Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch

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Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch entsteht in der Regel durch eine zu häufige oder falsche Einnahme von Medikamenten. Menschen mit Migräne oder einer genetischen Veranlagung dazu sind vermutlich stärker gefährdet als andere PatientInnen.[1]

Andere Bezeichnungen: "Rebound"-Kopfschmerz, medikamenteninduzierter Kopfschmerz, Kopfschmerz bei Medikamentenmissbrauch.

Die Anwendung von Triptanen bei Cluster-Kopfschmerz ist sicher, es tritt auch nach häufigem Gebrauch kein Gewöhnungseffekt und kein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch auf.[2] Insbesondere bei Cluster-Kopfschmerzpatienten mit einer persönlichen Migräne oder mit Migräne in der Familie kann aber ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch auftreten.[1]

Die „Sumatriptan Cluster Headache Long-term Study Group” berichtete 1995 über die gute Wirkung von Sumatriptan 6 mg s.c. zur Kupierung von Cluster-Kopfschmerzattacken. Dabei wurde als „Unerwünschtes Ereignis“ bei 13 (9%) von 138 Patienten Kopfschmerz genannt, die Autoren hielten 4% davon für „drug related“, also dem Sumatriptan zuzuschreiben.[3]

Göbel et al. berichteten 1998 über die Ergebnisse einer Langzeitstudie mit Sumatriptan 6 mg s.c., dabei trat als unerwünschtes Ereignis bei 6 (18,8%) von 32 Patienten Kopfschmerz auf. Bei 7 (21,9%) der Patienten trat eine Attackenhäufung auf. Zitat: „Drei Patienten brachen die Studie aufgrund von UE (Unerwünschten Ereignissen) vorzeitig ab. Zwei Patienten gaben dabei einen Frequenzanstieg der Clusterattacken als Grund des Studienabbruchs an. Ein weiterer Patient nannte einen über 48 h anhaltenden Dauerkopfschmerz nach Sumatriptaninjektion als Grund für den Studienabbruch.“[4]

Paemeleire et al. berichteten 2006,[1] dass bei siebzehn (4%) von insgesamt 430 Cluster-KopfschmerzpatientInnen der Uniklinik Münster und des Londoner National Hospital for Neurology and Neurosurgery ein zumeist beidseitiger und nur bei drei Patienten einseitiger chronischer täglicher Kopfschmerz, verursacht durch Medikamentenübergebrauch, festgestellt worden sei. Dies bei drei Frauen und bei vierzehn Männern, bei elf der Patienten in London und bei sechs der Patienten in Münster. Sieben dieser PatientInnen hatten episodischen und zehn hatten chronischen Cluster-Kopfschmerz nach der Definition der IHS-ICHD-II.[5]

Der vermutete "gemeinsame Nenner" bei fünfzehn dieser PatientInnen sei eine persönliche Migräne (5 von 17) und/oder Migräne in der Familie (11 von 17). Bei acht dieser elf PatientInnen lag eine Migräne bei den Eltern oder bei den Geschwistern vor. Bei den anderen drei Patienten: Migräne beim Bruder des Vaters, beim Bruder der Mutter oder bei der Großmutter mütterlicherseits jeweils einmal. Ein weiterer der 17 Patienten berichtete über unspezifische Kopfschmerzen bei seiner Mutter, ein weiterer über unspezifische Kopfschmerzen bei beiden Eltern. Die Autoren vermuten, dass auch diese elterlichen Kopfschmerzen Migräne gewesen sein könnten.

Nach einem älteren Bericht über eine größere Cluster-Kopfschmerz Patientengruppe hätten 26 % der Cluster-KopfschmerzpatientInnen dieser Patientengruppe Migräne und 33% Migräne in der Familie gehabt.[6]

Ein Medikamentenentzug sei bei dreizehn der siebzehn Patienten durchgeführt worden und war bei diesen dreizehn Patienten erfolgreich. Die von den Patienten hauptsächlich verwendeten Medikamente wurden wie folgt angegeben (Mehrfachverwendungen): einfache Schmerzmittel von 9, Opiate von 10, Ergotamin von 3 und Triptane von 14 Patienten. Eine detaillierte Übersicht der verwendeten Medikamente ist hier zu finden: Neurology® Data Supplement (Englisch).

Elf der siebzehn PatientInnen verwendeten mehrere Medikamente, so dass bei diesen ein singuläres Medikament als Ursache für den Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch nicht diagnostiziert werden konnte. Bei zwei Patienten wurde Sumatriptan als Ursache diagnostiziert, bei vier weiteren vermutet. Bei jeweils einem der Patienten wurde der Übergebrauch von Rizatriptan, von Ergotamin und von Codein als Ursache diagnostiziert.

Mehr als die Hälfte dieser siebzehn Patienten hätten keine effektive vorbeugende Therapie gegen ihren Cluster-Kopfschmerz, vier Patienten überhaupt keine vorbeugende Medikation.

Zur Vermeidung von Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch empfehlen die Autoren besondere Vorsicht bei Cluster-Kopfschmerzpatienten mit Migräne und/oder Migräne in der Familie sowie eine adäquate vorbeugende Medikation und die Verwendung von Sauerstoff oder subkutanem Sumatriptan zur Attackenkupierung. Abgeraten wird von der Einnahme von Opiaten, Schmerzmitteln als Kombinationspräparaten und oralen Triptanen, insbesondere bei Cluster-KopfschmerzpatientInnen mit persönlicher Migräne oder einer Migräne in der Familie.

Die nahe liegenden Fragen, wie viele der anderen dieser insgesamt 430 Cluster-KopfschmerzpatientInnen in London und in Münster auch eine persönliche Migräne und/oder Migräne in der Familie haben und welche Medikamente in welcher Dosierung diese Patienten nehmen, wurden von Paemeleire et al. leider nicht behandelt.

Externe Links

Literatur

  • Tassorelli C, Jensen R, Allena M, De Icco R, Sances G, Katsarava Z, Lainez M, Leston J, Fadic R, Spadafora S, Pagani M, Nappi G (February 2014). "A consensus protocol for the management of medication-overuse headache: Evaluation in a multicentric, multinational study". Cephalalgia. doi:10.1177/0333102414521508. PMID 24558185. 
  • Chanraud S, Di Scala G, Dilharreguy B, Schoenen J, Allard M, Radat F (January 2014). "Brain functional connectivity and morphology changes in medication-overuse headache: Clue for dependence-related processes?". Cephalalgia. doi:10.1177/0333102413519514. PMID 24449748. 
  • Lipton, RB.; Serrano, D.; Nicholson, RA.; Buse, DC.; Runken, MC.; Reed, ML. (Aug 2013). "Impact of NSAID and Triptan Use on Developing Chronic Migraine: Results From the American Migraine Prevalence and Prevention (AMPP) Study.". Headache. doi:10.1111/head.12201. PMID 23992516. 
  • Lewis M.: Recognition and treatment of medication overuse headache. Prescriber. Volume 24, Issue 8, pages 39–43, 19 April 2013. - Free full text
  • Paemeleire K, Evers S, Goadsby PJ.: Medication-overuse headache in patients with cluster headache. Curr Pain Headache Rep. 2008 Apr; 12(2): 122-127. DOI.
  • Rabe, K.; Pageler, L.; Gaul, C.; Lampl, C.; Kraya, T.; Foerderreuther, S.; Diener, HC.; Katsarava, Z. (Oct 2012). "Prednisone for the treatment of withdrawal headache in patients with medication overuse headache: A randomized, double-blind, placebo-controlled study.". Cephalalgia. doi:10.1177/0333102412462638. PMID 23093541. 
  • De Felice M, Ossipov MH, Wang R, Dussor G, Lai J, Meng ID, Chichorro J, Andrews JS, Rakhit S, Maddaford S, Dodick D, Porreca F (August 2010). "Triptan-induced enhancement of neuronal nitric oxide synthase in trigeminal ganglion dural afferents underlies increased responsiveness to potential migraine triggers". Brain 133 (Pt 8): 2475–88. doi:10.1093/brain/awq159. PMID 20627971. 
  • Haag G (November 2010). "Medication overuse headache--comments on the current International Headache Society classification criteria". Cephalalgia 30 (11): 1409–10; author reply 1410–1. doi:10.1177/0333102410365569. PMID 20959438.  Letter.
  • Limmroth V, Katsarava Z, Fritsche G, Przywara S, Diener HC.: Features of medication overuse headache following overuse of different acute headache drugs. Neurology. 2002 Oct 8; 59(7): 1011-4. PMID 12370454 Neurology®

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Paemeleire K, Bahra A, Evers S, Matharu M, Goadsby P. Medication-overuse headache in cluster headache patients. Neurology. 2006; 67(1): 109–113. PMID 16832088.
  2. May A, Leone M, Áfra J, Linde M, Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. European Journal of Neurology. 2006; 13: 1066–1077. PMID 16987158, PDF-Datei. DOI
  3. Ekbom K, Krabbe A, Micieli G, Prusinski A, Cole JA,Pilgrim AJ, Noronha D.: Cluster headache attacks treated for up to three months with subcutaneous sumatriptan 6mg (Sumatriptan Long-Term Study Group). Cephalalgia. 1995; 15(3): 230-6. PMID 7553814.
  4. Göbel H, Lindner V, Pfaffenrath V, Ribbat M, Heinze A, Stolze H.: Akuttherapie des episodischen und chronischen Clusterkopfschmerzes mit Sumatriptan s.c. Ergebnisse einer einjahrigen Langzeitstudie. Nervenarzt. 1998; 69(4): 320-9. PMID 9606683. Zusammenfassung
  5. IHS/ICHD-II Klassifikation 3.1 Cluster-Kopfschmerz
  6. Bahra A, May A, Goadsby PJ.: Cluster headache: a prospective clinical study in 230 patients with diagnostic implications. Neurology. 2002; 58(3): 354–361. PMID 11839832.