Hyperventilation

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Auf einen Blick
  • Was ist das? Man atmet tiefer oder schneller, als der Körper es braucht. Dabei atmet man vermehrt Kohlendioxid (CO₂) ab. Das Blut wird dadurch basischer.[1]
  • Mögliche Beschwerden: Beim Hyperventilationssyndrom (Hyperventilation, für die man keine körperliche Ursache findet) kann die Atemnot manchmal so stark sein, dass man das Gefühl hat zu ersticken. Dazu können Unruhe, Angst, Schmerzen in der Brust und Zittern kommen. Es kann in Händen und Füßen und um den Mund kribbeln. Finger oder Arme können steif werden (Hyperventilationstetanie). Manchen wird schwindelig, oder sie werden ohnmächtig.[2]
  • Oft mit Angst verbunden: Das Hyperventilationssyndrom hängt oft mit Angstzuständen zusammen. Die Diagnose stellt man erst, wenn ernstere Krankheiten ausgeschlossen sind.[2]
  • Was hilft: Beim Hyperventilationssyndrom stehen in der akuten Situation Aufklärung und Beruhigung an erster Stelle. Manche Ärzte empfehlen, im Rahmen einer Verhaltenstherapie Atemtechniken zu lernen, etwa langsames Ausatmen und Bauchatmung.[2]
  • Nicht dasselbe wie die Sauerstoff-Behandlung: Gegen die Cluster-Attacke atmet man reinen Sauerstoff. Das Kohlendioxid im Blut sinkt dabei nur wenig.[3] Wie die Behandlung richtig geht, steht auf der Seite Sauerstoff.
Zuletzt gegen die Quellen geprüft: 25. September 2026 · Wie wir prüfen

Hyperventilation heißt „übermäßiges Atmen“: Hyper = übermäßig, Ventilation = Atmung.

Man atmet dabei tiefer oder schneller, als der Körper es braucht. So atmet man vermehrt Kohlendioxid (CO₂) ab, und sein Gehalt im Blut sinkt. Das Blut wird dadurch basischer. Fachleute nennen das eine respiratorische Alkalose.[1]

Mit der Sauerstoffbehandlung beim Cluster-Kopfschmerz ist das nicht gleichzusetzen. Dort atmet man reinen Sauerstoff, und das Kohlendioxid im Blut sinkt dabei nur wenig.[3] Wie die Behandlung richtig gemacht wird, steht auf der Seite Sauerstoff.

Die Hirngefäße werden enger, unter anderem weil weniger Kohlendioxid im Blut ist. Eine Messstudie fand: Viel Sauerstoff verengt die Hirngefäße auch selbst, unabhängig vom Kohlendioxid.[3] Warum Sauerstoff beim Cluster-Kopfschmerz hilft, ist nicht vollständig geklärt.[4] Mehr dazu unten.

Die Gefäßverengung durch weniger Kohlendioxid nutzt man zum Beispiel auch in der Intensivmedizin. Man verringert damit das Blutvolumen im Gehirn (das cerebrale Blutvolumen) und senkt den Hirndruck.

Bei starker Hyperventilation kann es zu Muskelkrämpfen kommen, der Hyperventilationstetanie.[2]


Sauerstoff, Kohlendioxid und die Hirngefäße

  • Sauerstoff wirkt auch direkt auf die Hirngefäße. In einer Messung an 7 gesunden Männern fiel das Kohlendioxid im Blut beim Atmen von 100 % Sauerstoff nur wenig (von 43,3 auf 40,2 Torr, also um etwa 7 %). Bei gleichem Kohlendioxid-Wert war die Durchblutung des Gehirns unter Sauerstoff um knapp ein Drittel (28,7 bis 32,6 %) niedriger als unter Raumluft. Die Auswertung zeigte: Der hohe Sauerstoff selbst verengt die Hirngefäße – unabhängig vom gesunkenen Kohlendioxid.[3]
  • Warum Sauerstoff beim Cluster-Kopfschmerz hilft, ist nicht vollständig geklärt. Eine Übersichtsarbeit von 2019 schreibt, der Mechanismus sei nicht sehr klar; einige Befunde sprächen für einen Zusammenhang mit dem trigeminovaskulären System (den Schmerznerven des Kopfes, dem Trigeminus, und ihren Verbindungen zu den Blutgefäßen) und mit Entzündungsvorgängen im Nervensystem.[4]
  • Was das praktisch heißt: Die Sauerstoff-Behandlung ist kein absichtliches Schnell-Atmen. Wie sie richtig gemacht wird, steht auf der Seite Sauerstoff.

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 Hyperventilation. DocCheck Flexikon. Abgerufen am 25. September 2026. Wörtlich: „Als Hyperventilation bezeichnet man eine unphysiologisch vertiefte und/oder beschleunigte Atmung, die zu einer Verminderung des alveolären und arteriellen CO2-Partialdrucks führt.“ Und: „Durch die vermehrte Abatmung des Kohlendioxids kommt es bei der Hyperventilation zu einer respiratorischen Alkalose.“
  2. ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Rebecca Dezube: Hyperventilationssyndrom. MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise. Abgerufen am 25. September 2026. Wörtlich: „Das Hyperventilationssyndrom ist durch Dyspnoe und Tachypnoe gekennzeichnet, die häufig von systemischen Symptomen begleitet werden, ohne dass eine organische Ursache vorliegt; es kann jedoch oft im Zusammenhang mit Angstzuständen stehen.“ Zu den Beschwerden: „Patienten mit Hyperventilationssyndrom können manchmal unter so starker Dyspnoe leiden, dass sie das Gefühl haben zu ersticken.“ Und: „Es kann von Unruhe und einem Gefühl des Schreckens oder der Angst, Brustschmerzen, Tremor, Parästhesien (peripher und perioral), peripherer Tetanie (z. B. Steifheit der Finger oder Arme) und Präsynkopen (mit Schwindel) oder Synkopen oder manchmal auch von einer Kombination all dieser Befunde begleitet sein.“ Zur Diagnose: „Das Hyperventilationssyndrom ist eine Ausschlussdiagnose.“ Und: „Die Herausforderung besteht im wohlüberlegten Einsatz weiterführender Diagnostik zum Ausschluss schwererer Erkrankungen.“ Zur Behandlung: „Die Behandlung der akuten Hyperventilation besteht in erster Linie aus Aufklärung und Beruhigung.“ Und: „Einige Ärzte befürworten, dem Patienten strukturierte Atemtechniken (eingebettet in die kognitive Verhaltenstherapie) zu vermitteln, darunter maximale und verlangsamte Ausatmung sowie Zwerchfellatmung.“
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Floyd TF, Clark JM, Gelfand R u. a. (2003). "Independent cerebral vasoconstrictive effects of hyperoxia and accompanying arterial hypocapnia at 1 ATA". J Appl Physiol (1985) 95 (6): 2453–2461. doi:10.1152/japplphysiol.00303.2003. PMID 12937024.  Im Wortlaut: „Regression analysis confirmed the independent cerebral vasoconstrictive effect of increased arterial Po2.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  4. ↑ 4,0 4,1 Guo XN, Lu JJ, Ni JQ u. a. (2019). "The role of oxygen in cluster headache". Med Gas Res 9 (4): 229–231. doi:10.4103/2045-9912.273961. PMID 31898608.  Frei lesbar (PMC7802413). Im Wortlaut: „The mechanism is not very clear, but some evidence has demonstrated its relationship to the trigeminovascular system and neuroinflammation.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.


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