Somatostatin

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Kugelmodell eines Moleküls: graue, rote, blaue, weiße und gelbe Kugeln stehen für die Atome.
Octreotid

Somatostatin, auch Somatotropin-Inhibitory Hormone (SIH) genannt, ist ein körpereigenes Peptidhormon. Dieses Hormon wird beim Menschen in der Bauchspeicheldrüse, im Hypothalamus und im Verdauungstrakt gebildet.

Während der akuten Cluster-Kopfschmerz Attacke werden Calcitonin Gene-Related Peptid (CGRP) und Vasoaktives Intestinales Peptid (VIP) ausgeschüttet. Triptane reduzieren die Blutspiegel dieser Neuropeptide bei erfolgreich behandelten Attacken. Eine ähnliche Wirkung hat Somatostatin.[1]

Über die Wirkung von Somatostatin zur Attackenkupierung bei Cluster-Kopfschmerz wurde bereits 1984 von Sicuteri et al. berichtet.[2] Die kurze Halbwertzeit von nur wenigen Minuten erfordert die intravenöse Anwendung von Somatostatin.

Octreotid, ein Somatostatin Analogon, hat eine Halbwertzeit von etwa 1,5 Stunden und kann subkutan verabreicht werden. Die Wirksamkeit von 100 μg Octreotid subkutan zur Attackenkupierung wurde 2004 von Matharu et al. bei 52% der behandelten Attacken nachgewiesen[1]. Die europäische Leitlinie von 2023 führt Octreotid 100 µg unter die Haut als Konsens der Fachleute, weil ausreichende Studien fehlen. Sie weist darauf hin, dass Octreotid selbst Kopfschmerzen und sogar Cluster-Kopfschmerz auslösen kann, und hält weitere Studien für nötig, um Wirksamkeit und Nutzen zu beurteilen.[3]

Octreotid bewirkt im Gegensatz zu den Triptanen keine Gefäß-Verengung (Vasokonstriktion).[1] In Deutschland ist die Substanz zugelassen zur Behandlung der Akromegalie und bei Tumoren.[4]

Was die Fachinformation zu Octreotid sagt

Grundlage ist die Fachinformation Sandostatin (Stand Oktober 2024).[5] Die Studie von 2004 zu Octreotid bei der Attacke ist auf der Seite Studien zum Cluster-Kopfschmerz erklärt.

  • Zulassung: unter anderem Akromegalie, Beschwerden durch hormonbildende Tumoren des Verdauungstrakts, Komplikationen nach Operationen an der Bauchspeicheldrüse und Blutungen aus Krampfadern in Speiseröhre und Magen bei Leberzirrhose; der Cluster-Kopfschmerz ist nicht dabei.[5]
  • Wirkweise: Octreotid ist ein künstlicher Abkömmling von Somatostatin mit gleicher Wirkung, aber viel längerer Wirkdauer.[5]
  • Nebenwirkungen: am häufigsten Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Blähungen, Kopfschmerzen, Gallensteine, erhöhter Blutzucker und Verstopfung. Gallensteine sind sehr häufig; empfohlen wird ein Ultraschall der Gallenblase vor der Behandlung und etwa alle 6 bis 12 Monate. Häufig wird auch ein langsamer Puls berichtet.[5]
  • Wechselwirkungen: Die Dosis von Betablockern und Calciumantagonisten, zu denen Verapamil gehört, muss eventuell angepasst werden, ebenso die von Insulin und Diabetesmitteln. Octreotid vermindert die Aufnahme von Ciclosporin und erhöht die von Bromocriptin.[5][6]
  • Alle Cluster-Mittel im Vergleich: Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Cluster-Mittel.

Literatur

  • May A, Leone M, Áfra J, Linde M, Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. European Journal of Neurology. 2006; 13: 1066–1077. PMID 16987158, PDF-Datei. DOI
  • Matharu MS, Levy MJ, Meeran K, Goadsby PJ.: Subcutaneous octreotide in cluster headache: randomized placebo-controlled double-blind crossover study. Ann Neurol. 2004 Oct; 56(4): 488-94. Erratum in: Ann Neurol. 2004 Nov; 56(5): 751. PMID 15455406, DOI.
  • Goadsby PJ.: New targets in the acute treatment of headache. Curr Opin Neurol. 2005 Jun; 18(3): 283-8. PMID 15891413, Link.
  • Otsuka F, Mizobuchi S, Ogura T, Sato K, Yokoyama M, Makino H.: Long-term effects of octreotide on pituitary gigantism: its analgesic action on cluster headache. Endocr J. 2004 Oct; 51(5): 449-52. PMID 15516776, DOI - Free full text.
  • Milos P, Havelius U, Hindfelt B.: Clusterlike headache in a patient with a pituitary adenoma. With a review of the literature. Headache. 1996 Mar; 36(3):184-8. Review. PMID 8984093. DOI.
  • May A, Lederbogen S, Diener HC.: Octreotide dependency and headache: a case report. Cephalalgia. 1994 Aug; 14(4): 303-4. PMID 7954762, DOI.
  • Caleri D, Marabini S, Panconesi A, Pietrini U.: A pharmacological approach to the analgesizing mechanism of somatostatin in cluster headache. Ric Clin Lab. 1987 Apr-Jun; 17(2): 155-62. PMID 2888182.
  • Sicuteri F, Geppetti P, Marabini S, Lembeck F.: Pain relief by somatostatin in attacks of cluster headache. Pain. 1984 Apr; 18(4): 359-65. PMID 6145138, Link.
  • Otsuka F, Kageyama J, Ogura T, Makino H.: Cluster headache dependent upon octreotide injection. Headache. 1998 Sep; 38(8): 629. (Letter). PMID 11398310, DOI

Externe Links

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 Matharu MS, Levy MJ, Meeran K, Goadsby PJ.: Subcutaneous octreotide in cluster headache: randomized placebo-controlled double-blind crossover study. Ann Neurol. 2004 Oct; 56(4): 488-94. Erratum in: Ann Neurol. 2004 Nov; 56(5): 751. PMID 15455406, DOI.
  2. ↑ Sicuteri F, Geppetti P, Marabini S, Lembeck F.: Pain relief by somatostatin in attacks of cluster headache. Pain. 1984 Apr; 18(4): 359-65. PMID 6145138, Link.
  3. ↑ May A, Evers S, Goadsby PJ, Leone M, Manzoni GC, Pascual J, et al. (2023). "European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache". Eur J Neurol 30 (10): 2955-2979. doi:10.1111/ene.15956. PMID 37515405.  S. 2965: „Octreotide, a somatostatin analog, has been tried in cluster headache and showed to be superior to placebo regarding pain-free rates […]. However, octreotide can induce headache […] and even cluster headache […]. Further studies are necessary to evaluate its efficacy and clinical usefulness in cluster headache.“ Tabelle 16, S. 2972: Octreotid „Consensus statement“ (Fußnote: „In the absence of evidence/studies“), Empfehlung „Consensus“, „1 RCT indicated efficacy“, Dosis „Subcutaneous octreotide 100 μg“.
  4. ↑ Gelbe Liste: Präparate, die den Wirkstoff Octreotidacetat enthalten.
  5. ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 Fachinformation Sandostatin 50 µg, -100 µg, -500 µg (Octreotid), Stand der Information Oktober 2024, am 23.09.2026 gelesen. 4.1: Akromegalie, Symptome hormonaktiver gastroenteropankreatischer Tumoren, Komplikationen nach Pankreasoperationen, Blutungen aus Varizen bei Zirrhose. 4.4: „Häufig sind Fälle von Bradykardie berichtet worden. Eine Anpassung der Dosis von Arzneimitteln wie Betablockern, Calciumantagonisten oder Arzneimitteln zur Einstellung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts kann erforderlich sein“; Cholelithiasis „sehr häufig“, Ultraschall der Gallenblase vor und etwa alle 6 bis 12 Monate. 4.5: Dosisanpassung von Insulin und Antidiabetika kann nötig sein; verringerte Resorption von Ciclosporin, verzögerte von Cimetidin; höhere Bioverfügbarkeit von Bromocriptin; Vorsicht bei Arzneimitteln, die hauptsächlich über CYP3A4 abgebaut werden und eine geringe therapeutische Breite haben. 4.8: häufigste „Diarrhö, Bauchschmerzen, Übelkeit, Blähungen, Kopfschmerzen, Cholelithiasis, Hyperglykämie und Obstipation“. 5.1: „Octreotid ist ein synthetisches Oktapeptid-Analogon des natürlich vorkommenden Hormons Somatostatin mit gleichartiger pharmakologischer Wirkung, jedoch mit einer wesentlich längeren Wirkungsdauer.“
  6. ↑ Embryotox: Verapamil, am 23.09.2026 gelesen: „Verapamil ist ein Calciumkanalblocker (Calciumantagonist) mit vorwiegender Herzwirkung“.


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