Melatonin: Unterschied zwischen den Versionen

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Stand 2026 neben den Text von 2019 gestellt: DGN-Leitlinie abgelaufen, Neufassung angemeldet (AWMF 030-036); EAN 2023: dritte Wahl, 10 mg, unwirksam beim therapierefraktären Verlauf; Rozens Aussagen einzeln an den Studien geprüft (Leone 1996, Peres 2001 = zwei Einzelfälle, Pringsheim 2002, Metaanalyse 2020, Gehaltsschwankungen 2017); Nahrungsergänzungsmittel heute im Handel, rechtliche Einstufung umstritten (BfR 2024, BVL); Fachinformation Circadin 2025; Migränestudie 2016; sieben tote Links ge…
Stand 2026: Nebenwirkungen nach Abschnitt 4.8 der Circadin-Fachinformation ergänzt; Verweis auf die Übersicht aller Cluster-Mittel
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Patienten sollten sich vor der Einnahme von Melatonin unbedingt mit ihrem Arzt beraten.
Patienten sollten sich vor der Einnahme von Melatonin unbedingt mit ihrem Arzt beraten.


:''Stand 2026:'' Die beiden Listen stammen aus einer Zusammenfassung von 2007, deren Adresse nicht mehr erreichbar ist. Die heute gültige Fachinformation von Circadin sagt im Einzelnen:<ref name="CIRCFI">[https://www.ema.europa.eu/de/documents/product-information/circadin-epar-product-information_de.pdf Circadin 2 mg Retardtabletten, Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels], Europäische Arzneimittel-Agentur, Produktinformation laut EMA zuletzt aktualisiert am 07.07.2025; am 22.09.2026 gelesen: Abschnitte 4.1, 4.2, 4.4 und 4.5.</ref>
:''Stand 2026:'' Die beiden Listen stammen aus einer Zusammenfassung von 2007, deren Adresse nicht mehr erreichbar ist. Die heute gültige Fachinformation von Circadin sagt im Einzelnen:<ref name="CIRCFI">[https://www.ema.europa.eu/de/documents/product-information/circadin-epar-product-information_de.pdf Circadin 2 mg Retardtabletten, Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels], Europäische Arzneimittel-Agentur, Produktinformation laut EMA zuletzt aktualisiert am 07.07.2025; am 22.09.2026 gelesen: Abschnitte 4.1, 4.2, 4.4 und 4.5; am 23.09.2026 zusätzlich 4.8 und 5.1. 4.8: „In klinischen Prüfungen berichteten insgesamt 9,5 % der Patienten, die Circadin erhielten, eine Nebenwirkung im Vergleich zu 7,4 % der Patienten, die das Plazebo erhielten.“ Aufgeführt u. a. Reizbarkeit, Nervosität, Rastlosigkeit, Insomnie, anormale Träume, Albträume, Kopfschmerzen, Benommenheit, Somnolenz, Bauchschmerzen, Übelkeit, Juckreiz. 5.1: Melatonin „ist ein natürlicherweise vorkommendes Hormon, das von der Zirbeldrüse produziert wird und mit dem Serotonin strukturverwandt ist.“</ref>
:* ''Autoimmunerkrankungen:'' keine Daten, die Anwendung wird „nicht empfohlen“.
:* ''Autoimmunerkrankungen:'' keine Daten, die Anwendung wird „nicht empfohlen“.
:* ''Leber und Nieren:'' bei eingeschränkter Leberfunktion „nicht empfohlen“; bei eingeschränkter Nierenfunktion Vorsicht, weil nicht untersucht.
:* ''Leber und Nieren:'' bei eingeschränkter Leberfunktion „nicht empfohlen“; bei eingeschränkter Nierenfunktion Vorsicht, weil nicht untersucht.
:* ''Schläfrigkeit:'' Vorsicht, wenn sie ein Sicherheitsrisiko darstellen könnte.
:* ''Schläfrigkeit:'' Vorsicht, wenn sie ein Sicherheitsrisiko darstellen könnte.
:* ''Wechselwirkungen:'' Fluvoxamin erhöht den Melatoninspiegel stark — „Die Kombination muss daher vermieden werden.“ Vorsicht bei 5- oder 8-Methoxypsoralen, Cimetidin und Östrogenen, etwa in der Pille oder bei Hormonersatz, die den Spiegel erhöhen. Chinolon-Antibiotika können ihn erhöhen, Carbamazepin und Rifampicin senken; auch Rauchen kann ihn senken. Circadin „darf nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden“. Es kann die dämpfende Wirkung von Benzodiazepinen und von Schlafmitteln wie Zolpidem, Zaleplon und Zopiclon verstärken; zusammen mit Imipramin oder Thioridazin kam es zu stärkerer Ruhigstellung beziehungsweise Benommenheit.
:* ''Wechselwirkungen:'' Fluvoxamin erhöht den Melatoninspiegel stark — „Die Kombination muss daher vermieden werden.“ Vorsicht bei 5- oder 8-Methoxypsoralen, Cimetidin und Östrogenen, etwa in der Pille oder bei Hormonersatz, die den Spiegel erhöhen. Chinolon-Antibiotika können ihn erhöhen, Carbamazepin und Rifampicin senken; auch Rauchen kann ihn senken. Circadin „darf nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden“. Es kann die dämpfende Wirkung von Benzodiazepinen und von Schlafmitteln wie Zolpidem, Zaleplon und Zopiclon verstärken; zusammen mit Imipramin oder Thioridazin kam es zu stärkerer Ruhigstellung beziehungsweise Benommenheit.
:* ''Nebenwirkungen:'' In den Studien berichteten 9,5 Prozent mit Circadin und 7,4 Prozent mit Scheinmedikament eine Nebenwirkung. Aufgeführt sind unter anderem Kopfschmerzen, Benommenheit, Schläfrigkeit, Reizbarkeit, Unruhe, Schlafstörungen, ungewöhnliche Träume und Albträume, Bauchschmerzen, Übelkeit und Juckreiz.<ref name="CIRCFI"/> Alle Cluster-Mittel im Vergleich: [[Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Cluster-Mittel#Melatonin|Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Cluster-Mittel]].
:Circadin enthält 2 mg Melatonin und ist für bis zu 13 Wochen vorgesehen. Die 10 mg, die die Leitlinie beim Cluster-Kopfschmerz nennt, liegen deutlich darüber.<ref name="CIRCFI"/>
:Circadin enthält 2 mg Melatonin und ist für bis zu 13 Wochen vorgesehen. Die 10 mg, die die Leitlinie beim Cluster-Kopfschmerz nennt, liegen deutlich darüber.<ref name="CIRCFI"/>



Version vom 23. September 2026, 01:07 Uhr

Ort der Zirbeldrüse (pineal gland) im Gehirn.

Melatonin (N-Acetyl-5-methoxytryptamin) ist ein Hormon, das in der Zirbeldrüse (Epiphyse) – einem Teil des Zwischenhirns – aus Serotonin produziert wird und den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers steuert. Chemisch gesehen handelt es sich um ein Alkaloid mit Tryptamin-Struktur.

Melatonin und Cluster-Kopfschmerz

Zitat aus der Leitlinie Cluster-Kopfschmerz der Deutschen Gesellschaft für Neurologie:

"Einzelberichte beschreiben einen positiven Effekt von Topiramat und Melatonin.[1]

Stand 2026: Diese Leitlinie von 2015 war bis Mai 2020 gültig. Eine Neufassung ist angemeldet; die Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant.[2] Maßgeblich ist bis dahin die Leitlinie der Europäischen Akademie für Neurologie (EAN) von 2023. Sie führt Melatonin als Mittel der dritten Wahl („method of third choice“), also für den Fall, dass andere Mittel versagt haben, nennt es als Versuch bei Schlafproblemen und gibt als Dosis 10 mg an. Beim therapierefraktären Verlauf, bei dem die üblichen Mittel nicht helfen, hält sie es für unwirksam: „Not efficacious in refractory cluster headache“.[3] Einordnung neben den anderen Vorbeugungsmitteln: Prophylaxe.

Der amerikanische Neurologe Todd D Rozen schreibt zu Melatonin (Übersetzung):

"Die Höhe des Melatoninspiegels im Blut ist bei Cluster-Kopfschmerz Patienten reduziert, besonders während einer Episode. Dieser Mangel an Melatonin ist möglicherweise das letztlich auslösende Moment für nächtliche Clusterattacken.

Die Zuführung von Melatonin auf dem oralen Weg könnte daher theoretisch als Vorbeugung wirken.

Die Wirksamkeit von 10 mg Melatonin in Tablettenform wurde in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie erprobt. Innerhalb von 3 bis 5 Tagen hatten 5 von 10 Patienten mit Melatonin nachlassende Krankheitssymptome (Remission). Im Vergleich dazu waren es 0 (Null) von 10 Patienten, die ein Placebo bekamen. Melatonin schien nur bei Patienten mit episodischem Cluster-Kopfschmerz zu wirken.[4] Neuerdings wurde aber auch gezeigt, dass Melatonin eine wirksame Vorbeugemaßnahme bei chronischem Cluster-Kopfschmerz sein könnte.[5] Eine negative Studie über den Gebrauch von Melatonin zur Cluster-Vorbeugung wurde veröffentlicht, allerdings war die Dosierung geringer als in anderen Studien und es wurde eine retardierte Form des Melatonins verabreicht.[6]

Der Autor glaubt, dass Melatonin als ein erstes Mittel der Wahl zur Vorbeugung bei allen Cluster-Patienten angesehen werden muss, noch vor dem Verapamil. Melatonin hat wenige Nebenwirkungen und bei einer gewissen Anzahl von Patienten werden die nächtlichen Attacken innerhalb von 24 Stunden beendet. Es scheint auch gegen Attacken bei Tag zu wirken.

Ergänzend sei gesagt: Selbst wenn Melatonin die Attacken nicht vollständig verhindert, so scheint es die notwenige Dosis der anderen vorbeugenden Medikamente zu verringern.

Die empfohlene Dosierung des Melatonins ist 9mg zur Schlafenszeit (3x3mg- Tabletten), aber eine höhere Dosierung kann notwendig sein. Falls eine Verkaufsmarke des Melatonins nicht wirkt, sollte ein anderes Produkt probiert werden, da die wirkliche Menge Melatonin in den verschiedenen frei verkäuflichen Produkten erheblich schwankt."

Quelle: TD Rozen, Cluster Headache – Diagnosis and Treatment. Touch Briefings. 2005. Vielen Dank an Musica für die Übersetzung.

Stand 2026: Rozens Einschätzung von 2005 hat sich so nicht bestätigt. Zu den einzelnen Punkten:
  • Niedrigere Melatoninspiegel: Eine Metaanalyse von 2020 fand Hinweise auf niedrigere nächtliche Melatoninspiegel im Blut während einer Episode. Für die Behandlung reichten die Daten aber nicht: „Overall, available data for the role use of MT in CH are insufficient and inconclusive.“[7]
  • Die Studie von 1996: 20 Teilnehmende, zwei davon mit chronischem Verlauf. Von den 10 mit Melatonin sprachen 5 an, in der Placebogruppe keiner; die chronisch Erkrankten sprachen nicht an.[8]
  • „Wirksame Vorbeugemaßnahme bei chronischem Cluster-Kopfschmerz“: Die angeführte Arbeit von 2001 beschreibt zwei Einzelfälle — zwei Menschen mit chronischem Verlauf, bei denen Melatonin die Attacken linderte.[9] Eine Studie mit Vergleichsgruppe ist das nicht.
  • Die „negative Studie“ von 2002: neun Teilnehmende, sechs davon mit chronischem Verlauf, deren Attacken unter der üblichen Behandlung nicht ausreichend kontrolliert waren; Melatonin zusätzlich brachte keinen messbaren Unterschied.[10] Ob dort eine geringere Dosis und eine retardierte Form verwendet wurden, wie Rozen schreibt, steht in der Zusammenfassung der Studie nicht und ließ sich nicht prüfen.
  • „Erstes Mittel der Wahl, noch vor Verapamil“: Das ist Rozens persönliche Meinung geblieben. Die EAN-Leitlinie nennt Verapamil das Mittel der Wahl und Melatonin die dritte Wahl.[3]
  • Dosis: Rozen nannte 9 mg, die EAN-Leitlinie nennt 10 mg.[3]
  • Schwankende Mengen in frei verkäuflichen Produkten: Das ist belegt. Eine Untersuchung von rund 30 frei verkäuflichen Melatonin-Produkten fand Gehalte zwischen 83 Prozent unter und 478 Prozent über der Angabe auf der Packung, und in acht Produkten zusätzlich Serotonin.[11]

In den USA ist Melatonin frei verkäuflich und als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. In Deutschland ist der Verkauf von Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassen. Über das Internet und im Versandhandel sind Melatonin-Präparate jedoch erhältlich. Eine kurzzeitige Melatonineinnahme (< 3 Monate) hat keine schädlichen Folgen.[12]

Stand 2026: Der Satz, der Verkauf als Nahrungsergänzungsmittel sei in Deutschland nicht zugelassen, beschreibt die Lage nicht mehr. Nach dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel „in Drogerien, Apotheken sowie im Online-Handel in verschiedenen Darreichungsformen (Kapseln, Tropfen, Spray, Pulver oder Gummidrops) erhältlich“; bei einem Teil entspricht oder übersteigt die empfohlene Tagesdosis die übliche Dosierung zugelassener Arzneimittel.[13] Ob solche Erzeugnisse rechtlich Lebensmittel oder Arzneimittel sind, ist nach dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit „aktuell eine sehr umstrittene Frage“, und „auch die Rechtsprechung hierzu ist sehr uneinheitlich“.[14] Als Arzneimittel ist Melatonin in Präparaten zugelassen, die ärztlich verordnet werden müssen: zur zeitlich begrenzten Behandlung von Schlafstörungen bei Menschen ab 55 Jahren sowie bei Kindern und Jugendlichen von 2 bis 18 Jahren mit Autismus-Spektrum-Störung oder Smith-Magenis-Syndrom.[13] Der Cluster-Kopfschmerz gehört nicht dazu; eine Verordnung dafür ist ein Gebrauch außerhalb der Zulassung, siehe Off-Label-Use beim Clusterkopfschmerz.
Die Aussage, eine Einnahme unter drei Monaten habe keine schädlichen Folgen, stammt aus einer Metaanalyse zu Schlafstörungen und ist dort vorsichtiger gefasst: „There is evidence to suggest that melatonin is safe with short-term use (3 months or less).“[15] Das BfR sieht es 2024 kritischer. Schon vergleichsweise niedrige Dosen von 1 mg und weniger könnten unerwünschte Wirkungen haben; genannt werden unter anderem Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, verringerte Aufmerksamkeit, verlängerte Reaktionszeit, Blutdruckabfall und morgendliche Benommenheit. Die schlaffördernde Wirkung hielt teils bis in den nächsten Tag an, was die Teilnahme am Straßenverkehr beeinträchtigen kann. Von einer unkontrollierten Einnahme sollten nach dem BfR ausgenommen werden: Kinder und Jugendliche, Schwangere, Stillende und Frauen mit Kinderwunsch, Menschen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion sowie Menschen mit einer Autoimmunerkrankung oder Epilepsie. Wer ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes hat, dem empfiehlt das BfR ärztliche Beratung vor und Kontrolle während der Einnahme. Wer andere Arzneimittel nimmt, solle vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen.[13]

Besondere Vorsicht bei der Einnahme von Melatonin ist erforderlich,[16]

  • wenn Schläfrigkeit eine Gefahr für Ihre Sicherheit darstellen könnte;
  • wenn Sie an einer Lebererkrankung leiden;
  • wenn Sie an einer Nierenerkrankung leiden;
  • wenn Sie an einer Autoimmunerkrankung leiden (bei der der Körper durch das eigene Immunsystem „angegriffen“ wird).

Mögliche Wechselwirkungen von Melatonin mit Arzneimitteln:[16]

  • Hypnotika und Beruhigungmittel (z.B. Benzodiazepine),
  • Fluvoxamin, Thioridazin und Imipramin (angewendet zur Behandlung von Depressionen oder psychiatrischen Problemen),
  • Östrogen (Empfängnisverhütung oder Hormonersatztherapie),
  • Cimetidin (Dämpfung der Magensaftproduktion, Vorbeugung bei Allergien) und
  • Psoralen (angewendet zur Behandlung von Hauterkrankungen wie z.B. der Schuppenflechte).

Patienten sollten sich vor der Einnahme von Melatonin unbedingt mit ihrem Arzt beraten.

Stand 2026: Die beiden Listen stammen aus einer Zusammenfassung von 2007, deren Adresse nicht mehr erreichbar ist. Die heute gültige Fachinformation von Circadin sagt im Einzelnen:[17]
  • Autoimmunerkrankungen: keine Daten, die Anwendung wird „nicht empfohlen“.
  • Leber und Nieren: bei eingeschränkter Leberfunktion „nicht empfohlen“; bei eingeschränkter Nierenfunktion Vorsicht, weil nicht untersucht.
  • Schläfrigkeit: Vorsicht, wenn sie ein Sicherheitsrisiko darstellen könnte.
  • Wechselwirkungen: Fluvoxamin erhöht den Melatoninspiegel stark — „Die Kombination muss daher vermieden werden.“ Vorsicht bei 5- oder 8-Methoxypsoralen, Cimetidin und Östrogenen, etwa in der Pille oder bei Hormonersatz, die den Spiegel erhöhen. Chinolon-Antibiotika können ihn erhöhen, Carbamazepin und Rifampicin senken; auch Rauchen kann ihn senken. Circadin „darf nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden“. Es kann die dämpfende Wirkung von Benzodiazepinen und von Schlafmitteln wie Zolpidem, Zaleplon und Zopiclon verstärken; zusammen mit Imipramin oder Thioridazin kam es zu stärkerer Ruhigstellung beziehungsweise Benommenheit.
  • Nebenwirkungen: In den Studien berichteten 9,5 Prozent mit Circadin und 7,4 Prozent mit Scheinmedikament eine Nebenwirkung. Aufgeführt sind unter anderem Kopfschmerzen, Benommenheit, Schläfrigkeit, Reizbarkeit, Unruhe, Schlafstörungen, ungewöhnliche Träume und Albträume, Bauchschmerzen, Übelkeit und Juckreiz.[17] Alle Cluster-Mittel im Vergleich: Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Cluster-Mittel.
Circadin enthält 2 mg Melatonin und ist für bis zu 13 Wochen vorgesehen. Die 10 mg, die die Leitlinie beim Cluster-Kopfschmerz nennt, liegen deutlich darüber.[17]

„Die Hoffnung, dass Melatonin bei Kopfschmerzen oder Migräne wirkt, hat sich nicht erfüllt“, so Privatdozent Arne May vom Institut für Neurowissenschaften der Universität Hamburg-Eppendorf. „Es gibt allerdings Patienten mit Cluster-Kopfschmerzen, die darauf ansprechen, dann ist das Hormon natürlich sehr wertvoll. Aber es fehlen gute Studien."[18]

Stand 2026: Daran hat sich wenig geändert. Eine Metaanalyse von 2020 fand zur Vorbeugung des Cluster-Kopfschmerzes mit Melatonin eine einzige randomisierte Studie und zwei Studien ohne Zufallszuteilung.[7]

Am 29. Juni 2007 erteilte die Europäische Arzneimittelagentur (EMEA) der Firma Neurim Pharmaceuticals die Zulassung von Circadin® für die gesamte Europäische Union. Circadin® enthält 2 mg Melatonin in retardierter Form und wird als Monopräparat zur kurzfristigen Behandlung der primären Insomnie (schlechte Schlafqualität) bei Patienten ab 55 Jahren angewendet. Das Arzneimittel ist nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich.[19] Circadin® ist seit Anfang 2008 auch in Deutschland erhältlich.[20]

Stand 2026: Anwendungsgebiet und Zulassungsdatum bestätigt die Europäische Arzneimittel-Agentur unverändert.[21] Die beiden alten EMEA-Adressen sind nicht mehr erreichbar.

In einer kontrollierten Studie zur vorbeugenden Behandlung der Migräne zeigte retardiertes Melatonin (Circadin® 2 mg, ca. eine Stunde vor dem Einschlafen eingenommen) keine signifikant bessere Wirkung gegenüber Placebo.[22] In einer anderen kontrollierten Studie zur vorbeugenden Behandlung der Migräne mit nicht retardiertem Melatonin (3 mg) war die Wirkung signifikant besser als die von Placebo.[23]

Stand 2026: Die Studie mit 3 mg nicht retardiertem Melatonin ist 2016 vollständig veröffentlicht worden: 178 Teilnehmende nahmen ein Studienmittel und wurden drei Monate lang beobachtet. Unter Melatonin sank die Zahl der Migränetage im Mittel um 2,7, unter Amitriptylin 25 mg um 2,2 und unter dem Scheinmedikament um 1,1. Melatonin war damit dem Scheinmedikament überlegen und nach den Autoren so wirksam wie Amitriptylin.[24] Für den Cluster-Kopfschmerz sagt das nichts aus.

Literatur

  • Hollingworth, M.; Young, TM. (Nov 2013). "Melatonin Responsive Hemicrania Continua in Which Indomethacin Was Associated With Contralateral Headache.". Headache. doi:10.1111/head.12270. PMID 24261314. 
  • Mario Peres and Andre Gonçalves: Double-Blind, Placebo Controlled, Randomized Clinical Trial Comparing Melatonin 3 mg, Amitriptyline 25 mg and Placebo for Migraine Prevention. Neurology. February 12, 2013; 80(Meeting Abstracts 1): S40.005 URL Kommentar in der Ärztezeitung 15.04.2013 — nicht mehr erreichbar, geprüft am 22.09.2026
  • Srinivasan, V.; Lauterbach, EC.; Ho, KY.; Acuña-Castroviejo, D.; Zakaria, R.; Brzezinski, A. (Jun 2012). "Melatonin in antinociception: its therapeutic applications.". Curr Neuropharmacol 10 (2): 167-78. doi:10.2174/157015912800604489. PMID 23204986. 
  • Wade AG, Ford I, Crawford G, McConnachie A, Nir T, Laudon M, Zisapel N (August 2010). "Nightly treatment of primary insomnia with prolonged release melatonin for 6 months: a randomized placebo controlled trial on age and endogenous melatonin as predictors of efficacy and safety". BMC Med 8 (1): 51. doi:10.1186/1741-7015-8-51. PMID 20712869.  - Free full text
  • Luchetti F, Canonico B, Betti M, Arcangeletti M, Pilolli F, Piroddi M, Canesi L, Papa S, Galli F (June 2010). "Melatonin signaling and cell protection function". FASEB J. doi:10.1096/fj.10-154450. PMID 20534884. 
  • Leone M, Bussone G.: Melatonin in Cluster Headache. Rationale for Use and Possible Therapeutic Potential. CNS Drugs. 1998 Jan; 9 (1): 7-16. Online — nicht mehr erreichbar, geprüft am 22.09.2026
  • Bruera O, Sances G, Leston J, Levin G, Cristina S, Medina C, Barontini M, Nappi G, Figuerola MA.: Plasma melatonin pattern in chronic and episodic headaches. Evaluation during sleep and waking. Funct Neurol. 2008 Apr-Jun; 23(2): 77-81. PMID 18671907 Online

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Externe Links

Einzelnachweise

  1. ↑ Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  2. ↑ AWMF-Leitlinienregister, Registernummer 030-036: „S1-Leitlinie Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen“, Art der Anmeldung „Überarbeitung“, Anmeldedatum 24.07.2025, geplante Fertigstellung 31.12.2026. Am 22.09.2026 gelesen.
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 May A, Evers S, Goadsby PJ u. a.: European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache. Eur J Neurol 2023;30(10):2955–2979, PMID 37515405, doi:10.1111/ene.15956. Am 22.09.2026 im Volltext gelesen (frei zugängliche Fassung auf dem Server des European Board of Neurology): Abschnitt „Melatonin“ (S. 2969) und Tabelle 17 (S. 2973). Dort zu Melatonin: „Can be used if other medication has failed (method of third choice)“, „Can be tried in patients with sleep problems“, „10 mg orally“, „Not efficacious in refractory cluster headache“; zu Verapamil: „Preventive method of choice in episodic and chronic cluster“.
  4. ↑ Leone M, Damico D, Moschiano F, et al.: Melatonin versus placebo in the prophylaxis of cluster headache: a double blind pilot study with parallel groups. Cephalalgia. (1996); 16: pp. 494–496. PMID 8933994.
  5. ↑ Peres M F, Rozen T D: Melatonin in the preventive treatment of chronic cluster headache. Cephalalgia. 2001; 21: pp. 993–995, PMID 11843873.
  6. ↑ Pringsheim T, Magnoux E, Dobson C F et al.: Melatonin as adjunctive therapy in the prophylaxis of cluster headache: a pilot study. Headache. 2002; 42: pp. 787–792. PMID 12390642.
  7. ↑ 7,0 7,1 Liampas I, Siokas V, Brotis A u. a. (2020). "Meta-analysis of melatonin levels in cluster headache-Review of clinical implications". Acta Neurol Scand 142 (4): 356–367. doi:10.1111/ane.13317. PMID 32677039.  Im Wortlaut: „Results were compatible with lower nocturnal serum MT levels during bouts“; zur Vorbeugung „one RCT and two non-randomized trials were retrieved“; Fazit: „Overall, available data for the role use of MT in CH are insufficient and inconclusive.“ Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  8. ↑ Leone M, D'Amico D, Moschiano F u. a. (1996). "Melatonin versus placebo in the prophylaxis of cluster headache: a double-blind pilot study with parallel groups". Cephalalgia 16 (7): 494–496. doi:10.1046/j.1468-2982.1996.1607494.x. PMID 8933994.  20 Patienten, 10 mg abends über 14 Tage; 5 von 10 sprachen an, in der Placebogruppe keiner; die beiden chronischen Patienten sprachen nicht an. Im Wortlaut der Zusammenfassung: „The chronic cluster patients did not respond.“ Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  9. ↑ Peres MF, Rozen TD (2001). "Melatonin in the preventive treatment of chronic cluster headache". Cephalalgia 21 (10): 993–995. doi:10.1046/j.1468-2982.2001.00307.x. PMID 11843873.  Im Wortlaut: „We report two chronic cluster headache patients who had both daytime and nocturnal attacks that were alleviated with melatonin.“ Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  10. ↑ Pringsheim T, Magnoux E, Dobson CF, Hamel E, Aubé M (2002). "Melatonin as adjunctive therapy in the prophylaxis of cluster headache: a pilot study". Headache 42 (8): 787–792. doi:10.1046/j.1526-4610.2002.02181.x. PMID 12390642.  Neun Teilnehmende, sechs mit chronischem und drei mit episodischem Verlauf, deren Attacken unter der üblichen Behandlung nicht ausreichend kontrolliert waren; je ein Monat Melatonin und Scheinmedikament in fester Reihenfolge. Im Wortlaut: „There were no significant differences between means on analysis of variance and t testing for the melatonin, placebo, and baseline months for all primary and secondary endpoints.“ Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  11. ↑ Erland LA, Saxena PK (2017). "Melatonin Natural Health Products and Supplements: Presence of Serotonin and Significant Variability of Melatonin Content". J Clin Sleep Med 13 (2): 275–281. doi:10.5664/jcsm.6462. PMID 27855744.  Im Wortlaut: „Melatonin content was found to range from -83% to +478% of the labelled content“; Serotonin „was identified in eight of the supplements“. Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  12. ↑ The Efficacy and Safety of Exogenous Melatonin for Primary Sleep Disorders, A Meta-Analysis — alte Adresse nicht mehr erreichbar, geprüft am 22.09.2026; heute bei PubMed Central PMID 16423108.
  13. ↑ 13,0 13,1 13,2 Bundesinstitut für Risikobewertung: Melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel: BfR weist auf mögliche Gesundheitsrisiken hin. Stellungnahme 42/2024 vom 17. September 2024, doi:10.17590/20240917-100539-0. Am 22.09.2026 gelesen, Seiten 1, 2 und 8. In der Aufzählung der Arzneistoffe auf Seite 8 stehen die Schreibweisen „Fluvoxetin“ und „Imiprimin“; gemeint sind nach der Fachinformation von Circadin Fluvoxamin und Imipramin.
  14. ↑ Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Gerichtsverfahren des BVL zu melatoninhaltigen Erzeugnissen – Abgrenzung Lebensmittel / Arzneimittel, am 22.09.2026 gelesen. Im Wortlaut: „Die Einstufung melatoninhaltiger Erzeugnisse als Lebens- oder Arzneimittel ist aktuell eine sehr umstrittene Frage. Auch die Rechtsprechung hierzu ist sehr uneinheitlich.“ Das dort beschriebene Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig (5 A 113/13, ein Erzeugnis mit 3 mg Melatonin je Kapsel) endete 2018 durch Klagerücknahme, ohne Entscheidung in der Sache.
  15. ↑ Buscemi N, Vandermeer B, Hooton N u. a. (2005). "The efficacy and safety of exogenous melatonin for primary sleep disorders. A meta-analysis". J Gen Intern Med 20 (12): 1151–1158. doi:10.1111/j.1525-1497.2005.0243.x. PMID 16423108.  Volltext bei PubMed Central. Im Wortlaut: „There is evidence to suggest that melatonin is safe with short-term use (3 months or less).“ Am 22.09.2026 geprüft.
  16. ↑ 16,0 16,1 Circadin® - eine Zusammenfassung der EMEA (PDF-Datei) — nicht mehr erreichbar, geprüft am 22.09.2026
  17. ↑ 17,0 17,1 17,2 Circadin 2 mg Retardtabletten, Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, Europäische Arzneimittel-Agentur, Produktinformation laut EMA zuletzt aktualisiert am 07.07.2025; am 22.09.2026 gelesen: Abschnitte 4.1, 4.2, 4.4 und 4.5; am 23.09.2026 zusätzlich 4.8 und 5.1. 4.8: „In klinischen Prüfungen berichteten insgesamt 9,5 % der Patienten, die Circadin erhielten, eine Nebenwirkung im Vergleich zu 7,4 % der Patienten, die das Plazebo erhielten.“ Aufgeführt u. a. Reizbarkeit, Nervosität, Rastlosigkeit, Insomnie, anormale Träume, Albträume, Kopfschmerzen, Benommenheit, Somnolenz, Bauchschmerzen, Übelkeit, Juckreiz. 5.1: Melatonin „ist ein natürlicherweise vorkommendes Hormon, das von der Zirbeldrüse produziert wird und mit dem Serotonin strukturverwandt ist.“
  18. ↑ www.welt.de: Das Dornröschen-Hormon ohne Wunderkraft
  19. ↑ Zusammenfassung des Europäischen Öffentlichen Beurteilungsberichts (PDF-Datei) — nicht mehr erreichbar, geprüft am 22.09.2026
  20. ↑ Medknowledge.de: Melatonin (Circadin®) bei Schlafstörung. — nicht mehr erreichbar, geprüft am 22.09.2026
  21. ↑ Europäische Arzneimittel-Agentur: Circadin, EPAR, am 22.09.2026 gelesen. Im Wortlaut: „Circadin is indicated as monotherapy for the short-term treatment of primary insomnia characterised by poor quality of sleep in patients who are aged 55 or over.“ und „The European Commission granted a marketing authorisation valid throughout the European Union for Circadin to Neurim Pharmaceuticals EEC Limited on 29 June 2007.“
  22. ↑ Alstadhaug, KB.; Odeh, F.; Salvesen, R.; Bekkelund, SI. (Oct 2010). "Prophylaxis of migraine with melatonin: a randomized controlled trial.". Neurology 75 (17): 1527-32. doi:10.1212/WNL.0b013e3181f9618c. PMID 20975054. 
  23. ↑ Mario Peres and Andre Gonçalves: Double-Blind, Placebo Controlled, Randomized Clinical Trial Comparing Melatonin 3 mg, Amitriptyline 25 mg and Placebo for Migraine Prevention. Neurology. February 12, 2013; 80(Meeting Abstracts 1): S40.005 URL Kommentar in der Ärztezeitung 15.04.2013 — nicht mehr erreichbar, geprüft am 22.09.2026
  24. ↑ Gonçalves AL, Martini Ferreira A, Ribeiro RT, Zukerman E, Cipolla-Neto J, Peres MF (2016). "Randomised clinical trial comparing melatonin 3 mg, amitriptyline 25 mg and placebo for migraine prevention". J Neurol Neurosurg Psychiatry 87 (10): 1127–1132. doi:10.1136/jnnp-2016-313458. PMID 27165014.  Titel und Autoren entsprechen dem Kongressbeitrag von 2013. Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.



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