Cluster-Kopfschmerz und Kopfverletzungen

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Kopfschmerzen nach einem Schädel-Hirn-Trauma können eine Vielzahl von Schmerzmustern aufweisen, die primären Kopfschmerzen ähneln. Am häufigsten ähneln die Kopfschmerzen einem Kopfschmerz vom Spannungstyp. In einigen Fällen kann eine typische Migräne mit oder ohne Aura getriggert werden und auch ein clusterkopfschmerzähnliches Syndrom ist in Einzelfällen beschrieben worden.[1]

Eine umfangreiche vergleichende Untersuchung[2][3] an 120 Cluster-Kopfschmerz PatientInnen und 120 bzgl. Alter, Geschlecht etc. vergleichbaren gesunden Menschen wurde in den 90er Jahren in Italien durchgeführt. Von den 120 PatientInnen waren: 96 männlich, 24 weiblich, 103 episodisch, 6 chronisch von Anfang an und 11 chronisch nach vorherigem episodischem Cluster-Kopfschmerz.

37 von 120 der Cluster-KopfschmerzpatientInnen hatten einmal eine Kopfverletzung erlitten, 15 davon mit Bewusstlosigkeit, im Vergleich dazu 19 der 120 gesunden Menschen, davon 10 mit Bewusstlosigkeit.

In der Studie wurden eine ganze Reihe weiterer Merkmale verglichen. Signifikante Unterschiede zwischen den Gesunden und den Cluster-KopfschmerzpatientInnen gab es nur im Zusammenhang mit Zigarettenkonsum, Kopfverletzungen und einer positiven Familienanamnese für Kopfschmerzen.

Was die Forschung dazu sagt

Kopfschmerz nach einer Kopfverletzung (ICHD-3)

  • Kopfschmerzen nach einer Kopfverletzung haben laut der internationalen Klassifikation ICHD-3 keine eigenen, unverwechselbaren Merkmale; meist ähneln sie einem Kopfschmerz vom Spannungstyp oder einer Migräne. Eine Prozentzahl nennt die ICHD-3 dafür nicht.[4]
  • Als Folge der Verletzung gilt ein Kopfschmerz, wenn er innerhalb von 7 Tagen nach der Verletzung beginnt (oder nach dem Wiedererwachen aus einer Bewusstlosigkeit). Hält er länger als 3 Monate an, heißt er „anhaltend“.[4]

Haben Menschen mit Cluster-Kopfschmerz häufiger Kopfverletzungen?

  • Die italienische Fall-Kontroll-Studie von 1995 (oben beschrieben) fand einen Zusammenhang nur mit Rauchen, Kopfverletzungen und Kopfschmerzen in der Familie.[5]
  • Barloese und Kollegen (2020) befragten 400 Menschen mit Cluster-Kopfschmerz und 200 Vergleichspersonen. Eine frühere Kopfverletzung hatten 43 % der Betroffenen (gut 4 von 10) gegenüber 26 % der Vergleichspersonen (etwa jeder Vierte). Beim chronischen Cluster-Kopfschmerz waren es 53 % (gut die Hälfte), beim episodischen 37 % (gut jeder Dritte).[6]
  • Lambru und Kollegen (2010) verglichen 200 Männer mit Cluster-Kopfschmerz mit 200 Männern mit Migräne. Die Männer mit Cluster-Kopfschmerz hatten häufiger Kopfverletzungen gehabt (bereinigtes Chancenverhältnis 2,0 – grob gesagt eine doppelt so hohe Chance), waren häufiger selbst dafür verantwortlich und hatten sich ihre Verletzungen häufiger bei Raufereien oder Schlägereien zugezogen. Wer selbst verantwortlich war, trank, rauchte und nahm Kaffee häufiger in großen Mengen zu sich als andere Betroffene. Die Forschenden vermuten deshalb einen Zusammenhang mit dem Lebensstil.[7]
  • Was bedeutet der Zusammenhang? Lambru und Matharu (2012) nennen drei mögliche Erklärungen: Die Kopfverletzung verursacht den Cluster-Kopfschmerz direkt; sie erhöht das Risiko, später daran zu erkranken; oder sie ist eine Folge von Eigenschaften, die mit dem Cluster-Kopfschmerz einhergehen. Welche stimmt, ist offen – es gebe nur wenige methodisch belastbare Studien.[8]

Cluster-Kopfschmerz, der direkt nach einer Kopfverletzung beginnt

  • Grangeon und Kollegen (2020) beschrieben 26 Menschen, bei denen Kopfschmerzen mit den Merkmalen eines Cluster-Kopfschmerzes innerhalb von 7 Tagen nach einer Kopfverletzung begonnen hatten, und verglichen sie mit 553 Menschen mit „gewöhnlichem“ Cluster-Kopfschmerz ohne Verletzung. Die Gruppe nach Verletzung hatte häufiger Cluster-Kopfschmerz in der Familie, häufiger den chronischen Verlauf, häufiger Schmerzen am Scheitel oder an der Schläfe und ausgeprägtere Begleitzeichen (etwa eine enge Pupille oder ein geschwollenes Lid). Sie sprach deutlich seltener auf Akut- und Vorbeugemittel an und hatte häufiger zusätzlich eine chronische Migräne. Die Forschenden sehen darin ein eigenes Krankheitsbild.[9]
  • Ein Fallbericht (Lambru und Kollegen, 2009) beschreibt einen episodischen Cluster-Kopfschmerz, der kurz nach einer leichten Kopfverletzung auf derselben Seite begann und gut auf eine niedrige Dosis Verapamil ansprach.[10]

Was heißt das?

  • Wer nach einer Kopfverletzung neue oder veränderte Kopfschmerzen bekommt, sollte das ärztlich abklären lassen. Auf andere mögliche Ursachen geht die Seite Symptomatischer Cluster-Kopfschmerz ein.
  • Die Studien zeigen einen Zusammenhang, beweisen aber keine Ursache (siehe die drei Erklärungen oben).[8]

Literatur

  • Italian Cooperative Study Group on the Epidemiology of Cluster Headache (ICECH): Case-control study on the epidemiology of cluster headache. I: Etiological factors and associated conditions. Italian Cooperative Study Group on the Epidemiology of Cluster Headache (ICECH). Neuroepidemiology. 1995; 14(3): 123-7. PMID 7777126, DOI
  • Italian Cooperative Study Group on the Epidemiology of Cluster Headache (ICECH): Case-control study on the epidemiology of cluster headache. II: Anthropometric data and personality profile. Funct Neurol. 2000 Oct-Dec; 15(4): 215-23. PMID 11213525
  • Furlow, B. (Jan/Febr 2013). "Computed tomography imaging of traumatic brain injury.". Radiol Technol 84 (3): 273CT-290CT. PMID 23322873.  URL
  • Manzoni GC, Lambru G, Torelli P.: Head trauma and cluster headache. Curr Pain Headache Rep. 2006 Apr; 10(2): 130-6. Review. PMID 16539866, DOI.
  • Carter, DM. (Apr 2004). "Cluster headache mimics.". Curr Pain Headache Rep 8 (2): 133-9. PMID 14980148. 
  • Turkewitz, LJ.; Wirth, O.; Dawson, GA.; Casaly, JS. (Nov 1992). "Cluster headache following head injury: a case report and review of the literature.". Headache 32 (10): 504-6. PMID 1468909. 
  • Reik, L. (Oct 1987). "Cluster headache after head injury.". Headache 27 (9): 509-10. PMID 3692835. 

Externe Links

Einzelnachweise

  1. ↑ International Headache Society - Die Internationale Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen: 5. KOPFSCHMERZ ZURÜCKZUFÜHREN AUF EIN KOPF- UND/ODER HWS-TRAUMA
  2. ↑ Italian Cooperative Study Group on the Epidemiology of Cluster Headache (ICECH): Case-control study on the epidemiology of cluster headache. I: Etiological factors and associated conditions. Italian Cooperative Study Group on the Epidemiology of Cluster Headache (ICECH). Neuroepidemiology. 1995; 14(3): 123-7. PMID 7777126, DOI
  3. ↑ Italian Cooperative Study Group on the Epidemiology of Cluster Headache (ICECH): Case-control study on the epidemiology of cluster headache. II: Anthropometric data and personality profile. Funct Neurol. 2000 Oct-Dec; 15(4): 215-23. PMID 11213525
  4. ↑ 4,0 4,1 ICHD-3 (deutsche Fassung), Kapitel 5: Kopfschmerz zurückzuführen auf eine Verletzung oder ein Trauma des Kopfes und/oder der HWS, Einleitung, und 5.2 Anhaltender Kopfschmerz zurückzuführen auf eine traumatische Verletzung des Kopfes. Im Wortlaut: „Es gibt keine spezifischen Kopfschmerzmerkmale, durch die sich die Typen des 5. Kopfschmerzes zurückzuführen auf ein Trauma oder eine Verletzung des Kopfes und/oder der HWS von anderen Kopfschmerzerkrankungen unterscheiden; meist ähneln diese einem 2. Kopfschmerz vom Spannungstyp oder einer 1. Migräne.“; Beginn „innerhalb von 7 Tagen“; 5.2: „Kopfschmerz von mehr als 3 Monaten Dauer infolge einer traumatischen Kopfverletzung“. Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.
  5. ↑ Italian Cooperative Study Group on the Epidemiology of Cluster Headache (ICECH): Case-control study on the epidemiology of cluster headache. I: Etiological factors and associated conditions. Neuroepidemiology 1995; 14(3): 123–127, PMID 7777126, doi:10.1159/000109787. Im Wortlaut der Zusammenfassung: „CH was associated only with cigarette smoking, head trauma and a positive family history for headache.“ Die Zahlen oben (37 von 120 gegenüber 19 von 120) stehen nicht in der Zusammenfassung und wurden am 23.09.2026 nicht nachgeprüft. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  6. ↑ Barloese MCJ, Beske RP, Petersen AS u. a. (2020). "Episodic and Chronic Cluster Headache: Differences in Family History, Traumatic Head Injury, and Chronorisk". Headache 60 (3): 515–525. doi:10.1111/head.13730. PMID 31868233.  Im Wortlaut: „A history of THI was more common in patients than controls (173/400 (43%) vs 51/200 (26%), respectively, P < .0001) and in chronic compared to eCH (77/146 (53%) vs 96/253 (37%), respectively, P = .004).“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  7. ↑ Lambru G, Castellini P, Manzoni GC, Torelli P (2010). "Mode of occurrence of traumatic head injuries in male patients with cluster headache or migraine: Is there a connection with lifestyle?". Cephalalgia 30 (12): 1502–1508. doi:10.1177/0333102409359710. PMID 20974612.  Im Wortlaut: „Cluster headache patients (a) had traumatic head injuries more frequently than migraineurs; and (b) were more often responsible for them, perhaps due to particular behaviours related to their lifestyles.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  8. ↑ 8,0 8,1 Lambru G, Matharu M (2012). "Traumatic head injury in cluster headache: cause or effect?". Curr Pain Headache Rep 16 (2): 162–169. doi:10.1007/s11916-012-0248-0. PMID 22274664.  Im Wortlaut: „three main hypotheses can be proposed to explain this association: head trauma is the direct cause of CH; head trauma is a risk factor for the future development of CH; and head trauma is a consequence of a CH trait.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  9. ↑ Grangeon L, O’Connor E, Chan CK u. a. (2020). "New insights in post-traumatic headache with cluster headache phenotype: a cohort study". J Neurol Neurosurg Psychiatry 91 (6): 572–579. doi:10.1136/jnnp-2019-322725. PMID 32381638.  Frei lesbar (PMC7279192). Im Wortlaut: „Patients with PTH-CH are more likely to suffer from the chronic variant, have marked autonomic features, be intractable to treatment and have associated chronic migraine compared with primary CH.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  10. ↑ Lambru G, Castellini P, Manzoni GC, Torelli P (2009). "Post-traumatic cluster headache: from the periphery to the central nervous system?". Headache 49 (7): 1059–1061. doi:10.1111/j.1526-4610.2009.01456.x. PMID 19496832.  Fallbericht. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.


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