Clonidin
Clonidin beim Cluster-Kopfschmerz
Clonidin ist ein Mittel gegen Bluthochdruck. Es wirkt im Gehirn: Es dämpft das Kreislaufzentrum und senkt so die Aktivität des sympathischen Nervensystems (des „Gaspedals“ des unwillkürlichen Nervensystems); dadurch sinken Blutdruck und Puls.[1]
Studien beim Cluster-Kopfschmerz – nur zwei kleine, offene Studien ohne Vergleichsgruppe, mit Clonidin als Hautpflaster, die sich widersprechen:
- D’Andrea und Kollegen (1995): 13 Betroffene (8 episodisch, 5 chronisch), eine Woche Pflaster. Die Attacken pro Woche sanken im Mittel von 17,7 auf 8,7, die Stärke auf einer Skala von 0 bis 100 mm von 98 auf 41 und die Dauer von 59 auf 34 Minuten.[2]
- Leone und Kollegen (1997): 16 Betroffene mit episodischem Cluster-Kopfschmerz, zwei Wochen Pflaster. Bei 5 verschwanden die Attacken nach dem siebten Tag; für die ganze Gruppe änderten sich Häufigkeit, Stärke und Dauer der Attacken aber nicht bedeutsam.[3]
Die europäische Leitlinie von 2023 hält fest, dass es keinen Beleg für eine vorbeugende Wirkung von Clonidin-Pflastern beim Cluster-Kopfschmerz gibt.[4] In der älteren US-Liste von 2004 stand Clonidin unter den Mitteln, die „erwogen, aber nicht als Routine-Behandlung empfohlen“ werden (US-Leitlinie).
Nach der Fachinformation[1]
- Zulassung: Bluthochdruck – nicht der Cluster-Kopfschmerz.
- Nicht anwenden u. a. bei bestimmten Störungen der Reizleitung im Herzen (Sinusknotensyndrom, AV-Block II. und III. Grades), bei einem Puls unter 50 pro Minute, in der Stillzeit und bei Depressionen.
- Wechselwirkungen: Andere Blutdrucksenker verstärken sich gegenseitig. Rheumamittel (NSAR) schwächen die Wirkung ab, ebenso trizyklische Antidepressiva und Neuroleptika, die zusätzlich Kreislaufprobleme beim Aufstehen verstärken können. Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Alkohol können stärker oder unvorhersehbar wirken. Mit Herzglykosiden oder Betablockern kann der Herzschlag zu langsam werden (bis zu AV-Blockierungen). Verapamil nennt die Fachinformation nicht; weil Verapamil ebenfalls den Herzschlag verlangsamen kann, gehört eine gemeinsame Einnahme in ärztliche Hände (siehe Verapamil: Wirkweise und Wechselwirkungen).
- Nicht plötzlich absetzen: Wer Clonidin plötzlich weglässt – vor allem nach längerer Einnahme hoher Dosen –, riskiert einen starken, eventuell lebensbedrohlichen Blutdruckanstieg und Herzjagen. Die Dosis wird deshalb langsam verringert.
- Sehr häufige Nebenwirkungen: Schwindel, Müdigkeit/Dämpfung, Blutdruckabfall beim Aufstehen und Mundtrockenheit.
Die Angaben zur Zulassung geben Rechtsgrundlagen wieder und sind keine Rechtsberatung. Was gilt, wenn die Krankenkasse ein Mittel außerhalb der Zulassung nicht bezahlen will, steht auf der Seite Off-Label-Use; für den Einzelfall helfen die Sozialverbände weiter — etwa der Sozialverband VdK Deutschland oder der Sozialverband Deutschland (SoVD).
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Fachinformation Catapresan (Clonidinhydrochlorid), Stand der Information Dezember 2021, Abschnitte 4.1, 4.3, 4.4, 4.5, 4.8 und 5.1, am 23.09.2026 gelesen. 4.1: „Bluthochdruck, sofern nicht durch ein Phäochromozytom bedingt.“ 4.3 u. a.: „bestimmten Erregungsbildungs- und Erregungsleitungsstörungen des Herzens, z. B. Sinusknotensyndrom oder AV-Block II. und III. Grades“, „einer Herzschlagfolge unter 50 Schlägen pro Minute (Bradykardie)“, „Stillzeit“, „Depressionen“. 4.5 u. a.: „herzwirksame Glykoside, β-Rezeptorenblocker: Verlangsamung der Herzschlagfolge (Bradykardie), Herzrhythmusstörungen der langsamen Form (AV-Blockierungen).“ 4.4/4.8: plötzliches Absetzen kann „zu akuten Absetzerscheinungen u. a. in Form starker, eventuell auch lebensbedrohender, Blutdrucksteigerung und Herzjagen“ führen. 4.8 sehr häufig: Schwindel, Sedierung, orthostatische Hypotonie, Mundtrockenheit.
- ↑ D’Andrea G, Perini F, Granella F, Cananzi A, Sergi A (1995). "Efficacy of transdermal clonidine in short-term treatment of cluster headache: a pilot study". Cephalalgia 15 (5): 430–433. doi:. PMID 8536305. Offene Pilotstudie; „the mean weekly frequency of attacks dropped from 17.7 +/- 7.0 to 8.7 +/- 6.6 (p = 0.0005)“. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ Leone M, Attanasio A, Grazzi L u. a. (1997). "Transdermal clonidine in the prophylaxis of episodic cluster headache: an open study". Headache 37 (9): 559–560. doi:. PMID 9385753. Im Wortlaut: „For the group as a whole, no significant variations in headache frequency, pain intensity, or attack duration were observed“. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ May A, Evers S, Goadsby PJ, Leone M, Manzoni GC, Pascual J, et al. (2023). "European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache". Eur J Neurol 30 (10): 2955-2979. doi:. PMID 37515405. S. 2969–2970: „There is no evidence that baclofen 15–30 mg [154] or transdermal clonidine [155] have any preventive effect in cluster headache.“
Literatur
- Leone, M.; Attanasio, A.; Grazzi, L.; Libro, G.; D'Amico, D.; Moschiano, F.; Bussone, G. (Oct 1997). "Transdermal clonidine in the prophylaxis of episodic cluster headache: an open study.". Headache 37 (9): 559-60. doi:. PMID 9385753.
- Leone, M.; Attanasio, A.; Grazzi, L.; Libro, G.; D'Amico, D.; Moschiano, F.; Bussone, G. (Jun 1997). "Transdermal clonidine in the prophylaxis of episodic cluster headache.". Cephalalgia 17 (4): 551. doi:. PMID 9209777.
- D'Andrea, G.; Perini, F.; Granella, F.; Cananzi, A.; Sergi, A. (Oct 1995). "Efficacy of transdermal clonidine in short-term treatment of cluster headache: a pilot study.". Cephalalgia 15 (5): 430-3. doi:. PMID 8536305.
- Fanciullacci, M.; Pietrini, U.; Fusco, BM.; Alessandri, M.; Marabini, S.; Sicuteri, F. (Feb 1988). "Does anisocoria by clonidine reflect a central sympathetic dysfunction in cluster headache?". Clin Neuropharmacol 11 (1): 56-62. PMID 3349497. https://journals.lww.com/clinicalneuropharm/Abstract/1988/02000/Does_Anisocoria_by_Clonidine_Reflect_a_Central.5.aspx.
Externe Links
Diese Seiten sind von Nichtmedizinern geschrieben und ersetzen keinen Arztbesuch. Angaben können fehlerhaft oder veraltet sein – prüfen Sie Wichtiges in den genannten Quellen nach. Bitte beachten Sie die Hinweise zu Gesundheitsthemen und zum Datenschutz sowie unsere Arbeitsweise.