Triptan
Die Triptane sind neben dem Sauerstoff das Mittel der Wahl zu Akutbehandlung des Clusterkopfschmerzes. Sie wirken spezifisch bei Migräne und beim Cluster-Kopfschmerz. Das heißt, dass sie bei anderen Schmerzen unwirksam sind.
Wirkungsweise und Anwendung
Die Triptane greifen in den Stoffwechsel des Serotonins ein, welches ein zentraler Botenstoff bei der Schmerzverarbeitung ist. Aufgrund der Heftigkeit der Cluster-Attacken und der Tatsache, dass sie häufig nur 30-60 Minuten anhalten, ist es wichtig ein Medikament anzuwenden, das möglichst schnell und effektiv wirkt.
Für den Cluster-Kopfschmerz sind in Deutschland nur zwei Darreichungsformen zugelassen: Sumatriptan 6 mg als Injektion unter die Haut[1] und Zolmitriptan als Nasenspray mit 5 mg pro Sprühstoß.[2] Für den Cluster-Kopfschmerz nennt die Fachinformation zwei Dosen: 5 oder 10 mg. Wirken 5 mg nicht ausreichend, kann nach der Fachinformation eine Dosis von 10 mg bei nachfolgenden Anfällen wirksam sein – das sind dann zwei Sprühstöße und damit bereits die zulässige Tagesgesamtdosis.[3] Sumatriptan als Nasenspray ist dagegen nur zur Behandlung der Migräne zugelassen und nicht für den Cluster-Kopfschmerz.[4] Die deutsche Leitlinie formuliert es ebenso: „Für den Clusterkopfschmerz sind nur Sumatriptan in der parenteralen (s. c. Spritze) Applikationsform und Zolmitriptan-Nasenspray … zugelassen."[5] Beide zugelassenen Formen bieten den Vorteil, dass sie nicht erst den Magen-Darmtrakt passieren müssen, wodurch sie sehr viel schneller (3-20 Min.) wirken. Die anderen verfügbaren Triptane (Rizatriptan, Naratriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Almotriptan) stehen nur als Tabletten zur Verfügung. Tabletten wirken zu langsam, um eine Cluster-Attacke zuverlässig zu beenden; die Cochrane-Übersicht kommt zu dem Schluss, dass orale Darreichungsformen für die Cluster-Attacke „not appropriate" sind, und die europäische Leitlinie nennt für die Attacke die Injektion unter die Haut und das Nasenspray.[6][7] Rizatriptan und Zolmitriptan sind auch als Schmelztabletten zur sublingualen Einnahme erhältlich. Der Eintritt der Wirkung von Zolmitriptan-Schmelztabletten kann gegenüber den herkömmlichen Tabletten verzögert sein.[8] Die Zeit bis zum Erreichen der maximalen Plasmakonzentration nach der Gabe von Rizatriptan als Schmelztablette war im Vergleich zur normalen Tablette um 30-60 Minuten länger.[9]
Bei Anwendung der Nasenspray sollte beachtet werden, dass sie in das zum Schmerz kontralaterale (gegenüberliegende) Nasenloch appliziert werden müssen, weil die Substanzaufnahme bei der, im Rahmen des Clusters auftretenden gleichseitigen Nasenschleimhautschwellung, erschwert ist.
Bei vor allem nächtlichen Attacken kann eine zeitlich begrenzte Einnahme von lang wirksamen Triptanen wie Frovatriptan oder Naratriptan am Abend versucht werden. Beide Substanzen haben eine lange Halbwertzeit, so dass es manchmal gelingt, die Attacken zu unterdrücken. Für den Cluster-Kopfschmerz ist keines der beiden Mittel zugelassen, und die Beleglage ist schwach; die europäische Leitlinie führt Frovatriptan als Möglichkeit zur kurzzeitigen Vorbeugung auf.[7] Das gehört deshalb in ärztliche Hand und ist kein Selbstversuch.
Eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration hat die Zahlen aus sechs Studien zusammengefasst. Fünfzehn Minuten nach einer Injektion von 6 mg Sumatriptan unter die Haut waren 48 % der Behandelten schmerzfrei und 75 % hatten keine oder nur leichte Schmerzen; unter Placebo waren es 17 % und 32 %. Für Zolmitriptan als Nasenspray waren es in der Dosis 10 mg – in Deutschland zwei Sprühstöße à 5 mg – nach 15 Minuten 12 % schmerzfrei und 28 % mit keinen oder leichten Schmerzen gegenüber 3 % und 7 % unter Placebo. Die Injektion wirkt in den ersten Minuten also deutlich zuverlässiger als das Nasenspray.[6] Vereinzelt wird berichtet, dass die Wirkung bei der Attackenkupierung nicht immer zuverlässig ist. Triptane dürfen nicht angewendet werden, wenn bereits Erkrankungen wie: Herzinfarkt, Angina Pectoris, Schlaganfall, TIA, schlecht eingestellter Bluthochdruck, arterielle Verschlusskrankheiten oder schwere Leber- oder Niereninsuffizienzen vorliegen. Auch in der Stillzeit oder Schwangerschaft sind sie kontraindiziert.
Die Anwendung von Triptanen bei Cluster-Kopfschmerz ist sicher, es tritt auch nach häufigem Gebrauch kein Gewöhnungseffekt und kein Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch auf.[10] Insbesondere bei Cluster-Kopfschmerzpatienten mit einer persönlichen Migräne oder mit Migräne in der Familie kann ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch auftreten.[11]
Die Höchstdosis für Sumatriptan unter die Haut ist zweimal 6 mg innerhalb von 24 Stunden, mit mindestens zwei Stunden Abstand zwischen den Injektionen.[12] Wer mehr Attacken am Tag hat, braucht deshalb keine höhere Triptandosis, sondern Sauerstoff für alle Attacken – dafür gibt es keine Obergrenze – und eine wirksamere vorbeugende Behandlung oder eine Überbrückung.
In einer einjährigen Langzeitstudie überschritten einzelne Patienten diese Höchstdosis um ein Vielfaches, ohne dass Komplikationen auftraten.[13] Eine Empfehlung folgt daraus nicht: Sumatriptan verengt die Blutgefäße, und die oben genannten Gegenanzeigen gelten unverändert. Ob die Tagesdosis im Ausnahmefall überschritten werden kann – etwa bis eine vorbeugende Behandlung wirkt –, kann nur die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt im Einzelfall entscheiden.[14]
Übersicht
Derzeit werden in Deutschland folgende Triptane therapeutisch angewendet:
- Almotriptan - Almogran®, Dolortriptan® (rezeptfrei),
- Eletriptan - Relpax®
- Frovatriptan - Allegro® (D), Eumitan® (A), Menamig® (CH), Frova® (US), Tigreat®
- Naratriptan - Naramig®, Formigran® (rezeptfrei),
- Rizatriptan - Maxalt®
- Sumatriptan - Imigran®, Imitrex®, Sumatriptan Hormosan®, u. a.
- Zolmitriptan - Ascotop®, Zomig®
[Quelle]
Allgemeine Nebenwirkungen der Triptane
- Schwindel
- Übelkeit
- Müdigkeit
- Gefühlsstörungen
- Engegefühl im Rachen und Halsbereich
- Hitzewallungen
- Herzklopfen
- Blutdruckabfall
Wechselwirkungen
Gleichzeitige Anwendung anderer Serotonin-Agonisten oder von Ergotaminen können die Nebenwirkungen gefährlich verstärken. Auch die Einnahme unterschiedlicher Triptane innerhalb von 24 Stunden sollte vermieden werden, da nicht sicher gesagt werden kann, wie die Wechselwirkungen untereinander sind. Manche Medikamente zur Behandlung von Depressionen aus der Gruppe der MAO-Hemmer sowie der Arzneistoff Propranolol aus der Wirkstoffklasse der Betablocker verstärken die Wirkung von Triptanen. Johanniskraut: Risiko eines Serotonin-Syndroms. Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer: Risiko für Bluthochdruck, Verengung der Herzkranzgefäße oder Serotonin-Syndrom. Blutstiller Methylergometrin: Risiko für Bluthochdruck, Verengung der Herzkranzgefäße
Siehe auch
Externe Links
Literatur
Einzelnachweise
- ↑ Fachinformation Imigran-Inject 6 mg/0,5 ml Injektionslösung, Stand Mai 2026, Abschnitt 4.1: „Akute Behandlung von Migräneanfällen mit und ohne Aura sowie Cluster-Kopfschmerz (Horton-Syndrom)".
- ↑ Fachinformation AscoTop Nasal 5 mg/Dosis Nasenspray, Stand Juni 2023, Abschnitt 4.1: „… und bei Erwachsenen zur Akutbehandlung von Cluster-Kopfschmerz". Eine Nasenspray-Stärke mit 10 mg ist in Deutschland nicht im Handel; 10 mg werden als zwei Sprühstöße gegeben.
- ↑ Fachinformation AscoTop Nasal 5 mg/Dosis Nasenspray, Grünenthal GmbH, Stand Juni 2023, Abschnitt 4.2, Unterabschnitt „Behandlung von Cluster-Kopfschmerz": „Die empfohlene Dosis … beträgt 5 oder 10 mg. Bei Patienten, bei denen keine ausreichende Wirkung mit der 5-mg-Dosis erreicht wird, kann eine Dosis von 10 mg bei nachfolgenden Anfällen wirksam sein. … Die Tagesgesamtdosis darf 10 mg nicht überschreiten. Innerhalb von 24 Stunden sollten nicht mehr als 4 Dosen Zolmitriptan 2,5 mg oder 2 Dosen Zolmitriptan 5 mg angewendet werden." Bei fachinfo.de
- ↑ Fachinformation Imigran Nasal mite 10 mg und Imigran Nasal 20 mg, Stand August 2025, Abschnitt 4.1: „Imigran Nasal ist indiziert zur akuten Behandlung von Migräneanfällen mit oder ohne Aura".
- ↑ Leitlinie „Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen", Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Stand 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. PDF-Datei beim AWMF-Register
- ↑ 6,0 6,1 Law S, Derry S, Moore RA (2013). "Triptans for acute cluster headache". Cochrane Database Syst Rev 7: CD008042. doi:. PMID 24353996.
- ↑ 7,0 7,1 May A, Evers S, Goadsby PJ, Leone M, Manzoni GC, Pascual J, et al. (2023). "European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache". Eur J Neurol 30: 2955-2979. doi:.
- ↑ Fachinformation AscoTop® 2,5 mg/5 mg Schmelztabletten, Stand Juni 2024. Bei fachinfo.de
- ↑ Fachinformation MAXALT® lingua Schmelztabletten, Stand Juli 2018 (das früher hier verlinkte AMIS-Dokument des DIMDI ist nicht mehr abrufbar).
- ↑ May A, Leone M, Áfra J, Linde M, Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. European Journal of Neurology. 2006; 13: 1066–1077. PMID 16987158, PDF-Datei. DOI
- ↑ Paemeleire K, Bahra A, Evers S, Matharu M, Goadsby P. Medication-overuse headache in cluster headache patients. Neurology. 2006; 67(1): 109–113. PMID 16832088.
- ↑ Gelbe Liste Pharmindex: Sumatriptan – Dosierung, abgerufen am 20.09.2026
- ↑ Göbel H, Lindner V, Pfaffenrath V, Ribbat M, Heinze A, Stolze H.: Akuttherapie des episodischen und chronischen Clusterkopfschmerzes mit Sumatriptan s.c. Ergebnisse einer einjahrigen Langzeitstudie. Nervenarzt. 1998; 69(4): 320-9. PMID 9606683. Zusammenfassung
- ↑ Goebel, H.: Die Kopfschmerzen., 2. bearb. Aufl. 2004, Springer Verlag, Berlin, Seite 536, ISBN 3-540-03080-8.
Diese Seiten sind von Nichtmedizinern geschrieben und ersetzen keinen Arztbesuch. Angaben können fehlerhaft oder veraltet sein – prüfen Sie Wichtiges in den genannten Quellen nach. Bitte beachten Sie die Hinweise zu Gesundheitsthemen und zum Datenschutz sowie unsere Arbeitsweise.