Melatonin

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Ort der Zirbeldrüse (pineal gland) im Gehirn.

Melatonin (N-Acetyl-5-methoxytryptamin) ist ein Hormon, das in der Zirbeldrüse (Epiphyse) – einem Teil des Zwischenhirns – aus Serotonin produziert wird und den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers steuert. Chemisch gesehen handelt es sich um ein Alkaloid mit Tryptamin-Struktur.

Melatonin und Cluster-Kopfschmerz

Zitat aus der Leitlinie Cluster-Kopfschmerz der Deutschen Gesellschaft für Neurologie:

"Einzelberichte beschreiben einen positiven Effekt von Topiramat und Melatonin.[1]


Der amerikanische Neurologe Todd D Rozen schreibt zu Melatonin (Übersetzung):

"Die Höhe des Melatoninspiegels im Blut ist bei Cluster-Kopfschmerz Patienten reduziert, besonders während einer Episode. Dieser Mangel an Melatonin ist möglicherweise das letztlich auslösende Moment für nächtliche Clusterattacken.

Die Zuführung von Melatonin auf dem oralen Weg könnte daher theoretisch als Vorbeugung wirken.

Die Wirksamkeit von 10 mg Melatonin in Tablettenform wurde in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie erprobt. Innerhalb von 3 bis 5 Tagen hatten 5 von 10 Patienten mit Melatonin nachlassende Krankheitssymptome (Remission). Im Vergleich dazu waren es 0 (Null) von 10 Patienten, die ein Placebo bekamen. Melatonin schien nur bei Patienten mit episodischem Cluster-Kopfschmerz zu wirken.[2] Neuerdings wurde aber auch gezeigt, dass Melatonin eine wirksame Vorbeugemaßnahme bei chronischem Cluster-Kopfschmerz sein könnte.[3] Eine negative Studie über den Gebrauch von Melatonin zur Cluster-Vorbeugung wurde veröffentlicht, allerdings war die Dosierung geringer als in anderen Studien und es wurde eine retardierte Form des Melatonins verabreicht.[4]

Der Autor glaubt, dass Melatonin als ein erstes Mittel der Wahl zur Vorbeugung bei allen Cluster-Patienten angesehen werden muss, noch vor dem Verapamil. Melatonin hat wenige Nebenwirkungen und bei einer gewissen Anzahl von Patienten werden die nächtlichen Attacken innerhalb von 24 Stunden beendet. Es scheint auch gegen Attacken bei Tag zu wirken.

Ergänzend sei gesagt: Selbst wenn Melatonin die Attacken nicht vollständig verhindert, so scheint es die notwenige Dosis der anderen vorbeugenden Medikamente zu verringern.

Die empfohlene Dosierung des Melatonins ist 9mg zur Schlafenszeit (3x3mg- Tabletten), aber eine höhere Dosierung kann notwendig sein. Falls eine Verkaufsmarke des Melatonins nicht wirkt, sollte ein anderes Produkt probiert werden, da die wirkliche Menge Melatonin in den verschiedenen frei verkäuflichen Produkten erheblich schwankt."

Quelle: TD Rozen, Cluster Headache – Diagnosis and Treatment. Touch Briefings. 2005. Vielen Dank an Musica für die Übersetzung.


In den USA ist Melatonin frei verkäuflich und als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. In Deutschland ist der Verkauf von Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassen. Über das Internet und im Versandhandel sind Melatonin-Präparate jedoch erhältlich. Eine kurzzeitige Melatonineinnahme (< 3 Monate) hat keine schädlichen Folgen.[5]

Besondere Vorsicht bei der Einnahme von Melatonin ist erforderlich,[6]

  • wenn Schläfrigkeit eine Gefahr für Ihre Sicherheit darstellen könnte;
  • wenn Sie an einer Lebererkrankung leiden;
  • wenn Sie an einer Nierenerkrankung leiden;
  • wenn Sie an einer Autoimmunerkrankung leiden (bei der der Körper durch das eigene Immunsystem „angegriffen“ wird).

Mögliche Wechselwirkungen von Melatonin mit Arzneimitteln:[6]

  • Hypnotika und Beruhigungmittel (z.B. Benzodiazepine),
  • Fluvoxamin, Thioridazin und Imipramin (angewendet zur Behandlung von Depressionen oder psychiatrischen Problemen),
  • Östrogen (Empfängnisverhütung oder Hormonersatztherapie),
  • Cimetidin (Dämpfung der Magensaftproduktion, Vorbeugung bei Allergien) und
  • Psoralen (angewendet zur Behandlung von Hauterkrankungen wie z.B. der Schuppenflechte).

Patienten sollten sich vor der Einnahme von Melatonin unbedingt mit ihrem Arzt beraten.

„Die Hoffnung, dass Melatonin bei Kopfschmerzen oder Migräne wirkt, hat sich nicht erfüllt“, so Privatdozent Arne May vom Institut für Neurowissenschaften der Universität Hamburg-Eppendorf. „Es gibt allerdings Patienten mit Cluster-Kopfschmerzen, die darauf ansprechen, dann ist das Hormon natürlich sehr wertvoll. Aber es fehlen gute Studien."[7]

Am 29. Juni 2007 erteilte die Europäische Arzneimittelagentur (EMEA) der Firma Neurim Pharmaceuticals die Zulassung von Circadin® für die gesamte Europäische Union. Circadin® enthält 2 mg Melatonin in retardierter Form und wird als Monopräparat zur kurzfristigen Behandlung der primären Insomnie (schlechte Schlafqualität) bei Patienten ab 55 Jahren angewendet. Das Arzneimittel ist nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich.[8] Circadin® ist seit Anfang 2008 auch in Deutschland erhältlich.[9]

In einer kontrollierten Studie zur vorbeugenden Behandlung der Migräne zeigte retardiertes Melatonin (Circadin® 2 mg, ca. eine Stunde vor dem Einschlafen eingenommen) keine signifikant bessere Wirkung gegenüber Placebo.[10] In einer anderen kontrollierten Studie zur vorbeugenden Behandlung der Migräne mit nicht retardiertem Melatonin (3 mg) war die Wirkung signifikant besser als die von Placebo.[11]

Literatur

  • Hollingworth, M.; Young, TM. (Nov 2013). "Melatonin Responsive Hemicrania Continua in Which Indomethacin Was Associated With Contralateral Headache.". Headache. doi:10.1111/head.12270. PMID 24261314. 
  • Mario Peres and Andre Gonçalves: Double-Blind, Placebo Controlled, Randomized Clinical Trial Comparing Melatonin 3 mg, Amitriptyline 25 mg and Placebo for Migraine Prevention. Neurology. February 12, 2013; 80(Meeting Abstracts 1): S40.005 URL Kommentar in der Ärztezeitung 15.04.2013
  • Srinivasan, V.; Lauterbach, EC.; Ho, KY.; Acuña-Castroviejo, D.; Zakaria, R.; Brzezinski, A. (Jun 2012). "Melatonin in antinociception: its therapeutic applications.". Curr Neuropharmacol 10 (2): 167-78. doi:10.2174/157015912800604489. PMID 23204986. 
  • Wade AG, Ford I, Crawford G, McConnachie A, Nir T, Laudon M, Zisapel N (August 2010). "Nightly treatment of primary insomnia with prolonged release melatonin for 6 months: a randomized placebo controlled trial on age and endogenous melatonin as predictors of efficacy and safety". BMC Med 8 (1): 51. doi:10.1186/1741-7015-8-51. PMID 20712869.  - Free full text
  • Luchetti F, Canonico B, Betti M, Arcangeletti M, Pilolli F, Piroddi M, Canesi L, Papa S, Galli F (June 2010). "Melatonin signaling and cell protection function". FASEB J. doi:10.1096/fj.10-154450. PMID 20534884. 
  • Leone M, Bussone G.: Melatonin in Cluster Headache. Rationale for Use and Possible Therapeutic Potential. CNS Drugs. 1998 Jan; 9 (1): 7-16. Online
  • Bruera O, Sances G, Leston J, Levin G, Cristina S, Medina C, Barontini M, Nappi G, Figuerola MA.: Plasma melatonin pattern in chronic and episodic headaches. Evaluation during sleep and waking. Funct Neurol. 2008 Apr-Jun; 23(2): 77-81. PMID 18671907 Online

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Externe Links

Einzelnachweise

  1. Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  2. Leone M, Damico D, Moschiano F, et al.: Melatonin versus placebo in the prophylaxis of cluster headache: a double blind pilot study with parallel groups. Cephalalgia. (1996); 16: pp. 494–496. PMID 8933994.
  3. Peres M F, Rozen T D: Melatonin in the preventive treatment of chronic cluster headache. Cephalalgia. 2001; 21: pp. 993–995, PMID 11843873.
  4. Pringsheim T, Magnoux E, Dobson C F et al.: Melatonin as adjunctive therapy in the prophylaxis of cluster headache: a pilot study. Headache. 2002; 42: pp. 787–792. PMID 12390642.
  5. The Efficacy and Safety of Exogenous Melatonin for Primary Sleep Disorders, A Meta-Analysis PMID 16423108.
  6. 6,0 6,1 Circadin® - eine Zusammenfassung der EMEA (PDF-Datei)
  7. www.welt.de: Das Dornröschen-Hormon ohne Wunderkraft
  8. Zusammenfassung des Europäischen Öffentlichen Beurteilungsberichts (PDF-Datei)
  9. Medknowledge.de: Melatonin (Circadin®) bei Schlafstörung.
  10. Alstadhaug, KB.; Odeh, F.; Salvesen, R.; Bekkelund, SI. (Oct 2010). "Prophylaxis of migraine with melatonin: a randomized controlled trial.". Neurology 75 (17): 1527-32. doi:10.1212/WNL.0b013e3181f9618c. PMID 20975054. 
  11. Mario Peres and Andre Gonçalves: Double-Blind, Placebo Controlled, Randomized Clinical Trial Comparing Melatonin 3 mg, Amitriptyline 25 mg and Placebo for Migraine Prevention. Neurology. February 12, 2013; 80(Meeting Abstracts 1): S40.005 URL Kommentar in der Ärztezeitung 15.04.2013



Hinweis: Dieser Artikel basiert teilweise auf einem Text, der aus der freien Enzyklopädie Wikipedia übernommen wurde. Eine Liste der ursprünglichen Autoren befindet sich auf der Versionsseite des Wikipedia Artikels Melatonin.