NSAR: Unterschied zwischen den Versionen

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Themenkategorie ergänzt: Arzneimittel
Mit Belegen neu gefasst: NICE CG150 1.3.38, ICHD-3 (3.1, 3.2, 8.2.3), Gelbe Liste; unbelegte Aussagen zur Wirkung bei Attacken/Restschmerz und zum Ausprobieren ersetzt; Indometacin/paroxysmale Hemikranie ergänzt
 
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'''Nicht Steroidale Anti-Rheumatika (NSAR)'''. Nicht steroidal bedeutet: kein Steroid-Hormon als Wirkstoff (siehe [[Cortisol]]).  
'''Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)''' sind Schmerzmittel, die Schmerzen lindern, Fieber senken und Entzündungen hemmen. „Nichtsteroidal“ heißt: Sie sind kein Kortison (siehe [[Cortisol]]). Bekannte Vertreter sind [[ASS|Acetylsalicylsäure (Aspirin)]], [[Diclofenac]], [[Ibuprofen]], [[Indometacin]], [[Naproxen]] und [[Piroxicam]]. Englisch heißen sie NSAIDs (''non-steroidal anti-inflammatory drugs'').
Dazu gehören [[ASS|Aspirin]], [[Diclofenac]], [[Ibuprofen]], [[Indometacin]], [[Naproxen]] und [[Piroxicam]] als gängige Vertreter.  
NSAR wirken schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend. In der Cluster-Therapie werden NSAR erfolgreich gegen den Restschmerz sowie sogar manchmal gegen leichte Attacken und gegen Migräne eingesetzt. Die normalen, also sehr schmerzhaften Attacken, können in der Regel damit nicht behandelt werden.


Welches Schmerzmittel wirkt, ist von Mensch zu Mensch seltsamerweise sehr verschieden, da hilft nur Ausprobieren. NSAR sollten in verschiedenen Dosen getestet werden.  
NSAR hemmen die Enzyme COX-1 und COX-2 (Cyclooxygenasen) und damit die Bildung von Prostaglandinen. Diese Botenstoffe sind an Schmerz und Entzündung beteiligt, schützen aber auch die Magenschleimhaut. Deshalb können NSAR den Magen reizen; Geschwüre und Blutungen in Magen und Darm sind bei allen NSAR möglich, auch ohne vorherige Warnzeichen.<ref name="GLIBU">[https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Ibuprofen_289 Gelbe Liste: Wirkstoff Ibuprofen] (Abschnitte Pharmakokinetik, Dosierung, Wechselwirkungen, Kontraindikationen), am 23.09.2026 gelesen.</ref> Siehe auch [[PPI|Magenschutz]].


Das therapeutische Spektrum der NSAR ist sehr groß, daher finden sie bei sehr vielen Erkrankungen Anwendung. Problematisch kann bei allen ein Säureproblem im Magen und der blutverdünnende Effekt werden.
== Beim Cluster-Kopfschmerz ==
Gegen die Cluster-Attacke sind NSAR keine geeignete Behandlung. Die britische Leitlinie NICE rät ausdrücklich davon ab, bei der Attacke Paracetamol, NSAR, Opioide, Ergotamine oder Triptan-Tabletten zu geben.<ref name="NICE150">National Institute for Health and Care Excellence: ''Headaches in over 12s: diagnosis and management.'' Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache.“ [https://www.nice.org.uk/guidance/cg150 URL]</ref> Tabletten wirken zu langsam: [[Ibuprofen]] erreicht seinen höchsten Blutspiegel nach 1 bis 2 Stunden,<ref name="GLIBU"/> [[Diclofenac]] im Mittel nach 2 bis 3 Stunden.<ref name="GLDIC">[https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Diclofenac_277 Gelbe Liste: Wirkstoff Diclofenac] (Abschnitte Pharmakokinetik, Wechselwirkungen, Kontraindikationen), am 23.09.2026 gelesen.</ref> Eine Cluster-Attacke dauert unbehandelt dagegen nur 15 bis 180 Minuten.<ref name="ICHD3-31-NSAR">[https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-1-clusterkopfschmerz/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.1 Clusterkopfschmerz], Diagnostische Kriterien: „Starke oder sehr starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“. Gelesen am 23.09.2026.</ref> Was bei der Attacke hilft, steht unter [[Cluster-Kopfschmerz Behandlung]].


* Siehe [[PPI|Magenschutz]]!
Wer sehr häufig Schmerzmittel nimmt, kann davon einen eigenen Dauerkopfschmerz bekommen. Nach der internationalen Kopfschmerzklassifikation liegt er vor, wenn an 15 oder mehr Tagen im Monat Kopfschmerz besteht und NSAR, Paracetamol oder ähnliche Mittel mehr als 3 Monate lang an 15 oder mehr Tagen im Monat genommen wurden.<ref name="ICHD3-823">[https://ichd-3.org/de/8-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-eine-substanz-oder-deren-entzug/8-2-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-einen-medikamentenuebergebrauch/8-2-3-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-einen-uebergebrauch-von-nicht-opioid-analgetika/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 8.2.3 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen Übergebrauch von Nicht-Opioid-Analgetika], Beschreibung: „Kopfschmerz an 15 oder mehr Tagen/Monat bei einem Patienten mit einer vorbestehenden primären Kopfschmerzerkrankung, der sich als Folge eines regelmäßigen Übergebrauchs von einem oder mehreren Nicht-Opioid-Analgetika an 15 oder mehr Tagen/Monat für mehr als 3 Monate entwickelt.“ Gelesen am 23.09.2026.</ref> Siehe [[Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch]].


Englisch: NSAIDs Non-steroidal anti-inflammatory drugs
== Indometacin und die Diagnose ==
Ein NSAR hat bei der Unterscheidung von anderen Kopfschmerzen eine besondere Rolle. Die [[Paroxysmale Hemikranie|paroxysmale Hemikranie]] ähnelt dem Cluster-Kopfschmerz, ihre Attacken sind aber kürzer (2 bis 30 Minuten) und häufiger (mehr als 5 am Tag). Sie lässt sich mit [[Indometacin]] in ausreichender Dosis vollständig verhindern; das gehört sogar zu ihren Diagnosekriterien.<ref name="ICHD3-32-NSAR">[https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-2-paroxysmale-hemikranie/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.2 Paroxysmale Hemikranie], Diagnostische Kriterien: „Starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die 2 bis 30 Minuten anhalten“; „Die Attackenfrequenz liegt bei >5 pro Tag“; „Attacken kann durch therapeutische Dosen Indometacin komplett vorgebeugt werden“. Gelesen am 23.09.2026.</ref>


== Externe Links ==
== Externe Links ==
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Nichtsteroidales_Antirheumatikum Wikipedia: Nichtsteroidales Antirheumatikum]
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Nichtsteroidales_Antirheumatikum Wikipedia Nichtsteroidales Antirheumatikum]


== Einzelnachweise ==
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[[Kategorie:Arzneimittel]]
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Aktuelle Version vom 23. September 2026, 23:02 Uhr

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind Schmerzmittel, die Schmerzen lindern, Fieber senken und Entzündungen hemmen. „Nichtsteroidal“ heißt: Sie sind kein Kortison (siehe Cortisol). Bekannte Vertreter sind Acetylsalicylsäure (Aspirin), Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin, Naproxen und Piroxicam. Englisch heißen sie NSAIDs (non-steroidal anti-inflammatory drugs).

NSAR hemmen die Enzyme COX-1 und COX-2 (Cyclooxygenasen) und damit die Bildung von Prostaglandinen. Diese Botenstoffe sind an Schmerz und Entzündung beteiligt, schützen aber auch die Magenschleimhaut. Deshalb können NSAR den Magen reizen; Geschwüre und Blutungen in Magen und Darm sind bei allen NSAR möglich, auch ohne vorherige Warnzeichen.[1] Siehe auch Magenschutz.

Beim Cluster-Kopfschmerz

Gegen die Cluster-Attacke sind NSAR keine geeignete Behandlung. Die britische Leitlinie NICE rät ausdrücklich davon ab, bei der Attacke Paracetamol, NSAR, Opioide, Ergotamine oder Triptan-Tabletten zu geben.[2] Tabletten wirken zu langsam: Ibuprofen erreicht seinen höchsten Blutspiegel nach 1 bis 2 Stunden,[1] Diclofenac im Mittel nach 2 bis 3 Stunden.[3] Eine Cluster-Attacke dauert unbehandelt dagegen nur 15 bis 180 Minuten.[4] Was bei der Attacke hilft, steht unter Cluster-Kopfschmerz Behandlung.

Wer sehr häufig Schmerzmittel nimmt, kann davon einen eigenen Dauerkopfschmerz bekommen. Nach der internationalen Kopfschmerzklassifikation liegt er vor, wenn an 15 oder mehr Tagen im Monat Kopfschmerz besteht und NSAR, Paracetamol oder ähnliche Mittel mehr als 3 Monate lang an 15 oder mehr Tagen im Monat genommen wurden.[5] Siehe Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch.

Indometacin und die Diagnose

Ein NSAR hat bei der Unterscheidung von anderen Kopfschmerzen eine besondere Rolle. Die paroxysmale Hemikranie ähnelt dem Cluster-Kopfschmerz, ihre Attacken sind aber kürzer (2 bis 30 Minuten) und häufiger (mehr als 5 am Tag). Sie lässt sich mit Indometacin in ausreichender Dosis vollständig verhindern; das gehört sogar zu ihren Diagnosekriterien.[6]

Externe Links

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 Gelbe Liste: Wirkstoff Ibuprofen (Abschnitte Pharmakokinetik, Dosierung, Wechselwirkungen, Kontraindikationen), am 23.09.2026 gelesen.
  2. ↑ National Institute for Health and Care Excellence: Headaches in over 12s: diagnosis and management. Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache.“ URL
  3. ↑ Gelbe Liste: Wirkstoff Diclofenac (Abschnitte Pharmakokinetik, Wechselwirkungen, Kontraindikationen), am 23.09.2026 gelesen.
  4. ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.1 Clusterkopfschmerz, Diagnostische Kriterien: „Starke oder sehr starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“. Gelesen am 23.09.2026.
  5. ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 8.2.3 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen Übergebrauch von Nicht-Opioid-Analgetika, Beschreibung: „Kopfschmerz an 15 oder mehr Tagen/Monat bei einem Patienten mit einer vorbestehenden primären Kopfschmerzerkrankung, der sich als Folge eines regelmäßigen Übergebrauchs von einem oder mehreren Nicht-Opioid-Analgetika an 15 oder mehr Tagen/Monat für mehr als 3 Monate entwickelt.“ Gelesen am 23.09.2026.
  6. ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.2 Paroxysmale Hemikranie, Diagnostische Kriterien: „Starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die 2 bis 30 Minuten anhalten“; „Die Attackenfrequenz liegt bei >5 pro Tag“; „Attacken kann durch therapeutische Dosen Indometacin komplett vorgebeugt werden“. Gelesen am 23.09.2026.

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