Opiate: Unterschied zwischen den Versionen

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Themenkategorie ergänzt: Arzneimittel
Neu gefasst mit Belegen (NICE CG150, Pearson 2019 Headache 59:235, ICHD-3 8.2.4, Gelbe Liste Morphin): Opiate/Opioide erklärt, Wirkung beim Cluster-Kopfschmerz in Zahlen, Übergebrauch, Risiken; unbelegte Mechanismus-Aussage ersetzt
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'''Opiate''' sind extrem starke Schmerzmittel mit sehr hohem Suchtpotenzial. Werden in der Krebstherapie sowie als letztes Mittel bei anderen Schmerzzuständen eingesetzt und unterliegen dem BTM (Betäubungsmittel-Gesetz).
'''Opiate''' sind Wirkstoffe aus dem Schlafmohn, zum Beispiel Morphin und Codein. Zusammen mit künstlich oder teilweise künstlich hergestellten Wirkstoffen wie Tramadol, Tilidin, Oxycodon oder Fentanyl gehören sie zu den '''Opioiden'''. Das sind starke Schmerzmittel, die zum Beispiel bei Tumorschmerzen, nach Operationen und bei anderen sehr starken Schmerzen eingesetzt werden.


Beim Cluster-Kopfschmerz sind die Opiate wegen der besonderen Schmerzeigenschaften im Gehirn völlig wirkungslos, sie greifen dort nicht.
== Beim Cluster-Kopfschmerz ==
Die britische Leitlinie NICE rät ausdrücklich davon ab, bei der Cluster-Attacke Opioide zu geben.<ref name="NICE150">National Institute for Health and Care Excellence: ''Headaches in over 12s: diagnosis and management.'' Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache.“ [https://www.nice.org.uk/guidance/cg150 URL]</ref> In einer internationalen Online-Umfrage mit 1.604 Cluster-Betroffenen machten 541 Angaben zu Opioiden. Nur 30 von ihnen, also etwa 6 von 100, fanden sie vollständig oder sehr wirksam. Bei [[Sauerstoff]] und bei Triptanen waren es jeweils 54 von 100.<ref name="PEARSON2019">{{cite journal |author=Pearson SM, Burish MJ, Shapiro RE, Yan Y, Schor LI |title=Effectiveness of Oxygen and Other Acute Treatments for Cluster Headache: Results From the Cluster Headache Questionnaire, an International Survey |journal=Headache |volume=59 |issue=2 |pages=235–249 |year=2019 |pmid=30632614 |doi=10.1111/head.13473}} Zusammenfassung am 24.09.2026 in Europe PMC gelesen: 1.604 Teilnehmende mit Cluster-Kopfschmerz; „complete or very effective“ bei Triptanen 54 % (639/1139), bei Sauerstoff 54 % (582/1082), bei Opioiden 6 % (30/541). Die Teilnehmenden füllten den Fragebogen im Internet selbst aus; eine ärztliche Diagnose wurde nicht geprüft.</ref> Was bei der Attacke hilft, steht unter [[Cluster-Kopfschmerz Behandlung]]; was Rettungsdienst und Notaufnahme tun sollten, unter [[Cluster-Kopfschmerz in der Notaufnahme]].


Wer eine Kopfschmerzerkrankung hat und an 10 oder mehr Tagen im Monat Opioide nimmt, länger als 3 Monate, kann davon einen zusätzlichen Dauerkopfschmerz bekommen. Nach der internationalen Kopfschmerzklassifikation ist bei diesem Übergebrauch die Rückfallrate nach einem Entzug am höchsten.<ref name="ICHD824">[https://ichd-3.org/de/8-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-eine-substanz-oder-deren-entzug/8-2-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-einen-medikamentenuebergebrauch/8-2-4-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-einen-opioiduebergebrauch/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 8.2.4 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen Opioidübergebrauch], am 24.09.2026 gelesen: „Regelmäßige Einnahme eines oder mehrerer Opioide an ≥10 Tagen/Monat für >3 Monate.“; Kommentar: „Prospektive Studien haben gezeigt, dass Patienten, die Opioide übergebrauchen, die höchste Rückfallrate nach einer Entzugsbehandlung aufweisen.“</ref> Mehr dazu unter [[Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch]].
== Risiken ==
Am Beispiel Morphin nennt die Gelbe Liste als sehr häufige Nebenwirkungen Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Benommenheit. Bei längerer Einnahme kann sich der Körper an das Mittel gewöhnen, und es kann eine körperliche und seelische Abhängigkeit entstehen; Morphin hat ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Zusammen mit Alkohol, Beruhigungs- und Schlafmitteln, [[Gabapentin]] oder Pregabalin kann die dämpfende Wirkung so stark werden, dass die Atmung gefährlich flach wird (Atemdepression); das kann bis zu Koma und Tod führen.<ref name="GLMOR">[https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Morphin_21525 Gelbe Liste: Wirkstoff Morphin] (Stand 11.02.2026), am 24.09.2026 gelesen. Im Wortlaut u. a.: „Sehr häufig treten Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Sedierung, Schläfrigkeit, Euphorie oder Dysphorie auf.“; „Morphin besitzt ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Bei Langzeittherapie kann es zu Toleranz, körperlicher und psychischer Abhängigkeit oder Opioidgebrauchsstörung kommen.“; zentral dämpfende Substanzen wie Sedativa, Hypnotika, Gabapentin, Pregabalin oder Alkohol: „Dies erhöht das Risiko für Sedierung, Atemdepression, Hypotonie, Koma und Tod.“</ref>
== Siehe auch ==
<div class="noprint">
* [[Gängige Schmerzmittel]]
* [[Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch]]
* [[Cluster-Kopfschmerz in der Notaufnahme]]
</div>
== Externe Links ==
* [https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Morphin_21525 Gelbe Liste: Wirkstoff Morphin] (Wirkung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen)
== Einzelnachweise ==
<references />


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[[Kategorie:Arzneimittel]]
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Version vom 24. September 2026, 12:52 Uhr

Opiate sind Wirkstoffe aus dem Schlafmohn, zum Beispiel Morphin und Codein. Zusammen mit künstlich oder teilweise künstlich hergestellten Wirkstoffen wie Tramadol, Tilidin, Oxycodon oder Fentanyl gehören sie zu den Opioiden. Das sind starke Schmerzmittel, die zum Beispiel bei Tumorschmerzen, nach Operationen und bei anderen sehr starken Schmerzen eingesetzt werden.

Beim Cluster-Kopfschmerz

Die britische Leitlinie NICE rät ausdrücklich davon ab, bei der Cluster-Attacke Opioide zu geben.[1] In einer internationalen Online-Umfrage mit 1.604 Cluster-Betroffenen machten 541 Angaben zu Opioiden. Nur 30 von ihnen, also etwa 6 von 100, fanden sie vollständig oder sehr wirksam. Bei Sauerstoff und bei Triptanen waren es jeweils 54 von 100.[2] Was bei der Attacke hilft, steht unter Cluster-Kopfschmerz Behandlung; was Rettungsdienst und Notaufnahme tun sollten, unter Cluster-Kopfschmerz in der Notaufnahme.

Wer eine Kopfschmerzerkrankung hat und an 10 oder mehr Tagen im Monat Opioide nimmt, länger als 3 Monate, kann davon einen zusätzlichen Dauerkopfschmerz bekommen. Nach der internationalen Kopfschmerzklassifikation ist bei diesem Übergebrauch die Rückfallrate nach einem Entzug am höchsten.[3] Mehr dazu unter Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch.

Risiken

Am Beispiel Morphin nennt die Gelbe Liste als sehr häufige Nebenwirkungen Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Benommenheit. Bei längerer Einnahme kann sich der Körper an das Mittel gewöhnen, und es kann eine körperliche und seelische Abhängigkeit entstehen; Morphin hat ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Zusammen mit Alkohol, Beruhigungs- und Schlafmitteln, Gabapentin oder Pregabalin kann die dämpfende Wirkung so stark werden, dass die Atmung gefährlich flach wird (Atemdepression); das kann bis zu Koma und Tod führen.[4]

Siehe auch

Externe Links

Einzelnachweise

  1. ↑ National Institute for Health and Care Excellence: Headaches in over 12s: diagnosis and management. Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache.“ URL
  2. ↑ Pearson SM, Burish MJ, Shapiro RE, Yan Y, Schor LI (2019). "Effectiveness of Oxygen and Other Acute Treatments for Cluster Headache: Results From the Cluster Headache Questionnaire, an International Survey". Headache 59 (2): 235–249. doi:10.1111/head.13473. PMID 30632614.  Zusammenfassung am 24.09.2026 in Europe PMC gelesen: 1.604 Teilnehmende mit Cluster-Kopfschmerz; „complete or very effective“ bei Triptanen 54 % (639/1139), bei Sauerstoff 54 % (582/1082), bei Opioiden 6 % (30/541). Die Teilnehmenden füllten den Fragebogen im Internet selbst aus; eine ärztliche Diagnose wurde nicht geprüft.
  3. ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 8.2.4 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen Opioidübergebrauch, am 24.09.2026 gelesen: „Regelmäßige Einnahme eines oder mehrerer Opioide an ≥10 Tagen/Monat für >3 Monate.“; Kommentar: „Prospektive Studien haben gezeigt, dass Patienten, die Opioide übergebrauchen, die höchste Rückfallrate nach einer Entzugsbehandlung aufweisen.“
  4. ↑ Gelbe Liste: Wirkstoff Morphin (Stand 11.02.2026), am 24.09.2026 gelesen. Im Wortlaut u. a.: „Sehr häufig treten Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Sedierung, Schläfrigkeit, Euphorie oder Dysphorie auf.“; „Morphin besitzt ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Bei Langzeittherapie kann es zu Toleranz, körperlicher und psychischer Abhängigkeit oder Opioidgebrauchsstörung kommen.“; zentral dämpfende Substanzen wie Sedativa, Hypnotika, Gabapentin, Pregabalin oder Alkohol: „Dies erhöht das Risiko für Sedierung, Atemdepression, Hypotonie, Koma und Tod.“

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