Die Genetische Studie bei primären Kopfschmerzerkrankungen ist eine Studie der Schmerzklinik Kiel und des Instituts für Humangenetik des Universitätsklinikums Ulm (Ärztlicher Direktor damals: Prof. Dr. med. Christian Kubisch).[1] Auch über CK-Wissen wurden Teilnehmende gesucht. Ab Januar 2015 konnten nach einer Mitteilung der Schmerzklinik aus Kapazitätsgründen nur noch deren eigene ambulante und stationäre Patientinnen und Patienten teilnehmen.[2]

Worum es ging

Nahe Verwandte von Menschen mit Cluster-Kopfschmerz erkranken häufiger selbst daran. In einer italienischen Untersuchung mit 220 Betroffenen gab es in jeder fünften Familie weitere Erkrankte; für Eltern, Geschwister und Kinder war das Risiko rund 39-mal so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung.[3] Die Studie sollte herausfinden, welche Erbanlagen dabei eine Rolle spielen, bei Migräne und bei seltenen Kopfschmerzerkrankungen: Cluster-Kopfschmerz, Hemicrania continua, paroxysmale Hemikranie und SUNCT. Gesucht wurde nach Unterschieden im Erbgut, die bei Erkrankten deutlich häufiger vorkommen als bei gesunden Kontrollpersonen.[1]

Die Teilnehmenden gaben einmalig eine Blutprobe ab (bis zu 30 ml, das sind etwa zwei Esslöffel) und beantworteten einen Fragebogen zum Krankheitsverlauf. Die Blutabnahme war auch beim Hausarzt möglich. Betroffene Verwandte wurden gesondert erfasst, um Zusammenhänge in Familien auswerten zu können.[1][2]

Was daraus wurde

2023 erschien die erste große Auswertung vieler Genstudien zum Cluster-Kopfschmerz (eine Metaanalyse genomweiter Assoziationsstudien). Sie umfasst 4.777 Betroffene aus zehn europäischen und einer ostasiatischen Gruppe, darunter eine deutsche Gruppe mit 477 Betroffenen. Zu den Autoren gehören Ärzte der Schmerzklinik Kiel und Christian Kubisch. Aus welchen Kliniken die deutschen Proben stammen, steht nicht im Haupttext der Veröffentlichung.[4]

Die Ergebnisse in einfachen Worten:

  • Es gibt mindestens acht Stellen im Erbgut, an denen häufige Genvarianten das Risiko für Cluster-Kopfschmerz etwas erhöhen. Drei davon spielen auch bei Migräne eine Rolle.
  • Nach der Schätzung der Autoren lassen sich etwa 15 Prozent (14,5 %) der Unterschiede im Erkrankungsrisiko zwischen Menschen durch solche häufigen Genvarianten erklären, also nur ein kleiner Teil.
  • Rauchen ist nach einer genetischen Auswertung (Mendelsche Randomisierung) eine Ursache, die das Risiko erhöht, und nicht nur eine Begleiterscheinung. Je mehr Zigaretten, desto höher das Risiko.
  • Genetische Überschneidungen gibt es außerdem mit Risikobereitschaft, ADHS, Depression und Muskel- und Gelenkschmerzen.[4]

Eine Folgestudie von 2026 und weitere Genstudien sind unter Cluster-Kopfschmerz und Genetik beschrieben.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 Patienteninformation „Genetische Studie bei primären Kopfschmerzerkrankungen“ (PDF), am 23.09.2026 gelesen. Im Wortlaut u. a.: „Wir möchten in dieser Studie, welche gemeinsam von der Schmerzklinik in Kiel und dem Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Ulm durchgeführt wird, herausfinden, welche erbliche Faktoren bei der Entstehung der Migräne und seltener Kopfschmerzerkrankungen eine Rolle spielen.“; Briefkopf: „Prof. Dr. med. Christian Kubisch, Ärztlicher Direktor“; „bis zu 30 ml“ Blut.
  2. ↑ 2,0 2,1 Studienaufruf, auf CK-Wissen veröffentlicht, nachzulesen in der früheren Fassung dieser Seite. Im Wortlaut u. a.: „Die Teilnehmer müssen lediglich zu einer Blutabnahme bereit sein und einen Fragebogen zum Krankheitsverlauf beantworten.“; „Ein Aufenthalt in Kiel oder in Ulm ist zur Teilnahme an der Studie nicht erforderlich.“; Nachtrag: „An dieser Studie können nach einer Mitteilung von Dr. Heinze vom 22.01.2015 aus Kapazitätsgründen zurzeit nur ambulante und stationäre Patienten der Schmerzklinik Kiel teilnehmen.“
  3. ↑ Leone M, Russell MB, Rigamonti A u. a. (2001). "Increased familial risk of cluster headache". Neurology 56 (9): 1233–1236. doi:10.1212/wnl.56.9.1233. PMID 11342697.  Zusammenfassung am 23.09.2026 in Europe PMC gelesen: 220 italienische Betroffene; „A positive family history was found in 20% (44/220) of the families. Compared with the general population, first-degree relatives had a 39-fold significantly increased risk of cluster headache.“
  4. ↑ 4,0 4,1 Winsvold BS, Harder AVE, Ran C u. a. (2023). "Cluster Headache Genomewide Association Study and Meta-Analysis Identifies Eight Loci and Implicates Smoking as Causal Risk Factor". Ann Neurol 94 (4): 713–726. doi:10.1002/ana.26743. PMID 37486023.  Volltext frei lesbar, am 23.09.2026 in Europe PMC gelesen. Zusammenfassung im Wortlaut u. a.: „A total of 4,777 cases (3,348 men and 1,429 women) with clinically diagnosed cluster headache were recruited from 10 European and 1 East Asian cohorts.“; „The estimated single nucleotide polymorphism (SNP)-based heritability of cluster headache was 14.5%.“; „Mendelian randomization analysis indicated a causal effect of cigarette smoking intensity on cluster headache.“; „Three of the identified loci were shared with migraine.“ Tabelle 1: „German Cluster Headache Cohort“ mit 477 Betroffenen und 938 Kontrollpersonen. Unter den Autoren u. a. A. Heinze und H. Göbel (Kiel Migraine and Headache Centre) und C. Kubisch (Institute of Human Genetics, University Medical Center Hamburg-Eppendorf).

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