AV-Blockierung
Ein AV-Block (atrioventrikulärer Block) ist eine Herzrhythmusstörung. Dabei ist die Erregungsleitung zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern verzögert, zeitweise oder dauerhaft unterbrochen.
Leichtere Formen des AV-Blockes können unbemerkt bleiben und bedürfen keiner Behandlung. Schwerere Formen führen zu einem zu langsamen Herzschlag. Im Extremfall kann es sogar zu einem kompletten Stillstand der Kammern kommen, was dann einer notfallmäßigen Medikamenten- und Herzschrittmacherbehandlung bedarf.
Diese Störung ist nicht selten und tritt am Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) des Herzens auf. Eine mögliche Ursache ist Verapamil, und zwar nicht nur bei Überdosierung: In einer Auswertung beim Cluster-Kopfschmerz trat ein AV-Block I. Grades bei 240 bis 960 mg Verapamil am Tag auf.[1] Mehr dazu unten.
AV-Block durch Verapamil beim Cluster-Kopfschmerz
Kurz erklärt: Das Herz hat eine eigene „Stromleitung“. Der Takt entsteht oben in den Vorhöfen und läuft über den AV-Knoten zu den Kammern. Beim AV-Block ist diese Leitung gestört. Man unterscheidet drei Grade, passend zu den drei Stufen oben: verzögert (I. Grad), zeitweise unterbrochen (II. Grad), dauerhaft unterbrochen (III. Grad). Beim I. Grad ist im EKG (Herzstromkurve) nur die Zeit zwischen Vorhof- und Kammer-Signal verlängert, auf mehr als 0,2 Sekunden.[1]
Warum das beim Cluster-Kopfschmerz wichtig ist: Verapamil wird zur Vorbeugung eingesetzt. Laut Fachinformation verzögert Verapamil die Überleitung im AV-Knoten. Ein AV-Block II. oder III. Grades ist eine Gegenanzeige – außer bei Menschen mit Herzschrittmacher. Cluster-Kopfschmerz steht dort nicht unter den Anwendungsgebieten; die Fachinformation nennt als Grenze für die Dauertherapie 480 mg am Tag.[2] In den Studien unten lagen die Mengen zum Teil darüber (bis 960 mg am Tag, bei einem Menschen 1.200 mg).
Was Studien zeigen
- Cohen 2007: 217 Menschen mit Cluster-Kopfschmerz bekamen Verapamil, begonnen mit 240 mg am Tag, alle 2 Wochen um 80 mg gesteigert bis höchstens 960 mg. Von 108 Menschen mit EKG in der Akte hatten 21 (19 %, also etwa jeder Fünfte) eine Herzrhythmusstörung. 13 (12 %) hatten einen AV-Block I. Grades, und zwar bei 240 bis 960 mg am Tag; einer davon brauchte einen dauerhaften Herzschrittmacher. Ein Mensch hatte einen AV-Block II. Grades. 39 (36 %) hatten einen langsamen Puls unter 60 Schlägen pro Minute. Die Autoren empfehlen ausdrücklich EKG-Kontrollen bei allen, die Verapamil gegen Cluster-Kopfschmerz nehmen.[1]
- Frankreich (Lanteri-Minet 2011): 29 Menschen nahmen sehr hohe Mengen (720 mg am Tag oder mehr). Bei 11 von 29 zeigte das EKG Veränderungen. 4 (14 %) hatten einen AV-Block, gewertet als schwere Nebenwirkung. Bei 8 der 11 traten die Veränderungen erst nach 2 Jahren oder später auf. Die Autoren schreiben deshalb: EKG-Kontrollen auch dann weiterführen, wenn lange nichts passiert ist.[3]
- Befragung von Herzrhythmus-Fachleuten (Koppen 2016): 22 Fachleute waren sich nur in einem Punkt einig: vor Beginn ein EKG, um bestehende Rhythmusstörungen zu erkennen. Die Hälfte riet bei 480 mg am Tag oder mehr zu einem Langzeit-EKG. Zu Kontrollen während der Behandlung und bei Dosisänderungen gab es keine Einigung.[4]
Andere Mittel, die das verstärken können: Laut Fachinformation können sich Verapamil und Betablocker (z. B. Metoprolol, Propranolol), bestimmte Mittel gegen Herzrhythmusstörungen (z. B. Flecainid, Disopyramid) und Narkosegase gegenseitig verstärken – auch bis zu einer höhergradigen AV-Blockierung.[2] Mehr zu Verapamil: Verapamil und Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Cluster-Mittel.
Quellen
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Cohen AS, Matharu MS, Goadsby PJ (2007). "Electrocardiographic abnormalities in patients with cluster headache on verapamil therapy". Neurology 69 (7): 668–675. doi:. PMID 17698788. Im Wortlaut: „Thirteen (12%) had first-degree heart block (PR > 0.2 s), at 240 to 960 mg/day, with one requiring a permanent pacemaker.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ 2,0 2,1 Fachinformation Isoptin 120 mg Filmtabletten (Verapamil), Stand der Information April 2022, gelesen am 23.09.2026. Abschnitt 4.3: „ausgeprägten Reizleitungsstörungen (wie z. B. SA- bzw. AV-Block II. und III. Grades; außer bei Patienten mit Herzschrittmacher)“. Abschnitt 4.4: „Verapamil beeinflusst den AV- und den Sinus-Knoten und verzögert die AV-Überleitung.“ Abschnitt 4.2: „Eine Tagesdosis von 480 mg sollte als Dauertherapie nicht überschritten werden; eine kurzfristige Erhöhung ist möglich.“ Cluster-Kopfschmerz steht nicht unter den Anwendungsgebieten (4.1).
- ↑ Lanteri-Minet M, Silhol F, Piano V, Donnet A (2011). "Cardiac safety in cluster headache patients using the very high dose of verapamil (≥720 mg/day)". J Headache Pain 12 (2): 173–176. doi:. PMID 21258839. Frei lesbar (PMC3072493). Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ Koppen H, Stolwijk J, Wilms EB u. a. (2016). "Cardiac monitoring of high-dose verapamil in cluster headache: An international Delphi study". Cephalalgia 36 (14): 1385–1388. doi:. PMID 26868817. Im Wortlaut: „The panel agreed only on performing pretreatment EKG to screen for pre-existing cardiac arrhythmia.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
Diese Seiten sind von Nichtmedizinern geschrieben und ersetzen keinen Arztbesuch. Angaben können fehlerhaft oder veraltet sein – prüfen Sie Wichtiges in den genannten Quellen nach. Bitte beachten Sie die Hinweise zu Gesundheitsthemen und zum Datenschutz sowie unsere Arbeitsweise.