Cluster-Kopfschmerz und Genetik

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Auf einen Blick
  • Gehäuft in Familien: Nahe Verwandte von Betroffenen haben nachweislich ein höheres Risiko, ebenfalls an Cluster-Kopfschmerz zu erkranken. Übersichtsarbeiten von 2004 und 2005 nannten eine familiäre Belastung von etwa zwei bis sieben Prozent.
  • Wie stark das Risiko steigt, ist unsicher: Die Angaben reichen vom Faktor fünf bis zum Faktor 39 für Verwandte ersten Grades; die Abweichung erklärt man vor allem mit unterschiedlichen Methoden der Datenerhebung. Welcher Erbgang, also welche Art der Vererbung, die Häufung in einzelnen Familien erklärt, ist nicht abschließend geklärt.
  • Risikoorte im Erbgut: Seit 2021 sind beim Cluster-Kopfschmerz Risikoorte im Erbgut bekannt; eine Zusammenfassung von elf Gruppen mit insgesamt 4777 Betroffenen fand 2023 acht davon. Nach ihrer Schätzung erklären häufige Varianten im Erbgut 14,5 Prozent der Unterschiede in der Anfälligkeit für die Erkrankung.
  • Hinweise auf Entzündung: Eine Studie von 2026 bestätigte sieben Gene, die frühere große Genstudien mit dem Cluster-Kopfschmerz in Verbindung gebracht hatten. Fünf davon sind in Immun- und Blutzellen besonders aktiv und betreffen Signalwege der Entzündung (Neuere Studien).
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Seit 2021 sind beim Cluster-Kopfschmerz Risikoorte im Erbgut bekannt: Eine genomweite Untersuchung an 840 Betroffenen aus den Niederlanden fand damals vier davon.[1] Eine Zusammenfassung von elf Gruppen mit insgesamt 4777 Betroffenen fand 2023 acht Risikoorte; nach ihrer Schätzung erklären häufige Varianten im Erbgut 14,5 Prozent der Unterschiede in der Anfälligkeit für die Erkrankung.[2] Einzelheiten stehen unter Genetik und Rauchen. Eine familiäre Belastung von etwa zwei bis sieben Prozent nannten Übersichtsarbeiten von 2004 und 2005[3][4].

Familiäre Häufung[5]

Autosomal dominanter Erbgang

Untersuchungen in einzelnen Familien mit gehäuftem Auftreten von Cluster-Kopfschmerz in verschiedenen Generationen legten nahe, dass für einen Teil der Erkrankungen ein autosomal-dominanter Erbgang verantwortlich ist.[6] Unabhängig davon wurde nachgewiesen, dass nahe Verwandte von Patienten ein signifikant höheres Risiko haben, ebenfalls an Cluster-Kopfschmerz zu erkranken.[7][8]

Bezüglich der Steigerung des relativen Risikos im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung differieren die Angaben hierbei sehr stark. Während Russell et al. von einem um den Faktor fünf erhöhten Erkrankungsrisiko ausgehen, beziffern andere Autoren die Risikosteigerung auf den Faktor 18[8] bzw. gar 39 für Verwandte ersten Grades[7]. Diese große Abweichung wird dabei in erster Linie durch methodische Unterschiede bei der Datenerhebung erklärt. Welcher Erbgang die Häufung in einzelnen Familien erklärt, ist nicht abschließend geklärt; zu den seit 2021 bekannten Risikoorten im Erbgut siehe Genetik und Rauchen. In den epidemiologischen Untersuchungen gaben zwischen zwei und 20% der Patienten an, dass auch Familienangehörige unter Cluster-Kopfschmerz litten.

In einer großen Untersuchung an 180 Cluster-Kopfschmerzpatienten[9] wurde ein familiäres Auftreten von 6,7% der Befragten angegeben, in einer anderen Arbeit von ca. 5%[10] In einer Umfrage der Ludwig-Maximilians-Universität München gaben 7,5% der Cluster- Kopfschmerzpatienten an, dass auch bei einem nahen Verwandten die Diagnose Cluster-Kopfschmerz gestellt worden sei.[5]

Neuere Studien

Ausführlicher erklärt auf der Seite Studien zum Cluster-Kopfschmerz.

  • Große Genstudien bestätigt: Eine Studie von 2026 überprüfte bei 671 Personen Gene, die frühere große Genstudien (genomweite Assoziationsstudien, GWAS) mit dem Cluster-Kopfschmerz in Verbindung gebracht hatten. Sieben Kandidatengene bestätigten sich. Fünf davon sind in Immun- und Blutzellen besonders aktiv und laufen auf Entzündungssignalwege zu; die Autoren sehen einen möglichen Anteil der Inflammasome, Eiweißkomplexe der Immunabwehr.[11]
  • Gene der inneren Uhr: Kleine Genstudien fanden Varianten von Genen der inneren Uhr, große nicht; in den großen wurde allerdings nicht erfasst, ob die Attacken einem Tagesrhythmus folgten.[12]
  • Erbgut-Markierungen: Eine kleine Studie mit 16 Betroffenen und 16 Kontrollen fand eine Tendenz zu veränderter DNA-Methylierung, also veränderten chemischen Markierungen am Erbgut, und indirekte Hinweise auf eine Belastung mit Schwermetallen.[13]
  • Was das für die Ursachenforschung bedeutet: Cluster-Kopfschmerz Ursachen.

Literaturhinweise

  • Freilinger T (August 2014). "Genetik primärer Kopfschmerzen (Genetics of primary headache syndromes)". Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 57 (8): 919–27. doi:10.1007/s00103-014-1998-0. PMID 25012921. 
  • Fan Z, Hou L, Wan D, Ao R, Zhao D, Yu S (2018). "Genetic association of HCRTR2, ADH4 and CLOCK genes with cluster headache: a Chinese population-based case-control study". J Headache Pain 19 (1): 1. doi:10.1186/s10194-017-0831-1. PMID 29318394.  - Free full text.
  • Rainero, I.; Rubino, E.; Paemeleire, K.; Gai, A.; Vacca, A.; De Martino, P.; Gentile, S.; Sarchielli, P.; et al. (Jul 2013). "Genes and primary headaches: discovering new potential therapeutic targets.". J Headache Pain 14 (1): 61. doi:10.1186/1129-2377-14-61. PMID 23848401.  - Open Access.
  • Eising, E.; de Vries, B.; Ferrari, MD.; Terwindt, GM.; van den Maagdenberg, AM. (Jun 2013). "Pearls and pitfalls in genetic studies of migraine.". Cephalalgia 33 (8): 614-25. doi:10.1177/0333102413484988. PMID 23671257. 
  • Southgate et al.: Elucidating the molecular genetic basis of cluster headache: delineation of the genetic architecture by exome sequencing. Poster abstract. The Journal of Headache and Pain. 2013 1 (Suppl 1):P34 http://dx.doi.org/10.1186/1129-2377-1-S1-P34
  • Schürks M, Zee RY, Buring JE, Kurth T.: Interrelationships among the MTHFR 677C>T polymorphism, migraine, and cardiovascular disease. Neurology. 2008 Aug 12; 71(7): 505-13. PMID 18672474 DOI.
  • Montagna P.: Migraine: a genetic disease? Neurological Sciences. 2008 May; 29(Suppl. 1): 47-51. DOI.
  • Montagna P.: The primary headaches: genetics, epigenetics and a behavioural genetic model. J Headache Pain. 2008 Apr; 9(2): 57-69. PMID 18345478, DOI – Open access.
    • Comment: Schürks M.: Epigenetics in primary headaches: a new avenue for research. J Headache Pain. 2008 Jun; 9(3): 191-192. PMID 18446273, DOI.
    • Author's reply: Montagna P.: Epigenetics and pharmaco-epigenetics in the primary headaches. J Headache Pain. 2008 Jun; 9(3): 193-4. PMID 18446272, DOI.
  • Rainero, I.; Gallone, S.; Rubino, E.; Ponzo, P.; Valfre, W.; Binello, E.; Fenoglio, P.; Gentile, S.; et al. (Jul 2008). "Haplotype analysis confirms the association between the HCRTR2 gene and cluster headache.". Headache 48 (7): 1108-14. doi:10.1111/j.1526-4610.2008.01080.x. PMID 18399985. 
  • Schürks, M.; Kurth, T.; Stude, P.; Rimmbach, C.; de Jesus, J.; Jonjic, M.; Diener, HC.; Rosskopf, D. (Oct 2007). "G protein beta3 polymorphism and triptan response in cluster headache.". Clin Pharmacol Ther 82 (4): 396-401. doi:10.1038/sj.clpt.6100159. PMID 17361120. 
  • Rainero, I.; Rubino, E.; Valfrè, W.; Gallone, S.; De Martino, P.; Zampella, E.; Pinessi, L. (Jun 2007). "Association between the G1246A polymorphism of the hypocretin receptor 2 gene and cluster headache: a meta-analysis.". J Headache Pain 8 (3): 152-6. doi:10.1007/s10194-007-0383-x. PMID 17563843. 
  • Schürks, M.; Kurth, T.; Geissler, I.; Tessmann, G.; Diener, HC.; Rosskopf, D. (Apr 2007). "The G1246A polymorphism in the hypocretin receptor 2 gene is not associated with treatment response in cluster headache.". Cephalalgia 27 (4): 363-7. doi:10.1111/j.1468-2982.2007.01287.x. PMID 17376114. 
  • Sjöstrand C, Duvefelt K, Steinberg A, Remahl IN, Waldenlind E, Hillert J.: Gene expression profiling in cluster headache: a pilot microarray study. Headache. 2006 Nov-Dec; 46 (10): 1518-34. PMID 17115985 DOI.
  • Baumber, L.; Sjöstrand, C.; Leone, M.; Harty, H.; Bussone, G.; Hillert, J.; Trembath, RC.; Russell, MB. (Jun 2006). "A genome-wide scan and HCRTR2 candidate gene analysis in a European cluster headache cohort.". Neurology 66 (12): 1888-93. doi:10.1212/01.wnl.0000219765.95038.d7. PMID 16801656. 
  • Schürks, M.; Kurth, T.; Geissler, I.; Tessmann, G.; Diener, HC.; Rosskopf, D. (Jun 2006). "Cluster headache is associated with the G1246A polymorphism in the hypocretin receptor 2 gene.". Neurology 66 (12): 1917-9. doi:10.1212/01.wnl.0000215852.35329.34. PMID 16554494. 
  • Rainero, I.; Gallone, S.; Valfrè, W.; Ferrero, M.; Angilella, G.; Rivoiro, C.; Rubino, E.; De Martino, P.; et al. (Oct 2004). "A polymorphism of the hypocretin receptor 2 gene is associated with cluster headache.". Neurology 63 (7): 1286-8. doi:10.1212/01.WNL.0000142424.65251.DB. PMID 15477554. 
  • El Amrani M, Ducros A, Boulan P, Aidi S, Crassard I, Visy JM, Tournier-Lasserve E, Bousser MG (2002). "Familial cluster headache: a series of 186 index patients". Headache 42 (10): 974–7. doi:10.1046/j.1526-4610.2002.02226.x. PMID 12453028. 
  • Russel M.: Current status of genetic discoveries in cluster headache. Ital J Neurol Sci. 1999 Apr; 20(2 Suppl): S7-9. Review. PMID 10662928, Online
  • Schüssler G.: Familiäres Auftreten des Cluster-Kopfschmerzes (Bing-Horton-Syndrom) - eine Kasuistik. Akt Neurol. 1986; 13: 124-125. DOI.
  • Sintas, C.; Carreño, O.; Fernández-Morales, J.; Cacheiro, P.; Sobrido, MJ.; Narberhaus, B.; Pozo-Rosich, P.; Macaya, A.; et al. (Aug 2012). "A replication study of a GWAS finding in migraine does not identify association in a Spanish case-control sample.". Cephalalgia. doi:10.1177/0333102412457090. PMID 22908361. 

Siehe auch:

Externe Links

Einzelnachweise

  1. ↑ Harder AVE, Winsvold BS, Noordam R u. a. (2021). "Genetic Susceptibility Loci in Genomewide Association Study of Cluster Headache". Ann Neurol 90 (2): 203-216. doi:10.1002/ana.26146. PMID 34180076.  Im Wortlaut: „We conducted a case–control study in the Dutch Leiden University Cluster headache neuro-Analysis program (LUCA) study population (n = 840)“; „An association was found with cluster headache for 4 independent loci … with genomewide significance“.
  2. ↑ Winsvold BS, Harder AVE, Ran C, Chalmer MA, Dalmasso MC, Ferkingstad E u. a. (2023). "Cluster Headache Genomewide Association Study and Meta-Analysis Identifies Eight Loci and Implicates Smoking as Causal Risk Factor". Ann Neurol 94 (4): 713-726. doi:10.1002/ana.26743. PMID 37486023.  Im Wortlaut: „A total of 4,777 cases (3,348 men and 1,429 women) with clinically diagnosed cluster headache were recruited from 10 European and 1 East Asian cohorts.“; „The estimated single nucleotide polymorphism (SNP)-based heritability of cluster headache was 14.5%.“
  3. ↑ Russell M. B.: Epidemiology and genetics of cluster headache. Lancet Neurol. (2004) 3(5):279-83 PMID 15099542.
  4. ↑ Piselli L. et al.: Genetics of cluster headache: an update. J Headache Pain. (2005) 6(4):234-6 PMID 16362673.
  5. ↑ 5,0 5,1 Dissertation Dragana Milankovic-Eberl: Clusterkopfschmerz - Klinische Symptomatik, Therapie und Versorgungsqualität. Ludwig-Maximilians-Universität München 2011
  6. ↑ Russell, MB.; Andersson, PG.; Thomsen, LL.; Iselius, L. (Dec 1995). "Cluster headache is an autosomal dominantly inherited disorder in some families: a complex segregation analysis.". J Med Genet 32 (12): 954-6. PMID 8825923. 
  7. ↑ 7,0 7,1 Leone, M.; Russell, MB.; Rigamonti, A.; Attanasio, A.; Grazzi, L.; D'Amico, D.; Usai, S.; Bussone, G. (May 2001). "Increased familial risk of cluster headache.". Neurology 56 (9): 1233-6. PMID 11342697. 
  8. ↑ 8,0 8,1 El Amrani, M.; Ducros, A.; Boulan, P.; Aidi, S.; Crassard, I.; Visy, JM.; Tournier-Lasserve, E.; Bousser, MG. (Nov-Dec 2002). "Familial cluster headache: a series of 186 index patients.". Headache 42 (10): 974-7. doi:10.1046/j.1526-4610.2002.02226.x. PMID 12453028. 
  9. ↑ Manzoni, GC.; Terzano, MG.; Bono, G.; Micieli, G.; Martucci, N.; Nappi, G. (Mar 1983). "Cluster headache-clinical findings in 180 patients.". Cephalalgia 3 (1): 21-30. doi:10.1046/j.1468-2982.1983.0301021.x. PMID 6850818. 
  10. ↑ Bahra, A.; May, A.; Goadsby, PJ. (Feb 2002). "Cluster headache: a prospective clinical study with diagnostic implications.". Neurology 58 (3): 354-61. PMID 11839832.  URL.
  11. ↑ Ran C, Deborgies Sanches C, Swedblom J u. a. (2026). "Genome-wide association susceptibility loci for cluster headache support a role for inflammation in the pathophysiology". J Headache Pain 27 (1): 198. doi:10.1186/s10194-026-02485-x. PMID 42557554.  Im Wortlaut: „These results confirm the validity of seven candidate genes for cluster headache identified through GWAS. Furthermore, five of the candidate genes are abundantly expressed in both immune and blood cells, converge functionally on inflammatory signalling pathways and suggest a potential role for inflammasomes in cluster headache.“ 671 Personen genotypisiert. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  12. ↑ Burish M, Kim SA, Ran C, Yoo SH, Lee MJ, Belin AC (2025). "Reviewing the complex relationship between circadian rhythms and cluster headache". Cephalalgia 45 (8): 03331024251365858. doi:10.1177/03331024251365858. PMID 40808422.  Im Wortlaut: „Multiple small genetic studies have shown core circadian gene variants to be cluster headache susceptibility genes, whereas larger genetic studies have not shown core circadian gene variants but have also not documented the presence or absence of circadian rhythmicity.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  13. ↑ Lloyd J, Wellfelt K, Jennysdotter Olofsgård F u. a. (2026). "Increased markers of heavy metal exposure and DNA methylation in cluster headache". Cephalalgia 46 (8): 03331024261480707. doi:10.1177/03331024261480707. PMID 42640585.  Blutproben von 16 Betroffenen und 16 Kontrollen, Nervenwasser von je 13. Im Wortlaut: „Indirect evidence indicates heavy metal exposure in relation to cluster headache as well as a tendency for alterations in global DNA methylation.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.


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