Differentialdiagnose: Unterschied zwischen den Versionen

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Themenkategorie ergänzt: Andere Kopfschmerzformen
Fachliche Durchsicht: 12 Stellen berichtigt oder ergänzt, mit Einzelnachweisen; DGN-Leitlinie 2015: Hinweis auf die angemeldete Neufassung, aktuelle Adressen; Kasten „Auf einen Blick“ ergänzt; Prüfdatum im Kasten „Auf einen Blick“
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{{Auf einen Blick|geprüft=24. September 2026|
* '''Was Differentialdiagnose heißt:''' Gemeint ist der Vergleich mit anderen Krankheiten, die ähnliche Symptome machen. Die Seite stellt Kopf- und Gesichtsschmerzen nebeneinander, geordnet nach der Dauer des Schmerzes.
* '''Die Dauer einer Attacke unterscheidet:''' Nach der Internationalen Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3) dauert eine Cluster-Attacke unbehandelt 15 bis 180 Minuten, eine Attacke der paroxysmalen Hemikranie 2 bis 30 Minuten. Beim SUNCT-Syndrom sind es 1 bis 600 Sekunden ([[#Die Werte nach der aktuellen Klassifikation|Tabelle]]).
* '''Indometacin als Erkennungszeichen:''' Bei der paroxysmalen Hemikranie verhindert der Wirkstoff Indometacin die Attacken vollständig; die Wirksamkeit ist ein Diagnosekriterium. Auch die Hemicrania continua, ein streng einseitiger Dauerkopfschmerz, spricht zuverlässig auf Indometacin an.
* '''Primär oder sekundär:''' Bei primären Kopfschmerzen ist der Schmerz selbst die Erkrankung, bei sekundären ist er die Folge einer anderen Erkrankung. Manche davon sind gefährlich: Beim akuten Glaukomanfall (Grüner Star) droht unbehandelt innerhalb kurzer Zeit eine Erblindung, bei der Riesenzellarteriitis, einer Entzündung der Schläfenarterien, besteht unbehandelt ein Risiko von 20 Prozent zu erblinden ([[#Sekundäre Kopf- und Gesichtsschmerzen|sekundäre Kopfschmerzen]]).
* '''Donnerschlagkopfschmerz untersuchen lassen:''' Eine Subarachnoidalblutung, eine Blutung in den äußeren Liquorraum (Raum mit Nervenwasser), ist eine der häufigsten Ursachen für einen anhaltenden, extremen Kopfschmerz mit abruptem Beginn („Donnerschlagkopfschmerz“); 40 bis 50 Prozent der Patienten sterben daran. Wer einen solchen Kopfschmerz hat, sollte darauf untersucht werden ([[#Subarachnoidalblutung|Subarachnoidalblutung]]).
}}
Die '''Differentialdiagnose''' ist der Vergleich mit anderen Krankheiten mit ähnlichen Symptomen. Nachfolgend einige Kopf- und Gesichtsschmerzerkrankungen, in der Reihenfolge der Schmerzdauer.<ref name="LIM">Limmroth, Volker: ''Kopf- und Gesichtsschmerzen,'' Schattauer, Stuttgart, 2007 ISBN 3-7945-2319-9</ref>
Die '''Differentialdiagnose''' ist der Vergleich mit anderen Krankheiten mit ähnlichen Symptomen. Nachfolgend einige Kopf- und Gesichtsschmerzerkrankungen, in der Reihenfolge der Schmerzdauer.<ref name="LIM">Limmroth, Volker: ''Kopf- und Gesichtsschmerzen,'' Schattauer, Stuttgart, 2007 ISBN 3-7945-2319-9</ref>


== Die Werte nach der aktuellen Klassifikation ==
== Die Werte nach der aktuellen Klassifikation ==
''Die Tabelle gibt die Werte der aktuellen Klassifikation ICHD-3 (2018) wieder. Die ausführlicheren Beschreibungen weiter unten stammen aus einem Lehrbuch von 2007 und aus der 2. Auflage der Klassifikation (ICHD-II, 2004); wo sie abweichen, gilt die ICHD-3.''<ref name="ICHD3DDX">Internationale Kopfschmerzklassifikation, 3. Auflage (ICHD-3), deutsche Fassung, am 23.09.2026 gelesen: [https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-1-clusterkopfschmerz/ 3.1], [https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-2-paroxysmale-hemikranie/ 3.2], [https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-3-short-lasting-unilateral-neuralgiform-headache-attacks/ 3.3], [https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-4-hemicrania-continua/ 3.4], [https://ichd-3.org/de/4-andere-primaere-kopfschmerzen/4-7-primaerer-stechender-kopfschmerz/ 4.7], [https://ichd-3.org/de/4-andere-primaere-kopfschmerzen/4-9-schlafgebundener-kopfschmerz-engl-hypnic-headache/ 4.9], [https://ichd-3.org/de/4-andere-primaere-kopfschmerzen/4-10-neu-aufgetretener-taeglicher-anhaltender-kopfschmerz-engl-new-daily-persistent-headache/ 4.10]. Im Wortlaut u. a.: 3.1 „die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“, „Die Attackenfrequenz liegt zwischen 1 jeden zweiten Tag und 8 pro Tag“; 3.2 „die 2 bis 30 Minuten anhalten“, „Die Attackenfrequenz liegt bei >5 pro Tag“, „Attacken kann durch therapeutische Dosen Indometacin komplett vorgebeugt werden“; 3.3 „die 1 bis 600 Sekunden anhalten und als Einzelstiche, Serien von Stichen oder sägezahnmusterartig auftreten“, „Die Attackenfrequenz liegt bei >1 pro Tag“ (die [https://ichd-3.org/3-trigeminal-autonomic-cephalalgias/3-3-short-lasting-unilateral-neuralgiform-headache-attacks/ englische Originalfassung]: „Occurring with a frequency of at least one a day“); 3.4 „Für >3 Monate vorliegend, mit Verschlechterungen von mäßiger oder stärkerer Intensität“, „Spricht zuverlässig auf therapeutische Dosen Indometacin an“; 4.7 „Die einzelnen Stiche halten nur wenige Sekunden an“, „In Studien hielten 80% der Stiche 3 oder weniger Sekunden an; in seltenen Fällen halten die Stiche 10 bis 120 Sekunden lang an“, „Keine kranio-autonomen Symptome“; 4.9 „Der Kopfschmerz entsteht ausschließlich im Schlaf und weckt den Patienten“, „Die Attacken treten seit >3 Monaten an ≥10 Tagen/Monat auf“, „Die Attacken halten 15 Minuten bis 4 Stunden nach dem Aufwachen an“, „Keine kranio-autonomen Symptome und keine Unruhe“; 4.10 „wobei der Schmerz sich innerhalb von 24 Stunden zum kontinuierlichen Dauerschmerz ohne Remissionen entwickelt“, „Besteht >3 Monate“.</ref>
''Die Tabelle gibt die Werte der Internationalen Kopfschmerzklassifikation ICHD-3 (2018) wieder.''<ref name="ICHD3DDX">Internationale Kopfschmerzklassifikation, 3. Auflage (ICHD-3), deutsche Fassung, am 23.09.2026 gelesen: [https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-1-clusterkopfschmerz/ 3.1], [https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-2-paroxysmale-hemikranie/ 3.2], [https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-3-short-lasting-unilateral-neuralgiform-headache-attacks/ 3.3], [https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-4-hemicrania-continua/ 3.4], [https://ichd-3.org/de/4-andere-primaere-kopfschmerzen/4-7-primaerer-stechender-kopfschmerz/ 4.7], [https://ichd-3.org/de/4-andere-primaere-kopfschmerzen/4-9-schlafgebundener-kopfschmerz-engl-hypnic-headache/ 4.9], [https://ichd-3.org/de/4-andere-primaere-kopfschmerzen/4-10-neu-aufgetretener-taeglicher-anhaltender-kopfschmerz-engl-new-daily-persistent-headache/ 4.10]. Im Wortlaut u. a.: 3.1 „die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“, „Die Attackenfrequenz liegt zwischen 1 jeden zweiten Tag und 8 pro Tag“; 3.2 „die 2 bis 30 Minuten anhalten“, „Die Attackenfrequenz liegt bei >5 pro Tag“, „Attacken kann durch therapeutische Dosen Indometacin komplett vorgebeugt werden“; 3.3 „die 1 bis 600 Sekunden anhalten und als Einzelstiche, Serien von Stichen oder sägezahnmusterartig auftreten“, „Die Attackenfrequenz liegt bei >1 pro Tag“ (die [https://ichd-3.org/3-trigeminal-autonomic-cephalalgias/3-3-short-lasting-unilateral-neuralgiform-headache-attacks/ englische Originalfassung]: „Occurring with a frequency of at least one a day“); 3.4 „Für >3 Monate vorliegend, mit Verschlechterungen von mäßiger oder stärkerer Intensität“, „Spricht zuverlässig auf therapeutische Dosen Indometacin an“; 4.7 „Die einzelnen Stiche halten nur wenige Sekunden an“, „In Studien hielten 80% der Stiche 3 oder weniger Sekunden an; in seltenen Fällen halten die Stiche 10 bis 120 Sekunden lang an“, „Keine kranio-autonomen Symptome“; 4.9 „Der Kopfschmerz entsteht ausschließlich im Schlaf und weckt den Patienten“, „Die Attacken treten seit >3 Monaten an ≥10 Tagen/Monat auf“, „Die Attacken halten 15 Minuten bis 4 Stunden nach dem Aufwachen an“, „Keine kranio-autonomen Symptome und keine Unruhe“; 4.10 „wobei der Schmerz sich innerhalb von 24 Stunden zum kontinuierlichen Dauerschmerz ohne Remissionen entwickelt“, „Besteht >3 Monate“.</ref>


{| class="wikitable"
{| class="wikitable"
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| Neu aufgetretener täglicher anhaltender Kopfschmerz || 4.10 (4.8) || Dauerkopfschmerz seit mehr als 3 Monaten || täglich || klar erinnerter Beginn; innerhalb von 24 Stunden dauerhaft
| Neu aufgetretener täglicher anhaltender Kopfschmerz || 4.10 (4.8) || Dauerkopfschmerz seit mehr als 3 Monaten || täglich || klar erinnerter Beginn; innerhalb von 24 Stunden dauerhaft
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'''Was sich damit gegenüber den Angaben unten ändert:''' Bei der paroxysmalen Hemikranie nennt die ICHD-3 2 bis 30 Minuten (unten: Bereich 2 bis 45 Minuten). Beim SUNCT-Syndrom reicht die Dauer heute von 1 bis 600 Sekunden (unten: 5 bis 250 Sekunden). Beim primär stechenden Kopfschmerz spricht die ICHD-3 von wenigen Sekunden statt von Bruchteilen einer Sekunde. Beim schlafgebundenen Kopfschmerz genügen heute 10 Tage im Monat (unten: mehr als 15-mal im Monat), und die Attacke kann bis 4 Stunden dauern. Beim neu aufgetretenen täglichen Kopfschmerz muss der Dauerschmerz innerhalb von 24 Stunden erreicht sein (unten: spätestens 3 Tage). Für den Cluster-Kopfschmerz selbst sind die Werte unverändert.<ref name="ICHD3DDX"/>


== Primäre Kopf- und Gesichtsschmerzen ==
== Primäre Kopf- und Gesichtsschmerzen ==
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=== Primär stechender Kopfschmerz ===
=== Primär stechender Kopfschmerz ===
* Schmerzdauer: Stiche, Bruchteile von Sekunden
* Schmerzdauer: wenige Sekunden; in Studien hielten 80 Prozent der Stiche 3 Sekunden oder kürzer an, selten 10 bis 120 Sekunden<ref name="ICHD3DDX"/>
* Schmerzfrequenz: Mehrmals am Tag bis wenige Male pro Jahr
* Schmerzfrequenz: unregelmäßig, von einem Stich bis zu vielen am Tag<ref name="ICHD3DDX"/>


Der '''primär stechende Kopfschmerz''' wird in allen Altersgruppen angetroffen und ist ein wahrscheinlich häufiger vorkommender Kopfschmerz, der jedoch aufgrund des niedrigen Leidensdrucks selten beklagt wird. Andere Namen: Eispickelschmerz, Jabs-and-jolts-Syndrom, periodische Ophthalmodynie, Engl.: primary stabbing headache. Die Lokalisation der Stiche kann innerhalb der Kopfhälfte und zwischen den Kopfhälften wechseln. Wenn der Schmerz ausschließlich auf eine bestimmte Region begrenzt ist, setzt die Diagnose den Ausschluss einer strukturellen Veränderung am Orte des Schmerzes bzw. im Versorgungsgebiet des betreffenden Hirnnervens voraus. Stechende Kopfschmerzen treten häufiger bei Personen auf, die unter Migräne (etwa 40%) oder Cluster-Kopfschmerz (etwa 30%) leiden, wobei sie dann in der Regel auf der Seite auftreten, auf der auch gewöhnlich die Kopfschmerzen verspürt werden.<ref>[http://www.ihs-klassifikation.de/de/02_klassifikation/02_teil1/04.01.00_other.html IHS-ICHD-II Klassifikation 4.1 Primärer stechender Kopfschmerz]</ref>
Der '''primär stechende Kopfschmerz''' wird in allen Altersgruppen angetroffen und ist ein wahrscheinlich häufiger vorkommender Kopfschmerz, der jedoch aufgrund des niedrigen Leidensdrucks selten beklagt wird. Andere Namen: Eispickelschmerz, Jabs-and-jolts-Syndrom, periodische Ophthalmodynie, Engl.: primary stabbing headache. Die Lokalisation der Stiche kann innerhalb der Kopfhälfte und zwischen den Kopfhälften wechseln. Wenn der Schmerz ausschließlich auf eine bestimmte Region begrenzt ist, setzt die Diagnose den Ausschluss einer strukturellen Veränderung am Orte des Schmerzes bzw. im Versorgungsgebiet des betreffenden Hirnnervens voraus. Stechende Kopfschmerzen treten häufiger bei Personen auf, die unter Migräne (etwa 40%) oder Cluster-Kopfschmerz (etwa 30%) leiden, wobei sie dann in der Regel auf der Seite auftreten, auf der auch gewöhnlich die Kopfschmerzen verspürt werden.<ref>[http://www.ihs-klassifikation.de/de/02_klassifikation/02_teil1/04.01.00_other.html IHS-ICHD-II Klassifikation 4.1 Primärer stechender Kopfschmerz]</ref>
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=== SUNCT-Syndrom ===
=== SUNCT-Syndrom ===
* Schmerzdauer: 5 - 250 Sekunden  
* Schmerzdauer: 1 bis 600 Sekunden, als einzelner Stich, als Serie von Stichen oder im Sägezahnmuster<ref name="ICHD3DDX"/>
* Schmerzfrequenz: 3 bis 200-mal pro Tag  
* Schmerzfrequenz: mindestens einmal am Tag<ref name="ICHD3DDX"/>


Beim [[SUNCT-Syndrom]] ('''S'''hort-lasting '''U'''nilateral '''N'''euralgiform headache with '''C'''onjunctival injection and '''T'''earing) treten der Trigeminusneuralgie ähnliche Schmerzen auf: Einseitig lokalisierte Attacken im Augenbereich (Bereich des ersten Trigeminusastes) von stechender oder pulsierender Qualität. Im Gegensatz zur Trigeminusneuralgie treten auf der Schmerzseite fast immer eine Rötung des Auges und Tränenfluss auf. Das typische Erkrankungsalter liegt in der 4.-6. Lebensdekade, die Erkrankung kann aber in jedem Lebensalter auftreten. Das SUNCT-Syndrom ist sehr selten, in der Literatur sind bisher ca. 100 Fälle beschrieben worden.   
Beim [[SUNCT-Syndrom]] ('''S'''hort-lasting '''U'''nilateral '''N'''euralgiform headache with '''C'''onjunctival injection and '''T'''earing) treten der Trigeminusneuralgie ähnliche Schmerzen auf: Einseitig lokalisierte Attacken im Augenbereich (Bereich des ersten Trigeminusastes) von stechender oder pulsierender Qualität. Im Gegensatz zur Trigeminusneuralgie treten auf der Schmerzseite fast immer eine Rötung des Auges und Tränenfluss auf. Das typische Erkrankungsalter liegt in der 4.-6. Lebensdekade, die Erkrankung kann aber in jedem Lebensalter auftreten. Das SUNCT-Syndrom ist sehr selten.   


* [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/03.03.00_cluster.html IHS-ICHD-II 3.3 SUNCT-Syndrom],  
* [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/03.03.00_cluster.html IHS-ICHD-II 3.3 SUNCT-Syndrom],  


* Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - [http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-036.html Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]
* Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020; eine Neufassung ist angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026. - [https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-036 Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]


* {{cite journal |author=May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC |title=Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft |journal=Schmerz |volume=19 |issue=3 |pages=225–41 |year=2005 |month=June |pmid=15887001 |doi=10.1007/s00482-005-0397-8 |url=}} [http://web.archive.org/web/20151106202717/http://www.dmkg.de/dmkg/sites/default/files/therapieempfehlung%20clusterkopfschmerz.pdf DMKG: PDF-Datei]
* {{cite journal |author=May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC |title=Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft |journal=Schmerz |volume=19 |issue=3 |pages=225–41 |year=2005 |month=June |pmid=15887001 |doi=10.1007/s00482-005-0397-8 |url=}} [http://web.archive.org/web/20151106202717/http://www.dmkg.de/dmkg/sites/default/files/therapieempfehlung%20clusterkopfschmerz.pdf DMKG: PDF-Datei]
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=== Paroxysmale Hemikranie ===
=== Paroxysmale Hemikranie ===
* Schmerzdauer: Durchschnittlich 10 - 30 Minuten, Bereich 2 - 45 Minuten
* Schmerzdauer: 2 bis 30 Minuten<ref name="ICHD3DDX"/>
* Schmerzfrequenz: Durchschnittlich 10, Bereich von 5 bis 40 Attacken pro Tag  
* Schmerzfrequenz: mehr als 5 Attacken am Tag<ref name="ICHD3DDX"/>


Die [[Paroxysmale Hemikranie]] unterscheidet sich vom Cluster-Kopfschmerz durch kürzere aber wesentlich häufiger auftretende Attacken. Betroffen sind überwiegend Frauen. Alter der Patienten beim ersten Auftreten 20 - 50 Jahre. Die Schmerzcharakteristika und die Begleitsymptome sind die gleichen wie beim Cluster-Kopfschmerz. Die Wirksamkeit von Indometacin ist ein Diagnosekriterium.  
Die [[Paroxysmale Hemikranie]] unterscheidet sich vom Cluster-Kopfschmerz durch kürzere aber wesentlich häufiger auftretende Attacken. Betroffen sind überwiegend Frauen. Alter der Patienten beim ersten Auftreten 20 - 50 Jahre. Die Schmerzcharakteristika und die Begleitsymptome sind die gleichen wie beim Cluster-Kopfschmerz. Die Wirksamkeit von Indometacin ist ein Diagnosekriterium.  
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* [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/03.01.00_cluster.html IHS-ICHD-II Klassifikation 3.1 Cluster-Kopfschmerz]
* [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/03.01.00_cluster.html IHS-ICHD-II Klassifikation 3.1 Cluster-Kopfschmerz]


* Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - [http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-036.html Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]
* Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020; eine Neufassung ist angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026. - [https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-036 Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]


[[Bild:TAK Uebersicht.jpg|thumb|center|600px|<div align="center">Trigemino-Autonome Kopfschmerzerkrankungen</div>]]
[[Bild:TAK Uebersicht.jpg|thumb|center|600px|<div align="center">Trigemino-Autonome Kopfschmerzerkrankungen</div>]]
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=== Hypnic Headache ===
=== Hypnic Headache ===
* Schmerzdauer: 15 - 180 Minuten, im Mittel 60 Minuten, nur nachts
* Schmerzdauer: 15 Minuten bis 4 Stunden nach dem Aufwachen; der Kopfschmerz entsteht nur im Schlaf und weckt auf<ref name="ICHD3DDX"/>
* Schmerzfrequenz: einmal pro Nacht, mehr als 15-mal im Monat
* Schmerzfrequenz: an mindestens 10 Tagen im Monat, seit mehr als 3 Monaten<ref name="ICHD3DDX"/>


'''Hypnic Headache''', der primär schlafgebundene Kopfschmerz tritt bei Frauen doppelt so häufig auf wie bei Männern und meist bei Patientinnen ab 50 Jahren. Der leichte bis mittel starke Schmerz ist in der Regel beidseitig, aber auch einseitig mit Seitenwechsel. Bei einem Teil der Patientinnen können auch starke Schmerzen auftreten. Die Attacken treten aus dem Schlaf heraus auf. Weitere Namen:  "alarm clock" headache-syndrome oder "clockwise headache".
'''Hypnic Headache''', der primär schlafgebundene Kopfschmerz tritt bei Frauen doppelt so häufig auf wie bei Männern und meist bei Patientinnen ab 50 Jahren. Der leichte bis mittel starke Schmerz ist in der Regel beidseitig, aber auch einseitig mit Seitenwechsel. Bei einem Teil der Patientinnen können auch starke Schmerzen auftreten. Die Attacken treten aus dem Schlaf heraus auf. Weitere Namen:  "alarm clock" headache-syndrome oder "clockwise headache".
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=== Kopfschmerz vom Spannungstyp  ===
=== Kopfschmerz vom Spannungstyp  ===
* Schmerzdauer: 30 Minuten bis 7 Tage (episodisch), Stunden bis Tage (chronisch)
* Schmerzdauer: 30 Minuten bis 7 Tage (episodisch), Stunden bis Tage (chronisch)
* Schmerzfrequenz: Mehr als einmal pro Monat beim sporadisch auftretenden episodischen Kopfschmerz vom Spannungstyp. Mehr als 15 Kopfschmerztage pro Monat über mindestens 3 Monate und mindestens 180 Tage pro Jahr beim chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp.
* Schmerzfrequenz: durchschnittlich an weniger als einem Tag im Monat (weniger als 12 Tage im Jahr) beim selten auftretenden episodischen Kopfschmerz vom Spannungstyp, durchschnittlich an 1 bis 14 Tagen im Monat beim häufig auftretenden episodischen. Durchschnittlich an 15 oder mehr Tagen im Monat über mehr als 3 Monate (mindestens 180 Tage im Jahr) beim chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp.<ref name="ICHD3KST">Internationale Kopfschmerzklassifikation, 3. Auflage (ICHD-3), deutsche Fassung, am 23.09.2026 gelesen: [https://ichd-3.org/de/2-kopfschmerz-vom-spannungstyp/2-1-selten-auftretender-episodischer-kopfschmerz-vom-spannungstyp/ 2.1] „Mindestens 10 Kopfschmerzattacken, die im Durchschnitt weniger als einmal im Monat auftreten (<12 Kopfschmerztage pro Jahr)“; [https://ichd-3.org/de/2-kopfschmerz-vom-spannungstyp/2-2-haeufig-auftretender-episodischer-kopfschmerz-vom-spannungstyp/ 2.2] „durchschnittlich an 1 bis 14 Tagen/Monat für >3 Monate (≥12 und <180 Tage/Jahr)“; [https://ichd-3.org/de/2-kopfschmerz-vom-spannungstyp/2-3-chronischer-kopfschmerz-vom-spannungstyp/ 2.3] „an durchschnittlich ≥15 Tagen/Monaten über >3 Monate (≥180 Tage/Jahr)“.</ref>


Der '''Kopfschmerz vom Spannungstyp''' ist der häufigste primäre Kopfschmerz. Die Lebenszeitprävalenz in der Gesamtbevölkerung variiert in Studien zwischen 30 und 78%. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Der Schmerz ist typischerweise beiderseits lokalisiert und von drückender, beengender Qualität. Er erreicht eine leichte bis mäßige Intensität und verstärkt sich nicht durch körperliche Routineaktivitäten. Es besteht keine oder nur eine leichte begleitende Übelkeit bei der chronischen Form. Licht- oder Lärmempfindlichkeit können vorhanden sein.<ref> [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/02.00.00_tension.html IHS-ICHD-II Klassifikation 2.x Kopfschmerz vom Spannungstyp]</ref> Cluster-Kopfschmerz typische Begleiterscheinungen wie verstopfte Nase oder gerötetes Auge treten nicht auf.
Der '''Kopfschmerz vom Spannungstyp''' ist der häufigste primäre Kopfschmerz. Die Lebenszeitprävalenz in der Gesamtbevölkerung variiert in Studien zwischen 30 und 78%. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Der Schmerz ist typischerweise beiderseits lokalisiert und von drückender, beengender Qualität. Er erreicht eine leichte bis mäßige Intensität und verstärkt sich nicht durch körperliche Routineaktivitäten. Es besteht keine oder nur eine leichte begleitende Übelkeit bei der chronischen Form. Licht- oder Lärmempfindlichkeit können vorhanden sein.<ref> [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/02.00.00_tension.html IHS-ICHD-II Klassifikation 2.x Kopfschmerz vom Spannungstyp]</ref> Cluster-Kopfschmerz typische Begleiterscheinungen wie verstopfte Nase oder gerötetes Auge treten nicht auf.
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=== Hemicrania continua ===
=== Hemicrania continua ===
* Schmerzdauer: Tage bis Jahre
* Schmerzdauer: Dauerkopfschmerz seit mehr als 3 Monaten
* Schmerzfrequenz: durchgehender Kopfschmerz
* Schmerzfrequenz: durchgehender Kopfschmerz


Die '''[[Hemicrania continua]]''' ist ein anhaltender, streng einseitiger Dauerkopfschmerz, der auf [[Indometacin]] anspricht. Der Schmerz hat ständig eine mittelstarke Intensität, dazu treten zusätzlich Attacken mit sehr starken Schmerzen auf. Ähnlich dem Cluster-Kopfschmerz sind die Begleitsymptome während der Attacken.
Die '''[[Hemicrania continua]]''' ist ein anhaltender, streng einseitiger Dauerkopfschmerz, der zuverlässig auf [[Indometacin]] anspricht. Er besteht seit mehr als 3 Monaten, mit Verschlechterungen von mittlerer oder stärkerer Intensität.<ref name="ICHD3DDX"/> Ähnlich dem Cluster-Kopfschmerz sind die Begleitsymptome während der Attacken.


* [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/04.07.00_other.html IHS-ICHD-II Klassifikation 4.7 Hemicrania continua]
* [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/04.07.00_other.html IHS-ICHD-II Klassifikation 4.7 Hemicrania continua]


=== Neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz ===
=== Neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz ===
* Schmerzdauer: Tage bis Jahre
* Schmerzdauer: Dauerkopfschmerz seit mehr als 3 Monaten
* Schmerzfrequenz: durchgehender Kopfschmerz
* Schmerzfrequenz: durchgehender Kopfschmerz


Unter '''Neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz''' wird ein täglicher Kopfschmerz, der innerhalb von spätestens 3 Tagen nach dem Auftreten nicht mehr remittiert klassifiziert. Der Schmerz ist typischerweise beiderseits lokalisiert, von drückender, beengender Qualität und erreicht eine leichte bis mittlere Intensität. Eine milde Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit können vorhanden sein. Frauen sind etwa zweieinhalb mal häufiger betroffen als Männer. Engl. Bezeichnung: New daily-persistent headache (NDPH).
Unter '''Neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz''' versteht man einen Kopfschmerz, dessen Beginn klar erinnert wird und der sich innerhalb von 24 Stunden zu einem Dauerschmerz ohne Pausen entwickelt; er besteht seit mehr als 3 Monaten.<ref name="ICHD3DDX"/> Der Schmerz kann Merkmale haben, die an Migräne oder an Kopfschmerz vom Spannungstyp denken lassen.<ref name="ICHD3410">[https://ichd-3.org/de/4-andere-primaere-kopfschmerzen/4-10-neu-aufgetretener-taeglicher-anhaltender-kopfschmerz-engl-new-daily-persistent-headache/ Internationale Kopfschmerzklassifikation, 3. Auflage (ICHD-3), deutsche Fassung: 4.10 Neu aufgetretener täglicher anhaltender Kopfschmerz], Kommentar, am 23.09.2026 gelesen: „Der 4.10 neu aufgetretene tägliche Kopfschmerz kann Merkmale aufweisen, die entweder an 1. Migräne oder 2. Kopfschmerz vom Spannungstyp denken lassen.“</ref> Frauen sind etwa zweieinhalb mal häufiger betroffen als Männer. Engl. Bezeichnung: New daily-persistent headache (NDPH).


* [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/04.08.00_other.html IHS-ICHD-II Klassifikation 4.8 Neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz]
* [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/04.08.00_other.html IHS-ICHD-II Klassifikation 4.8 Neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz]
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* Schmerzfrequenz: dauerhaft
* Schmerzfrequenz: dauerhaft


Bei der '''Subarachnoidalblutung''' (SAB) tritt Blut in den äußeren Liquorraum. Eine Subarachnoidalblutung ist die mit Abstand häufigste Ursache für einen extremen Kopfschmerz mit abruptem Beginn (Donnerschlagkopfschmerz). 50 % der Patienten sterben in Folge der Subarachnoidalblutung, häufig noch bevor sie das Krankenhaus erreicht haben und 50 % der Überlebenden behalten bleibende Schäden zurück. Den meisten Subarachnoidalblutungen liegt eine vorher nicht bekannte Gefäßwandaussackung ([http://de.wikipedia.org/wiki/Aneurysma Aneurysma]) zugrunde, das aufgrund einer akuten Anstrengung reißt ([http://de.wikipedia.org/wiki/Ruptur Ruptur]). Die Kopfschmerzen sind zu Beginn häufig einseitig und werden von Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinstörungen, Nackensteifigkeit und selten auch von Fieber oder Herzrhythmusstörungen begleitet. Manchmal ist der Kopfschmerz weniger stark und tritt ohne Zusatzsymptome auf. Der abrupte Beginn ist das Leitsymptom. Jeder Patient mit abrupten Kopfschmerzbeginn oder "Donnerschlagkopfschmerz" ([http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/04.06.00_other.html IHS-ICHD-II 4.6])  sollte auf eine Subarachnoidalblutung hin untersucht werden.<ref>[http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/06.02.02_vascular.html IHS-ICHD-II Klassifikation 6.2.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine subarachnoidale Blutung]</ref>
Bei der '''Subarachnoidalblutung''' (SAB) tritt Blut in den äußeren Liquorraum. Eine Subarachnoidalblutung ist eine der häufigsten Ursachen für einen anhaltenden, extremen Kopfschmerz mit abruptem Beginn (Donnerschlagkopfschmerz). 40 bis 50 % der Patienten sterben an der Subarachnoidalblutung, 10 bis 20 % noch bevor sie das Krankenhaus erreichen; die Hälfte der Überlebenden behält bleibende Schäden zurück.<ref name="ICHD3622">[https://ichd-3.org/6-headache-attributed-to-cranial-or-cervical-vascular-disorder/6-2-headache-attributed-to-non-traumatic-intracranial-haemorrhage/6-2-2-headache-attributed-to-non-traumatic-subarachnoid-haemorrhage-sah/ ICHD-3, 6.2.2 Headache attributed to non-traumatic subarachnoid haemorrhage (SAH)], Kommentar, am 23.09.2026 gelesen: „Non-traumatic subarachnoid haemorrhage (SAH) is one of the most common causes of persistent, intense and incapacitating headache of abrupt onset (thunderclap headache), and is a serious condition (mortality is 40-50%, with 10-20% of patients dying before arriving at hospital; 50% of survivors are left disabled).“</ref> Den meisten Subarachnoidalblutungen liegt eine vorher nicht bekannte Gefäßwandaussackung ([http://de.wikipedia.org/wiki/Aneurysma Aneurysma]) zugrunde, das aufgrund einer akuten Anstrengung reißt ([http://de.wikipedia.org/wiki/Ruptur Ruptur]). Die Kopfschmerzen sind zu Beginn häufig einseitig und werden von Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinstörungen, Nackensteifigkeit und selten auch von Fieber oder Herzrhythmusstörungen begleitet. Manchmal ist der Kopfschmerz weniger stark und tritt ohne Zusatzsymptome auf. Der abrupte Beginn ist das Leitsymptom. Jeder Patient mit abrupten Kopfschmerzbeginn oder "Donnerschlagkopfschmerz" ([http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/04.06.00_other.html IHS-ICHD-II 4.6])  sollte auf eine Subarachnoidalblutung hin untersucht werden.<ref>[http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/06.02.02_vascular.html IHS-ICHD-II Klassifikation 6.2.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine subarachnoidale Blutung]</ref>


*[http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/06.02.02_vascular.html IHS-ICHD-II Klassifikation 6.2.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine subarachnoidale Blutung]
*[http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/06.02.02_vascular.html IHS-ICHD-II Klassifikation 6.2.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine subarachnoidale Blutung]

Version vom 24. September 2026, 09:02 Uhr

Auf einen Blick
  • Was Differentialdiagnose heißt: Gemeint ist der Vergleich mit anderen Krankheiten, die ähnliche Symptome machen. Die Seite stellt Kopf- und Gesichtsschmerzen nebeneinander, geordnet nach der Dauer des Schmerzes.
  • Die Dauer einer Attacke unterscheidet: Nach der Internationalen Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3) dauert eine Cluster-Attacke unbehandelt 15 bis 180 Minuten, eine Attacke der paroxysmalen Hemikranie 2 bis 30 Minuten. Beim SUNCT-Syndrom sind es 1 bis 600 Sekunden (Tabelle).
  • Indometacin als Erkennungszeichen: Bei der paroxysmalen Hemikranie verhindert der Wirkstoff Indometacin die Attacken vollständig; die Wirksamkeit ist ein Diagnosekriterium. Auch die Hemicrania continua, ein streng einseitiger Dauerkopfschmerz, spricht zuverlässig auf Indometacin an.
  • Primär oder sekundär: Bei primären Kopfschmerzen ist der Schmerz selbst die Erkrankung, bei sekundären ist er die Folge einer anderen Erkrankung. Manche davon sind gefährlich: Beim akuten Glaukomanfall (Grüner Star) droht unbehandelt innerhalb kurzer Zeit eine Erblindung, bei der Riesenzellarteriitis, einer Entzündung der Schläfenarterien, besteht unbehandelt ein Risiko von 20 Prozent zu erblinden (sekundäre Kopfschmerzen).
  • Donnerschlagkopfschmerz untersuchen lassen: Eine Subarachnoidalblutung, eine Blutung in den äußeren Liquorraum (Raum mit Nervenwasser), ist eine der häufigsten Ursachen für einen anhaltenden, extremen Kopfschmerz mit abruptem Beginn („Donnerschlagkopfschmerz“); 40 bis 50 Prozent der Patienten sterben daran. Wer einen solchen Kopfschmerz hat, sollte darauf untersucht werden (Subarachnoidalblutung).
Zuletzt gegen die Quellen geprüft: 24. September 2026 · Wie wir prüfen

Die Differentialdiagnose ist der Vergleich mit anderen Krankheiten mit ähnlichen Symptomen. Nachfolgend einige Kopf- und Gesichtsschmerzerkrankungen, in der Reihenfolge der Schmerzdauer.[1]

Die Werte nach der aktuellen Klassifikation

Die Tabelle gibt die Werte der Internationalen Kopfschmerzklassifikation ICHD-3 (2018) wieder.[2]

Erkrankung Nummer in der ICHD-3 (früher ICHD-II) Dauer einer Attacke nach ICHD-3 Häufigkeit nach ICHD-3 Kennzeichen nach ICHD-3
Cluster-Kopfschmerz 3.1 (3.1) 15 bis 180 Minuten, unbehandelt von einer Attacke jeden zweiten Tag bis 8 am Tag einseitig um Auge oder Schläfe; Begleitzeichen auf derselben Seite oder körperliche Unruhe
Paroxysmale Hemikranie 3.2 (3.2) 2 bis 30 Minuten mehr als 5 am Tag Indometacin verhindert die Attacken vollständig
SUNCT und SUNA 3.3 mit 3.3.1 und 3.3.2 (SUNCT: 3.3) 1 bis 600 Sekunden, als einzelner Stich, als Serie von Stichen oder im Sägezahnmuster mindestens einmal am Tag (englische Originalfassung; die deutsche Übersetzung schreibt „mehr als 1 pro Tag“) mindestens ein Begleitzeichen an Auge, Nase oder Gesicht auf derselben Seite
Hemicrania continua 3.4 (4.7) Dauerkopfschmerz seit mehr als 3 Monaten, mit stärkeren Phasen – spricht zuverlässig auf Indometacin an
Primär stechender Kopfschmerz 4.7 (4.1) wenige Sekunden; in Studien 80 Prozent der Stiche 3 Sekunden oder kürzer, selten 10 bis 120 Sekunden unregelmäßig, ein Stich bis viele am Tag keine Begleitzeichen an Auge oder Nase
Schlafgebundener Kopfschmerz (Hypnic Headache) 4.9 (4.5) 15 Minuten bis 4 Stunden nach dem Aufwachen an mindestens 10 Tagen im Monat, seit mehr als 3 Monaten entsteht nur im Schlaf und weckt auf; keine Begleitzeichen und keine Unruhe
Neu aufgetretener täglicher anhaltender Kopfschmerz 4.10 (4.8) Dauerkopfschmerz seit mehr als 3 Monaten täglich klar erinnerter Beginn; innerhalb von 24 Stunden dauerhaft

Primäre Kopf- und Gesichtsschmerzen

Bei primären Kopf- und Gesichtsschmerzen ist der Schmerz die Erkrankung. Der Schmerz ist nicht die Folge einer anderen Erkrankung. Früher auch verwendete Begriffe: Benigner (gutartiger) Kopfschmerz und idiopathischer Kopfschmerz.

Primär stechender Kopfschmerz

  • Schmerzdauer: wenige Sekunden; in Studien hielten 80 Prozent der Stiche 3 Sekunden oder kürzer an, selten 10 bis 120 Sekunden[2]
  • Schmerzfrequenz: unregelmäßig, von einem Stich bis zu vielen am Tag[2]

Der primär stechende Kopfschmerz wird in allen Altersgruppen angetroffen und ist ein wahrscheinlich häufiger vorkommender Kopfschmerz, der jedoch aufgrund des niedrigen Leidensdrucks selten beklagt wird. Andere Namen: Eispickelschmerz, Jabs-and-jolts-Syndrom, periodische Ophthalmodynie, Engl.: primary stabbing headache. Die Lokalisation der Stiche kann innerhalb der Kopfhälfte und zwischen den Kopfhälften wechseln. Wenn der Schmerz ausschließlich auf eine bestimmte Region begrenzt ist, setzt die Diagnose den Ausschluss einer strukturellen Veränderung am Orte des Schmerzes bzw. im Versorgungsgebiet des betreffenden Hirnnervens voraus. Stechende Kopfschmerzen treten häufiger bei Personen auf, die unter Migräne (etwa 40%) oder Cluster-Kopfschmerz (etwa 30%) leiden, wobei sie dann in der Regel auf der Seite auftreten, auf der auch gewöhnlich die Kopfschmerzen verspürt werden.[3]

SUNCT-Syndrom

  • Schmerzdauer: 1 bis 600 Sekunden, als einzelner Stich, als Serie von Stichen oder im Sägezahnmuster[2]
  • Schmerzfrequenz: mindestens einmal am Tag[2]

Beim SUNCT-Syndrom (Short-lasting Unilateral Neuralgiform headache with Conjunctival injection and Tearing) treten der Trigeminusneuralgie ähnliche Schmerzen auf: Einseitig lokalisierte Attacken im Augenbereich (Bereich des ersten Trigeminusastes) von stechender oder pulsierender Qualität. Im Gegensatz zur Trigeminusneuralgie treten auf der Schmerzseite fast immer eine Rötung des Auges und Tränenfluss auf. Das typische Erkrankungsalter liegt in der 4.-6. Lebensdekade, die Erkrankung kann aber in jedem Lebensalter auftreten. Das SUNCT-Syndrom ist sehr selten.

  • Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020; eine Neufassung ist angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026. - Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC (June 2005). "Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft". Schmerz 19 (3): 225–41. doi:10.1007/s00482-005-0397-8. PMID 15887001.  DMKG: PDF-Datei

Paroxysmale Hemikranie

  • Schmerzdauer: 2 bis 30 Minuten[2]
  • Schmerzfrequenz: mehr als 5 Attacken am Tag[2]

Die Paroxysmale Hemikranie unterscheidet sich vom Cluster-Kopfschmerz durch kürzere aber wesentlich häufiger auftretende Attacken. Betroffen sind überwiegend Frauen. Alter der Patienten beim ersten Auftreten 20 - 50 Jahre. Die Schmerzcharakteristika und die Begleitsymptome sind die gleichen wie beim Cluster-Kopfschmerz. Die Wirksamkeit von Indometacin ist ein Diagnosekriterium.

Cluster-Kopfschmerz

  • Schmerzdauer: 15 - 180 Minuten, durchschnittlich 45 - 60 Minuten
  • Schmerzfrequenz: 1-16 Attacken in 48 Stunden

Beschreibung siehe Cluster-Kopfschmerz Symptome.

  • Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020; eine Neufassung ist angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026. - Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
Trigemino-Autonome Kopfschmerzerkrankungen

Cluster-Tic-Syndrom

Cluster-Tic-Syndrom ist die Bezeichnung für Cluster-Kopfschmerz mit gleichzeitig vorhandener Trigeminusneuralgie. Es sind einige Patienten beschrieben worden, die sowohl Cluster-Kopfschmerz als auch eine Trigeminusneuralgie aufwiesen. Diese Patienten sollten beide Diagnosen erhalten. Die Wichtigkeit dieser Beobachtung liegt darin, dass beide Erkrankungen separat behandelt werden müssen, um Schmerzfreiheit zu erreichen.[4]

Cluster-Migräne

Die Cluster-Migräne ist eine nicht definierte Wortschöpfung. Bei Patienten, die sowohl an Cluster-Kopfschmerz als auch an Migräne leiden müssen beide Erkrankungen separat behandelt werden.

Hypnic Headache

  • Schmerzdauer: 15 Minuten bis 4 Stunden nach dem Aufwachen; der Kopfschmerz entsteht nur im Schlaf und weckt auf[2]
  • Schmerzfrequenz: an mindestens 10 Tagen im Monat, seit mehr als 3 Monaten[2]

Hypnic Headache, der primär schlafgebundene Kopfschmerz tritt bei Frauen doppelt so häufig auf wie bei Männern und meist bei Patientinnen ab 50 Jahren. Der leichte bis mittel starke Schmerz ist in der Regel beidseitig, aber auch einseitig mit Seitenwechsel. Bei einem Teil der Patientinnen können auch starke Schmerzen auftreten. Die Attacken treten aus dem Schlaf heraus auf. Weitere Namen: "alarm clock" headache-syndrome oder "clockwise headache".

  • Holle D, Naegel S, Krebs S, Katsarava Z, Diener HC, Gaul C, Obermann M (December 2010). "Clinical characteristics and therapeutic options in hypnic headache". Cephalalgia 30 (12): 1435–42. doi:10.1177/0333102410375727. PMID 20974580. 
  • Evers S, Goadsby PJ.: Hypnic Headache. Practical Neurology. 2005; 5; 144-149. DOI

Kopfschmerz vom Spannungstyp

  • Schmerzdauer: 30 Minuten bis 7 Tage (episodisch), Stunden bis Tage (chronisch)
  • Schmerzfrequenz: durchschnittlich an weniger als einem Tag im Monat (weniger als 12 Tage im Jahr) beim selten auftretenden episodischen Kopfschmerz vom Spannungstyp, durchschnittlich an 1 bis 14 Tagen im Monat beim häufig auftretenden episodischen. Durchschnittlich an 15 oder mehr Tagen im Monat über mehr als 3 Monate (mindestens 180 Tage im Jahr) beim chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp.[5]

Der Kopfschmerz vom Spannungstyp ist der häufigste primäre Kopfschmerz. Die Lebenszeitprävalenz in der Gesamtbevölkerung variiert in Studien zwischen 30 und 78%. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Der Schmerz ist typischerweise beiderseits lokalisiert und von drückender, beengender Qualität. Er erreicht eine leichte bis mäßige Intensität und verstärkt sich nicht durch körperliche Routineaktivitäten. Es besteht keine oder nur eine leichte begleitende Übelkeit bei der chronischen Form. Licht- oder Lärmempfindlichkeit können vorhanden sein.[6] Cluster-Kopfschmerz typische Begleiterscheinungen wie verstopfte Nase oder gerötetes Auge treten nicht auf.

Migräne

  • Schmerzdauer: 4 bis 72 Stunden, bei Sonderformen auch länger
  • Schmerzfrequenz: Bis zu mehrmals pro Woche

Die Migräne ist mit einer Prävalenz von 12-15 % in der weiblichen und 6-8 % in der männlichen Bevölkerung eine der häufigsten Erkrankungen. Mit 5-7 % sind auch Kinder relativ häufig betroffen[1]. Der Schmerz ist mittel bis stark und überwiegend einseitig. Begleiterscheinungen sind Wahrnehmungsstörungen (Aura), Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Frauen sind im Verhältnis 2:1 häufiger betroffen als Männer. Die Migräne kann bereits im Kindesalter auftreten, der Schwerpunkt des ersten Auftretens liegt im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Während der Attacke sucht der Patient nach Ruhe, Dunkelheit und Schlaf.

Hemicrania continua

  • Schmerzdauer: Dauerkopfschmerz seit mehr als 3 Monaten
  • Schmerzfrequenz: durchgehender Kopfschmerz

Die Hemicrania continua ist ein anhaltender, streng einseitiger Dauerkopfschmerz, der zuverlässig auf Indometacin anspricht. Er besteht seit mehr als 3 Monaten, mit Verschlechterungen von mittlerer oder stärkerer Intensität.[2] Ähnlich dem Cluster-Kopfschmerz sind die Begleitsymptome während der Attacken.

Neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz

  • Schmerzdauer: Dauerkopfschmerz seit mehr als 3 Monaten
  • Schmerzfrequenz: durchgehender Kopfschmerz

Unter Neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz versteht man einen Kopfschmerz, dessen Beginn klar erinnert wird und der sich innerhalb von 24 Stunden zu einem Dauerschmerz ohne Pausen entwickelt; er besteht seit mehr als 3 Monaten.[2] Der Schmerz kann Merkmale haben, die an Migräne oder an Kopfschmerz vom Spannungstyp denken lassen.[7] Frauen sind etwa zweieinhalb mal häufiger betroffen als Männer. Engl. Bezeichnung: New daily-persistent headache (NDPH).


Sekundäre Kopf- und Gesichtsschmerzen

Bei sekundären (symptomatischen) Kopf- und Gesichtsschmerzen ist der Schmerz ein Symptom als Folge einer anderen Erkrankung.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz

  • Schmerzdauer: dauerhaft, Monate bis Jahre
  • Schmerzfrequenz: dauerhaft

Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch entsteht in der Regel durch eine zu häufige oder falsche Einnahme von Medikamenten. Menschen mit Migräne oder einer genetischen Veranlagung dazu sind vermutlich stärker gefährdet als andere Patienten.

Trigeminusneuralgie

  • Schmerzdauer: Bruchteile einer Sekunde bis zu 2 Minuten
  • Schmerzfrequenz: Bis zu 100-mal pro Tag

Bei der klassischen Trigeminusneuralgie (Tic douloureux) handelt es sich um schlagartig einsetzende, streng einseitige, heftigste Schmerzen im Ausbreitungsbereich des Trigeminusnervs. Der Schmerz wird gewöhnlich durch Reize wie Waschen, Rasieren, Rauchen, Sprechen oder Zähneputzen ausgelöst, kann aber auch häufig spontan auftreten. Im Gegensatz zum Cluster-Kopfschmerz hält sich die Schmerzausstrahlung streng an die Versorgungsgebiete der drei Trigeminusäste. Das typische Erkrankungsalter liegt in der 5.-7. Lebensdekade. Insbesondere die symptomatische Trigeminusneuralgie kann aber auch im frühen Erwachsenenalter auftreten. Die symptomatische Trigeminusneuralgie unterscheidet sich im Schmerz nicht von der klassischen Trigeminusneuralgie, sie wird aber durch eine andere nachweisbare strukturelle Schädigung (Läsion) als durch eine Gefäßkompression hervorgerufen[1]. In der IHS-ICHD-II Klassifikation werden Neuralgien im Teil 3 beschrieben.

Schmerzen, die durch Schädigung des Trigeminusnerven auftreten, z.B. nach Operationen an den Zähnen oder den Nasennebenhöhlen, nach Verletzungen (z.B. Mittelgesichtsfrakturen oder bei entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparats oder der Nebenhöhlen werden auch als Trigeminusneuropathie bezeichnet.[8]

Glossopharyngeusneuralgie

  • Schmerzdauer: wenige Sekunden bis Minuten
  • Schmerzfrequenz: mehrfach pro Tag

Die Glossopharyngeusneuralgie ist durch einen starken, vorübergehenden, stechenden Schmerz im Bereich des Ohres, des Zungengrundes, der Tonsillennische oder unterhalb des Kieferwinkels gekennzeichnet. Der Schmerz wird also nicht nur im Versorgungsbereich des Nervus glossopharyngeus wahrgenommen. Der Schmerz wird üblicherweise ausgelöst durch Schlucken, Sprechen und Husten und kann nach Art der Trigeminusneuralgie verschwinden und wiederkehren.[9]

  • Smith, JH.; Robertson, CE.; Garza, I.; Cutrer, FM. (Feb 2013). "Triggerless neuralgic otalgia: A case series and systematic literature review.". Cephalalgia. doi:10.1177/0333102413477743. PMID 23444079. 

Rezidivierende Erosio Corneae

  • Schmerzdauer: Minuten bis Stunden
  • Schmerzfrequenz: wiederkehrend

Typischerweise tritt die Rezidivierende Erosio Corneae (sich wiederholendes Aufreißen der Hornhautoberfläche) in den frühen Morgenstunden einseitig auf. Die rezidivierende Erosio corneae ist gekennzeichnet durch ein wiederkehrendes spontanes Aufreißen des Hornhautepithels. Da dann die Nervenenden der Hornhaut freiliegen, entstehen starke Schmerzen. Das fatale an dieser Augenkrankheit ist, dass die Hornhautverletzung meistens nachts auftritt und nach wenigen Minuten oder Stunden vollständig verheilt sein kann. In diesen Fällen kann der Augenarzt sie also nur diagnostizieren, wenn er den Patienten während oder kurz nach einem Anfall untersucht. Die Symptome können leicht mit Cluster-Kopfschmerz verwechselt werden.[10]

Kopfschmerz zurückzuführen auf einen Mukosakontaktpunkt

Die Symptome entsprechen gegebenenfalls dem Cluster-Kopfschmerz, der Migräne oder dem Spannungskopfschmerz. Beschreibung siehe Kopfschmerz zurückzuführen auf einen Mukosakontaktpunkt.

Kopfschmerz zurückzuführen auf ein akutes Glaukom

  • Schmerzdauer: Stunden oder durchgehend
  • Schmerzfrequenz: dauerhaft oder wiederkehrend

Das Glaukom, auch Grüner Star genannt, ist eine der häufigsten Erkrankungen des Sehnervs. Engwinkelglaukome können zum schmerzhaften Glaukomanfall führen, bei dem unbehandelt innerhalb kurzer Zeit eine akute Erblindung droht. Der Schmerz tritt im, hinter oder oberhalb des Auges auf. Begleitsymptome sind Augenrötung, Sehstörungen und erweiterte Pupille bei aufgehobener Lichtreaktion. Der akute Glaukomanfall beruht auf einer plötzlichen Verminderung des Kammerwasserabflusses aufgrund einer Verlegung des Kammerwinkels durch die Regenbogenhaut. Dies führt zu einer drastischen Druckerhöhung bis zu mehr als dem dreifachen der Norm (60 mm Hg), mit tastbar steinhartem Augapfel. Begleitend zu der Druckerhöhung kann es zu stärksten Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen teilweise mit Herzrhythmusstörungen und Sehen von Farbringen im Gegenlicht kommen. Häufig tritt ein plötzlicher Sehverlust des betroffenen Auges ein. Meistens ist nur ein Auge betroffen. Der Anfall kann nach wenigen Stunden spontan abklingen und in Abständen wiederkehren aber auch - unerkannt - über Tage anhalten.[11]

Subarachnoidalblutung

  • Schmerzdauer: durchgehend
  • Schmerzfrequenz: dauerhaft

Bei der Subarachnoidalblutung (SAB) tritt Blut in den äußeren Liquorraum. Eine Subarachnoidalblutung ist eine der häufigsten Ursachen für einen anhaltenden, extremen Kopfschmerz mit abruptem Beginn (Donnerschlagkopfschmerz). 40 bis 50 % der Patienten sterben an der Subarachnoidalblutung, 10 bis 20 % noch bevor sie das Krankenhaus erreichen; die Hälfte der Überlebenden behält bleibende Schäden zurück.[12] Den meisten Subarachnoidalblutungen liegt eine vorher nicht bekannte Gefäßwandaussackung (Aneurysma) zugrunde, das aufgrund einer akuten Anstrengung reißt (Ruptur). Die Kopfschmerzen sind zu Beginn häufig einseitig und werden von Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinstörungen, Nackensteifigkeit und selten auch von Fieber oder Herzrhythmusstörungen begleitet. Manchmal ist der Kopfschmerz weniger stark und tritt ohne Zusatzsymptome auf. Der abrupte Beginn ist das Leitsymptom. Jeder Patient mit abrupten Kopfschmerzbeginn oder "Donnerschlagkopfschmerz" (IHS-ICHD-II 4.6) sollte auf eine Subarachnoidalblutung hin untersucht werden.[13]

Kopfschmerz zurückzuführen auf eine intrazerebrale Blutung

  • Schmerzdauer: durchgehend
  • Schmerzfrequenz: dauerhaft

Als intrazerebrale Blutung werden Blutungen bezeichnet die innerhalb des Hirngewebes gelegen sind. Intrazerebrale Blutungen treten meist plötzlich auf und machen etwa 15% aller Schlaganfälle aus. Häufigste Ursache sind die als Folge des Bluthochdrucks auftretenden Veränderungen kleiner Blutgefäße, insbesondere nach akuten körperlichen Anstrengungen. Auch wenn es sich bei Blutungen aus geplatzten Gefäßwandaussackungen üblicherweise um Subarachnoidalblutungen handelt, können auch intrazerebrale Blutungen durch Aneurysmarupturen verursacht sein. Die intrazerebrale Blutung wird begleitet von Kopfschmerzen mit geringerer Intensität als bei der Subarachnoidalblutung. Weitere Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen.

Kopfschmerz zurückzuführen auf eine bakterielle Meningitis

Kopfschmerz zurückzuführen auf eine Riesenzellarteriitis (Arteriitis cranialis)

  • Schmerzdauer: durchgehend
  • Schmerzfrequenz: dauerhaft

Die Riesenzellarteriitis ist eine Gefäßentzündung, die vor allem bei älteren Menschen ab 50 Jahren die Schläfenarterien (Arteria temporalis) befällt. Unbehandelt besteht ein Risiko von 20 Prozent zu erblinden. Daher werden bereits bei dringendem Verdacht auf die Erkrankung hochdosiert Cortisonpräparate verabreicht. Bei entsprechender Diagnostik und einem raschen Therapiebeginn mit Cortisonpräparaten ist der Erkrankungsverlauf meist gutartig, wenn auch langwierig. Andere Bezeichnungen: Arteriitis cranialis, Arteriitis temporalis (Horton), Morbus Horton und Horton-Syndrom[14]. Mehr als 70 Prozent der Patienten berichten als Erstsymptom bei der Riesenzellarteriitis über einen starken, bohrend-stechenden und in der Regel einseitigen Kopfschmerz, der häufig durch Kauen noch verstärkt wird. Typisch ist auch eine einseitige, plötzlich einsetzende Erblindung oder hochgradige Sehminderung, die bei etwa 30 % der Erkrankten auftritt. Daneben werden druckempfindliche Temporalarterien und in 12–15 % der Fälle das Herabhängen eines Augenlides (Ptosis) oder andere Augenmuskellähmungen sowie häufig Allgemeinsymptome wie Fieber, Gewichtsabnahme, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Muskelschmerzen beobachtet.[15] Die Riesenzellarteriitis kann durch eine Biopsie der Arteria temporalis nachgewiesen werden.[14]

Tolosa-Hunt-Syndrom

  • Schmerzdauer: unbehandelt im Durchschnitt 8 Wochen, häufig spontan abklingend
  • Schmerzfrequenz: dauerhaft oder wiederkehrend

Das Tolosa-Hunt-Syndrom (Orbitaspitzensyndrom, opthalmoplegia dolorosa) ist eine chronische, nicht infektionsbedingte Entzündung der Orbitaspitze (hinterer Abschluss der Augenhöhle) und des danebenliegenden Sinus Cavernosus. Die Ursache dieser Entzündung, die fast nur Erwachsene betrifft, ist unbekannt. Feingewebliche Untersuchungen zeigen unspezifisches, mehr oder weniger granulomatöses Gewebe.[16] Zur Behandlung werden Cortisonpräparate eingesetzt. Die Patienten klagen über heftige, einseitige, bohrende Schmerzen hinter dem Auge. Definitionsgemäß kommt es bei hochdosierter Cortisontherapie innerhalb von 72 Stunden zu einer dramatischen Schmerzlinderung. In schweren Fällen kann Sehverlust auf dem betroffenen Auge eintreten.

Kopfschmerz zurückzuführen auf eine Rhinosinusitis / Nebenhöhlenentzündung

Anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz

  • Schmerzdauer: Wochen bis Monate
  • Schmerzfrequenz: dauerhaft, die meiste Zeit des Tages

Anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz ist nach der Neuauflage der IHS-Klassifikation II definiert als Gesichtsschmerz, der nicht die Charakteristika einer Neuralgie besitzt und nicht durch eine andere Erkrankung bedingt ist. Der Begriff löst den des „atypischen Gesichtsschmerzes“ der ersten Auflage der Klassifikation ab. Der Schmerz ist täglich vorhanden, überwiegend kontinuierlich, einseitig und schlecht lokalisierbar. Sensibilitätsstörungen oder andere Ausfälle liegen nicht vor. Zusatzuntersuchungen inklusive Röntgendiagnostik von Gesicht und Kiefer müssen unauffällig sein. Eine Verletzung oder Operation von Gesicht, Zähnen und Kiefer kann den Schmerz ausgelöst haben, aktuell darf jedoch kein pathologischer Lokalbefund zu erheben sein.[17]

Prof. Dr. Dr. Stefan Evers: Cluster-Kopfschmerz Differentialdiagnosen

Prof. Dr. Dr. Stefan Evers: "Was ist Cluster-Kopfschmerz, was sind die Differentialdiagnosen?"

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Vortrag von Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers gehalten am UKE Hamburg 02. Mai 2015. Mit freundlicher Genehmigung von Stefan Evers. Copyright© Stefan Evers 2015.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers ist Chefarzt und Ärztlicher Direktor an der Klinik für Neurologie, Krankenhaus Lindenbrunn in Coppenbrügge. Er war viele Jahre im Präsidium der http://www.dmkg.de und hat u.a. an nationalen und internationalen Leitlinien der Neurologie mitgewirkt.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 Limmroth, Volker: Kopf- und Gesichtsschmerzen, Schattauer, Stuttgart, 2007 ISBN 3-7945-2319-9
  2. ↑ 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 Internationale Kopfschmerzklassifikation, 3. Auflage (ICHD-3), deutsche Fassung, am 23.09.2026 gelesen: 3.1, 3.2, 3.3, 3.4, 4.7, 4.9, 4.10. Im Wortlaut u. a.: 3.1 „die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“, „Die Attackenfrequenz liegt zwischen 1 jeden zweiten Tag und 8 pro Tag“; 3.2 „die 2 bis 30 Minuten anhalten“, „Die Attackenfrequenz liegt bei >5 pro Tag“, „Attacken kann durch therapeutische Dosen Indometacin komplett vorgebeugt werden“; 3.3 „die 1 bis 600 Sekunden anhalten und als Einzelstiche, Serien von Stichen oder sägezahnmusterartig auftreten“, „Die Attackenfrequenz liegt bei >1 pro Tag“ (die englische Originalfassung: „Occurring with a frequency of at least one a day“); 3.4 „Für >3 Monate vorliegend, mit Verschlechterungen von mäßiger oder stärkerer Intensität“, „Spricht zuverlässig auf therapeutische Dosen Indometacin an“; 4.7 „Die einzelnen Stiche halten nur wenige Sekunden an“, „In Studien hielten 80% der Stiche 3 oder weniger Sekunden an; in seltenen Fällen halten die Stiche 10 bis 120 Sekunden lang an“, „Keine kranio-autonomen Symptome“; 4.9 „Der Kopfschmerz entsteht ausschließlich im Schlaf und weckt den Patienten“, „Die Attacken treten seit >3 Monaten an ≥10 Tagen/Monat auf“, „Die Attacken halten 15 Minuten bis 4 Stunden nach dem Aufwachen an“, „Keine kranio-autonomen Symptome und keine Unruhe“; 4.10 „wobei der Schmerz sich innerhalb von 24 Stunden zum kontinuierlichen Dauerschmerz ohne Remissionen entwickelt“, „Besteht >3 Monate“.
  3. ↑ IHS-ICHD-II Klassifikation 4.1 Primärer stechender Kopfschmerz
  4. ↑ IHS/ICHD-II Klassifikation 3.1 Cluster-Kopfschmerz
  5. ↑ Internationale Kopfschmerzklassifikation, 3. Auflage (ICHD-3), deutsche Fassung, am 23.09.2026 gelesen: 2.1 „Mindestens 10 Kopfschmerzattacken, die im Durchschnitt weniger als einmal im Monat auftreten (<12 Kopfschmerztage pro Jahr)“; 2.2 „durchschnittlich an 1 bis 14 Tagen/Monat für >3 Monate (≥12 und <180 Tage/Jahr)“; 2.3 „an durchschnittlich ≥15 Tagen/Monaten über >3 Monate (≥180 Tage/Jahr)“.
  6. ↑ IHS-ICHD-II Klassifikation 2.x Kopfschmerz vom Spannungstyp
  7. ↑ Internationale Kopfschmerzklassifikation, 3. Auflage (ICHD-3), deutsche Fassung: 4.10 Neu aufgetretener täglicher anhaltender Kopfschmerz, Kommentar, am 23.09.2026 gelesen: „Der 4.10 neu aufgetretene tägliche Kopfschmerz kann Merkmale aufweisen, die entweder an 1. Migräne oder 2. Kopfschmerz vom Spannungstyp denken lassen.“
  8. ↑ Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie: Medizinische Informationen für Patienten - Trigeminusneuralgie
  9. ↑ IHS-ICHD-II Klassifikation 13.2.1 Klassische Glossopharyngeusneuralgie
  10. ↑ Horton BT.: Histaminic cephalgia. J Lancet. 1952; 72(2): 92-8. PMID 14908316
  11. ↑ Wikipedia: Glaukom
  12. ↑ ICHD-3, 6.2.2 Headache attributed to non-traumatic subarachnoid haemorrhage (SAH), Kommentar, am 23.09.2026 gelesen: „Non-traumatic subarachnoid haemorrhage (SAH) is one of the most common causes of persistent, intense and incapacitating headache of abrupt onset (thunderclap headache), and is a serious condition (mortality is 40-50%, with 10-20% of patients dying before arriving at hospital; 50% of survivors are left disabled).“
  13. ↑ IHS-ICHD-II Klassifikation 6.2.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine subarachnoidale Blutung
  14. ↑ 14,0 14,1 IHS-ICHD-II Klassifikation 6.4.1 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine Riesenzellarteriitis
  15. ↑ Wikipedia: Arteriitis cranialis
  16. ↑ Wikipedia: Tolosa-Hunt-Syndrom
  17. ↑ Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz


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