Cluster-Kopfschmerz Behandlung: Unterschied zwischen den Versionen

Berichtigung einer eigenen Angabe vom 21.09.: Die europäische Leitlinie nennt Ergotamintartrat für die Kurzprophylaxe zum Einnehmen (Tabelle 17: 2–4 mg/Tag, ideal 2 mg 1–0–1, bei Nachtattacken 2 mg abends; Konsensusaussage, "In the absence of evidence/studies"). Der Zäpfchen-Hinweis betrifft Dihydroergotamin, nicht Ergotamin; doppelte Aussage zum Konsens zusammengefasst
Eigenkorrektur: Die Fußnote zur Verfügbarkeit nannte Datenbankabfragen für Österreich, die Schweiz und Deutschland, die so nicht belegt sind. Jetzt stehen dort die tatsächlich gelesenen Quellen, und für Österreich ist ausdrücklich vermerkt, dass die Prüfung am Werkzeug scheiterte
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[[Corticosteroide]], [[Ergotamin]] oder lange wirksame [[Triptan]]e wie [[Naratriptan]] und [[Frovatriptan]] können in der Kurzprophylaxe, bis eine andere vorbeugende Therapie greift, oder bei kurzen Episoden eingesetzt werden. Corticosteroide sollten wegen ihrer Nebenwirkungen nicht dauerhaft eingenommen werden (< 4 Wochen), sondern als überbrückende Therapie bis zum Wirkungseintritt von Verapamil.<ref name="DG" /> Für diese Überbrückung gibt es eine randomisierte, placebokontrollierte Studie: 100&nbsp;mg Prednison über fünf Tage, anschließend Reduktion um 20&nbsp;mg alle drei Tage, jeweils zusätzlich zur beginnenden Behandlung mit Verapamil. In der ersten Woche traten damit 7,1 Attacken auf, unter Placebo 9,5.<ref name="OBERMANN2021">{{cite journal |author=Obermann M, Nägel S, Ose C, et al. |title=Safety and efficacy of prednisone versus placebo in short-term prevention of episodic cluster headache: a multicentre, double-blind, randomised controlled trial |journal=Lancet Neurol |volume=20 |issue=1 |pages=29–37 |year=2021 |pmid=33245858 |doi=10.1016/S1474-4422(20)30363-X}}</ref> Wegen möglicher [http://de.wikipedia.org/wiki/Arzneimittelwechselwirkung Wechselwirkungen] dürfen während einer vorbeugenden Behandlung mit Ergotamin oder mit lange wirksamen Triptanen keine anderen Triptane zur Akutbehandlung verwendet werden.
[[Corticosteroide]], [[Ergotamin]] oder lange wirksame [[Triptan]]e wie [[Naratriptan]] und [[Frovatriptan]] können in der Kurzprophylaxe, bis eine andere vorbeugende Therapie greift, oder bei kurzen Episoden eingesetzt werden. Corticosteroide sollten wegen ihrer Nebenwirkungen nicht dauerhaft eingenommen werden (< 4 Wochen), sondern als überbrückende Therapie bis zum Wirkungseintritt von Verapamil.<ref name="DG" /> Für diese Überbrückung gibt es eine randomisierte, placebokontrollierte Studie: 100&nbsp;mg Prednison über fünf Tage, anschließend Reduktion um 20&nbsp;mg alle drei Tage, jeweils zusätzlich zur beginnenden Behandlung mit Verapamil. In der ersten Woche traten damit 7,1 Attacken auf, unter Placebo 9,5.<ref name="OBERMANN2021">{{cite journal |author=Obermann M, Nägel S, Ose C, et al. |title=Safety and efficacy of prednisone versus placebo in short-term prevention of episodic cluster headache: a multicentre, double-blind, randomised controlled trial |journal=Lancet Neurol |volume=20 |issue=1 |pages=29–37 |year=2021 |pmid=33245858 |doi=10.1016/S1474-4422(20)30363-X}}</ref> Wegen möglicher [http://de.wikipedia.org/wiki/Arzneimittelwechselwirkung Wechselwirkungen] dürfen während einer vorbeugenden Behandlung mit Ergotamin oder mit lange wirksamen Triptanen keine anderen Triptane zur Akutbehandlung verwendet werden.


'''Ergotamin.''' Bei Ergotamin ist die Verfügbarkeit zu beachten. In Deutschland ist noch ein Präparat mit Ergotamintartrat zum Einnehmen im Handel, sein Anwendungsgebiet umfasst aber nur die Migräne: „Behandlung von Migräne-Anfällen (insbesondere sehr lange Anfälle), wenn andere Therapien nicht wirksam oder nicht indiziert sind." Beim Cluster-Kopfschmerz ist die Anwendung damit ein Gebrauch außerhalb der Zulassung.<ref name="ERGOKRANIT">[https://www.krewelmeuselbach.de/de/pdf/figihwg/fi_ergo_kranit.pdf Fachinformation Ergo-Kranit Migräne 2 mg Tabletten, Stand Februar 2023 (PDF-Datei)], Abschnitt 4.1; gleichlautend die [https://www.krewelmeuselbach.de/de/pdf/figihwg/gi_ergo_kranit.pdf Gebrauchsinformation]. Das Wort „Cluster" kommt in beiden Dokumenten nicht vor. Das Präparat wird inzwischen von der Fairmed Healthcare GmbH angeboten (PZN 04229082); eine neuere Packungsbeilage mit Stand November 2025 liegt vor, war aber nicht als Dokument der Firma abrufbar.</ref> Die europäische Leitlinie nennt Ergotamintartrat für die Kurzprophylaxe '''zum Einnehmen'''; in ihrer Tabelle 17 steht als Dosierung „2–4 mg/day. Ideal: 2 mg 1–0–1. If attacks in the night: 2 mg oral in late evening", als Wirkung „Efficacious in 70%" und als Grundlage eine Konsensusaussage mit dem ausdrücklichen Vermerk „In the absence of evidence/studies".<ref name="EAN2023"/> Zäpfchen nennt die Leitlinie an dieser Stelle nicht — ihr Hinweis „as suppository (no first path effect)" betrifft das [[Dihydroergotamin]], nicht das Ergotamin. In Deutschland ist das Tablettenpräparat das einzige ergotaminhaltige Arzneimittel.<ref name="ERGOVERFUEG">Für Deutschland: Abfrage der Wirkstoffdatenbanken der Gelben Liste und der Arzneimitteldatenbank der Apothekerverbände (ABDATA, Datenstand 01.03.2026) im September 2026, jeweils nur das Tablettenpräparat. Für Österreich: keine Eintragung eines ergotaminhaltigen Präparats im [https://medikamente.basg.gv.at/de/medicinal-products Arzneispezialitätenregister des BASG] (Abfrage September 2026). Für die Schweiz: keine Einträge unter der Wirkstoffgruppe im [https://compendium.ch/ Arzneimittelkompendium] (Stand September 2026); nach Angabe der schweizerischen Fachdatenbank [https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Ergotamin PharmaWiki] (Stand 30.04.2024) wurde das dort zuletzt erhältliche Kombinationspräparat 2014 vom Markt genommen.</ref> Die europäische Leitlinie hält dazu selbst fest: „ergotamine and DHE are not available in many European countries."<ref name="EAN2023"/>
'''Ergotamin.''' Bei Ergotamin ist die Verfügbarkeit zu beachten. In Deutschland ist noch ein Präparat mit Ergotamintartrat zum Einnehmen im Handel, sein Anwendungsgebiet umfasst aber nur die Migräne: „Behandlung von Migräne-Anfällen (insbesondere sehr lange Anfälle), wenn andere Therapien nicht wirksam oder nicht indiziert sind." Beim Cluster-Kopfschmerz ist die Anwendung damit ein Gebrauch außerhalb der Zulassung.<ref name="ERGOKRANIT">[https://www.krewelmeuselbach.de/de/pdf/figihwg/fi_ergo_kranit.pdf Fachinformation Ergo-Kranit Migräne 2 mg Tabletten, Stand Februar 2023 (PDF-Datei)], Abschnitt 4.1; gleichlautend die [https://www.krewelmeuselbach.de/de/pdf/figihwg/gi_ergo_kranit.pdf Gebrauchsinformation]. Das Wort „Cluster" kommt in beiden Dokumenten nicht vor. Das Präparat wird inzwischen von der Fairmed Healthcare GmbH angeboten (PZN 04229082); eine neuere Packungsbeilage mit Stand November 2025 liegt vor, war aber nicht als Dokument der Firma abrufbar.</ref> Die europäische Leitlinie nennt Ergotamintartrat für die Kurzprophylaxe '''zum Einnehmen'''; in ihrer Tabelle 17 steht als Dosierung „2–4 mg/day. Ideal: 2 mg 1–0–1. If attacks in the night: 2 mg oral in late evening", als Wirkung „Efficacious in 70%" und als Grundlage eine Konsensusaussage mit dem ausdrücklichen Vermerk „In the absence of evidence/studies".<ref name="EAN2023"/> Zäpfchen nennt die Leitlinie an dieser Stelle nicht — ihr Hinweis „as suppository (no first path effect)" betrifft das [[Dihydroergotamin]], nicht das Ergotamin. In Deutschland ließ sich außer dem Tablettenpräparat kein weiteres ergotaminhaltiges Arzneimittel nachweisen.<ref name="ERGOVERFUEG">Für Deutschland die gelesene [https://www.krewelmeuselbach.de/de/pdf/figihwg/fi_ergo_kranit.pdf Fachinformation] des Tablettenpräparats (Stand Februar 2023). Zäpfchen mit Ergotamintartrat führt die Aufstellung der Europäischen Arzneimittel-Agentur zum Verfahren PSUSA/00000485/202511 (Stand 07/2026) nur für Belgien, Italien und Griechenland. Für die Schweiz die schweizerische Fachdatenbank [https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Ergotamin PharmaWiki] (Stand 30.04.2024): „In der Schweiz sind derzeit keine Arzneimittel mit Ergotamin mehr im Handel."; das dort zuletzt erhältliche Kombinationspräparat wurde 2014 vom Markt genommen. Für Österreich ließ sich der Stand '''nicht prüfen''': Das [https://medikamente.basg.gv.at/de/medicinal-products Arzneispezialitätenregister des BASG] ist nur über eine JavaScript-Suche zugänglich, deren Wirkstoff-Vorschlagsliste am 22.09.2026 auch für Wirkstoffe, die dort sicher verzeichnet sind, „Keine Optionen verfügbar" meldete. Dieser Befund betrifft das Abfragewerkzeug, nicht das Register.</ref> Die europäische Leitlinie hält dazu selbst fest: „ergotamine and DHE are not available in many European countries."<ref name="EAN2023"/>


'''Dihydroergotamin.''' [[Dihydroergotamin]] (DHE) steht in Deutschland nicht mehr zur Verfügung. Nach einem europäischen Risikobewertungsverfahren wurde das Ruhen der Zulassungen zum 1. Februar 2014 angeordnet und danach mehrfach verlängert; seit Februar 2022 hält das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte fest: „In Deutschland sind keine dihydroergotaminhaltigen Arzneimittel mehr zugelassen." Das Verfahren betraf die Anwendungsgebiete Vorbeugung von Migränekopfschmerzen, niedriger Blutdruck und venös-lymphatische Insuffizienz – nicht die Behandlung des akuten Migräneanfalls. Deshalb sind in Österreich weiterhin ein Nasenspray und eine Tablette mit DHE zugelassen, beide allein für den akuten Migräneanfall; für die Tablette hat der Zulassungsinhaber die Einstellung des Vertriebs gemeldet. In der Schweiz wurde der Vertrieb eingestellt.<ref name="DHE">[https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RV_STP/a-f/dihydroergotamin.html Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: „Dihydroergotamin und Dihydroergotoxin: Ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis"], Eintrag vom 22.02.2022 sowie die Ruhensanordnungen ab 2014; [https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/referrals/ergot-derivatives Europäische Arzneimittel-Agentur, Referral-Verfahren zu Mutterkornalkaloid-Derivaten]. Für Österreich die Einträge Migranal 4 mg/ml Nasalspray (Z.Nr. 1-22574) und Dihydergot 2,5 mg Tabletten (Z.Nr. 1-16750) im Arzneispezialitätenregister des BASG, Fachinformationen Stand 09/2025, Abschnitt 4.1 jeweils nur akute Migräne; bei der Tablette ist dort „Einstellung des In-Verkehr-Bringens gemeldet" vermerkt (Abfrage September 2026). Für die Schweiz: [https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Dihydroergotamin PharmaWiki, Dihydroergotamin] (Stand 01.05.2025).</ref>
'''Dihydroergotamin.''' [[Dihydroergotamin]] (DHE) steht in Deutschland nicht mehr zur Verfügung. Nach einem europäischen Risikobewertungsverfahren wurde das Ruhen der Zulassungen zum 1. Februar 2014 angeordnet und danach mehrfach verlängert; seit Februar 2022 hält das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte fest: „In Deutschland sind keine dihydroergotaminhaltigen Arzneimittel mehr zugelassen." Das Verfahren betraf die Anwendungsgebiete Vorbeugung von Migränekopfschmerzen, niedriger Blutdruck und venös-lymphatische Insuffizienz – nicht die Behandlung des akuten Migräneanfalls. Deshalb sind in Österreich weiterhin ein Nasenspray und eine Tablette mit DHE zugelassen, beide allein für den akuten Migräneanfall; für die Tablette hat der Zulassungsinhaber die Einstellung des Vertriebs gemeldet. In der Schweiz wurde der Vertrieb eingestellt.<ref name="DHE">[https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RV_STP/a-f/dihydroergotamin.html Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: „Dihydroergotamin und Dihydroergotoxin: Ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis"], Eintrag vom 22.02.2022 sowie die Ruhensanordnungen ab 2014; [https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/referrals/ergot-derivatives Europäische Arzneimittel-Agentur, Referral-Verfahren zu Mutterkornalkaloid-Derivaten]. Für Österreich die Einträge Migranal 4 mg/ml Nasalspray (Z.Nr. 1-22574) und Dihydergot 2,5 mg Tabletten (Z.Nr. 1-16750) im Arzneispezialitätenregister des BASG, Fachinformationen Stand 09/2025, Abschnitt 4.1 jeweils nur akute Migräne; bei der Tablette ist dort „Einstellung des In-Verkehr-Bringens gemeldet" vermerkt (Abfrage September 2026). Für die Schweiz: [https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Dihydroergotamin PharmaWiki, Dihydroergotamin] (Stand 01.05.2025).</ref>