Methysergid: Unterschied zwischen den Versionen
Cezary (Diskussion | Beiträge) Abschnitt „Wissensstand 2026" ergänzt: das europäische Verfahren 2012 bis 2014 mit Daten und Wortlaut, die verbliebene Cluster-Zulassung im verbindlichen Text des Anhangs III samt der eigenen Vorbedingung (zwei Arzneimittelklassen, je mindestens zwei Monate), die vorgeschriebene Behandlungsdauer und Fibrose-Überwachung, die vier Präparate des Anhangs I (Deutschland und Österreich fehlen darin — damit ist die Jahreszahl 2014 für den deutschen Marktaustritt richtiggestellt), die Nichtbehandlung i… |
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'''Methysergid''' ist ein Ergotaminderivat das bereits seit Ende der 60er Jahre bekannt und daher gut erforscht ist. Es wurde früher oft zur | '''Methysergid''' ist ein Ergotaminderivat das bereits seit Ende der 60er Jahre bekannt und daher gut erforscht ist. Es wurde früher oft zur Vorbeugung der Migräne eingesetzt. Das Medikament ist nicht auf dem deutschen Markt erhältlich. | ||
Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Cluster-Kopfschmerz gibt es nicht; in offenen Studien und Auswertungen half es je nach Untersuchung 20 bis 73 Prozent der Behandelten (Einzelheiten im Abschnitt [[#Wirksamkeit|Wirksamkeit]]). Bei längerer Anwendung kann es zu Wucherungen von Bindegewebe (Fibrose) in der Bauch- oder Brusthöhle kommen. Deshalb darf es seit 2014 nur noch zur Vorbeugung schwerer, anders nicht behandelbarer Migräne und Cluster-Kopfschmerzen eingesetzt werden, wenn Standardmittel versagt haben, und nur für begrenzte Zeit: beim episodischen Verlauf in der Regel nicht länger als zwei bis drei Monate, beim chronischen höchstens sechs Monate am Stück.<ref name="EMAREF"/><ref name="ANNEXIII"/> Zum Zeitpunkt der Leitlinienerstellung für 2015 hat die [https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Arzneimittel-Agentur Europäische Arzneimittel-Agentur] das Medikament auch weiter für diese Indikation bestätigt, allerdings ist es nicht mehr verfügbar.<ref name="DG">Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020; eine Neufassung ist angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026. - [https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-036 Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]</ref> | |||
Beachtet werden sollte, dass Methysergid nicht zusammen mit Triptanen angewendet werden darf, weil der gefäßverengende Effekt beider Medikamente zu Durchblutungsstörungen an Herz und Gehirn führen könnte. Auch stattgehabte Herzinfarkte und Schlaganfälle sind Kontraindikationen. | Beachtet werden sollte, dass Methysergid nicht zusammen mit Triptanen angewendet werden darf, weil der gefäßverengende Effekt beider Medikamente zu Durchblutungsstörungen an Herz und Gehirn führen könnte. Auch stattgehabte Herzinfarkte und Schlaganfälle sind Kontraindikationen. | ||
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Weitere Nebenwirkungen können sein: Benommenheit, Wärmegefühl in der Brust, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. | Weitere Nebenwirkungen können sein: Benommenheit, Wärmegefühl in der Brust, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. | ||
Handelsnamen: | Handelsnamen: Deseril® (Belgien, Niederlande, Vereinigtes Königreich) und Desernil® (Frankreich), so die amtliche Aufstellung des europäischen Verfahrens von 2014 (siehe die Tabelle im Abschnitt [[#In welchen Ländern es das Mittel 2014 noch gab|In welchen Ländern es das Mittel 2014 noch gab]]).<ref name="ANNEXI"/> In den USA hieß das Mittel Sansert®; der Hersteller Novartis hat es dort Ende 2002 vom Markt genommen.<ref name="SANSERT2002">[https://robbinsheadacheclinic.com/sansert-no-longer-available/ Robbins Headache Clinic: Sansert No Longer Available]. Im Wortlaut: „Novartis Pharmaceuticals announced Dec. 2002 that Sansert (methysergide) is no longer going to be available in the United States.“</ref> | ||
== Wirksamkeit == | == Wirksamkeit == | ||
Kontrollierte, [ | Kontrollierte, [https://de.wikipedia.org/wiki/Evidenzbasierte_Medizin evidenzbasierte] Studien zur Wirksamkeit von Methysergid bei Cluster-Kopfschmerz liegen nicht vor.<ref>May A, Leone M, Áfra J, Linde M, Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. ''European Journal of Neurology.'' 2006; '''13''': 1066–1077. PMID 16987158, [http://www.efns.org/fileadmin/user_upload/guidline_papers/EFNS_guideline_2006_cluster_headache_and_other_trigeminal_autonomic.pdf PDF-Datei]. [https://doi.org/10.1111/j.1468-1331.2006.01566.x DOI]</ref><ref>Tyagi A, Matharu M.: Evidence base for the medical treatments used in cluster headache. ''Curr Pain Headache Rep.'' 2009 Apr; '''13'''(2): 168-78. PMID 19272285 [https://doi.org/10.1007/s11916-009-0029-6 DOI]</ref> Nach einer 1967 veröffentlichten narrativen Übersichtsarbeit offener Studien war Methysergid ein wirksames Medikament zur vorbeugenden Behandlung von Cluster-Kopfschmerz.<ref>Curran DA, Hinterberger H, Lance JW. Methysergide. ''Res Clin Stud Headache.'' 1967; '''1''':74–122.</ref> Es wurde berichtet, dass 3-12 mg Methysergid in 73% der Patienten mit [[Episodischer Cluster-Kopfschmerz|episodischem (ECH)]] oder [[Chronischer Cluster-Kopfschmerz|chronischem Cluster-Kopfschmerz (CCH)]] wirksam sei. | ||
== Wissensstand 2026 | Eine spätere [https://de.wikipedia.org/wiki/Beobachtungsstudie Beobachtungsstudie] ergab eine Wirksamkeit von 65% bei ECH und von 20% bei CCH. Bei bis zu 20% der Patienten schien das Medikament bei wiederholter Anwendung seine Wirksamkeit zu verlieren.<ref>Kudrow L. Cluster headache: mechanisms and management. New York: Oxford University Press, 1980.</ref> Studiendesign und Dauer wurden nicht berichtet. Eine weitere prospektive Beobachtungsstudie von Methysergid 3-12 mg täglich bei Menschen mit ECH und CCH fand eine positive präventive Wirkung in 31% der Menschen, ohne Unterschied im Behandlungserfolg zwischen den Gruppen.<ref name="KRABBE">Krabbe AA.: Limited efficacy of methysergide in cluster headache. A clinical experience. ''Cephalalgia.'' 1989; '''9'''(Suppl 10): 404–405.</ref> | ||
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Darüber hinaus fand eine retrospektive Analyse von 164 Menschen mit Cluster-Kopfschmerz (Typ nicht spezifiziert) eine zufriedenstellende Wirksamkeit in nur 26% der Menschen.<ref name="KRABBE"/> In einer weiteren retrospektiven Auswertung zeigte Methysergid eine Wirksamkeit bei drei (27%) von elf ECH Patienten.<ref>De Carolis P, de Capoa D, Agati R, Baldrati A, Sacquegna T.: Episodic cluster headache: short and long term results of prophylactic treatment. ''Headache.'' 1988 Aug; '''28'''(7): 475-6. PMID 3149629</ref> | |||
== Zulassung und europäisches Verfahren == | |||
{{Anker|Wissensstand 2026}} | |||
''Grundlage sind die Originalunterlagen des europäischen Verfahrens, einschließlich der deutschen Fassung des Anhangs III mit dem rechtlich verbindlichen Zulassungstext. Die oben genannte deutsche Leitlinie von 2015 ist seit dem 13.05.2020 abgelaufen; eine Überarbeitung ist im AWMF-Register seit dem 24.07.2025 angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026.''<ref name="AWMF030036">[https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-036 AWMF-Registereintrag 030-036 „Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen"], abgerufen am 21.09.2026: Status „Angemeldet", Anmeldedatum 24.07.2025, geplante Fertigstellung 31.12.2026; Koordination PD Dr. Tim Jürgens (Güstrow) und Prof. Gudrun Goßrau (Dresden).</ref> | |||
=== Das europäische Verfahren von 2012 bis 2014 === | === Das europäische Verfahren von 2012 bis 2014 === | ||
Zum Verfahren bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur: Es wurde am '''24. Mai 2012''' auf Antrag der französischen Arzneimittelbehörde ANSM eingeleitet, und zwar nach Artikel 31 der Richtlinie 2001/83/EG; Anlass waren schwere Fibrose-Fälle, die die französische Behörde festgestellt hatte. Am '''20. Februar 2014''' empfahl die Agentur, die Anwendung einzuschränken. Die Stellungnahme ihres Ausschusses für Humanarzneimittel ging an die Europäische Kommission, die sie bestätigte und am '''28. April 2014''' eine endgültige, rechtlich bindende Entscheidung erließ.<ref name="EMAREF">[https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/referrals/methysergide-containing-medicines Europäische Arzneimittel-Agentur: „Methysergide-containing medicines — referral"], Seite am 22.09.2026 gelesen. Dort wörtlich: „The review of methysergide was initiated on 24 May 2012 at the request of the French medicines agency ANSM under Article 31 of Directive 2001/83/EC following concerns about serious cases of fibrosis identified by the French agency. The CHMP opinion was sent to the European Commission, which endorsed it and issued a final legally binding decision on 28 April 2014."</ref> | |||
Der Kern der Einschränkung lautet dort: „Methysergide medicines are now only to be used for preventing severe intractable migraines and cluster headaches […] when standard medicines have failed." Dazu kommen drei Auflagen: Die Behandlung darf nur von einer Fachärztin oder einem Facharzt mit Erfahrung in der Behandlung von Migräne und Cluster-Kopfschmerz begonnen und überwacht werden; die Patienten müssen zu Behandlungsbeginn und danach alle sechs Monate auf Fibrosen untersucht werden; und die Behandlung muss abgebrochen werden, wenn Anzeichen einer Fibrose auftreten.<ref name="EMAREF"/> | Der Kern der Einschränkung lautet dort: „Methysergide medicines are now only to be used for preventing severe intractable migraines and cluster headaches […] when standard medicines have failed." Dazu kommen drei Auflagen: Die Behandlung darf nur von einer Fachärztin oder einem Facharzt mit Erfahrung in der Behandlung von Migräne und Cluster-Kopfschmerz begonnen und überwacht werden; die Patienten müssen zu Behandlungsbeginn und danach alle sechs Monate auf Fibrosen untersucht werden; und die Behandlung muss abgebrochen werden, wenn Anzeichen einer Fibrose auftreten.<ref name="EMAREF"/> | ||
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=== Die verbliebene Zulassung im Wortlaut === | === Die verbliebene Zulassung im Wortlaut === | ||
Für welche Indikation die Agentur das Mittel bestätigt hat, steht im verbindlichen Text: Anhang III der Entscheidung schreibt den Zulassungsinhabern vor, welche Formulierungen in Abschnitt 4.1 der Fachinformation zu stehen haben. Für den Cluster-Kopfschmerz lautet die Indikation dort wörtlich: | |||
:''„Prophylaktische Behandlung von episodischem und chronischem Clusterkopfschmerz bei Erwachsenen."''<ref name="ANNEXIII">[https://www.ema.europa.eu/de/documents/referral/methysergide-article-31-referral-annex-iii_de.pdf Anhang III zur Entscheidung im Verfahren nach Artikel 31 zu methysergidhaltigen Arzneimitteln, deutsche Fassung (PDF-Datei)], Abschnitte 4.1, 4.2 und 4.4 sowie Teil II (Packungsbeilage); Dokument am 22.09.2026 abgerufen und im Wortlaut gelesen.</ref> | :''„Prophylaktische Behandlung von episodischem und chronischem Clusterkopfschmerz bei Erwachsenen."''<ref name="ANNEXIII">[https://www.ema.europa.eu/de/documents/referral/methysergide-article-31-referral-annex-iii_de.pdf Anhang III zur Entscheidung im Verfahren nach Artikel 31 zu methysergidhaltigen Arzneimitteln, deutsche Fassung (PDF-Datei)], Abschnitte 4.1, 4.2 und 4.4 sowie Teil II (Packungsbeilage); Dokument am 22.09.2026 abgerufen und im Wortlaut gelesen.</ref> | ||
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=== Was die Zulassung an Behandlungsdauer und Überwachung verlangt === | === Was die Zulassung an Behandlungsdauer und Überwachung verlangt === | ||
Der | Der Zulassungstext begrenzt die Behandlungsdauer und unterscheidet dabei die beiden Verlaufsformen:<ref name="ANNEXIII"/> | ||
* Beim '''[[Episodischer Cluster-Kopfschmerz|episodischen]]''' Cluster-Kopfschmerz wird die Behandlungsdauer an die durchschnittliche Dauer der Episoden angepasst, beträgt aber in der Regel nicht mehr als zwei oder drei Monate. | * Beim '''[[Episodischer Cluster-Kopfschmerz|episodischen]]''' Cluster-Kopfschmerz wird die Behandlungsdauer an die durchschnittliche Dauer der Episoden angepasst, beträgt aber in der Regel nicht mehr als zwei oder drei Monate. | ||
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=== Wie gut ist die Wirkung belegt? === | === Wie gut ist die Wirkung belegt? === | ||
Die Zahlen aus dem Abschnitt [[#Wirksamkeit|Wirksamkeit]] im Überblick: 73 Prozent aus einer narrativen Übersicht von 1967, 65 Prozent beim episodischen und 20 Prozent beim chronischen Verlauf in einer Beobachtungsstudie, 31 Prozent in einer prospektiven Beobachtungsstudie, 26 Prozent in einer rückblickenden Auswertung von 164 Menschen und 27 Prozent bei drei von elf Patienten in einer weiteren. Kontrollierte Studien gibt es nicht. Dass die europäische Zulassung das Mittel erst nach dem Versagen von mindestens zwei anderen Arzneimittelklassen zulässt und die Anwendung an eine halbjährliche Fibrose-Untersuchung bindet, passt zu diesem Bild: Es ist ein Mittel für den Fall, dass andere Wege nicht weitergeführt haben — nicht eines der ersten Wahl.<ref name="ANNEXIII"/><ref name="EMAREF"/> | |||
''Wechselwirkungen: Eine Fachinformation für Methysergid fand sich bei der Suche auf fachinfo.de am 23.09.2026 nicht. Die anderen Cluster-Mittel: [[Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Cluster-Mittel|Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen]].'' | |||
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== Literatur == | == Literatur == | ||
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* Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - [ | * Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020; eine Neufassung ist angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026. - [https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-036 Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften] | ||
* {{cite journal |author=May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC |title=Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft |journal=Schmerz |volume=19 |issue=3 |pages=225–41 |year=2005 |month=June |pmid=15887001 |doi=10.1007/s00482-005-0397-8 |url=}} [ | * {{cite journal |author=May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC |title=Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft |journal=Schmerz |volume=19 |issue=3 |pages=225–41 |year=2005 |month=June |pmid=15887001 |doi=10.1007/s00482-005-0397-8 |url=}} [https://web.archive.org/web/20151106202717/http://www.dmkg.de/dmkg/sites/default/files/therapieempfehlung%20clusterkopfschmerz.pdf DMKG: PDF-Datei] | ||
* [http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DocumentServlet?id=31743 Dissertation Schröder, Daniela: Stellenwert von Methysergid (Deseril®) in der prophylaktischen Therapie der Clusterkopfschmerzen anhand der internationalen Literatur und eigener Erfahrungen. Universität Duisburg-Essen 2012] | * [http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DocumentServlet?id=31743 Dissertation Schröder, Daniela: Stellenwert von Methysergid (Deseril®) in der prophylaktischen Therapie der Clusterkopfschmerzen anhand der internationalen Literatur und eigener Erfahrungen. Universität Duisburg-Essen 2012] | ||
* Tyagi A, Matharu M.: Evidence base for the medical treatments used in cluster headache. ''Curr Pain Headache Rep.'' 2009 Apr; '''13'''(2): 168-78. PMID 19272285 [ | * Tyagi A, Matharu M.: Evidence base for the medical treatments used in cluster headache. ''Curr Pain Headache Rep.'' 2009 Apr; '''13'''(2): 168-78. PMID 19272285 [https://doi.org/10.1007/s11916-009-0029-6 DOI] | ||
* Stephen D. Silberstein, Richard B. Lipton, David W. Dodick: ''Wolff's Headache and Other Head Pain.'' p. 394-5, Oxford University Press; 8. Auflage (2008) ISBN 0-1953-2656-3 | * Stephen D. Silberstein, Richard B. Lipton, David W. Dodick: ''Wolff's Headache and Other Head Pain.'' p. 394-5, Oxford University Press; 8. Auflage (2008) ISBN 0-1953-2656-3 | ||
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* {{cite journal |author=Zakrzewska JM |title=Cluster headache: review of the literature |journal=Br J Oral Maxillofac Surg |volume=39 |issue=2 |pages=103–13 |year=2001 |month=April |pmid=11286443 |doi=10.1054/bjom.2000.0605 |url=}} | * {{cite journal |author=Zakrzewska JM |title=Cluster headache: review of the literature |journal=Br J Oral Maxillofac Surg |volume=39 |issue=2 |pages=103–13 |year=2001 |month=April |pmid=11286443 |doi=10.1054/bjom.2000.0605 |url=}} | ||
* {{cite journal |author=Silberstein SD |title=Methysergide |journal=Cephalalgia |volume=18 |issue=7 |pages=421–35 |year=1998 |month=September |pmid=9793694 |doi=10.1111/j.1468-2982.1998.1807421.x |url=}} | * {{cite journal |author=Silberstein SD |title=Methysergide |journal=Cephalalgia |volume=18 |issue=7 |pages=421–35 |year=1998 |month=September |pmid=9793694 |doi=10.1111/j.1468-2982.1998.1807421.x |url=}} | ||
* Ottar Sjaastad: ''Cluster Headache Syndrome.'' p. 117-120, 278, W.B. Saunders, London (1992) ISBN 0-7020-1554-7 | * Ottar Sjaastad: ''Cluster Headache Syndrome.'' p. 117-120, 278, W.B. Saunders, London (1992) ISBN 0-7020-1554-7 | ||
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== Externe Links == | == Externe Links == | ||
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* | * https://de.wikipedia.org/wiki/Methysergid | ||
* [ | * [https://www.gesetze-im-internet.de/amg_1976/__73.html § 73 Arzneimittelgesetz] - Siehe Absatz (3) bzgl. Bezug von Medikamenten aus dem Ausland. | ||
* [http://infomed.mds-ev.de/sindbad.nsf/de083cd4fce51312c12571e700442bef/1142adbd9fde5f6cc12573770044b0fc?OpenDocument Sozialmedizinische Informationsdatenbank für Deutschland: Begutachtungsanleitung zu einzelimportierten Arzneimitteln nach § 73 Abs. 3 Arzneimittelgesetz] | * [http://infomed.mds-ev.de/sindbad.nsf/de083cd4fce51312c12571e700442bef/1142adbd9fde5f6cc12573770044b0fc?OpenDocument Sozialmedizinische Informationsdatenbank für Deutschland: Begutachtungsanleitung zu einzelimportierten Arzneimitteln nach § 73 Abs. 3 Arzneimittelgesetz] ''(Stand 22.09.2026: nicht mehr erreichbar – die Internetadresse gibt es nicht mehr)'' | ||
* http://clinicalevidence.bmj.com/ceweb/conditions/nud/1212/1212_I22.jsp | * http://clinicalevidence.bmj.com/ceweb/conditions/nud/1212/1212_I22.jsp | ||
* | * https://www.clusterheadaches.com/about.html#Methysergide | ||
* [ | * [https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/referrals/methysergide-containing-medicines Methysergide-containing medicines – referral: Empfehlung vom 20.02.2014, die Anwendung einzuschränken. ''European Medicines Agency.''] | ||
* [https://www.clusterheadaches.com/cb/cgi-bin/yabb2/YaBB.pl?num=1381902498/0 Methysergide / Sansert / Deseril availability. '' ClusterBusters Forum.'' 2013] | * [https://www.clusterheadaches.com/cb/cgi-bin/yabb2/YaBB.pl?num=1381902498/0 Methysergide / Sansert / Deseril availability. '' ClusterBusters Forum.'' 2013] ''(Stand 22.09.2026: leitet nur noch auf die Forenübersicht weiter)'' | ||
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{{Gesundheitshinweis}} | {{Gesundheitshinweis}} | ||
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Aktuelle Version vom 24. September 2026, 23:33 Uhr
Methysergid ist ein Ergotaminderivat das bereits seit Ende der 60er Jahre bekannt und daher gut erforscht ist. Es wurde früher oft zur Vorbeugung der Migräne eingesetzt. Das Medikament ist nicht auf dem deutschen Markt erhältlich.
Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Cluster-Kopfschmerz gibt es nicht; in offenen Studien und Auswertungen half es je nach Untersuchung 20 bis 73 Prozent der Behandelten (Einzelheiten im Abschnitt Wirksamkeit). Bei längerer Anwendung kann es zu Wucherungen von Bindegewebe (Fibrose) in der Bauch- oder Brusthöhle kommen. Deshalb darf es seit 2014 nur noch zur Vorbeugung schwerer, anders nicht behandelbarer Migräne und Cluster-Kopfschmerzen eingesetzt werden, wenn Standardmittel versagt haben, und nur für begrenzte Zeit: beim episodischen Verlauf in der Regel nicht länger als zwei bis drei Monate, beim chronischen höchstens sechs Monate am Stück.[1][2] Zum Zeitpunkt der Leitlinienerstellung für 2015 hat die Europäische Arzneimittel-Agentur das Medikament auch weiter für diese Indikation bestätigt, allerdings ist es nicht mehr verfügbar.[3]
Beachtet werden sollte, dass Methysergid nicht zusammen mit Triptanen angewendet werden darf, weil der gefäßverengende Effekt beider Medikamente zu Durchblutungsstörungen an Herz und Gehirn führen könnte. Auch stattgehabte Herzinfarkte und Schlaganfälle sind Kontraindikationen.
Weitere Nebenwirkungen können sein: Benommenheit, Wärmegefühl in der Brust, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen.
Handelsnamen: Deseril® (Belgien, Niederlande, Vereinigtes Königreich) und Desernil® (Frankreich), so die amtliche Aufstellung des europäischen Verfahrens von 2014 (siehe die Tabelle im Abschnitt In welchen Ländern es das Mittel 2014 noch gab).[4] In den USA hieß das Mittel Sansert®; der Hersteller Novartis hat es dort Ende 2002 vom Markt genommen.[5]
Wirksamkeit
Kontrollierte, evidenzbasierte Studien zur Wirksamkeit von Methysergid bei Cluster-Kopfschmerz liegen nicht vor.[6][7] Nach einer 1967 veröffentlichten narrativen Übersichtsarbeit offener Studien war Methysergid ein wirksames Medikament zur vorbeugenden Behandlung von Cluster-Kopfschmerz.[8] Es wurde berichtet, dass 3-12 mg Methysergid in 73% der Patienten mit episodischem (ECH) oder chronischem Cluster-Kopfschmerz (CCH) wirksam sei.
Eine spätere Beobachtungsstudie ergab eine Wirksamkeit von 65% bei ECH und von 20% bei CCH. Bei bis zu 20% der Patienten schien das Medikament bei wiederholter Anwendung seine Wirksamkeit zu verlieren.[9] Studiendesign und Dauer wurden nicht berichtet. Eine weitere prospektive Beobachtungsstudie von Methysergid 3-12 mg täglich bei Menschen mit ECH und CCH fand eine positive präventive Wirkung in 31% der Menschen, ohne Unterschied im Behandlungserfolg zwischen den Gruppen.[10]
Darüber hinaus fand eine retrospektive Analyse von 164 Menschen mit Cluster-Kopfschmerz (Typ nicht spezifiziert) eine zufriedenstellende Wirksamkeit in nur 26% der Menschen.[10] In einer weiteren retrospektiven Auswertung zeigte Methysergid eine Wirksamkeit bei drei (27%) von elf ECH Patienten.[11]
Zulassung und europäisches Verfahren
Grundlage sind die Originalunterlagen des europäischen Verfahrens, einschließlich der deutschen Fassung des Anhangs III mit dem rechtlich verbindlichen Zulassungstext. Die oben genannte deutsche Leitlinie von 2015 ist seit dem 13.05.2020 abgelaufen; eine Überarbeitung ist im AWMF-Register seit dem 24.07.2025 angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026.[12]
Das europäische Verfahren von 2012 bis 2014
Zum Verfahren bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur: Es wurde am 24. Mai 2012 auf Antrag der französischen Arzneimittelbehörde ANSM eingeleitet, und zwar nach Artikel 31 der Richtlinie 2001/83/EG; Anlass waren schwere Fibrose-Fälle, die die französische Behörde festgestellt hatte. Am 20. Februar 2014 empfahl die Agentur, die Anwendung einzuschränken. Die Stellungnahme ihres Ausschusses für Humanarzneimittel ging an die Europäische Kommission, die sie bestätigte und am 28. April 2014 eine endgültige, rechtlich bindende Entscheidung erließ.[1]
Der Kern der Einschränkung lautet dort: „Methysergide medicines are now only to be used for preventing severe intractable migraines and cluster headaches […] when standard medicines have failed." Dazu kommen drei Auflagen: Die Behandlung darf nur von einer Fachärztin oder einem Facharzt mit Erfahrung in der Behandlung von Migräne und Cluster-Kopfschmerz begonnen und überwacht werden; die Patienten müssen zu Behandlungsbeginn und danach alle sechs Monate auf Fibrosen untersucht werden; und die Behandlung muss abgebrochen werden, wenn Anzeichen einer Fibrose auftreten.[1]
Fibrose meint hier eine krankhafte Vermehrung von Bindegewebe in Organen — die Agentur beschreibt es als „fibrous (scar) tissue" das sich im Körper ansammelt und die Organe schädigen kann. Das ist genau die Nebenwirkung, die im Abschnitt oben als „Wucherungen von Bindegewebe in der Bauch- oder Brusthöhle" beschrieben ist.[1]
Die verbliebene Zulassung im Wortlaut
Für welche Indikation die Agentur das Mittel bestätigt hat, steht im verbindlichen Text: Anhang III der Entscheidung schreibt den Zulassungsinhabern vor, welche Formulierungen in Abschnitt 4.1 der Fachinformation zu stehen haben. Für den Cluster-Kopfschmerz lautet die Indikation dort wörtlich:
- „Prophylaktische Behandlung von episodischem und chronischem Clusterkopfschmerz bei Erwachsenen."[2]
Wichtig und in den meisten Darstellungen nicht enthalten: Die Zulassung nennt für den Cluster-Kopfschmerz eine eigene Vorbedingung, die sich von der für die Migräne unterscheidet. Für den Cluster-Kopfschmerz heißt es: „Vor dem Beginn einer Behandlung mit Methysergide sollte bei Patienten mindestens bei 2 Arzneimittelklassen ein Therapieversagen festgestellt worden sein […]. Die Mindestbehandlungsdauer vor dem Feststellen eines Therapieversagens beträgt 2 Monate." In alltägliche Sprache übersetzt: Es müssen vorher mindestens zwei andere Arten von Medikamenten versucht worden sein, und jede davon muss lang genug gegeben worden sein — mindestens zwei Monate —, bevor sie als gescheitert gelten darf. Für die Migräne verlangt derselbe Abschnitt dagegen eine Mindestdauer von vier Monaten in der höchsten zulässigen Dosis.[2]
Die Packungsbeilage formuliert dieselbe Bedingung für Betroffene: Das Mittel solle „erst verschrieben werden, wenn mindestens zwei andere Medikamente zur Behandlung dieser Art von Kopfschmerzen über einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten eingenommen wurden, wonach jedoch keine Besserung hinsichtlich der Clusterkopfschmerzen zu verzeichnen war."[2]
Was die Zulassung an Behandlungsdauer und Überwachung verlangt
Der Zulassungstext begrenzt die Behandlungsdauer und unterscheidet dabei die beiden Verlaufsformen:[2]
- Beim episodischen Cluster-Kopfschmerz wird die Behandlungsdauer an die durchschnittliche Dauer der Episoden angepasst, beträgt aber in der Regel nicht mehr als zwei oder drei Monate.
- Beim chronischen Cluster-Kopfschmerz soll die Behandlungsdauer sechs Monate nicht überschreiten.
- Zwischen zwei Behandlungszyklen soll eine Pause von drei bis vier Wochen liegen.
- Das Absetzen soll schrittweise über zwei bis drei Wochen erfolgen — bei einer festgestellten fibrotischen Reaktion kann dagegen ein sofortiger Abbruch nötig sein.
- Die Tablette wird zu einer Mahlzeit mit etwas Flüssigkeit eingenommen.
Vor Behandlungsbeginn ist eine gründliche Untersuchung auf bereits bestehende fibrotische Erkrankungen vorgeschrieben, danach alle sechs Monate erneut, jeweils mit einer Nutzen-Risiko-Abwägung für den einzelnen Patienten. Die Packungsbeilage benennt die Untersuchungen: eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie), einen Lungenfunktionstest und eine Untersuchung des Bauchraums, beispielsweise mittels Magnetresonanztomographie. Umgehend zu melden sind Schmerzen im Brust- oder Bauchraum, auffälliger Herzschlag, Schwierigkeiten beim Atmen, trockener Husten, Übelkeit, allgemeines Schwächegefühl, Ermüdung, Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust, Auffälligkeiten beim Harnlassen sowie Schmerzen, Kältegefühl oder Taubheit in den Gliedmaßen.[2]
In welchen Ländern es das Mittel 2014 noch gab
Anhang I der Entscheidung listet alle methysergidhaltigen Arzneimittel auf, die das Verfahren im Europäischen Wirtschaftsraum erfasste. Es waren vier Präparate in vier Ländern:[4]
| Mitgliedsstaat | Bezeichnung | Stärke | Darreichungsform | Zulassungsinhaber |
|---|---|---|---|---|
| Belgien | Deseril | 1 mg | Filmtablette, oral | Amdipharm Ltd, Dublin |
| Frankreich | Desernil | 1,65 mg | Tablette, oral | Amdipharm Ltd, Dublin |
| Niederlande | Deseril | 1 mg | Tablette, oral | Amdipharm Ltd, Dublin |
| Vereinigtes Königreich | Deseril Tablets 1mg | 1 mg | Tablette, oral | Alliance Pharmaceuticals Ltd, Chippenham |
Diese Aufstellung beantwortet eine Frage, die sonst nur aus zweiter Hand zu haben ist: Deutschland und Österreich kommen darin nicht vor. Da das Verfahren alle Präparate mit diesem Wirkstoff im Europäischen Wirtschaftsraum erfasste, gab es 2014 in diesen beiden Ländern kein zugelassenes methysergidhaltiges Arzneimittel mehr. Damit ist auch die gelegentlich zu lesende Angabe, Methysergid sei „2014 vom deutschen Markt genommen" worden, richtiggestellt: 2014 schränkte die Kommission die in anderen Ländern verbliebenen Präparate ein — in Deutschland war das Mittel zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr zugelassen. Über die Schweiz sagt die Liste nichts, weil die Schweiz nicht zum Europäischen Wirtschaftsraum gehört und vom Verfahren daher nicht erfasst war. Für das Vereinigte Königreich ist zu beachten, dass die Liste aus der Zeit vor dem Austritt aus der Europäischen Union stammt.[4]
Für alle drei deutschsprachigen Länder zusammen bleibt die deutsche Leitlinie von 2015 der klarste Beleg; sie hält wörtlich fest: „Pizotifen und Methysergid sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht mehr zugelassen und nur noch als Import-Arzneimittel zu beziehen."[3] Der Weg über den Einzelimport nach § 73 Absatz 3 Arzneimittelgesetz, auf den die externen Links unten verweisen, ist damit weiterhin der einzige.
Wie die europäische Leitlinie von 2023 damit umgeht
Die derzeit führende Leitlinie ist die der Europäischen Akademie für Neurologie von 2023.[13] In ihrem laufenden Text kommt Methysergid nicht mehr vor; der Wirkstoff erscheint dort nur noch in einem Literaturtitel. Die Leitlinie führt ihn also weder als empfohlenes noch als abgelehntes Mittel — sie behandelt ihn nicht mehr.[13]
Das ergibt in der Zusammenschau eine ungewöhnliche Lage, die man auseinanderhalten sollte: Die Zulassung für den episodischen und chronischen Cluster-Kopfschmerz besteht europarechtlich weiter und ist sogar besonders genau beschrieben. Die Leitlinie von 2023 behandelt das Mittel nicht mehr. Und im Handel ist es in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht. Wer in älteren Texten Methysergid als Behandlungsoption findet, liest also keine falsche Zulassungsangabe, aber eine Angabe, die sich praktisch nicht umsetzen lässt.
Wie gut ist die Wirkung belegt?
Die Zahlen aus dem Abschnitt Wirksamkeit im Überblick: 73 Prozent aus einer narrativen Übersicht von 1967, 65 Prozent beim episodischen und 20 Prozent beim chronischen Verlauf in einer Beobachtungsstudie, 31 Prozent in einer prospektiven Beobachtungsstudie, 26 Prozent in einer rückblickenden Auswertung von 164 Menschen und 27 Prozent bei drei von elf Patienten in einer weiteren. Kontrollierte Studien gibt es nicht. Dass die europäische Zulassung das Mittel erst nach dem Versagen von mindestens zwei anderen Arzneimittelklassen zulässt und die Anwendung an eine halbjährliche Fibrose-Untersuchung bindet, passt zu diesem Bild: Es ist ein Mittel für den Fall, dass andere Wege nicht weitergeführt haben — nicht eines der ersten Wahl.[2][1]
Wechselwirkungen: Eine Fachinformation für Methysergid fand sich bei der Suche auf fachinfo.de am 23.09.2026 nicht. Die anderen Cluster-Mittel: Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.
Literatur
Externe Links
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Europäische Arzneimittel-Agentur: „Methysergide-containing medicines — referral", Seite am 22.09.2026 gelesen. Dort wörtlich: „The review of methysergide was initiated on 24 May 2012 at the request of the French medicines agency ANSM under Article 31 of Directive 2001/83/EC following concerns about serious cases of fibrosis identified by the French agency. The CHMP opinion was sent to the European Commission, which endorsed it and issued a final legally binding decision on 28 April 2014."
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Anhang III zur Entscheidung im Verfahren nach Artikel 31 zu methysergidhaltigen Arzneimitteln, deutsche Fassung (PDF-Datei), Abschnitte 4.1, 4.2 und 4.4 sowie Teil II (Packungsbeilage); Dokument am 22.09.2026 abgerufen und im Wortlaut gelesen.
- ↑ 3,0 3,1 Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020; eine Neufassung ist angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026. - Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Anhang I zur Entscheidung: „Bezeichnungen der Arzneimittel, ihre pharmazeutische Form, die Stärke der Arzneimittel, Art ihrer Anwendung, die Inhaber der Genehmigung für das Inverkehrbringen in den Mitgliedsstaaten", deutsche Fassung (PDF-Datei), am 22.09.2026 abgerufen und im Wortlaut gelesen.
- ↑ Robbins Headache Clinic: Sansert No Longer Available. Im Wortlaut: „Novartis Pharmaceuticals announced Dec. 2002 that Sansert (methysergide) is no longer going to be available in the United States.“
- ↑ May A, Leone M, Áfra J, Linde M, Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. European Journal of Neurology. 2006; 13: 1066–1077. PMID 16987158, PDF-Datei. DOI
- ↑ Tyagi A, Matharu M.: Evidence base for the medical treatments used in cluster headache. Curr Pain Headache Rep. 2009 Apr; 13(2): 168-78. PMID 19272285 DOI
- ↑ Curran DA, Hinterberger H, Lance JW. Methysergide. Res Clin Stud Headache. 1967; 1:74–122.
- ↑ Kudrow L. Cluster headache: mechanisms and management. New York: Oxford University Press, 1980.
- ↑ 10,0 10,1 Krabbe AA.: Limited efficacy of methysergide in cluster headache. A clinical experience. Cephalalgia. 1989; 9(Suppl 10): 404–405.
- ↑ De Carolis P, de Capoa D, Agati R, Baldrati A, Sacquegna T.: Episodic cluster headache: short and long term results of prophylactic treatment. Headache. 1988 Aug; 28(7): 475-6. PMID 3149629
- ↑ AWMF-Registereintrag 030-036 „Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen", abgerufen am 21.09.2026: Status „Angemeldet", Anmeldedatum 24.07.2025, geplante Fertigstellung 31.12.2026; Koordination PD Dr. Tim Jürgens (Güstrow) und Prof. Gudrun Goßrau (Dresden).
- ↑ 13,0 13,1 May A, Evers S, Goadsby PJ, Leone M, Manzoni GC, Pascual J, Carvalho V, Romoli M, Aleksovska K, Pozo-Rosich P, Jensen RH, European Academy of Neurology Task Force: European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache. European Journal of Neurology 2023; 30(10): 2955–2979. PMID 37515405 DOI
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