Symptomatischer Cluster-Kopfschmerz
Ein symptomatischer Cluster-Kopfschmerz, auch sekundärer Cluster-Kopfschmerz genannt, zeigt die gleichen Symptome wie der primäre Cluster-Kopfschmerz, er ist aber die Folge einer anderen Erkrankung.
Mittelliniennahe, innerhalb des Schädels liegende Raumforderungen wie z. B. Tumoren, arteriovenöse Malformationen, Infarktareale oder entzündliche Plaques und Läsionen im Bereich des Hirnstammes, wie z.B. Angiome, Hypophysenadenome oder Aneurismen aber auch Infektionserkrankungen können symptomatische, dem Cluster-Kopfschmerz ähnliche Attacken auslösen. Dieser so genannte sekundäre oder auch symptomatische Cluster-Kopfschmerz ist oft nur schwer von der primären Form zu unterscheiden. Die zur Behandlung des primären Cluster-Kopfschmerzes verwendeten Medikamente Verapamil[1], Sauerstoff[2] oder Sumatriptan[3] können auch bei symptomatischem Cluster-Kopfschmerz eine Wirksamkeit gegen die Schmerzattacken haben, gegen die eigentlichen Ursachen des sekundären Cluster-Kopfschmerzes sind diese Medikamente aber ohne Wirkung.
Bei der Erstdiagnose des Cluster-Kopfschmerzes sollte daher eine Computertomographie der Schädelbasis einschließlich Knochenfenster und eine Magnetresonanztomographie, ggf. eine Magnetresonanzangiographie des Schädels einschließlich des Nackenüberganges zum Ausschluss eines symptomatischen Cluster-Kopfschmerzes veranlasst werden.[4]
Einordnung nach Leitlinie und Klassifikation
Die deutsche Leitlinie, auf die sich der erste Absatz stützt, stammt von 2015 und galt bis zum 13.05.2020.[4] Eine Überarbeitung ist seit dem 24.07.2025 angemeldet; fertig sein soll sie bis zum 31.12.2026.[5]
Was die europäische Leitlinie von 2023 empfiehlt: Bei der ersten Diagnose und wenn neurologische Auffälligkeiten dazukommen, soll eine Kernspintomographie (MRT) des Gehirns gemacht werden, die den Übergang vom Schädel zur Halswirbelsäule einschließt. Nur wenn keine MRT verfügbar ist, tritt eine Computertomographie (CT) einschließlich der Schädelbasis an ihre Stelle. Die Begründung der Leitlinie: Kopfschmerzen vom Cluster-Typ können, vor allem mit steigendem Alter, eine andere Ursache haben. In ihrer Tabelle 3 nennt die Leitlinie diese MRT ausdrücklich „erforderlich“ (im Original „Required“). In Einzelfällen, nämlich bei der ersten Diagnose, bei neurologischen Ausfällen, bei einer ersten Diagnose nach dem 60. Lebensjahr oder bei einem untypischen Bild, kommen dazu: eine Untersuchung des Nervenwassers, um eine Entzündung auszuschließen, und gelegentlich ein Ultraschall der Halsgefäße und eine Darstellung der Gefäße im MRT (MR-Angiographie), um etwa einen Einriss in der Wand einer Halsschlagader (Dissektion) oder eine Gefäßmissbildung zu erkennen.[6]
Wie die internationale Kopfschmerzklassifikation das einordnet: Die 3. Auflage (ICHD-3) hat dafür drei Grundregeln. Tritt ein Kopfschmerz mit den Merkmalen eines Cluster-Kopfschmerzes zum ersten Mal in engem zeitlichem Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung auf, die Kopfschmerzen auslösen kann, wird er als Folge dieser Erkrankung eingeordnet, also als sekundärer Kopfschmerz. Bestand der Cluster-Kopfschmerz schon vorher und wird er in engem zeitlichem Zusammenhang mit einer solchen Erkrankung chronisch, werden beide Diagnosen gestellt. Dasselbe gilt, wenn er sich dann deutlich verschlechtert, in der Regel also mindestens doppelt so häufig oder doppelt so stark wird, sofern gut belegt ist, dass die Erkrankung Kopfschmerzen auslösen kann.[7]
Welche Ursachen die Leitlinie nennt: vor allem Tumoren nahe der Mittellinie des Gehirns, vorn, hinten oder sogar im Kleinhirn, darunter auch bösartige, außerdem Gefäßmissbildungen (arteriovenöse Malformationen), Hirninfarkte und entzündliche Herde. Besonders bei älteren Menschen sind Raumforderungen oder Fehlbildungen in der Mittellinie beschrieben; zu denken ist an die hintere Schädelgrube und die Gegend der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse).[6] Das deckt sich mit der Aufzählung von 2018 oben.
Wie oft so etwas vorkommt, weiß man nicht genau. Eine Übersichtsarbeit hat die Fallberichte aus sechs Jahren (Februar 2009 bis Januar 2015) gesammelt. Sie fand 19 Menschen mit dem Bild eines Cluster-Kopfschmerzes und einer auffälligen Veränderung im Kopf, die die Kriterien erfüllten; bei 12 war die Veränderung wahrscheinlich die Ursache, weil der Kopfschmerz nach ihrer Behandlung deutlich besser wurde. Unter allen 53 Fällen der ganzen Gruppe der trigeminoautonomen Kopfschmerzen fanden sich 16-mal Tumoren, meist der Hirnanhangsdrüse. Ein Einriss einer Halsschlagader war unter den 19 Cluster-Fällen nur einmal die Ursache. Die Autoren halten solche Ursachen für selten, raten aber, bei jedem Betroffenen einmal eine MRT mit Kontrastmittel und eine Darstellung der Halsgefäße zu erwägen, und eine erneute MRT, wenn sich die Attacken im Lauf der Zeit verändern.[8]
Umgekehrt gilt: Ein echter Cluster-Kopfschmerz wird häufig zunächst für etwas anderes gehalten. Nach einer Untersuchung, die dieselbe Übersichtsarbeit zitiert, galt er bei 14 von 75 Betroffenen zuerst als Nebenhöhlenentzündung.[8] Mehr dazu: Cluster-Kopfschmerz Diagnose, Differentialdiagnose.
