer Attacke stimulierte der Patient das Implantat [https://de.wikipedia.org/wiki/Elektromagnetische_Induktion induktiv] über ein Steuergerät, das er von außen an die Wange hielt. | ||
In der multizentrischen, randomisierten und scheinkontrollierten Zulassungsstudie (Pathway CH-1) wurden 32 Patienten eingeschlossen, 28 durchliefen den randomisierten Studienabschnitt.<ref name="pmid23314784">{{cite journal |author=Schoenen J, Jensen RH, Lantéri-Minet M, Láinez MJ, Gaul C, Goodman AM, Caparso A, May A |title=Stimulation of the sphenopalatine ganglion (SPG) for cluster headache treatment. Pathway CH-1: a randomized, sham-controlled study |journal=Cephalalgia |volume=33 |issue=10 |pages=816–30 |year=2013 |month=July |pmid=23314784 |pmc=3724276 |doi=10.1177/0333102412473667 |url=}}</ref> Geprüft wurde die Schmerzlinderung 15 Minuten nach der Stimulation: Sie trat bei 67,1 % der voll stimulierten Attacken ein, gegenüber 7,4 % bei Scheinstimulation (p < 0,0001). Auf Patientenebene hatten 19 der 28 Teilnehmer (68 %) einen klinisch bedeutsamen Nutzen: sieben (25 %) erreichten bei mindestens der Hälfte der behandelten Attacken eine Schmerzlinderung, zehn (36 %) hatten mindestens die Hälfte weniger Attacken als vorher, zwei (7 %) beides. In fünf Fällen traten schwere Nebenwirkungen auf; die meisten Patienten (81 %) erlebten einen vorübergehenden, leichten bis mäßigen Verlust der Empfindung in Regionen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Nervus_maxillaris Nervus maxillaris]. 65 % der unerwünschten Ereignisse waren innerhalb von drei Monaten abgeklungen. Eine zweite randomisierte, scheinkontrollierte Studie mit 93 Patienten (Pathway CH-2) bestätigte die Wirkung: Schmerzlinderung nach 15 Minuten bei 62,5 % der Attacken gegenüber 38,9 % in der Kontrollgruppe.<ref name="CH2">{{cite journal |author=Goadsby PJ, Sahai-Srivastava S, Kezirian EJ, Calhoun AH, Matthews DC, et al. |title=Safety and efficacy of sphenopalatine ganglion stimulation for chronic cluster headache: a double-blind, randomised controlled trial |journal=Lancet Neurol |volume=18 |issue=12 |pages=1081–1090 |year=2019 |pmid=31701891 |doi=10.1016/S1474-4422(19)30322-9}}</ref> | In der multizentrischen, randomisierten und scheinkontrollierten Zulassungsstudie (Pathway CH-1) wurden 32 Patienten eingeschlossen, 28 durchliefen den randomisierten Studienabschnitt.<ref name="pmid23314784">{{cite journal |author=Schoenen J, Jensen RH, Lantéri-Minet M, Láinez MJ, Gaul C, Goodman AM, Caparso A, May A |title=Stimulation of the sphenopalatine ganglion (SPG) for cluster headache treatment. Pathway CH-1: a randomized, sham-controlled study |journal=Cephalalgia |volume=33 |issue=10 |pages=816–30 |year=2013 |month=July |pmid=23314784 |pmc=3724276 |doi=10.1177/0333102412473667 |url=}}</ref> Geprüft wurde die Schmerzlinderung 15 Minuten nach der Stimulation: Sie trat bei 67,1 % der voll stimulierten Attacken ein, gegenüber 7,4 % bei Scheinstimulation (p < 0,0001). Auf Patientenebene hatten 19 der 28 Teilnehmer (68 %) einen klinisch bedeutsamen Nutzen: sieben (25 %) erreichten bei mindestens der Hälfte der behandelten Attacken eine Schmerzlinderung, zehn (36 %) hatten mindestens die Hälfte weniger Attacken als vorher, zwei (7 %) beides. | ||
In fünf Fällen traten schwere Nebenwirkungen auf; die meisten Patienten (81 %) erlebten einen vorübergehenden, leichten bis mäßigen Verlust der Empfindung in Regionen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Nervus_maxillaris Nervus maxillaris]. 65 % der unerwünschten Ereignisse waren innerhalb von drei Monaten abgeklungen. Eine zweite randomisierte, scheinkontrollierte Studie mit 93 Patienten (Pathway CH-2) bestätigte die Wirkung: Schmerzlinderung nach 15 Minuten bei 62,5 % der Attacken gegenüber 38,9 % in der Kontrollgruppe.<ref name="CH2">{{cite journal |author=Goadsby PJ, Sahai-Srivastava S, Kezirian EJ, Calhoun AH, Matthews DC, et al. |title=Safety and efficacy of sphenopalatine ganglion stimulation for chronic cluster headache: a double-blind, randomised controlled trial |journal=Lancet Neurol |volume=18 |issue=12 |pages=1081–1090 |year=2019 |pmid=31701891 |doi=10.1016/S1474-4422(19)30322-9}}</ref> | |||
Das Verfahren ist in Europa nicht mehr verfügbar: Der Hersteller des Implantats wurde 2019 zahlungsunfähig, die europäische Leitlinie von 2023 vermerkt dazu ausdrücklich „not available in Europe“.<ref name="EAN2023"/> | Das Verfahren ist in Europa nicht mehr verfügbar: Der Hersteller des Implantats wurde 2019 zahlungsunfähig, die europäische Leitlinie von 2023 vermerkt dazu ausdrücklich „not available in Europe“.<ref name="EAN2023"/> | ||
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[[Bild:Verapamil.jpg|thumb|120px|Verapamil-<br/>Tabletten]] | [[Bild:Verapamil.jpg|thumb|120px|Verapamil-<br/>Tabletten]] | ||
Bei [[Chronischer Cluster-Kopfschmerz|chronischem]] und bei [[Episodischer Cluster-Kopfschmerz|episodischem]] Cluster-Kopfschmerz ist das vorbeugende Mittel der ersten Wahl die verschreibungspflichtige Substanz [[Verapamil]].<ref name="EFNS"/><ref name="BFARM">[http://www.bfarm.de/SharedDocs/1_Downloads/DE/Arzneimittel/3_nachDerZul/offlabel/Bewertungen/Neuro/Verapamil_Clusterkopfschmerz.pdf Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Bewertung der Expertengruppe Off-Label im Bereich Neurologie/Psychiatrie nach § 35b Abs. 3 SGB V zur Anwendung von „Verapamil zur Prophylaxe des Clusterkopfschmerzes.“ 19.08.2011]</ref> Vor der ersten Anwendung, bei Dosissteigerung und bei hohen Dosierungen sind Kontrollen der Herztätigkeit ([https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrokardiogramm EKG]) erforderlich.<ref name="COHENVERA">Cohen AS, Matharu MS, Goadsby PJ: Electrocardiographic abnormalities in patients with cluster headache on verapamil therapy. ''Neurology.'' (2007); '''69'''(7): 668-75, PMID 17698788, [https://web.archive.org/web/20160306175337/http://kopfschmerz-news.de/pdf/ksn4-2007.pdf Kommentar in der DMKG Kopfschmerz-News 4/2007, Seite 19, PDF-Datei].</ref> In einer Untersuchung an 108 mit Verapamil behandelten Cluster-Patienten traten bei 19 % Herzrhythmusstörungen und bei 36 % ein verlangsamter Puls unter 60 Schlägen pro Minute auf.<ref name="COHENVERA"/> Veränderungen im EKG können auch nach jahrelanger, komplikationsloser Einnahme noch auftreten: Bei sehr hohen Tagesdosen ab 720 mg zeigten 38 % der Behandelten EKG-Veränderungen, bei den meisten von ihnen erst nach mehr als zwei Jahren.<ref name="LANTERI">Lanteri-Minet M, Silhol F, Piano V, Donnet A.: Cardiac safety in cluster headache patients using the very high dose of verapamil (≥720 mg/day). ''J Headache Pain.'' 2011; '''12'''(2): 173-176, [https://doi.org/10.1007/s10194-010-0289-x DOI].</ref> Die EKG-Kontrollen sollten deshalb auch in der Dauerbehandlung fortgesetzt werden. Die Wirkung tritt jedoch bei schrittweiser Dosissteigerung erst nach zwei bis drei Wochen ein. Wegen der gleichmäßigeren Wirkstoffabgabe sollte die [https://de.wikipedia.org/wiki/Retard retardierte] Form des Medikamentes bevorzugt werden.<ref>Göbel H, Holzgreve H, Heinze A, Deuschl G, Engel C, Kuhn K.: Retarded verapamil for cluster headache prophylaxis. ''Cephalalgia.'' 1999; '''19'''(4): 458-9.</ref> Wirksam sind sowohl die retardierte als auch die normale Form des Medikamentes, es gibt dazu keine direkten Vergleichsstudien.<ref>Dodick DW, Rozen TD, Goadsby PJ & Silberstein SD.: Cluster headache. ''Cephalalgia.'' 2000; '''20'''(6): 787-803. PMID 11167909.</ref><ref name="EFNS"/> | Bei [[Chronischer Cluster-Kopfschmerz|chronischem]] und bei [[Episodischer Cluster-Kopfschmerz|episodischem]] Cluster-Kopfschmerz ist das vorbeugende Mittel der ersten Wahl die verschreibungspflichtige Substanz [[Verapamil]].<ref name="EFNS"/><ref name="BFARM">[http://www.bfarm.de/SharedDocs/1_Downloads/DE/Arzneimittel/3_nachDerZul/offlabel/Bewertungen/Neuro/Verapamil_Clusterkopfschmerz.pdf Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Bewertung der Expertengruppe Off-Label im Bereich Neurologie/Psychiatrie nach § 35b Abs. 3 SGB V zur Anwendung von „Verapamil zur Prophylaxe des Clusterkopfschmerzes.“ 19.08.2011]</ref> Vor der ersten Anwendung, bei Dosissteigerung und bei hohen Dosierungen sind Kontrollen der Herztätigkeit ([https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrokardiogramm EKG]) erforderlich.<ref name="COHENVERA">Cohen AS, Matharu MS, Goadsby PJ: Electrocardiographic abnormalities in patients with cluster headache on verapamil therapy. ''Neurology.'' (2007); '''69'''(7): 668-75, PMID 17698788, [https://web.archive.org/web/20160306175337/http://kopfschmerz-news.de/pdf/ksn4-2007.pdf Kommentar in der DMKG Kopfschmerz-News 4/2007, Seite 19, PDF-Datei].</ref> In einer Untersuchung an 108 mit Verapamil behandelten Cluster-Patienten traten bei 19 % Herzrhythmusstörungen und bei 36 % ein verlangsamter Puls unter 60 Schlägen pro Minute auf.<ref name="COHENVERA"/> | ||
Veränderungen im EKG können auch nach jahrelanger, komplikationsloser Einnahme noch auftreten: Bei sehr hohen Tagesdosen ab 720 mg zeigten 38 % der Behandelten EKG-Veränderungen, bei den meisten von ihnen erst nach mehr als zwei Jahren.<ref name="LANTERI">Lanteri-Minet M, Silhol F, Piano V, Donnet A.: Cardiac safety in cluster headache patients using the very high dose of verapamil (≥720 mg/day). ''J Headache Pain.'' 2011; '''12'''(2): 173-176, [https://doi.org/10.1007/s10194-010-0289-x DOI].</ref> Die EKG-Kontrollen sollten deshalb auch in der Dauerbehandlung fortgesetzt werden. Die Wirkung tritt jedoch bei schrittweiser Dosissteigerung erst nach zwei bis drei Wochen ein. Wegen der gleichmäßigeren Wirkstoffabgabe sollte die [https://de.wikipedia.org/wiki/Retard retardierte] Form des Medikamentes bevorzugt werden.<ref>Göbel H, Holzgreve H, Heinze A, Deuschl G, Engel C, Kuhn K.: Retarded verapamil for cluster headache prophylaxis. ''Cephalalgia.'' 1999; '''19'''(4): 458-9.</ref> Wirksam sind sowohl die retardierte als auch die normale Form des Medikamentes, es gibt dazu keine direkten Vergleichsstudien.<ref>Dodick DW, Rozen TD, Goadsby PJ & Silberstein SD.: Cluster headache. ''Cephalalgia.'' 2000; '''20'''(6): 787-803. PMID 11167909.</ref><ref name="EFNS"/> | |||
'''Zulassung und Kostenübernahme.''' Verapamil ist für den Cluster-Kopfschmerz nicht zugelassen, die Anwendung erfolgt außerhalb der Zulassung (Off-Label-Gebrauch). Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinsamer_Bundesausschuss Gemeinsame Bundesausschuss] hat Verapamil mit Beschluss vom 16. August 2012 in die Anlage VI der Arzneimittel-Richtlinie aufgenommen; seit dem 25. Oktober 2012 ist es damit zur „Prophylaxe des episodischen und chronischen Clusterkopfschmerzes von Erwachsenen ab 18 Jahren" zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig.<ref name="GBA2012">[https://www.g-ba.de/downloads/39-261-1551/2012-08-16_AM-RL-VI_Verapamil_BAnz.pdf Gemeinsamer Bundesausschuss: Beschluss über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie – Anlage VI: Verapamil zur Prophylaxe des Clusterkopfschmerzes, 16.08.2012 (PDF-Datei)], Bundesanzeiger AT 24.10.2012 B3, in Kraft seit 25.10.2012; [https://www.g-ba.de/beschluesse/1551/ Verfahrensseite des G-BA]</ref> | |||
Der Beschluss nennt eine anfängliche Tagesdosis von 120 mg, die bis 360 mg gesteigert werden kann; Tagesdosen über 480 mg sind nach dem Beschluss „nicht ausreichend untersucht". Vorausgesetzt werden regelmäßige, dokumentierte EKG-Kontrollen und ein vom Patienten geführtes Schmerztagebuch.<ref name="GBA2012"/> | |||
Das Mittel der ersten Wahl ist damit nicht privat zu bezahlen. Das gilt allerdings nicht für jedes verapamilhaltige Präparat: Die Anlage VI führt die Firmen namentlich auf, deren Arzneimittel verordnungsfähig sind, und daneben eine zweite Liste von Firmen, deren Präparate es nicht sind, „da keine entsprechende Erklärung vorliegt". Es kommt also auf den pharmazeutischen Unternehmer an – auf die Firma, die auf der Packung genannt ist. Beide Listen stehen im Wortlaut auf der Seite [[Verapamil]].<ref name="AMRLVI2026">[https://www.g-ba.de/downloads/83-691-1103/AM-RL-VI-Off-label-2026-06-11.pdf Gemeinsamer Bundesausschuss: Arzneimittel-Richtlinie, Anlage VI – Verordnungsfähigkeit von zugelassenen Arzneimitteln in nicht zugelassenen Anwendungsgebieten, Teil A Nummer IX (Verapamil zur Prophylaxe des Clusterkopfschmerzes) (PDF-Datei)], letzte Änderung 11.06.2026, abgerufen am 22.09.2026; [https://www.g-ba.de/richtlinien/anlage/15/ Übersichtsseite des G-BA zur Anlage VI] mit der jeweils geltenden Fassung.</ref> | |||
=== Kurzprophylaxe zur Überbrückung === | === Kurzprophylaxe zur Überbrückung === | ||
[[Corticosteroide]], [[Ergotamin]] oder lange wirksame [[Triptan]]e wie [[Naratriptan]] und [[Frovatriptan]] können in der Kurzprophylaxe, bis eine andere vorbeugende Therapie greift, oder bei kurzen Episoden eingesetzt werden. Corticosteroide sollten wegen ihrer Nebenwirkungen nicht dauerhaft eingenommen werden, sondern als überbrückende Therapie bis zum Wirkungseintritt von Verapamil. Die europäische Leitlinie von 2023 rät von längeren Behandlungsschemata ab und nennt 60 bis 100 mg Prednisolon täglich über fünf Tage, danach alle vier Tage 10 mg weniger.<ref name="EAN2023"/> Für diese Überbrückung gibt es eine randomisierte, placebokontrollierte Studie: 100 mg Prednison über fünf Tage, anschließend Reduktion um 20 mg alle drei Tage, jeweils zusätzlich zur beginnenden Behandlung mit Verapamil. In der ersten Woche traten damit 7,1 Attacken auf, unter Placebo 9,5.<ref name="OBERMANN2021">{{cite journal |author=Obermann M, Nägel S, Ose C, et al. |title=Safety and efficacy of prednisone versus placebo in short-term prevention of episodic cluster headache: a multicentre, double-blind, randomised controlled trial |journal=Lancet Neurol |volume=20 |issue=1 |pages=29–37 |year=2021 |pmid=33245858 |doi=10.1016/S1474-4422(20)30363-X}}</ref> Wegen möglicher [https://de.wikipedia.org/wiki/Arzneimittelwechselwirkung Wechselwirkungen] dürfen während einer vorbeugenden Behandlung mit Ergotamin oder mit lange wirksamen Triptanen keine anderen Triptane zur Akutbehandlung verwendet werden. | [[Corticosteroide]], [[Ergotamin]] oder lange wirksame [[Triptan]]e wie [[Naratriptan]] und [[Frovatriptan]] können in der Kurzprophylaxe, bis eine andere vorbeugende Therapie greift, oder bei kurzen Episoden eingesetzt werden. Corticosteroide sollten wegen ihrer Nebenwirkungen nicht dauerhaft eingenommen werden, sondern als überbrückende Therapie bis zum Wirkungseintritt von Verapamil. Die europäische Leitlinie von 2023 rät von längeren Behandlungsschemata ab und nennt 60 bis 100 mg Prednisolon täglich über fünf Tage, danach alle vier Tage 10 mg weniger.<ref name="EAN2023"/> | ||
Für diese Überbrückung gibt es eine randomisierte, placebokontrollierte Studie: 100 mg Prednison über fünf Tage, anschließend Reduktion um 20 mg alle drei Tage, jeweils zusätzlich zur beginnenden Behandlung mit Verapamil. In der ersten Woche traten damit 7,1 Attacken auf, unter Placebo 9,5.<ref name="OBERMANN2021">{{cite journal |author=Obermann M, Nägel S, Ose C, et al. |title=Safety and efficacy of prednisone versus placebo in short-term prevention of episodic cluster headache: a multicentre, double-blind, randomised controlled trial |journal=Lancet Neurol |volume=20 |issue=1 |pages=29–37 |year=2021 |pmid=33245858 |doi=10.1016/S1474-4422(20)30363-X}}</ref> Wegen möglicher [https://de.wikipedia.org/wiki/Arzneimittelwechselwirkung Wechselwirkungen] dürfen während einer vorbeugenden Behandlung mit Ergotamin oder mit lange wirksamen Triptanen keine anderen Triptane zur Akutbehandlung verwendet werden. | |||
'''Ergotamin.''' Bei Ergotamin ist die Verfügbarkeit zu beachten. In Deutschland ist noch ein Präparat mit Ergotamintartrat zum Einnehmen im Handel, sein Anwendungsgebiet umfasst aber nur die Migräne: „Behandlung von Migräne-Anfällen (insbesondere sehr lange Anfälle), wenn andere Therapien nicht wirksam oder nicht indiziert sind." Beim Cluster-Kopfschmerz ist die Anwendung damit ein Gebrauch außerhalb der Zulassung.<ref name="ERGOKRANIT">[https://www.krewelmeuselbach.de/de/pdf/figihwg/fi_ergo_kranit.pdf Fachinformation Ergo-Kranit Migräne 2 mg Tabletten, Stand Februar 2023 (PDF-Datei)], Abschnitt 4.1; gleichlautend die [https://www.krewelmeuselbach.de/de/pdf/figihwg/gi_ergo_kranit.pdf Gebrauchsinformation]. Das Wort „Cluster" kommt in beiden Dokumenten nicht vor. Das Präparat wird inzwischen von der Fairmed Healthcare GmbH angeboten (PZN 04229082); eine neuere Packungsbeilage mit Stand November 2025 liegt vor, war aber nicht als Dokument der Firma abrufbar.</ref> Die europäische Leitlinie nennt Ergotamintartrat für die Kurzprophylaxe '''zum Einnehmen'''; in ihrer Tabelle 17 steht als Dosierung „2–4 mg/day. Ideal: 2 mg 1–0–1. If attacks in the night: 2 mg oral in late evening", als Wirkung „Efficacious in 70%" und als Grundlage eine Konsensusaussage mit dem ausdrücklichen Vermerk „In the absence of evidence/studies".<ref name="EAN2023"/> In der Tabelle stehen keine Zäpfchen; im Fließtext nennt die Leitlinie Ergotamin aber auch als Zäpfchen zur kurzfristigen Vorbeugung (S. 2963 und S. 2968: „2 mg oral or suppository“). Der Hinweis „as suppository (no first path effect)“ betrifft dagegen das [[Dihydroergotamin]].<ref name="EANSUPP">{{cite journal |author=May A, Evers S, Goadsby PJ u. a. |title=European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache |journal=Eur J Neurol |volume=30 |issue=10 |pages=2955-2979 |year=2023 |pmid=37515405 |doi=10.1111/ene.15956}} Am 23.09.2026 im Volltext gelesen ([https://www.uems-neuroboard.org/web/images/docs/exam/2024/papers/06-EAN-guideline-cluster-headache2023.pdf PDF-Fassung]). S. 2963: „Due to poor oral absorption and the need for a rapid increase in plasma levels, dihydroergotamine (DHE) is best applied as aerosol spray, as suppository (no first path effect), or as subcutaneous injection“; „Ergotamine tartrate suppositories are not able to abort attacks because of the slow onset of action but may be used as short-term prophylaxis (see preventative drug treatment).“ S. 2968: „A further option is ergotamine tartrate (2 mg oral or suppository), if available.“</ref> In Deutschland ließ sich außer dem Tablettenpräparat kein weiteres ergotaminhaltiges Arzneimittel nachweisen.<ref name="ERGOVERFUEG">Für Deutschland die gelesene [https://www.krewelmeuselbach.de/de/pdf/figihwg/fi_ergo_kranit.pdf Fachinformation] des Tablettenpräparats (Stand Februar 2023). Zäpfchen mit Ergotamintartrat führt die Aufstellung der Europäischen Arzneimittel-Agentur zum Verfahren PSUSA/00000485/202511 (Stand 07/2026) nur für Belgien, Italien und Griechenland. Für die Schweiz die schweizerische Fachdatenbank [https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Ergotamin PharmaWiki] (Stand 30.04.2024): „In der Schweiz sind derzeit keine Arzneimittel mit Ergotamin mehr im Handel."; das dort zuletzt erhältliche Kombinationspräparat wurde 2014 vom Markt genommen. Für Österreich ließ sich der Stand '''nicht prüfen''': Das [https://medikamente.basg.gv.at/de/medicinal-products Arzneispezialitätenregister des BASG] ist nur über eine JavaScript-Suche zugänglich, deren Wirkstoff-Vorschlagsliste am 22.09.2026 auch für Wirkstoffe, die dort sicher verzeichnet sind, „Keine Optionen verfügbar" meldete. Dieser Befund betrifft das Abfragewerkzeug, nicht das Register.</ref> Die europäische Leitlinie hält dazu selbst fest: „ergotamine and DHE are not available in many European countries."<ref name="EAN2023"/> | '''Ergotamin.''' Bei Ergotamin ist die Verfügbarkeit zu beachten. In Deutschland ist noch ein Präparat mit Ergotamintartrat zum Einnehmen im Handel, sein Anwendungsgebiet umfasst aber nur die Migräne: „Behandlung von Migräne-Anfällen (insbesondere sehr lange Anfälle), wenn andere Therapien nicht wirksam oder nicht indiziert sind." Beim Cluster-Kopfschmerz ist die Anwendung damit ein Gebrauch außerhalb der Zulassung.<ref name="ERGOKRANIT">[https://www.krewelmeuselbach.de/de/pdf/figihwg/fi_ergo_kranit.pdf Fachinformation Ergo-Kranit Migräne 2 mg Tabletten, Stand Februar 2023 (PDF-Datei)], Abschnitt 4.1; gleichlautend die [https://www.krewelmeuselbach.de/de/pdf/figihwg/gi_ergo_kranit.pdf Gebrauchsinformation]. Das Wort „Cluster" kommt in beiden Dokumenten nicht vor. Das Präparat wird inzwischen von der Fairmed Healthcare GmbH angeboten (PZN 04229082); eine neuere Packungsbeilage mit Stand November 2025 liegt vor, war aber nicht als Dokument der Firma abrufbar.</ref> | ||
Die europäische Leitlinie nennt Ergotamintartrat für die Kurzprophylaxe '''zum Einnehmen'''; in ihrer Tabelle 17 steht als Dosierung „2–4 mg/day. Ideal: 2 mg 1–0–1. If attacks in the night: 2 mg oral in late evening", als Wirkung „Efficacious in 70%" und als Grundlage eine Konsensusaussage mit dem ausdrücklichen Vermerk „In the absence of evidence/studies".<ref name="EAN2023"/> In der Tabelle stehen keine Zäpfchen; im Fließtext nennt die Leitlinie Ergotamin aber auch als Zäpfchen zur kurzfristigen Vorbeugung (S. 2963 und S. 2968: „2 mg oral or suppository“). Der Hinweis „as suppository (no first path effect)“ betrifft dagegen das [[Dihydroergotamin]].<ref name="EANSUPP">{{cite journal |author=May A, Evers S, Goadsby PJ u. a. |title=European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache |journal=Eur J Neurol |volume=30 |issue=10 |pages=2955-2979 |year=2023 |pmid=37515405 |doi=10.1111/ene.15956}} Am 23.09.2026 im Volltext gelesen ([https://www.uems-neuroboard.org/web/images/docs/exam/2024/papers/06-EAN-guideline-cluster-headache2023.pdf PDF-Fassung]). S. 2963: „Due to poor oral absorption and the need for a rapid increase in plasma levels, dihydroergotamine (DHE) is best applied as aerosol spray, as suppository (no first path effect), or as subcutaneous injection“; „Ergotamine tartrate suppositories are not able to abort attacks because of the slow onset of action but may be used as short-term prophylaxis (see preventative drug treatment).“ S. 2968: „A further option is ergotamine tartrate (2 mg oral or suppository), if available.“</ref> In Deutschland ließ sich außer dem Tablettenpräparat kein weiteres ergotaminhaltiges Arzneimittel nachweisen.<ref name="ERGOVERFUEG">Für Deutschland die gelesene [https://www.krewelmeuselbach.de/de/pdf/figihwg/fi_ergo_kranit.pdf Fachinformation] des Tablettenpräparats (Stand Februar 2023). Zäpfchen mit Ergotamintartrat führt die Aufstellung der Europäischen Arzneimittel-Agentur zum Verfahren PSUSA/00000485/202511 (Stand 07/2026) nur für Belgien, Italien und Griechenland. Für die Schweiz die schweizerische Fachdatenbank [https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Ergotamin PharmaWiki] (Stand 30.04.2024): „In der Schweiz sind derzeit keine Arzneimittel mit Ergotamin mehr im Handel."; das dort zuletzt erhältliche Kombinationspräparat wurde 2014 vom Markt genommen. Für Österreich ließ sich der Stand '''nicht prüfen''': Das [https://medikamente.basg.gv.at/de/medicinal-products Arzneispezialitätenregister des BASG] ist nur über eine JavaScript-Suche zugänglich, deren Wirkstoff-Vorschlagsliste am 22.09.2026 auch für Wirkstoffe, die dort sicher verzeichnet sind, „Keine Optionen verfügbar" meldete. Dieser Befund betrifft das Abfragewerkzeug, nicht das Register.</ref> Die europäische Leitlinie hält dazu selbst fest: „ergotamine and DHE are not available in many European countries."<ref name="EAN2023"/> | |||
'''Dihydroergotamin.''' [[Dihydroergotamin]] (DHE) steht in Deutschland nicht mehr zur Verfügung. Nach einem europäischen Risikobewertungsverfahren wurde das Ruhen der Zulassungen zum 1. Februar 2014 angeordnet und danach mehrfach verlängert; seit Februar 2022 hält das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte fest: „In Deutschland sind keine dihydroergotaminhaltigen Arzneimittel mehr zugelassen." Das Verfahren betraf die Anwendungsgebiete Vorbeugung von Migränekopfschmerzen, niedriger Blutdruck und venös-lymphatische Insuffizienz – nicht die Behandlung des akuten Migräneanfalls. Deshalb sind in Österreich weiterhin ein Nasenspray und eine Tablette mit DHE zugelassen, beide allein für den akuten Migräneanfall; für die Tablette hat der Zulassungsinhaber die Einstellung des Vertriebs gemeldet. In der Schweiz wurde der Vertrieb eingestellt.<ref name="DHE">[https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RV_STP/a-f/dihydroergotamin.html Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: „Dihydroergotamin und Dihydroergotoxin: Ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis"], Eintrag vom 22.02.2022 sowie die Ruhensanordnungen ab 2014; [https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/referrals/ergot-derivatives Europäische Arzneimittel-Agentur, Referral-Verfahren zu Mutterkornalkaloid-Derivaten]. Für Österreich die Einträge Migranal 4 mg/ml Nasalspray (Z.Nr. 1-22574) und Dihydergot 2,5 mg Tabletten (Z.Nr. 1-16750) im Arzneispezialitätenregister des BASG, Fachinformationen Stand 09/2025, Abschnitt 4.1 jeweils nur akute Migräne; bei der Tablette ist dort „Einstellung des In-Verkehr-Bringens gemeldet" vermerkt (Abfrage September 2026). Für die Schweiz: [https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Dihydroergotamin PharmaWiki, Dihydroergotamin] (Stand 01.05.2025).</ref> | '''Dihydroergotamin.''' [[Dihydroergotamin]] (DHE) steht in Deutschland nicht mehr zur Verfügung. Nach einem europäischen Risikobewertungsverfahren wurde das Ruhen der Zulassungen zum 1. Februar 2014 angeordnet und danach mehrfach verlängert; seit Februar 2022 hält das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte fest: „In Deutschland sind keine dihydroergotaminhaltigen Arzneimittel mehr zugelassen." Das Verfahren betraf die Anwendungsgebiete Vorbeugung von Migränekopfschmerzen, niedriger Blutdruck und venös-lymphatische Insuffizienz – nicht die Behandlung des akuten Migräneanfalls. Deshalb sind in Österreich weiterhin ein Nasenspray und eine Tablette mit DHE zugelassen, beide allein für den akuten Migräneanfall; für die Tablette hat der Zulassungsinhaber die Einstellung des Vertriebs gemeldet. In der Schweiz wurde der Vertrieb eingestellt.<ref name="DHE">[https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RV_STP/a-f/dihydroergotamin.html Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: „Dihydroergotamin und Dihydroergotoxin: Ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis"], Eintrag vom 22.02.2022 sowie die Ruhensanordnungen ab 2014; [https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/referrals/ergot-derivatives Europäische Arzneimittel-Agentur, Referral-Verfahren zu Mutterkornalkaloid-Derivaten]. Für Österreich die Einträge Migranal 4 mg/ml Nasalspray (Z.Nr. 1-22574) und Dihydergot 2,5 mg Tabletten (Z.Nr. 1-16750) im Arzneispezialitätenregister des BASG, Fachinformationen Stand 09/2025, Abschnitt 4.1 jeweils nur akute Migräne; bei der Tablette ist dort „Einstellung des In-Verkehr-Bringens gemeldet" vermerkt (Abfrage September 2026). Für die Schweiz: [https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Dihydroergotamin PharmaWiki, Dihydroergotamin] (Stand 01.05.2025).</ref> | ||
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=== Lithium === | === Lithium === | ||
[[Lithium]] ist in Deutschland das einzige Medikament, das nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Arzneimittelrecht Arzneimittelrecht] zur vorbeugenden Behandlung des Cluster-Kopfschmerzes zugelassen ist. Die Zulassung gilt präparatespezifisch: Quilonum retard ([https://de.wikipedia.org/wiki/Lithiumcarbonat Lithiumcarbonat]) führt den Cluster-Kopfschmerz im Anwendungsgebiet, das ebenfalls Lithiumcarbonat enthaltende Hypnorex retard nicht.<ref name="QUILONUM">Fachinformation Quilonum retard 450 mg Retardtabletten, Stand August 2024, Abschnitt 4.1 Anwendungsgebiete: „Anfallsweise auftretender oder chronischer Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Syndrom)".</ref> Über die Stärke der Belege sagt die Zulassung allerdings nichts: Die einzige placebokontrollierte Studie beim episodischen Verlauf konnte keine Überlegenheit gegenüber Placebo zeigen – deutlich gebessert waren 8 von 13 Behandelten unter Lithium und 6 von 14 unter Placebo.<ref name="STEINER1997">Steiner TJ, Hering R, Couturier EG, Davies PT, Whitmarsh TE.: Double-blind placebo-controlled trial of lithium in episodic cluster headache. ''Cephalalgia.'' 1997; '''17'''(6): 673-675. PMID 9350389.</ref> Die europäische Leitlinie empfiehlt Lithium deshalb erst, wenn Verapamil nicht ausreicht, und vor allem beim chronischen Verlauf.<ref name="EAN2023"/> Wegen der möglichen Nebenwirkungen und des engen Abstands zwischen wirksamer und zu hoher Dosis sind regelmäßige Kontrollen des Lithiumspiegels im Blut erforderlich. | [[Lithium]] ist in Deutschland das einzige Medikament, das nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Arzneimittelrecht Arzneimittelrecht] zur vorbeugenden Behandlung des Cluster-Kopfschmerzes zugelassen ist. Die Zulassung gilt präparatespezifisch: Quilonum retard ([https://de.wikipedia.org/wiki/Lithiumcarbonat Lithiumcarbonat]) führt den Cluster-Kopfschmerz im Anwendungsgebiet, das ebenfalls Lithiumcarbonat enthaltende Hypnorex retard nicht.<ref name="QUILONUM">Fachinformation Quilonum retard 450 mg Retardtabletten, Stand August 2024, Abschnitt 4.1 Anwendungsgebiete: „Anfallsweise auftretender oder chronischer Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Syndrom)".</ref> | ||
Über die Stärke der Belege sagt die Zulassung allerdings nichts: Die einzige placebokontrollierte Studie beim episodischen Verlauf konnte keine Überlegenheit gegenüber Placebo zeigen – deutlich gebessert waren 8 von 13 Behandelten unter Lithium und 6 von 14 unter Placebo.<ref name="STEINER1997">Steiner TJ, Hering R, Couturier EG, Davies PT, Whitmarsh TE.: Double-blind placebo-controlled trial of lithium in episodic cluster headache. ''Cephalalgia.'' 1997; '''17'''(6): 673-675. PMID 9350389.</ref> Die europäische Leitlinie empfiehlt Lithium deshalb erst, wenn Verapamil nicht ausreicht, und vor allem beim chronischen Verlauf.<ref name="EAN2023"/> Wegen der möglichen Nebenwirkungen und des engen Abstands zwischen wirksamer und zu hoher Dosis sind regelmäßige Kontrollen des Lithiumspiegels im Blut erforderlich. | |||
=== Weitere Medikamente === | === Weitere Medikamente === | ||
Wenn Verapamil und Lithium versagen, kann ein Versuch mit den ebenfalls verschreibungspflichtigen Substanzen [[Topiramat]] oder [[Melatonin]] unternommen werden; große kontrollierte Studien fehlen für beide, und die europäische Leitlinie von 2023 stützt beide Empfehlungen ausdrücklich nicht auf Studien, sondern auf den Konsens der Autorengruppe. Für Topiramat gibt es nur offene Beobachtungen und Fallserien; die Leitlinie nennt mindestens 100 mg pro Tag bei einer Anfangsdosis von 25 mg und hält die klinischen Erfahrungen für vielversprechend, sofern das Mittel verträglich ist. Melatonin führt sie als Methode der dritten Wahl mit 10 mg zum Einnehmen: In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie nahmen Attackenzahl und Schmerzmittelverbrauch nach einer und nach zwei Wochen ab, bei therapierefraktärem Verlauf brachte Melatonin in einer kleinen Fall-Kontroll-Studie dagegen keinen zusätzlichen Nutzen. Bei Schlafproblemen hält die Leitlinie einen Versuch weiterhin für sinnvoll.<ref name="EAN2023"/> [[Pizotifen]] ist nach Angabe der deutschen Leitlinie „in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht mehr zugelassen und nur noch als Import-Arzneimittel zu beziehen".<ref name="DG"/> Für [[Valproinsäure]] verlief die einzige kontrollierte Studie negativ: Von 96 Patienten besserten sich 50 % unter Valproinsäure und 62 % unter Placebo.<ref name="VALPRO">El Amrani M, Massiou H, Bousser MG.: A negative trial of sodium valproate in cluster headache: methodological issues. ''Cephalalgia.'' 2002; '''22'''(3): 205-208. PMID 12047460, [https://doi.org/10.1046/j.1468-2982.2002.00349.x DOI].</ref> Seit 2019 gibt es mit den [[#CGRP Antikörper|CGRP-Antikörpern]] eine weitere Gruppe vorbeugender Mittel. Die europäische Leitlinie von 2023 empfiehlt Galcanezumab bei sonst nicht beherrschbarem Verlauf, allerdings nur beim episodischen Cluster-Kopfschmerz: Die Studie beim chronischen Verlauf verlief negativ, und eine europäische Zulassung für dieses Anwendungsgebiet gibt es bisher nicht. Näheres steht unten im eigenen Abschnitt.<ref name="EAN2023"/> Wenn eine Substanz allein nicht wirkt, kann unter ärztlicher Kontrolle eine Kombination ausprobiert werden.<ref name="DG" /><ref name="EAN2023"/> | Wenn Verapamil und Lithium versagen, kann ein Versuch mit den ebenfalls verschreibungspflichtigen Substanzen [[Topiramat]] oder [[Melatonin]] unternommen werden; große kontrollierte Studien fehlen für beide, und die europäische Leitlinie von 2023 stützt beide Empfehlungen ausdrücklich nicht auf Studien, sondern auf den Konsens der Autorengruppe. | ||
Für Topiramat gibt es nur offene Beobachtungen und Fallserien; die Leitlinie nennt mindestens 100 mg pro Tag bei einer Anfangsdosis von 25 mg und hält die klinischen Erfahrungen für vielversprechend, sofern das Mittel verträglich ist. Melatonin führt sie als Methode der dritten Wahl mit 10 mg zum Einnehmen: In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie nahmen Attackenzahl und Schmerzmittelverbrauch nach einer und nach zwei Wochen ab, bei therapierefraktärem Verlauf brachte Melatonin in einer kleinen Fall-Kontroll-Studie dagegen keinen zusätzlichen Nutzen. | |||
Bei Schlafproblemen hält die Leitlinie einen Versuch weiterhin für sinnvoll.<ref name="EAN2023"/> [[Pizotifen]] ist nach Angabe der deutschen Leitlinie „in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht mehr zugelassen und nur noch als Import-Arzneimittel zu beziehen".<ref name="DG"/> Für [[Valproinsäure]] verlief die einzige kontrollierte Studie negativ: Von 96 Patienten besserten sich 50 % unter Valproinsäure und 62 % unter Placebo.<ref name="VALPRO">El Amrani M, Massiou H, Bousser MG.: A negative trial of sodium valproate in cluster headache: methodological issues. ''Cephalalgia.'' 2002; '''22'''(3): 205-208. PMID 12047460, [https://doi.org/10.1046/j.1468-2982.2002.00349.x DOI].</ref> Seit 2019 gibt es mit den [[#CGRP Antikörper|CGRP-Antikörpern]] eine weitere Gruppe vorbeugender Mittel. | |||
Die europäische Leitlinie von 2023 empfiehlt Galcanezumab bei sonst nicht beherrschbarem Verlauf, allerdings nur beim episodischen Cluster-Kopfschmerz: Die Studie beim chronischen Verlauf verlief negativ, und eine europäische Zulassung für dieses Anwendungsgebiet gibt es bisher nicht. Näheres steht unten im eigenen Abschnitt.<ref name="EAN2023"/> Wenn eine Substanz allein nicht wirkt, kann unter ärztlicher Kontrolle eine Kombination ausprobiert werden.<ref name="DG" /><ref name="EAN2023"/> | |||
[[Baclofen]] wurde in der europäischen Leitlinie von 2006 noch als Medikament der dritten Wahl zur vorbeugenden Behandlung genannt.<ref name="EFNS"/> Die Leitlinie von 2023 kommt zu einem anderen Schluss: „There is no evidence that baclofen 15–30 mg or transdermal clonidine have any preventive effect in cluster headache."<ref name="EAN2023"/> Die Verwendung von [[Gabapentin]] als zusätzliches vorbeugendes Medikament zeigte in einer kleinen Studie einen gewissen Erfolg.<ref>S. Schuh-Hofer, H. Israel, L. Neeb, U. Reuter, G. Arnold: The use of gabapentin in chronic cluster headache patients refractory to first-line therapy. ''European Journal of Neurology'' 2007 '''14(6)''', 694–696, [https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1468-1331.2007.01738.x Beim Verlag] PMID 17539953.</ref> | [[Baclofen]] wurde in der europäischen Leitlinie von 2006 noch als Medikament der dritten Wahl zur vorbeugenden Behandlung genannt.<ref name="EFNS"/> Die Leitlinie von 2023 kommt zu einem anderen Schluss: „There is no evidence that baclofen 15–30 mg or transdermal clonidine have any preventive effect in cluster headache."<ref name="EAN2023"/> Die Verwendung von [[Gabapentin]] als zusätzliches vorbeugendes Medikament zeigte in einer kleinen Studie einen gewissen Erfolg.<ref>S. Schuh-Hofer, H. Israel, L. Neeb, U. Reuter, G. Arnold: The use of gabapentin in chronic cluster headache patients refractory to first-line therapy. ''European Journal of Neurology'' 2007 '''14(6)''', 694–696, [https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1468-1331.2007.01738.x Beim Verlag] PMID 17539953.</ref> | ||
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Zugelassen sind für den Cluster-Kopfschmerz in Deutschland zur Akutbehandlung nur [[Sumatriptan]] 6 mg als Injektion unter die Haut, [[Zolmitriptan]] als Nasenspray und medizinischer [[Sauerstoff]]; zur Vorbeugung ist das Lithiumpräparat Quilonum retard zugelassen, wobei nicht jedes Lithiumpräparat den Cluster-Kopfschmerz im Anwendungsgebiet führt.<ref name="QUILONUM"/> Beim Sauerstoff gilt das nur für Präparate, die den Cluster-Kopfschmerz im Anwendungsgebiet führen, so für CONOXIA GO2X in Druckgasflaschen.<ref name="CONOXIAGO2X">[https://static.prd.echannel.linde.com/wcsstore/DE_REC_Industrial_Gas_Store/Attachment/Packungsbeilage/Gebrauchsinformation_CONOXIA-GO2X_2024-09_41000022.pdf Gebrauchsinformation CONOXIA® GO2X, Sauerstoff 100 % (V/V), Gas zur medizinischen Anwendung, Linde GmbH, Stand 09.2024], Abschnitt 1, am 23.09.2026 gelesen: „CONOXIA GO2X wird angewendet zur Behandlung und Vorbeugung von Sauerstoffmangelzuständen (hypoxischen und hypoxämischen Zuständen) sowie zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen.“ Abschnitt 3: „Bei Cluster-Kopfschmerzen wird 15 Minuten lang 100 %iger Sauerstoff mit einer Strömungsgeschwindigkeit von 7 l/min über eine Gesichtsmaske zugeführt.“ Die europäische Leitlinie von 2023 empfiehlt dagegen mindestens 12 l/min.</ref> Alle übrigen hier genannten Arzneimittel werden außerhalb ihrer Zulassung eingesetzt. Sumatriptan als Nasenspray ist nur für die Migräne zugelassen.<ref name="DG"/> Beim Zolmitriptan-Nasenspray gehen Leitlinie und Zulassung auseinander: Die europäische Leitlinie empfiehlt 5 mg, hält im Text aber 10 mg für die vorzuziehende Dosis.<ref name="EAN2023"/> Die Fachinformation nennt für den Cluster-Kopfschmerz „5 oder 10 mg" und ergänzt, bei ungenügender Wirkung von 5 mg könne eine Dosis von 10 mg bei nachfolgenden Anfällen wirksam sein. Das Spray gibt es nur mit 5 mg pro Sprühstoß; 10 mg sind also zwei Sprühstöße – und damit schon die zulässige Tagesgesamtdosis.<ref name="FIASCOTOPCLUSTER">Fachinformation AscoTop Nasal 5 mg/Dosis Nasenspray, Grünenthal GmbH, Stand Juni 2023, Abschnitt 4.2, Unterabschnitt „Behandlung von Cluster-Kopfschmerz": „Die empfohlene Dosis … beträgt 5 oder 10 mg. Bei Patienten, bei denen keine ausreichende Wirkung mit der 5-mg-Dosis erreicht wird, kann eine Dosis von 10 mg bei nachfolgenden Anfällen wirksam sein. … Die Tagesgesamtdosis darf 10 mg nicht überschreiten. Innerhalb von 24 Stunden sollten nicht mehr als 4 Dosen Zolmitriptan 2,5 mg oder 2 Dosen Zolmitriptan 5 mg angewendet werden." [https://www.fachinfo.de/fi/pdf/007410 Bei fachinfo.de]</ref> | Zugelassen sind für den Cluster-Kopfschmerz in Deutschland zur Akutbehandlung nur [[Sumatriptan]] 6 mg als Injektion unter die Haut, [[Zolmitriptan]] als Nasenspray und medizinischer [[Sauerstoff]]; zur Vorbeugung ist das Lithiumpräparat Quilonum retard zugelassen, wobei nicht jedes Lithiumpräparat den Cluster-Kopfschmerz im Anwendungsgebiet führt.<ref name="QUILONUM"/> Beim Sauerstoff gilt das nur für Präparate, die den Cluster-Kopfschmerz im Anwendungsgebiet führen, so für CONOXIA GO2X in Druckgasflaschen.<ref name="CONOXIAGO2X">[https://static.prd.echannel.linde.com/wcsstore/DE_REC_Industrial_Gas_Store/Attachment/Packungsbeilage/Gebrauchsinformation_CONOXIA-GO2X_2024-09_41000022.pdf Gebrauchsinformation CONOXIA® GO2X, Sauerstoff 100 % (V/V), Gas zur medizinischen Anwendung, Linde GmbH, Stand 09.2024], Abschnitt 1, am 23.09.2026 gelesen: „CONOXIA GO2X wird angewendet zur Behandlung und Vorbeugung von Sauerstoffmangelzuständen (hypoxischen und hypoxämischen Zuständen) sowie zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen.“ Abschnitt 3: „Bei Cluster-Kopfschmerzen wird 15 Minuten lang 100 %iger Sauerstoff mit einer Strömungsgeschwindigkeit von 7 l/min über eine Gesichtsmaske zugeführt.“ Die europäische Leitlinie von 2023 empfiehlt dagegen mindestens 12 l/min.</ref> Alle übrigen hier genannten Arzneimittel werden außerhalb ihrer Zulassung eingesetzt. | ||
Sumatriptan als Nasenspray ist nur für die Migräne zugelassen.<ref name="DG"/> Beim Zolmitriptan-Nasenspray gehen Leitlinie und Zulassung auseinander: Die europäische Leitlinie empfiehlt 5 mg, hält im Text aber 10 mg für die vorzuziehende Dosis.<ref name="EAN2023"/> Die Fachinformation nennt für den Cluster-Kopfschmerz „5 oder 10 mg" und ergänzt, bei ungenügender Wirkung von 5 mg könne eine Dosis von 10 mg bei nachfolgenden Anfällen wirksam sein. Das Spray gibt es nur mit 5 mg pro Sprühstoß; 10 mg sind also zwei Sprühstöße – und damit schon die zulässige Tagesgesamtdosis.<ref name="FIASCOTOPCLUSTER">Fachinformation AscoTop Nasal 5 mg/Dosis Nasenspray, Grünenthal GmbH, Stand Juni 2023, Abschnitt 4.2, Unterabschnitt „Behandlung von Cluster-Kopfschmerz": „Die empfohlene Dosis … beträgt 5 oder 10 mg. Bei Patienten, bei denen keine ausreichende Wirkung mit der 5-mg-Dosis erreicht wird, kann eine Dosis von 10 mg bei nachfolgenden Anfällen wirksam sein. … Die Tagesgesamtdosis darf 10 mg nicht überschreiten. Innerhalb von 24 Stunden sollten nicht mehr als 4 Dosen Zolmitriptan 2,5 mg oder 2 Dosen Zolmitriptan 5 mg angewendet werden." [https://www.fachinfo.de/fi/pdf/007410 Bei fachinfo.de]</ref> | |||
Die Angaben sind der europäischen Leitlinie von 2023 entnommen; die Gültigkeit der deutschen Leitlinie von 2015 ist am 13. Mai 2020 abgelaufen.<ref name="DG"/> Die Dosierungen sind Leitlinienangaben und keine ärztliche Anweisung; maßgeblich ist die Verordnung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes. | Die Angaben sind der europäischen Leitlinie von 2023 entnommen; die Gültigkeit der deutschen Leitlinie von 2015 ist am 13. Mai 2020 abgelaufen.<ref name="DG"/> Die Dosierungen sind Leitlinienangaben und keine ärztliche Anweisung; maßgeblich ist die Verordnung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes. | ||
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''Ausführlich: [[Galcanezumab]].'' | ''Ausführlich: [[Galcanezumab]].'' | ||
In einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Klinische_Studie Phase-III-Studie] zur vorbeugenden Behandlung bei [[ECH|episodischem]] Cluster-Kopfschmerz wurde [https://flexikon.doccheck.com/de/Galcanezumab Galcanezumab (Handelsname Emgality)] als humanisierter [https://de.wikipedia.org/wiki/Monoklonaler_Antik%C3%B6rper monoklonaler Antikörper] eingesetzt, der ein selektiver [https://de.wikipedia.org/wiki/CGRP-Antagonist Inhibitor] des [https://de.wikipedia.org/wiki/CGRP CGRP] (‘‘calcitonin gene-related peptide‘‘) ist. In dieser doppelblinden [https://de.wikipedia.org/wiki/Randomisierte_kontrollierte_Studie randomisierten Studie] wurden im Abstand von vier Wochen jeweils 300 mg Galcanezumab oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Placebo Placebo] [[subkutan]] bei Patienten mit mindestens einer Kopfschmerzepisode alle zwei Tage seit mindestens sechs Wochen injiziert. Dadurch reduzierte sich die wöchentliche Anzahl von Kopfschmerzattacken in den ersten drei Wochen um mittlere 8,7 Attacken gegen 5,2 in der Placebogruppe. 71 % (gegen 53 %) hatten nach drei Wochen eine um mindestens die Hälfte reduzierte Häufigkeit von Kopfschmerzattacken. Schwere [https://de.wikipedia.org/wiki/Unerw%C3%BCnschte_Wirkung unerwünschte Wirkungen] traten nicht auf, aber 8 % der Patienten mit Galcanezumab beklagten Schmerzen an der Injektionsstelle. Da durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Blut-Hirn-Schranke Blut-Hirn-Schranke] Galcanezumab im [https://de.wikipedia.org/wiki/Liquor_cerebrospinalis Liquor] nur eine Konzentration von 0,1 % der [https://de.wikipedia.org/wiki/Plasmakonzentration Plasmakonzentration] aufweist, deutet dies auf eine periphere Wirkung außerhalb des [https://de.wikipedia.org/wiki/Zentralnervensystem Zentralnervensystem]s hin, wie z.B. am [https://de.wikipedia.org/wiki/Trigeminus Trigeminus-Ganglion].<ref name="GALCA">{{cite journal |author=Goadsby PJ, Dodick DW, Leone M, Bardos JN, Oakes TM, Millen BA, Zhou C, Dowsett SA, Aurora SK, Ahn AH, Yang JY, Conley RR, Martinez JM |title='''Trial of Galcanezumab in Prevention of Episodic Cluster Headache''' |journal=N. Engl. J. Med. |volume=381 |issue=2 |pages=132–141 |date=July 2019 |pmid=31291515 |doi=10.1056/NEJMoa1813440 |url=}}</ref> Die Rekrutierung der Studie wurde vorzeitig beendet, weil zu wenige Betroffene die Einschlusskriterien erfüllten: Eingeschlossen wurden 106 statt der geplanten 162 Teilnehmer.<ref name="GALCA"/> | In einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Klinische_Studie Phase-III-Studie] zur vorbeugenden Behandlung bei [[ECH|episodischem]] Cluster-Kopfschmerz wurde [https://flexikon.doccheck.com/de/Galcanezumab Galcanezumab (Handelsname Emgality)] als humanisierter [https://de.wikipedia.org/wiki/Monoklonaler_Antik%C3%B6rper monoklonaler Antikörper] eingesetzt, der ein selektiver [https://de.wikipedia.org/wiki/CGRP-Antagonist Inhibitor] des [https://de.wikipedia.org/wiki/CGRP CGRP] (‘‘calcitonin gene-related peptide‘‘) ist. | ||
In dieser doppelblinden [https://de.wikipedia.org/wiki/Randomisierte_kontrollierte_Studie randomisierten Studie] wurden im Abstand von vier Wochen jeweils 300 mg Galcanezumab oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Placebo Placebo] [[subkutan]] bei Patienten mit mindestens einer Kopfschmerzepisode alle zwei Tage seit mindestens sechs Wochen injiziert. Dadurch reduzierte sich die wöchentliche Anzahl von Kopfschmerzattacken in den ersten drei Wochen um mittlere 8,7 Attacken gegen 5,2 in der Placebogruppe. 71 % (gegen 53 %) hatten nach drei Wochen eine um mindestens die Hälfte reduzierte Häufigkeit von Kopfschmerzattacken. Schwere [https://de.wikipedia.org/wiki/Unerw%C3%BCnschte_Wirkung unerwünschte Wirkungen] traten nicht auf, aber 8 % der Patienten mit Galcanezumab beklagten Schmerzen an der Injektionsstelle. | |||
Da durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Blut-Hirn-Schranke Blut-Hirn-Schranke] Galcanezumab im [https://de.wikipedia.org/wiki/Liquor_cerebrospinalis Liquor] nur eine Konzentration von 0,1 % der [https://de.wikipedia.org/wiki/Plasmakonzentration Plasmakonzentration] aufweist, deutet dies auf eine periphere Wirkung außerhalb des [https://de.wikipedia.org/wiki/Zentralnervensystem Zentralnervensystem]s hin, wie z.B. am [https://de.wikipedia.org/wiki/Trigeminus Trigeminus-Ganglion].<ref name="GALCA">{{cite journal |author=Goadsby PJ, Dodick DW, Leone M, Bardos JN, Oakes TM, Millen BA, Zhou C, Dowsett SA, Aurora SK, Ahn AH, Yang JY, Conley RR, Martinez JM |title='''Trial of Galcanezumab in Prevention of Episodic Cluster Headache''' |journal=N. Engl. J. Med. |volume=381 |issue=2 |pages=132–141 |date=July 2019 |pmid=31291515 |doi=10.1056/NEJMoa1813440 |url=}}</ref> Die Rekrutierung der Studie wurde vorzeitig beendet, weil zu wenige Betroffene die Einschlusskriterien erfüllten: Eingeschlossen wurden 106 statt der geplanten 162 Teilnehmer.<ref name="GALCA"/> | |||
Eine Studie zur vorbeugenden Behandlung mit Galcanezumab bei [[CCH|chronischem]] Cluster-Kopfschmerz blieb ohne Wirkung: Bei 237 behandelten Patienten sank die wöchentliche Attackenzahl um 5,4 gegenüber 4,6 unter Placebo, der Unterschied war nicht [https://de.wikipedia.org/wiki/Statistische_Signifikanz signifikant].<ref name="DODICK2020">{{cite journal |author=Dodick DW, Goadsby PJ, Lucas C, Jensen R, Bardos JN, Martinez JM, Zhou C, Aurora SK, Yang JY, Conley RR, Oakes T |title=Phase 3 randomized, placebo-controlled study of galcanezumab in patients with chronic cluster headache: Results from 3-month double-blind treatment |journal=Cephalalgia |volume=40 |issue=9 |pages=935–948 |year=2020 |pmid=32050782 |doi=10.1177/0333102420905321}}</ref> | Eine Studie zur vorbeugenden Behandlung mit Galcanezumab bei [[CCH|chronischem]] Cluster-Kopfschmerz blieb ohne Wirkung: Bei 237 behandelten Patienten sank die wöchentliche Attackenzahl um 5,4 gegenüber 4,6 unter Placebo, der Unterschied war nicht [https://de.wikipedia.org/wiki/Statistische_Signifikanz signifikant].<ref name="DODICK2020">{{cite journal |author=Dodick DW, Goadsby PJ, Lucas C, Jensen R, Bardos JN, Martinez JM, Zhou C, Aurora SK, Yang JY, Conley RR, Oakes T |title=Phase 3 randomized, placebo-controlled study of galcanezumab in patients with chronic cluster headache: Results from 3-month double-blind treatment |journal=Cephalalgia |volume=40 |issue=9 |pages=935–948 |year=2020 |pmid=32050782 |doi=10.1177/0333102420905321}}</ref> | ||
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Eine Selbstbehandlung ist bei Cluster-Kopfschmerz nicht sinnvoll, da die Medikamente verschreibungspflichtig sind und auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten sein müssen.<ref name="DM">[https://dmkg.de/files/dmkg.de/patienten/Download/cluster_d.pdf Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, Cluster-Kopfschmerz, Informationen für Patientinnen und Patienten, Juli 2005 (PDF)]</ref> Von irgendwelchen "Wundermitteln" ist abzuraten, da diese in der Regel nur die Aufnahme einer wirksamen Behandlung verzögern. | Eine Selbstbehandlung ist bei Cluster-Kopfschmerz nicht sinnvoll, da die Medikamente verschreibungspflichtig sind und auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten sein müssen.<ref name="DM">[https://dmkg.de/files/dmkg.de/patienten/Download/cluster_d.pdf Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, Cluster-Kopfschmerz, Informationen für Patientinnen und Patienten, Juli 2005 (PDF)]</ref> Von irgendwelchen "Wundermitteln" ist abzuraten, da diese in der Regel nur die Aufnahme einer wirksamen Behandlung verzögern. | ||
Die Beleglage ist für die folgenden Mittel sehr unterschiedlich; zu den meisten gibt es keine [https://de.wikipedia.org/wiki/Klinische_Studie klinische Studie]. Für [[Wirkung von Psilocybin und LSD auf Cluster-Kopfschmerz|Psilocybin]] liegt inzwischen eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie vor, die ihr Wirksamkeitsziel allerdings verfehlte (siehe unten). Für Vitamin D3 wurde eine randomisierte Studie begonnen, aber vorzeitig abgebrochen und nie veröffentlicht; belegt sind bisher nur niedrigere Vitamin-D-Spiegel bei Betroffenen, nicht ein Nutzen der Einnahme.<ref name="VITD">{{cite journal |author=Sohn JH, Chu MK, Park KY, Ahn HY, Cho SJ |title=Vitamin D deficiency in patients with cluster headache: a preliminary study |journal=J Headache Pain |volume=19 |issue=1 |pages=54 |year=2018 |pmid=30019090 |doi=10.1186/s10194-018-0886-7 |url=}} Die randomisierte Studie zum Hochdosis-Schema ([https://clinicaltrials.gov/study/NCT04570475 NCT04570475], University of Texas Health Science Center, Houston) wurde im Mai 2024 mit 27 aufgenommenen Teilnehmenden abgebrochen; als Grund ist im Register angegeben, dass zu wenige die Voraussetzungen für die Randomisierung erfüllten – nicht, dass sich ein Schaden gezeigt hätte. Ergebnisse sind nicht veröffentlicht. Die oft zitierte Anwenderbefragung von Batcheller (Neurology 2014) ist ein Kongress-Abstract ohne Kontrollgruppe.</ref> Für [[Kudzu]] gibt es eine Befragung von sechzehn Anwendern, von denen elf über weniger starke, neun über seltenere und fünf über kürzere Attacken berichteten; der Autor selbst bezeichnet das als „anecdotal evidence" und fordert eine randomisierte Studie – die es bis heute nicht gibt.<ref name="KUDZU">Sewell RA.: Response of Cluster Headache to Kudzu. ''Headache.'' 2009 Jan; '''49'''(1): 98-105. PMID 19125878 [https://doi.org/10.1111/j.1526-4610.2008.01268.x DOI]</ref> Für die übrigen hier genannten Mittel – Omega-3-Fischöl, [[Minocyclin]], [[Taurin]] beziehungsweise Energy Drinks, eine purin- oder histaminreduzierte Diät, eine erhöhte Trinkmenge und Vitamin-B-Präparate – sind keine klinischen Studien speziell zum Cluster-Kopfschmerz bekannt. | Die Beleglage ist für die folgenden Mittel sehr unterschiedlich; zu den meisten gibt es keine [https://de.wikipedia.org/wiki/Klinische_Studie klinische Studie]. Für [[Wirkung von Psilocybin und LSD auf Cluster-Kopfschmerz|Psilocybin]] liegt inzwischen eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie vor, die ihr Wirksamkeitsziel allerdings verfehlte (siehe unten). Für Vitamin D3 wurde eine randomisierte Studie begonnen, aber vorzeitig abgebrochen und nie veröffentlicht; belegt sind bisher nur niedrigere Vitamin-D-Spiegel bei Betroffenen, nicht ein Nutzen der Einnahme.<ref name="VITD">{{cite journal |author=Sohn JH, Chu MK, Park KY, Ahn HY, Cho SJ |title=Vitamin D deficiency in patients with cluster headache: a preliminary study |journal=J Headache Pain |volume=19 |issue=1 |pages=54 |year=2018 |pmid=30019090 |doi=10.1186/s10194-018-0886-7 |url=}} Die randomisierte Studie zum Hochdosis-Schema ([https://clinicaltrials.gov/study/NCT04570475 NCT04570475], University of Texas Health Science Center, Houston) wurde im Mai 2024 mit 27 aufgenommenen Teilnehmenden abgebrochen; als Grund ist im Register angegeben, dass zu wenige die Voraussetzungen für die Randomisierung erfüllten – nicht, dass sich ein Schaden gezeigt hätte. Ergebnisse sind nicht veröffentlicht. Die oft zitierte Anwenderbefragung von Batcheller (Neurology 2014) ist ein Kongress-Abstract ohne Kontrollgruppe.</ref> | ||
Für [[Kudzu]] gibt es eine Befragung von sechzehn Anwendern, von denen elf über weniger starke, neun über seltenere und fünf über kürzere Attacken berichteten; der Autor selbst bezeichnet das als „anecdotal evidence" und fordert eine randomisierte Studie – die es bis heute nicht gibt.<ref name="KUDZU">Sewell RA.: Response of Cluster Headache to Kudzu. ''Headache.'' 2009 Jan; '''49'''(1): 98-105. PMID 19125878 [https://doi.org/10.1111/j.1526-4610.2008.01268.x DOI]</ref> Für die übrigen hier genannten Mittel – Omega-3-Fischöl, [[Minocyclin]], [[Taurin]] beziehungsweise Energy Drinks, eine purin- oder histaminreduzierte Diät, eine erhöhte Trinkmenge und Vitamin-B-Präparate – sind keine klinischen Studien speziell zum Cluster-Kopfschmerz bekannt. | |||
Patienten berichten unter anderem von positiven Wirkungen durch | Patienten berichten unter anderem von positiven Wirkungen durch | ||
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=== Ketogene Ernährung === | === Ketogene Ernährung === | ||
Anders als die zuvor genannten Selbstversuche ist die ketogene Ernährung in einer klinischen Studie untersucht worden. Achtzehn Betroffene mit chronischem Verlauf, bei denen die Medikamente nicht mehr wirkten, hielten zwölf Wochen eine modifizierte Atkins-Diät ein. Fünfzehn von ihnen sprachen an: elf wurden im Studienzeitraum attackenfrei, vier hatten mindestens halb so viele Attacken wie vorher. Im Mittel ging die Zahl der Attacken pro Monat von 108,7 auf 31,4 zurück, allerdings bei sehr großer Streuung – die Standardabweichung war am Ende größer als der Mittelwert selbst.<ref name="KETO">{{cite journal |author=Di Lorenzo C, Coppola G, Di Lenola D, Evangelista M, Sirianni G, Rossi P, Di Lorenzo G, Serrao M, Pierelli F |title=Efficacy of Modified Atkins Ketogenic Diet in Chronic Cluster Headache: An Open-Label, Single-Arm, Clinical Trial |journal=Front Neurol |volume=9 |pages=64 |year=2018 |pmid=29483892 |doi=10.3389/fneur.2018.00064 |url=}}</ref> Diese Studie war offen und einarmig, hatte also weder eine Kontrollgruppe noch eine Verblindung, und ihr Ergebnis ist bis heute nicht in einer randomisierten Studie bestätigt. Eine ketogene Ernährung über Wochen ist außerdem ein erheblicher Eingriff in den Stoffwechsel; in der Studie wurde sie ärztlich begleitet, als Selbstversuch ist sie nicht gedacht. Die europäische Leitlinie von 2023 nennt die ketogene Ernährung ausdrücklich, spricht aber keine Empfehlung für sie aus: Sie führt sie unter den Behandlungsversuchen, für die „valid double-blind studies are missing", und zitiert dafür genau diese Studie.<ref name="EAN2023"/> | Anders als die zuvor genannten Selbstversuche ist die ketogene Ernährung in einer klinischen Studie untersucht worden. Achtzehn Betroffene mit chronischem Verlauf, bei denen die Medikamente nicht mehr wirkten, hielten zwölf Wochen eine modifizierte Atkins-Diät ein. Fünfzehn von ihnen sprachen an: elf wurden im Studienzeitraum attackenfrei, vier hatten mindestens halb so viele Attacken wie vorher. | ||
Im Mittel ging die Zahl der Attacken pro Monat von 108,7 auf 31,4 zurück, allerdings bei sehr großer Streuung – die Standardabweichung war am Ende größer als der Mittelwert selbst.<ref name="KETO">{{cite journal |author=Di Lorenzo C, Coppola G, Di Lenola D, Evangelista M, Sirianni G, Rossi P, Di Lorenzo G, Serrao M, Pierelli F |title=Efficacy of Modified Atkins Ketogenic Diet in Chronic Cluster Headache: An Open-Label, Single-Arm, Clinical Trial |journal=Front Neurol |volume=9 |pages=64 |year=2018 |pmid=29483892 |doi=10.3389/fneur.2018.00064 |url=}}</ref> Diese Studie war offen und einarmig, hatte also weder eine Kontrollgruppe noch eine Verblindung, und ihr Ergebnis ist bis heute nicht in einer randomisierten Studie bestätigt. | |||
Eine ketogene Ernährung über Wochen ist außerdem ein erheblicher Eingriff in den Stoffwechsel; in der Studie wurde sie ärztlich begleitet, als Selbstversuch ist sie nicht gedacht. Die europäische Leitlinie von 2023 nennt die ketogene Ernährung ausdrücklich, spricht aber keine Empfehlung für sie aus: Sie führt sie unter den Behandlungsversuchen, für die „valid double-blind studies are missing", und zitiert dafür genau diese Studie.<ref name="EAN2023"/> | |||
=== Psilocybin und LSD === | === Psilocybin und LSD === | ||
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== Unwirksame Therapieverfahren == | == Unwirksame Therapieverfahren == | ||
Übliche Analgetika, seien es [https://de.wikipedia.org/wiki/Opioid Opioid]- oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Nichtopioid-Analgetikum Nichtopioid]-[https://de.wikipedia.org/wiki/Analgetikum Analgetika] wie z.B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Acetylsalicyls%C3%A4ure Aspirin], [https://de.wikipedia.org/wiki/Diclofenac Diclofenac], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ibuprofen Ibuprofen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Metamizol Novalgin/Metamizol] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Paracetamol Paracetamol], sind in der Therapie der akuten Schmerzattacke wirkungslos. Da Cluster-Kopfschmerz Attacken nach dreißig bis sechzig Minuten spontan abklingen können, wird irrtümlicherweise angenommen, dass dieses Abklingen durch die Anwendung eines Analgetikums erzielt wird. Die Folge ist, dass über Jahre oder Jahrzehnte unnötigerweise ineffektive und nebenwirkungsträchtige Medikamente eingenommen werden. Die britische Leitlinie NICE nennt in ihrer Empfehlung zur Attackenbehandlung neben diesen Mitteln auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Mutterkornalkaloide Mutterkornalkaloide] und [[Triptan|Triptane in Tablettenform]] als Mittel, die bei einer Cluster-Attacke nicht gegeben werden sollen.<ref name="NICE150">National Institute for Health and Care Excellence: ''Headaches in over 12s: diagnosis and management.'' Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache.“ [https://www.nice.org.uk/guidance/cg150 URL]</ref> Auch die europäische Leitlinie von 2023 bewertet die Tablettenform deutlich schwächer als die schnell anflutenden Formen: Für Zolmitriptan zum Einnehmen spricht sie nur eine schwache Empfehlung auf sehr niedrigem Evidenzniveau aus, für Zolmitriptan als Nasenspray und für Sumatriptan zur Injektion unter die Haut jeweils eine starke Empfehlung. Dass es bei einer Attacke auf die Geschwindigkeit ankommt, hält sie ausdrücklich fest – den Vorzug der Injektion gegenüber dem Nasenspray begründet sie damit, dass Attacken nur etwa 15 bis 180 Minuten dauern.<ref name="EAN2023"/> | Übliche Analgetika, seien es [https://de.wikipedia.org/wiki/Opioid Opioid]- oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Nichtopioid-Analgetikum Nichtopioid]-[https://de.wikipedia.org/wiki/Analgetikum Analgetika] wie z.B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Acetylsalicyls%C3%A4ure Aspirin], [https://de.wikipedia.org/wiki/Diclofenac Diclofenac], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ibuprofen Ibuprofen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Metamizol Novalgin/Metamizol] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Paracetamol Paracetamol], sind in der Therapie der akuten Schmerzattacke wirkungslos. Da Cluster-Kopfschmerz Attacken nach dreißig bis sechzig Minuten spontan abklingen können, wird irrtümlicherweise angenommen, dass dieses Abklingen durch die Anwendung eines Analgetikums erzielt wird. Die Folge ist, dass über Jahre oder Jahrzehnte unnötigerweise ineffektive und nebenwirkungsträchtige Medikamente eingenommen werden. | ||
Die britische Leitlinie NICE nennt in ihrer Empfehlung zur Attackenbehandlung neben diesen Mitteln auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Mutterkornalkaloide Mutterkornalkaloide] und [[Triptan|Triptane in Tablettenform]] als Mittel, die bei einer Cluster-Attacke nicht gegeben werden sollen.<ref name="NICE150">National Institute for Health and Care Excellence: ''Headaches in over 12s: diagnosis and management.'' Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache.“ [https://www.nice.org.uk/guidance/cg150 URL]</ref> | |||
Auch die europäische Leitlinie von 2023 bewertet die Tablettenform deutlich schwächer als die schnell anflutenden Formen: Für Zolmitriptan zum Einnehmen spricht sie nur eine schwache Empfehlung auf sehr niedrigem Evidenzniveau aus, für Zolmitriptan als Nasenspray und für Sumatriptan zur Injektion unter die Haut jeweils eine starke Empfehlung. Dass es bei einer Attacke auf die Geschwindigkeit ankommt, hält sie ausdrücklich fest – den Vorzug der Injektion gegenüber dem Nasenspray begründet sie damit, dass Attacken nur etwa 15 bis 180 Minuten dauern.<ref name="EAN2023"/> | |||
Ohne Wirksamkeit sind nach einer Therapieempfehlung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft aus dem Jahr 1998 außerdem [https://de.wikipedia.org/wiki/Carbamazepin Carbamazepin], [https://de.wikipedia.org/wiki/Phenytoin Phenytoin], [https://de.wikipedia.org/wiki/Betablocker Betablocker], [https://de.wikipedia.org/wiki/Antidepressivum Antidepressiva], [https://de.wikipedia.org/wiki/Monoaminooxidase-Hemmer MAO-Hemmer], Histaminantagonisten ([https://de.wikipedia.org/wiki/Antihistaminikum Antihistaminika]), [https://de.wikipedia.org/wiki/Biofeedback Biofeedback], [https://de.wikipedia.org/wiki/Akupunktur Akupunktur], [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuraltherapie Neuraltherapie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Lokalan%C3%A4sthetikum Lokalanästhetika], [https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalische_Therapie physikalische Therapie], operative Maßnahmen und jegliche Form der [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychotherapie Psychotherapie].<ref name="DMKG-1998">Diener HC, Göbel H, Grotemeyer KH, Pfaffenrath V.: Therapie des Clusterkopfschmerzes. Therapieempfehlung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft. ''Dt. Ärzteblatt.'' Oktober 1998; '''95'''(44): A-2760-2769. [https://www.aerzteblatt.de/archiv/13987/Therapie-des-Clusterkopfschmerzes URL] · [https://schmerzklinik.de/wp-content/uploads/2009/02/clusterkopfschmerz_aerzteblatt_2000.pdf Volltext (PDF)]</ref> | Ohne Wirksamkeit sind nach einer Therapieempfehlung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft aus dem Jahr 1998 außerdem [https://de.wikipedia.org/wiki/Carbamazepin Carbamazepin], [https://de.wikipedia.org/wiki/Phenytoin Phenytoin], [https://de.wikipedia.org/wiki/Betablocker Betablocker], [https://de.wikipedia.org/wiki/Antidepressivum Antidepressiva], [https://de.wikipedia.org/wiki/Monoaminooxidase-Hemmer MAO-Hemmer], Histaminantagonisten ([https://de.wikipedia.org/wiki/Antihistaminikum Antihistaminika]), [https://de.wikipedia.org/wiki/Biofeedback Biofeedback], [https://de.wikipedia.org/wiki/Akupunktur Akupunktur], [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuraltherapie Neuraltherapie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Lokalan%C3%A4sthetikum Lokalanästhetika], [https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalische_Therapie physikalische Therapie], operative Maßnahmen und jegliche Form der [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychotherapie Psychotherapie].<ref name="DMKG-1998">Diener HC, Göbel H, Grotemeyer KH, Pfaffenrath V.: Therapie des Clusterkopfschmerzes. Therapieempfehlung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft. ''Dt. Ärzteblatt.'' Oktober 1998; '''95'''(44): A-2760-2769. [https://www.aerzteblatt.de/archiv/13987/Therapie-des-Clusterkopfschmerzes URL] · [https://schmerzklinik.de/wp-content/uploads/2009/02/clusterkopfschmerz_aerzteblatt_2000.pdf Volltext (PDF)]</ref> | ||
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'''Antidepressiva.''' Gemeint ist, dass sie keine Attacke beenden und keine Episode verhindern; in der europäischen Leitlinie von 2023 werden sie als Mittel gegen den Cluster-Kopfschmerz nicht genannt.<ref name="EAN2023"/> Etwas anderes ist die Frage, ob jemand mit Cluster-Kopfschmerz ein Antidepressivum braucht, weil zusätzlich eine Depression vorliegt. Das bespricht man mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. | '''Antidepressiva.''' Gemeint ist, dass sie keine Attacke beenden und keine Episode verhindern; in der europäischen Leitlinie von 2023 werden sie als Mittel gegen den Cluster-Kopfschmerz nicht genannt.<ref name="EAN2023"/> Etwas anderes ist die Frage, ob jemand mit Cluster-Kopfschmerz ein Antidepressivum braucht, weil zusätzlich eine Depression vorliegt. Das bespricht man mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. | ||
'''Psychotherapie.''' Dass Psychotherapie keine Attacke beendet und keine Episode verhindert, ist unstrittig. Untersucht wurde es allerdings kaum. Der einzige veröffentlichte Behandlungsversuch an einer Patientengruppe stammt von 1982: Elf Patienten mit episodischem Verlauf wurde ein Programm aus acht Wochen Entspannungstraining und anschließend zwölf Sitzungen Biofeedback angeboten. Vier brachen ab, bevor die Behandlung überhaupt begann; die sieben, die begannen, schlossen sie ab. Drei von ihnen – 27 Prozent der Ausgangsgruppe – berichteten beim nächsten Cluster-Anfall eine gewisse Besserung. Im Original heißt es: „In no one was the disorder eliminated.“<ref name="BLANCHARD">{{cite journal |author=Blanchard EB, Andrasik F, Jurish SE, Teders SJ |title=The treatment of cluster headache with relaxation and thermal biofeedback |journal=Biofeedback Self Regul |volume=7 |issue=2 |pages=185-91 |year=1982 |month=June |pmid=6753952 |doi=10.1007/BF00998782 |url=}} Acht Wochen verkürzte progressive Muskelrelaxation, danach zwölf Sitzungen thermales Biofeedback; ohne Kontrollgruppe.</ref> Daneben gibt es zwei Einzelfallberichte zu Biofeedback bei chronischem Verlauf, beide mit berichteter Besserung bei je einem Patienten.<ref name="HOELSCHER">{{cite journal |author=Hoelscher TJ, Lichstein KL |title=Blood volume pulse biofeedback treatment of chronic cluster headache |journal=Biofeedback Self Regul |volume=8 |issue=4 |pages=533-41 |year=1983 |pmid=6675728 |doi=10.1007/BF00998760 |url=}}</ref><ref name="KINGARENA">{{cite journal |author=King AC, Arena JG |title=Behavioral treatment of chronic cluster headache in a geriatric patient |journal=Biofeedback Self Regul |volume=9 |issue=2 |pages=201-8 |year=1984 |pmid=6509110 |doi=10.1007/BF00998834 |url=}}</ref> Kontrollierte oder randomisierte Studien zu einem psychologischen Verfahren speziell beim Cluster-Kopfschmerz gibt es bis heute nicht. | '''Psychotherapie.''' Dass Psychotherapie keine Attacke beendet und keine Episode verhindert, ist unstrittig. Untersucht wurde es allerdings kaum. Der einzige veröffentlichte Behandlungsversuch an einer Patientengruppe stammt von 1982: Elf Patienten mit episodischem Verlauf wurde ein Programm aus acht Wochen Entspannungstraining und anschließend zwölf Sitzungen Biofeedback angeboten. Vier brachen ab, bevor die Behandlung überhaupt begann; die sieben, die begannen, schlossen sie ab. | ||
Drei von ihnen – 27 Prozent der Ausgangsgruppe – berichteten beim nächsten Cluster-Anfall eine gewisse Besserung. Im Original heißt es: „In no one was the disorder eliminated.“<ref name="BLANCHARD">{{cite journal |author=Blanchard EB, Andrasik F, Jurish SE, Teders SJ |title=The treatment of cluster headache with relaxation and thermal biofeedback |journal=Biofeedback Self Regul |volume=7 |issue=2 |pages=185-91 |year=1982 |month=June |pmid=6753952 |doi=10.1007/BF00998782 |url=}} Acht Wochen verkürzte progressive Muskelrelaxation, danach zwölf Sitzungen thermales Biofeedback; ohne Kontrollgruppe.</ref> Daneben gibt es zwei Einzelfallberichte zu Biofeedback bei chronischem Verlauf, beide mit berichteter Besserung bei je einem Patienten.<ref name="HOELSCHER">{{cite journal |author=Hoelscher TJ, Lichstein KL |title=Blood volume pulse biofeedback treatment of chronic cluster headache |journal=Biofeedback Self Regul |volume=8 |issue=4 |pages=533-41 |year=1983 |pmid=6675728 |doi=10.1007/BF00998760 |url=}}</ref><ref name="KINGARENA">{{cite journal |author=King AC, Arena JG |title=Behavioral treatment of chronic cluster headache in a geriatric patient |journal=Biofeedback Self Regul |volume=9 |issue=2 |pages=201-8 |year=1984 |pmid=6509110 |doi=10.1007/BF00998834 |url=}}</ref> Kontrollierte oder randomisierte Studien zu einem psychologischen Verfahren speziell beim Cluster-Kopfschmerz gibt es bis heute nicht. | |||
Der Satz von 1998 wird heute aber anders gelesen, als er gemeint war: nämlich als „psychotherapeutische Hilfe bringt Ihnen nichts“. Das stimmt so nicht. Während einer Cluster-Episode sind Angst, Schlafstörungen und depressive Beschwerden häufig. In einer koreanischen Registerstudie wurden 222 Betroffene während der aktiven Episode untersucht: 38,2 Prozent hatten mittelschwere bis schwere Angstsymptome und 34,6 Prozent mittelschwere bis schwere depressive Symptome, gegenüber 10,1 und 12,1 Prozent in einer nach Alter und Geschlecht vergleichbaren Kontrollgruppe. Bei 52 Betroffenen mit episodischem Verlauf wurde auch in der attackenfreien Zeit gemessen; die mittleren Punktwerte fielen dort von 6,8 auf 1,6 (Angst) und von 6,1 auf 1,8 (Depression).<ref name="KIM2020">{{cite journal |author=Kim BS, Chung PW, Kim BK, Lee MJ, Park JW, Chu MK, et al. |title=The impact of remission and coexisting migraine on anxiety and depression in cluster headache |journal=J Headache Pain |volume=21 |issue=1 |pages=58 |year=2020 |pmid=32471362 |doi=10.1186/s10194-020-01120-7 |url=}} Erhoben mit GAD-7 und PHQ-9; „mittelschwer bis schwer“ entspricht einem Wert von 10 oder mehr.</ref> Die Beschwerden hängen also eng mit den Attacken zusammen, und eine wirksame Attacken- und Vorbeugungsbehandlung ist das Wichtigste dagegen. | Der Satz von 1998 wird heute aber anders gelesen, als er gemeint war: nämlich als „psychotherapeutische Hilfe bringt Ihnen nichts“. Das stimmt so nicht. Während einer Cluster-Episode sind Angst, Schlafstörungen und depressive Beschwerden häufig. In einer koreanischen Registerstudie wurden 222 Betroffene während der aktiven Episode untersucht: 38,2 Prozent hatten mittelschwere bis schwere Angstsymptome und 34,6 Prozent mittelschwere bis schwere depressive Symptome, gegenüber 10,1 und 12,1 Prozent in einer nach Alter und Geschlecht vergleichbaren Kontrollgruppe. Bei 52 Betroffenen mit episodischem Verlauf wurde auch in der attackenfreien Zeit gemessen; die mittleren Punktwerte fielen dort von 6,8 auf 1,6 (Angst) und von 6,1 auf 1,8 (Depression).<ref name="KIM2020">{{cite journal |author=Kim BS, Chung PW, Kim BK, Lee MJ, Park JW, Chu MK, et al. |title=The impact of remission and coexisting migraine on anxiety and depression in cluster headache |journal=J Headache Pain |volume=21 |issue=1 |pages=58 |year=2020 |pmid=32471362 |doi=10.1186/s10194-020-01120-7 |url=}} Erhoben mit GAD-7 und PHQ-9; „mittelschwer bis schwer“ entspricht einem Wert von 10 oder mehr.</ref> Die Beschwerden hängen also eng mit den Attacken zusammen, und eine wirksame Attacken- und Vorbeugungsbehandlung ist das Wichtigste dagegen. | ||