Kalte Attacken

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Version vom 23. September 2026, 22:04 Uhr von Cezary (Diskussion | Beiträge) (Themenkategorie ergänzt: Grundlagen)
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Der Begriff "Kalte Attacken" wird von Betroffenen unterschiedlich interpretiert. Zum einen als "Attacken" ohne Schmerz, bei denen lediglich eines oder mehrere der bekannten typischen Begleitsymptome des Cluster-Kopfschmerzes auftreten:

  1. gerötete Bindehaut des Auges (konjunktivale Injektion)
  2. tränendes Auge (Lakrimation)
  3. ein Lidödem
  4. verengte Pupille (Miosis)
  5. ein hängendes Augenlid (Ptosis)
  6. laufende und/oder verstopfte Nase (nasale Rhinorrhoe und/oder Kongestion)
  7. Schwitzen im Bereich der Stirn oder des Gesichtes
  8. körperliche Unruhe oder Agitiertheit.

Zum anderen werden auch leichtere Cluster-Kopfschmerzattacken von Betroffenen als "Kalte Attacken" bezeichnet.

Was die Forschung dazu sagt

„Kalte Attacken“ ist ein Wort aus dem Sprachgebrauch der Betroffenen, kein Fachbegriff. Die Forschung beschreibt aber mehrere Dinge, die damit gemeint sein können.

Attacken ohne Schmerz

  • Cluster-Attacken ohne Kopfschmerz sind in der Fachliteratur mehrfach beschrieben. Haane und Kollegen (2011) stellen drei weitere Fälle vor und schlagen den Oberbegriff „trigemino-autonomer Kopfschmerz ohne Kopfschmerz“ vor: Attacken mit den autonomen Begleitzeichen (siehe die Liste oben) und/oder Schmerzen oder Missempfindungen außerhalb des Kopfes, deren Dauer, Verteilung oder Ansprechen auf Behandlung zu einem der trigemino-autonomen Kopfschmerzen (etwa dem Cluster-Kopfschmerz) passen – aber ohne den Kopfschmerz. Solche Attacken können kürzer sein als die kürzesten Cluster-Attacken. Sie können auch erst nach der Behandlung schmerzhafter Attacken auftreten.[1]
  • Lin und Dodick (2005) beschreiben Menschen mit Cluster-Kopfschmerz, bei denen die Wurzel des Trigeminusnervs durchtrennt worden war: Fünf hatten danach weiter regelmäßige Begleitzeichen, aber keinen Schmerz mehr; fünf weitere hatten weiter typische Cluster-Attacken. Die Autoren sehen darin einen Beleg für einen „Taktgeber“ im Gehirn, der die Attacken auslöst.[2] Ähnliches deutet schon der Titel eines Berichts über die Okzipitale Nervenstimulation an: Schmerzlinderung, aber fortbestehende Begleitzeichen.[3]

Leichtere oder kürzere Attacken

Die internationale Klassifikation ICHD-3 hält ausdrücklich fest: Während eines Teils der Zeit – aber weniger als der Hälfte – können die Attacken weniger schwer, kürzer oder länger sein als sonst. Das passt zur zweiten Bedeutung von „kalte Attacken“ oben.[4]

Schmerzen zwischen den Attacken

  • Marmura und Kollegen (2010) befragten 50 Menschen mit Cluster-Kopfschmerz: 24 hatten auch Schmerzen außerhalb der Attacken, 16 davon während der Episode mehr als die Hälfte der Zeit. Dieser Schmerz war meist leicht. Wer anhaltende Schmerzen zwischen den Attacken hatte, hatte eher einen chronischen Cluster-Kopfschmerz, eine Allodynie (Schmerz schon bei leichter Berührung) und sprach schlechter auf Sumatriptan an.[5]
  • Göbel und Kollegen (2021) befragten online 825 Menschen mit ärztlich gestelltem Cluster-Kopfschmerz. Sie weisen darauf hin, dass anhaltende Schmerzen zwischen den Attacken in den ICHD-3-Kriterien nicht vorkommen, und fordern, sie wegen ihrer Häufigkeit und Stärke bei der Diagnose mitzuerfassen.[6]

Vorboten und Nachwirkungen einer Attacke

  • Snoer und Kollegen (2018) ließen 57 Betroffene insgesamt 500 Attacken genau beschreiben. Etwa 20 Minuten vor 46,0 % der Attacken – also knapp der Hälfte – gab es allgemeine Vorboten, am häufigsten Konzentrationsprobleme, Unruhe und Stimmungsänderungen. Etwa 10 Minuten vorher gab es örtliche Schmerzzeichen (vor 54,6 % der Attacken) und autonome Begleitzeichen (vor 35 %). Nach der Attacke klangen Schmerz und Begleitzeichen über etwa 20 Minuten ab; danach blieben bei einem Teil der Attacken Müdigkeit (36,2 %), weniger Energie (39,0 %) und Konzentrationsprobleme (27,6 %), im Mittel (Median) für 60 Minuten.[7]
  • In einer Auswertung von Krankenakten hatten 85 % von 164 Menschen mit Cluster-Kopfschmerz Vorboten vor den Attacken.[8]

Was heißt das für Betroffene?

Siehe auch: Cluster-Kopfschmerz Symptome · Cluster-Kopfschmerz und Schlaf

Einzelnachweise

  1. ↑ Haane DY, Koehler PJ, Te Lintelo MP, Peatfield R (2011). "Trigeminal autonomic cephalalgia sine headache". J Neurol 258 (4): 586–589. doi:10.1007/s00415-010-5794-y. PMID 20976466.  Im Wortlaut: „Cluster headache without headache (CH-H) has been described several times.“; „CH-H attacks may have a shorter minimal attack duration than CH attacks.“; „Secondary TAC-H may develop after treatment for painful TAC attacks.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  2. ↑ Lin H, Dodick DW (2005). "Tearing without pain after trigeminal root section for cluster headache". Neurology 65 (10): 1650–1651. doi:10.1212/01.wnl.0000184522.12998.11. PMID 16301498.  Im Wortlaut: „Five CH patients underwent transection of the trigeminal nerve root but continued to experience periodic CAS without pain, whereas another five patients continued to experience typical cluster headaches.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  3. ↑ Schwedt TJ, Dodick DW, Trentman TL, Zimmerman RS (2006). "Occipital nerve stimulation for chronic cluster headache and hemicrania continua: pain relief and persistence of autonomic features". Cephalalgia 26 (8): 1025–1027. doi:10.1111/j.1468-2982.2006.01142.x. PMID 16886942.  Kurzbericht ohne Zusammenfassung in Europe PMC; hier nur der Titel ausgewertet. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  4. ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.1 Clusterkopfschmerz. Anmerkung: „Während eines Teils (aber weniger als der Hälfte) des Zeitverlaufes bei einem 3.1 Clusterkopfschmerz können die Attacken weniger schwer sein und/oder kürzer oder länger andauern.“ Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.
  5. ↑ Marmura MJ, Pello SJ, Young WB (2010). "Interictal pain in cluster headache". Cephalalgia 30 (12): 1531–1534. doi:10.1177/0333102410372423. PMID 20974600.  Im Wortlaut: „Twenty-four of 50 subjects reported interictal pain outside of their acute attacks. Sixteen reported persistent pain more than half the time while in cycle. Unlike acute attacks, this pain was generally mild.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  6. ↑ Göbel CH, Karstedt S, Heinze A, Koch B, Göbel H (2021). "Phenotype of Cluster Headache: Clinical Variability, Persisting Pain Between Attacks, and Comorbidities – An Observational Cohort Study in 825 Patients". Pain Ther 10 (2): 1121–1137. doi:10.1007/s40122-021-00267-8. PMID 33945123.  Frei lesbar (PMC8586113). Im Wortlaut: „The occurrence of persisting pain between attacks should also be diagnostically evaluated due to its high prevalence and severity as well as psychological strain.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  7. ↑ Snoer A, Lund N, Beske R, Hagedorn A, Jensen RH, Barloese M (2018). "Cluster headache beyond the pain phase: A prospective study of 500 attacks". Neurology 91 (9): e822–e831. doi:10.1212/01.wnl.0000542491.92981.03. PMID 30054443.  Im Wortlaut: „Preictal and postictal symptoms are very frequent in CH, demonstrating that CH attacks are not composed of a pain phase alone.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  8. ↑ Gonzalez-Martinez A, Wei DY, Karsan N, Nagaraj K, Gosalia H, Goadsby PJ (2025). "Evaluation of premonitory spontaneous and nitroglycerin triggered symptoms among patients with cluster headache and migraine". Cephalalgia 45 (4). doi:10.1177/03331024251331554. PMID 40302046.  Im Wortlaut: „Among 164 cluster headache patients […] 85% exhibited premonitory symptoms“. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.

Literaturhinweise

  • Straube, A.; Freilinger, T.; Rüther, T.; Padovan, C. (Sep 2007). "Two cases of symptomatic cluster-like headache suggest the importance of sympathetic/parasympathetic balance.". Cephalalgia 27 (9): 1069-73. doi:10.1111/j.1468-2982.2007.01348.x. PMID 17645755. 
  • Schwedt, TJ.; Dodick, DW.; Trentman, TL.; Zimmerman, RS. (Aug 2006). "Occipital nerve stimulation for chronic cluster headache and hemicrania continua: pain relief and persistence of autonomic features.". Cephalalgia 26 (8): 1025-7. doi:10.1111/j.1468-2982.2006.01142.x. PMID 16886942. 
  • Leone, M.; Rigamonti, A.; Bussone, G. (Feb 2002). "Cluster headache sine headache: two new cases in one family.". Cephalalgia 22 (1): 12-4. PMID 11993607. 
  • Russell, MB. (Feb 2002). "Cluster headache sine headache: two new cases in one family.". Cephalalgia 22 (1): 1. PMID 11993606. 
  • Salvesen, R. (Aug 2000). "Cluster headache sine headache: case report.". Neurology 55 (3): 451. PMID 10932291. 
  • Gupta, VK. (Apr 1996). "Painless Horner's syndrome in cluster headache.". J Neurol Neurosurg Psychiatry 60 (4): 462-3. PMID 8774424. 
  • Peatfield, RC. (Aug 1995). "Recurrence of cluster headaches presenting with a virtually painless Horner's syndrome.". J Neurol Neurosurg Psychiatry 59 (2): 196-7. PMID 7629545. 
  • Drummond, PD. (Jul 1990). "Dissociation between pain and autonomic disturbances in cluster headache.". Headache 30 (8): 505-8. PMID 2228601. 
  • Sjaastad, O.; Antonaci, F.; Fragoso, YD. (Jun 1988). "Cluster headache: further observations on the dissociation of pain and autonomic findings.". Cephalalgia 8 (2): 127-32. PMID 3401915. 


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