Metamizol: Unterschied zwischen den Versionen

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Neu gefasst mit Belegen (Gelbe Liste Stand 05/2025 inkl. Rote-Hand-Brief 12/2024, NICE CG150, ICHD-3): Einordnung beim Cluster-Kopfschmerz, Dosierung, Agranulozytose-Warnzeichen, Gegenanzeigen, Wechselwirkungen, Schwangerschaft; Erfahrungsbericht bleibt, als Einzelbericht eingeordnet
Genauer nach Quelle: Attackendauer „meist“ 15–180 Minuten (ICHD-3 3.1, Anmerkung: in weniger als der Hälfte des Verlaufs auch kürzer oder länger); Stillzeit als Gegenanzeige laut Gelber Liste ergänzt – unabhängige Gegenprüfung
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== Beim Cluster-Kopfschmerz ==
== Beim Cluster-Kopfschmerz ==
Eine Cluster-Attacke dauert unbehandelt 15 bis 180 Minuten, also eine Viertelstunde bis höchstens 3 Stunden.<ref name="ICHD31">[https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-1-clusterkopfschmerz/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.1 Clusterkopfschmerz], am 24.09.2026 gelesen. Diagnostische Kriterien: „Starke oder sehr starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“. Kommentar zu Attacken während einer Clusterepisode: „Diese können durch Alkohol, Histamin oder Nitroglyzerin ausgelöst werden.“</ref> Die britische Leitlinie NICE rät ausdrücklich davon ab, bei der Attacke Paracetamol, NSAR oder Opioide zu geben; Metamizol nennt sie nicht.<ref name="NICE150">National Institute for Health and Care Excellence: ''Headaches in over 12s: diagnosis and management.'' Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache.“ [https://www.nice.org.uk/guidance/cg150 URL]</ref> Eine Veröffentlichung, die schon im Titel Metamizol und Cluster-Kopfschmerz nennt, fand sich am 24.09.2026 in der Literaturdatenbank Europe PMC nicht.<ref name="EPMCMET">Suche in [https://europepmc.org/ Europe PMC] am 24.09.2026: metamizole, dipyrone oder metamizol zusammen mit „cluster headache“ im Titel – kein Treffer.</ref> Was bei der Attacke nachweislich hilft – vor allem [[Sauerstoff]] und die [[Sumatriptan]]-Spritze –, steht unter [[Cluster-Kopfschmerz Behandlung]].
Eine Cluster-Attacke dauert unbehandelt meist 15 bis 180 Minuten, also eine Viertelstunde bis 3 Stunden.<ref name="ICHD31">[https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-1-clusterkopfschmerz/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.1 Clusterkopfschmerz], am 24.09.2026 gelesen. Diagnostische Kriterien: „Starke oder sehr starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“. Anmerkung: „Während eines Teils (aber weniger als der Hälfte) des Zeitverlaufes bei einem 3.1 Clusterkopfschmerz können die Attacken weniger schwer sein und/oder kürzer oder länger andauern.“ Kommentar zu Attacken während einer Clusterepisode: „Diese können durch Alkohol, Histamin oder Nitroglyzerin ausgelöst werden.“</ref> Die britische Leitlinie NICE rät ausdrücklich davon ab, bei der Attacke Paracetamol, NSAR oder Opioide zu geben; Metamizol nennt sie nicht.<ref name="NICE150">National Institute for Health and Care Excellence: ''Headaches in over 12s: diagnosis and management.'' Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache.“ [https://www.nice.org.uk/guidance/cg150 URL]</ref> Eine Veröffentlichung, die schon im Titel Metamizol und Cluster-Kopfschmerz nennt, fand sich am 24.09.2026 in der Literaturdatenbank Europe PMC nicht.<ref name="EPMCMET">Suche in [https://europepmc.org/ Europe PMC] am 24.09.2026: metamizole, dipyrone oder metamizol zusammen mit „cluster headache“ im Titel – kein Treffer.</ref> Was bei der Attacke nachweislich hilft – vor allem [[Sauerstoff]] und die [[Sumatriptan]]-Spritze –, steht unter [[Cluster-Kopfschmerz Behandlung]].


=== Ein Erfahrungsbericht ===
=== Ein Erfahrungsbericht ===
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* mit Störungen des Knochenmarks oder Erkrankungen der Blutbildung,
* mit Störungen des Knochenmarks oder Erkrankungen der Blutbildung,
* mit angeborenem Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel oder akuter intermittierender Porphyrie,
* mit angeborenem Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel oder akuter intermittierender Porphyrie,
* sowie Frauen im letzten Drittel der Schwangerschaft und Kinder unter 10 Jahren.
* sowie Frauen im letzten Drittel der Schwangerschaft oder in der Stillzeit und Kinder unter 10 Jahren.
Bei niedrigem Blutdruck oder instabilem Kreislauf darf Metamizol nicht gespritzt werden.<ref name="GLMET"/>
Bei niedrigem Blutdruck oder instabilem Kreislauf darf Metamizol nicht gespritzt werden.<ref name="GLMET"/>


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== Schwangerschaft und Stillzeit ==
== Schwangerschaft und Stillzeit ==
Gesicherte Daten fehlen. In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft soll Metamizol nicht gegeben werden, im mittleren Drittel nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung; im letzten Drittel darf es nicht angewendet werden. Metamizol geht in die Muttermilch über; zwischen der letzten Gabe und dem Stillen müssen mindestens 48 Stunden liegen.<ref name="GLMET"/>
Gesicherte Daten fehlen. In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft soll Metamizol nicht gegeben werden, im mittleren Drittel nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung; im letzten Drittel darf es nicht angewendet werden. Metamizol geht in die Muttermilch über. Die Gelbe Liste nennt die Stillzeit als Gegenanzeige; wird Metamizol doch gegeben, müssen zwischen der letzten Gabe und dem Stillen mindestens 48 Stunden liegen.<ref name="GLMET"/>


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==

Version vom 24. September 2026, 13:07 Uhr

Metamizol (auch Novaminsulfon, bekannt zum Beispiel als Novalgin®) ist ein Schmerz- und Fiebermittel. Es gehört weder zu den Opioiden noch zu den NSAR. Es lindert Schmerzen, senkt Fieber und löst Krämpfe. Eingesetzt wird es zum Beispiel bei Koliken, Tumorschmerzen, starken Schmerzen nach Operationen und Verletzungen sowie bei hohem Fieber, das sich anders nicht senken lässt. Es gibt Metamizol als Tablette, Tropfen, Zäpfchen und Spritze. Wegen seltener, aber schwerer Nebenwirkungen soll es nur gegeben werden, wenn es wirklich nötig ist, und möglichst als Tablette oder Tropfen.[1]

Beim Cluster-Kopfschmerz

Eine Cluster-Attacke dauert unbehandelt meist 15 bis 180 Minuten, also eine Viertelstunde bis 3 Stunden.[2] Die britische Leitlinie NICE rät ausdrücklich davon ab, bei der Attacke Paracetamol, NSAR oder Opioide zu geben; Metamizol nennt sie nicht.[3] Eine Veröffentlichung, die schon im Titel Metamizol und Cluster-Kopfschmerz nennt, fand sich am 24.09.2026 in der Literaturdatenbank Europe PMC nicht.[4] Was bei der Attacke nachweislich hilft – vor allem Sauerstoff und die Sumatriptan-Spritze –, steht unter Cluster-Kopfschmerz Behandlung.

Ein Erfahrungsbericht

Ein Patient berichtete: „Bei einem Notarzteinsatz nach einer über vierstündigen Attacke konnte ich wegen meines verheerenden Zustandes nicht verhindern, dass mir außer den gewünschten 500mg Cortisol auch eine Ampulle Metamizol gespritzt wurde. Nach wenigen Sekunden spürte ich die Verteilung im hochgradig entzündeten Hirnareal wie flüssiges Feuer und erlebte gleich noch eine Attacke. Ob das allgemeingültig ist, weiß ich nicht?“

Das ist ein einzelner Bericht und kein Beleg dafür, dass Metamizol Attacken auslöst. Sicher bekannt ist: Während einer Clusterepisode können Attacken durch Alkohol, Histamin oder Nitroglyzerin ausgelöst werden.[2] Mehr dazu unter Cluster-Kopfschmerz Trigger.

Dosierung

Nach der Gelben Liste nehmen Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren 500 bis 1.000 mg auf einmal und höchstens 4.000 mg am Tag. Als Spritze ist das Risiko schwerer Nebenwirkungen höher; eine langsame Infusion ist dann besser als eine schnelle Spritze in die Vene.[1]

Nebenwirkungen

Mangel an weißen Blutkörperchen (Agranulozytose). Das ist die gefährlichste Nebenwirkung. Sie ist sehr selten, tritt unabhängig von der Dosis auf und kann tödlich verlaufen. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft nannte 2017 für eine Woche Behandlung etwa 1,1 Fälle auf eine Million Behandelte und warnte, dass solche Fälle häufig tödlich enden. Warnzeichen sind Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, schmerzhafte wunde Stellen an den Schleimhäuten und Schwäche. Wer so etwas unter Metamizol bemerkt, soll sofort ärztliche Hilfe suchen; dann wird das Mittel abgesetzt und das Blutbild bestimmt. So steht es auch im Rote-Hand-Brief vom Dezember 2024. Regelmäßige Blutbildkontrollen ohne Beschwerden haben sich nach diesem Brief in einer EU-weiten Prüfung nicht als wirksam erwiesen; entscheidend sind die Warnzeichen. In mehreren Ländern Europas und in den USA ist Metamizol wegen solcher Komplikationen nicht mehr zugelassen.[1]

Weitere Nebenwirkungen nach der Gelben Liste: gelegentlich ein Blutdruckabfall, der auch stark sein kann, Hautausschlag und eine harmlose Rotfärbung des Urins; selten allergische Reaktionen bis zum Kreislaufschock, vor allem bei Spritzen und auch noch Stunden später; sehr selten schwere Hautreaktionen und Nierenschäden.[1]

Wer Metamizol nicht nehmen soll

Nach der Gelben Liste unter anderem Menschen,

  • die überempfindlich auf Metamizol oder verwandte Wirkstoffe (Pyrazolone, Pyrazolidine) reagieren, besonders nach einer früheren Agranulozytose,
  • die auf Schmerzmittel wie ASS, Paracetamol, Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin oder Naproxen mit Asthma, verengten Atemwegen oder Nesselsucht mit Schwellungen reagiert haben,
  • mit Störungen des Knochenmarks oder Erkrankungen der Blutbildung,
  • mit angeborenem Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel oder akuter intermittierender Porphyrie,
  • sowie Frauen im letzten Drittel der Schwangerschaft oder in der Stillzeit und Kinder unter 10 Jahren.

Bei niedrigem Blutdruck oder instabilem Kreislauf darf Metamizol nicht gespritzt werden.[1]

Wichtige Wechselwirkungen

  • Methotrexat: Metamizol kann dessen schädliche Wirkung auf das Blutbild verstärken; die Kombination soll vermieden werden.
  • ASS in niedriger Dosis (zum Schutz von Herz und Gefäßen): Metamizol kann ihre Wirkung auf die Blutplättchen abschwächen.
  • Bupropion: Der Bupropion-Spiegel im Blut kann sinken.
  • Chlorpromazin: Gefahr einer starken Unterkühlung.
  • Für die Stoffgruppe von Metamizol (Pyrazolone) sind Wechselwirkungen mit Lithium, Blutverdünnern zum Einnehmen, Captopril, Triamteren sowie Blutdrucksenkern und Entwässerungsmitteln bekannt; wie stark Metamizol selbst sie beeinflusst, ist nicht bekannt.[1]

Schwangerschaft und Stillzeit

Gesicherte Daten fehlen. In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft soll Metamizol nicht gegeben werden, im mittleren Drittel nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung; im letzten Drittel darf es nicht angewendet werden. Metamizol geht in die Muttermilch über. Die Gelbe Liste nennt die Stillzeit als Gegenanzeige; wird Metamizol doch gegeben, müssen zwischen der letzten Gabe und dem Stillen mindestens 48 Stunden liegen.[1]

Siehe auch

Externe Links

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Gelbe Liste: Wirkstoff Metamizol (Stand 22.05.2025; Abschnitte Anwendung, Dosierung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Kontraindikation, Schwangerschaft/Stillzeit und „Wichtige Hinweise“ mit dem Rote-Hand-Brief vom Dezember 2024), am 24.09.2026 gelesen.
  2. ↑ 2,0 2,1 ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.1 Clusterkopfschmerz, am 24.09.2026 gelesen. Diagnostische Kriterien: „Starke oder sehr starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“. Anmerkung: „Während eines Teils (aber weniger als der Hälfte) des Zeitverlaufes bei einem 3.1 Clusterkopfschmerz können die Attacken weniger schwer sein und/oder kürzer oder länger andauern.“ Kommentar zu Attacken während einer Clusterepisode: „Diese können durch Alkohol, Histamin oder Nitroglyzerin ausgelöst werden.“
  3. ↑ National Institute for Health and Care Excellence: Headaches in over 12s: diagnosis and management. Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache.“ URL
  4. ↑ Suche in Europe PMC am 24.09.2026: metamizole, dipyrone oder metamizol zusammen mit „cluster headache“ im Titel – kein Treffer.

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