Diclofenac

Diclofenac ist ein Schmerz- und Entzündungshemmer aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Es wird bei Schmerzen und Entzündungen eingesetzt, zum Beispiel bei Rheuma, Arthrose, Gicht oder nach Verletzungen, als Tablette, Zäpfchen, Spritze oder als Gel auf der Haut. Diclofenac hemmt die Cyclooxygenasen (COX) und damit die Bildung von Prostaglandinen, Botenstoffen, die an Schmerz und Entzündung beteiligt sind. Dieselben Botenstoffe schützen aber auch die Magenschleimhaut; daher kommen die typischen Nebenwirkungen an Magen und Darm.
Beim Cluster-Kopfschmerz
Gegen die Cluster-Attacke hilft Diclofenac nicht zuverlässig. Die britische Leitlinie NICE rät ausdrücklich davon ab, bei der Attacke Schmerzmittel wie Paracetamol oder NSAR zu geben.[1] Ein Grund ist die Geschwindigkeit: Als Tablette erreicht Diclofenac seinen höchsten Blutspiegel im Mittel erst nach 2 bis 3 Stunden.[2] Eine Cluster-Attacke dauert unbehandelt aber meist nur 15 bis 180 Minuten, also eine Viertelstunde bis 3 Stunden.[3] Was gegen die Attacke wirkt – vor allem Sauerstoff und die Sumatriptan-Spritze –, steht unter Cluster-Kopfschmerz Behandlung. Wer zusätzlich Migräne hat und sehr häufig Schmerzmittel nimmt, kann davon einen eigenen Dauerkopfschmerz bekommen, siehe Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch.
Wer Diclofenac nicht nehmen soll
Nach der Wirkstoffbeschreibung der Gelben Liste unter anderem Menschen, die schon einmal auf ASS oder andere NSAR mit Asthma, Schnupfen oder Nesselsucht reagiert haben, mit wiederholten Magen- oder Darmgeschwüren oder -blutungen, mit schweren Leber- oder Nierenschäden, mit Herzschwäche, verengten Herzkranzgefäßen, Durchblutungsstörungen der Beine oder nach Schlaganfall, und Frauen im letzten Drittel der Schwangerschaft.[2]
Herz und Kreislauf. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat 2013 festgestellt, dass Diclofenac als Tablette, Zäpfchen oder Spritze Herz und Kreislauf ähnlich stark belastet wie die sogenannten COX-2-Hemmer, vor allem in hoher Dosis (150 mg am Tag) und über lange Zeit. In Zahlen: Von 1.000 Menschen mit mittlerem Herzrisiko bekommen im Jahr etwa 8 einen Herzinfarkt; nehmen alle ein Jahr lang Diclofenac, sind es etwa 11, also 3 mehr.[4] In einer großen britischen Studie mit 9.218 Herzinfarkten war das Infarktrisiko bei Menschen, die gerade Diclofenac nahmen, um etwa die Hälfte höher (55 %), bei Ibuprofen um etwa ein Viertel (24 %).[5]
Wichtige Wechselwirkungen
- Lithium: Diclofenac kann den Lithiumspiegel erhöhen; das kann zu einer Vergiftung führen. Der Spiegel muss dann kontrolliert werden.[2][6]
- Kortison (zum Beispiel Prednison): höhere Gefahr von Magen-Darm-Geschwüren und -Blutungen.[2]
- Blutverdünner, ASS und bestimmte Antidepressiva (SSRI): höhere Blutungsgefahr, vor allem im Magen-Darm-Trakt.[2]
- Andere NSAR gleichzeitig: nicht empfohlen.[2]
- Blutdrucksenker und Entwässerungsmittel: Ihre Wirkung kann schwächer werden; bei eingeschränkter Nierenfunktion kann sich die Niere weiter verschlechtern.[2]
Schwangerschaft und Stillzeit
Nach Embryotox, dem Beratungszentrum der Charité, kann Diclofenac in den ersten zwei Dritteln der Schwangerschaft verwendet werden, aber nicht ohne ärztlichen Rat über längere Zeit. Ab der 28. Schwangerschaftswoche darf es nicht mehr genommen werden. In der Stillzeit ist Ibuprofen das Mittel der Wahl; Diclofenac ist bei gelegentlicher oder kurzer Einnahme akzeptabel.[7]
Externe Links
- Gelbe Liste: Wirkstoff Diclofenac (Wirkung, Dosierung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen)
- Wikipedia Artikel Diclofenac
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Einzelnachweise
- ↑ National Institute for Health and Care Excellence: Headaches in over 12s: diagnosis and management. Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache.“ URL
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Gelbe Liste: Wirkstoff Diclofenac (Abschnitte Pharmakokinetik, Wechselwirkungen, Kontraindikationen), am 23.09.2026 gelesen.
- ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.1 Clusterkopfschmerz, Diagnostische Kriterien: „Starke oder sehr starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“. Anmerkung: „Während eines Teils (aber weniger als der Hälfte) des Zeitverlaufes bei einem 3.1 Clusterkopfschmerz können die Attacken weniger schwer sein und/oder kürzer oder länger andauern.“ Gelesen am 23.09.2026. Anmerkung am 24.09.2026 gelesen.
- ↑ European Medicines Agency: Diclofenac-containing medicines – referral (Empfehlung der CMDh vom 28.06.2013, Entscheidung der Europäischen Kommission vom 25.09.2013), am 23.09.2026 gelesen. Im Wortlaut u. a.: „About 8 people in 1,000 at moderate risk of heart disease are likely to have a heart attack over one year. The overall number of heart attacks in people at moderate risk would be expected to increase by around 3 cases per year for every 1,000 people treated with diclofenac (to 11 per 1,000 people per year).“
- ↑ Hippisley-Cox J, Coupland C (2005). "Risk of myocardial infarction in patients taking cyclo-oxygenase-2 inhibitors or conventional non-steroidal anti-inflammatory drugs: population based nested case-control analysis". BMJ 330 (7504): 1366. doi:. PMID 15947398. Zusammenfassung am 23.09.2026 in Europe PMC gelesen: 9.218 Herzinfarkte; bereinigtes Odds Ratio für derzeitige Einnahme von Diclofenac 1,55 (95-%-Konfidenzintervall 1,39–1,72), von Ibuprofen 1,24 (1,11–1,39).
- ↑ Fachinformation Quilonum retard 450 mg Retardtabletten (Lithiumcarbonat), Teofarma, Stand der Information August 2024, Zul.-Nr. 17202.00.01; Abschnitte 4.1, 4.4, 4.5 und 4.6. Am 22.09.2026 im Wortlaut gelesen.
- ↑ Embryotox: Diclofenac, am 23.09.2026 gelesen. Im Wortlaut u. a.: „Diclofenac kann als Analgetikum oder zur antiphlogistischen Therapie in den ersten zwei Dritteln der Schwangerschaft verwendet werden.“; „Im letzten Trimenon (ab Schwangerschaftswoche 28) dürfen Diclofenac und andere NSAID nicht angewendet werden.“; Stillzeit: „NSAID der Wahl in der Stillzeit ist Ibuprofen. Bei gelegentlicher Einnahme oder kurzfristiger Therapie ist auch Diclofenac akzeptabel.“
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