Cluster-Kopfschmerz Symptome: Unterschied zwischen den Versionen
Cezary (Diskussion | Beiträge) Fachliche Durchsicht: 7 Stellen berichtigt oder ergänzt, mit Einzelnachweisen; DGN-Leitlinie 2015: Hinweis auf die angemeldete Neufassung, aktuelle Adressen; Prüfdatum im Kasten „Auf einen Blick“ |
Cezary (Diskussion | Beiträge) Letztes Kriterium auf den Wortlaut der ICHD-3 gebracht; Schlafphase nach Schlaflabor-Studie berichtigt und belegt; Band und DOI bei Imai 2013 |
||
| (8 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
{{Auf einen Blick|geprüft=24. September 2026| | {{Auf einen Blick|geprüft=24. September 2026| | ||
* '''Streng einseitige, extrem heftige Schmerzattacken''' um Auge und Schläfe | * '''Streng einseitige, extrem heftige Schmerzattacken''' um Auge und Schläfe. Unbehandelt dauert eine Attacke 15 bis 180 Minuten, also eine Viertelstunde bis drei Stunden. | ||
* '''Auf der Schmerzseite''' tränt oder rötet sich meist das Auge | * '''Auf der Schmerzseite''' tränt oder rötet sich meist das Auge. Oft läuft auch die Nase oder ist verstopft. Das Lid kann hängen. Typisch ist starke Unruhe: Betroffene laufen umher, statt sich hinzulegen. | ||
* '''Oft nachts | * '''Oft nachts:''' Häufig kommen die Attacken ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen. Oft folgen sie einem festen Tagesrhythmus. Es kann eine Attacke jeden zweiten Tag sein, aber auch bis zu acht am Tag ([[#Zeitliches Auftreten|zeitliches Auftreten]]). | ||
* '''Vorboten:''' In einer Untersuchung bemerkten 83 | * '''Wie stark?''' In einer großen Befragung bewerteten Betroffene ihre Attacken im Mittel mit 9,7. Die Skala reicht dabei von 0 bis 10 ([[Schmerzskala|Wie weh es tut]]). | ||
* '''Vorboten:''' In einer Untersuchung bemerkten 83 von 100 Betroffenen Vorzeichen, etwa zehn bis zwanzig Minuten vor der Attacke. Früh angewendet wirken [[Sauerstoff]] und die [[Sumatriptan|Sumatriptan-Spritze]] am besten. | |||
}} | }} | ||
{| class="wikitable" style="float:right; clear:right; width:15em; margin:0 0 1em 1em; font-size:90%;" | {| class="wikitable" style="float:right; clear:right; width:15em; margin:0 0 1em 1em; font-size:90%;" | ||
! colspan="2" style="background:#3832EC; color:#FFFFFF;" | Cluster-Kopfschmerz | ! colspan="2" style="background:#3832EC; color:#FFFFFF;" | Cluster-Kopfschmerz | ||
|- | |- | ||
| [ | | [https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_statistische_Klassifikation_der_Krankheiten_und_verwandter_Gesundheitsprobleme ICD-10]-Code || [https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2026/block-g40-g47.htm ''G44.0''] | ||
|- | |- | ||
| [ | | [https://de.wikipedia.org/wiki/International_Headache_Society IHS/ICHD-3]-Code || [https://ichd-3.org/3-trigeminal-autonomic-cephalalgias/3-1-cluster-headache/ ''3.1''] | ||
|} | |} | ||
Der '''Cluster-Kopfschmerz''' | Der '''Cluster-Kopfschmerz''' ist eine eigene Kopfschmerzerkrankung, also nicht die Folge einer anderen Krankheit ([[Erklärung medizinischer Begriffe#Primärkopfschmerz|primärer Kopfschmerz]]). Die Schmerzen kommen in Attacken. Sie sind extrem heftig und streng auf eine Seite beschränkt, im Bereich von Schläfe und Auge.<ref name="IHS"/><ref name="DG">Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020; eine Neufassung ist angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026. - [https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-036 Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]</ref> Das englische Wort „Cluster“ heißt „Gruppe, Häufung“. Die Attacken kommen nämlich zu bestimmten Zeiten stark gehäuft. Danach können Monate bis Jahre ohne Beschwerden folgen. | ||
Andere Bezeichnungen: Bing-Horton-Syndrom, Histaminkopfschmerz, Erythroprosopalgie und weitere. | |||
== Symptome == | == Symptome == | ||
[[Datei:CH Patientin mit O2 Maske.jpg|thumb|Begleitsymptome am rechten Auge <br/>{{ImDruckVerbergen|1=''Zum Vergrößern Bild anklicken''}}]] | [[Datei:CH Patientin mit O2 Maske.jpg|alt=Junge Frau während einer Attacke: Sie hält eine durchsichtige Sauerstoffmaske mit Schlauch vor Mund und Nase, ihr rechtes Auge ist verengt, das Lid hängt.|thumb|Begleitsymptome am rechten Auge <br/>{{ImDruckVerbergen|1=''Zum Vergrößern Bild anklicken''}}]] | ||
Die heftigen und einseitigen Attacken dauern meist zwischen 15 und 180 Minuten und treten vornehmlich aus dem Schlaf heraus auf. Ganz unvermittelt kommen sie für die meisten Betroffenen allerdings nicht: In einer Untersuchung an 80 Betroffenen berichteten 83 Prozent Vorboten, im Mittel gut vier verschiedene. Örtliche Beschwerden im späteren Schmerzgebiet setzten im Median zehn Minuten vor der Attacke ein, allgemeine Beschwerden rund zwanzig Minuten vorher | Die heftigen und einseitigen Attacken dauern meist zwischen 15 und 180 Minuten und treten vornehmlich aus dem Schlaf heraus auf. Ganz unvermittelt kommen sie für die meisten Betroffenen allerdings nicht: In einer Untersuchung an 80 Betroffenen berichteten 83 Prozent Vorboten, im Mittel gut vier verschiedene. Örtliche Beschwerden im späteren Schmerzgebiet setzten im Median zehn Minuten vor der Attacke ein, allgemeine Beschwerden rund zwanzig Minuten vorher. | ||
Die Autoren halten es für möglich, dass das Erkennen dieser Vorboten eine frühere Behandlung der Attacke erlaubt – und früh angewendet wirken [[Sauerstoff]] und die Sumatriptan-Spritze am besten.<ref name="SNOER2018">{{cite journal |author=Snoer A, Lund N, Beske R, Jensen R, Barloese M |title=Pre-attack signs and symptoms in cluster headache: Characteristics and time profile |journal=Cephalalgia |volume=38 |issue=6 |pages=1128-1137 |year=2018 |pmid=28816505 |doi=10.1177/0333102417726498 |url=}} ''80 Betroffene, strukturiertes Interview zu 31 möglichen Vorboten.''</ref> Die Kopfschmerzen sind bei 78% der Patienten immer auf der gleichen Seite.<ref name="DMKG">{{cite journal |author=May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC |title=Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft |journal=Schmerz |volume=19 |issue=3 |pages=225–41 |year=2005 |month=June |pmid=15887001 |doi=10.1007/s00482-005-0397-8 |url=}} [https://web.archive.org/web/20151106202717/http://www.dmkg.de/dmkg/sites/default/files/therapieempfehlung%20clusterkopfschmerz.pdf DMKG: PDF-Datei]</ref> Der Cluster-Kopfschmerz zeigt eine ausgeprägte [https://de.wikipedia.org/wiki/Circadiane_Rhythmik Tagesrhythmik,] am häufigsten kommt es ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen, in den frühen Morgenstunden und nach der Mittagszeit zu Anfällen. Die Häufigkeit beträgt zwischen einer Attacke jeden zweiten Tag und acht Attacken täglich. | |||
[[Bild:Symptome.jpg|thumb|Autonome Symptome]] | Der Kopfschmerzcharakter wird als unerträglich, reißend, bohrend, manchmal auch als brennend geschildert. Seine Haupt-Lokalisation ist meist um das Auge herum, seltener auch im Bereich des Hinterkopfs. Besonders typisch ist ein während der Kopfschmerzattacken bestehender Bewegungsdrang. Anders als Menschen mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Migr%C3%A4ne Migräne] neigen Patienten mit Cluster-Kopfschmerz nicht dazu, sich ins Bett zurückzuziehen, sondern wandern umher oder schaukeln mit dem Oberkörper. Ein Teil der Patienten berichtet über einen zwischen den Attacken bestehenden leichten Hintergrundschmerz <ref name="DMKG"/>. | ||
Definition des Cluster-Kopfschmerzes der [ | |||
{{Schmerzstärke}} | |||
[[Bild:Symptome.jpg|alt=Vortragsfolie „Autonome Symptome im Cluster-Kopfschmerz“: Tränenfluss 82–84 %, Augenrötung 58–84 %, Horner-Syndrom 57–69 %, laufende Nase 68–76 %; Hinweis auf eine Schädigung des postganglionären sympathischen Nervs. Folie von Arne May, 2007.|thumb|Autonome Symptome]] | |||
Definition des Cluster-Kopfschmerzes der [https://de.wikipedia.org/wiki/International_Headache_Society International Headache Society] (IHS-ICHD-III)<ref name="IHS">[https://doi.org/10.1177/0333102417738202 Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS): The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). ''Cephalalgia.'' '''38'''(1) 1–211. January 25, 2018 - Free full text]</ref> | |||
Wenigstens 5 Attacken, welche die nachfolgenden Kriterien erfüllen: | Wenigstens 5 Attacken, welche die nachfolgenden Kriterien erfüllen: | ||
* Starke oder sehr starke einseitig lokalisierte Schmerzattacken im Bereich im oder über der Augenhöhle und/oder der Schläfengegend, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten. Während eines Teils, aber bei weniger als der Hälfte des Zeitverlaufes des Cluster-Kopfschmerzes können die Attacken weniger schwer sein und/oder kürzer oder länger andauern. | * Starke oder sehr starke einseitig lokalisierte Schmerzattacken im Bereich im oder über der Augenhöhle und/oder der Schläfengegend, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten. Während eines Teils, aber bei weniger als der Hälfte des Zeitverlaufes des Cluster-Kopfschmerzes können die Attacken weniger schwer sein und/oder kürzer oder länger andauern. | ||
[[Bild:Clusterattacke.gif|thumb|Begleitsymptome]] | [[Bild:Clusterattacke.gif|alt=Gesicht eines Mannes während einer Attacke: Das rechte Auge ist gerötet, verengt und tränt, aus der Nase läuft Sekret.|thumb|Begleitsymptome]] | ||
* Begleitend tritt wenigstens ''eines'' der nachfolgend angeführten Merkmale auf der vom Schmerz betroffenen Seite auf: | * Begleitend tritt wenigstens ''eines'' der nachfolgend angeführten Merkmale auf der vom Schmerz betroffenen Seite auf: | ||
# gerötete [ | # gerötete [https://de.wikipedia.org/wiki/Bindehaut Bindehaut] des Auges [https://flexikon.doccheck.com/de/Konjunktivale_Injektion (konjunktivale Injektion)] und/oder ein tränendes Auge [https://de.wikipedia.org/wiki/Tr%C3%A4nenwege (Lakrimation)] | ||
# laufende und/oder verstopfte Nase [ | # laufende und/oder verstopfte Nase [https://flexikon.doccheck.com/Rhinorrhoe (nasale Rhinorrhoe] und/oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Blutandrang Kongestion)] | ||
# ein [ | # ein [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96dem Lidödem] | ||
# Schwitzen im Bereich der Stirn oder des Gesichtes | # Schwitzen im Bereich der Stirn oder des Gesichtes | ||
# verengte Pupille [ | # verengte Pupille [https://de.wikipedia.org/wiki/Miosis (Miosis)] und/oder ein hängendes Augenlid [https://de.wikipedia.org/wiki/Ptosis (Ptosis)] | ||
* und/oder körperliche Unruhe oder Agitiertheit. | * und/oder körperliche Unruhe oder Agitiertheit. | ||
| Zeile 40: | Zeile 46: | ||
* Die Attackenfrequenz liegt zwischen einer Attacke jeden zweiten Tag und acht Attacken pro Tag. Während eines Teils, aber bei weniger als der Hälfte des Zeitverlaufes des Cluster-Kopfschmerzes können die Attacken seltener auftreten. | * Die Attackenfrequenz liegt zwischen einer Attacke jeden zweiten Tag und acht Attacken pro Tag. Während eines Teils, aber bei weniger als der Hälfte des Zeitverlaufes des Cluster-Kopfschmerzes können die Attacken seltener auftreten. | ||
* Der Kopfschmerz | * Der Kopfschmerz lässt sich nicht besser durch eine andere Diagnose der Klassifikation (ICHD-3) erklären. | ||
[[Bild:Clusterhead.jpg|thumb|'''The Cluster Headache'''<br/>by JD Fletcher]] | [[Bild:Clusterhead.jpg|alt=Zeichnung: Ein kleines Wesen hockt auf einem Kopf und bohrt sich mit der Hand ins Auge; das Gesicht ist vor Schmerz verzerrt, eine Hand drückt gegen die Schläfe.|thumb|'''The Cluster Headache'''<br/>by JD Fletcher]] | ||
Auch vermeintlich untypische Symptome wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit kommen regelmäßig vor. Ein Viertel der Patienten erlebt vor dem Anfall eine visuelle [ | Auch vermeintlich untypische Symptome wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit kommen regelmäßig vor. Ein Viertel der Patienten erlebt vor dem Anfall eine visuelle [https://de.wikipedia.org/wiki/Migr%C3%A4neaura Aura], was die klinische Abgrenzung zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Migr%C3%A4ne Migräne] erschwert.<ref name="DMKG"/><ref>{{Cite journal | last1 = Schürks | first1 = M. | last2 = Kurth | first2 = T. | last3 = de Jesus | first3 = J. | last4 = Jonjic | first4 = M. | last5 = Rosskopf | first5 = D. | last6 = Diener | first6 = HC. | title = Cluster headache: clinical presentation, lifestyle features, and medical treatment. | journal = Headache | volume = 46 | issue = 8 | pages = 1246-54 | month = Sep | year = 2006 | doi = 10.1111/j.1526-4610.2006.00534.x | PMID = 16942468 }}</ref> | ||
Einseitige autonome Begleitsymptome sind nicht spezifisch für den Cluster-Kopfschmerz und können auch bei Migräneattacken auftreten.<ref>{{cite journal| author=Goadsby PJ| title=Lacrimation, conjunctival injection, nasal symptoms... cluster headache, migraine and cranial autonomic symptoms in primary headache disorders--what's new? | journal=J Neurol Neurosurg Psychiatry | year= 2009 | volume= 80 | issue= 10 | pages= 1057-8 | pmid=19762895 | url= | doi=10.1136/jnnp.2008.162867 }}</ref><ref>{{Cite journal | last1 = Guven | first1 = H. | last2 = Cilliler | first2 = AE. | last3 = Comoğlu | first3 = SS. | title = Unilateral cranial autonomic symptoms in patients with migraine. | journal = Acta Neurol Belg | volume = | issue = | pages = | month = Nov | year = 2012 | doi = 10.1007/s13760-012-0164-4 | PMID = 23160810 }}</ref> Bei etwa 3% bis 9% der vom Cluster-Kopfschmerz Betroffenen treten keine autonomen Begleitsymptome auf.<ref name="Ekbom-1990">{{Cite journal | last1 = Ekbom | first1 = K. | title = Evaluation of clinical criteria for cluster headache with special reference to the classification of the International Headache Society. | journal = Cephalalgia | volume = 10 | issue = 4 | pages = 195-7 | month = Aug | year = 1990 | doi = 10.1046/j.1468-2982.1990.1004195.x | PMID = 2245469 }}</ref><ref name="Lai-2009">{{Cite journal | last1 = Lai | first1 = TH. | last2 = Fuh | first2 = JL. | last3 = Wang | first3 = SJ. | title = Cranial autonomic symptoms in migraine: characteristics and comparison with cluster headache. | journal = J Neurol Neurosurg Psychiatry | volume = 80 | issue = 10 | pages = 1116-9 | month = Oct | year = 2009 | doi = 10.1136/jnnp.2008.157743 | PMID = 18931007 }}</ref><ref>{{cite journal| author=Chu MK, Kim BS, Chung PW, Kim BK, Lee MJ, Park JW | display-authors=etal| title=Clinical features of cluster headache without cranial autonomic symptoms: results from a prospective multicentre study. | journal=Sci Rep | year= 2021 | volume= 11 | issue= 1 | pages= 6916 | pmid=33767287 | doi=10.1038/s41598-021-86408-7 | pmc= | }}</ref> | Einseitige autonome Begleitsymptome sind nicht spezifisch für den Cluster-Kopfschmerz und können auch bei Migräneattacken auftreten.<ref>{{cite journal| author=Goadsby PJ| title=Lacrimation, conjunctival injection, nasal symptoms... cluster headache, migraine and cranial autonomic symptoms in primary headache disorders--what's new? | journal=J Neurol Neurosurg Psychiatry | year= 2009 | volume= 80 | issue= 10 | pages= 1057-8 | pmid=19762895 | url= | doi=10.1136/jnnp.2008.162867 }}</ref><ref>{{Cite journal | last1 = Guven | first1 = H. | last2 = Cilliler | first2 = AE. | last3 = Comoğlu | first3 = SS. | title = Unilateral cranial autonomic symptoms in patients with migraine. | journal = Acta Neurol Belg | volume = | issue = | pages = | month = Nov | year = 2012 | doi = 10.1007/s13760-012-0164-4 | PMID = 23160810 }}</ref> Bei etwa 3% bis 9% der vom Cluster-Kopfschmerz Betroffenen treten keine autonomen Begleitsymptome auf.<ref name="Ekbom-1990">{{Cite journal | last1 = Ekbom | first1 = K. | title = Evaluation of clinical criteria for cluster headache with special reference to the classification of the International Headache Society. | journal = Cephalalgia | volume = 10 | issue = 4 | pages = 195-7 | month = Aug | year = 1990 | doi = 10.1046/j.1468-2982.1990.1004195.x | PMID = 2245469 }}</ref><ref name="Lai-2009">{{Cite journal | last1 = Lai | first1 = TH. | last2 = Fuh | first2 = JL. | last3 = Wang | first3 = SJ. | title = Cranial autonomic symptoms in migraine: characteristics and comparison with cluster headache. | journal = J Neurol Neurosurg Psychiatry | volume = 80 | issue = 10 | pages = 1116-9 | month = Oct | year = 2009 | doi = 10.1136/jnnp.2008.157743 | PMID = 18931007 }}</ref><ref>{{cite journal| author=Chu MK, Kim BS, Chung PW, Kim BK, Lee MJ, Park JW | display-authors=etal| title=Clinical features of cluster headache without cranial autonomic symptoms: results from a prospective multicentre study. | journal=Sci Rep | year= 2021 | volume= 11 | issue= 1 | pages= 6916 | pmid=33767287 | doi=10.1038/s41598-021-86408-7 | pmc= | }}</ref> | ||
Man unterscheidet den [[Episodischer Cluster-Kopfschmerz|episodischen Cluster-Kopfschmerz]] mit [[Remission|Remissionsphasen]] von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren und den [[Chronischer Cluster-Kopfschmerz|chronischen Cluster-Kopfschmerz]] mit Remissionsphasen von weniger als drei Monaten. Diese Dreimonatsgrenze steht so in der heute gültigen Klassifikation ICHD-3 von 2018; die ältere Fassung (ICHD-II) hatte sie bei einem Monat gezogen.<ref name="ICHD3">[https://ichd-3.org/3-trigeminal-autonomic-cephalalgias/3-1-cluster-headache/ International Classification of Headache Disorders, 3. Auflage (ICHD-3), Abschnitt 3.1 Cluster headache], herausgegeben von der ''International Headache Society'' 2018; die Unterformen unter [https://ichd-3.org/3-trigeminal-autonomic-cephalalgias/3-1-cluster-headache/3-1-1-episodic-cluster-headache/ 3.1.1 Episodic cluster headache] (mindestens zwei Episoden von sieben Tagen bis einem Jahr, getrennt durch schmerzfreie Zeiten von mindestens drei Monaten; eine Episode dauert meist zwei Wochen bis drei Monate) und [https://ichd-3.org/3-trigeminal-autonomic-cephalalgias/3-1-cluster-headache/3-1-2-chronic-cluster-headache/ 3.1.2 Chronic cluster headache] (mindestens ein Jahr ohne Remission oder mit Remissionen unter drei Monaten), abgerufen am 21.09.2026.</ref> Die Mehrheit der Betroffenen hat den episodischen Verlauf: Die Klassifikation nennt für die chronische Form einen Anteil von etwa 10 bis 15 Prozent<ref name="ICHD3"/>, die Zusammenfassung aller bevölkerungsbezogenen Untersuchungen ein Verhältnis von sechs zu eins zwischen episodischem und chronischem Verlauf – also rund 86 Prozent episodisch.<ref name="FISCHERA2008">{{cite journal |author=Fischera M, Marziniak M, Gralow I, Evers S |title=The incidence and prevalence of cluster headache: a meta-analysis of population-based studies |journal=Cephalalgia |volume=28 |issue=6 |pages=614-8 |year=2008 |pmid=18422717 |doi=10.1111/j.1468-2982.2008.01592.x}}</ref> „Episodisch" bedeutet dabei nicht „nur gelegentlich": In der aktiven Phase kommen die Attacken täglich, oft mehrmals am Tag, und dazwischen liegen beschwerdefreie Pausen von mindestens drei Monaten. Die Attacken können durch [[Trigger]] ausgelöst werden – und zwar, wie dort beschrieben, praktisch nur während der aktiven Phase. | Man unterscheidet den [[Episodischer Cluster-Kopfschmerz|episodischen Cluster-Kopfschmerz]] mit [[Remission|Remissionsphasen]] von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren und den [[Chronischer Cluster-Kopfschmerz|chronischen Cluster-Kopfschmerz]] mit Remissionsphasen von weniger als drei Monaten. Diese Dreimonatsgrenze steht so in der heute gültigen Klassifikation ICHD-3 von 2018; die ältere Fassung (ICHD-II) hatte sie bei einem Monat gezogen.<ref name="ICHD3">[https://ichd-3.org/3-trigeminal-autonomic-cephalalgias/3-1-cluster-headache/ International Classification of Headache Disorders, 3. Auflage (ICHD-3), Abschnitt 3.1 Cluster headache], herausgegeben von der ''International Headache Society'' 2018; die Unterformen unter [https://ichd-3.org/3-trigeminal-autonomic-cephalalgias/3-1-cluster-headache/3-1-1-episodic-cluster-headache/ 3.1.1 Episodic cluster headache] (mindestens zwei Episoden von sieben Tagen bis einem Jahr, getrennt durch schmerzfreie Zeiten von mindestens drei Monaten; eine Episode dauert meist zwei Wochen bis drei Monate) und [https://ichd-3.org/3-trigeminal-autonomic-cephalalgias/3-1-cluster-headache/3-1-2-chronic-cluster-headache/ 3.1.2 Chronic cluster headache] (mindestens ein Jahr ohne Remission oder mit Remissionen unter drei Monaten), abgerufen am 21.09.2026.</ref> | ||
Die Mehrheit der Betroffenen hat den episodischen Verlauf: Die Klassifikation nennt für die chronische Form einen Anteil von etwa 10 bis 15 Prozent<ref name="ICHD3"/>, die Zusammenfassung aller bevölkerungsbezogenen Untersuchungen ein Verhältnis von sechs zu eins zwischen episodischem und chronischem Verlauf – also rund 86 Prozent episodisch.<ref name="FISCHERA2008">{{cite journal |author=Fischera M, Marziniak M, Gralow I, Evers S |title=The incidence and prevalence of cluster headache: a meta-analysis of population-based studies |journal=Cephalalgia |volume=28 |issue=6 |pages=614-8 |year=2008 |pmid=18422717 |doi=10.1111/j.1468-2982.2008.01592.x}}</ref> „Episodisch" bedeutet dabei nicht „nur gelegentlich": In der aktiven Phase kommen die Attacken täglich, oft mehrmals am Tag, und dazwischen liegen beschwerdefreie Pausen von mindestens drei Monaten. Die Attacken können durch [[Trigger]] ausgelöst werden – und zwar, wie dort beschrieben, praktisch nur während der aktiven Phase. | |||
== Attackenhäufigkeit == | == Attackenhäufigkeit == | ||
| Zeile 53: | Zeile 61: | ||
== Zeitliches Auftreten == | == Zeitliches Auftreten == | ||
Häufig, und besonders bei Episodikern, treten die Attacken nachts ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen auf. | Häufig, und besonders bei Episodikern, treten die Attacken nachts ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen auf. Früher nahm man an, dass diese Attacken an die erste Traumschlafphase (REM-Schlaf) gebunden sind. Eine Untersuchung im Schlaflabor mit 40 Betroffenen und 45 aufgezeichneten nächtlichen Attacken fand aber keinen zeitlichen Zusammenhang mit dem REM-Schlaf oder einer anderen Schlafphase.<ref name="BARLOESE2015">Barloese MCJ: Neurobiology and sleep disorders in cluster headache. ''The Journal of Headache and Pain.'' 2015; '''16''': 78. [https://doi.org/10.1186/s10194-015-0562-0 DOI]. Abgerufen am 02.10.2026.</ref> | ||
Für die Bindung an die Uhrzeit gibt es inzwischen eine Erklärung, und sie ist gut untersucht. Eine Zusammenfassung von 72 Arbeiten fand bei 70,5 Prozent der Betroffenen (3490 von 4953 in 16 Studien) ein Tagesmuster der Attacken mit einem deutlichen Gipfel zwischen 21 und 3 Uhr, dazu Häufungen im Frühjahr und Herbst. Dazu passen niedrigere Melatonin- und höhere Kortisolwerte. Und der Befund, der beides verbindet: Fünf der neun bekannten Risikogene des Cluster-Kopfschmerzes sind Gene, deren Aktivität selbst einem Tagesrhythmus folgt.<ref name="BENKLI2023">{{cite journal |author=Benkli B, Kim SY, Koike N, Han C, Tran CK, Silva E, et al. |title=Circadian Features of Cluster Headache and Migraine: A Systematic Review, Meta-analysis, and Genetic Analysis |journal=Neurology |volume=100 |issue=22 |pages=e2224-e2236 |year=2023 |pmid=36990725 |doi=10.1212/WNL.0000000000207240 |url=}}</ref> Die Steuerzentrale dafür sitzt im [[Hypothalamus]], der während der Attacke nachweislich aktiv ist – Einzelheiten dazu stehen auf der Seite [[Cluster-Kopfschmerz Ursachen]]. | Für die Bindung an die Uhrzeit gibt es inzwischen eine Erklärung, und sie ist gut untersucht. Eine Zusammenfassung von 72 Arbeiten fand bei 70,5 Prozent der Betroffenen (3490 von 4953 in 16 Studien) ein Tagesmuster der Attacken mit einem deutlichen Gipfel zwischen 21 und 3 Uhr, dazu Häufungen im Frühjahr und Herbst. Dazu passen niedrigere Melatonin- und höhere Kortisolwerte. Und der Befund, der beides verbindet: Fünf der neun bekannten Risikogene des Cluster-Kopfschmerzes sind Gene, deren Aktivität selbst einem Tagesrhythmus folgt.<ref name="BENKLI2023">{{cite journal |author=Benkli B, Kim SY, Koike N, Han C, Tran CK, Silva E, et al. |title=Circadian Features of Cluster Headache and Migraine: A Systematic Review, Meta-analysis, and Genetic Analysis |journal=Neurology |volume=100 |issue=22 |pages=e2224-e2236 |year=2023 |pmid=36990725 |doi=10.1212/WNL.0000000000207240 |url=}}</ref> Die Steuerzentrale dafür sitzt im [[Hypothalamus]], der während der Attacke nachweislich aktiv ist – Einzelheiten dazu stehen auf der Seite [[Cluster-Kopfschmerz Ursachen]]. | ||
| Zeile 60: | Zeile 68: | ||
Dass viele Episodiker während der Woche beschwerdefrei seien und sich die Attacken zum Wochenende hin häuften, lässt sich nicht belegen: Ein Wochenrhythmus kommt weder in den Leitlinien noch in den chronobiologischen Untersuchungen vor, und „während der Woche beschwerdefrei" widerspricht dem täglichen Attackenmuster innerhalb einer Episode.<ref name="BENKLI2023"/> | Dass viele Episodiker während der Woche beschwerdefrei seien und sich die Attacken zum Wochenende hin häuften, lässt sich nicht belegen: Ein Wochenrhythmus kommt weder in den Leitlinien noch in den chronobiologischen Untersuchungen vor, und „während der Woche beschwerdefrei" widerspricht dem täglichen Attackenmuster innerhalb einer Episode.<ref name="BENKLI2023"/> | ||
[[Bild:Clusterkopf.jpg|thumb]] | [[Bild:Clusterkopf.jpg|alt=Schwarzer Styroporkopf, durch dessen Auge ein Bohrer gestoßen ist; rund ums Auge ist er rot bemalt – ein Bild für den bohrenden Schmerz einer Attacke.|thumb]] | ||
== Beschreibung einer Attacke == | == Beschreibung einer Attacke == | ||
| Zeile 73: | Zeile 81: | ||
Videoaufzeichnung einer Cluster-Kopfschmerzattacke. Das Video entstand während der Teilnahme der Patientin an einer Studie in einer Klinik. Eher untypisch ist die, durch die Teilnahme an der Studie bedingte, liegende Position. Die meisten Betroffenen möchten während einer Attacke nicht liegen, sondern umherlaufen und sich bewegen. Dies zeigt sich auch in dem Bewegungsdrang der Patientin. | Videoaufzeichnung einer Cluster-Kopfschmerzattacke. Das Video entstand während der Teilnahme der Patientin an einer Studie in einer Klinik. Eher untypisch ist die, durch die Teilnahme an der Studie bedingte, liegende Position. Die meisten Betroffenen möchten während einer Attacke nicht liegen, sondern umherlaufen und sich bewegen. Dies zeigt sich auch in dem Bewegungsdrang der Patientin. | ||
{{ | {{YouTube|raCnH6BPdKM|titel=Aufnahme einer Cluster-Attacke}} | ||
</div> | </div> | ||
== Andere Bezeichnungen == | == Andere Bezeichnungen == | ||
Die vielfachen Neubeschreibungen und Neuentdeckungen des Cluster-Kopfschmerz Syndroms resultierten in einer Vielzahl von Synonymen und auch von Verwechslungen mit anderen Erkrankungen, die mit Cluster-Kopfschmerz keinen Zusammenhang haben. Früher verwendete Begriffe nach der IHS-ICHD-II Klassifikation: Ziliare Neuralgie, Erythromelalgie des Kopfes, Bing-Erythroprosopalgie, Hemicrania angioparalytica, Hemicrania periodica neuralgiformis, Histaminkopfschmerz, Horton-Syndrom, Harris-Horton-Syndrom, migränöse Neuralgie nach Harris, Petrosusneuralgie nach Gardner, Sluder-Neuralgie, Neuralgie des Ganglion sphenopalatinum und Vidianusneuralgie.<ref name="IHS"/> Die Bezeichnung "Bing-Horton-Syndrom" findet sich in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) G44.0 Cluster-Kopfschmerz.<ref>[https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2026/block-g40-g47.htm Internationale Klassifikation der Krankheiten, deutsche Fassung ICD-10-GM Version 2026, Block G40-G47], herausgegeben vom ''Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte''. Unter G44.0 steht „Cluster-Kopfschmerz" mit den Einschlüssen „Bing-Horton-Syndrom", „chronisch" und „episodisch". Die früher hier verlinkten Adressen beim DIMDI antworten nicht mehr; die Klassifikationen werden heute vom BfArM herausgegeben (geprüft am 21.09.2026)</ref> Der Begriff "Bing-Horton Kopfschmerz-Syndrom" wurde von Ernst Kaemmerer 1961 verwendet.<ref>Kaemmerer, E.: Beitrag zur Diagnose und Therapie des Bing-Hortonschen Kopfschmerz-Syndroms. ''Nervenarzt.'' 1961 '''32''': 123-5. PMID 13791258</ref> Die gelegentlich verwendete Bezeichnung “Suizid-Kopfschmerz”<ref>{{cite journal |author=May A |title=Die Zukunft der Kopfschmerzen |journal=Schmerz |volume=18 |issue=5 |pages=349–50 |year=2004 |month=October |pmid=15449165 |doi=10.1007/s00482-004-0365-8 |url=}}</ref> lässt sich nicht durch eine überdurchschnittliche Anzahl begangener Selbstmorde belegen.<ref name="pmid16539867">{{cite journal |author=Markley HG, Buse DC |title=Cluster headache: myths and the evidence |journal=Curr Pain Headache Rep |volume=10 |issue=2 |pages=137–41 |year=2006 |month=April |pmid=16539867 |doi= 10.1007/s11916-006-0025-z |url=}}</ref> | Die vielfachen Neubeschreibungen und Neuentdeckungen des Cluster-Kopfschmerz Syndroms resultierten in einer Vielzahl von Synonymen und auch von Verwechslungen mit anderen Erkrankungen, die mit Cluster-Kopfschmerz keinen Zusammenhang haben. Früher verwendete Begriffe nach der IHS-ICHD-II Klassifikation: Ziliare Neuralgie, Erythromelalgie des Kopfes, Bing-Erythroprosopalgie, Hemicrania angioparalytica, Hemicrania periodica neuralgiformis, Histaminkopfschmerz, Horton-Syndrom, Harris-Horton-Syndrom, migränöse Neuralgie nach Harris, Petrosusneuralgie nach Gardner, Sluder-Neuralgie, Neuralgie des Ganglion sphenopalatinum und Vidianusneuralgie.<ref name="IHS"/> | ||
Die Bezeichnung "Bing-Horton-Syndrom" findet sich in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) G44.0 Cluster-Kopfschmerz.<ref>[https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2026/block-g40-g47.htm Internationale Klassifikation der Krankheiten, deutsche Fassung ICD-10-GM Version 2026, Block G40-G47], herausgegeben vom ''Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte''. Unter G44.0 steht „Cluster-Kopfschmerz" mit den Einschlüssen „Bing-Horton-Syndrom", „chronisch" und „episodisch". Die früher hier verlinkten Adressen beim DIMDI antworten nicht mehr; die Klassifikationen werden heute vom BfArM herausgegeben (geprüft am 21.09.2026)</ref> Der Begriff "Bing-Horton Kopfschmerz-Syndrom" wurde von Ernst Kaemmerer 1961 verwendet.<ref>Kaemmerer, E.: Beitrag zur Diagnose und Therapie des Bing-Hortonschen Kopfschmerz-Syndroms. ''Nervenarzt.'' 1961 '''32''': 123-5. PMID 13791258</ref> Die gelegentlich verwendete Bezeichnung “Suizid-Kopfschmerz”<ref>{{cite journal |author=May A |title=Die Zukunft der Kopfschmerzen |journal=Schmerz |volume=18 |issue=5 |pages=349–50 |year=2004 |month=October |pmid=15449165 |doi=10.1007/s00482-004-0365-8 |url=}}</ref> lässt sich nicht durch eine überdurchschnittliche Anzahl begangener Selbstmorde belegen.<ref name="pmid16539867">{{cite journal |author=Markley HG, Buse DC |title=Cluster headache: myths and the evidence |journal=Curr Pain Headache Rep |volume=10 |issue=2 |pages=137–41 |year=2006 |month=April |pmid=16539867 |doi= 10.1007/s11916-006-0025-z |url=}}</ref> | |||
Die Belastung ist damit aber nicht klein geredet, und die Zahlen dazu gehören genannt. In einer Online-Befragung von 1134 Betroffenen in den Vereinigten Staaten, die über eine Selbsthilfe-Webseite teilnahmen, berichteten 55 Prozent, Suizidgedanken zu kennen; knapp 20 Prozent hatten wegen der Erkrankung eine Arbeitsstelle verloren, weitere 8 Prozent waren arbeitsunfähig oder berentet.<ref name="ROZEN2012">{{cite journal |author=Rozen TD, Fishman RS |title=Cluster headache in the United States of America: demographics, clinical characteristics, triggers, suicidality, and personal burden |journal=Headache |volume=52 |issue=1 |pages=99-113 |year=2012 |pmid=22077141 |doi=10.1111/j.1526-4610.2011.02028.x |url=}}</ref> | |||
Eine Zusammenfassung von zehn Studien mit zusammen 34.180 Betroffenen kam insgesamt auf 8 Prozent mit Suizidgedanken, bei Betroffenen aus Kopfschmerzzentren, neurologischen Kliniken und Patientenorganisationen dagegen auf 44,6 Prozent. Der Gesamtwert stammt allerdings überwiegend aus zwei großen Auswertungen von Abrechnungs- und Behandlungsdaten aus den USA, die Suizidgedanken nur erfassen, wenn sie dort dokumentiert wurden.<ref name="VANOBBERGHEN2025">{{cite journal |author=Van Obberghen EK, Fabre R, Lantéri-Minet M |title=Cluster headache suicidality: a systematic review with a meta-analysis |journal=J Headache Pain |volume=26 |issue=1 |pages=281 |year=2025 |pmid=41345548 |doi=10.1186/s10194-025-02140-x}}</ref> | |||
In einer Untersuchung an 462 Betroffenen und 177 Vergleichspersonen war die Wahrscheinlichkeit, im Leben eine Depression zu haben, fast dreimal so hoch (Odds Ratio 2,77). Bemerkenswert ist der Grund, den diese Arbeit findet: Eine aktuelle Depression hing mit laufenden Attacken zusammen, und zwar zum Teil über die Schlafstörungen durch die nächtlichen Attacken. Wer die Attacken und den Schlaf in den Griff bekommt, tut damit also auch etwas für die Stimmung.<ref name="LOUTER2016">{{cite journal |author=Louter MA, Wilbrink LA, Haan J, van Zwet EW, van Oosterhout WPJ, Zitman FG, Ferrari MD, Terwindt GM |title=Cluster headache and depression |journal=Neurology |volume=87 |issue=18 |pages=1899-1906 |year=2016 |pmid=27694264 |doi=10.1212/WNL.0000000000003282 |url=}}</ref> | |||
Wer solche Gedanken hat, muss damit nicht allein bleiben. Hilfe gibt es rund um die Uhr und kostenlos bei der Telefonseelsorge unter '''0800 111 0 111''' und '''0800 111 0 222''' oder unter der einheitlichen Rufnummer '''116 123''', in Österreich beim Telefonseelsorge-Notruf '''142''', in der Schweiz bei der Dargebotenen Hand '''143'''. In einer akuten Notlage ist der Rettungsdienst unter '''112''' zu erreichen. Auch die behandelnde Neurologin oder der Hausarzt sind dafür die richtige Adresse: Eine wirksame Behandlung der Attacken ist der wichtigste Beitrag zur Entlastung. | Wer solche Gedanken hat, muss damit nicht allein bleiben. Hilfe gibt es rund um die Uhr und kostenlos bei der Telefonseelsorge unter '''0800 111 0 111''' und '''0800 111 0 222''' oder unter der einheitlichen Rufnummer '''116 123''', in Österreich beim Telefonseelsorge-Notruf '''142''', in der Schweiz bei der Dargebotenen Hand '''143'''. In einer akuten Notlage ist der Rettungsdienst unter '''112''' zu erreichen. Auch die behandelnde Neurologin oder der Hausarzt sind dafür die richtige Adresse: Eine wirksame Behandlung der Attacken ist der wichtigste Beitrag zur Entlastung. | ||
| Zeile 105: | Zeile 119: | ||
* {{Cite journal | last1 = Zidverc-Trajkovic | first1 = J. | last2 = Podgorac | first2 = A. | last3 = Radojicic | first3 = A. | last4 = Sternic | first4 = N. | title = Migraine-Like Accompanying Features in Patients With Cluster Headache. How Important Are They? | journal = Headache | volume = | issue = | pages = | month = Mar | year = 2013 | doi = 10.1111/head.12077 | PMID = 23534887 }} | * {{Cite journal | last1 = Zidverc-Trajkovic | first1 = J. | last2 = Podgorac | first2 = A. | last3 = Radojicic | first3 = A. | last4 = Sternic | first4 = N. | title = Migraine-Like Accompanying Features in Patients With Cluster Headache. How Important Are They? | journal = Headache | volume = | issue = | pages = | month = Mar | year = 2013 | doi = 10.1111/head.12077 | PMID = 23534887 }} | ||
* Imai N.: Clinical profile of probable cluster headache without ipsilateral autonomous symptoms. ''The Journal of Headache and Pain.'' 2013 ''' | * Imai N.: Clinical profile of probable cluster headache without ipsilateral autonomous symptoms. ''The Journal of Headache and Pain.'' 2013; '''14'''(Suppl 1): P43. https://doi.org/10.1186/1129-2377-14-S1-P43 | ||
* {{Cite journal | last1 = Schürks | first1 = M. | last2 = Kurth | first2 = T. | last3 = de Jesus | first3 = J. | last4 = Jonjic | first4 = M. | last5 = Rosskopf | first5 = D. | last6 = Diener | first6 = HC. | title = Cluster headache: clinical presentation, lifestyle features, and medical treatment. | journal = Headache | volume = 46 | issue = 8 | pages = 1246-54 | month = Sep | year = 2006 | doi = 10.1111/j.1526-4610.2006.00534.x | PMID = 16942468 }} | * {{Cite journal | last1 = Schürks | first1 = M. | last2 = Kurth | first2 = T. | last3 = de Jesus | first3 = J. | last4 = Jonjic | first4 = M. | last5 = Rosskopf | first5 = D. | last6 = Diener | first6 = HC. | title = Cluster headache: clinical presentation, lifestyle features, and medical treatment. | journal = Headache | volume = 46 | issue = 8 | pages = 1246-54 | month = Sep | year = 2006 | doi = 10.1111/j.1526-4610.2006.00534.x | PMID = 16942468 }} | ||
| Zeile 117: | Zeile 131: | ||
---- | ---- | ||
'''Hinweis:''' Dieser Artikel basiert zum Teil auf einem Text, der aus der freien Enzyklopädie [ | '''Hinweis:''' Dieser Artikel basiert zum Teil auf einem Text, der aus der freien Enzyklopädie [https://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite Wikipedia] übernommen wurde. Eine Liste der ursprünglichen Autoren befindet sich auf der Versionsseite des Wikipedia Artikels [[Bild:15px-Qsicon lesenswert.png|link=|alt=]] [https://de.wikipedia.org/wiki/Cluster-Kopfschmerz Cluster-Kopfschmerz.] | ||
{{Gesundheitshinweis}} | {{Gesundheitshinweis}} | ||
{{DEFAULTSORT:Symptome}} | {{DEFAULTSORT:Symptome}} | ||
[[Kategorie:Grundlagen]] | [[Kategorie:Grundlagen]] | ||
Aktuelle Version vom 7. Oktober 2026, 19:54 Uhr
| Cluster-Kopfschmerz | |
|---|---|
| ICD-10-Code | G44.0 |
| IHS/ICHD-3-Code | 3.1 |
Der Cluster-Kopfschmerz ist eine eigene Kopfschmerzerkrankung, also nicht die Folge einer anderen Krankheit (primärer Kopfschmerz). Die Schmerzen kommen in Attacken. Sie sind extrem heftig und streng auf eine Seite beschränkt, im Bereich von Schläfe und Auge.[1][2] Das englische Wort „Cluster“ heißt „Gruppe, Häufung“. Die Attacken kommen nämlich zu bestimmten Zeiten stark gehäuft. Danach können Monate bis Jahre ohne Beschwerden folgen.
Andere Bezeichnungen: Bing-Horton-Syndrom, Histaminkopfschmerz, Erythroprosopalgie und weitere.
Symptome

Die heftigen und einseitigen Attacken dauern meist zwischen 15 und 180 Minuten und treten vornehmlich aus dem Schlaf heraus auf. Ganz unvermittelt kommen sie für die meisten Betroffenen allerdings nicht: In einer Untersuchung an 80 Betroffenen berichteten 83 Prozent Vorboten, im Mittel gut vier verschiedene. Örtliche Beschwerden im späteren Schmerzgebiet setzten im Median zehn Minuten vor der Attacke ein, allgemeine Beschwerden rund zwanzig Minuten vorher.
Die Autoren halten es für möglich, dass das Erkennen dieser Vorboten eine frühere Behandlung der Attacke erlaubt – und früh angewendet wirken Sauerstoff und die Sumatriptan-Spritze am besten.[3] Die Kopfschmerzen sind bei 78% der Patienten immer auf der gleichen Seite.[4] Der Cluster-Kopfschmerz zeigt eine ausgeprägte Tagesrhythmik, am häufigsten kommt es ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen, in den frühen Morgenstunden und nach der Mittagszeit zu Anfällen. Die Häufigkeit beträgt zwischen einer Attacke jeden zweiten Tag und acht Attacken täglich.
Der Kopfschmerzcharakter wird als unerträglich, reißend, bohrend, manchmal auch als brennend geschildert. Seine Haupt-Lokalisation ist meist um das Auge herum, seltener auch im Bereich des Hinterkopfs. Besonders typisch ist ein während der Kopfschmerzattacken bestehender Bewegungsdrang. Anders als Menschen mit Migräne neigen Patienten mit Cluster-Kopfschmerz nicht dazu, sich ins Bett zurückzuziehen, sondern wandern umher oder schaukeln mit dem Oberkörper. Ein Teil der Patienten berichtet über einen zwischen den Attacken bestehenden leichten Hintergrundschmerz [4].

Definition des Cluster-Kopfschmerzes der International Headache Society (IHS-ICHD-III)[1]
Wenigstens 5 Attacken, welche die nachfolgenden Kriterien erfüllen:
- Starke oder sehr starke einseitig lokalisierte Schmerzattacken im Bereich im oder über der Augenhöhle und/oder der Schläfengegend, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten. Während eines Teils, aber bei weniger als der Hälfte des Zeitverlaufes des Cluster-Kopfschmerzes können die Attacken weniger schwer sein und/oder kürzer oder länger andauern.

- Begleitend tritt wenigstens eines der nachfolgend angeführten Merkmale auf der vom Schmerz betroffenen Seite auf:
- gerötete Bindehaut des Auges (konjunktivale Injektion) und/oder ein tränendes Auge (Lakrimation)
- laufende und/oder verstopfte Nase (nasale Rhinorrhoe und/oder Kongestion)
- ein Lidödem
- Schwitzen im Bereich der Stirn oder des Gesichtes
- verengte Pupille (Miosis) und/oder ein hängendes Augenlid (Ptosis)
- und/oder körperliche Unruhe oder Agitiertheit.
- Die Attackenfrequenz liegt zwischen einer Attacke jeden zweiten Tag und acht Attacken pro Tag. Während eines Teils, aber bei weniger als der Hälfte des Zeitverlaufes des Cluster-Kopfschmerzes können die Attacken seltener auftreten.
- Der Kopfschmerz lässt sich nicht besser durch eine andere Diagnose der Klassifikation (ICHD-3) erklären.

by JD Fletcher
Auch vermeintlich untypische Symptome wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit kommen regelmäßig vor. Ein Viertel der Patienten erlebt vor dem Anfall eine visuelle Aura, was die klinische Abgrenzung zur Migräne erschwert.[4][6]
Einseitige autonome Begleitsymptome sind nicht spezifisch für den Cluster-Kopfschmerz und können auch bei Migräneattacken auftreten.[7][8] Bei etwa 3% bis 9% der vom Cluster-Kopfschmerz Betroffenen treten keine autonomen Begleitsymptome auf.[9][10][11]
Man unterscheidet den episodischen Cluster-Kopfschmerz mit Remissionsphasen von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren und den chronischen Cluster-Kopfschmerz mit Remissionsphasen von weniger als drei Monaten. Diese Dreimonatsgrenze steht so in der heute gültigen Klassifikation ICHD-3 von 2018; die ältere Fassung (ICHD-II) hatte sie bei einem Monat gezogen.[12]
Die Mehrheit der Betroffenen hat den episodischen Verlauf: Die Klassifikation nennt für die chronische Form einen Anteil von etwa 10 bis 15 Prozent[12], die Zusammenfassung aller bevölkerungsbezogenen Untersuchungen ein Verhältnis von sechs zu eins zwischen episodischem und chronischem Verlauf – also rund 86 Prozent episodisch.[13] „Episodisch" bedeutet dabei nicht „nur gelegentlich": In der aktiven Phase kommen die Attacken täglich, oft mehrmals am Tag, und dazwischen liegen beschwerdefreie Pausen von mindestens drei Monaten. Die Attacken können durch Trigger ausgelöst werden – und zwar, wie dort beschrieben, praktisch nur während der aktiven Phase.
Attackenhäufigkeit
Die Attackenhäufigkeit schwankt sehr stark. Nach den internationalen Kriterien liegt sie zwischen einer Attacke jeden zweiten Tag und acht Attacken am Tag.[1] Wer deutlich öfter kurze Attacken hat, sollte das ärztlich abklären lassen: Bei der paroxysmalen Hemikranie kommen die Attacken häufiger (mindestens fünf in 24 Stunden), sind kürzer (2 bis 30 Minuten) und sprechen immer auf Indometacin an.[14] Oft beginnt bei Episodikern die Attackenhäufigkeit verhalten, um in der Mitte der Episode anzusteigen und gegen Ende wieder abzufallen. Dem entsprechend steigt und fällt auch die Schmerzintensität (siehe auch: Schmerzskala + kalte Attacken).
Zeitliches Auftreten
Häufig, und besonders bei Episodikern, treten die Attacken nachts ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen auf. Früher nahm man an, dass diese Attacken an die erste Traumschlafphase (REM-Schlaf) gebunden sind. Eine Untersuchung im Schlaflabor mit 40 Betroffenen und 45 aufgezeichneten nächtlichen Attacken fand aber keinen zeitlichen Zusammenhang mit dem REM-Schlaf oder einer anderen Schlafphase.[15]
Für die Bindung an die Uhrzeit gibt es inzwischen eine Erklärung, und sie ist gut untersucht. Eine Zusammenfassung von 72 Arbeiten fand bei 70,5 Prozent der Betroffenen (3490 von 4953 in 16 Studien) ein Tagesmuster der Attacken mit einem deutlichen Gipfel zwischen 21 und 3 Uhr, dazu Häufungen im Frühjahr und Herbst. Dazu passen niedrigere Melatonin- und höhere Kortisolwerte. Und der Befund, der beides verbindet: Fünf der neun bekannten Risikogene des Cluster-Kopfschmerzes sind Gene, deren Aktivität selbst einem Tagesrhythmus folgt.[16] Die Steuerzentrale dafür sitzt im Hypothalamus, der während der Attacke nachweislich aktiv ist – Einzelheiten dazu stehen auf der Seite Cluster-Kopfschmerz Ursachen.
In der beschwerdefreien Zeit zwischen den Episoden treten keine Attacken auf, und sonst auslösende Stoffe wie Alkohol wirken dann nicht.[17]
Dass viele Episodiker während der Woche beschwerdefrei seien und sich die Attacken zum Wochenende hin häuften, lässt sich nicht belegen: Ein Wochenrhythmus kommt weder in den Leitlinien noch in den chronobiologischen Untersuchungen vor, und „während der Woche beschwerdefrei" widerspricht dem täglichen Attackenmuster innerhalb einer Episode.[16]

Beschreibung einer Attacke
Beschreibung einer Cluster-Kopfschmerz Attacke durch einen Patienten:
"Für mich ist eine Attacke wie ein rot glühender Wanddurchbruchbohrer durchs Auge bis in den Nacken. Dabei habe ich manchmal noch einen Schmerzschwerpunkt zwischen Ohr/Gehörgang und dem Kiefergelenk, innen, im Mund. Zudem ist die Haut auf der Stirn und auf dem Kopf vorne bis etwa zur Linie Ohr – Ohr auf der Cluster-Seite (bei mir rechts) total empfindlich, die kleinste Berührung schmerzt. Bei starken unbehandelten Attacken reichte die Schmerzausstrahlung bis unter das rechte Schulterblatt und im Arm bis zum Ellenbogen, selten auch bis zum Handgelenk.
Zu Beginn der Attacke ist das Nasenloch auf der betroffenen Seite wie verstopft, im Laufe der Attacke löst sich klarflüssiger Schleim. Das rechte Auge tränt die ganze Zeit während der Attacke und ich kann das Auge nicht geöffnet halten."
Video einer Cluster-Kopfschmerzattacke
Andere Bezeichnungen
Die vielfachen Neubeschreibungen und Neuentdeckungen des Cluster-Kopfschmerz Syndroms resultierten in einer Vielzahl von Synonymen und auch von Verwechslungen mit anderen Erkrankungen, die mit Cluster-Kopfschmerz keinen Zusammenhang haben. Früher verwendete Begriffe nach der IHS-ICHD-II Klassifikation: Ziliare Neuralgie, Erythromelalgie des Kopfes, Bing-Erythroprosopalgie, Hemicrania angioparalytica, Hemicrania periodica neuralgiformis, Histaminkopfschmerz, Horton-Syndrom, Harris-Horton-Syndrom, migränöse Neuralgie nach Harris, Petrosusneuralgie nach Gardner, Sluder-Neuralgie, Neuralgie des Ganglion sphenopalatinum und Vidianusneuralgie.[1]
Die Bezeichnung "Bing-Horton-Syndrom" findet sich in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) G44.0 Cluster-Kopfschmerz.[18] Der Begriff "Bing-Horton Kopfschmerz-Syndrom" wurde von Ernst Kaemmerer 1961 verwendet.[19] Die gelegentlich verwendete Bezeichnung “Suizid-Kopfschmerz”[20] lässt sich nicht durch eine überdurchschnittliche Anzahl begangener Selbstmorde belegen.[21]
Die Belastung ist damit aber nicht klein geredet, und die Zahlen dazu gehören genannt. In einer Online-Befragung von 1134 Betroffenen in den Vereinigten Staaten, die über eine Selbsthilfe-Webseite teilnahmen, berichteten 55 Prozent, Suizidgedanken zu kennen; knapp 20 Prozent hatten wegen der Erkrankung eine Arbeitsstelle verloren, weitere 8 Prozent waren arbeitsunfähig oder berentet.[22]
Eine Zusammenfassung von zehn Studien mit zusammen 34.180 Betroffenen kam insgesamt auf 8 Prozent mit Suizidgedanken, bei Betroffenen aus Kopfschmerzzentren, neurologischen Kliniken und Patientenorganisationen dagegen auf 44,6 Prozent. Der Gesamtwert stammt allerdings überwiegend aus zwei großen Auswertungen von Abrechnungs- und Behandlungsdaten aus den USA, die Suizidgedanken nur erfassen, wenn sie dort dokumentiert wurden.[23]
In einer Untersuchung an 462 Betroffenen und 177 Vergleichspersonen war die Wahrscheinlichkeit, im Leben eine Depression zu haben, fast dreimal so hoch (Odds Ratio 2,77). Bemerkenswert ist der Grund, den diese Arbeit findet: Eine aktuelle Depression hing mit laufenden Attacken zusammen, und zwar zum Teil über die Schlafstörungen durch die nächtlichen Attacken. Wer die Attacken und den Schlaf in den Griff bekommt, tut damit also auch etwas für die Stimmung.[24]
Wer solche Gedanken hat, muss damit nicht allein bleiben. Hilfe gibt es rund um die Uhr und kostenlos bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 oder unter der einheitlichen Rufnummer 116 123, in Österreich beim Telefonseelsorge-Notruf 142, in der Schweiz bei der Dargebotenen Hand 143. In einer akuten Notlage ist der Rettungsdienst unter 112 zu erreichen. Auch die behandelnde Neurologin oder der Hausarzt sind dafür die richtige Adresse: Eine wirksame Behandlung der Attacken ist der wichtigste Beitrag zur Entlastung.
Abkürzungen: CK (Cluster-Kopfschmerz), CKS (Cluster-Kopfschmerz Syndrom), CH (Cluster Headache).
Siehe auch
Literatur
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS): The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). Cephalalgia. 38(1) 1–211. January 25, 2018 - Free full text
- ↑ Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020; eine Neufassung ist angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026. - Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- ↑ Snoer A, Lund N, Beske R, Jensen R, Barloese M (2018). "Pre-attack signs and symptoms in cluster headache: Characteristics and time profile". Cephalalgia 38 (6): 1128-1137. doi:. PMID 28816505. 80 Betroffene, strukturiertes Interview zu 31 möglichen Vorboten.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC (June 2005). "Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft". Schmerz 19 (3): 225–41. doi:. PMID 15887001. DMKG: PDF-Datei
- ↑ Burish MJ, Pearson SM, Shapiro RE, Zhang W, Schor LI (2021). "Cluster headache is one of the most intensely painful human conditions: Results from the International Cluster Headache Questionnaire". Headache 61 (1): 117–124. doi:. PMID 33337540. Frei lesbar (PMC7898696), am 24.09.2026 im Volltext über Europe PMC gelesen. Im Wortlaut: „Cluster headache attacks were rated as 9.7 ± 0.6 (mean ± standard deviation) on the numerical rating scale, followed by labor pain (7.2 ± 2.0), pancreatitis (7.0 ± 1.5), and nephrolithiasis (6.9 ± 1.9). The majority of cluster headache respondents rated a cluster headache attack at maximal or 10.0 pain (72.1%, 1157/1604).“ Die Grenzen der Befragung (Diagnose nur per Fragebogen, Angaben aus der Erinnerung, Cluster-Kopfschmerz immer zuerst bewertet) stehen auf der Seite Schmerzskala.
- ↑ Schürks, M.; Kurth, T.; de Jesus, J.; Jonjic, M.; Rosskopf, D.; Diener, HC. (Sep 2006). "Cluster headache: clinical presentation, lifestyle features, and medical treatment.". Headache 46 (8): 1246-54. doi:. PMID 16942468.
- ↑ Goadsby PJ (2009). "Lacrimation, conjunctival injection, nasal symptoms... cluster headache, migraine and cranial autonomic symptoms in primary headache disorders--what's new?". J Neurol Neurosurg Psychiatry 80 (10): 1057-8. doi:. PMID 19762895.
- ↑ Guven, H.; Cilliler, AE.; Comoğlu, SS. (Nov 2012). "Unilateral cranial autonomic symptoms in patients with migraine.". Acta Neurol Belg. doi:. PMID 23160810.
- ↑ Ekbom, K. (Aug 1990). "Evaluation of clinical criteria for cluster headache with special reference to the classification of the International Headache Society.". Cephalalgia 10 (4): 195-7. doi:. PMID 2245469.
- ↑ Lai, TH.; Fuh, JL.; Wang, SJ. (Oct 2009). "Cranial autonomic symptoms in migraine: characteristics and comparison with cluster headache.". J Neurol Neurosurg Psychiatry 80 (10): 1116-9. doi:. PMID 18931007.
- ↑ Chu MK, Kim BS, Chung PW, Kim BK, Lee MJ, Park JW (2021). "Clinical features of cluster headache without cranial autonomic symptoms: results from a prospective multicentre study.". Sci Rep 11 (1): 6916. doi:. PMID 33767287.
- ↑ 12,0 12,1 International Classification of Headache Disorders, 3. Auflage (ICHD-3), Abschnitt 3.1 Cluster headache, herausgegeben von der International Headache Society 2018; die Unterformen unter 3.1.1 Episodic cluster headache (mindestens zwei Episoden von sieben Tagen bis einem Jahr, getrennt durch schmerzfreie Zeiten von mindestens drei Monaten; eine Episode dauert meist zwei Wochen bis drei Monate) und 3.1.2 Chronic cluster headache (mindestens ein Jahr ohne Remission oder mit Remissionen unter drei Monaten), abgerufen am 21.09.2026.
- ↑ Fischera M, Marziniak M, Gralow I, Evers S (2008). "The incidence and prevalence of cluster headache: a meta-analysis of population-based studies". Cephalalgia 28 (6): 614-8. doi:. PMID 18422717.
- ↑ Europäische Leitlinie 2023: May A, Evers S, Goadsby PJ, Leone M, Manzoni GC, Pascual J, et al.: European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache. Eur J Neurol. 2023; 30(10): 2955-2979. PMID 37515405, DOI. S. 2959: „Paroxysmal hemicrania (ICHD-3 code 3.2) is clinically similar, but attacks occur more frequently (at least five attacks per 24 h), are shorter (2–30 min), and show an obligatory response to indomethacin“.
- ↑ Barloese MCJ: Neurobiology and sleep disorders in cluster headache. The Journal of Headache and Pain. 2015; 16: 78. DOI. Abgerufen am 02.10.2026.
- ↑ 16,0 16,1 Benkli B, Kim SY, Koike N, Han C, Tran CK, Silva E, et al. (2023). "Circadian Features of Cluster Headache and Migraine: A Systematic Review, Meta-analysis, and Genetic Analysis". Neurology 100 (22): e2224-e2236. doi:. PMID 36990725.
- ↑ Europäische Leitlinie 2023: May A, Evers S, Goadsby PJ, Leone M, Manzoni GC, Pascual J, et al.: European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache. Eur J Neurol. 2023; 30(10): 2955-2979. PMID 37515405, DOI. S. 2958: „During the symptomatic period, short and clustered attacks are typical (1–8 per day) and can be triggered by alcohol, nitroglycerin, or histamine. During the symptom-free period, the patient has no cluster-type headaches and otherwise triggering substances show no effect.“
- ↑ Internationale Klassifikation der Krankheiten, deutsche Fassung ICD-10-GM Version 2026, Block G40-G47, herausgegeben vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Unter G44.0 steht „Cluster-Kopfschmerz" mit den Einschlüssen „Bing-Horton-Syndrom", „chronisch" und „episodisch". Die früher hier verlinkten Adressen beim DIMDI antworten nicht mehr; die Klassifikationen werden heute vom BfArM herausgegeben (geprüft am 21.09.2026)
- ↑ Kaemmerer, E.: Beitrag zur Diagnose und Therapie des Bing-Hortonschen Kopfschmerz-Syndroms. Nervenarzt. 1961 32: 123-5. PMID 13791258
- ↑ May A (October 2004). "Die Zukunft der Kopfschmerzen". Schmerz 18 (5): 349–50. doi:. PMID 15449165.
- ↑ Markley HG, Buse DC (April 2006). "Cluster headache: myths and the evidence". Curr Pain Headache Rep 10 (2): 137–41. doi:. PMID 16539867.
- ↑ Rozen TD, Fishman RS (2012). "Cluster headache in the United States of America: demographics, clinical characteristics, triggers, suicidality, and personal burden". Headache 52 (1): 99-113. doi:. PMID 22077141.
- ↑ Van Obberghen EK, Fabre R, Lantéri-Minet M (2025). "Cluster headache suicidality: a systematic review with a meta-analysis". J Headache Pain 26 (1): 281. doi:. PMID 41345548.
- ↑ Louter MA, Wilbrink LA, Haan J, van Zwet EW, van Oosterhout WPJ, Zitman FG, Ferrari MD, Terwindt GM (2016). "Cluster headache and depression". Neurology 87 (18): 1899-1906. doi:. PMID 27694264.
Hinweis: Dieser Artikel basiert zum Teil auf einem Text, der aus der freien Enzyklopädie Wikipedia übernommen wurde. Eine Liste der ursprünglichen Autoren befindet sich auf der Versionsseite des Wikipedia Artikels
Cluster-Kopfschmerz.
Diese Seiten sind von Nichtmedizinern geschrieben und ersetzen keinen Arztbesuch. Angaben können fehlerhaft oder veraltet sein – prüfen Sie Wichtiges in den genannten Quellen nach. Bitte beachten Sie die Hinweise zu Gesundheitsthemen und zum Datenschutz sowie unsere Arbeitsweise.