Trigemino-autonome Kopfschmerzerkrankungen

Version vom 25. September 2026, 15:55 Uhr von Cezary (Diskussion | Beiträge) (Neue Tabelle „Die Formen im Vergleich“ mit den Werten der ICHD-3 (am 25.09.2026 an ichd-3.org geprüft); Hinweis zur Folie von 2007 (abweichende Zeitangaben, Häufigkeit 0,9 % zu hoch – Fischera 2008: 124/100.000; hypnischer Kopfschmerz gehört zu 4.9))
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Trigemino-autonome Kopfschmerzerkrankungen sind eine Gruppe von attackenartigen, einseitigen Kopfschmerzen im Bereich des Trigeminusnervs, die mit autonomen (nicht beeinflussbaren) parasympathischen Symptomen im Kopfbereich, wie z.B. Augentränen oder laufender Nase, einhergehen. Der Begriff „trigeminal-autonomic cephalgias“ wurde erstmals 1997 von Peter J. Goadsby und Richard B. Lipton verwendet.[1]

Vergleichstabelle (Folie von Arne May, Stand 2007) zu Cluster-Kopfschmerz, paroxysmaler Hemikranie, SUNCT-Syndrom, Hemicrania continua und hypnischem Kopfschmerz: Geschlechterverhältnis, Häufigkeit, Erkrankungsalter, Schmerzart und -ort, autonome Symptome, Tagesrhythmus, Alkohol als Auslöser. Hervorgehoben sind Attackendauer (Cluster 15–120 Minuten, paroxysmale Hemikranie 2–45 Minuten, SUNCT 5–250 Sekunden) und Attackenzahl (Cluster 1–8 pro Tag, paroxysmale Hemikranie 1–40 pro Tag, SUNCT einmal täglich bis 30-mal pro Stunde).
Übersicht von Arne May, Stand 2007. Ihre Zeitangaben weichen von der heutigen Klassifikation ab; maßgeblich ist die Tabelle weiter unten.

In der Internationalen Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen (ICHD-3, 2018) werden die folgenden Erkrankungen in der Gruppe „Trigemino-autonome Kopfschmerzerkrankungen“ zusammengefasst:[2]

Die verschiedenen Formen der trigemino-autonomen Kopfschmerzen unterscheiden sich untereinander vor allem durch das Zeitmuster der Attacken in Dauer und Frequenz (siehe Tabelle). Für die paroxysmale Hemikranie und für die Hemicrania continua gilt die Besonderheit, dass diese beiden Erkrankungen in der Regel vollständig auf Indometacin ansprechen. Dass Indometacin wirkt, ist bei beiden eine Bedingung für die Diagnose.

Die Formen im Vergleich

Die Tabelle gibt die Werte der Internationalen Kopfschmerzklassifikation ICHD-3 (2018) wieder. Nach ihnen richtet sich die Diagnose.[3]

Erkrankung Nummer in der ICHD-3 Dauer einer Attacke Häufigkeit der Attacken Kennzeichen
Cluster-Kopfschmerz 3.1 15 bis 180 Minuten, unbehandelt von einer Attacke jeden zweiten Tag bis 8 am Tag einseitig um Auge oder Schläfe; Begleitzeichen auf derselben Seite oder körperliche Unruhe. Episodisch: Phasen von 7 Tagen bis zu 1 Jahr, dazwischen mindestens 3 Monate schmerzfrei. Chronisch: mindestens 1 Jahr lang ohne solche Pause, schmerzfreie Zeiten kürzer als 3 Monate.
Paroxysmale Hemikranie 3.2 2 bis 30 Minuten mehr als 5 am Tag Indometacin verhindert die Attacken vollständig
SUNCT und SUNA 3.3 1 bis 600 Sekunden (höchstens 10 Minuten), als einzelner Stich, als Serie von Stichen oder im Sägezahnmuster mindestens einmal am Tag mindestens ein Begleitzeichen an Auge, Nase oder Gesicht auf derselben Seite. SUNCT: gerötetes und tränendes Auge; SUNA: höchstens eines von beiden
Hemicrania continua 3.4 Dauerkopfschmerz seit mehr als 3 Monaten, mit stärkeren Phasen – spricht zuverlässig auf Indometacin an

Beim Cluster-Kopfschmerz, bei der paroxysmalen Hemikranie und bei SUNCT/SUNA dürfen die Attacken zeitweise seltener kommen, aber nur während weniger als der Hälfte der Zeit, in der die Erkrankung aktiv ist.[3]

Zur Folie oben (Stand 2007): Ihre Zeitangaben weichen von der heutigen Klassifikation ab, etwa 15 bis 120 statt 15 bis 180 Minuten beim Cluster-Kopfschmerz oder 5 bis 250 statt 1 bis 600 Sekunden beim SUNCT-Syndrom. Für die Diagnose gilt die Tabelle. Außerdem:

  • Die Häufigkeit „0,9 %“ für den Cluster-Kopfschmerz ist zu hoch. Nach einer Auswertung aller bevölkerungsbezogenen Studien erkrankt etwa einer von 1.000 Menschen im Lauf seines Lebens.[4]
  • Der hypnische (schlafgebundene) Kopfschmerz in der rechten Spalte gehört nach der Klassifikation nicht zu den trigemino-autonomen Kopfschmerzen, sondern zu den „anderen primären Kopfschmerzerkrankungen“ (4.9). Die Werte nach ICHD-3 stehen auf der Seite Differentialdiagnose.[3]

Literatur

  • Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS) (Jul 2013). "The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (beta version)". Cephalalgia 33 (9): 629-808. doi:10.1177/0333102413485658. PMID 23771276. 
  • May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC (June 2005). "Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft". Schmerz 19 (3): 225–41. doi:10.1007/s00482-005-0397-8. PMID 15887001.  DMKG: PDF-Datei
  • Kuhn, J.; Bewermeyer, H. (May 2005). "Trigeminoautonome Kopfschmerzen, Hemicrania continua und Hypnic Headache - Ein Überblick über die seltenen primären Kopfschmerzformen". Dtsch Med Wochenschr 130 (19): 1221-6. doi:10.1055/s-2005-868706. PMID 15875267. 
  • Seidel, S.; Lieba-Samal, D.; Vigl, M.; Wöber, C. (Jul 2011). "Clinical features of unilateral headaches beyond migraine and cluster headache and their response to indomethacin.". Wien Klin Wochenschr. doi:10.1007/s00508-011-0035-7. PMID 21833596. 
  • Goadsby PJ (March 2001). "Trigeminal autonomic cephalgias (TACs)". Acta Neurol Belg 101 (1): 10–9. PMID 11379270.  PDF-Datei

Einzelnachweise

  1. ↑ Goadsby PJ, Lipton RB (January 1997). "A review of paroxysmal hemicranias, SUNCT syndrome and other short-lasting headaches with autonomic feature, including new cases". Brain 120 (Pt 1): 193–209. PMID 9055807. http://brain.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/120/1/193. 
  2. ↑ Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS) (2018). "The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition". Cephalalgia 38 (1): 1–211. doi:10.1177/0333102417738202.  Deutsche Fassung: ICHD-3, 3. Trigemino-autonome Kopfschmerzerkrankungen (TAK), am 23.09.2026 gelesen: 3.1 Clusterkopfschmerz, 3.2 Paroxysmale Hemikranie, 3.3 Short-lasting unilateral neuralgiform headache attacks (3.3.1 SUNCT-Syndrom, 3.3.2 SUNA-Syndrom, jeweils episodisch und chronisch), 3.4 Hemicrania continua, 3.5 Wahrscheinliche trigemino-autonome Kopfschmerzerkrankung.
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 Internationale Kopfschmerzklassifikation, 3. Auflage (ICHD-3), deutsche Fassung, am 25.09.2026 gelesen: 3.1, 3.1.1, 3.1.2, 3.2, 3.3, 3.4, 4.9. Im Wortlaut u. a.: 3.1 „die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“, „Die Attackenfrequenz liegt zwischen 1 jeden zweiten Tag und 8 pro Tag“, Anmerkung: „Während eines Teils (aber weniger als der Hälfte) des Zeitverlaufes bei einem 3.1 Clusterkopfschmerz können die Attacken seltener auftreten“; 3.1.1 „Wenigstens 2 Clusterepisoden mit einer Dauer von 7 bis 365 Tagen (unbehandelt), die durch schmerzfreie Remissionsphasen von ≥3 Monaten Dauer voneinander getrennt sind“; 3.1.2 „Die Attacken treten für wenigstens 1 Jahr ohne Remissionsphase auf oder mit Remissionen von <3 Monaten Dauer“; 3.2 „die 2 bis 30 Minuten anhalten“, „Die Attackenfrequenz liegt bei >5 pro Tag“, „Attacken kann durch therapeutische Dosen Indometacin komplett vorgebeugt werden“; 3.3 „die 1 bis 600 Sekunden anhalten und als Einzelstiche, Serien von Stichen oder sägezahnmusterartig auftreten“, „Die Attackenfrequenz liegt bei >1 pro Tag“ (die englische Originalfassung: „Occurring with a frequency of at least one a day“); zu SUNA die englische Originalfassung von 3.3.2: „Only one or neither of conjunctival injection and lacrimation (tearing)“; 3.4 „Für >3 Monate vorliegend, mit Verschlechterungen von mäßiger oder stärkerer Intensität“, „Spricht zuverlässig auf therapeutische Dosen Indometacin an“; 4.9 steht in Kapitel 4 „Andere primäre Kopfschmerzerkrankungen“.
  4. ↑ Fischera M, Marziniak M, Gralow I, Evers S (2008). "The incidence and prevalence of cluster headache: a meta-analysis of population-based studies". Cephalalgia 28 (6): 614-8. doi:10.1111/j.1468-2982.2008.01592.x. PMID 18422717.  Lebenszeitprävalenz 124 pro 100.000.


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