Cluster-Kopfschmerz Trigger
Trigger sind Auslöser einer Cluster-Kopfschmerz Attacke. Während einer Episode und bei chronisch erkrankten Patienten kann man durch Gabe von Mitteln wie Histamin oder Nitrolingual® oft, aber nicht immer, eine Attacke auslösen.[1] Alkohol löst bei etwa der Hälfte der Patienten während der Episode eine Attacke aus. Welches Getränk dabei am häufigsten genannt wird, unterscheidet sich zwischen den Ländern: In einer deutschen Untersuchung war es bei 70 Prozent der Rotwein, in einer US-amerikanischen Befragung mit 1134 Teilnehmenden das Bier. Die Art des Getränks folgt also offenbar den Trinkgewohnheiten und nicht einem bestimmten Inhaltsstoff.[2][3]
Trigger haben nur in seltenen Fällen Einfluß auf den Beginn einer Episode. Cluster-Kopfschmerz Episoden können zum Beispiel durch Herzmedikamente ausgelöst werden – belegt ist das in einer Fallserie mit acht Betroffenen, bei denen lang wirksame Nitrate gegen Angina pectoris eine neue Episode auslösten.[4]
Was die Forschung heute über Auslöser weiß
- Auslöser wirken nur in der aktiven Zeit. Nach der internationalen Kopfschmerzklassifikation können Alkohol, Histamin oder Nitroglyzerin während einer Clusterphase und beim chronischen Verlauf Attacken auslösen.[5] In der schmerzfreien Zeit zwischen den Phasen zeigen dieselben Stoffe keine Wirkung.[6] Deshalb kann dasselbe Glas Wein außerhalb einer Phase folgenlos bleiben und während einer Phase eine Attacke auslösen.
- Entscheidend ist das Gehirn. 2018 wurde bei 29 Betroffenen die Nasenschleimhaut so gereizt, dass auf derselben Seite deutlich Tränen flossen und die Nase lief – also typische Begleitzeichen einer Attacke entstanden. Von den 23 Betroffenen, die nachbeobachtet werden konnten, bekam in den folgenden vier Stunden keiner eine Attacke. Die Autoren schließen daraus, dass für eine Attacke eine Beteiligung des Gehirns entscheidend ist.[7]
- Welche Auslöser zusammengehören, ließ sich nicht berechnen. Eine Auswertung des iranischen Cluster-Kopfschmerz-Registers mit 321 Betroffenen untersuchte 2026 mit einer Netzwerkanalyse, welche Beschwerden, Auslöser und Schmerzorte gemeinsam auftreten. Das Netz der Auslöser war so instabil (Stabilitätswert 0,00; als ausreichend galt 0,25), dass die Autoren es nicht deuteten. Stabil war dagegen das Netz der Schmerzorte, etwa der Zusammenhang von Nacken und Hinterkopf.[8] In Alltagssprache: Selbst aus den Angaben von über dreihundert Betroffenen ließ sich kein verlässliches Muster ablesen, welche Auslöser zusammen vorkommen.
- Können Impfungen eine Phase auslösen? Aus den Niederlanden wurden 2022 sieben Betroffene beschrieben, die lange keine Attacken gehabt hatten und wenige Tage nach einer Corona-Impfung eine neue Phase bekamen.[9] In einer türkischen Rückschau von 2024 berichteten von 18 Geimpften 15 nach der ersten Impfung eine neue Phase.[10] Beides sind kleine, rückblickende Beobachtungen. Ob die Impfung die Phase ausgelöst hat oder beides zufällig zusammenfiel, können sie nicht zeigen.
Triggerfaktoren
Die genauen Ursachen des Cluster-Kopfschmerzes (CK) sind bislang noch nicht völlig erforscht. Man kann vermuten, dass das Gehirn von CK-Patientinnen und Patienten aufgrund ihrer Veranlagung empfindlicher reagiert als das Gehirn gesunder Menschen. Darum können Veränderungen im Körper, beispielsweise hormonelle Schwankungen im Tages- und/oder Jahresrhythmus oder Veränderungen äußerer Einflüsse eine Attacke auslösen.
Dass die Attacken einer inneren Uhr folgen, ist dabei der am besten belegte Teil: Eine Zusammenfassung von 16 Studien fand bei 70,5 Prozent der Betroffenen einen Tagesrhythmus der Attacken.[11] In einer Untersuchung an 275 Betroffenen berichteten 82 Prozent einen Tagesrhythmus und 56 Prozent einen Jahresrhythmus ihrer Attacken.[12] Diese inneren und äußeren Einflüsse, die eine Cluster-Kopfschmerzattacke provozieren können, werden Triggerfaktoren genannt. Sie sind nicht die eigentliche Ursache, aber mögliche Auslöser von Schmerzattacken.
Welche Triggerfaktoren bei einem CK-Patienten eine Attacke auslösen können, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich. Bei dem einen spielt der Wechsel zwischen Ruhe und Stress eine Rolle, bei dem anderen ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, beispielsweise am Wochenende. Bei manchen Patienten können auch bestimmte Nahrungs- und Genussmittel die Attacke provozieren. Darum ist es auf jeden Fall wichtig, zusammen mit dem Arzt nach diesen persönlichen Triggerfaktoren zu suchen, damit sie nach Möglichkeit gemieden werden können.
Dabei hilft ein Kopfschmerztagebuch. Erhältlich sind solche Tagebücher etwa bei Kopfschmerzspezialisten (z.B. Neurologen, Anästhesisten) oder beim Hausarzt. Es reicht aber auch ein Blatt Papier oder Heft, in dem Datum, Uhrzeit, Dauer, Stärke und Art des Schmerzes, verwendete Medikamente und vermutete Auslöser eingetragen werden. (Kopfschmerztagebücher).
Es ist nicht sinnvoll, wenn Cluster-Kopfschmerz Patienten generell Nahrungsmittel meiden, von denen bekannt ist, dass sie Schmerzattacken provozieren können. Denn Nahrungsmittel spielen nicht bei allen Patienten eine Rolle – und für kein einzelnes Lebensmittel gibt es eine Untersuchung, die es beim Cluster-Kopfschmerz als Auslöser belegt (siehe unten, die Liste dessen, was Betroffene berichten).
Wichtig ist, im Einzelfall die ganz persönlichen ernährungsbedingten Einflüsse mit Hilfe des Kopfschmerztagebuches herauszufinden und nur diese gezielt vom Speiseplan zu streichen. Bei dieser „Detektivarbeit" hilft die Annahme nicht weiter, zwischen der Aufnahme eines Nahrungsmittels und einer Attacke lägen meist mehrere Stunden oder sogar ein ganzer Tag. Belegt ist ein solcher Abstand nicht, und die Annahme ist folgenreicher, als sie aussieht: Wenn ein Abstand von bis zu vierundzwanzig Stunden zählt, lässt sich fast jede Attacke fast jeder Mahlzeit zuordnen.
Ein Tagebuch kann einen solchen Zusammenhang dann weder bestätigen noch ausräumen – man findet immer etwas. Bei dem einen Auslöser, der beim Cluster-Kopfschmerz gut belegt ist, ist es umgekehrt: Alkohol wirkt während der Episode bei etwa jedem Zweiten, und er wirkt so zeitnah, dass Betroffene den Zusammenhang selbst erkennen.[13][3]
Selbst wenn Patienten herausgefunden haben, dass bestimmte Nahrungsmittel bei ihnen eine Attacke auslösen können, kommt es immer wieder vor, dass sie diese trotzdem vertragen, wenn keine weiteren Störfaktoren hinzukommen. Erst wenn weitere Trigger „das Fass zum überlaufen bringen“, kann es sein, dass die Nahrungsmittel eine Attacke provozieren. Berichtet wird auch, dass eine vorbeugende Behandlung – zum Beispiel mit Verapamil – die Empfindlichkeit gegenüber Triggern senken oder aufheben kann. Untersucht ist das beim Cluster-Kopfschmerz nicht; es ist eine Beobachtung aus der Praxis, keine belegte Wirkung.
Wissenschaftlich erforscht und dokumentiert sind die Auslöser Glycerintrinitrat, (Nitroglycerin in Form des Herzmedikamentes Nitrolingual®) und Histamin. Berichtet wird auch, dass Sildenafil (Viagra®) ein Auslöser sein kann,[14][15] ebenso Hitze (Wetter-/klimabedingt, Sauna, Badezimmer etc.).[16] In einem einzelnen Fallbericht von 1985 soll Lithium, eigentlich ein Mittel zur Vorbeugung, bei einer Person einen chronischen Verlauf ausgelöst haben.[17] Weitere Berichte dazu gibt es nicht. Lithium ist in Deutschland das einzige Mittel, das zur Vorbeugung des Cluster-Kopfschmerzes zugelassen ist – genauer: bestimmte Präparate, etwa Quilonum retard,[18] nicht aber Hypnorex retard[19] –, und nach der europäischen Leitlinie das Mittel der zweiten Wahl, wenn Verapamil nicht wirkt oder nicht gegeben werden darf.[6] Ein einzelner Fallbericht ist deshalb kein Grund, eine Behandlung damit abzulehnen.
Bekannte Trigger
Die folgende Liste ist über Jahre aus Berichten von Betroffenen entstanden, zu einem großen Teil aus der Umfrage von 2003, die weiter unten wiedergegeben ist. Sie sagt also, was Betroffene beobachtet haben – nicht, was in Untersuchungen überprüft wurde. Beides auseinanderzuhalten lohnt sich: Wer das Falsche meidet, verzichtet umsonst, und die Auslöser, die sich wirklich vermeiden lassen, weil sie als Medikament verordnet werden, gehen in einer langen Liste leicht unter.
In Untersuchungen überprüft
- Alkohol während der Episode, bei etwa jedem Zweiten. In einer schwedischen Untersuchung an 874 Betroffenen nannten 54 Prozent der Männer und 48 Prozent der Frauen Alkohol als Auslöser.[13][3]
- Welches Getränk am häufigsten genannt wird, unterscheidet sich: In einer deutschen Untersuchung nannten 70 Prozent den Rotwein, in einer US-amerikanischen Befragung war es das Bier (siehe Einleitung).
- Schlaf – in der größten Untersuchung dazu der häufigste Auslöser überhaupt: 80 Prozent von 275 Betroffenen nannten den Nachtschlaf, 34,5 Prozent den (Nach-)Mittagsschlaf. In derselben Untersuchung berichteten 82 Prozent einen Tagesrhythmus und 56 Prozent einen Jahresrhythmus ihrer Attacken.[12] Schlafmangel nannten in der schwedischen Untersuchung 31 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer.[13]
- Gefäßerweiternde Medikamente, vor allem Nitrate gegen Herzbeschwerden. Nitroglyzerin wird deshalb im Nitroglyzerin-Provokationstest gezielt eingesetzt; lang wirksame Nitrate lösten in einer Fallserie bei sechs von acht Betroffenen eine neue Episode aus.[4]
- Histamin, wenn es als Wirkstoff gegeben wird, ebenfalls während der aktiven Zeit.[5][6] Dass Histamin im Essen Attacken auslöst, ist dagegen nicht gezeigt (siehe Ernährung).
Von Betroffenen berichtet, in Studien nicht überprüft
Für die folgenden Auslöser gibt es keine Untersuchung, die sie beim Cluster-Kopfschmerz bestätigt oder widerlegt. Das heißt nicht, dass sie bei niemandem wirken – wer bei sich einen Zusammenhang bemerkt, hat ihn bemerkt. Es heißt, dass sich daraus keine allgemeine Empfehlung zum Verzicht ableiten lässt.
- Weizenbier (enthält Histamin)
- Natriumglutamat (Geschmacksverstärker). Ist in fast jedem industriell hergestellten Lebensmittel vorhanden (E 620 - E 625). Kommt in natürlicher Form erhöht in Käse und Tomaten vor. Mit Glutamat werden häufig chinesische oder andere asiatische Gerichte gewürzt. Glutamat kann auch in Fertiggerichten und Tütensuppen sowie in Brühwürfeln enthalten sein.
- Konservierungstoffe: Kaliumnitrit (E 249) und Natriumnitrit (E 250), häufig in Würstchen sowie in konservierten Fleisch- und Wurstwaren sowie Fertiggerichten enthalten.
- Süßstoff z.B. Aspartam
- Fisch und Meeresfrüchte
- Schokolade
- Käse
- Tomaten
- Nüsse
- Zitrusfrüchte und/oder Zitronensäure
- Erdbeeren
- Hunger, unregelmässige Mahlzeiten
- Flackerlicht, grelles Licht, Fernseher, PC, Kino, Beamer
- Aufenthalt in großen Höhen oder im Flugzeug
- Eine Übersichtsarbeit von 2017 nennt dazu nur Versuche mit kurzem Sauerstoffmangel, wie er ähnlich in großer Höhe auftritt: 15 Betroffene in der aktiven Phase atmeten 30 Minuten lang Luft mit nur 12 Prozent Sauerstoff, ebenso 15 Betroffene in der schmerzfreien Zeit und 15 Gesunde; nur ein Betroffener bekam dabei eine Attacke. In zwei weiteren Versuchen dauerte der Sauerstoffmangel nur wenige Atemzüge bis fünf Minuten; dabei bekam niemand eine Attacke.[20] Längere Aufenthalte in der Höhe wurden in diesen Versuchen nicht nachgestellt.
- Liegen, z.B. (Nach-)Mittagsschlaf, Änderungen der Schlafgewohnheiten
- Der Schlaf als Auslöser ist untersucht, siehe oben.
- Gerüche, z.B. Benzin, Alkohol, Verdünner, Klebstoffe, Lösungsmittel, Fischgeruch, Reinigungsmittel, Kfz-Scheibenreiniger, Parfüm, Duftkerzen
- Erkältung und/oder bestimmte Medikamente
- Als Auslöser belegt sind vor allem gefäßerweiternde Mittel wie Nitrate, siehe oben.
- Lärm
- Hitze, Zugluft, Klimaanlage
Zu den Lebensmitteln in dieser Liste: Schokolade und Käse stammen aus der Lehre über die Migräne. Selbst dort halten sie dem Nachrechnen kaum stand – eine Zusammenfassung von sieben Untersuchungen kommt auf 13,9 Prozent der Migränebetroffenen für Schokolade und 8,0 Prozent für Käse, bei sehr großer Streuung zwischen den Untersuchungen. Die Autorin schließt daraus, ein routinemäßiges Meiden dieser Lebensmittel lasse sich nicht allgemein empfehlen: „routine avoidance of these foods cannot be universally recommended."[21]
Ernährung
Da sich eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit frischen vollwertigen Produkten auf den ganzen Organismus positiv auswirkt, ist diese generell zu empfehlen. Einige Patienten berichten von positiven Ergebnissen durch eine Ernährungsumstellung auf eine Purin und/oder Histamin reduzierte Diät. Für keine dieser Diäten gibt es bisher einen Wirksamkeitsnachweis. Beim Histamin lohnt sich eine Unterscheidung, die auf vielen Seiten untergeht: Histamin löst eine Attacke aus, wenn es gespritzt wird – deshalb wird es im Provokationsversuch verwendet. Dass Histamin im Essen Attacken auslöst, ist dagegen nicht gezeigt. Wer bei sich einen Zusammenhang mit einem bestimmten Lebensmittel bemerkt, kann es weglassen; eine allgemeine Verzichtsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten, und der Aufwand einer strengen Diät geht von der Kraft ab, die man während einer Episode braucht.
Umfrageergebnisse
Ergebnisse einer vom Bundesverband der Cluster-Kopfschmerz Selbsthilfegruppen 2003 durchgeführten offenen (nicht repräsentativen) Umfrage:
Von 76 Patienten die an der Umfrage teilnahmen hatte die Hälfte eine Änderung der Ernährung versucht.
Von diesen 38 Patienten genannte Ernährungsumstellungen:
- Strikte Triggervermeidung 78,9% (mit gutem oder mäßigem Erfolg 72% davon)
- Fettreduktion 31,6% (mit gutem oder mäßigem Erfolg 32%)
- Harnsäurereduktion 26,3% (mit gutem oder mäßigem Erfolg 24%)
- Cholesterinreduktion 34,2% (mit gutem oder mäßigem Erfolg 28%)
- Umstellung auf vegetarische Kost 10,5% (mit gutem oder mäßigem Erfolg 12%)
- sonstige: „Kein Alkohol mehr“ (3 Nennungen), „viel Wasser“, „glutenfreie Ernährung“, „Abbau der Übersäuerung“, „Renneberg-Diät“, „Drogenverzicht“ und „Verzicht auf Süßes“ (je eine Nennung).
Von den 76 Patienten als Trigger genannt wurden:
- Alkohol 50%
- Flackerlicht 33%
- andere 30%
- unbekannt 28%
- grelles Licht 24%
- Lebensmittelzusatzstoffe 22%
- Gerüche 20%
- Käse (bestimmte Sorten) 18%
- laute Geräusche (auch Musik) 16%
- Tomaten (und daraus hergestellte Produkte) 13%
- Citrusfrüchte 5%
Als "andere" genannt wurden (Anzahl Nennungen):
- Glutamat (12)
- Schokolade (4)
- Histamin (3)
- Lösungsmittel / Lacke (3)
- Sport, Zugluft, Klimaanlage, Bananen (je zwei Nennungen)
- Gluten, Tyramin, Glutamin, Zimt, Anis, Maggi, Spinat, H-Milch-Produkte, Hülsenfrüchte, Marmelade, Lakritz, Pfefferminz, Nüsse, Trialkylamine, ätherische Öle, Desinfektionsmittel, Tankstellen, Nikotin, Übermüdung, Stress, Sauna, heißer Dampf, Nässe, schweres Tragen (Umzug), gleichbleibende Körperhaltung im Kino (je eine Nennung).
Fast dreimal so häufig wie Chroniker gaben Episodiker an, ihre Trigger nicht zu kennen (oder nicht auf Trigger zu reagieren?) (Chroniker: 12,9% - Episodiker: 36,2%).
Von den 76 Patienten waren
- 50,0% episodisch
- 14,5% chronisch von Beginn an
- 26,3% erst episodisch dann chronisch
- 11,8% nach einer chronischen Phase episodisch
Quelle: J.C. Terhaag et al.: Clusterkopfschmerz und seine Facetten im Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen - Ergebnisse einer Umfrage. CSG Verlag 2003
US Leitlinie zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerz (2004)
Diese Liste gibt den Stand einer US-amerikanischen Leitlinie von 2004 wieder. Sie wurde nach Angabe dieser Seite 2009 ersetzt, und das US-Register, in dem beide Fassungen standen, ist inzwischen abgeschaltet – die unten angegebenen Adressen führen deshalb nicht mehr zum Text. Die Punkte 1 und 2 entsprechen dem heutigen Stand: Schlaf ist in der größten Untersuchung dazu der häufigste Auslöser überhaupt, und Alkohol wirkt während der Episode bei etwa jedem Zweiten. Für die Punkte 3 bis 6 – Chemikalien, Wutausbrüche, körperliche Anstrengung und Höhenänderungen – gibt es keine Untersuchung beim Cluster-Kopfschmerz; sie stehen weiter oben in der Liste dessen, was Betroffene berichten. Beim Punkt „Wutausbrüche oder Emotionen" ist außerdem zu bedenken, dass die Attacken besonders häufig im Schlaf beginnen.[12]
Aus der US Leitlinie zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen "Treatment of primary headache: cluster headache. Standards of care for headache diagnosis and treatment", Abschnitt "Nicht medikamentöse Behandlung":
Vermeidung von:
1. (Nach-)Mittagsschlaf oder von anderen signifikanten Änderungen der Schlafgewohnheiten
2. Alkohol, insbesondere während der Clusterperiode
3. Längerer Einwirkung von Chemikalien
4. Extremen Wutausbrüchen oder Emotionen
5. Länger andauernder körperlicher Anstrengung
6. Großen Höhenänderungen.
Quelle: Biondi D, Mendes P.: Treatment of primary headache: cluster headache. In: Standards of care for headache diagnosis and treatment. Chicago (IL): US National Headache Foundation; 2004. p. 59-72. US National Guideline Clearinghouse (NGC). 2004 – die Adresse bei guidelinecentral.com antwortet nicht mehr, und der Archivdienst WebCite (webcitation.org), der die Seite gesichert hatte, ist als Ganzes nicht mehr erreichbar (beides (geprüft am 21.09.2026)) - 2009 ersetzt durch: Institute for Clinical Systems Improvement (ICSI): Diagnosis and treatment of headache. Bloomington (MN), March 2009 – das Verzeichnis guideline.gov, in dem die Leitlinie stand, ist eingestellt (geprüft am 21.09.2026)
Vermutungen
Dieser Abschnitt trägt zusammen, was vermutet, aber nicht überprüft wurde. Der belegte Teil ist die Wirkung von Stickstoffmonoxid und CGRP und die Tatsache, dass nitrathaltige Medikamente Attacken und ganze Episoden auslösen können. Nicht überprüft ist der Schritt von diesem Mechanismus zum Inhaltsstoff einer Mahlzeit: Für keines der unten genannten Lebensmittel gibt es eine Untersuchung, die es beim Cluster-Kopfschmerz als Auslöser belegt. Die Mengen, um die es in der Pharmakologie geht, und die Mengen im Essen sind außerdem nicht ohne weiteres vergleichbar.
Oft wurde die gefäßerweiternde Wirkung von Histamin, Nitroglycerin und mancher Lebensmittel und Lebensmittelzusatzstoffe als Ursache für die Auslösung von Attacken vermutet. Der Schmerz scheint aber, wie auch die Gefäßerweiterung, eine neurobiologische Folge der Freisetzung von Stickstoffmonoxid und CGRP zu sein. Während der Attacke wurde bei Cluster-Kopfschmerzpatienten ein signifikanter Anstieg der CGRP im venösen Blut festgestellt. CGRPs sind auch direkt an der Schmerzverarbeitung der Nervenzellen beteiligt.
Glycerintrinitrat (Nitroglycerin) setzt Stickstoffmonoxid (NO) aus den Zellen an der Innenseite von Blutgefäßen (Endothelzellen) frei. Die gleiche Wirkung haben z.B. die Medikamente Amylnitrit, Sildenafil, Isosorbidmononitrat, Isosorbiddinitrat und Nitroprussid. Arginin wirkt anders: Es ist kein Stickstoffmonoxid-Spender wie die genannten Medikamente, sondern der Ausgangsstoff, aus dem der Körper Stickstoffmonoxid selbst bildet. Ob eine argininreiche Mahlzeit dadurch eine Attacke auslösen kann, ist nicht untersucht.
Arginin kommt in fast allen Proteinen vor. Als Beispiel hier der Arginingehalt einiger Lebensmittel je 100 Gramm:
* Erdnüsse 3,46 g * Weizenkeime 2,25 g * Sojabohnen 2,20 g * Haselnüsse 2,03 g * Garnelen 1,74 g * Hammelfleisch 1,40 g * Hühnerfleisch 1,35 g * Thunfisch 1,25 g * Haferflocken 0,87 g * 1 mittelgroßes Hühnerei 0,45 g Quelle: Wikipedia-Artikel Arginin
Die Konservierungstoffe Kaliumnitrit (E 249) und Natriumnitrit (E 250) wirken ebenfalls "gefäßerweiternd".
Zitat: "Histamin ist in einigen eiweißreichen, tierischen Lebensmitteln enthalten (z. B. in verdorbenem oder geräuchertem Fisch und Fischprodukten), in denen Histamin aus der Aminosäure Histidin gebildet wird. Frischer und tiefgekühlter Fisch enthält kaum Histamin, sein Fleisch neigt aber zu besonders raschem mikrobiellem Verderb unter reicher Histaminbildung. Dies gilt besonders für Fische aus der Verwandtschaft der Makrelen.
Histidin findet sich in Lebensmitteln, die während ihrer Verarbeitung, Reifung und Lagerung mikrobiellen und biochemischen Veränderungen unterliegen (z. B. Käse mit mehrwöchiger Reifezeit, z. B. Hartkäse wie Emmentaler, Bergkäse, Alpenkäse, Parmesan oder Schimmelkäse, Schinken, Sauerkraut und Rotwein). Da insbesondere Rotweine einem organischen Säureabbau unterzogen werden, enthalten diese im Allgemeinen deutlich mehr Histamin als Weißweine. Sehr saure Weißweine enthalten mitunter praktisch kein Histamin.
Die Histaminkonzentrationen in diesen Lebensmitteln sind in der Regel gering, können aber bei sensiblen Personen wie Allergikern und Menschen, die an einer Histaminose leiden, die oben genannten Beschwerden verursachen. Dies ist auch bei Einnahme von Medikamenten (z. B. MAO-Hemmer) zu berücksichtigen, welche den Histaminabbau hemmen können. ... Zahlreiche Arzneimittel können den Histaminspiegel durch Hemmung des Abbaus oder durch Histaminfreisetzung aus Mastzellen erhöhen. Dazu zählen unter anderen die Nichtopioid-Analgetika Meclofenaminsäure, Mefenaminsäure, Diclofenac und Acetylsalicylsäure.
Auch das Muskelrelaxans Tubocurarin kann zu einer Histaminfreisetzung führen. Mastzellstabilisatoren, wie z. B. Cromoglicinsäure, hingegen hemmen die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen." (Quelle: Wikipedia-Artikel Histamin).
Einige Medikamente wirken sich nachteilig auf den Histaminabbau aus[22], siehe dazu: Wirkung von Medikamenten auf den Histaminabbau.
Siehe auch
Literatur
Externe Links
Einzelnachweise
- ↑ Sances G, Tassorelli C, Pucci E, Ghiotto N, Sandrini G, Nappi G.: Reliability of the nitroglycerin provocative test in the diagnosis of neurovascular headaches. Cephalalgia. 2004 Feb; 24(2): 110-9. PMID 14728706, DOI.
- ↑ Rozen TD, Fishman RS (2012). "Cluster headache in the United States of America: demographics, clinical characteristics, triggers, suicidality, and personal burden". Headache 52 (1): 99-113. doi:. PMID 22077141. Dort auch: Wetterwechsel und Gerüche wurden häufig als Auslöser genannt.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Schürks M, Kurth T, de Jesus J, Jonjic M, Rosskopf D, Diener HC.: Cluster headache: clinical presentation, lifestyle features, and medical treatment. Headache. 2006 Sep; 46(8): 1246-54. PMID 16942468, DOI. 246 Betroffene; die Hälfte nannte Alkohol als Auslöser, davon 70 Prozent Rotwein.
- ↑ 4,0 4,1 Ekbom K, Sjöstrand C, Svensson DA, Waldenlind E.: Periods of cluster headache induced by nitrate therapy and spontaneous remission of angina pectoris during active clusters. Cephalalgia. 2004 Feb; 24(2): 92-8. PMID 14728704, DOI. Fallserie von acht Betroffenen mit episodischem Cluster-Kopfschmerz und Angina pectoris: Bei sechs von ihnen kehrte der Cluster-Kopfschmerz wenige Wochen nach Beginn einer Behandlung mit lang wirksamen Nitraten zurück, nachdem sie jahrelang beschwerdefrei gewesen waren; diese Episoden verliefen schwerer und länger als die früheren.
- ↑ 5,0 5,1 Internationale Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen, 3. Auflage (ICHD-3), deutsche Fassung: 3.1 Clusterkopfschmerz, am 23.09.2026 gelesen. Diagnostische Kriterien im Wortlaut: „Starke oder sehr starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“; „Einer oder beide der folgenden Punkte ist/sind erfüllt“: „mindestens eines der folgenden Symptome oder Zeichen, jeweils ipsilateral zum Kopfschmerz“ (konjunktivale Injektion und/oder Lakrimation; nasale Kongestion und/oder Rhinorrhoe; Lidödem; Schwitzen im Bereich der Stirn oder des Gesichtes; Miosis und/oder Ptosis) oder „körperliche Unruhe oder Agitiertheit“; „Die Attackenfrequenz liegt zwischen 1 jeden zweiten Tag und 8 pro Tag“. Aus dem Kommentar: „Bei etwa 10% bis 15% der Patienten tritt jedoch ein 3.1.2 chronischer Clusterkopfschmerz ohne derartige Remissionen auf.“; „Während einer Clusterepisode des 3.1.1 episodischen Clusterkopfschmerzes und beim 3.1.2 chronischen Clusterkopfschmerz kommt es regelmäßig zu Attacken. Diese können durch Alkohol, Histamin oder Nitroglyzerin ausgelöst werden.“
- ↑ 6,0 6,1 6,2 May A, Evers S, Goadsby PJ u. a. (2023). "European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache". Eur J Neurol 30 (10): 2955-2979. doi:. PMID 37515405. Am 23.09.2026 im Volltext gelesen (PDF-Fassung). S. 2958: „During the symptomatic period, short and clustered attacks are typical (1–8 per day) and can be triggered by alcohol, nitroglycerin, or histamine. During the symptom-free period, the patient has no cluster-type headaches and otherwise triggering substances show no effect.“ S. 2971: „Lithium is a drug of second choice if verapamil is inefficacious or contraindicated.“
- ↑ Möller M, Haji AA, Hoffmann J, May A (2018). "Peripheral provocation of cranial autonomic symptoms is not sufficient to trigger cluster headache attacks". Cephalalgia 38 (8): 1498-1502. doi:. PMID 29082823. Im Wortlaut: „KOS was applied to 29 CH-patients“; „Of the remaining 23 patients, none developed an attack in the next 4 hours after stimulation, despite marked cranial autonomic symptoms during stimulation.“; „this stimulation was not sufficient to induce CH attacks, which suggests that a central component is crucial to attack generation.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ Togha M, Kohandel Gargari O, Khorvash F u. a. (2026). "Exploratory Ising model network analysis of cluster headache: mapping conditional associations across symptoms, triggers, and pain localization". J Headache Pain 27: 196. doi:. PMID 42547858. Veröffentlicht am 29.07.2026. Im Wortlaut: „Data from 321 patients were analyzed.“; „The trigger network was unstable (edge CS = 0.05; strength CS = 0.00), and trigger edge and centrality rankings were therefore not interpreted.“ Am 23.09.2026 beim Verlag gelesen. Daten aus dem „Iranian National Cluster Headache Registry“ (PMID 42547858, J Headache Pain 2026;27:196; am 23.09.2026 über Europe PMC ergänzt). Außerdem: „CS coefficients below 0.25 were considered insufficient for robust interpretation of centrality rankings.“; „The headache-region network showed stronger stability (edge CS = 0.748; strength CS = 0.361), with a positive neck-occipital association (2.16)“; „These cross-sectional findings are hypothesis-generating“.
- ↑ Brandt RB, Ouwehand RH, Ferrari MD, Haan J, Fronczek R (2022). "COVID-19 vaccination-triggered cluster headache episodes with frequent attacks". Cephalalgia 42 (13): 1420-1424. doi:. PMID 35833226. Im Wortlaut: „We report seven patients with cluster headache, who had been attack-free for a long time, in whom a new cluster episode occurred within a few days after a COVID-19 vaccination.“; „COVID-19 vaccinations may trigger new cluster episodes“. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ Aşkın Turan S, Aydın Ş (2024). "A retrospective cohort study: is COVID-19 BNT162b2 mRNA vaccination a trigger factor for cluster headache?". Acta Neurol Belg 124 (5): 1535-1542. doi:. PMID 38619748. Im Wortlaut: „The semi-structured survey was administered face to face to 24 CH patients“; „18 patients got vaccinated twice, and 6 of them had no vaccination. After the first vaccination, 83.3% of them had CH bout; after the second vaccination, 72.2% of them had CH bout.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ Benkli B u. a. (2023). "Circadian Features of Cluster Headache and Migraine: A Systematic Review, Meta-analysis, and Genetic Analysis". Neurology 100 (22): e2224-e2236. doi:. PMID 36990725. Tagesrhythmus der Attacken bei 3490 von 4953 Betroffenen aus 16 Studien.
- ↑ 12,0 12,1 12,2 Barloese M, Lund N, Petersen A, Rasmussen M, Jennum P, Jensen R (2015). "Sleep and chronobiology in cluster headache". Cephalalgia 35 (11): 969-978. doi:. PMID 25573893. 275 Betroffene und 145 Kontrollpersonen.
- ↑ 13,0 13,1 13,2 Fourier C, Ran C, Steinberg A, Sjöstrand C, Waldenlind E, Belin AC (2023). "Sex Differences in Clinical Features, Treatment, and Lifestyle Factors in Patients With Cluster Headache". Neurology 100 (12): e1207-e1220. doi:. PMID 36543572. Freier Volltext in PubMed Central. 874 Betroffene mit gesicherter Diagnose.
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- ↑ Fachinformation Quilonum retard 450 mg Retardtabletten (Lithiumcarbonat), Teofarma, Stand der Information August 2024, Zul.-Nr. 17202.00.01; Abschnitte 4.1, 4.4, 4.5 und 4.6. Am 22.09.2026 im Wortlaut gelesen.
- ↑ Fachinformation Hypnorex retard 400 mg Retardtabletten (Lithiumcarbonat), letzte Aktualisierung 01.11.2024, Abschnitt 4.1; gelesen am 22.09.2026 über mediately.co.
- ↑ Britze J, Arngrim N, Schytz HW, Ashina M: Hypoxic mechanisms in primary headaches. Cephalalgia. 2017; 37(4): 372-384. DOI. Übersichtsarbeit; zum Cluster-Kopfschmerz unter anderem nach Zhao JM, Schaanning J, Sjaastad O: Cluster headache: the effect of low oxygen saturation. Headache. 1990; 30: 656-659.
- ↑ Alzahrani H (2026). "Assessment of Chocolate, Cheese, and Caffeine as Migraine Triggers: A Systematic Review and Meta-Analysis of Patient-Reported Trigger Rates". J Nutr Metab 2026: 4693275. doi:. PMID 42662243. Die Arbeit betrifft die Migräne, nicht den Cluster-Kopfschmerz; sie ist hier angeführt, weil die Lebensmittelliste aus der Migräne-Lehre stammt.
- ↑ Reinhart Jarisch (2004): Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit. Thieme, ISBN 3-13-105382-8 Kap.5: S.123 - 126
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