Tiefenhirnstimulation: Unterschied zwischen den Versionen
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Datei:DBS CT Scan (1024).jpg|[https://de.wikipedia.org/wiki/Computertomographie Computertomographie] mit implantierter Elektrode | Datei:DBS CT Scan (1024).jpg|alt=Seitliche Röntgenübersicht des Kopfes: Eine Elektrode reicht von oben tief ins Gehirn, das Kabel läuft über den Schädel hinter dem Ohr zum Hals.|[https://de.wikipedia.org/wiki/Computertomographie Computertomographie] mit implantierter Elektrode | ||
Datei:DBS.png|Schematische Darstellung: Elektrode, Kabel, Stromgeber | Datei:DBS.png|alt=Zeichnung eines Kopfes im Profil: eine Elektrode im Gehirn, das Kabel läuft unter der Haut hinter dem Ohr zum Hals hinunter.|Schematische Darstellung: Elektrode, Kabel, Stromgeber | ||
Datei:DBS Parkinson surgery.jpg|[https://de.wikipedia.org/wiki/Stereotaktische_Hirnoperation Stereotaxiegerät] zur Platzierung einer Stimulationselektrode | Datei:DBS Parkinson surgery.jpg|alt=Kopf eines Patienten in einem am Schädel befestigten Metallrahmen mit Zielvorrichtung, im Operationssaal.|[https://de.wikipedia.org/wiki/Stereotaktische_Hirnoperation Stereotaxiegerät] zur Platzierung einer Stimulationselektrode | ||
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*[http://clusterhomepage.de/operation.htm clusterhomepage.de: Operationen] | *[http://clusterhomepage.de/operation.htm clusterhomepage.de: Operationen] | ||
Aktuelle Version vom 25. September 2026, 15:25 Uhr
Die Tiefenhirnstimulation, auch genannt tiefe Hirnstimulation oder engl. Deep Brain Stimulation (DBS) ist ein medizinischer Eingriff in das Gehirn, mit dem krankheitsbedingte Fehlleistungen korrigiert werden sollen. Dabei werden dem Patienten Elektroden implantiert, die über subkutan verlegte Leitungen mit einem Impulsgeber im Bereich der Brust oder dem Oberbauch verbunden sind. Das populär Hirnschrittmacher genannte System stimuliert mit minimalen elektrischen Impulsen fehlgesteuerte Hirnregionen. Bis 2020 wurden weltweit bereits über 160.000 solcher Impulsgeber eingesetzt, die meisten zur Behandlung der Parkinson-Krankheit.[1]
Etablierte Anwendungsgebiete sind unter anderem die Parkinson-Krankheit, der Essentielle Tremor oder die Dystonie. In der EU zugelassen ist die Tiefenhirnstimulation außerdem für schwere, auf andere Behandlungen nicht ansprechende Zwangsstörungen (seit 2009)[2] und als Zusatzbehandlung für Erwachsene mit fokal beginnenden Anfällen bei einer medikamentös nicht beherrschbaren Epilepsie (seit 2010).[3] In der klinischen Erprobung befinden sich Anwendungen in den Bereichen Depression, Tourette-Syndrom und Cluster-Kopfschmerz.
Bei der Behandlung von Cluster-Kopfschmerz werden mittels fest implantierter Elektroden die Strukturen am Hypothalamus stimuliert. Das noch experimentelle Verfahren ist eine Option für an der chronischen Verlaufsform erkrankte Cluster-Kopfschmerzpatienten, denen nicht anders geholfen werden kann. Ein ebenfalls noch experimentelles aber weniger invasives Verfahren ist z.B. die Okzipitale Nervenstimulation.
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Computertomographie mit implantierter Elektrode
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Schematische Darstellung: Elektrode, Kabel, Stromgeber
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Stereotaxiegerät zur Platzierung einer Stimulationselektrode
Studienlage
- Die verblindete Studie von 2010 war negativ. Bei 11 Menschen mit schwerem chronischem Verlauf zeigte sich im verblindeten Vergleich von echter und Schein-Stimulation über je einen Monat kein Unterschied. Erst in der anschließenden offenen Phase hatten nach einem Jahr 6 von 11 um mehr als die Hälfte weniger Attacken, 3 davon keine mehr. Es gab drei schwere unerwünschte Ereignisse.[4]
- Offene Beobachtungen sind günstiger. Eine Metaanalyse von 2023 fasste 108 Fälle aus 16 Arbeiten zusammen, darunter nur eine randomisierte: Die Attacken gingen im Mittel um 70 Prozent zurück, bei etwa drei von vier Behandelten mindestens um die Hälfte. Todesfälle gab es bei weniger als 1 Prozent, schwere Komplikationen bei etwa jedem Sechsten.[5] Eine gemeinsame Auswertung der Einzeldaten von 40 Operierten aus vier Gruppen fand 2020 im Mittel 77 Prozent weniger Attacken über durchschnittlich 44 Monate; 75 Prozent sprachen an. Die wirksamen Stimulationsorte lagen dabei im Mittelhirn, im ventralen und retrorubralen Tegmentum.[6]
- Das Risiko ist ernst. In einer Pilotstudie von 2005 mit sechs Behandelten starb ein Patient an einer Hirnblutung entlang des Elektrodenkanals, wenige Stunden nach der Operation.[7]
- Die Studien im Vergleich: Studien zum Cluster-Kopfschmerz.
Einzelnachweise
- ↑ Treven M, Brücke C: Die tiefe Hirnstimulation. psychopraxis. neuropraxis 2020; 23(3): 138–141. DOI. Im Wortlaut: „Bei weltweit bereits über 160.000 implantierten Aggregaten, in den meisten Fällen zur Behandlung eines M. Parkinson …“ Am 23.09.2026 gelesen.
- ↑ BioWorld: Report from Europe: Medtronic gains first CE mark for DBS in psychiatric treatment, 16.07.2009, am 23.09.2026 gelesen: „Medtronic (Minneapolis) reported that Reclaim deep brain stimulation (DBS) therapy has received CE-mark approval for the treatment of chronic, severe treatment-resistant obsessive-compulsive disorder (OCD).“
- ↑ Medtronic: Medtronic Receives European CE Mark Approval for Deep Brain Stimulation Therapy for Refractory Epilepsy, Pressemitteilung vom 16.09.2010, am 23.09.2026 gelesen: „… received CE (Conformité Européenne) Mark approval for Medtronic Deep Brain Stimulation (DBS) Therapy in Europe as adjunctive treatment for partial-onset seizures in adults with medically refractory epilepsy.“; „The therapy also is approved in Europe for dystonia and obsessive-compulsive disorder (OCD).“
- ↑ Fontaine D, Lazorthes Y, Mertens P u. a. (2010). "Safety and efficacy of deep brain stimulation in refractory cluster headache: a randomized placebo-controlled double-blind trial followed by a 1-year open extension". J Headache Pain 11 (1): 23–31. doi:. PMID 19936616. 11 Patienten, Kreuzvergleich aktiv gegen Schein über je einen Monat. Im Wortlaut: „During the randomized phase, no significant change in primary and secondary outcome measures was observed between active and sham stimulation. At the end of the open phase, 6/11 responded to the chronic stimulation“ (wöchentliche Attackenzahl um mehr als 50 % gesunken), „including three pain-free patients. There were three serious adverse events“. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ Murray M, Pahapill PA, Awad AJ (2023). "Deep brain stimulation for chronic cluster headaches: a systematic review and meta-analysis". Stereotact Funct Neurosurg 101 (4): 232–243. doi:. PMID 37245509. 108 Fälle aus 16 Arbeiten, davon eine randomisiert; Attackenhäufigkeit −70,1 %, 74,3 % mit mindestens Halbierung. Im Wortlaut: „Death occurred in <1%. The rate of major complications was 16.67%.“ Am 21.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ Nowacki A, Schober M, Nader L u. a. (2020). "Deep brain stimulation for chronic cluster headache: meta-analysis of individual patient data". Ann Neurol 88 (5): 956–969. doi:. PMID 32827225. Im Wortlaut: „Among 40 patients from four different cohorts representing ~50% of all previously published cases, we found a significant 77% mean reduction in headache attack frequency over a mean follow-up of 44 months, with an overall response rate of 75%.“ Außerdem: „We identified 2 hotspots of stimulation covering the midbrain ventral and retrorubral tegmentum.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ Schoenen J, Di Clemente L, Vandenheede M u. a. (2005). "Hypothalamic stimulation in chronic cluster headache: a pilot study of efficacy and mode of action". Brain 128 (Pt 4): 940–947. doi:. PMID 15689358. Im Wortlaut: „Another patient died from an intracerebral haemorrhage that developed along the lead tract several hours after surgery“; „Intracerebral haemorrhage cannot be neglected in the risk evaluation of the procedure.“ Am 21.09.2026 über Europe PMC geprüft.
Siehe auch:
- Infiltrationstherapie bei Cluster-Kopfschmerz
- Therapeutische Nervenblockade
- Okzipitale Nervenstimulation
- SPG-Stimulation
Literatur
- Jürgens T, Paulus W, Tronnier V, Gaul C, Lampl C, Gantenbein A, May A, Diener HC.: Einsatz neuromodulierender Verfahren bei primären Kopfschmerzen. Therapieempfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Nervenheilkunde. 2011; 30(1-2): 47–58. DMKG: PDF-Datei
- Bain Peter, Aziz Tipu, Liu Xuguang, Nandi Dipankar (ed.): Deep Brain Stimulation. Oxford University Press. 2009; ISBN 0-19-954371-2
- May A, Jürgens TP (October 2010). "Therapeutische Neuromodulation bei primären Kopfschmerzsyndromen. (Therapeutic neuromodulation in primary headaches.)". Nervenarzt. doi:. PMID 20972665.
Externe Links
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