Schmerzskala: Unterschied zwischen den Versionen

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Stand 2026: ICHD-3-Kriterien, International Cluster Headache Questionnaire 2021 (9,7 von 10, Vergleich mit anderen Schmerzen samt Grenzen), Schmerz zwischen den Attacken (47 %), IHS-Studienempfehlungen 2022, CHIQ mit fünf Stufen, Einordnung der KIP-Skala mit Hinweis auf die TelefonSeelsorge; Einzelnachweise; nichts gelöscht
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'''Schmerzintensität 10'''<br/>
'''Schmerzintensität 10'''<br/>
Größtmöglicher Schmerz, lautes Schreien, Aggressionen und Depressionen, du denkst an Selbstmord.<br/>
Größtmöglicher Schmerz, lautes Schreien, Aggressionen und Depressionen, du denkst an Selbstmord.<br/>
== Stand 2026 ==
''Dieser Abschnitt ergänzt die Seite um neuere Studien. Die Abschnitte oben bleiben stehen; wo sich etwas geändert hat, steht es hier. Eine Schmerzskala misst nicht wie ein Thermometer, sondern hält fest, wie stark ein Mensch seinen Schmerz selbst empfindet. Sie eignet sich vor allem, um die Attacken desselben Menschen miteinander zu vergleichen, etwa vor und nach einer neuen Behandlung.''
=== Wie stark ist der Schmerz? ===
Die internationale Kopfschmerzklassifikation verlangt für die Diagnose „starke oder sehr starke“ einseitige Schmerzen um das Auge, über dem Auge oder an der Schläfe. Unbehandelt dauert eine Attacke 15 bis 180 Minuten, und es kann zwischen einer Attacke jeden zweiten Tag und acht Attacken am Tag geben.<ref name="ICHD31">[https://ichd-3.org/3-trigeminal-autonomic-cephalalgias/3-1-cluster-headache/ Headache Classification Committee of the International Headache Society: The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3), 3.1 Cluster headache], am 23.09.2026 gelesen. Kriterium B: „Severe or very severe unilateral orbital, supraorbital and/or temporal pain lasting 15-180 minutes (when untreated)“; Kriterium D: „Occurring with a frequency between one every other day and 8 per day“.</ref>
In einer Internet-Befragung von 2021, dem International Cluster Headache Questionnaire, bewerteten 1.604 Betroffene, deren Angaben die Diagnosekriterien erfüllten, ihre Attacken auf der Skala von 0 bis 10 im Mittel mit 9,7. 72,1 Prozent vergaben die Höchstnote 10, weitere 18,3 Prozent einen Wert zwischen 9,0 und 9,9. Zusammen gaben also gut neun von zehn Befragten mindestens eine 9.<ref name="BURISH2021">{{cite journal |author=Burish MJ, Pearson SM, Shapiro RE, Zhang W, Schor LI |title=Cluster headache is one of the most intensely painful human conditions: Results from the International Cluster Headache Questionnaire |journal=Headache |volume=61 |issue=1 |pages=117–124 |year=2021 |pmid=33337540 |doi=10.1111/head.14021}} PMC7898696, Volltext am 23.09.2026 über Europe PMC gelesen. Im Wortlaut: „Cluster headache attacks were rated as 9.7 ± 0.6 (mean ± standard deviation) on the numerical rating scale, followed by labor pain (7.2 ± 2.0), pancreatitis (7.0 ± 1.5), and nephrolithiasis (6.9 ± 1.9). The majority of cluster headache respondents rated a cluster headache attack at maximal or 10.0 pain (72.1%, 1157/1604).“; „the rest of the disorders fell in a more continuous spectrum between 4.0 and 7.2“; „Pain intensity was rated between 9.0 and 9.9 in 18.3%“; Grenzen: „recall bias“, „the fact that the diagnoses of cluster headache were not confirmed by physician interview“, „recalled labor pain may be an average of peak and end pain“, „a respondent receiving epidural anesthesia for labor pain, for example, may in fact rate pain as higher“, „all respondents were asked to rate the pain of cluster headache before rating any other disorders“, „there may be selection bias for cluster headache but not other pain disorders“.</ref>
Wer andere starke Schmerzen selbst erlebt hatte, sollte auch diese bewerten:
{| class="wikitable"
! Schmerz !! Mittlere Bewertung (0 bis 10)
|-
| '''Cluster-Attacke''' || '''9,7'''
|-
| Geburtsschmerz || 7,2
|-
| Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) || 7,0
|-
| Nierenstein || 6,9
|-
| alle übrigen abgefragten Schmerzen || zwischen 4,0 und 7,2
|}
Der Cluster-Kopfschmerz wurde deutlich höher bewertet als jeder andere abgefragte Schmerz. Die Einzelwerte aller Schmerzarten stehen in Abbildung 1 der Studie; im Text der Studie sind nur die ersten drei beziffert.<ref name="BURISH2021"/>
==== Was der Vergleich sagt – und was nicht ====
Die Autoren nennen selbst die Grenzen ihrer Studie: Die Diagnose wurde nur über Fragebogen gestellt, nicht im ärztlichen Gespräch. Erinnerungen können täuschen; beim Geburtsschmerz kann die Erinnerung zum Beispiel ein Mittel aus dem stärksten Moment und dem Ende sein. Ob bei der Geburt eine Betäubung wie eine PDA gegeben wurde, wurde nicht gefragt. Wer bei einer Befragung über Cluster-Kopfschmerz mitmacht, hat womöglich einen schwereren Cluster-Kopfschmerz als der Durchschnitt, aber nicht unbedingt schwerere andere Schmerzen. Und der Cluster-Kopfschmerz wurde immer zuerst bewertet.<ref name="BURISH2021"/> Die Tabelle ist deshalb keine allgemeingültige Rangliste der schlimmsten Schmerzen. Sie zeigt aber, wie hoch Betroffene ihre Attacken einstufen, selbst im Vergleich mit anderen starken Schmerzen, die sie selbst erlebt haben.
Die Zahlen ordnen Schmerzen, sie messen sie nicht wie eine Waage: Eine 10 bedeutet nicht doppelt so viel Schmerz wie eine 5, und aus 9,7 gegen 7,2 lässt sich kein „um so viel Prozent schlimmer“ ausrechnen.
=== Schmerz auch zwischen den Attacken ===
In einer Befragung von 825 Menschen mit ärztlich festgestelltem Cluster-Kopfschmerz (2021) berichteten 47 Prozent, also fast die Hälfte, über anhaltende Schmerzen im Cluster-Bereich auch zwischen den Attacken: bei 37 Prozent auf der Seite der Attacken, bei 9 Prozent auf beiden Seiten, bei 1 Prozent nur auf der anderen Seite. Beim chronischen Verlauf kamen sie häufiger vor als beim episodischen. Die internationale Klassifikation erwähnt solche Schmerzen bisher nicht ausdrücklich.<ref name="GOEBEL2021">{{cite journal |author=Göbel CH, Karstedt S, Heinze A, Koch B, Göbel H |title=Phenotype of cluster headache: clinical variability, persisting pain between attacks, and comorbidities – an observational cohort study in 825 patients |journal=Pain Ther |volume=10 |issue=2 |pages=1121–1137 |year=2021 |pmid=33945123 |doi=10.1007/s40122-021-00267-8}} PMC8586113, Volltext am 23.09.2026 über Europe PMC gelesen. Im Wortlaut: „Persisting pain between individual cluster attacks has not yet been explicitly mentioned in ICHD-3. These were found in 47% of patients between attacks. Persisting pain occurred ipsilaterally in 37%, bilaterally in 9%, and contralaterally in 1% of patients. They are more common in chronic cluster headache than in episodic cluster headache.“</ref> Wer nur die stärkste Attacke notiert, erfasst diesen Schmerz nicht.
=== Was die Internationale Kopfschmerzgesellschaft heute für Studien empfiehlt ===
2022 hat die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) ihre Empfehlungen für Studien zum Cluster-Kopfschmerz überarbeitet; die erste Fassung von 1995 war bis dahin nie erneuert worden.<ref name="IHS2022">{{cite journal |author=Schoenen J, Snoer AH, Brandt RB u. a.; IHS Standing Committee for Clinical Trials |title=Guidelines of the International Headache Society for controlled clinical trials in cluster headache |journal=Cephalalgia |volume=42 |issue=14 |pages=1450–1466 |year=2022 |pmid=36268950 |doi=10.1177/03331024221120266}} Am 23.09.2026 beim Verlag gelesen. Im Wortlaut: „Recording of pain severity is recommended using a five-point ordinal scale: 0=no headache, 1=mild headache, 2=moderate headache, 3=severe headache and 4=very severe headache.“; „Alternatively a 100-mm visual analogue scale (VAS) or an 11-point numerical rating scale (NRS) can be used.“; „Pain-freedom at 15 minutes without recurrence of any level of pain within 3 hours in the first treated attack.“; „Headache severity alone is not recommended as a primary outcome measure in preventive treatment trials, but may be included as a secondary endpoint for assessment of headache related disability.“ Zusammenfassung: Die erste Ausgabe von 1995 sei nie überarbeitet worden.</ref> Die Stärke einer Attacke soll auf einer fünfstufigen Skala festgehalten werden:
* 0 = kein Kopfschmerz, 1 = leicht, 2 = mäßig, 3 = stark, 4 = sehr stark (''very severe'').
Stattdessen darf auch eine 100 Millimeter lange Linie (VAS) oder die Zahlenskala von 0 bis 10 (NRS) benutzt werden. In Studien zur Vorbeugung soll die Schmerzstärke allein nicht das Hauptziel sein, höchstens ein Nebenziel. In Studien zur Behandlung der Attacke empfiehlt die IHS als Hauptziel: schmerzfrei nach 15 Minuten, ohne dass in den folgenden 3 Stunden wieder Schmerz auftritt.<ref name="IHS2022"/>
Der Abschnitt „Klinische Studien“ oben gibt noch die Fassung von 1995 wieder, in der die oberste Stufe „excruciating“ (qualvoll) hieß; 2022 heißt sie „very severe“ (sehr stark).
=== Die Belastung messen: der CHIQ ===
Eine Schmerzskala fragt nur: Wie stark tut es weh? Der Cluster Headache Impact Questionnaire (CHIQ) fragt dagegen: Was macht die Krankheit mit dem Leben? Er wurde zuerst auf Deutsch entwickelt und 2022 an 254 Betroffenen geprüft. Er hat acht Fragen, die sich auf die letzte Woche beziehen; jede Frage wird mit 0 („nie“) bis 5 („immer“) beantwortet, zusammen ergeben sich 0 bis 40 Punkte.<ref name="CHIQ2022">{{cite journal |author=Kamm K, Straube A, Ruscheweyh R |title=Cluster Headache Impact Questionnaire (CHIQ) – a short measure of cluster headache related disability |journal=J Headache Pain |volume=23 |issue=1 |pages=37 |year=2022 |pmid=35303796 |doi=10.1186/s10194-022-01406-y}} Im Wortlaut: „The 8-item Cluster Headache Impact Questionnaire (CHIQ) was developed based on a literature review and patient and expert interviews. The questionnaire was tested in 254 CH patients“; „Internal consistency (Cronbach's α = 0.88) and test-retest reliability (ICC 0.91, n = 41) were good.“; „CHIQ scores significantly differentiated between chronic CH (25.8 ± 6.5), active episodic CH (23.3 ± 6.9) and episodic CH patients in remission (13.6 ± 11.9“. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref><ref name="CHIQ2024">{{cite journal |author=Kamm K, Straube A, Burish M, Ruscheweyh R |title=Disability in cluster headache is more than attack frequency – results from and validation of the English version of the Cluster Headache Impact Questionnaire (CHIQ) |journal=J Headache Pain |volume=25 |issue=1 |pages=128 |year=2024 |pmid=39103768 |doi=10.1186/s10194-024-01838-8}} PMC11299406, Volltext am 23.09.2026 über Europe PMC gelesen. Im Wortlaut: „a short, disease-specific disability questionnaire first developed and validated in German“; „Items are rated on a 6-point Likert scale from 0 (“never”) to 5 (“always”), resulting in total scores from 0 to 40. A timeframe of 1 week was chosen“; „the CHIQ was graded into 5 levels from “no to low impact” to “extreme impact” based on the patients’ perception. Higher CHIQ grading was associated with higher attack and acute medication frequency“; Tabelle 4: 0–4 „No to low impact“, 5–14 „Moderate impact“, 15–23 „Severe impact“, 24–29 „Very severe impact“, 30–40 „Extreme impact“.</ref> Die Antworten hängen gut zusammen und blieben bei einer Wiederholung stabil. Menschen mit chronischem Verlauf kamen im Mittel auf 25,8 Punkte, Menschen in einer aktiven episodischen Phase auf 23,3 und Menschen in der Pause auf 13,6.<ref name="CHIQ2022"/>
2024 wurde die englische Fassung geprüft und in fünf Stufen eingeteilt:<ref name="CHIQ2024"/>
{| class="wikitable"
! Punkte !! Stufe
|-
| 0 bis 4 || keine bis geringe Belastung
|-
| 5 bis 14 || mäßige Belastung
|-
| 15 bis 23 || schwere Belastung
|-
| 24 bis 29 || sehr schwere Belastung
|-
| 30 bis 40 || extreme Belastung
|}
Höhere Stufen gingen mit mehr Attacken und häufigerem Gebrauch von Attackenmitteln einher.<ref name="CHIQ2024"/>
=== Die KIP-Skala heute ===
Die KIP-Skala oben stammt aus der Betroffenengemeinschaft, nicht aus der Forschung. In den Studienempfehlungen der IHS von 2022 sind nur die fünfstufige Skala, die VAS und die Zahlenskala genannt.<ref name="IHS2022"/> Ihre Stufen beschreiben nicht nur die Schmerzstärke, sondern auch Schlaf, Verhalten und Gefühle. Ein „KIP 8“ ist deshalb nicht dasselbe wie eine 8 auf der Zahlenskala. Für Gespräche unter Betroffenen kann sie trotzdem anschaulich sein.
''Wer an Suizid denkt, wie es die oberste Stufe der KIP-Skala beschreibt, muss damit nicht allein bleiben: Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenlos erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 und 116 123.''<ref name="TS">[https://www.telefonseelsorge.de/ TelefonSeelsorge Deutschland], am 23.09.2026 aufgerufen: „0800 1110111 0800 1110222 116 123“; „Ihr Anruf ist kostenfrei“; „Tag und Nacht erreichbar“.</ref>
=== Welche Skala wofür? ===
* Für das eigene Kopfschmerztagebuch und das Gespräch in der Praxis: die Zahlenskala von 0 bis 10, dazu Dauer, Zahl der Attacken und die genommenen Mittel.
* Für Studien: die Empfehlungen der IHS von 2022.
* Für die Belastung im Alltag: der CHIQ.
* Für den Austausch unter Betroffenen: die KIP-Skala, mit dem Wissen, dass sie etwas anderes misst.


== Literatur ==
== Literatur ==
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== Einzelnachweise ==
<references />


{{Gesundheitshinweis}}
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Version vom 23. September 2026, 00:29 Uhr

Es gibt verschiedene Skalen zur subjektiven Schmerzbeurteilung. Unter Cluster-Kopfschmerz Patienten hat sich die zehnstufige Skala des US-amerikanischen Cluster-Kopfschmerzpatienten Bob Kipple (1939 - 2006) eingebürgert, die an das Schmerzempfinden von Cluster-Kopfschmerz Patienten angelehnt ist. Nach dem Spitznamen von Bob Kipple wird diese Skala „KIP-Skala“ genannt. In der Medizin und in der Schmerzforschung werden in der Regel die Numerische Rating-Skala (NRS) oder die Visuelle Analog-Skala (VAS) verwendet.

Numerische Rating-Skala

Bei der Numerischen Rating Skala (NRS), engl. „Numeric Rating Scale“, gibt der Patient seine subjektiv empfundene Schmerzstärke als Wert aus einem Wertebereich an, üblicherweise zwischen 0 und 10. 0 steht für kein Schmerz, 10 für den stärksten vorstellbaren Schmerz. Die Schmerzstärke wird zum Beispiel in den Cluster-Kopfschmerz-Kalendern der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und des Oberbayerischen Kopfschmerzzentrums in München nach der Numerischen Rating Skala bewertet.

Visuelle Analog-Skala

Die Visuelle Analog-Skala (VAS) ist eine Skala zur Messung der subjektiven Schmerzempfindung. Meistens handelt es sich um eine 100 mm lange Linie, deren Endpunkte extreme Zustände darstellen, wie z. B. kein Schmerz - unerträglicher Schmerz. Die subjektive Empfindung wird durch einen vertikalen Strich auf der Linie markiert. Der angegebene Wert wird als Prozentzahl oder mittels einer definierten Skala, meist von 0 bis 10, quantifiziert.

Verbale Rating-Skala

Eine verbale Rating-Skala (VRS), engl. „Verbal Rating Scale“, ist eine subjektive Bewertung, deren Stufen durch Worte oder Begriffsgruppen repräsentiert werden. Hierbei wird die Stärke des Schmerzes in Begriffe gefasst, zum Beispiel:

  • VRS-4: Kein Schmerz - mäßig - stark - stärkster vorstellbarer Schmerz
  • VRS-5: Kein Schmerz - mäßig - mittelstark - stark - stärkster vorstellbarer Schmerz
  • VRS-6: Kein Schmerz - leicht - mäßig - stark - sehr stark - unerträglicher Schmerz

Klinische Studien

Nach der Empfehlung der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) von 1995 sollte für klinische Studien zum Cluster-Kopfschmerz die folgende fünfstufige verbale Schmerzskala oder eine visuelle Analog-Skala verwendet werden:

  • Headache pain rating: None (0), mild (1), moderate (2), severe (3), excruciating (4)
  • Kopfschmerz Bewertung: Keine (0), mild (1), mäßig (2), heftig (3), qualvoll (4).

Für die Bewertung der Schmerzintensität bei Studien zur Migräne empfiehlt die IHS 2012 die folgende vierstufige Stufenskala:

  • 0 = no headache; 1 = mild headache; 2 = moderate headache; 3 = severe headache.
  • 0 =kein Kopfschmerz; 1 = mild; 2 = mäßig; 3 = heftig.

KIP Skala

Schmerzintensität 0
Keine Schmerzen, das Leben ist wunderbar.
Schmerzintensität 1
Sehr geringer Schmerz, der schleichend kommt und geht. Immer noch ist das Leben schön.
Schmerzintensität 2
Die Schmerzen werden langsam dauerhaft.
Schmerzintensität 3
Die Schmerzen festigen sich, aber man kann damit leben.
Schmerzintensität 4
Es geht dir schon schlechter, du möchtest alleine sein.
Schmerzintensität 5
Noch nicht ganz schlimm, aber dir reicht’s.
Schmerzintensität 6
Nervöses Aufwachen durch den Schmerz, kleine Aggressionen, jedoch schafft man es, weiter zu schlafen.
Schmerzintensität 7
Aufgeweckt durch den heftigen Schmerz läufst du ziellos durch die Gegend und kannst nicht mehr schlafen. Hinterher fällst du völlig erschöpft ins Bett.
Schmerzintensität 8
Du fängst an zu schreien, irrst herum, schlägst deinen Kopf gegen die Wand und versuchst alles, was den Schmerz mindern könnte.
Schmerzintensität 9
Das "Warum gerade ich?"-Syndrom fängt an!
Schmerzintensität 10
Größtmöglicher Schmerz, lautes Schreien, Aggressionen und Depressionen, du denkst an Selbstmord.

Stand 2026

Dieser Abschnitt ergänzt die Seite um neuere Studien. Die Abschnitte oben bleiben stehen; wo sich etwas geändert hat, steht es hier. Eine Schmerzskala misst nicht wie ein Thermometer, sondern hält fest, wie stark ein Mensch seinen Schmerz selbst empfindet. Sie eignet sich vor allem, um die Attacken desselben Menschen miteinander zu vergleichen, etwa vor und nach einer neuen Behandlung.

Wie stark ist der Schmerz?

Die internationale Kopfschmerzklassifikation verlangt für die Diagnose „starke oder sehr starke“ einseitige Schmerzen um das Auge, über dem Auge oder an der Schläfe. Unbehandelt dauert eine Attacke 15 bis 180 Minuten, und es kann zwischen einer Attacke jeden zweiten Tag und acht Attacken am Tag geben.[1]

In einer Internet-Befragung von 2021, dem International Cluster Headache Questionnaire, bewerteten 1.604 Betroffene, deren Angaben die Diagnosekriterien erfüllten, ihre Attacken auf der Skala von 0 bis 10 im Mittel mit 9,7. 72,1 Prozent vergaben die Höchstnote 10, weitere 18,3 Prozent einen Wert zwischen 9,0 und 9,9. Zusammen gaben also gut neun von zehn Befragten mindestens eine 9.[2]

Wer andere starke Schmerzen selbst erlebt hatte, sollte auch diese bewerten:

Schmerz Mittlere Bewertung (0 bis 10)
Cluster-Attacke 9,7
Geburtsschmerz 7,2
Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) 7,0
Nierenstein 6,9
alle übrigen abgefragten Schmerzen zwischen 4,0 und 7,2

Der Cluster-Kopfschmerz wurde deutlich höher bewertet als jeder andere abgefragte Schmerz. Die Einzelwerte aller Schmerzarten stehen in Abbildung 1 der Studie; im Text der Studie sind nur die ersten drei beziffert.[2]

Was der Vergleich sagt – und was nicht

Die Autoren nennen selbst die Grenzen ihrer Studie: Die Diagnose wurde nur über Fragebogen gestellt, nicht im ärztlichen Gespräch. Erinnerungen können täuschen; beim Geburtsschmerz kann die Erinnerung zum Beispiel ein Mittel aus dem stärksten Moment und dem Ende sein. Ob bei der Geburt eine Betäubung wie eine PDA gegeben wurde, wurde nicht gefragt. Wer bei einer Befragung über Cluster-Kopfschmerz mitmacht, hat womöglich einen schwereren Cluster-Kopfschmerz als der Durchschnitt, aber nicht unbedingt schwerere andere Schmerzen. Und der Cluster-Kopfschmerz wurde immer zuerst bewertet.[2] Die Tabelle ist deshalb keine allgemeingültige Rangliste der schlimmsten Schmerzen. Sie zeigt aber, wie hoch Betroffene ihre Attacken einstufen, selbst im Vergleich mit anderen starken Schmerzen, die sie selbst erlebt haben.

Die Zahlen ordnen Schmerzen, sie messen sie nicht wie eine Waage: Eine 10 bedeutet nicht doppelt so viel Schmerz wie eine 5, und aus 9,7 gegen 7,2 lässt sich kein „um so viel Prozent schlimmer“ ausrechnen.

Schmerz auch zwischen den Attacken

In einer Befragung von 825 Menschen mit ärztlich festgestelltem Cluster-Kopfschmerz (2021) berichteten 47 Prozent, also fast die Hälfte, über anhaltende Schmerzen im Cluster-Bereich auch zwischen den Attacken: bei 37 Prozent auf der Seite der Attacken, bei 9 Prozent auf beiden Seiten, bei 1 Prozent nur auf der anderen Seite. Beim chronischen Verlauf kamen sie häufiger vor als beim episodischen. Die internationale Klassifikation erwähnt solche Schmerzen bisher nicht ausdrücklich.[3] Wer nur die stärkste Attacke notiert, erfasst diesen Schmerz nicht.

Was die Internationale Kopfschmerzgesellschaft heute für Studien empfiehlt

2022 hat die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) ihre Empfehlungen für Studien zum Cluster-Kopfschmerz überarbeitet; die erste Fassung von 1995 war bis dahin nie erneuert worden.[4] Die Stärke einer Attacke soll auf einer fünfstufigen Skala festgehalten werden:

  • 0 = kein Kopfschmerz, 1 = leicht, 2 = mäßig, 3 = stark, 4 = sehr stark (very severe).

Stattdessen darf auch eine 100 Millimeter lange Linie (VAS) oder die Zahlenskala von 0 bis 10 (NRS) benutzt werden. In Studien zur Vorbeugung soll die Schmerzstärke allein nicht das Hauptziel sein, höchstens ein Nebenziel. In Studien zur Behandlung der Attacke empfiehlt die IHS als Hauptziel: schmerzfrei nach 15 Minuten, ohne dass in den folgenden 3 Stunden wieder Schmerz auftritt.[4]

Der Abschnitt „Klinische Studien“ oben gibt noch die Fassung von 1995 wieder, in der die oberste Stufe „excruciating“ (qualvoll) hieß; 2022 heißt sie „very severe“ (sehr stark).

Die Belastung messen: der CHIQ

Eine Schmerzskala fragt nur: Wie stark tut es weh? Der Cluster Headache Impact Questionnaire (CHIQ) fragt dagegen: Was macht die Krankheit mit dem Leben? Er wurde zuerst auf Deutsch entwickelt und 2022 an 254 Betroffenen geprüft. Er hat acht Fragen, die sich auf die letzte Woche beziehen; jede Frage wird mit 0 („nie“) bis 5 („immer“) beantwortet, zusammen ergeben sich 0 bis 40 Punkte.[5][6] Die Antworten hängen gut zusammen und blieben bei einer Wiederholung stabil. Menschen mit chronischem Verlauf kamen im Mittel auf 25,8 Punkte, Menschen in einer aktiven episodischen Phase auf 23,3 und Menschen in der Pause auf 13,6.[5]

2024 wurde die englische Fassung geprüft und in fünf Stufen eingeteilt:[6]

Punkte Stufe
0 bis 4 keine bis geringe Belastung
5 bis 14 mäßige Belastung
15 bis 23 schwere Belastung
24 bis 29 sehr schwere Belastung
30 bis 40 extreme Belastung

Höhere Stufen gingen mit mehr Attacken und häufigerem Gebrauch von Attackenmitteln einher.[6]

Die KIP-Skala heute

Die KIP-Skala oben stammt aus der Betroffenengemeinschaft, nicht aus der Forschung. In den Studienempfehlungen der IHS von 2022 sind nur die fünfstufige Skala, die VAS und die Zahlenskala genannt.[4] Ihre Stufen beschreiben nicht nur die Schmerzstärke, sondern auch Schlaf, Verhalten und Gefühle. Ein „KIP 8“ ist deshalb nicht dasselbe wie eine 8 auf der Zahlenskala. Für Gespräche unter Betroffenen kann sie trotzdem anschaulich sein.

Wer an Suizid denkt, wie es die oberste Stufe der KIP-Skala beschreibt, muss damit nicht allein bleiben: Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenlos erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 und 116 123.[7]

Welche Skala wofür?

  • Für das eigene Kopfschmerztagebuch und das Gespräch in der Praxis: die Zahlenskala von 0 bis 10, dazu Dauer, Zahl der Attacken und die genommenen Mittel.
  • Für Studien: die Empfehlungen der IHS von 2022.
  • Für die Belastung im Alltag: der CHIQ.
  • Für den Austausch unter Betroffenen: die KIP-Skala, mit dem Wissen, dass sie etwas anderes misst.

Literatur

  • Lipton, RB.; Micieli, G.; Russell, D.; Solomon, S.; Tfelt-Hansen, P.; Waldenlind, E. (Dec 1995). "(International Headache Society Committee on Clinical Trials in Cluster Headache): Guidelines for controlled trials of drugs in cluster headache.". Cephalalgia 15 (6): 452-62. doi:10.1046/j.1468-2982.1995.1506452.x. PMID 8706107. 
  • Tfelt-Hansen, P.; Pascual, J.; Ramadan, N.; Dahlöf, C.; D'Amico, D.; Diener, HC.; Hansen, JM.; Lanteri-Minet, M.; et al. (Jan 2012). "Guidelines for controlled trials of drugs in migraine: third edition. A guide for investigators.". Cephalalgia 32 (1): 6-38. doi:10.1177/0333102411417901. PMID 22384463. 

Externe Links

Einzelnachweise

  1. ↑ Headache Classification Committee of the International Headache Society: The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3), 3.1 Cluster headache, am 23.09.2026 gelesen. Kriterium B: „Severe or very severe unilateral orbital, supraorbital and/or temporal pain lasting 15-180 minutes (when untreated)“; Kriterium D: „Occurring with a frequency between one every other day and 8 per day“.
  2. ↑ 2,0 2,1 2,2 Burish MJ, Pearson SM, Shapiro RE, Zhang W, Schor LI (2021). "Cluster headache is one of the most intensely painful human conditions: Results from the International Cluster Headache Questionnaire". Headache 61 (1): 117–124. doi:10.1111/head.14021. PMID 33337540.  PMC7898696, Volltext am 23.09.2026 über Europe PMC gelesen. Im Wortlaut: „Cluster headache attacks were rated as 9.7 ± 0.6 (mean ± standard deviation) on the numerical rating scale, followed by labor pain (7.2 ± 2.0), pancreatitis (7.0 ± 1.5), and nephrolithiasis (6.9 ± 1.9). The majority of cluster headache respondents rated a cluster headache attack at maximal or 10.0 pain (72.1%, 1157/1604).“; „the rest of the disorders fell in a more continuous spectrum between 4.0 and 7.2“; „Pain intensity was rated between 9.0 and 9.9 in 18.3%“; Grenzen: „recall bias“, „the fact that the diagnoses of cluster headache were not confirmed by physician interview“, „recalled labor pain may be an average of peak and end pain“, „a respondent receiving epidural anesthesia for labor pain, for example, may in fact rate pain as higher“, „all respondents were asked to rate the pain of cluster headache before rating any other disorders“, „there may be selection bias for cluster headache but not other pain disorders“.
  3. ↑ Göbel CH, Karstedt S, Heinze A, Koch B, Göbel H (2021). "Phenotype of cluster headache: clinical variability, persisting pain between attacks, and comorbidities – an observational cohort study in 825 patients". Pain Ther 10 (2): 1121–1137. doi:10.1007/s40122-021-00267-8. PMID 33945123.  PMC8586113, Volltext am 23.09.2026 über Europe PMC gelesen. Im Wortlaut: „Persisting pain between individual cluster attacks has not yet been explicitly mentioned in ICHD-3. These were found in 47% of patients between attacks. Persisting pain occurred ipsilaterally in 37%, bilaterally in 9%, and contralaterally in 1% of patients. They are more common in chronic cluster headache than in episodic cluster headache.“
  4. ↑ 4,0 4,1 4,2 Schoenen J, Snoer AH, Brandt RB u. a.; IHS Standing Committee for Clinical Trials (2022). "Guidelines of the International Headache Society for controlled clinical trials in cluster headache". Cephalalgia 42 (14): 1450–1466. doi:10.1177/03331024221120266. PMID 36268950.  Am 23.09.2026 beim Verlag gelesen. Im Wortlaut: „Recording of pain severity is recommended using a five-point ordinal scale: 0=no headache, 1=mild headache, 2=moderate headache, 3=severe headache and 4=very severe headache.“; „Alternatively a 100-mm visual analogue scale (VAS) or an 11-point numerical rating scale (NRS) can be used.“; „Pain-freedom at 15 minutes without recurrence of any level of pain within 3 hours in the first treated attack.“; „Headache severity alone is not recommended as a primary outcome measure in preventive treatment trials, but may be included as a secondary endpoint for assessment of headache related disability.“ Zusammenfassung: Die erste Ausgabe von 1995 sei nie überarbeitet worden.
  5. ↑ 5,0 5,1 Kamm K, Straube A, Ruscheweyh R (2022). "Cluster Headache Impact Questionnaire (CHIQ) – a short measure of cluster headache related disability". J Headache Pain 23 (1): 37. doi:10.1186/s10194-022-01406-y. PMID 35303796.  Im Wortlaut: „The 8-item Cluster Headache Impact Questionnaire (CHIQ) was developed based on a literature review and patient and expert interviews. The questionnaire was tested in 254 CH patients“; „Internal consistency (Cronbach's α = 0.88) and test-retest reliability (ICC 0.91, n = 41) were good.“; „CHIQ scores significantly differentiated between chronic CH (25.8 ± 6.5), active episodic CH (23.3 ± 6.9) and episodic CH patients in remission (13.6 ± 11.9“. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  6. ↑ 6,0 6,1 6,2 Kamm K, Straube A, Burish M, Ruscheweyh R (2024). "Disability in cluster headache is more than attack frequency – results from and validation of the English version of the Cluster Headache Impact Questionnaire (CHIQ)". J Headache Pain 25 (1): 128. doi:10.1186/s10194-024-01838-8. PMID 39103768.  PMC11299406, Volltext am 23.09.2026 über Europe PMC gelesen. Im Wortlaut: „a short, disease-specific disability questionnaire first developed and validated in German“; „Items are rated on a 6-point Likert scale from 0 (“never”) to 5 (“always”), resulting in total scores from 0 to 40. A timeframe of 1 week was chosen“; „the CHIQ was graded into 5 levels from “no to low impact” to “extreme impact” based on the patients’ perception. Higher CHIQ grading was associated with higher attack and acute medication frequency“; Tabelle 4: 0–4 „No to low impact“, 5–14 „Moderate impact“, 15–23 „Severe impact“, 24–29 „Very severe impact“, 30–40 „Extreme impact“.
  7. ↑ TelefonSeelsorge Deutschland, am 23.09.2026 aufgerufen: „0800 1110111 0800 1110222 116 123“; „Ihr Anruf ist kostenfrei“; „Tag und Nacht erreichbar“.

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