Cluster-Kopfschmerz
| Cluster-Kopfschmerz | |
|---|---|
| ICD-10-Code | G44.0 |
| IHS/ICHD-3-Code | 3.1 |
Der Cluster-Kopfschmerz ist eine eigene Kopfschmerzerkrankung, also nicht die Folge einer anderen Krankheit (primärer Kopfschmerz). Die Schmerzen kommen in Attacken. Sie sind extrem stark und streng auf eine Seite beschränkt, im Bereich von Schläfe und Auge.[14] Das englische Wort „Cluster“ heißt „Büschel, Haufen, Anhäufung“. Die Attacken kommen nämlich zu bestimmten Zeiten stark gehäuft. Danach können Monate bis Jahre ohne Beschwerden folgen.
Andere Bezeichnungen: Bing-Horton-Syndrom, Histaminkopfschmerz, Erythroprosopalgie und weitere.
Diese Seite gibt einen Überblick; jedes Thema steht ausführlich auf den verlinkten Seiten. Wie gut jede Behandlung in Studien belegt ist, steht auf der Seite Studien zum Cluster-Kopfschmerz. Zuletzt geprüft: 23.09.2026.
Symptome
Die heftigen und einseitigen Attacken dauern meist zwischen 15 und 180 Minuten und treten unvermittelt vornehmlich aus dem Schlaf heraus auf. Die Kopfschmerzen sind bei den meisten Patienten immer auf der gleichen Seite (78 %)[16]. Der Cluster-Kopfschmerz zeigt eine ausgeprägte Tagesrhythmik, am häufigsten kommt es ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen, in den frühen Morgenstunden und nach der Mittagszeit zu Anfällen. Die Häufigkeit beträgt zwischen einer Attacke jeden zweiten Tag und acht Attacken täglich.
Der Kopfschmerzcharakter wird als unerträglich reißend, bohrend, manchmal als brennend geschildert. Seine Haupt-Lokalisation ist meist um das Auge herum, seltener im Bereich des Hinterkopfs. Besonders typisch ist ein während der Kopfschmerzattacken bestehender Bewegungsdrang. Anders als Menschen mit Migräne neigen Patienten mit Cluster-Kopfschmerz nicht dazu, sich ins Bett zurückzuziehen, sondern wandern umher oder schaukeln mit dem Oberkörper. Ein Teil der Patienten berichtet über einen zwischen den Attacken bestehenden leichten Hintergrundschmerz [16].
Nach der geltenden Klassifikation ICHD-3 muss zudem mindestens einer von zwei Punkten erfüllt sein: körperliche Unruhe oder Agitiertheit während der Attacke, oder mindestens eines der nachfolgenden Begleitsymptome[1] [17]:
- gerötete Bindehaut des Auges (konjunktivale Injektion)
- tränendes Auge (Lakrimation)
- ein Lidödem
- verengte Pupille (Miosis)
- ein hängendes Augenlid (Ptosis)
- laufende und/oder verstopfte Nase (nasale Rhinorrhoe und/oder Kongestion)
- Schwitzen im Bereich der Stirn oder des Gesichtes.
Diese Symptome erscheinen nur auf der schmerzenden Seite (ipsilateral).
Auch vermeintlich untypische Symptome kommen regelmäßig vor. In einer Untersuchung an 246 Betroffenen von 2006 berichteten 27,8 % über Übelkeit oder Erbrechen und 61,2 % über Licht- oder Geräuschempfindlichkeit; 23 % erlebten vor der Attacke eine migräneartige Aura, was die klinische Abgrenzung zur Migräne erschwert. Vegetative Begleitsymptome hatten in dieser Gruppe 98,8 %, Bewegungsunruhe während der Attacke 67,9 %. Die Autoren halten fest, dass solche Merkmale die Diagnose zusätzlich zu den Kriterien der Klassifikation stützen können.[18]
Man unterscheidet den episodischen Cluster-Kopfschmerz (ECH) und den chronischen Cluster-Kopfschmerz (CCH). Die Grenze zwischen beiden hat sich verschoben: Nach der älteren Klassifikation (ICHD-II) galt als chronisch, wer Remissionsphasen von höchstens einem Monat hatte.[17] Die heute gültige Klassifikation ICHD-3 von 2018 setzt die Grenze bei drei Monaten: Episodisch heißt, dass mindestens zwei Episoden von sieben Tagen bis einem Jahr Dauer durch schmerzfreie Zeiten von mindestens drei Monaten getrennt sind; chronisch heißt, dass die Attacken mindestens ein Jahr lang ohne Remission auftreten oder die Remissionen kürzer als drei Monate sind.[4]
Die Mehrheit der Betroffenen hat den episodischen Verlauf. Die Klassifikation nennt einen Anteil von etwa 10 bis 15 Prozent für die chronische Form[4], die Zusammenfassung der bevölkerungsbezogenen Untersuchungen ein Verhältnis von sechs zu eins zwischen episodischem und chronischem Verlauf.[2] „Episodisch" heißt aber nicht „nur gelegentlich". In der aktiven Phase kommen die Attacken täglich, oft mehrmals am Tag; eine Episode dauert meist zwei Wochen bis drei Monate.[4] „Episodisch" bezieht sich auf die Pausen zwischen den Episoden, nicht auf die Häufigkeit der Attacken.
Epidemiologie
Die Häufigkeit des Cluster-Kopfschmerzes liegt zwischen 0,2 % und 0,3 % der Bevölkerung[19][20] – so steht es in zwei Übersichtsarbeiten von 2004 und 2006. Eine Zusammenfassung aller bevölkerungsbezogenen Untersuchungen kommt auf deutlich niedrigere Zahlen: eine Lebenszeitprävalenz von 124 pro 100.000 (Vertrauensbereich 101 bis 151) und eine Einjahresprävalenz von 53 pro 100.000. Danach erkrankt etwa einer von tausend Menschen im Laufe seines Lebens.[2]
Männer sind häufiger betroffen als Frauen; wie deutlich, hängt davon ab, wen man untersucht. Dieselbe bevölkerungsbezogene Zusammenfassung kommt auf 4,3 Männer je Frau – bei der chronischen Verlaufsform auf 15,0, bei der episodischen auf 3,8 – und hält ausdrücklich fest, dass dieses Verhältnis höher liegt als in Untersuchungen an behandelten Betroffenen.[2] Die Zahlen im Einzelnen stehen im Abschnitt Epidemiologie der Seite über die Ursachen.
Erbliche Anteile sind belegt. Übersichtsarbeiten von 2004 und 2005 nahmen lediglich eine familiäre Häufung von etwa zwei bis sieben Prozent an.[19][21] Eine genomweite Untersuchung an 840 Betroffenen fand 2021 vier Risikoorte im Erbgut[22], eine Zusammenfassung von elf Gruppen mit 4777 Betroffenen 2023 insgesamt acht; sie schätzt den erblichen Anteil auf 14,5 Prozent und fand mit einem Verfahren, das Ursache und Folge trennen soll, einen ursächlichen Einfluss der Rauchmenge.[23] Ausführlich steht das im Abschnitt Genetik und Rauchen.
Mehr Diagnosen. Nach einer Auswertung des BARMER-Instituts für Gesundheitssystemforschung wurde der Cluster-Kopfschmerz in Deutschland 2010 bei rund 43.000 Menschen diagnostiziert, 2023 bei 74.800, also bei etwa drei Vierteln mehr; bei Männern stieg die Zahl von rund 27.100 auf knapp 44.800, bei Frauen von gut 15.900 auf rund 30.000.[3] In Norwegen stieg die Häufigkeit nach Registerdaten von 2009 bis 2022 von 27,0 auf 42,5 je 100.000 Erwachsene; 2022 lag sie bei Frauen sogar etwas höher als bei Männern. Die Autoren halten bessere Diagnostik und mehr Aufmerksamkeit für mögliche Gründe.[24] Gezählt wurden in beiden Fällen Diagnosen, nicht Erkrankte; ob die Krankheit selbst häufiger geworden ist, sagen diese Zahlen nicht.
Der Kopfschmerz beginnt im Mittel mit 28 bis 30 Jahren, kann aber in jedem Lebensalter anfangen. Im Regelfall leiden bis zu 80 % der Patienten nach 15 Jahren noch immer an Cluster-Episoden. Allerdings verschwindet (remittiert) der Schmerz bei einigen Patienten in höherem Alter. Bei bis zu 12 % geht eine primär-episodische in eine chronische Verlaufsform über, seltener ist dies umgekehrt[14].
Ursachen
Die Ursachen des Cluster-Kopfschmerzes sind nicht geklärt. Die Erweiterung oder die Entzündung der Blutgefäße scheint nicht, wie früher vermutet, die Ursache für den Kopfschmerz zu sein, sondern eine Folge[25][26]. Bestimmte schmerzleitende Bahnen im Bereich des Trigeminus-Nervs werden durch noch unbekannte Einflüsse stimuliert, was zu einer Kaskade von Veränderungen des Hirnstoffwechsels führt. Man vermutet, dass der „Motor“ der Erkrankung im Hypothalamus liegt[27][16]. Diese „Schaltzentrale“ des Zwischenhirns ist der Sitz für die Steuerung der wichtigsten Regelkreise, beispielsweise des Schlaf-Wach-Rhythmus.
Für eine solche Störung sprechen die tageszeitlichen Verteilungsmuster der Cluster-Kopfschmerzen, die auffällige Häufigkeit von Episoden im Frühling und Herbst, sowie bei Cluster-Kopfschmerzpatienten gehäuft auftretende Störungen von Hormonen, die den Tagesrhythmus steuern, beispielsweise Melatonin[28]. Die Ergebnisse bildgebender Verfahren rücken das hypothalamische Grau in den Fokus aktueller wissenschaftlicher Untersuchungen[25][27][16].
Man vermutet daher den Motor oder die „innere Uhr“ des Cluster-Kopfschmerzes im Hypothalamus [29][30]. Mit der 1H-Magnetresonanzspektroskopie konnten biochemische Unterschiede zwischen dem Hypothalamus gesunder Menschen und dem Hypothalamus von Cluster-Kopfschmerzpatienten nachgewiesen werden [31][32].
Neuere Befunde. Untersuchungen mit besonders starken Kernspintomografen fanden Veränderungen in mehreren Teilen des Gehirns, die mit Gefühlen und Gedächtnis zu tun haben (dem limbischen System), darunter Hypothalamus und Thalamus.[33] Mehrere Arbeiten fanden außerdem Veränderungen des Immunsystems: erhöhte Entzündungsbotenstoffe im Nervenwasser, in der aktiven Phase ebenso wie in der Pause,[34] und veränderte Botenstoffe im Blut.[35] Ob das Ursache oder Folge der Krankheit ist, zeigen diese Studien nicht. Einzelheiten: Was die Forschung über die Ursachen herausfindet und Cluster-Kopfschmerz Ursachen.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch die Erhebung der Krankengeschichte und aufgrund der spezifischen Symptome. Diese sind in der Klassifikation der International Headache Society unter 3.1 Cluster-Kopfschmerz definiert – heute in der dritten Auflage (ICHD-3) von 2018.[4][17] Spezielle Laboruntersuchungsmethoden stehen nicht zur Verfügung. Cluster-Kopfschmerz ist also eine Erkrankung, die auf Basis der Beschwerden diagnostiziert wird.
Apparative Untersuchungen dienen dazu, andere Krankheiten wie Tumore, Hirnblutungen und Entzündungen auszuschließen. Die europäische Leitlinie von 2023 führt bei der ersten Diagnose eine vollständige neurologische Untersuchung mit sorgfältiger Prüfung der Hirnnerven und eine Kernspintomographie (MRT) des Kopfes einschließlich des Übergangs zur Halswirbelsäule als erforderlich auf.[5] Steht keine Kernspintomographie zur Verfügung, nennt die Leitlinie stattdessen eine craniale Computertomographie (CCT) einschließlich der Schädelbasis; eine Doppler- oder Duplexsonographie ist nur in Einzelfällen vorgesehen, etwa um einen Einriss in der Wand einer Arterie (Dissektion) auszuschließen.[5]
Weiterhin ist differentialdiagnostisch zwischen Cluster-Kopfschmerz und anderen Kopfschmerzformen wie Migräne, Spannungskopfschmerz, Trigeminusneuralgie, paroxysmaler Hemikranie (CPH), Hemicrania continua zu unterscheiden. Elektrophysiologische, laborchemische und Liquoruntersuchungen helfen diagnostisch meist nicht weiter[16].
Bis zur richtigen Diagnose vergingen, gemittelt über Studien seit den 1960er-Jahren, gut zehn Jahre; die Wartezeit wird kürzer. Schneller ging es, wenn Tränen, laufende Nase und andere Begleitzeichen auftraten, länger bei frühem Beginn, wechselnder Seite und nächtlichen Kopfschmerzen.[6] Mehr: Cluster-Kopfschmerz Diagnose.
Auslösefaktoren
Die Attacken können durch Trigger ausgelöst werden. Diese sind nicht die eigentliche Ursache, aber mögliche Auslöser von Schmerzattacken. Bekannte Trigger sind zum Beispiel Alkohol, Histamin und Nitroglycerin[17]. Patienten berichten zudem von Flackerlicht und grellem Licht, Lebensmittelzusatzstoffen wie Glutamat, Kaliumnitrit und Natriumnitrit, Gerüchen (Lösungsmittel, Benzin, Klebstoffe, Parfüm), Käse, Lärm, Tomaten, Schokolade und Zitrusfrüchten als vermuteten Auslösern von Cluster-Kopfschmerz-Attacken. Weitere mögliche Auslöser: Hitze[36], „napping“ (Schlafen tagsüber), längere Einwirkung von Chemikalien, extreme Wutausbrüche oder Emotionen, länger andauernde körperliche Anstrengung, große Höhenänderungen[37] und Sildenafil[38][39]. Auch das zur vorbeugenden Behandlung verwendete Medikament Lithium kann im Einzelfall Attacken auslösen[40].
Einige Patienten reagieren auf keinerlei Trigger. Die Wirkung der verschiedenen Trigger ist bei den Patienten individuell sehr unterschiedlich. Welche dieser Auslöser durch Studien gestützt sind und welche nur von Betroffenen berichtet werden, steht mit Belegen auf der Seite Cluster-Kopfschmerz Trigger.
Therapie und Prophylaxe
Cluster-Kopfschmerz ist eine Erkrankung, die durch medizinische Maßnahmen nicht heilbar ist. Die Intensität der Schmerzattacken und die Attackenhäufigkeit können durch geeignete vorbeugende Behandlung meistens vermindert werden. Bei allen wiederkehrenden Kopfschmerzen ist ein Kopfschmerztagebuch sinnvoll. Dies erleichtert dem Arzt die Diagnostik, dient der Überwachung einer Therapie und kann helfen, mögliche Auslöser (Trigger) zu identifizieren [41].
Übersicht und Zulassungsstand
Die folgende Übersicht gibt die europäische Leitlinie von 2023 wieder, mit ihren eigenen Einstufungen.[7] Die deutsche Leitlinie von 2015 war bis zum 13. Mai 2020 gültig und wird derzeit überarbeitet.[14] Wie gut jede Behandlung in Studien belegt ist, zeigt die Übersicht Wie gut ist welche Behandlung belegt?
| Mittel und Dosis laut Leitlinie | Wie die Leitlinie es einstuft |
|---|---|
| Gegen die Attacke | |
| 100 % medizinischer Sauerstoff, mindestens 12 l/min (in manchen Fällen bis 15 l/min) über 15 Minuten, mit einer Maske ohne Rückatmung (Non-Rebreather-Maske); im ausführlichen Text der Leitlinie 20 Minuten | erste Wahl |
| Sumatriptan 6 mg unter die Haut | erste Wahl |
| Zolmitriptan 5 mg oder Sumatriptan 20 mg als Nasenspray | Alternative; wirkt langsamer als die Spritze |
| Nicht-invasive Vagusnervstimulation (Handgerät am Hals) | empfohlen beim episodischen Verlauf; beim chronischen laut Leitlinie nicht wirksam |
| Lidocain, 1 ml einer vier- bis zehnprozentigen Lösung in das Nasenloch der schmerzenden Seite | schwache Empfehlung, gestützt auf die Erfahrung der Fachleute (Konsens) |
| Zur Überbrückung, bis die Vorbeugung wirkt | |
| Prednisolon 60–100 mg täglich über 5 Tage, danach alle 4 Tage 10 mg weniger | schwache Empfehlung |
| Blockade des Nervus occipitalis major (Spritze mit Kortison und örtlichem Betäubungsmittel am Hinterkopf) | empfohlen, kann wiederholt werden (Konsens) |
| Zur Vorbeugung | |
| Verapamil, mindestens 240 mg täglich; Zieldosis 360 mg, bei Bedarf bis 720 mg oder mehr; EKG-Kontrollen | in der Regel das erste Mittel (Konsens) |
| Lithium 600–1500 mg täglich, nach Blutspiegel | zweite Wahl, wenn Verapamil nicht wirkt oder nicht gegeben werden darf (Konsens) |
| Topiramat, Beginn mit 25 mg, wöchentlich um 25 mg steigern, mindestens 100 mg täglich | „vielversprechend“, aber nur offene Studien (Konsens) |
| Galcanezumab 300 mg unter die Haut, monatlich – nur beim episodischen Verlauf, in der EU dafür nicht zugelassen | für sonst nicht behandelbare Betroffene; schwache Empfehlung |
„Konsens“ heißt: Die Leitliniengruppe stützt die Empfehlung auf ihre Erfahrung, weil sie ausreichende Studien vermisst.
Zulassungsstand in Deutschland. Zugelassen sind für den Cluster-Kopfschmerz nur Sumatriptan 6 mg als Injektion unter die Haut, Zolmitriptan als Nasenspray und medizinischer Sauerstoff – soweit das Präparat den Cluster-Kopfschmerz im Anwendungsgebiet führt, wie CONOXIA GO2X in Druckgasflaschen – zur Akutbehandlung sowie Lithiumkarbonat (Quilonum retard) zur Vorbeugung (siehe unten).[9] Alle übrigen hier genannten Mittel werden außerhalb ihrer Zulassung eingesetzt. Das ist kein Mangel an Sorgfalt, sondern die Lage bei einer seltenen Erkrankung: Die Leitlinien empfehlen Mittel, für die es Belege gibt, unabhängig davon, ob ein Hersteller eine Zulassung dafür beantragt hat. Die Dosierungen in der Tabelle sind Leitlinienangaben und keine ärztliche Anweisung; maßgeblich ist die Verordnung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes.
Akutbehandlung
- Inhalation von 100 % medizinischem Sauerstoff über eine Hochkonzentrationsmaske (Non-Rebreather-Mask) mit Reservoirbeutel und Rückschlagventilen[42]. Andere Atemmasken haben einen schlechteren Wirkungsgrad. Erforderliche Durchflussrate: mindestens 12 l/min, in manchen Fällen bis 15 l/min, über eine Dauer von 15 bis 20 Minuten.[14][43] Die Angabe von 7 l/min geht auf eine Arbeit von 1981 zurück[44] und reicht bei einem Teil der Attacken nicht aus; sie steht deshalb auch nicht mehr in der Leitlinie, wohl aber weiterhin in der Fachinformation des Herstellers.[45] Näheres zur Anwendung steht auf der Seite Sauerstoff. Sauerstoffbrillen sind nicht geeignet, da die Betroffenen während der Attacken meist nicht durch die Nase atmen können. Zudem kann mit Sauerstoffbrillen nicht die erforderliche Durchflussrate erreicht werden. Aus letztgenanntem Grund sind auch Sauerstoffkonzentratoren ungeeignet: Sie liefern keinen reinen Sauerstoff, und gängige Geräte bleiben unter der geforderten Durchflussrate; selbst ein leistungsstarkes stationäres Gerät gibt zum Beispiel 1 bis 9 l/min mit 87 bis 96 Prozent Sauerstoff ab.[46] Zur Behandlung geeigneter medizinischer Sauerstoff ist in Druckgasflaschen erhältlich.
- Triptane: Sumatriptan 6 mg unter die Haut und Zolmitriptan als Nasenspray sind für den Cluster-Kopfschmerz zugelassen; die europäische Leitlinie von 2023 spricht für beide eine starke Empfehlung aus.[43] Für Sumatriptan gilt: Wenn die erste Injektion nicht wirkt, soll für dieselbe Attacke keine zweite angewendet werden – eine weitere Dosis ist erst vorgesehen, wenn bereits abgeklungene Beschwerden nach mindestens zwei Stunden erneut auftreten.[10] Beim Zolmitriptan-Nasenspray gehen Leitlinie und Zulassung auseinander: Die Leitlinie empfiehlt 5 mg, hält im Text aber 10 mg für die vorzuziehende Dosis; die Fachinformation nennt „5 oder 10 mg" und begrenzt die Tagesgesamtdosis auf 10 mg – das Spray gibt 5 mg je Sprühstoß ab, zwei Sprühstöße sind also bereits das Tagesmaximum.[43][11] Sumatriptan als Nasenspray und Zolmitriptan zum Einnehmen nannte die Deutsche Gesellschaft für Neurologie als Mittel der zweiten Wahl.[14] Sumatriptan-Nasenspray ist allerdings nur für die Migräne zugelassen, und die europäische Leitlinie bewertet die Tablettenform deutlich schwächer als die schnell anflutenden Formen: für Zolmitriptan zum Einnehmen gibt sie nur eine schwache Empfehlung auf sehr niedrigem Evidenzniveau.[43]
- Intranasale Zufuhr von Lidocain, vier- bis zehnprozentige Lösung – in der europäischen Leitlinie eine schwache Empfehlung, die sich auf die Erfahrung der Fachleute stützt (Konsens).[7][14][43]
- Nicht-invasive Vagusnervstimulation mit einem handgehaltenen Gerät am Hals – von der europäischen Leitlinie mit starker Empfehlung, aber nur für den episodischen Verlauf.[43][47]
- Octreotid, wenn die übrigen Mittel nicht wirken oder nicht angewendet werden dürfen.[48] Die europäische Leitlinie von 2023 nennt dafür 100 µg unter die Haut, stützt das aber nur auf den Konsens der Fachleute, hält weitere Studien für nötig und weist darauf hin, dass Octreotid selbst Kopfschmerzen bis hin zu Cluster-Attacken auslösen kann.[43]
Die Inhalation von reinem Sauerstoff beendet einen großen Teil der Cluster-Kopfschmerzattacken innerhalb von 15 Minuten. Die oft genannten 78 % stammen aus einer randomisierten Studie und beziehen sich auf einzelne Attacken – 150 mit Sauerstoff behandelte Attacken gegenüber 148 mit Raumluft (dort 20 %), bei 76 auswertbaren Teilnehmenden –, nicht auf den Anteil der Betroffenen, denen Sauerstoff hilft; einen solchen Anteil nennt die Studie nicht.
Gemessen wurde außerdem nicht allein Schmerzfreiheit: Der Endpunkt war, nach 15 Minuten schmerzfrei zu sein oder, wenn kein Tagebuch vorlag, ausreichend gebessert.[49] Sauerstoff ist sehr gut verträglich und hat nicht die Nebenwirkungen der medikamentösen Akutbehandlung; in der Studie traten keine bedeutsamen unerwünschten Ereignisse auf.[49] Nebenwirkungsfrei ist er jedoch nicht – beschrieben ist unter anderem ein Wiederkehren der Attacke nach zunächst erfolgreicher Inhalation.[50][14][16]
Einzelheiten zur Anwendung, zur Maske, zum Volumenstrom und zur Kostenübernahme stehen auf der Seite Sauerstoff. Lidocain hilft nur einer Minderheit der Patienten und nicht jedes Mal. Weil es fast frei von Nebenwirkungen ist, kann ein Versuch damit sinnvoll sein; die europäische Leitlinie von 2023 gibt dafür eine schwache Empfehlung, gestützt auf die Erfahrung der Fachleute.[43] Octreotid kann zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzattacken verwendet werden, wenn andere Medikamente ineffektiv oder kontraindiziert sind.[48]
Was in der Attacke nicht hilft
Herkömmliche Schmerzmittel (Analgetika) wie Aspirin (Acetylsalicylsäure), Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen wirken in der akuten Attacke nicht. Die britische Leitlinie sagt das ausdrücklich und nennt daneben auch Mutterkornalkaloide und Triptane in Tablettenform als Mittel, die bei einer Cluster-Attacke nicht gegeben werden sollen.[8] Weil eine Attacke nach dreißig bis sechzig Minuten von selbst abklingen kann, wird das Abklingen leicht dem Schmerzmittel zugeschrieben – mit der Folge, dass über Jahre wirkungslose und nebenwirkungsträchtige Mittel eingenommen werden.
Eine Therapieempfehlung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft von 1998 führte darüber hinaus Akupunktur, Biofeedback, Neuraltherapie, physikalische Therapie, Betablocker, Antidepressiva und weitere Mittel als unwirksam auf.[51] Diese Liste ist fast dreißig Jahre alt, und einzelne Punkte brauchen heute eine Erläuterung: Bei den dort genannten Lokalanästhetika gilt inzwischen das Gegenteil – Lidocain als Nasenspray und die Blockade des großen Hinterhauptnervs stehen heute in der Leitlinie, und die Stimulationsverfahren gab es 1998 noch nicht. Der Abschnitt Unwirksame Therapieverfahren geht die Punkte einzeln durch.
Für Mittel wie Aloe vera, Nonisaft, Magnetfeldtherapie oder „Sauerstoffwasser“ gibt es keine Untersuchungen beim Cluster-Kopfschmerz. Das Risiko liegt dabei weniger im Mittel selbst als darin, dass es den Beginn einer wirksamen Behandlung verzögert.
Vorbeugende Behandlung
Verapamil
Bei chronischem und bei episodischem Cluster-Kopfschmerz ist das vorbeugende Mittel der ersten Wahl die verschreibungspflichtige Substanz Verapamil.[48][43] Die europäische Leitlinie von 2023 nennt mindestens 240 mg täglich, als Zieldosis meist 360 mg.[43]
Zulassung und Kostenübernahme. Verapamil ist für den Cluster-Kopfschmerz nicht zugelassen; die Anwendung erfolgt außerhalb der Zulassung. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Verapamil mit Beschluss vom 16. August 2012 in die Anlage VI der Arzneimittel-Richtlinie aufgenommen – damit ist es zur Vorbeugung des Cluster-Kopfschmerzes zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig.[52] Das gilt allerdings nicht für jedes verapamilhaltige Präparat: Die Anlage VI führt die Firmen namentlich auf, deren Arzneimittel verordnungsfähig sind, und daneben Firmen, deren Präparate es nicht sind, „da keine entsprechende Erklärung vorliegt“. Es kommt also auf den pharmazeutischen Unternehmer an, der auf der Packung genannt ist; Näheres auf der Seite Cluster-Kopfschmerz Behandlung.[53]
Vor der ersten Anwendung, bei jeder Dosissteigerung und bei hohen Dosierungen sind Kontrollen der Herztätigkeit (EKG) erforderlich. Wie häufig Auffälligkeiten sind, zeigt eine Untersuchung an 108 mit Verapamil behandelten Betroffenen: Bei 19 % traten Herzrhythmusstörungen auf, bei 36 % ein verlangsamter Puls unter 60 Schlägen pro Minute.[54] In einer Befragung von 596 Betroffenen hatten 18 Prozent derer, die Verapamil genommen hatten, es wegen nicht erträglicher Nebenwirkungen abgesetzt; bei Lithium und Topiramat war es fast die Hälfte.[55] Die Wirkung tritt jedoch bei schrittweiser Dosissteigerung erst nach zwei bis drei Wochen ein.[28] Wegen der gleichmäßigeren Wirkstoffabgabe sollte die retardierte Form des Medikamentes bevorzugt werden.[56] Wirksam sind sowohl die retardierte als auch die normale Form des Medikamentes, es gibt dazu keine direkten Vergleichsstudien.[57][48]
Überbrückung zu Beginn einer Episode
Bis ein vorbeugendes Mittel wirkt – bei Verapamil dauert das zwei bis drei Wochen – wird die Zeit überbrückt. Prednison und Prednisolon gehören zur Gruppe der Corticosteroide; sie sollten wegen ihrer Nebenwirkungen nicht dauerhaft eingenommen werden. Die ältere deutsche Empfehlung nennt dafür weniger als 14 Tage.[14] Die europäische Leitlinie von 2023 nennt keine feste Höchstdauer, rät aber von längeren Behandlungsschemata ab; ihr Schema sind 60 bis 100 mg täglich über fünf Tage mit anschließender Reduktion um 10 mg alle vier Tage.[43]
Für diese Überbrückung gibt es eine randomisierte, placebokontrollierte Studie: 100 mg Prednison über fünf Tage, dann Reduktion um 20 mg alle drei Tage, jeweils zusätzlich zur beginnenden Behandlung mit Verapamil. In der ersten Woche traten damit 7,1 Attacken auf, unter dem Scheinmedikament 9,5.[58] Als zweite Möglichkeit der Überbrückung nennt die Leitlinie die Blockade des Nervus occipitalis major mit einem Corticosteroid und einem Lokalanästhetikum.[43]
Methysergid war früher das Mittel für kurze Episoden; die Wirkung tritt schon nach drei bis sieben Tagen ein, wegen möglicher Wucherungen von Bindegewebe (retroperitoneale Fibrose) sollte es aber nur bis zu drei Monate eingenommen werden.[28] In Deutschland ist es nicht im Handel. Bemerkenswert ist, dass die europäische Arzneimittelbehörde die verbliebenen Präparate 2014 zwar eingeschränkt hat, eines der beiden verbliebenen Anwendungsgebiete aber ausdrücklich die „Prophylactic treatment of episodic and chronic cluster headache in adults when treatment with standard medicines has failed" ist. Im laufenden Text der europäischen Leitlinie von 2023 kommt Methysergid dagegen nicht mehr vor.[59]
Lithium
Lithiumkarbonat ist in Deutschland die einzige zur Vorbeugung von Cluster-Kopfschmerz zugelassene Substanz. Das gilt allerdings nicht für jedes Lithiumpräparat: Die Fachinformation von Quilonum® retard nennt als Anwendungsgebiet ausdrücklich „Anfallsweise auftretender oder chronischer Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Syndrom)"[12], während die Packungsbeilage von Hypnorex® retard nur psychiatrische Anwendungsgebiete führt – Cluster-Kopfschmerz kommt dort nicht vor.[60] Wer sich auf die Zulassung beruft, sollte das Präparat also mitnennen.
Bemerkenswert ist ein Gegensatz: Lithium ist das einzige zugelassene Vorbeugemittel und hat gleichzeitig die schwächste kontrollierte Beleglage. Die einzige placebokontrollierte Studie wurde nach dem 27. Teilnehmer abgebrochen, weil sich eine Überlegenheit gegenüber dem Scheinmedikament nicht zeigen ließ: Die Attacken hörten innerhalb einer Woche bei je zwei Personen in beiden Gruppen auf, deutlich gebessert waren 8 von 13 (62 %) unter Lithium und 6 von 14 (43 %) unter dem Scheinmedikament – der Unterschied war nicht gesichert. Die Studie betraf den episodischen Verlauf, während Lithium in der Praxis vor allem beim chronischen eingesetzt wird; sie prüft also nicht das, wofür das Mittel überwiegend verwendet wird.[61] Die Lithiumtherapie ist aufgrund der möglichen Nebenwirkungen die vorbeugende Behandlung der zweiten Wahl bei Cluster-Kopfschmerz.
Weitere Medikamente
Wenn Verapamil und Lithiumkarbonat versagen, nannte die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft 2005 als weitere verschreibungspflichtige Möglichkeiten Topiramat, Pizotifen oder Valproinsäure.[28] Die europäische Leitlinie von 2023 führt von diesen Topiramat und Valproinsäure, beide nur als Konsens der Fachleute; Pizotifen nennt sie nicht.
Topiramat beginnt mit 25 mg und wird wöchentlich um 25 mg gesteigert; die Leitlinie nennt es „vielversprechend“, hält aber fest, dass es nur offene Studien gibt. Valproinsäure kann nach ihrer Tabelle eingesetzt werden, wenn andere Mittel versagt haben; gestützt ist das nur auf Fallberichte und offene Fallserien.[7][43] Die einzige kontrollierte Studie zu Valproinsäure verlief negativ: Gebessert waren 50 % unter dem Wirkstoff und 62 % unter Placebo.[62]
Einzelberichte beschreiben einen positiven Effekt von Topiramat und Melatonin.[14] Wenn ein Mittel allein nicht ausreicht, kann unter ärztlicher Kontrolle eine Kombination helfen; meist bleibt Verapamil die Grundlage, und ein weiteres vorbeugendes Mittel kommt hinzu. Dass Kombinationen besser wirken, ist nicht belegt, und eine Empfehlung zu Kombinationen gibt die europäische Leitlinie von 2023 nicht.[43]
Kurzprophylaxe und ihre Grenzen
Ergotamin oder lang wirksame Triptane wie Naratriptan und Frovatriptan können bis zum Wirkungseintritt einer anderen vorbeugenden Therapie oder bei kurzen Episoden eingesetzt werden. Dabei sind zwei Dinge zu beachten. Erstens: Wegen möglicher Wechselwirkungen dürfen während einer vorbeugenden Behandlung mit Ergotamin oder mit lang wirksamen Triptanen keine anderen Triptane zur Akutbehandlung verwendet werden.
Zweitens die Verfügbarkeit: In Deutschland ist noch ein Präparat mit Ergotamintartrat zum Einnehmen im Handel, sein Anwendungsgebiet umfasst aber nur die Migräne – beim Cluster-Kopfschmerz ist die Anwendung damit ein Gebrauch außerhalb der Zulassung. Zäpfchen, die die europäische Leitlinie ausdrücklich nennt, sind in Deutschland nicht erhältlich; die Leitlinie hält selbst fest: „ergotamine and DHE are not available in many European countries", und sie stützt diese Empfehlung nicht auf Studien, sondern führt sie als Konsens der Autorengruppe.[43][63]
Dihydroergotamin steht in Deutschland gar nicht mehr zur Verfügung: Nach einem europäischen Risikobewertungsverfahren wurde das Ruhen der Zulassungen zum 1. Februar 2014 angeordnet, und seit Februar 2022 hält das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte fest, dass keine dihydroergotaminhaltigen Arzneimittel mehr zugelassen sind.[64]
Was die Leitlinien darüber hinaus nennen
Im Alltag hilft die Vorbeugung mit den obigen Medikamenten oft weniger als erhofft: In derselben Befragung hatte von 91 Menschen, die bei der zweiten Befragung Verapamil nahmen, gut die Hälfte höchstens noch halb so viele Attacken wie vorher; die Autoren sehen eine wirksame Vorbeugung durch Unverträglichkeit und zu geringe Wirkung der verfügbaren Mittel behindert.[55] Weitere mögliche Medikamente enthielt die US-amerikanische Leitlinie zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerz; das Verzeichnis, in dem sie stand, ist inzwischen eingestellt.[37] Den heutigen Maßstab setzt die europäische Leitlinie von 2023.[43] Die aktuelle Forschung und klinische Praxis entdecken gelegentlich weitere Mittel, die eine Wirkung gegen Cluster-Kopfschmerz haben. Die Verwendung von Gabapentin als zusätzliches Medikament zeigte in einer kleinen Studie einen gewissen Erfolg.[65]
Nervenblockaden
Die Blockade des Nervus occipitalis major (großer Hinterhauptnerv) mit einem Lokalanästhetikum und Corticosteroiden sollte vor einer operativen Therapie in jedem Fall versucht werden.[14] Die europäische Leitlinie von 2023 empfiehlt sie zur Überbrückung, bis ein vorbeugendes Mittel wirkt; sie kann wiederholt werden, wenn sie hilft. Die Leitlinie nennt eine Wirksamkeit bei 70 bis 80 Prozent der Betroffenen, stützt ihre Empfehlung aber auf den Konsens der Fachleute. Zwei kleine placebokontrollierte Studien fanden eine vorbeugende Wirkung beim episodischen und beim chronischen Verlauf.[43][66] Eine weitere Möglichkeit ist die endoskopische Blockade des Ganglion pterygopalatinum mittels Lokalanästhetikum und Corticosteroiden.[67]
Operative Verfahren und Neuromodulation
Erst nach Versagen aller medikamentösen Maßnahmen sind in absoluten Ausnahmefällen operative Verfahren zu erwägen. Deren Risiken überwiegen jedoch oft den Nutzen.[14] Operationen bergen die Gefahr von Nervenschmerzen und einer schmerzhaften Taubheit (Anaesthesia dolorosa); die europäische Leitlinie von 2023 hält operative Verfahren bei den meisten Betroffenen für nicht angezeigt.[43] Abgeraten wird bei Cluster-Kopfschmerz von der aus der Behandlung der Trigeminusneuralgie bekannten Bestrahlung der Eintrittszone des Nervus trigeminus (Gamma-Knife).[68] [69] [70] Die elektrische Stimulation des Nervus occipitalis major (Hinterhauptsnerv) mittels im Nackenbereich implantierter Elektroden galt in den ersten Veröffentlichungen von 2007 als neues, experimentelles Verfahren. [71][72][73] Ein weiteres, noch experimentelles vorbeugendes Verfahren ist die Tiefenhirnstimulation. Dabei werden mittels fest implantierter elektrischer Sonden im Hypothalamus die gestörten Strukturen beeinflusst. Das Verfahren wird auch bei der Parkinson-Krankheit eingesetzt. Beim Cluster-Kopfschmerz gilt es als letztes Mittel für Betroffene mit chronischem Verlauf, denen nicht anders geholfen werden kann; wegen der höheren Risiken sollte nach der europäischen Leitlinie von 2023 vorher die okzipitale Nervenstimulation versucht werden.[14][43][74]
Neuere Studien zu Stimulationsverfahren, Medikamenten und Ernährung.
- Okzipitale Nervenstimulation. 2021 erschien eine randomisierte Studie mit 131 Betroffenen, bei denen mindestens drei vorbeugende Medikamente nicht gewirkt hatten. Die Attackenzahl ging im Median von 15,8 auf 7,4 pro Woche zurück; zwischen hoher und niedriger Reizstärke zeigte sich allerdings kein Unterschied, und eine Scheinkontrolle war nicht möglich, weil die Stimulation ein Kribbeln erzeugt.[75] In der offenen Nachbeobachtung über durchschnittlich 4,2 Jahre blieb die Attackenzahl niedrig, die Hälfte der Teilnehmenden musste aber wegen technischer Probleme am Gerät erneut operiert werden.[76] Die europäische Leitlinie von 2023 empfiehlt das Verfahren wegen der Nebenwirkungen nicht, hält es aber für mäßig wirksam und nennt es als das Verfahren, über das vor einer Tiefenhirnstimulation gesprochen werden sollte.[43] 2026 wurde die Stimulation bei 38 Betroffenen mit chronischem Verlauf mit einem echten Placebo verglichen: Mindestens 30 Prozent weniger Attacken hatten 18,8 Prozent mit Stimulation, aber 50,0 Prozent mit Placebo. Die Autoren schreiben, die Stimulation habe die Attacken seltener gemacht, sei aber nicht besser gewesen als Placebo.[77]
- Stimulation des Ganglion sphenopalatinum. Ein implantierbarer Stimulator wurde in einer scheinkontrollierten Studie geprüft: Schmerzlinderung nach 15 Minuten trat bei 67,1 % der voll stimulierten Attacken ein, gegenüber 7,4 % bei Scheinstimulation.[78] Eine zweite Studie in 21 Zentren in den USA fand 2019 Linderung bei 62,5 gegen 38,9 % der Attacken; bezahlt wurde sie vom Hersteller.[79] Das Verfahren ist in Europa nicht mehr verfügbar: Der Hersteller des Implantats wurde 2019 zahlungsunfähig, und die europäische Leitlinie von 2023 vermerkt dazu ausdrücklich „not available in Europe".[43]
- Nicht-invasive Vagusnervstimulation mit einem handgehaltenen Gerät am Hals: Die europäische Leitlinie von 2023 empfiehlt sie mit starker Empfehlung zur Akutbehandlung des episodischen Cluster-Kopfschmerzes.[43] In der scheinkontrollierten ACT2-Studie waren bei episodischem Verlauf 48 % der Attacken nach 15 Minuten schmerzfrei gegenüber 6 % unter Scheinstimulation; beim chronischen Verlauf zeigte sich kein Vorteil.[47]
- Galcanezumab, ein Antikörper gegen das Eiweiß CGRP, wurde am 4. Juni 2019 von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde für den episodischen Cluster-Kopfschmerz zugelassen.[80] Die europäische Arzneimittelbehörde lehnte die entsprechende Erweiterung der Zulassung am 27. Februar 2020 ab; in der EU ist das Mittel für den Cluster-Kopfschmerz also nicht zugelassen.[81] Für den chronischen Verlauf verfehlte die Studie ihr Wirksamkeitsziel.[82] Zwei weitere Antikörper gegen CGRP verfehlten 2025 ihr Hauptziel: Eptinezumab beim episodischen[83] und Erenumab beim chronischen Verlauf.[84] Alle vier kontrollierten Studien zusammen ergaben im Mittel weniger als eine Attacke pro Woche weniger als mit Placebo, und dieser Unterschied ist nicht gesichert.[13]
- Tiefenhirnstimulation. In einer verblindeten Studie mit elf Betroffenen (2010) zeigte sich zwischen echter und Scheinstimulation kein gesicherter Unterschied; nach einem offenen Jahr hatten sechs von elf weniger als halb so viele Attacken wie vorher.[85] Eine gemeinsame Auswertung von 40 Operierten ohne Vergleichsgruppe fand 2020 über im Mittel 44 Monate 77 Prozent weniger Attacken.[86] Die europäische Leitlinie nennt ein Blutungsrisiko von etwa 2 Prozent.[7]
- Ketogene Ernährung. Anders als die meisten Selbstversuche ist sie in einer klinischen Studie untersucht worden: Achtzehn Betroffene mit chronischem Verlauf, bei denen die Medikamente nicht mehr wirkten, hielten zwölf Wochen eine modifizierte Atkins-Diät ein; fünfzehn sprachen an, elf wurden im Studienzeitraum attackenfrei. Die Studie hatte allerdings keine Vergleichsgruppe.[87]
- Dazu kommt die erste randomisierte Studie zu Psilocybin (siehe unten). Alle Verfahren und Medikamente stehen ausführlich und mit Zahlen auf der Seite Cluster-Kopfschmerz Behandlung.
Umstrittene alternative Methoden
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) rät: Eine Selbstbehandlung ist bei Cluster-Kopfschmerz nicht sinnvoll, da die Medikamente verschreibungspflichtig sind und auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten sein müssen.[28]
Zu den meisten der folgenden Mittel gibt es keine klinische Studie. Zu Psilocybin liegt eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie vor, die ihr Wirksamkeitsziel allerdings verfehlte[88], und zu Kudzu gibt es eine Anwenderbefragung, die der Autor selbst „anecdotal evidence“ nennt[89]. Für die übrigen hier genannten Mittel sind keine klinischen Studien speziell zum Cluster-Kopfschmerz bekannt. Wie die Beleglage im Einzelnen aussieht, steht im Abschnitt Komplementär- und Alternativmedizin der Behandlungsseite.
Patienten berichten unter anderem von positiven Wirkungen durch
- Ernährungsumstellung
- Trinken von viel Wasser
- Einnahme von Vitamin-B-Präparaten
- Einnahme von Mineralien wie z.B. Magnesium
- Trinken von Energiegetränken zur Attackenkupierung
- Einnahme von Taurinpräparaten
- Einnahme von Extrakten oder Tee aus der Pflanze Kudzu[89]
- die Halluzinogene Psilocybin, LSA oder LSD.[90]
Der Nachweis, dass die Besserung bei einzelnen Betroffenen durch Einsatz einer der genannten Methoden zustande kam und nicht zufällig mit der spontanen Besserung zusammen traf, konnte in prospektiven Studien bislang nicht geführt werden. Für Psilocybin ist dieser Nachweis inzwischen versucht worden, und er ist nicht gelungen: In der Studie von 2022 nahm die Zahl der Attacken in den drei Wochen nach der Einnahme unter Psilocybin um 3,2 pro Woche ab, unter dem Scheinmedikament blieb sie praktisch unverändert – der Unterschied war statistisch nicht gesichert (p = 0,251). Die Autoren schreiben selbst: „Efficacy outcomes were negative, owing in part to the small number of participants.“[88] Eine verblindete Wiederholung ohne Placebogruppe bei zehn Teilnehmenden fand 2024 in den drei Wochen danach etwa halb so viele Attacken wie vorher; ohne Vergleichsgruppe ist das kein Wirksamkeitsnachweis.[91]
Nur wenige Patienten berichten von erfolgreicher Behandlung durch Heilpraktiker.
Geschichte
Die griechische und römische Literatur der Antike erwähnt verschiedene Kopfschmerzerkrankungen, enthält aber keinerlei Hinweise auf die Existenz der Cluster-Kopfschmerzen [92]. Der niederländische Arzt Nicolaes Tulp beschrieb in den 1641 erstmals veröffentlichten „Observationes Medicae“ zwei verschiedene Arten von wiederkehrenden Kopfschmerzen: Die Migräne und vermutlich den Cluster-Kopfschmerz [93]:
... In the beginning of the summer season, [he] was afflicted with a very severe headache, occurring and disappearing daily on fixed hours, with such intensity that he often assured me that he could not bear the pain anymore or he would succumb shortly. For rarely it lasted longer than two hours. And the rest of the day there was no fever, not indisposition of the urine, no any infirmity of the pulse. But this recurring pain lasted until the fourteenth day ... He asked nature for help, ... and lost a great amount of fluid from the nose ... [and] was relieved in a short period of time ...
Vermutlich beschrieb auch Thomas Willis 1672 neben der Migräne die Erkrankung Cluster-Kopfschmerz [94].
Gerard van Swieten, der Leibarzt der Maria Theresia von Österreich und Gründer der Wiener Schule dokumentierte 1745 einen Fall von episodischem Cluster-Kopfschmerz. Diese Beschreibung entspricht den heutigen Diagnosekriterien der International Headache Society (Abschnitt 3.1 der Klassifikation, heute in der dritten Auflage ICHD-3) [95]:
A healthy robust man of middle age [was suffering from] troublesome pain which came on every day at the same hour at the same spot above the orbit of the left eye, where the nerve emerges from the opening of the frontal bone; after a short time the left eye began to redden, and to overflow with tears; then he felt as if his eye was slowly forced out of its orbit with so much pain, that he nearly went mad. After a few hours all these evils ceased, and nothing in the eye appeared at all changed
1840 beschrieb Moritz Heinrich Romberg die Ziliare Neuralgie als wiederkehrende Schmerzen im Auge mit Injektion und Pupillenverengung [96]. Die Sluder-Neuralgie, benannt nach dem US-amerikanischen HNO-Arzt Greenfield Sluder (1865–1928) ist ein 1908 vorgeschlagenes, mittlerweile umstrittenes Erklärungsmodell für bestimmte Gesichtsneuralgien. Sluder glaubte, dass das Ganglion pterygopalatinum (früher als Ganglion sphenopalatinum bezeichnet), ein parasympathischer Nervenknoten unter der Schädelbasis hinter dem Gaumen, eine reflektorische Reizung der unmittelbar benachbarten Äste des Nervus trigeminus vermittelt. Er behandelte Trigeminusneuralgien, indem er Alkohol in das Ganglion injizierte. In der aktuellen Literatur wird die Sluder-Neuralgie als Erscheinungsform des Cluster-Kopfschmerzes gesehen [97].
1926 gab der Londoner Neurologe Wilfred Harris (1869–1960) die erste komplette Beschreibung des Cluster-Kopfschmerz Syndroms[98][99] und nannte dieses periodische migränöse Neuralgie.[100] 1936 bezeichnete er die gleiche Erkrankung als Ziliare (migranöse) Neuralgie.[101] Harris war wahrscheinlich der Erste, der das "Cluster" Phänomen korrekt erkannte.[102][103] Er behandelte Patienten teilweise erfolgreich durch Injektion von Alkohol in das Ganglion Gasseri. 1937 berichtet er, dass die subcutane Injektion von Ergotamin Tartrate die Schmerzattacken schnellstens beendet.[102][104]
Die Vidianusneuralgie (siehe Nervus canalis pterygoidei) wurde von Vail [105] 1932 definiert als wiederkehrende, einseitige starke Schmerzen an Nase, Auge, Gesicht, Nacken und Schulter in wiederkehrenden Episoden.
Die vielfachen Neubeschreibungen und Neuentdeckungen des Cluster-Kopfschmerz-Syndroms resultierten in einer Vielzahl von Synonymen und von Verwechslungen mit anderen Erkrankungen, die mit Cluster-Kopfschmerz keinen Zusammenhang haben. Früher verwendete Begriffe, aufgeführt in der zweiten Auflage der IHS-Klassifikation (ICHD-II): Ziliare Neuralgie, Erythromelalgie des Kopfes, Bing-Erythroprosopalgie, Hemicrania angioparalytica, Hemicrania periodica neuralgiformis, Histaminkopfschmerz, Horton-Syndrom, Harris-Horton-Syndrom, migränöse Neuralgie nach Harris, Petrosusneuralgie nach Gardner, Sluder-Neuralgie, Neuralgie des Ganglion sphenopalatinum und Vidianusneuralgie [17]. Die Bezeichnung „Bing-Horton-Syndrom“ findet sich in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) G44.0 Cluster-Kopfschmerz [106].
Erst nach der detaillierten Beschreibung des Syndroms durch Bayard T. Horton (1895-1980) und durch den Basler Neurologen Robert Bing (1878–1956) erlangte die Erkrankung in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts unter den Namen Histaminkopfschmerz und später Bing-Horton-Syndrom einen breiteren Bekanntheitheitsgrad [107][108][109].
Our patients were disabled by the disorder and suffered from bouts of pain from two to twenty times a week. They had found no relief from the usual methods of treatment. Their pain was so severe that several of them had to be constantly watched for fear of suicide. Most of them were willing to submit to any operation which might bring relief. (Hortons Beschreibung 1939) [110].
1947 beschrieb Ekbom das periodische Auftreten der Attacken [111]. Der Begriff „cluster headache“ wurde erstmals 1952 von Kunkle [112] verwendet. 1962 wurde der Cluster-Kopfschmerz in die Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen aufgenommen, die ein Ad-hoc-Ausschuss des US-amerikanischen National Institute of Neurological Diseases and Blindness vorlegte.[113][114] Die erste Klassifikation der International Headache Society (IHS) erschien 1988.[114]
Siehe auch
- Studien zum Cluster-Kopfschmerz – die Studien zu allen Behandlungen, einfach erklärt, mit laufenden Studien
- Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Cluster-Mittel
- Off-Label-Use beim Clusterkopfschmerz und Cluster-Kopfschmerz und Sozialrecht
- Hinweise für Angehörige, Freunde und Kollegen
- Aktuelles zum Cluster-Kopfschmerz
Literatur
- Hans-Christoph Diener (Herausgeber): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie: Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen. S. 567-572. Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008; ISBN 3-13-132414-7 Registereintrag 030-036 bei der AWMF – die frühere DGN-Adresse liefert die Leitlinie nicht mehr (geprüft am 21.09.2026)
- Busch, Volker: Kopf- und Gesichtsschmerzen Urban & Fischer, 2002. ISBN 3-437-23070-0
- Göbel, Hartmut: Die Kopfschmerzen. Ursachen, Mechanismen, Diagnostik und Therapie 2. bearb. Auflage, 2004. – Springer Verlag, ISBN 3-540-03080-8 (Wissenschaftliche Grundlagen)
- Göbel, Hartmut: Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne 4. Aufl. 2004. XIV, 448 S. m. 99 Abb. Springer, Berlin. ISBN 3-540-40777-4, (Patienten-Ratgeber, Buchauszug; die frühere Adresse schmerzklinik.de/Cluster.pdf antwortet mit dem Fehlercode 404, geprüft am 21.09.2026)
- Limmroth, Volker: Kopf- und Gesichtsschmerzen Schattauer, 2007. ISBN 3-7945-2319-9
- Sjaastad, Ottar: Cluster Headache Syndrome, W.B. Saunders, London 1992, ISBN 0-7020-1554-7
- May A, Leone M, Áfra J, Linde M, Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. European Journal of Neurology. 2006; 13: 1066–1077. PMID 16987158, beim Verlag – die frühere Adresse bei efns.org antwortet nicht mehr (geprüft am 21.09.2026). DOI
- Leroux E, Ducros A: Cluster headache. Orphanet J Rare Dis. 2008 Jul 23;3:20. PMID 18651939
Weblinks
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Cluster-Kopfschmerz, Informationen für Patientinnen und Patienten, Juli 2005 – die Adresse dmkg.de/pat/cluster_d.pdf antwortet mit dem Fehlercode 404, und in der Seitenübersicht von dmkg.de ist das Patientenblatt nicht mehr aufgeführt (geprüft am 21.09.2026)
- Cluster-Kopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen – Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Registereintrag 030-036 bei der AWMF. Die zuletzt gültige Fassung ist die vom 14.05.2015 (Gültigkeit abgelaufen am 13.05.2020); eine Überarbeitung ist am 24.07.2025 angemeldet worden, geplante Fertigstellung 31.12.2026. Die frühere Adresse dgn.org/images/stories/dgn/leitlinien/LL2008/ll08kap_056.pdf liefert das PDF nicht mehr
- Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen, überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft – veröffentlicht als May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC, Schmerz 2005;19(3):225-41, PMID 15887001, DOI. Die frühere Adresse dmkg.de/pdf/tacsfinal.pdf antwortet mit dem Fehlercode 404 (geprüft am 21.09.2026)
- Klinik für Neurologie am Klinikum Köln-Merheim: Clusterkopfschmerzen – die Adresse antwortet mit dem Fehlercode 404 (geprüft am 21.09.2026)
- Patienteninformationen Cluster-Kopfschmerz
Multimedia
- stern.de: „Clusterkopfschmerz: Hol einen Knüppel, schlag mich tot", Artikel vom 29. Mai 2008, auch zum Anhören. Die frühere Adresse stern.de/wissenschaft/medizin/622052.html leitet auf diese Seite weiter (geprüft am 21.09.2026).
- Video einer Schmerzattacke aus dem Dokumentarfilmprojekt von Justin Douglas Ott (Englisch): Die Projektseite lag bei homepage.mac.com – dieser Dienst (MobileMe) ist seit 2012 abgeschaltet, die Adresse antwortet nicht mehr. Auch die beiden Videodateien bei clusterbusters.com (Windows Media Format, 7,4 MB, und Quicktime Format, 5,9 MB) sind nicht mehr abrufbar (geprüft am 21.09.2026).
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Internationale Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen, 3. Auflage (ICHD-3), deutsche Fassung: 3.1 Clusterkopfschmerz, Diagnostische Kriterien, am 23.09.2026 gelesen. Im Wortlaut: „Starke oder sehr starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“; Begleitzeichen auf der Schmerzseite u. a. „konjunktivale Injektion und/oder Lakrimation“, „nasale Kongestion und/oder Rhinorrhoe“, „Lidödem“, „Miosis und/oder Ptosis“, außerdem „körperliche Unruhe oder Agitiertheit“; „Die Attackenfrequenz liegt zwischen 1 jeden zweiten Tag und 8 pro Tag“.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Fischera M, Marziniak M, Gralow I, Evers S (2008). "The incidence and prevalence of cluster headache: a meta-analysis of population-based studies". Cephalalgia 28 (6): 614-8. doi:. PMID 18422717.
- ↑ 3,0 3,1 Schmerzklinik Kiel: Diagnose Clusterkopfschmerz: Zahl der Erkrankungen steigt um 74 Prozent – neue Studien zeigen dramatische Folgen. 07.08.2025, am 23.09.2026 gelesen. Im Wortlaut: „Das geht aus einer aktuellen Auswertung des BARMER-Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) hervor. Während im Jahr 2010 bei rund 43.000 Personen Clusterkopfschmerz diagnostiziert wurde, waren es im Jahr 2023 bereits 74.800 Betroffene. Das entspricht einem Zuwachs um 74 Prozent.“; „Bei Männern stieg die Fallzahl von rund 27.100 auf knapp 44.800 Erkrankungen, bei Frauen von gut 15.900 auf rund 30.000.“
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 International Classification of Headache Disorders, 3. Auflage (ICHD-3), Abschnitt 3.1 Cluster headache, herausgegeben von der International Headache Society 2018; die Unterformen unter 3.1.1 Episodic cluster headache und 3.1.2 Chronic cluster headache (abgerufen am 21.09.2026).
- ↑ 5,0 5,1 5,2 May A, Evers S, Goadsby PJ, Leone M, Manzoni GC, Pascual J, et al. (2023). "European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache". Eur J Neurol 30 (10): 2955-2979. doi:. PMID 37515405. Tabelle 3 (S. 2959), Zeile „Required“: „Complete neurological examination including careful examination of the cranial nerves (especially trigeminal nerve)“ und „Brain and craniocervical junction MRI (ruling out cerebral pathologies located near midline)“. Am 23.09.2026 im Volltext geprüft.
- ↑ 6,0 6,1 Van Obberghen EK, Fabre R, Lanteri-Minet M (2025). "Cluster headache diagnostic delay and its predictors: a systematic review with a meta-analysis". J Headache Pain 26 (1): 71. doi:. PMID 40205372. Im Wortlaut: „These selected studies included a total of 8654 subjects“; „Meta-analysis estimated the overall CH diagnostic delay at 10,43 years (95% CI [9.09; 11.77]) with a reduction in the CH diagnostic delay over time since the sixties“; „Autonomic symptoms were associated with a decrease in the delay of diagnosis, whereas lower age of CH onset, alternating attack side and nocturnal headaches were associated with an increase in the delay of diagnosis.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft. Weiter: „and the continuation of such a reduction every decade since 2000“; „This systematic review including meta-analysis confirms an important unmet need in terms of CH diagnosis.“
- ↑ 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 7,5 May A, Evers S, Goadsby PJ u. a.: European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache. Eur J Neurol 2023;30(10):2955–2979, PMID 37515405, doi:10.1111/ene.15956. Am 23.09.2026 im Volltext gelesen. Zusammenfassung S. 2971: „The first option for the treatment of acute attacks of cluster headache should be subcutaneous injection of sumatriptan 6 mg or the inhalation of 100% oxygen with at least 12 L/min over 15 min. An alternative would be zolmitriptan (5 mg) or sumatriptan (20 mg) nasal spray, with the disadvantage of a slower onset than with injected sumatriptan. nVNS is recommended for the treatment of acute attacks in episodic but not chronic cluster headache. Weak recommendations based on consensus further include DHE nasal spray and lidocaine“; „Initial preventive treatment of cluster headache is usually verapamil at a daily dose of at least 240 mg. The maximum dose depends on efficacy or tolerability, and ECG monitoring is obligatory with increasing doses.“; „Lithium is a drug of second choice if verapamil is inefficacious or contraindicated.“; „Topiramate at least 100 mg per day with a starting dose of 25 mg is promising, but only open trials with topiramate as monotherapy exist at this point.“; „Pharmacological nerve block of the GON is recommended and can be repeated if efficacious.“; „Galcanezumab 300 mg sc every month is recommended in otherwise intractable patients based on one RCT despite missing labeling by the European authorities.“ Tabelle 16 (S. 2972): Sauerstoff „>12 L 100% O 2 for 15 min using a nonrebreather mask“; dagegen im ausführlichen Text (S. 2961): „The recommended dosage is inhalation of at least 12 L/min of 100% oxygen [54, 55] (in some cases up to 15 L/min) for a duration of 20 min using a nonrebreather mask; nasal cannulae are not sufficient.“; Lidocain „Consensus statement“, „1 mL 4%–10% lidocaine solution into ipsilateral nostril“. Tabelle 17 (S. 2973): Verapamil „Consensus statement“ (Fußnote „In the absence of evidence/studies“), „80 mg oral (1–1–1) daily, up to target dosage of 360 mg/day“, „Can be increased to 720 mg/day or higher“; Kortison „Low level of evidence“, „Weak“, „Prednisolone initially 250 or 500 mg iv in the morning or 60–100 mg po for 5 days, followed by reductions of 10 mg every 4 days“; Galcanezumab „Low level of evidence“, „Weak“, „One positive RCT for episodic but not chronic cluster headache“; Topiramat „Consensus statement“, „No valid trials but open label case series indicating positive effect“; Lithium „Consensus statement“, „600–1500 mg po“. Tiefe Hirnstimulation (S. 2970): „the risk of bleeding with DBS is estimated at approximately 2%“. Tabelle 18 (S. 2974): nicht-invasive Vagusnervstimulation „Not efficacious in chronic cluster headache“.
- ↑ 8,0 8,1 National Institute for Health and Care Excellence: Headaches in over 12s: diagnosis and management. Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache." Bei NICE
- ↑ 9,0 9,1 Gebrauchsinformation CONOXIA® GO2X, Sauerstoff 100 % (V/V), Gas zur medizinischen Anwendung, Linde GmbH, Stand 09.2024, Abschnitt 1, am 23.09.2026 gelesen: „CONOXIA GO2X wird angewendet zur Behandlung und Vorbeugung von Sauerstoffmangelzuständen (hypoxischen und hypoxämischen Zuständen) sowie zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen.“ Abschnitt 3: „Bei Cluster-Kopfschmerzen wird 15 Minuten lang 100 %iger Sauerstoff mit einer Strömungsgeschwindigkeit von 7 l/min über eine Gesichtsmaske zugeführt.“ Die europäische Leitlinie von 2023 empfiehlt mindestens 12 l/min.
- ↑ 10,0 10,1 Fachinformation Imigran-Inject 6 mg/0,5 ml Injektionslösung, Stand Mai 2026, Abschnitt 4.2: „Nur wenn bereits abgeklungene Symptome wieder auftreten, können frühestens nach zwei Stunden weitere 0,5 ml" angewendet werden, und Patienten, die auf die erste Dosis nicht ansprechen, sollen für dieselbe Attacke keine zweite anwenden.
- ↑ 11,0 11,1 Fachinformation AscoTop Nasal 5 mg/Dosis Nasenspray, Grünenthal GmbH, Stand Juni 2023, Abschnitt 4.2, Unterabschnitt „Behandlung von Cluster-Kopfschmerz": „Die empfohlene Dosis … beträgt 5 oder 10 mg. Bei Patienten, bei denen keine ausreichende Wirkung mit der 5-mg-Dosis erreicht wird, kann eine Dosis von 10 mg bei nachfolgenden Anfällen wirksam sein. … Die Tagesgesamtdosis darf 10 mg nicht überschreiten." Bei fachinfo.de
- ↑ 12,0 12,1 Fachinformation Quilonum® retard, Teofarma S.r.l., Stand August 2024, Abschnitt 4.1 (geprüft am 21.09.2026).
- ↑ 13,0 13,1 Yuan L, Zhang YX, Kulachai P u. a. (2026). "Efficacy and safety of calcitonin gene-related peptide monoclonal antibodies for cluster headache: a systematic review and frequentist-Bayesian meta-analysis". J Neurol 273 (7): 371. doi:. PMID 42249970. Im Wortlaut: „Four trials (655 participants) were included. The pooled MD was - 0.81 attacks per week (95%CI - 2.24 to 0.62; P = 0.265“; „a discrepancy driven by high placebo rates (27-53%)“; „Bayesian analysis showed an 81.1% posterior probability of any benefit, but only 17.9% probability that the true reduction reached 2 or more attacks per week“; „Modest benefit cannot be excluded, but clinically meaningful efficacy remains uncertain.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft. Weiter: „have transformed migraine prevention“.
- ↑ 14,00 14,01 14,02 14,03 14,04 14,05 14,06 14,07 14,08 14,09 14,10 14,11 Leitlinie „Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN); die Angaben auf dieser Seite stammen aus den Fassungen von 2005 und 2008. Gedruckte Ausgabe: Hans-Christoph Diener (Herausgeber): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen, S. 567-572, herausgegeben von der Kommission „Leitlinien“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Georg Thieme Verlag, 4. überarbeitete Auflage 2008, ISBN 3-13-132414-7. Die zuletzt gültige Fassung ist die S1-Leitlinie vom 14.05.2015; ihre Gültigkeit lief am 13.05.2020 ab. Eine Überarbeitung ist bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften angemeldet: Anmeldedatum 24.07.2025, geplante Fertigstellung 31.12.2026, Koordination PD Dr. Tim Jürgens (Güstrow) und Prof. Gudrun Goßrau (Dresden); beteiligt sind DGN, DMKG, Schweizerische Kopfwehgesellschaft, Berufsverband deutscher Neurologen und Österreichische Kopfschmerzgesellschaft. Registereintrag 030-036 bei der AWMF (abgerufen am 21.09.2026). Die früher hier verlinkte Adresse bei der Universität Düsseldorf antwortet mit „404 Not Found“, die Verlagsadresse führt nur noch auf eine Suche nach der ISBN.
- ↑ Burish MJ, Pearson SM, Shapiro RE, Zhang W, Schor LI (2021). "Cluster headache is one of the most intensely painful human conditions: Results from the International Cluster Headache Questionnaire". Headache 61 (1): 117–124. doi:. PMID 33337540. Frei lesbar (PMC7898696), am 24.09.2026 im Volltext über Europe PMC gelesen. Im Wortlaut: „Cluster headache attacks were rated as 9.7 ± 0.6 (mean ± standard deviation) on the numerical rating scale, followed by labor pain (7.2 ± 2.0), pancreatitis (7.0 ± 1.5), and nephrolithiasis (6.9 ± 1.9). The majority of cluster headache respondents rated a cluster headache attack at maximal or 10.0 pain (72.1%, 1157/1604).“ Die Grenzen der Befragung (Diagnose nur per Fragebogen, Angaben aus der Erinnerung, Cluster-Kopfschmerz immer zuerst bewertet) stehen auf der Seite Schmerzskala.
- ↑ 16,0 16,1 16,2 16,3 16,4 16,5 Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen, überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Veröffentlicht als May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC (June 2005). "Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft". Schmerz 19 (3): 225-41. doi:. PMID 15887001. Die früher hier verlinkte Adresse dmkg.de/pdf/tacsfinal.pdf antwortet mit dem Fehlercode 404 (geprüft am 21.09.2026).
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- ↑ Siehe die ausführliche Darstellung im Abschnitt Kurzprophylaxe zur Überbrückung der Behandlungsseite, mit den Belegen zum Risikobewertungsverfahren und zur Lage in Österreich und der Schweiz.
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- ↑ 89,0 89,1 Sewell RA.: Response of Cluster Headache to Kudzu. Headache. 2009 Jan; 49(1): 98-105. PMID 19125878 DOI. Befragt wurden sechzehn Anwender; elf berichteten über weniger starke, neun über seltenere und fünf über kürzere Attacken. Der Autor bezeichnet das selbst als „anecdotal evidence“ und fordert eine randomisierte Studie – die es bis heute nicht gibt.
- ↑ Sewell RA, Halpern JH, Pope HG Jr: Response of cluster headache to psilocybin and LSD. (PDF-Datei) Neurology. (2006) 66(12):1920-2. PMID 16801660 DOI. Eine Befragung von 53 Betroffenen, die sich selbst behandelt hatten. Die Autoren nennen ihre Beobachtungen ausdrücklich „unblinded, uncontrolled“ und schreiben, ihre Ergebnisse überschätzten das Ansprechen „almost certainly“. Die frühere Adresse bei maps.org ist umgezogen (geprüft am 21.09.2026).
- ↑ Schindler EAD, Sewell RA, Gottschalk CH u. a. (2024). "Psilocybin pulse regimen reduces cluster headache attack frequency in the blinded extension phase of a randomized controlled trial". J Neurol Sci 460: 122993. doi:. PMID 38581739. Wiederholung mindestens 6 Monate nach der ersten Runde; alle erhielten Psilocybin. Im Wortlaut: „Ten participants completed the extension phase and all ten were included in the final analysis.“; „cluster attack frequency was significantly reduced from baseline (18.4 … to 9.8 … attacks/week; p = 0.013“; „A reduction of approximately 50% was seen regardless of individual response to psilocybin in the first round.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft. Zum Aufbau: „We carried out a blinded extension phase to consider the safety and efficacy of repeating the pulse regimen.“
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Cluster-Kopfschmerz.
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