Horner Syndrom

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Nach dem Schweizer Augenarzt Johann F. Horner (1831-1886) bezeichnetes Krankheitsbild, bestehend aus Miosis, Ptosis und einer Hebung des Unterlids.

Begleitend zum Cluster kommt eine Variante vor, das inkomplette Horner-Syndrom, welches in seinen Eigenschaften nicht vollständig ausgeprägt ist.

Als Ursache werden momentan gleich mindestens drei Hypothesen diskutiert:

1. Unmittelbarer Zusammenhang mit der festgestellten "Betriebsstörung" des Hypothalamus beim Cluster-Patienten

2. Eine Vasodillatation bzw. ein perivaskuläres Ödem im Bereich der A. Carotis, wodurch die dort durchlaufenden Nervenfasern gereizt werden, welche das Auge ansteuern.

3. Als Folge einer Störung des Trigeminus-Nerven.


Einordnung nach der Kopfschmerz-Klassifikation

Fachwörter kurz erklärt: Miosis heißt: Die Pupille ist enger, das Schwarze im Auge also kleiner. Ptosis heißt: Das Oberlid hängt herab, das Auge wirkt kleiner. Beim Horner-Syndrom entsteht beides, weil der Teil des Nervensystems gestört ist, der die Pupille weit stellt und das Lid anhebt (der Sympathikus).

In den Diagnose-Kriterien: Die Internationale Kopfschmerz-Klassifikation (ICHD-3) nennt „Miosis und/oder Ptosis“ auf der Schmerzseite als eines der Begleitzeichen, von denen beim Cluster-Kopfschmerz mindestens eines vorhanden sein muss (oder Unruhe während der Attacke).[1]

Wie oft kommt es vor? In einer ungarischen Studie mit 78 Menschen mit Cluster-Kopfschmerz hatten 48 % (etwa jeder Zweite) ein hängendes Lid und 7 % eine enge Pupille während der Attacken.[2]

Gehören die Zeichen zusammen? Eine Auswertung der Begleitzeichen von 157 Menschen mit Cluster-Kopfschmerz fand drei Gruppen. Enge Pupille und hängendes Lid bildeten eine eigene Gruppe, die die Autoren als Ausfall des Sympathikus deuten. Tränen, rotes Auge und laufende Nase bildeten eine andere Gruppe.[3]

Was war zuerst da? Havelius beschrieb 2001 unter 57 Menschen mit Cluster-Kopfschmerz 7 Menschen, die bei der ersten Untersuchung ein bleibendes Horner-ähnliches Bild auf der Schmerzseite hatten. Bei 5 von ihnen war es laut Vorgeschichte und alten Fotos schon Jahre vor dem ersten Cluster-Kopfschmerz da. Er schloss daraus, dass eine Störung des Sympathikus eine Voraussetzung für den Cluster-Kopfschmerz sein könnte. Das ist eine kleine Beobachtung im Rückblick, kein Beweis.[4]

Wann es ernst sein kann: Die ICHD-3 beschreibt ein eigenes Krankheitsbild (Raeder-Syndrom, 13.9): ein ständiger einseitiger Schmerz im Stirn- und Augenbereich zusammen mit einem Horner-Syndrom auf derselben Seite, verursacht durch eine Erkrankung in der mittleren Schädelgrube oder an der Halsschlagader. Im Kommentar heißt es, ein schmerzhaftes Horner-Syndrom gelte manchen Autoren als Hinweis auf eine solche Störung oder auf eine Dissektion der Halsschlagader (ein Einriss in der Gefäßwand).[5] Wer also ein neu hängendes Lid oder eine neu enge Pupille zusammen mit Schmerzen bemerkt, die nicht zum gewohnten Attacken-Muster passen, sollte das ärztlich abklären lassen.

Einzelnachweise

  1. ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.1 Clusterkopfschmerz, Kriterium C: „mindestens eines der folgenden Symptome oder Zeichen, jeweils ipsilateral zum Kopfschmerz: […] Miosis und/oder Ptosis“. Gelesen am 23.09.2026.
  2. ↑ Ertsey C, Vesza Z, Bangó M u. a. (2012). "[Prospective study of the clinical features of cluster headache]". Ideggyogy Sz 65 (9-10): 307–314. PMID 23126215.  Artikel auf Ungarisch; Zahlen aus der englischen Zusammenfassung: „ptosis 48%, miosis 7%“. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  3. ↑ Gouveia RG, Parreira E, Pavão Martins I (2005). "Autonomic features in cluster headache. Exploratory factor analysis". J Headache Pain 6 (1): 20–23. doi:10.1007/s10194-005-0146-5. PMID 16362187.  Frei lesbar (PMC3451958). Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  4. ↑ Havelius U (2001). "A Horner-like syndrome and cluster headache. What comes first?". Acta Ophthalmol Scand 79 (4): 374–375. doi:10.1034/j.1600-0420.2001.079004374.x. PMID 11453857.  Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  5. ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 13.9 Paratrigeminales okulosympathisches (Raeder-) Syndrom. Im Wortlaut: „Konstanter, einseitiger Schmerz im Versorgungsgebiet des ophthalmischen Trigeminusasts […] begleitet von einem ipsilateralen Horner-Syndrom und verursacht durch eine Störung in der mittleren Schädelgrube oder der A. carotis.“ Kommentar: „Einige Autoren jedoch erachten ein schmerzhaftes Horner-Syndrom auch heute noch als diagnostisch nützlichen Hinweis auf eine Läsion der Fossa cranii media oder auf eine Dissektion der A. carotis.“ Gelesen am 23.09.2026.