Indometacin

Aus CK-Wissen
Version vom 22. September 2026, 23:21 Uhr von Cezary (Diskussion | Beiträge) (Stand 2026 ergänzt: Fallserie 2010 eingeordnet, französische Auswertung 2021 (105 Patienten mit chronischem CK, 29 % Ansprechen); Indometacin-Test bei paroxysmaler Hemikranie und Hemicrania continua (ICHD-3, EAN 2023) mit Warnung vor Lithium; Zulassung und Dosis nach dem BfArM-Mustertext (Kopfschmerz nicht im Anwendungsgebiet; bis 200 mg gegen ICHD bis 225 mg); Sicherheitsangaben der Fachinformation; vier DIMDI-Links als 404 gekennzeichnet. Nichts gelöscht.)
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Indometacin, Indomethacin oder Indometazin (engl. indomethacin, indometacin) [1-(p-Chlorbenzoyl)-5-methoxy-2-methylindol-3-yl]-essigsäure ist ein Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Anti-Rheumatika.

Hemicrania continua und die paroxysmale Hemikranie werden mit Indometacin behandelt. In seltenen Fällen kann hoch dosiertes Indometacin auch bei Cluster-Kopfschmerz eine positive vorbeugende Wirkung haben.[1][2]

Stand 2026: Die erste der beiden Arbeiten beschreibt vier Einzelfälle — zwei Menschen mit chronischem, therapierefraktärem und zwei mit episodischem Verlauf — und sichtet dazu die Literatur. Die Autoren folgern, beim Cluster-Kopfschmerz trete die Wirkung womöglich weniger schnell ein als bei den anderen Kopfschmerzen, die auf Indometacin ansprechen, und viele bräuchten höhere Dosen.[3] Eine französische Auswertung von 2021 hat das an einer größeren Zahl untersucht, allerdings nur im Rückblick und an einem einzigen Zentrum: Von 324 Menschen mit chronischem Cluster-Kopfschmerz hatten 105 Indometacin bekommen. 30 von ihnen (29 Prozent) sprachen an, das heißt, ihre Attacken wurden mindestens halb so häufig; bei 12 (11 Prozent) verschwanden sie ganz. 34 sprachen nicht an, bei 41 ließ es sich aus den Unterlagen nicht beurteilen. Die niedrigste wirksame Dosis lag im Mittel bei etwa 86 mg am Tag. Die Autoren empfehlen einen Indometacin-Versuch als dritte Wahl beim chronischen Verlauf.[4] Die Leitlinie der Europäischen Akademie für Neurologie von 2023 nennt Indometacin für die Behandlung des Cluster-Kopfschmerzes nicht; sie erwähnt es nur bei der Abgrenzung zur paroxysmalen Hemikranie und bei der Wechselwirkung mit Lithium.[5]

Gegebenenfalls muss zusätzlich zum Indometacin ein Magenschutzmedikament gegeben werden (Protonenpumpen-Hemmer z. B. Omeprazol)). Die renalen Nebenwirkungen sind zu beachten. Durch Gabe von Zäpfchen können die gastrointestinalen Beschwerden verringert werden.

Stand 2026: Die heute maßgebliche Vorlage für die Fachinformation bestätigt die ersten beiden Punkte und schränkt den dritten ein:[6]
  • Magenschutz: Blutungen, Geschwüre und Durchbrüche im Magen-Darm-Trakt, „auch mit letalem Ausgang“, wurden „unter allen NSAR berichtet“, und zwar auch ohne vorherige Warnzeichen und zu jedem Zeitpunkt der Behandlung. Für Menschen mit erhöhtem Risiko — etwa mit Geschwüren in der Vorgeschichte, im höheren Alter oder bei gleichzeitiger Einnahme von niedrig dosierter ASS — soll ein schützendes Mittel wie Misoprostol oder ein Protonenpumpenhemmer „in Betracht gezogen werden“.
  • Nieren und Leber: Bei längerer Anwendung sind Leberwerte, Nierenfunktion und Blutbild regelmäßig zu kontrollieren. Bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen darf Indometacin nicht gegeben werden.
  • Zäpfchen: Einen Vorteil für den Magen nennt die Vorlage nicht. Für Zäpfchen führt sie zusätzlich örtliche Reizungen am After, blutige Schleimabsonderungen und schmerzhaften Stuhlgang auf.
  • Herz und Kreislauf: Manche NSAR sind, besonders hoch dosiert und über lange Zeit, möglicherweise mit einem gering erhöhten Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall verbunden; für Indometacin lässt sich das nach der Vorlage nicht ausschließen.
  • Weitere Gegenanzeigen sind unter anderem Asthma-, Nesselsucht- oder Schwellungsreaktionen auf ASS oder andere Schmerzmittel dieser Gruppe in der Vorgeschichte, ungeklärte Blutbildungs- und Gerinnungsstörungen, schwere Herzschwäche und das letzte Drittel der Schwangerschaft.
  • Kopfschmerz durch Schmerzmittel: Bei längerer Anwendung von Schmerzmitteln können Kopfschmerzen auftreten, die nicht mit höheren Dosen behandelt werden dürfen.

Indometacin als Test bei der Diagnose

Für die paroxysmale Hemikranie und die Hemicrania continua ist das Ansprechen auf Indometacin Teil der Definition. Bei der paroxysmalen Hemikranie müssen die Attacken durch therapeutische Dosen vollständig verhindert werden („Prevented absolutely by therapeutic doses of indomethacin“), bei der Hemicrania continua heißt es „Responds absolutely to therapeutic doses of indomethacin“. Für den Erwachsenen nennt die Klassifikation zunächst mindestens 150 mg am Tag, bei Bedarf bis 225 mg; als Spritze 100 bis 200 mg.[7][8] Deshalb wird Indometacin in Kopfschmerzzentren auch eingesetzt, um diese Krankheiten voneinander abzugrenzen.[9]

Am ähnlichsten ist dem Cluster-Kopfschmerz die paroxysmale Hemikranie. Ihre Attacken sind aber kürzer (2 bis 30 Minuten), kommen häufiger (mindestens fünf am Tag) und sprechen zwingend auf Indometacin an.[5] Nach der Leitlinie sind häufiger Frauen betroffen; die Klassifikation sagt vorsichtiger, anders als beim Cluster-Kopfschmerz überwögen die Männer nicht.[5][7]

Wichtig bei Lithium: Indometacin erhöht den Lithiumspiegel und kann zu einer Lithiumvergiftung führen. Die Leitlinie schreibt deshalb: „If paroxysmal hemicrania is considered, lithium must be stopped before indomethacin dosing.“ — vor einem Indometacin-Versuch muss Lithium abgesetzt werden.[5] Die Fachinformation verlangt bei gleichzeitiger Anwendung eine Kontrolle des Lithiumspiegels.[6] Mehr auf der Seite Lithium.

Zulassung und Dosis

Nach der Vorlage für die Fachinformation ist Indometacin zur Behandlung von Schmerz und Entzündung bei Gelenkentzündungen einschließlich Gicht, bei rheumatischen Erkrankungen der Wirbelsäule und der Weichteile, bei Arthrosen und nach Verletzungen vorgesehen. Kopfschmerzen gehören nicht zu den Anwendungsgebieten. Die übliche Dosis liegt bei 50 bis 150 mg am Tag; „in besonderen Fällen kurzfristig“ sind 200 mg erlaubt, die „nicht überschritten werden“ sollen.[6] Die Klassifikation nennt für den Test bei Erwachsenen bis zu 225 mg am Tag, also mehr.[7] Beim Cluster-Kopfschmerz wie bei der paroxysmalen Hemikranie ist Indometacin damit ein Gebrauch außerhalb der Zulassung; was das für die Kostenübernahme bedeutet, steht auf der Seite Off-Label-Use beim Clusterkopfschmerz.

Literatur

  • Seidel, S.; Lieba-Samal, D.; Vigl, M.; Wöber, C. (Jul 2011). "Clinical features of unilateral headaches beyond migraine and cluster headache and their response to indomethacin.". Wien Klin Wochenschr. doi:10.1007/s00508-011-0035-7. PMID 21833596. 
  • Porta-Etessam J, Cuadrado M, Rodríguez-Gómez O, García-Ptacek S, Valencia C (June 2010). "Are Cox-2 drugs the second line option in indomethacin responsive headaches?". J Headache Pain. doi:10.1007/s10194-010-0225-0. PMID 20517705. 
  • Prakash S, Shah ND, Chavda BV (August 2010). "Cluster headache responsive to indomethacin: Case reports and a critical review of the literature". Cephalalgia 30 (8): 975–82. doi:10.1177/0333102409357642. PMID 20656709. 

Siehe auch:

Externe Links

Einzelnachweise

  1. ↑ Prakash S, Shah ND, Chavda BV (August 2010). "Cluster headache responsive to indomethacin: Case reports and a critical review of the literature". Cephalalgia 30 (8): 975–82. doi:10.1177/0333102409357642. PMID 20656709. 
  2. ↑ Wang SJ, Fuh JL (August 2010). "Can response to indomethacin exclude the diagnosis of cluster headache?". Cephalalgia 30 (8): 902–3. doi:10.1177/0333102410362926. PMID 20656700. 
  3. ↑ Prakash S, Shah ND, Chavda BV (2010). "Cluster headache responsive to indomethacin: Case reports and a critical review of the literature". Cephalalgia 30 (8): 975–982. doi:10.1177/0333102409357642. PMID 20656709.  Vier Fallberichte — zwei Menschen mit chronischem, therapierefraktärem Verlauf, zwei mit episodischem Verlauf — und eine Literaturübersicht. Im Wortlaut: „The response to indomethacin in patients with CH may not be as immediate as in other indomethacin-responsive headaches, and many patients may need larger doses.“ Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  4. ↑ Monta A, Redon S, Fabre C, Donnet A (2021). "A retrospective observation on 105 patients with chronic cluster headache receiving indomethacin". Neurol Sci 42 (10): 4175–4182. doi:10.1007/s10072-021-05114-4. PMID 33547540.  Rückblickende Auswertung an einem französischen Kopfschmerzzentrum; Ansprechen definiert als Halbierung der Attackenzahl. Im Wortlaut: „We recommend an IMC test as a third-line treatment in CCH.“ Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  5. ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 May A, Evers S, Goadsby PJ u. a.: European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache. Eur J Neurol 2023;30(10):2955–2979, PMID 37515405, doi:10.1111/ene.15956. Am 22.09.2026 im Volltext gelesen (frei zugängliche Fassung auf dem Server des European Board of Neurology). S. 2959: „Paroxysmal hemicrania (ICHD-3 code 3.2) is clinically similar, but attacks occur more frequently (at least five attacks per 24 h), are shorter (2–30 min), and show an obligatory response to indomethacin. Patients are more often female than male.“ S. 2969: „Physicians are reminded of an interaction between lithium and indomethacin that increases lithium levels and can lead to lithium toxicity. If paroxysmal hemicrania is considered, lithium must be stopped before indomethacin dosing.“ Weitere Stellen zu Indometacin enthält die Leitlinie nicht (Volltextsuche).
  6. ↑ 6,0 6,1 6,2 Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Mustertext Fachinformation Indometacin (Muster-Nr. 8000202), Stand 14.09.2021, die Vorlage, nach der die Hersteller ihre Fachinformationen fassen. Am 22.09.2026 gelesen: Abschnitte 4.1 bis 4.5 und 4.8.
  7. ↑ 7,0 7,1 7,2 ICHD-3, 3.2 Paroxysmal hemicrania, Website der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft, am 22.09.2026 gelesen. Kriterium: „Prevented absolutely by therapeutic doses of indomethacin“. Anmerkung: „In an adult, oral indomethacin should be used initially in a dose of at least 150 mg daily and increased if necessary up to 225 mg daily. The dose by injection is 100-200 mg. Smaller maintenance doses are often employed.“ Kommentar: „In contrast to cluster headache, there is no male predominance.“
  8. ↑ ICHD-3, 3.4 Hemicrania continua, am 22.09.2026 gelesen. Kriterium: „Responds absolutely to therapeutic doses of indomethacin“, mit derselben Dosisanmerkung wie bei 3.2.
  9. ↑ Summ O, Evers S (2013). "Mechanism of action of indomethacin in indomethacin-responsive headaches". Curr Pain Headache Rep 17 (4): 327. doi:10.1007/s11916-013-0327-x. PMID 23423598.  Im Wortlaut: „Therefore, indomethacin is also used as a tool for differential diagnosis in headache clinics.“ Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.


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