Anti-inflammatory regimen
Der US-amerikanische Cluster-Kopfschmerzpatient Batch hatte im Dezember 2010 nach ca. 2 Monaten Selbstversuch erstmals von seinen positiven Erfahrungen mit einem „Anti-Inflammatory Regimen“ (Entzündungshemmende Kur) berichtet. Es folgten einige positive - aber auch negative Berichte - von anderen Betroffenen, die es nach dem Bericht von Batch ebenfalls mit einer solchen „Kur“ versucht hatten.
Nahrungsergänzungsmittel
Verwendet werden die folgenden Nahrungsergänzungsmittel, die zum Teil in Deutschland auch rezeptfrei in der Apotheke oder als verschreibungspflichtige Medikamente erhältlich sind:
- Omega-3-Fischöl - 2000 bis 2400 mg/Tag (EPA 360 mg/Tag, DHA 240 mg/Tag)
- Vitamin-D3 (Cholecalciferol) - 10.000 IE/Tag (IE = Internationale Einheit(en))
- Calcium - 500 mg/Tag (vorzugsweise Calciumcitrat)
- Magnesium - 80 mg/Tag (Magnesiumcitrat oder Magnesium-Gluconat)
- Vitamin K2 - 120 mcg/Tag (mcg = Mikrogramm, µg)
- Vitamin A - 900 mcg (3.000 IE) bei Männern und 700 mcg (2.333 IE) bei Frauen
- Zink - 10 mg/Tag
- Bor - 1 mg/Tag.
Ebenfalls in den von Batch verwendeten Präparaten enthalten sind:
- Vitamin B6 10 mg/Tag
- Kupfer 1 mg/Tag
- Mangan 1 mg/Tag.
Bezüglich der Risiken, Unverträglichkeiten, Kontraindikationen und möglicher Nebenwirkungen der Präparate lesen Sie bitte die Hinweise der Hersteller und sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker! Während einer Langzeitbehandlung mit hoch dosiertem Cholecalciferol (Vitamin-D3) sollten die Calciumspiegel im Serum und im Urin überwacht werden und die Nierenfunktion durch Messung des Serumkreatinins überprüft werden.[1] Nach einer älteren Quelle kann die gleichzeitige Einnahme von Calcium und Vitamin D die Wirksamkeit von Verapamil besonders bei Herzrhythmusstörungen abschwächen; die aktuelle Fachinformation von Isoptin führt das nicht auf (siehe unten).[2]
25-OH-Vitamin D ist als wichtigster Metabolit des Vitamin D im Serum der entscheidende Marker für den Vitamin-D-Status eines Patienten. Inzwischen ist in Deutschland ein Schnelltest für die Messung direkt in der Praxis verfügbar. EBM-Abrechnung: Die Vitamin-D-Bestimmung mittels quantitativem Immunoassay wird mit der Ziffer 32413 (18,40 Euro) abgerechnet. GOÄ-Abrechnung: Die Abrechnung erfolgt nach GOÄ-Ziffer 4138, wenn eine Doppelbestimmung von 25-Hydroxy-Vitamin D im Ligandenassay vorgenommen wird.[3] Nur wenn ein ärztlich begründeter Verdacht auf einen Vitaminmangel besteht, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Untersuchung.
Batch empfiehlt, vor dem Beginn und während der Behandlung Bluttests auf 25-Hydroxyvitamin-D vornehmen zu lassen und die Behandlung mit einem Arzt abzustimmen. Weitere Informationen enthält der
Was belegt ist
Die kontrollierte Studie im Studienregister wurde abgebrochen. An der University of Texas in Houston begann 2021 eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit hoch dosiertem Vitamin D plus Multivitamin zur Vorbeugung des Cluster-Kopfschmerzes. Sie wurde abgebrochen – laut Register, weil zu wenige Teilnehmende die Kriterien für die Zuteilung erfüllten („Low number met criteria to randomize“). Aufgenommen waren 27 Menschen; Ergebnisse sind im Register nicht eingetragen.[4] Eine belastbare Studie, die die Wirkung der Kur beim Cluster-Kopfschmerz zeigt, gibt es damit weiterhin nicht. (Die Suche beschränkte sich auf dieses Register und die unten genannte Literatur.)
Die Vitamin-D-Menge der Kur liegt über der sicheren Obergrenze. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2023 für Erwachsene eine tolerierbare tägliche Höchstmenge von 100 Mikrogramm Vitamin D festgelegt. Als niedrigste Menge, bei der in Studien schädliche Wirkungen auftraten (anhaltend zu viel Calcium im Urin), nennt sie 250 Mikrogramm pro Tag.[5] Die oben genannten 10.000 IE Vitamin D3 am Tag entsprechen 250 Mikrogramm (1 Mikrogramm = 40 IE) – also genau dieser Menge und dem 2,5-Fachen der Obergrenze. Die oben empfohlenen Kontrollen von Calcium im Blut und im Urin und der Nierenwerte sind deshalb wichtig.
Calcium, Vitamin D und Verapamil: Die am 23.09.2026 gelesene Fachinformation Isoptin 120 mg (Stand April 2022) führt Calcium oder Vitamin D nicht unter den Wechselwirkungen (Abschnitt 4.5) auf. Calcium wird dort nur als Gegenmittel bei einer Verapamil-Überdosierung genannt, dann als Infusion in die Vene.[6] Im Zweifel klärt das die Ärztin, der Arzt oder die Apotheke.
Umfrageergebnisse
Wer die „Entzündungshemmende Kur“ für länger als einen Monat und unter Kontrolle der Blutwerte durchgeführt hat, möge bitte an der Online Umfrage teilnehmen (Englisch) oder die Ergebnisse im CK-Wissen-Forum mitteilen.
Die folgenden Zahlen hat Pete Batcheller 2014 als Kurzfassung auf einem Kongress vorgestellt. Befragt wurden Menschen, die die Kur selbst gewählt hatten, und sie machten ihre Angaben selbst; eine Vergleichsgruppe gab es nicht. Vitamin D3 wurde zusammen mit Fischöl und weiteren Mitteln genommen, sodass sich die Wirkung einzelner Mittel nicht trennen lässt.[7] Ob die Kur wirkt, lässt sich aus einer solchen Umfrage nicht ablesen; siehe Was belegt ist.
- Zwischenergebnisse der Online-Umfrage, Stand April 2014, 110 Teilnehmer
80% der Betroffenen berichteten eine signifikante Reduktion der Häufigkeit, der Schwere und der Dauer ihrer Cluster-Kopfschmerzen. 60% berichteten, sie seien im Wesentlichen schmerzfrei. Die anfängliche durchschnittliche 25-Hydroxyvitamin-D Serumkonzentrationen (25 (OH) D) der Teilnehmer betrug 23,4 ng/ml. Der durchschnittliche 25 (OH) D Wert nach 30 Tagen oder nach positiver Reaktion betrug 76 ng/mL. Die Behandlung scheint für episodisch und für chronisch vom Cluster-Kopfschmerz Betroffene gleichermaßen wirksam zu sein, mit einer etwas höheren Wirksamkeit von 85% bei Episodikern, gegenüber 70% bei Chronikern. Ein „Stresstest“ der Vitamin-D3 Reserven nach 13 Monaten Schmerzfreiheit führte zu einer Rückkehr der Attacken nach acht Tagen ohne Vitamin-D3. 33% der Betroffenen berichteten Komorbiditäten. Es wurden keine größeren Nebenwirkungen berichtet.[8]
Siehe auch
Externe Links
Literatur
Vitamin D
Lebertran / Omega 3 Fischöl
Einzelnachweise
- ↑ Fachinformation Dekristol® 20 000 I.E., Stand 01.2014, abgerufen am 30.03.2014
- ↑ http://www.pharmazie.com/graphic/A/41/1-18441.pdf
- ↑ Test zur Versorgung mit Vitamin D. Ärzte Zeitung. 07. April 2016
- ↑ ClinicalTrials.gov NCT04570475: High Dose Vitamin D Plus Multivitamin in the Prevention of Cluster Headache: a Randomized, Double-blind, Placebo Controlled Trial. Status „Terminated“, Grund „Low number met criteria to randomize.“, Beginn 15.09.2021, Ende 13.05.2024, 27 Teilnehmende (tatsächlich), „hasResults: false“. Abfrage im Studienregister ClinicalTrials.gov am 23.09.2026.
- ↑ EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA) u. a. (2023). "Scientific opinion on the tolerable upper intake level for vitamin D, including the derivation of a conversion factor for calcidiol monohydrate". EFSA J 21 (8): e08145. doi:. PMID 37560437. Frei lesbar (PMC10407748). Im Wortlaut: „A lowest-observed-adverse-effect-level (LOAEL) of 250 μg/day is identified from two randomised controlled trials in humans“; „A UL of 100 μg vitamin D equivalents (VDE)/day is established for adults“. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
- ↑ Fachinformation Isoptin 120 mg Filmtabletten (Verapamil), Stand der Information April 2022; Abschnitt 4.5 am 23.09.2026 nach „Calcium“ und „Vitamin D“ durchsucht (ohne Treffer); Abschnitt 4.9: „Als spezifisches Antidot gilt Calcium, z. B. 10 bis 20 ml einer 10 %igen Calciumgluconatlösung intravenös“.
- ↑ Anti-Inflammatory Preventative Regimen for Cluster Headache (Umfrageseite), am 23.09.2026 gelesen. Im Wortlaut: „I'm conducting a follow-up survey of cluster headache sufferers (CH'ers) who have tried the anti-Inflammatory regimen of Omega 3 Fish Oil, vitamin D3 and calcium citrate with lemonade as a preventative for their cluster headaches.“
- ↑ Peter Batcheller: A Survey of Cluster Headache (CH) Sufferers Using Vitamin D3 as a CH Preventative (P1.256) - Neurology. 2014; 82 (Sup 10): P1.256.
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