Cluster-Kopfschmerz Behandlung: Unterschied zwischen den Versionen
Cezary (Diskussion | Beiträge) Tabelle berichtigt: Zolmitriptan-Nasenspray nur 5 mg (10 mg in Deutschland nicht im Handel), Sumatriptan-Nasenspray entfernt, weil es keine Cluster-Zulassung hat; Hinweis zum Zulassungsstand ergänzt |
Cezary (Diskussion | Beiträge) Zolmitriptan nasal: eigene Korrektur vom 20.09. zurückgenommen. Die Fachinformation nennt für den Cluster-Kopfschmerz „5 oder 10 mg"; das Spray hat 5 mg pro Sprühstoß, 10 mg sind zwei Sprühstöße und schöpfen die Tagesgesamtdosis aus. Dazu der Widerspruch innerhalb der europäischen Leitlinie (Empfehlung 5 mg, im Text 10 mg als vorzuziehende Dosis). Beleg: Fachinfo AscoTop Nasal, Stand Juni 2023. |
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Die Angaben sind der europäischen Leitlinie von 2023 entnommen und ersetzen die frühere Übersicht nach der deutschen Leitlinie von 2015, deren Gültigkeit am 13. Mai 2020 abgelaufen ist.<ref name="DG"/> Die Dosierungen sind Leitlinienangaben und keine ärztliche Anweisung; maßgeblich ist die Verordnung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes. | Die Angaben sind der europäischen Leitlinie von 2023 entnommen und ersetzen die frühere Übersicht nach der deutschen Leitlinie von 2015, deren Gültigkeit am 13. Mai 2020 abgelaufen ist.<ref name="DG"/> Die Dosierungen sind Leitlinienangaben und keine ärztliche Anweisung; maßgeblich ist die Verordnung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes. | ||
Version vom 21. September 2026, 08:23 Uhr
Cluster-Kopfschmerz ist eine Erkrankung, die durch medizinische Maßnahmen nicht heilbar ist. Die Intensität der Schmerzattacken und die Attackenhäufigkeit können durch geeignete vorbeugende Behandlung meistens vermindert werden.
Kopfschmerztagebuch
Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen ist ein Kopfschmerztagebuch sinnvoll. Dies erleichtert dem Arzt die Diagnostik und dient der Überwachung einer Therapie. Der "Kopfschmerzkalender" kann helfen, persönliche Auslöser (Trigger) zu erkennen. Es reicht ein Blatt Papier oder Heft, in dem Datum, Uhrzeit, Dauer, Stärke und Art des Schmerzes, verwendete Medikamente und vermutete Auslöser eingetragen werden. Im Internet und bei Ärzten gibt es entsprechende Vordrucke (siehe hier). Patienten die auf bestimmte Auslöser reagieren sollten diese meiden.
Akutbehandlung

- Inhalation von 100% medizinischem Sauerstoff über eine Hochkonzentrationsmaske (Non-Rebreather-Maske)[1][2][3][4][5][6] mit Reservoirbeutel und einem Durchfluss von 12 – 15 l/min über 15 – 20 min.[7] Sauerstoffbrillen sind nicht geeignet, da die Betroffenen während der Attacken meist nicht durch die Nase atmen können. Zudem kann mit Sauerstoffbrillen nicht der erforderliche Durchfluss von 12 - 15 l/min. erreicht werden. Aus letztgenanntem Grund sind auch Sauerstoffkonzentratoren ungeeignet, diese erreichen nur eine maximale Durchflussrate von 5,5 l/min. Medizinischer Sauerstoff ist in Druckflaschen (200bar) mit zehn Litern oder mit zwei Litern Volumen erhältlich.
- Triptane: Sumatriptan subcutan und Zolmitriptan nasal sind zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen zugelassen.
- Sumatriptan Nasenspray wird von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie als "Mittel der zweiten Wahl" empfohlen, ebenso die intranasale Zufuhr von vier- bis zehnprozentigen Lidocain Nasentropfen.[1]
Die Inhalation von reinem Sauerstoff beendet (kupiert) in 78 % der Fälle eine Cluster-Kopfschmerzattacke innerhalb von 15 Minuten[2] und ist nebenwirkungsfrei.[1][8] Die Anwendung von Lidocain hilft nur einem Teil der Patienten und nicht immer. Trotzdem sollte jede Patientin und jeder Patient mit Cluster-Kopfschmerzen diese Therapie ausprobieren, da bei Wirksamkeit Nebenwirkungen vermieden werden.[1]
Octreotid kann zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzattacken verwendet werden, wenn andere Medikamente ineffektiv oder kontraindiziert sind.[6] Die Akutbehandlung mit Olanzapin in Dosierungen zwischen 2,5 und 10 mg führte in einer offenen Studie bei vier der fünf Patienten zu einer Schmerzreduzierung von mehr als 80 % innerhalb von 20 Minuten nach der oralen Einnahme, zwei der Patienten wurden schmerzfrei.[9]
Die Stimulation des Ganglion pterygopalatinum (Ganglion sphenopalatinum) mit einem implantierten, von außen aktivierten Neurostimulator (SPG-Stimulation) wurde von 2011 bis 2019 bei chronischem Cluster-Kopfschmerz eingesetzt. Das Gerät wurde über einen Einschnitt im Zahnfleisch eingesetzt und mit zwei Knochenschrauben am Oberkiefer befestigt, die Elektrodenspitze lag hinter dem Wangenknochen am Ganglion. Bei einer Attacke stimulierte der Patient das Implantat induktiv über ein Steuergerät, das er von außen an die Wange hielt.
In der multizentrischen, randomisierten und scheinkontrollierten Zulassungsstudie (Pathway CH-1) wurden 32 Patienten eingeschlossen, 28 durchliefen den randomisierten Studienabschnitt.[10] Geprüft wurde die Schmerzlinderung 15 Minuten nach der Stimulation: Sie trat bei 67,1 % der voll stimulierten Attacken ein, gegenüber 7,4 % bei Scheinstimulation (p < 0,0001). Auf Patientenebene hatten 19 der 28 Teilnehmer (68 %) einen klinisch bedeutsamen Nutzen: sieben (25 %) erreichten bei mindestens der Hälfte der behandelten Attacken eine Schmerzlinderung, zehn (36 %) hatten mindestens die Hälfte weniger Attacken als vorher, zwei (7 %) beides. In fünf Fällen traten schwere Nebenwirkungen auf; die meisten Patienten (81 %) erlebten einen vorübergehenden, leichten bis mäßigen Verlust der Empfindung in Regionen des Nervus maxillaris. 65 % der unerwünschten Ereignisse waren innerhalb von drei Monaten abgeklungen. Eine zweite randomisierte, scheinkontrollierte Studie mit 93 Patienten (Pathway CH-2) bestätigte die Wirkung: Schmerzlinderung nach 15 Minuten bei 62,5 % der Attacken gegenüber 38,9 % in der Kontrollgruppe.[11]
Das Verfahren ist in Europa nicht mehr verfügbar: Der Hersteller des Implantats wurde 2019 zahlungsunfähig, die europäische Leitlinie von 2023 vermerkt dazu ausdrücklich „not available in Europe“.[7]
Die nicht-invasive Vagusnervstimulation (nVNS) mit einem handgehaltenen Gerät am Hals nennt die europäische Leitlinie von 2023 dagegen mit starker Empfehlung zur Akutbehandlung des episodischen Cluster-Kopfschmerzes.[7] In der randomisierten, scheinkontrollierten ACT2-Studie war der Hauptendpunkt – Schmerzfreiheit innerhalb von 15 Minuten – über alle Patienten hinweg nicht besser als bei Scheinstimulation (14 % gegenüber 12 %). In der Untergruppe mit episodischem Verlauf waren dagegen 48 % der Attacken nach 15 Minuten schmerzfrei, gegenüber 6 % unter Scheinstimulation; beim chronischen Verlauf zeigte sich kein Vorteil.[12]
Vorbeugende Behandlung

Tabletten
Bei chronischem und bei episodischem Cluster-Kopfschmerz ist das vorbeugende Mittel der ersten Wahl die verschreibungspflichtige Substanz Verapamil.[6][13] Vor der ersten Anwendung, bei Dosissteigerung und bei hohen Dosierungen sind Kontrollen der Herztätigkeit (EKG) erforderlich.[14] In einer Untersuchung an 108 mit Verapamil behandelten Cluster-Patienten traten bei 19 % Herzrhythmusstörungen und bei 36 % ein verlangsamter Puls unter 60 Schlägen pro Minute auf.[14] Veränderungen im EKG können auch nach jahrelanger, komplikationsloser Einnahme noch auftreten: Bei sehr hohen Tagesdosen ab 720 mg zeigten 38 % der Behandelten EKG-Veränderungen, bei den meisten von ihnen erst nach mehr als zwei Jahren.[15] Die EKG-Kontrollen sollten deshalb auch in der Dauerbehandlung fortgesetzt werden. Die Wirkung tritt jedoch bei schrittweiser Dosissteigerung erst nach zwei bis drei Wochen ein. Wegen der gleichmäßigeren Wirkstoffabgabe sollte die retardierte Form des Medikamentes bevorzugt werden.[16] Wirksam sind sowohl die retardierte als auch die normale Form des Medikamentes, es gibt dazu keine direkten Vergleichsstudien.[17][6]
Zulassung und Kostenübernahme. Verapamil ist für den Cluster-Kopfschmerz nicht zugelassen, die Anwendung erfolgt außerhalb der Zulassung (Off-Label-Gebrauch). Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Verapamil mit Beschluss vom 16. August 2012 in die Anlage VI der Arzneimittel-Richtlinie aufgenommen; seit dem 25. Oktober 2012 ist es damit zur „Prophylaxe des episodischen und chronischen Clusterkopfschmerzes von Erwachsenen ab 18 Jahren" zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig.[18] Der Beschluss nennt eine anfängliche Tagesdosis von 120 mg, die bis 360 mg gesteigert werden kann; Tagesdosen über 480 mg sind nach dem Beschluss „nicht ausreichend untersucht". Vorausgesetzt werden regelmäßige, dokumentierte EKG-Kontrollen und ein vom Patienten geführtes Schmerztagebuch.[18] Das Mittel der ersten Wahl ist damit nicht privat zu bezahlen.
Corticosteroide, Ergotamin oder lange wirksame Triptane wie Naratriptan und Frovatriptan können in der Kurzprophylaxe, bis eine andere vorbeugende Therapie greift, oder bei kurzen Episoden eingesetzt werden. Corticosteroide sollten wegen ihrer Nebenwirkungen nicht dauerhaft eingenommen werden (< 4 Wochen), sondern als überbrückende Therapie bis zum Wirkungseintritt von Verapamil.[1] Für diese Überbrückung gibt es eine randomisierte, placebokontrollierte Studie: 100 mg Prednison über fünf Tage, anschließend Reduktion um 20 mg alle drei Tage, jeweils zusätzlich zur beginnenden Behandlung mit Verapamil. In der ersten Woche traten damit 7,1 Attacken auf, unter Placebo 9,5.[19] Wegen möglicher Wechselwirkungen dürfen während einer vorbeugenden Behandlung mit Ergotamin oder mit lange wirksamen Triptanen keine anderen Triptane zur Akutbehandlung verwendet werden.
Lithium ist in Deutschland das einzige Medikament, das nach dem Arzneimittelrecht zur vorbeugenden Behandlung des Cluster-Kopfschmerzes zugelassen ist. Die Zulassung gilt präparatespezifisch: Quilonum retard (Lithiumcarbonat) führt den Cluster-Kopfschmerz im Anwendungsgebiet, das ebenfalls Lithiumcarbonat enthaltende Hypnorex retard nicht.[20] Über die Stärke der Belege sagt die Zulassung allerdings nichts: Die einzige placebokontrollierte Studie beim episodischen Verlauf konnte keine Überlegenheit gegenüber Placebo zeigen – deutlich gebessert waren 8 von 13 Behandelten unter Lithium und 6 von 14 unter Placebo.[21] Die europäische Leitlinie empfiehlt Lithium deshalb erst, wenn Verapamil nicht ausreicht, und vor allem beim chronischen Verlauf.[7] Wegen der möglichen Nebenwirkungen und des engen Abstands zwischen wirksamer und zu hoher Dosis sind regelmäßige Kontrollen des Lithiumspiegels im Blut erforderlich.
Wenn Verapamil und Lithium versagen, kann ein Versuch mit den ebenfalls verschreibungspflichtigen Substanzen Topiramat oder Melatonin unternommen werden; große kontrollierte Studien fehlen für beide.[7] Pizotifen ist nach Angabe der deutschen Leitlinie „in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht mehr zugelassen und nur noch als Import-Arzneimittel zu beziehen".[1] Für Valproinsäure verlief die einzige kontrollierte Studie negativ: Von 96 Patienten besserten sich 50 % unter Valproinsäure und 62 % unter Placebo.[22] Wenn eine Substanz allein nicht wirkt, kann unter ärztlicher Kontrolle eine Kombination ausprobiert werden.[1]
Den meisten Patienten kann mit den obigen Medikamenten entsprechend der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie geholfen werden. Weitere mögliche Medikamente listet die US Leitlinie zur Behandlung von Clusterkopfschmerzen. Die aktuelle Forschung und klinische Praxis entdecken gelegentlich weitere Mittel, die eine mögliche Wirkung gegen Cluster-Kopfschmerz haben. Siehe dazu Cluster-Kopfschmerz Medikationen und Aktuelles zum Cluster-Kopfschmerz.
Eine alternative Behandlung mit nur sehr geringen und seltenen Nebenwirkungen ist die suboccipitale Injektion von Lokalanästhetika und Corticosteroiden in der Nähe des großen Hinterhauptnervs (Nervus occipitalis major) auf der betroffenen Seite.[23][24]
Unklar ist, ob eine Therapie mit Sauerstoff unter Überdruck einen vorbeugenden Effekt auf Cluster-Kopfschmerz haben kann.[25]
Die Wirkung einer Kombination von Medikamenten kann bei einigen Patienten besser sein als eine Therapie mit nur einem hoch dosierten Medikament.[6] In der klinischen Praxis wird oft eine Kombination verwendet, meist mit 240-480 mg Verapamil als Basismedikament. Für Patienten, bei denen eine vorbeugende Therapie mit einem einzelnen Medikament keine befriedigende Wirkung erzielt, werden die folgenden Kombinationen empfohlen:[6][26]
Episodischer Cluster-Kopfschmerz
- Verapamil + Prednison
- Verapamil + Ergotamin
- Verapamil + Lithium
Chronischer Cluster-Kopfschmerz
- Verapamil + Lithium
- Verapamil + Ergotamin
- Verapamil + Methysergid (nicht mehr erhältlich)
- Verapamil + Lithium + Ergotamin
(Konsens aus dem 9th International Headache Research Seminar, Nov. 1998, Kopenhagen).[26]
Baclofen kann als Medikament der dritten Wahl zur vorbeugenden Behandlung von Cluster-Kopfschmerz versucht werden.[6] Die Verwendung von Gabapentin als zusätzliches vorbeugendes Medikament zeigte in einer kleinen Studie einen gewissen Erfolg.[27]
In einigen Fällen ist die unspezifische Blockade des großen Hinterhauptnervs mit einem Lokalanästhetikum und Corticosteroiden erfolgreich und daher auf jeden Fall vor einer operativen Therapie zu versuchen.[1][24] Ebenfalls nicht invasiv ist die endoskopische Nervenblockade am Ganglion pterygopalatinum (Ganglion sphenopalatinum) mittels Lokalanästhetikum und Corticosteroiden.[28][29]
Erst nach Versagen aller medikamentösen Maßnahmen sind in absoluten Ausnahmefällen operative Verfahren zu erwägen. Deren Risiken überwiegen jedoch oft den Nutzen.[1] Abgeraten wird bei Cluster-Kopfschmerz von der aus der Behandlung der Trigeminusneuralgie bekannten "Gamma Knife" Radiochirugie.[30][31][32]
Ein neues, in der Cluster-Kopfschmerzbehandlung noch experimentelles vorbeugendes Verfahren ist die elektrische Stimulation des großen Hinterhauptnervs (Okzipitale Nervenstimulation) mittels im Nackenbereich implantierter Elektroden.[33][34][35]
Ein weiteres bei Cluster-Kopfschmerz neues Verfahren in der klinischen Erprobung ist die Tiefenhirnstimulation. Dabei werden mittels fest implantierter Elektroden die Strukturen am Hypothalamus stimuliert. Etablierte Anwendungsgebiete der Tiefenhirnstimulation sind unter anderem die Parkinson-Krankheit, der Essentielle Tremor oder die Dystonie. Die Tiefenhirnstimulation ist eine Option für an der chronischen Verlaufsform erkrankte Cluster-Kopfschmerzpatienten, denen nicht anders geholfen werden kann.[1][36]
Übersicht
| Mittel der ersten Wahl | |
| Akuttherapie | Vorbeugung |
| Inhalation 100 % med. Sauerstoff, 12–15 l/min über Maske mit Reservoirbeutel, 15–20 Minuten | Verapamil, mindestens 240 mg täglich, Zieldosis meist 360 mg; EKG-Kontrollen |
| Sumatriptan 6 mg s.c. | Zur Überbrückung: Prednisolon 60–100 mg täglich über 5 Tage, danach Reduktion um 10 mg alle 4 Tage |
| Zolmitriptan 5 mg nasal (Zulassung: 5 oder 10 mg, siehe unten) | Zur Überbrückung: Blockade des Nervus occipitalis major mit Corticosteroid und Lokalanästhetikum |
| Mittel der zweiten Wahl | |
| Akuttherapie | Vorbeugung |
| Lidocain Nasenspray 4-10%ige Lösung | Lithium 600–1500 mg nach Serumspiegel, wenn Verapamil nicht ausreicht |
| Topiramat, Beginn mit 25 mg, wöchentliche Steigerung um 25 mg | |
| Nicht-invasive Vagusnervstimulation (nur episodischer Verlauf) | Galcanezumab 300 mg s.c. monatlich (nur episodischer Verlauf; in der EU nicht zugelassen) |
Zugelassen sind für den Cluster-Kopfschmerz in Deutschland nur Sumatriptan 6 mg als Injektion unter die Haut und Zolmitriptan als Nasenspray; alle übrigen hier genannten Mittel werden außerhalb ihrer Zulassung eingesetzt. Sumatriptan als Nasenspray ist nur für die Migräne zugelassen.[1] Beim Zolmitriptan-Nasenspray gehen Leitlinie und Zulassung auseinander: Die europäische Leitlinie empfiehlt 5 mg, hält im Text aber 10 mg für die vorzuziehende Dosis.[7] Die Fachinformation nennt für den Cluster-Kopfschmerz „5 oder 10 mg" und ergänzt, bei ungenügender Wirkung von 5 mg könne eine Dosis von 10 mg bei nachfolgenden Anfällen wirksam sein. Das Spray gibt es nur mit 5 mg pro Sprühstoß; 10 mg sind also zwei Sprühstöße – und damit schon die zulässige Tagesgesamtdosis.[37]
Die Angaben sind der europäischen Leitlinie von 2023 entnommen und ersetzen die frühere Übersicht nach der deutschen Leitlinie von 2015, deren Gültigkeit am 13. Mai 2020 abgelaufen ist.[1] Die Dosierungen sind Leitlinienangaben und keine ärztliche Anweisung; maßgeblich ist die Verordnung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes.
CGRP Antikörper
In einer Phase-III-Studie zur vorbeugenden Behandlung bei episodischem Cluster-Kopfschmerz wurde Galcanezumab (Handelsname Emgality) als humanisierter monoklonaler Antikörper eingesetzt, der ein selektiver Inhibitor des CGRP (‘‘calcitonin gene-related peptide‘‘) ist. In dieser doppelblinden randomisierten Studie wurden im Abstand von vier Wochen jeweils 300 mg Galcanezumab oder Placebo subkutan bei Patienten mit mindestens einer Kopfschmerzepisode alle zwei Tage seit mindestens sechs Wochen injiziert. Dadurch reduzierte sich die wöchentliche Anzahl von Kopfschmerzattacken in den ersten drei Wochen um mittlere 8,7 Attacken gegen 5,2 in der Placebogruppe. 71 % (gegen 53 %) hatten nach drei Wochen eine um mindestens die Hälfte reduzierte Häufigkeit von Kopfschmerzattacken. Schwere unerwünschte Wirkungen traten nicht auf, aber 8 % der Patienten mit Galcanezumab beklagten Schmerzen an der Injektionsstelle. Da durch die Blut-Hirn-Schranke Galcanezumab im Liquor nur eine Konzentration von 0,1 % der Plasmakonzentration aufweist, deutet dies auf eine periphere Wirkung außerhalb des Zentralnervensystems hin, wie z.B. am Trigeminus-Ganglion.[38] Die Rekrutierung der Studie wurde vorzeitig beendet, weil zu wenige Betroffene die Einschlusskriterien erfüllten: Eingeschlossen wurden 106 statt der geplanten 162 Teilnehmer.[38]
Eine Studie zur vorbeugenden Behandlung mit Galcanezumab bei chronischem Cluster-Kopfschmerz blieb ohne Wirkung: Bei 237 behandelten Patienten sank die wöchentliche Attackenzahl um 5,4 gegenüber 4,6 unter Placebo, der Unterschied war nicht signifikant.[39]
Zulassung. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA ließ Galcanezumab am 4. Juni 2019 zur Behandlung des episodischen Cluster-Kopfschmerzes bei Erwachsenen zu.[40] Die europäische Arzneimittel-Agentur EMA lehnte die entsprechende Erweiterung der Zulassung am 27. Februar 2020 ab: Die Ergebnisse der einzelnen Studie hätten nicht klar gezeigt, dass Emgality Attacken vorbeugt, und der Nutzen überwiege die Risiken für diese Indikation nicht.[41] In der Europäischen Union ist Galcanezumab damit nur zur Migräneprophylaxe zugelassen, nicht für den Cluster-Kopfschmerz. Die europäische Leitlinie von 2023 spricht für Galcanezumab beim episodischen Verlauf eine schwache Empfehlung auf niedriger Evidenzstufe aus.[7]
Weitere CGRP-Antikörper. Auch die übrigen bisher geprüften Antikörper aus dieser Gruppe haben ihr Ziel verfehlt. Zwei Phase-III-Studien mit Fremanezumab beim episodischen und beim chronischen Cluster-Kopfschmerz wurden 2018 und 2019 nach einer Zwischenauswertung wegen absehbarer Wirkungslosigkeit abgebrochen.[42] Erenumab verfehlte beim chronischen Cluster-Kopfschmerz in einer deutschen Studie mit 81 Teilnehmern den Hauptendpunkt (Rückgang um 7,3 Attacken pro Woche gegenüber 5,9 unter Placebo).[43] Eptinezumab verfehlte beim episodischen Cluster-Kopfschmerz in einer Studie mit 231 Teilnehmern ebenfalls den Hauptendpunkt; einzelne nachgeordnete Auswertungen fielen jedoch zugunsten des Wirkstoffs aus.[44]
Komplementär- und Alternativmedizin
Eine Selbstbehandlung ist bei Cluster-Kopfschmerz nicht sinnvoll, da die Medikamente verschreibungspflichtig sind und auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten sein müssen.[45] Von irgendwelchen "Wundermitteln" ist abzuraten, da diese in der Regel nur die Aufnahme einer wirksamen Behandlung verzögern. Für die folgenden Mittel gibt es keine klinischen Studien über deren Wirksamkeit gegen Cluster-Kopfschmerz.
Patienten berichten unter anderem von positiven Wirkungen durch
- eine Ernährungsumstellung auf eine Purin und/oder Histamin reduzierte Diät,
- das Trinken von viel Wasser (Forum),
- die Einnahme von Vitamin B Präparaten (Forum),
- Vitamin D & Omega 3 Fischöl[46],
- das Trinken von Energy Drinks zur Attackenkupierung (siehe Taurin),
- die Einnahme von Minocyclin,
- die Einnahme von Extrakten oder Tee aus der Pflanze Kudzu[47] oder
- die Halluzinogene Psilocybin, LSA oder LSD.[48]
Die angebliche Wirkung von Psilocybin in Form der "Zauberpilze" und von LSD hat im Juli 2006 erste wissenschaftliche Beachtung gefunden (Sewell, Neurology 2006). Es handelt sich jedoch um hochpotente Halluzinogene, die schon bei sehr geringen Dosierungen Psychosen auslösen können. In Deutschland sind die Wirkstoffe LSD, Psilocybin und Psilocin als nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel in der Anlage des Betäubungsmittelgesetzes erfasst. Besitz von diesen Stoffen und den Pilzen, die diese Stoffe enthalten, und der Handel mit ihnen sind daher in Deutschland strafbar.
Nur sehr wenige Patienten berichten von erfolgreicher Behandlung durch Heilpraktiker (Forum).
Unwirksame Therapieverfahren
Übliche Analgetika, seien es Opioid- oder Nichtopioid-Analgetika wie z.B. Aspirin, Diclofenac, Ibuprofen, Novalgin/Metamizol oder Paracetamol, sind in der Therapie der akuten Schmerzattacke wirkungslos. Da Cluster-Kopfschmerz Attacken nach dreißig bis sechzig Minuten spontan abklingen können, wird irrtümlicherweise angenommen, dass dieses Abklingen durch die Anwendung eines Analgetikums erzielt wird. Die Folge ist, dass über Jahre oder Jahrzehnte unnötigerweise ineffektive und nebenwirkungsträchtige Medikamente eingenommen werden. Ohne Wirksamkeit sind auch Carbamazepin, Phenytoin, Betablocker, Antidepressiva, MAO-Hemmer, Antihistaminika, Biofeedback, Akupunktur, Neuraltherapie und physikalische Therapie.[49]
Diese Empfehlung stammt aus dem Jahr 1998. Drei der dort ursprünglich genannten Verfahren werden heute anders beurteilt: Lokalanästhetika (Lidocain als Nasenspray), die Blockade des Nervus occipitalis major und die okzipitale Nervenstimulation sind an anderer Stelle auf diesen Seiten beschrieben.
Psychotherapie beendet keine Attacke und verhindert keine Episode. Sie kann aber bei dem helfen, was die Erkrankung mit sich bringt – bei der Angst vor der nächsten Attacke, bei Schlafproblemen und bei depressiven Beschwerden. Wer sich deswegen Unterstützung sucht, tut das Richtige.
Dr. med. Tim Jürgens: "Leitliniengerechte Therapie des Clusters. Häufig propagiert, nicht so häufig gemacht."
Charly Gaul: "Akuttherapie und Prophylaxe des Clusterkopfschmerz."
Arne May: Was tun, wenn die Leitlinientherapie nicht wirkt?
Charly Gaul: Wann sollte man ambulant und wann stationär behandeln?
Vortrag von Priv.-Doz. Dr. med. Charly Gaul, gehalten am UKE Hamburg, 02. Mai 2015. Mit freundlicher Genehmigung von Charly Gaul, Copyright© Charly Gaul 2015.
Priv.-Doz. Dr. med. Charly Gaul ist Chefarzt und ärztlicher Leiter der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein. - Lebenslauf Charly Gaul
Siehe auch
Literatur
- Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC (June 2005). "Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft". Schmerz 19 (3): 225–41. doi:. PMID 15887001. DMKG: PDF-Datei
- Jürgens TP (August 2014). "Therapie des trigeminoautonomen Kopfschmerzes (Therapy of trigeminal autonomic headaches)". Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 57 (8): 983–95. doi:. PMID 25005009.
- Limmroth, Volker: Kopf- und Gesichtsschmerzen. Schattauer, 2007. ISBN 3-7945-2319-9
Einzelnachweise
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - Online bei der Deutschen Gesellschaft für Neurologie - Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.
- ↑ 2,0 2,1 Cohen AS, Burns B, Goadsby PJ (December 2009). "High-flow oxygen for treatment of cluster headache: a randomized trial". JAMA 302 (22): 2451–7. doi:. PMID 19996400.
- ↑ Medizinischer Dienst der Krankenversicherungen, Projektgruppe Langzeitbeatmung: Arbeitshilfe Langzeitbeatmung und Langzeit-Sauerstofftherapie. Mai 2004; Kapitel 3.3.3.4 Sauerstoffinhalation mit Druckgasflaschen, Seite 99. (PDF-Datei, 2,9 MB), Quelle: Sozialmedizinische Informationsdatenbank für Deutschland
- ↑ Fogan L.: Treatment of cluster headache. A double-blind comparison of oxygen v air inhalation. Arch Neurol. (1985); 42(4):362-3, PMID 3885921
- ↑ T.J. Steiner, K. Paemeleire, R. Jensen, D. Valade, L. Savi, M.J.A. Lainez, H.-C. Diener, P. Martelletti, E.G.M. Couturier on behalf of the European Headache Federation and Lifting The Burden: The Global Campaign to Reduce the Burden of Headache Worldwide: European principles of management of common headache disorders in primary care. J Headache Pain. (2007) 8: S1; PDF-Datei
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 6,6 May A, Leone M, Áfra J, Linde M, Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. European Journal of Neurology. 2006; 13: 1066–1077. PMID 16987158, PDF-Datei DOI
- ↑ 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 7,5 7,6 7,7 May A, Evers S, Goadsby PJ, Leone M, Manzoni GC, Pascual J, et al. (2023). "European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache". Eur J Neurol 30: 2955-2979. doi:.
- ↑ May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC (June 2005). "Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft". Schmerz 19 (3): 225–41. doi:. PMID 15887001. DMKG: PDF-Datei
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Cluster-Kopfschmerz.
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