Ibuprofen
Ibuprofen (2-(4-Isobutylphenyl)propionsäure, Summenformel: C13H18O2) ist ein Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Es lindert Schmerzen, hemmt Entzündungen und senkt Fieber. Es gibt Ibuprofen als Tablette, Kapsel, Zäpfchen, Saft, Brausegranulat sowie als Gel oder Creme für die Haut.
Ibuprofen hemmt die beiden Enzyme COX-1 und COX-2 (Cyclooxygenasen) und damit die Bildung von Prostaglandinen. Diese Botenstoffe sind an Entzündung und Schmerz beteiligt. Sie bauen aber auch die schützende Schleimschicht im Magen auf; deshalb kann Ibuprofen den Magen reizen.[1]
Beim Cluster-Kopfschmerz
Gegen die Cluster-Attacke hilft Ibuprofen nicht zuverlässig. Die britische Leitlinie NICE rät ausdrücklich davon ab, bei der Attacke Schmerzmittel wie Paracetamol oder NSAR zu geben.[2] Ein Grund ist die Geschwindigkeit: Als Tablette erreicht Ibuprofen seinen höchsten Blutspiegel erst nach 1 bis 2 Stunden.[1] Eine Cluster-Attacke dauert unbehandelt aber nur 15 bis 180 Minuten, also eine Viertelstunde bis höchstens 3 Stunden.[3] Was gegen die Attacke wirkt – vor allem Sauerstoff und die Sumatriptan-Spritze –, steht unter Cluster-Kopfschmerz Behandlung. Wer zusätzlich Migräne hat und sehr häufig Schmerzmittel nimmt, kann davon einen eigenen Dauerkopfschmerz bekommen, siehe Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch.
Dosierung
Ohne Rezept nehmen Erwachsene und Jugendliche ab 40 kg Körpergewicht nach der Gelben Liste 400 mg, und zwar höchstens alle 8 Stunden. Verschreibt eine Ärztin oder ein Arzt Ibuprofen, liegt die empfohlene Tagesmenge für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren zwischen 1.200 und 2.400 mg; eine einzelne Einnahme soll bei Erwachsenen höchstens 800 mg betragen.[1]
Nebenwirkungen
Wie oft Nebenwirkungen auftreten, hängt von Dosis und Dauer ab. Nach der Gelben Liste sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, sind Beschwerden an Magen und Darm: Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, dazu kleine Blutverluste im Magen-Darm-Trakt, die in Ausnahmefällen zu Blutarmut führen können. Magen- und Darmgeschwüre und -blutungen können bei allen NSAR auftreten, auch ohne vorherige Warnzeichen; ältere Menschen sind häufiger betroffen. In höherer Dosis kann Ibuprofen müde und schwindelig machen, besonders zusammen mit Alkohol.[1]
Herz und Kreislauf. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat 2015 festgestellt: Ab 2.400 mg am Tag erhöht Ibuprofen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ein wenig, ähnlich wie Diclofenac und die sogenannten COX-2-Hemmer. Bis 1.200 mg am Tag, der üblichen Höchstmenge ohne Rezept, wurde kein erhöhtes Risiko gesehen. Wer eine ernste Herz- oder Kreislauferkrankung hat oder schon einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte, soll die hohen Dosen meiden.[4] In einer großen britischen Studie mit 9.218 Herzinfarkten war das Infarktrisiko bei Menschen, die gerade Ibuprofen nahmen, um etwa ein Viertel höher (24 %), bei Diclofenac um etwa die Hälfte (55 %).[5]
Wer Ibuprofen nicht nehmen soll
Nach der Gelben Liste unter anderem Menschen,
- die schon einmal auf ASS oder andere NSAR mit Asthma, verengten Atemwegen, Schnupfen oder Nesselsucht reagiert haben,
- mit ungeklärten Störungen der Blutbildung,
- mit bestehenden oder wiederholten Magen- oder Darmgeschwüren oder -blutungen, oder mit einer Magen-Darm-Blutung durch ein früheres NSAR,
- mit Hirnblutungen oder anderen aktiven Blutungen,
- mit schweren Leber- oder Nierenschäden oder schwerer Herzschwäche,
- sowie Frauen im letzten Drittel der Schwangerschaft.[1]
Wichtige Wechselwirkungen
- Lithium: Ibuprofen kann den Lithiumspiegel erhöhen; das kann zu einer Vergiftung führen. Der Spiegel muss dann kontrolliert werden.[1][6]
- Kortison (zum Beispiel Prednison): höhere Gefahr von Magen-Darm-Geschwüren und -Blutungen.[1]
- Blutverdünner, ASS und bestimmte Antidepressiva (SSRI): höhere Blutungsgefahr, vor allem im Magen-Darm-Trakt. Die Wirkung von Blutverdünnern wie Warfarin kann verstärkt werden.[1]
- ASS in niedriger Dosis (zum Schutz von Herz und Gefäßen): Ibuprofen kann deren Schutzwirkung auf die Blutplättchen abschwächen. Bei gelegentlicher Einnahme von Ibuprofen ist das nach EMA und Gelber Liste unwahrscheinlich.[1][4]
- Andere NSAR gleichzeitig: höhere Gefahr von Magen-Darm-Geschwüren und -Blutungen.[1]
- Blutdrucksenker und Entwässerungsmittel: Ihre Wirkung kann schwächer werden; bei eingeschränkter Nierenfunktion kann sich die Niere weiter verschlechtern, bis hin zum akuten Nierenversagen.[1]
- Methotrexat: Ibuprofen kann dessen Spiegel und Giftigkeit erhöhen.[1]
Schwangerschaft und Stillzeit
Nach Embryotox, dem Beratungszentrum der Charité, gehört Ibuprofen in den ersten zwei Dritteln der Schwangerschaft neben Paracetamol zu den Schmerzmitteln der Wahl. Ab der 28. Schwangerschaftswoche darf es nicht mehr genommen werden. Auch in der Stillzeit ist es neben Paracetamol das Schmerzmittel der Wahl.[7] Es geht in die Muttermilch über und soll in der Stillzeit nicht dauerhaft genommen werden.[1]
Externe Links
- Gelbe Liste: Wirkstoff Ibuprofen (Wirkung, Dosierung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen)
- Embryotox: Ibuprofen in Schwangerschaft und Stillzeit
- Wikipedia Artikel Ibuprofen
Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einem Text, der zum Teil aus der freien Enzyklopädie Wikipedia übernommen wurde. Eine Liste der ursprünglichen Autoren befindet sich auf der Versionsseite des Wikipedia Artikels Ibuprofen.
Einzelnachweise
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 Gelbe Liste: Wirkstoff Ibuprofen (Abschnitte Pharmakokinetik, Dosierung, Wechselwirkungen, Kontraindikationen), am 23.09.2026 gelesen.
- ↑ National Institute for Health and Care Excellence: Headaches in over 12s: diagnosis and management. Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache.“ URL
- ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.1 Clusterkopfschmerz, Diagnostische Kriterien: „Starke oder sehr starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“. Gelesen am 23.09.2026.
- ↑ 4,0 4,1 European Medicines Agency: Ibuprofen- and dexibuprofen-containing medicines – referral (Empfehlung des PRAC vom 10.04.2015, CMDh-Position vom 20.05.2015), am 23.09.2026 gelesen. Im Wortlaut u. a.: „No increase in cardiovascular risk is seen with ibuprofen at doses of up to 1,200 mg per day“; „high doses of ibuprofen (2,400 mg per day or higher) should be avoided in patients with serious underlying heart or circulatory conditions, such as heart failure, heart disease and circulatory problems or in those who have previously had a heart attack or stroke.“; „Occasional use of ibuprofen should not affect the benefits of low-dose aspirin.“
- ↑ Hippisley-Cox J, Coupland C (2005). "Risk of myocardial infarction in patients taking cyclo-oxygenase-2 inhibitors or conventional non-steroidal anti-inflammatory drugs: population based nested case-control analysis". BMJ 330 (7504): 1366. doi:. PMID 15947398. Zusammenfassung am 23.09.2026 in Europe PMC gelesen: 9.218 Herzinfarkte; bereinigtes Odds Ratio für derzeitige Einnahme von Diclofenac 1,55 (95-%-Konfidenzintervall 1,39–1,72), von Ibuprofen 1,24 (1,11–1,39).
- ↑ Fachinformation Quilonum retard 450 mg Retardtabletten (Lithiumcarbonat), Teofarma, Stand der Information August 2024, Zul.-Nr. 17202.00.01; Abschnitte 4.1, 4.4, 4.5 und 4.6. Am 22.09.2026 im Wortlaut gelesen.
- ↑ Embryotox: Ibuprofen, am 23.09.2026 gelesen. Im Wortlaut u. a.: „Ibuprofen gehört in den ersten zwei Dritteln der Schwangerschaft neben Paracetamol zu den Analgetika/Antiphlogistika der Wahl.“; „Im letzten Trimenon (ab Schwangerschaftswoche 28) dürfen Ibuprofen und andere NSAID nicht angewendet werden.“; Stillzeit: „Es ist ebenso wie Paracetamol Analgetikum der Wahl in der Stillzeit.“
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