Cluster-Kopfschmerz Behandlung: Unterschied zwischen den Versionen

YouTube-Video lädt erst nach Klick (Vorlage:YouTube, Datenschutz)
Angaben zu vier Studien nach den Originalarbeiten berichtigt (Di Lorenzo 2018, Schoenen 2005, Cohen 2009, Blanchard 1982)
 
Zeile 18: Zeile 18:
# [[Sumatriptan]] als Nasenspray (20&nbsp;mg) nennt die europäische Leitlinie von 2023 mit starker Empfehlung als Alternative zur Spritze; die Wirkung setzt allerdings langsamer ein.<ref name="EAN2023"/> Zugelassen ist es in Deutschland nur für die Migräne, nicht für den Cluster-Kopfschmerz.<ref name="IMIGRANNASAL">[https://www.fachinfo.de/fi/pdf/001283/imigran-nasal-mite-10-mg-imigran-nasal-20-mg Fachinformation Imigran Nasal mite 10&nbsp;mg / Imigran Nasal 20&nbsp;mg], Stand August 2025, Abschnitt 4.1: Als Anwendungsgebiet ist nur die Migräne genannt; der Cluster-Kopfschmerz kommt im Dokument nicht vor.</ref> Für die intranasale Zufuhr von vier- bis zehnprozentigen [[Lidocain]]-Nasentropfen spricht die Leitlinie eine schwache Empfehlung aus, gestützt auf den Konsens der Fachleute.<ref name="EAN2023"/>
# [[Sumatriptan]] als Nasenspray (20&nbsp;mg) nennt die europäische Leitlinie von 2023 mit starker Empfehlung als Alternative zur Spritze; die Wirkung setzt allerdings langsamer ein.<ref name="EAN2023"/> Zugelassen ist es in Deutschland nur für die Migräne, nicht für den Cluster-Kopfschmerz.<ref name="IMIGRANNASAL">[https://www.fachinfo.de/fi/pdf/001283/imigran-nasal-mite-10-mg-imigran-nasal-20-mg Fachinformation Imigran Nasal mite 10&nbsp;mg / Imigran Nasal 20&nbsp;mg], Stand August 2025, Abschnitt 4.1: Als Anwendungsgebiet ist nur die Migräne genannt; der Cluster-Kopfschmerz kommt im Dokument nicht vor.</ref> Für die intranasale Zufuhr von vier- bis zehnprozentigen [[Lidocain]]-Nasentropfen spricht die Leitlinie eine schwache Empfehlung aus, gestützt auf den Konsens der Fachleute.<ref name="EAN2023"/>


Die Inhalation von reinem Sauerstoff beendet ([[kupiert]]) einen großen Teil der Attacken innerhalb von 15 Minuten. Die oft genannten 78&nbsp;% stammen aus einer randomisierten Studie und beziehen sich auf einzelne Attacken – 150 mit Sauerstoff behandelte Attacken von 76 Teilnehmenden gegenüber 148 mit Raumluft –, nicht auf den Anteil der Betroffenen, denen Sauerstoff hilft; einen solchen Anteil nennt die Studie nicht. Gemessen wurde außerdem nicht allein Schmerzfreiheit: Der Endpunkt war, nach 15 Minuten schmerzfrei zu sein oder, wo im Tagebuch kein Schmerz vermerkt war, ausreichend gebessert.<ref name="COHEN"/>
Die Inhalation von reinem Sauerstoff beendet ([[kupiert]]) einen großen Teil der Attacken innerhalb von 15 Minuten. Die oft genannten 78&nbsp;% stammen aus einer randomisierten Studie und beziehen sich auf einzelne Attacken – 150 mit Sauerstoff behandelte Attacken von 76 Teilnehmenden gegenüber 148 mit Raumluft –, nicht auf den Anteil der Betroffenen, denen Sauerstoff hilft; einen solchen Anteil nennt die Studie nicht. Gemessen wurde außerdem nicht allein Schmerzfreiheit: Der Endpunkt war, nach 15 Minuten schmerzfrei zu sein oder, wenn kein Tagebuch vorlag, ausreichend gebessert.<ref name="COHEN"/>


Sauerstoff ist sehr gut verträglich und hat nicht die Nebenwirkungen der medikamentösen Akutbehandlung; nebenwirkungsfrei ist er jedoch nicht – beschrieben ist unter anderem ein Wiederkehren der Attacke nach zunächst erfolgreicher Inhalation.<ref name="GEERLINGS">{{cite journal |author=Geerlings RP, Haane DY, Koehler PJ |title=Rebound following oxygen therapy in cluster headache |journal=Cephalalgia |volume=31 |issue=10 |pages=1145-9 |year=2011 |pmid=21700644 |doi=10.1177/0333102411412087 |url=}}</ref><ref name="DG" /><ref name="DMKG1">{{cite journal |author=May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC |title=Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft |journal=Schmerz |volume=19 |issue=3 |pages=225–41 |year=2005 |month=June |pmid=15887001 |doi=10.1007/s00482-005-0397-8 |url=}} [https://web.archive.org/web/20151106202717/http://www.dmkg.de/dmkg/sites/default/files/therapieempfehlung%20clusterkopfschmerz.pdf DMKG: PDF-Datei]</ref> Lidocain hilft nur einer Minderheit der Patienten und nicht jedes Mal. Weil es fast frei von Nebenwirkungen ist, kann man es dennoch ausprobieren; die europäische Leitlinie von 2023 gibt dafür eine schwache Empfehlung, gestützt auf den Konsens der Fachleute.<ref name="EAN2023"/>
Sauerstoff ist sehr gut verträglich und hat nicht die Nebenwirkungen der medikamentösen Akutbehandlung; nebenwirkungsfrei ist er jedoch nicht – beschrieben ist unter anderem ein Wiederkehren der Attacke nach zunächst erfolgreicher Inhalation.<ref name="GEERLINGS">{{cite journal |author=Geerlings RP, Haane DY, Koehler PJ |title=Rebound following oxygen therapy in cluster headache |journal=Cephalalgia |volume=31 |issue=10 |pages=1145-9 |year=2011 |pmid=21700644 |doi=10.1177/0333102411412087 |url=}}</ref><ref name="DG" /><ref name="DMKG1">{{cite journal |author=May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC |title=Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft |journal=Schmerz |volume=19 |issue=3 |pages=225–41 |year=2005 |month=June |pmid=15887001 |doi=10.1007/s00482-005-0397-8 |url=}} [https://web.archive.org/web/20151106202717/http://www.dmkg.de/dmkg/sites/default/files/therapieempfehlung%20clusterkopfschmerz.pdf DMKG: PDF-Datei]</ref> Lidocain hilft nur einer Minderheit der Patienten und nicht jedes Mal. Weil es fast frei von Nebenwirkungen ist, kann man es dennoch ausprobieren; die europäische Leitlinie von 2023 gibt dafür eine schwache Empfehlung, gestützt auf den Konsens der Fachleute.<ref name="EAN2023"/>
Zeile 130: Zeile 130:
Die Ergebnisse gehen weit auseinander, je nachdem wie genau hingesehen wurde. Eine Zusammenfassung von 108 veröffentlichten Fällen aus sechzehn Arbeiten fand einen statistisch gesicherten Rückgang von Attackenzahl und Schmerzstärke; die Autoren schließen daraus, dass bei sorgfältig ausgewählten Betroffenen etwa 70&nbsp;Prozent eine gute Kontrolle ihrer Attacken erreichen.<ref name="MURRAY2023">{{cite journal |author=Murray M, Pahapill PA, Awad AJ |title=Deep Brain Stimulation for Chronic Cluster Headaches: A Systematic Review and Meta-Analysis |journal=Stereotact Funct Neurosurg |volume=101 |issue=4 |pages=232-243 |year=2023 |pmid=37245509 |doi=10.1159/000530508 |url=}} Von den sechzehn ausgewerteten Arbeiten war nur eine eine randomisierte Studie, die übrigen waren offene Fallserien. Die mittlere Nachbeobachtung betrug 45,4 Monate.</ref> Die einzige verblindete Studie fiel dagegen negativ aus: Bei elf Betroffenen unterschied sich die aktive Stimulation in der verblindeten Phase in keinem Endpunkt von der Scheinstimulation. Erst in der anschließenden offenen Phase über ein Jahr besserten sich 6 von 11, drei davon wurden schmerzfrei.<ref name="FONTAINE2010">{{cite journal |author=Fontaine D, Lazorthes Y, Mertens P, Blond S, Géraud G, Fabre N, et al. |title=Safety and efficacy of deep brain stimulation in refractory cluster headache: a randomized placebo-controlled double-blind trial followed by a 1-year open extension |journal=J Headache Pain |volume=11 |issue=1 |pages=23-31 |year=2010 |pmid=19936616 |doi=10.1007/s10194-009-0169-4 |url=}} Drei schwerwiegende Ereignisse traten auf: eine Infektion unter der Haut, eine vorübergehende Bewusstlosigkeit und Ohnmachten beim Wasserlassen.</ref> Die europäische Leitlinie hält dieser Studie entgegen, der Beobachtungszeitraum sei wahrscheinlich schlecht gewählt gewesen.<ref name="EAN2023"/>
Die Ergebnisse gehen weit auseinander, je nachdem wie genau hingesehen wurde. Eine Zusammenfassung von 108 veröffentlichten Fällen aus sechzehn Arbeiten fand einen statistisch gesicherten Rückgang von Attackenzahl und Schmerzstärke; die Autoren schließen daraus, dass bei sorgfältig ausgewählten Betroffenen etwa 70&nbsp;Prozent eine gute Kontrolle ihrer Attacken erreichen.<ref name="MURRAY2023">{{cite journal |author=Murray M, Pahapill PA, Awad AJ |title=Deep Brain Stimulation for Chronic Cluster Headaches: A Systematic Review and Meta-Analysis |journal=Stereotact Funct Neurosurg |volume=101 |issue=4 |pages=232-243 |year=2023 |pmid=37245509 |doi=10.1159/000530508 |url=}} Von den sechzehn ausgewerteten Arbeiten war nur eine eine randomisierte Studie, die übrigen waren offene Fallserien. Die mittlere Nachbeobachtung betrug 45,4 Monate.</ref> Die einzige verblindete Studie fiel dagegen negativ aus: Bei elf Betroffenen unterschied sich die aktive Stimulation in der verblindeten Phase in keinem Endpunkt von der Scheinstimulation. Erst in der anschließenden offenen Phase über ein Jahr besserten sich 6 von 11, drei davon wurden schmerzfrei.<ref name="FONTAINE2010">{{cite journal |author=Fontaine D, Lazorthes Y, Mertens P, Blond S, Géraud G, Fabre N, et al. |title=Safety and efficacy of deep brain stimulation in refractory cluster headache: a randomized placebo-controlled double-blind trial followed by a 1-year open extension |journal=J Headache Pain |volume=11 |issue=1 |pages=23-31 |year=2010 |pmid=19936616 |doi=10.1007/s10194-009-0169-4 |url=}} Drei schwerwiegende Ereignisse traten auf: eine Infektion unter der Haut, eine vorübergehende Bewusstlosigkeit und Ohnmachten beim Wasserlassen.</ref> Die europäische Leitlinie hält dieser Studie entgegen, der Beobachtungszeitraum sei wahrscheinlich schlecht gewählt gewesen.<ref name="EAN2023"/>


Die Risiken sind erheblich. In der Auswertung der 108 Fälle traten bei 16,7&nbsp;Prozent schwere Komplikationen auf, Todesfälle bei unter einem Prozent.<ref name="MURRAY2023"/> Die europäische Leitlinie von 2023 beziffert das Blutungsrisiko auf etwa zwei Prozent, hält fest, dass auch ein Todesfall berichtet wurde, und spricht keine Empfehlung aus; sie merkt an, dass wegen der geringeren Risiken zuerst die okzipitale Nervenstimulation versucht werden sollte.<ref name="EAN2023"/> Ein solcher Todesfall ist in einer der frühen Arbeiten ausführlich dokumentiert: Dort starb einer von sechs Behandelten wenige Stunden nach dem Eingriff an einer Hirnblutung, die sich entlang des Elektrodenkanals entwickelt hatte; die Obduktion fand keine anderen Gefäßveränderungen. Bei einem weiteren Teilnehmer musste der Eingriff abgebrochen werden.<ref name="SCHOENEN2005">{{cite journal |author=Schoenen J, Di Clemente L, Vandenheede M, Fumal A, De Pasqua V, Mouchamps M, et al. |title=Hypothalamic stimulation in chronic cluster headache: a pilot study of efficacy and mode of action |journal=Brain |volume=128 |issue=Pt 4 |pages=940-947 |year=2005 |pmid=15689358 |doi=10.1093/brain/awh411 |url=}} Die Autoren schließen daraus wörtlich: „Intracerebral haemorrhage cannot be neglected in the risk evaluation of the procedure."</ref>
Die Risiken sind erheblich. In der Auswertung der 108 Fälle traten bei 16,7&nbsp;Prozent schwere Komplikationen auf, Todesfälle bei unter einem Prozent.<ref name="MURRAY2023"/> Die europäische Leitlinie von 2023 beziffert das Blutungsrisiko auf etwa zwei Prozent, hält fest, dass auch ein Todesfall berichtet wurde, und spricht keine Empfehlung aus; sie merkt an, dass wegen der geringeren Risiken zuerst die okzipitale Nervenstimulation versucht werden sollte.<ref name="EAN2023"/> Ein solcher Todesfall ist in einer der frühen Arbeiten ausführlich dokumentiert: Dort fiel eine von sechs Behandelten fünf Stunden nach dem Eingriff ins Koma, weil sich entlang des Elektrodenkanals eine Hirnblutung entwickelt hatte; sie starb drei Tage später. Die Obduktion fand keine anderen Gefäßveränderungen. Bei einem weiteren Teilnehmer musste der Eingriff abgebrochen werden.<ref name="SCHOENEN2005">{{cite journal |author=Schoenen J, Di Clemente L, Vandenheede M, Fumal A, De Pasqua V, Mouchamps M, et al. |title=Hypothalamic stimulation in chronic cluster headache: a pilot study of efficacy and mode of action |journal=Brain |volume=128 |issue=Pt 4 |pages=940-947 |year=2005 |pmid=15689358 |doi=10.1093/brain/awh411 |url=}} Die Autoren schließen daraus wörtlich: „Intracerebral haemorrhage cannot be neglected in the risk evaluation of the procedure."</ref>


== Übersicht ==
== Übersicht ==
Zeile 208: Zeile 208:


=== Ketogene Ernährung ===
=== Ketogene Ernährung ===
Anders als die zuvor genannten Selbstversuche ist die ketogene Ernährung in einer klinischen Studie untersucht worden. Achtzehn Betroffene mit chronischem Verlauf, bei denen die Medikamente nicht mehr wirkten, hielten zwölf Wochen eine modifizierte Atkins-Diät ein. Fünfzehn von ihnen sprachen an: elf wurden im Studienzeitraum attackenfrei, vier hatten mindestens halb so viele Attacken wie vorher.
Anders als die zuvor genannten Selbstversuche ist die ketogene Ernährung in einer klinischen Studie untersucht worden. Achtzehn Betroffene mit chronischem Verlauf, bei denen die Medikamente nicht mehr wirkten, hielten zwölf Wochen eine modifizierte Atkins-Diät ein. Fünfzehn von ihnen sprachen an: elf wurden im Studienzeitraum attackenfrei, vier hatten höchstens noch halb so viele Attacken wie vorher.


Im Mittel ging die Zahl der Attacken pro Monat von 108,7 auf 31,4 zurück, allerdings bei sehr großer Streuung – die Standardabweichung war am Ende größer als der Mittelwert selbst.<ref name="KETO">{{cite journal |author=Di Lorenzo C, Coppola G, Di Lenola D, Evangelista M, Sirianni G, Rossi P, Di Lorenzo G, Serrao M, Pierelli F |title=Efficacy of Modified Atkins Ketogenic Diet in Chronic Cluster Headache: An Open-Label, Single-Arm, Clinical Trial |journal=Front Neurol |volume=9 |pages=64 |year=2018 |pmid=29483892 |doi=10.3389/fneur.2018.00064 |url=}}</ref> Diese Studie war offen und einarmig, hatte also weder eine Kontrollgruppe noch eine Verblindung, und ihr Ergebnis ist bis heute nicht in einer randomisierten Studie bestätigt.
Im Mittel ging die Zahl der Attacken pro Monat von 108,7 auf 31,4 zurück, allerdings bei sehr großer Streuung – die Standardabweichung war am Ende größer als der Mittelwert selbst.<ref name="KETO">{{cite journal |author=Di Lorenzo C, Coppola G, Di Lenola D, Evangelista M, Sirianni G, Rossi P, Di Lorenzo G, Serrao M, Pierelli F |title=Efficacy of Modified Atkins Ketogenic Diet in Chronic Cluster Headache: An Open-Label, Single-Arm, Clinical Trial |journal=Front Neurol |volume=9 |pages=64 |year=2018 |pmid=29483892 |doi=10.3389/fneur.2018.00064 |url=}}</ref> Diese Studie war offen und einarmig, hatte also weder eine Kontrollgruppe noch eine Verblindung, und ihr Ergebnis ist bis heute nicht in einer randomisierten Studie bestätigt.
Zeile 246: Zeile 246:
'''Psychotherapie.''' Dass Psychotherapie keine Attacke beendet und keine Episode verhindert, ist unstrittig. Untersucht wurde es allerdings kaum. Der einzige veröffentlichte Behandlungsversuch an einer Patientengruppe stammt von 1982: Elf Patienten mit episodischem Verlauf wurde ein Programm aus acht Wochen Entspannungstraining und anschließend zwölf Sitzungen Biofeedback angeboten. Vier brachen ab, bevor die Behandlung überhaupt begann; die sieben, die begannen, schlossen sie ab.
'''Psychotherapie.''' Dass Psychotherapie keine Attacke beendet und keine Episode verhindert, ist unstrittig. Untersucht wurde es allerdings kaum. Der einzige veröffentlichte Behandlungsversuch an einer Patientengruppe stammt von 1982: Elf Patienten mit episodischem Verlauf wurde ein Programm aus acht Wochen Entspannungstraining und anschließend zwölf Sitzungen Biofeedback angeboten. Vier brachen ab, bevor die Behandlung überhaupt begann; die sieben, die begannen, schlossen sie ab.


Drei von ihnen – 27 Prozent der Ausgangsgruppe – berichteten beim nächsten Cluster-Anfall eine gewisse Besserung. Im Original heißt es: „In no one was the disorder eliminated.“<ref name="BLANCHARD">{{cite journal |author=Blanchard EB, Andrasik F, Jurish SE, Teders SJ |title=The treatment of cluster headache with relaxation and thermal biofeedback |journal=Biofeedback Self Regul |volume=7 |issue=2 |pages=185-91 |year=1982 |month=June |pmid=6753952 |doi=10.1007/BF00998782 |url=}} Acht Wochen verkürzte progressive Muskelrelaxation, danach zwölf Sitzungen thermales Biofeedback; ohne Kontrollgruppe.</ref> Daneben gibt es zwei Einzelfallberichte zu Biofeedback bei chronischem Verlauf, beide mit berichteter Besserung bei je einem Patienten.<ref name="HOELSCHER">{{cite journal |author=Hoelscher TJ, Lichstein KL |title=Blood volume pulse biofeedback treatment of chronic cluster headache |journal=Biofeedback Self Regul |volume=8 |issue=4 |pages=533-41 |year=1983 |pmid=6675728 |doi=10.1007/BF00998760 |url=}}</ref><ref name="KINGARENA">{{cite journal |author=King AC, Arena JG |title=Behavioral treatment of chronic cluster headache in a geriatric patient |journal=Biofeedback Self Regul |volume=9 |issue=2 |pages=201-8 |year=1984 |pmid=6509110 |doi=10.1007/BF00998834 |url=}}</ref> Kontrollierte oder randomisierte Studien zu einem psychologischen Verfahren speziell beim Cluster-Kopfschmerz gibt es bis heute nicht.
Drei von ihnen – 27 Prozent der Ausgangsgruppe – berichteten in der nächsten Cluster-Episode eine gewisse Besserung. Im Original heißt es: „In no one was the disorder eliminated.“<ref name="BLANCHARD">{{cite journal |author=Blanchard EB, Andrasik F, Jurish SE, Teders SJ |title=The treatment of cluster headache with relaxation and thermal biofeedback |journal=Biofeedback Self Regul |volume=7 |issue=2 |pages=185-91 |year=1982 |month=June |pmid=6753952 |doi=10.1007/BF00998782 |url=}} Acht Wochen verkürzte progressive Muskelrelaxation, danach zwölf Sitzungen thermales Biofeedback; ohne Kontrollgruppe.</ref> Daneben gibt es zwei Einzelfallberichte zu Biofeedback bei chronischem Verlauf, beide mit berichteter Besserung bei je einem Patienten.<ref name="HOELSCHER">{{cite journal |author=Hoelscher TJ, Lichstein KL |title=Blood volume pulse biofeedback treatment of chronic cluster headache |journal=Biofeedback Self Regul |volume=8 |issue=4 |pages=533-41 |year=1983 |pmid=6675728 |doi=10.1007/BF00998760 |url=}}</ref><ref name="KINGARENA">{{cite journal |author=King AC, Arena JG |title=Behavioral treatment of chronic cluster headache in a geriatric patient |journal=Biofeedback Self Regul |volume=9 |issue=2 |pages=201-8 |year=1984 |pmid=6509110 |doi=10.1007/BF00998834 |url=}}</ref> Kontrollierte oder randomisierte Studien zu einem psychologischen Verfahren speziell beim Cluster-Kopfschmerz gibt es bis heute nicht.


Der Satz von 1998 wird heute aber anders gelesen, als er gemeint war: nämlich als „psychotherapeutische Hilfe bringt Ihnen nichts“. Das stimmt so nicht. Während einer Cluster-Episode sind Angst, Schlafstörungen und depressive Beschwerden häufig. In einer koreanischen Registerstudie wurden 222 Betroffene während der aktiven Episode untersucht: 38,2 Prozent hatten mittelschwere bis schwere Angstsymptome und 34,6 Prozent mittelschwere bis schwere depressive Symptome, gegenüber 10,1 und 12,1 Prozent in einer nach Alter und Geschlecht vergleichbaren Kontrollgruppe. Bei 52 Betroffenen mit episodischem Verlauf wurde auch in der attackenfreien Zeit gemessen; die mittleren Punktwerte fielen dort von 6,8 auf 1,6 (Angst) und von 6,1 auf 1,8 (Depression).<ref name="KIM2020">{{cite journal |author=Kim BS, Chung PW, Kim BK, Lee MJ, Park JW, Chu MK, et al. |title=The impact of remission and coexisting migraine on anxiety and depression in cluster headache |journal=J Headache Pain |volume=21 |issue=1 |pages=58 |year=2020 |pmid=32471362 |doi=10.1186/s10194-020-01120-7 |url=}} Erhoben mit GAD-7 und PHQ-9; „mittelschwer bis schwer“ entspricht einem Wert von 10 oder mehr.</ref> Die Beschwerden hängen also eng mit den Attacken zusammen, und eine wirksame Attacken- und Vorbeugungsbehandlung ist das Wichtigste dagegen.
Der Satz von 1998 wird heute aber anders gelesen, als er gemeint war: nämlich als „psychotherapeutische Hilfe bringt Ihnen nichts“. Das stimmt so nicht. Während einer Cluster-Episode sind Angst, Schlafstörungen und depressive Beschwerden häufig. In einer koreanischen Registerstudie wurden 222 Betroffene während der aktiven Episode untersucht: 38,2 Prozent hatten mittelschwere bis schwere Angstsymptome und 34,6 Prozent mittelschwere bis schwere depressive Symptome, gegenüber 10,1 und 12,1 Prozent in einer nach Alter und Geschlecht vergleichbaren Kontrollgruppe. Bei 52 Betroffenen mit episodischem Verlauf wurde auch in der attackenfreien Zeit gemessen; die mittleren Punktwerte fielen dort von 6,8 auf 1,6 (Angst) und von 6,1 auf 1,8 (Depression).<ref name="KIM2020">{{cite journal |author=Kim BS, Chung PW, Kim BK, Lee MJ, Park JW, Chu MK, et al. |title=The impact of remission and coexisting migraine on anxiety and depression in cluster headache |journal=J Headache Pain |volume=21 |issue=1 |pages=58 |year=2020 |pmid=32471362 |doi=10.1186/s10194-020-01120-7 |url=}} Erhoben mit GAD-7 und PHQ-9; „mittelschwer bis schwer“ entspricht einem Wert von 10 oder mehr.</ref> Die Beschwerden hängen also eng mit den Attacken zusammen, und eine wirksame Attacken- und Vorbeugungsbehandlung ist das Wichtigste dagegen.