Tiefenhirnstimulation: Unterschied zwischen den Versionen
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Cezary (Diskussion | Beiträge) Stand 2026: verblindete Studie 2010 (negativ), Metaanalyse 2023, Einzeldaten-Auswertung 2020, Todesfall in der Pilotstudie 2005; alle an der Quelle geprüft; alter Text unverändert |
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* '''Die einzige verblindete Studie war negativ.''' In einer französischen Studie von 2010 mit 11 Menschen mit schwerem chronischem Verlauf zeigte sich im verblindeten Vergleich von echter und Schein-Stimulation über je einen Monat kein Unterschied. Erst in der anschließenden offenen Phase hatten nach einem Jahr 6 von 11 um mehr als die Hälfte weniger Attacken, 3 davon keine mehr. Es gab drei schwere unerwünschte Ereignisse.<ref name="FONTAINE2010T">{{cite journal |author=Fontaine D, Lazorthes Y, Mertens P u. a. |title=Safety and efficacy of deep brain stimulation in refractory cluster headache: a randomized placebo-controlled double-blind trial followed by a 1-year open extension |journal=J Headache Pain |volume=11 |issue=1 |pages=23–31 |year=2010 |pmid=19936616 |doi=10.1007/s10194-009-0169-4}} 11 Patienten, Kreuzvergleich aktiv gegen Schein über je einen Monat. Im Wortlaut: „During the randomized phase, no significant change in primary and secondary outcome measures was observed between active and sham stimulation. At the end of the open phase, 6/11 responded to the chronic stimulation“ (wöchentliche Attackenzahl um mehr als 50 % gesunken), „including three pain-free patients. There were three serious adverse events“. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref> | |||
* '''Offene Beobachtungen sind günstiger.''' Eine Metaanalyse von 2023 fasste 108 Fälle aus 16 Arbeiten zusammen, darunter nur eine randomisierte: Die Attacken gingen im Mittel um 70 Prozent zurück, bei etwa drei von vier Behandelten mindestens um die Hälfte. Todesfälle gab es bei weniger als 1 Prozent, schwere Komplikationen bei etwa jedem Sechsten.<ref name="MURRAY2023">{{cite journal |author=Murray M, Pahapill PA, Awad AJ |title=Deep brain stimulation for chronic cluster headaches: a systematic review and meta-analysis |journal=Stereotact Funct Neurosurg |volume=101 |issue=4 |pages=232–243 |year=2023 |pmid=37245509 |doi=10.1159/000530508}} 108 Fälle aus 16 Arbeiten, davon eine randomisiert; Attackenhäufigkeit −70,1 %, 74,3 % mit mindestens Halbierung. Im Wortlaut: „Death occurred in <1%. The rate of major complications was 16.67%.“ Am 21.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref> Eine gemeinsame Auswertung der Einzeldaten von 40 Operierten aus vier Gruppen fand 2020 im Mittel 77 Prozent weniger Attacken über durchschnittlich 44 Monate; 75 Prozent sprachen an. Die wirksamen Stimulationsorte lagen dabei im Mittelhirn, im ventralen und retrorubralen Tegmentum.<ref name="NOWACKI2020T">{{cite journal |author=Nowacki A, Schober M, Nader L u. a. |title=Deep brain stimulation for chronic cluster headache: meta-analysis of individual patient data |journal=Ann Neurol |volume=88 |issue=5 |pages=956–969 |year=2020 |pmid=32827225 |doi=10.1002/ana.25887}} Im Wortlaut: „Among 40 patients from four different cohorts representing ~50% of all previously published cases, we found a significant 77% mean reduction in headache attack frequency over a mean follow-up of 44 months, with an overall response rate of 75%.“ Außerdem: „We identified 2 hotspots of stimulation covering the midbrain ventral and retrorubral tegmentum.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref> | |||
* '''Das Risiko ist ernst.''' In einer Pilotstudie von 2005 mit sechs Behandelten starb ein Patient an einer Hirnblutung entlang des Elektrodenkanals, wenige Stunden nach der Operation.<ref name="SCHOENEN2005">{{cite journal |author=Schoenen J, Di Clemente L, Vandenheede M u. a. |title=Hypothalamic stimulation in chronic cluster headache: a pilot study of efficacy and mode of action |journal=Brain |volume=128 |issue=Pt 4 |pages=940–947 |year=2005 |pmid=15689358 |doi=10.1093/brain/awh411}} Im Wortlaut: „Another patient died from an intracerebral haemorrhage that developed along the lead tract several hours after surgery“; „Intracerebral haemorrhage cannot be neglected in the risk evaluation of the procedure.“ Am 21.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref> | |||
* '''Einordnung:''' Die Tiefenhirnstimulation bleibt ein Eingriff für sehr wenige Menschen mit schwerem chronischem Verlauf, bei denen alles andere versagt hat. Die Studien im Vergleich: [[Studien zum Cluster-Kopfschmerz#Zur Vorbeugung|Studien zum Cluster-Kopfschmerz]]. | |||
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Version vom 23. September 2026, 01:55 Uhr
Die Tiefenhirnstimulation, auch genannt tiefe Hirnstimulation oder engl. Deep Brain Stimulation (DBS) ist ein medizinischer Eingriff in das Gehirn, mit dem krankheitsbedingte Fehlleistungen korrigiert werden sollen. Dabei werden dem Patienten Elektroden implantiert, die über subkutan verlegte Leitungen mit einem Impulsgeber im Bereich der Brust oder dem Oberbauch verbunden sind. Das populär Hirnschrittmacher genannte System stimuliert mit minimalen elektrischen Impulsen fehlgesteuerte Hirnregionen. Bislang wurden weltweit ca. 50.000 Patienten mit einem Hirnschrittmacher operativ versorgt.
Etablierte Anwendungsgebiete sind unter anderem die Parkinson-Krankheit, der Essentielle Tremor oder die Dystonie. In der klinischen Erprobung befinden sich Anwendungen in den Bereichen Epilepsie, Depression, Zwangsstörung, Tourette-Syndrom und Cluster-Kopfschmerz.
Bei der Behandlung von Cluster-Kopfschmerz werden mittels fest implantierter Elektroden die Strukturen am Hypothalamus stimuliert. Das noch experimentelle Verfahren ist eine Option für an der chronischen Verlaufsform erkrankte Cluster-Kopfschmerzpatienten, denen nicht anders geholfen werden kann. Ein ebenfalls noch experimentelles aber weniger invasives Verfahren ist z.B. die Okzipitale Nervenstimulation.
| Computertomographie mit implantierter Elektrode | Schematische Darstellung: Elektrode, Kabel, Stromgeber | Stereotaxiegerät zur Platzierung einer Stimulationselektrode |
Stand 2026
Dieser Abschnitt wurde am 23.09.2026 ergänzt; die Studien sind einzeln an der Quelle geprüft.
- Die einzige verblindete Studie war negativ. In einer französischen Studie von 2010 mit 11 Menschen mit schwerem chronischem Verlauf zeigte sich im verblindeten Vergleich von echter und Schein-Stimulation über je einen Monat kein Unterschied. Erst in der anschließenden offenen Phase hatten nach einem Jahr 6 von 11 um mehr als die Hälfte weniger Attacken, 3 davon keine mehr. Es gab drei schwere unerwünschte Ereignisse.[1]
- Offene Beobachtungen sind günstiger. Eine Metaanalyse von 2023 fasste 108 Fälle aus 16 Arbeiten zusammen, darunter nur eine randomisierte: Die Attacken gingen im Mittel um 70 Prozent zurück, bei etwa drei von vier Behandelten mindestens um die Hälfte. Todesfälle gab es bei weniger als 1 Prozent, schwere Komplikationen bei etwa jedem Sechsten.[2] Eine gemeinsame Auswertung der Einzeldaten von 40 Operierten aus vier Gruppen fand 2020 im Mittel 77 Prozent weniger Attacken über durchschnittlich 44 Monate; 75 Prozent sprachen an. Die wirksamen Stimulationsorte lagen dabei im Mittelhirn, im ventralen und retrorubralen Tegmentum.[3]
- Das Risiko ist ernst. In einer Pilotstudie von 2005 mit sechs Behandelten starb ein Patient an einer Hirnblutung entlang des Elektrodenkanals, wenige Stunden nach der Operation.[4]
- Einordnung: Die Tiefenhirnstimulation bleibt ein Eingriff für sehr wenige Menschen mit schwerem chronischem Verlauf, bei denen alles andere versagt hat. Die Studien im Vergleich: Studien zum Cluster-Kopfschmerz.
Einzelnachweise
- ↑ Fontaine D, Lazorthes Y, Mertens P u. a. (2010). "Safety and efficacy of deep brain stimulation in refractory cluster headache: a randomized placebo-controlled double-blind trial followed by a 1-year open extension". J Headache Pain 11 (1): 23–31. doi:. PMID 19936616. 11 Patienten, Kreuzvergleich aktiv gegen Schein über je einen Monat. Im Wortlaut: „During the randomized phase, no significant change in primary and secondary outcome measures was observed between active and sham stimulation. At the end of the open phase, 6/11 responded to the chronic stimulation“ (wöchentliche Attackenzahl um mehr als 50 % gesunken), „including three pain-free patients. There were three serious adverse events“. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ Murray M, Pahapill PA, Awad AJ (2023). "Deep brain stimulation for chronic cluster headaches: a systematic review and meta-analysis". Stereotact Funct Neurosurg 101 (4): 232–243. doi:. PMID 37245509. 108 Fälle aus 16 Arbeiten, davon eine randomisiert; Attackenhäufigkeit −70,1 %, 74,3 % mit mindestens Halbierung. Im Wortlaut: „Death occurred in <1%. The rate of major complications was 16.67%.“ Am 21.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ Nowacki A, Schober M, Nader L u. a. (2020). "Deep brain stimulation for chronic cluster headache: meta-analysis of individual patient data". Ann Neurol 88 (5): 956–969. doi:. PMID 32827225. Im Wortlaut: „Among 40 patients from four different cohorts representing ~50% of all previously published cases, we found a significant 77% mean reduction in headache attack frequency over a mean follow-up of 44 months, with an overall response rate of 75%.“ Außerdem: „We identified 2 hotspots of stimulation covering the midbrain ventral and retrorubral tegmentum.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ Schoenen J, Di Clemente L, Vandenheede M u. a. (2005). "Hypothalamic stimulation in chronic cluster headache: a pilot study of efficacy and mode of action". Brain 128 (Pt 4): 940–947. doi:. PMID 15689358. Im Wortlaut: „Another patient died from an intracerebral haemorrhage that developed along the lead tract several hours after surgery“; „Intracerebral haemorrhage cannot be neglected in the risk evaluation of the procedure.“ Am 21.09.2026 über Europe PMC geprüft.
Siehe auch:
- Infiltrationstherapie bei Cluster-Kopfschmerz
- Therapeutische Nervenblockade
- Okzipitale Nervenstimulation
- SPG-Stimulation
Literatur
- Jürgens T, Paulus W, Tronnier V, Gaul C, Lampl C, Gantenbein A, May A, Diener HC.: Einsatz neuromodulierender Verfahren bei primären Kopfschmerzen. Therapieempfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Nervenheilkunde. 2011; 30(1-2): 47–58. DMKG: PDF-Datei
- Bain Peter, Aziz Tipu, Liu Xuguang, Nandi Dipankar (ed.): Deep Brain Stimulation. Oxford University Press. 2009; ISBN 0-19-954371-2
- May A, Jürgens TP (October 2010). "Therapeutische Neuromodulation bei primären Kopfschmerzsyndromen. (Therapeutic neuromodulation in primary headaches.)". Nervenarzt. doi:. PMID 20972665.
Externe Links
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