Aura

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Aura ist die medizinische Bezeichnung für vorübergehende Beschwerden des Nervensystems, die bei der Migräne und der Epilepsie vor oder mit dem Anfall auftreten können. Bei der Migräne zählt die Internationale Kopfschmerz-Klassifikation (ICHD-3) nur Beschwerden als Aura, die vollständig wieder verschwinden und das Sehen, das Fühlen, das Sprechen, die Bewegung, den Hirnstamm oder die Netzhaut betreffen; Übelkeit und Erbrechen gehören nicht dazu.[1] Bei der Epilepsie ist der Begriff anders gefasst; dort können zum Beispiel auch Geruchs- oder Geschmacksempfindungen, Angst oder ein Deja-vu eine Aura sein. Beim Cluster-Kopfschmerz haben nach zwei neueren Studien 7 bis 9 von 100 Betroffenen eine Aura;[2][3] eine ältere Übersicht nannte „bis zu 20 %“ und damit so viele wie bei der Migräne.[4] Mehr dazu unten.

Aura beim Cluster-Kopfschmerz

Was heute als Aura zählt: Die Internationale Kopfschmerz-Klassifikation (ICHD-3) zählt bei der Migräne nur Beschwerden als Aura, die vollständig wieder verschwinden und das Sehen, das Fühlen (z. B. Kribbeln), das Sprechen, die Bewegung, den Hirnstamm oder die Netzhaut betreffen. Ein einzelnes Aura-Zeichen dauert dabei 5 bis 60 Minuten. Übelkeit zählt die ICHD-3 nicht zur Aura; sie nennt Übelkeit unter anderem bei den möglichen Vorboten (Fachwort: Prodrom), die einige Stunden bis zwei Tage vorher auftreten können.[1]

Wie oft haben Menschen mit Cluster-Kopfschmerz eine Aura? Die Zahlen gehen auseinander:

Studie Wer wurde untersucht? Ergebnis
Silberstein 2000 101 Krankenakten des Jefferson Headache Center, im Rückblick 6 von 101 (etwa 6 %) mit Aura: 5 mit Seh-Aura, 1 mit Geruchs-Aura; Dauer 5 bis 120 Minuten. Nur einer davon hatte zusätzlich Migräne.[5]
Rozen 2011 (Übersicht) Zusammenfassung früherer Studien „bis zu 20 %“ (im Original „upwards of 20%“), gleich viel wie bei Migräne.[4]
Wilbrink 2013 244 Menschen mit Cluster-Kopfschmerz aus den Niederlanden, Telefon-Interview 22 von 244 (9,0 %, etwa jeder Elfte) mit Aura-ähnlichen Beschwerden vor der Attacke, meist beim Sehen. 72,7 % davon (etwa drei von vier) hatten keine Migräne.[3]
de Coo 2018 629 Menschen mit Cluster-Kopfschmerz, Online-Fragebogen, Aura danach am Telefon nach ICHD-3 bestätigt 44 von 629 (7,0 %, etwa jeder Vierzehnte) mit typischer Aura vor oder während der Attacken, meist beim Sehen (61,4 %). Menschen mit und ohne Aura unterschieden sich kaum (Ausnahmen: weniger Alkohol, häufiger Schmerz an der Stirn bei Aura).[2]

Was das heißt: In den beiden größeren Studien mit Bestätigung am Telefon lag der Anteil bei 7 bis 9 %, also deutlich unter 20 %. Eine Aura spricht nicht automatisch für Migräne: Die meisten Betroffenen mit Aura in der Studie von Wilbrink 2013 hatten keine Migräne.[3]

Externe Links

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 ICHD-3 (deutsche Fassung), 1.2 Migräne mit Aura. Kriterium B: „Ein oder mehrere der folgenden vollständig reversiblen […]: visuell, sensorisch, Sprechen und/oder Sprache, motorisch, Hirnstamm, retinal“; Kriterium C u. a. „jedes Aurasymptom hält 5 bis 60 Minuten an“. Kommentar zu Vorbotensymptomen: „Diese beinhalten in unterschiedlicher Kombination Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Nackensteifigkeit, Licht- oder Lärmüberempfindlichkeit, Übelkeit, Verschwommensehen, Gähnen oder Blässe. Der Begriff „Prodrom“ […] schließt keine Aura mit ein.“ Gelesen am 23.09.2026.
  2. ↑ 2,0 2,1 de Coo IF, Wilbrink LA, Ie GD, Haan J, Ferrari MD (2018). "Aura in Cluster Headache: A Cross-Sectional Study". Headache 58 (8): 1203–1210. doi:10.1111/head.13344. PMID 29933513.  Frei lesbar (PMC6220953). Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 Wilbrink LA, Cheung C, Weller C, Ferrari M, Haan J (2013). "[Aura-related symptoms associated with cluster headache: outcomes of a LUCA substudy]". Ned Tijdschr Geneeskd 157 (1): A5306. PMID 23298724.  Artikel auf Niederländisch; Zahlen aus der englischen Zusammenfassung. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  4. ↑ 4,0 4,1 Rozen TD (2011). "Cluster headache with aura". Curr Pain Headache Rep 15 (2): 98–100. doi:10.1007/s11916-010-0168-9. PMID 21161447.  Im Wortlaut: „studies now have indicated that upwards of 20% of patients with cluster headache may have aura, the same percentage of migraine sufferers who have aura“. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  5. ↑ Silberstein SD, Niknam R, Rozen TD, Young WB (2000). "Cluster headache with aura". Neurology 54 (1): 219–221. doi:10.1212/wnl.54.1.219. PMID 10636152.  Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.


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