Lithium: Unterschied zwischen den Versionen

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Stand 2026 neben den bisherigen Text gestellt: Zulassung präparatebezogen (Quilonum retard ja, Hypnorex retard nein; Fachinformationen am 22.09.2026 gelesen), Spiegel und Kontrollen nach der EAN-Leitlinie 2023 (Volltext gelesen), Wechselwirkungen im heutigen Wortlaut der Fachinformation (Verapamil, Triptane/Serotonin-Syndrom, NSAR einschließlich Indometacin), Schwangerschaft; drei DIMDI-Links als „404 Not Found“ gekennzeichnet und die aktuelle Fachinformation ergänzt. Nichts gelöscht.
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'''Lithium''' ist ein chemisches Element mit pharmakologischen Eigenschaften. Lithiumsalze werden als Medikamente zum Beispiel gegen [http://de.wikipedia.org/wiki/Bipolare_Störung Bipolare Störungen] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Depression Depressionen] eingesetzt und auch in der vorbeugenden Behandlung des Cluster-Kopfschmerzes verwendet.  
'''Lithium''' ist ein chemisches Element mit pharmakologischen Eigenschaften. Lithiumsalze werden als Medikamente zum Beispiel gegen [http://de.wikipedia.org/wiki/Bipolare_Störung Bipolare Störungen] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Depression Depressionen] eingesetzt und auch in der vorbeugenden Behandlung des Cluster-Kopfschmerzes verwendet.  


[http://de.wikipedia.org/wiki/Lithiumacetat Lithiumacetat] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Lithiumcarbonat Lithiumcarbonat] sind in Deutschland die einzigen zur vorbeugenden Behandlung von Cluster-Kopfschmerz nach dem [http://de.wikipedia.org/wiki/Arzneimittelrecht Arzneimittelrecht] zugelassenen Medikamente.<ref name="BFARM">Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Bewertung der Expertengruppe Off-Label im Bereich Neurologie/Psychiatrie nach § 35b Abs. 3 SGB V zur Anwendung von „Verapamil zur Prophylaxe des Clusterkopfschmerzes.“ 05.07.2011, [http://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Zulassung/BereitsZugelAM/offlabel/Bewertungen/Neuro/Verapamil_Clusterkopfschmerz.pdf?__blob=publicationFile&v=2 PDF-Datei]</ref><ref>Das Portal für Arzneimittelinformationen des Bundes und der Länder: http://www.pharmnet-bund.de/ 06.02.2011</ref> Die Wirkungsweise ist unbekannt, es wird vermutet, dass die [http://de.wikipedia.org/wiki/Serotonin Serotonin-Regelkreise] beeinflusst werden.<ref>{{cite journal |author=Lambru G, Matharu M |title=Serotonergic Agents in the Management of Cluster Headache |journal=Curr Pain Headache Rep |volume= |issue= |pages= |year=2011 |month=January |pmid=21271306 |doi=10.1007/s11916-011-0176-4 |url=}}</ref>
[http://de.wikipedia.org/wiki/Lithiumacetat Lithiumacetat] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Lithiumcarbonat Lithiumcarbonat] sind in Deutschland die einzigen zur vorbeugenden Behandlung von Cluster-Kopfschmerz nach dem [http://de.wikipedia.org/wiki/Arzneimittelrecht Arzneimittelrecht] zugelassenen Medikamente.<ref name="BFARM">Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Bewertung der Expertengruppe Off-Label im Bereich Neurologie/Psychiatrie nach § 35b Abs. 3 SGB V zur Anwendung von „Verapamil zur Prophylaxe des Clusterkopfschmerzes.“ 05.07.2011, [http://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Zulassung/BereitsZugelAM/offlabel/Bewertungen/Neuro/Verapamil_Clusterkopfschmerz.pdf?__blob=publicationFile&v=2 PDF-Datei]</ref><ref>Das Portal für Arzneimittelinformationen des Bundes und der Länder: http://www.pharmnet-bund.de/ 06.02.2011</ref> '''Stand 2026:''' Die Zulassung hängt am einzelnen Präparat, nicht am Wirkstoff. Quilonum retard (Lithiumcarbonat) führt in seiner Fachinformation vom August 2024 als Anwendungsgebiet: „Anfallsweise auftretender oder chronischer Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Syndrom)“.<ref name="QUIL2024">[https://www.teofarmasrl.it/wp-content/uploads/2021/01/DE_Quilonum_retard_FI.pdf Fachinformation Quilonum retard 450 mg Retardtabletten (Lithiumcarbonat), Teofarma], Stand der Information August 2024, Zul.-Nr. 17202.00.01; Abschnitte 4.1, 4.4, 4.5 und 4.6. Am 22.09.2026 im Wortlaut gelesen.</ref> Das ebenfalls Lithiumcarbonat enthaltende Hypnorex retard nennt den Cluster-Kopfschmerz nicht.<ref name="HYPN2024">Fachinformation Hypnorex retard 400 mg Retardtabletten (Lithiumcarbonat), letzte Aktualisierung 01.11.2024, Abschnitt 4.1; gelesen am 22.09.2026 über [https://mediately.co/de/drugs/9xHzvnIjlI9R6GLY7f4Y9ym4fpb/hypnorex-retard-400-mg-retardtabletten mediately.co].</ref> Ob Lithiumacetat-Präparate die Indikation heute noch führen, wurde nicht geprüft. Wer Lithium gegen Cluster-Kopfschmerz bekommt, kann also in der Apotheke oder Praxis nachfragen, welches Präparat es ist — die Kostenübernahme hängt daran. Die Wirkungsweise ist unbekannt, es wird vermutet, dass die [http://de.wikipedia.org/wiki/Serotonin Serotonin-Regelkreise] beeinflusst werden.<ref>{{cite journal |author=Lambru G, Matharu M |title=Serotonergic Agents in the Management of Cluster Headache |journal=Curr Pain Headache Rep |volume= |issue= |pages= |year=2011 |month=January |pmid=21271306 |doi=10.1007/s11916-011-0176-4 |url=}}</ref>


== Wirksamkeit ==
== Wirksamkeit ==
Die Wirksamkeit und die Verträglichkeit von Lithium bei Cluster-Kopfschmerz sind der des [[Verapamil]]s unterlegen, so dass es nur ein Mittel der zweiten Wahl ist, aber probiert werden sollte, wenn Verapamil nicht wirksam ist. Lithiumtherapien sollten nur von versierten Fachärzten durchgeführt werden. Eine Behandlung mit Lithium muss über den [http://de.wikipedia.org/wiki/Plasmaspiegel Plasmaspiegel] überwacht werden, der zwischen 0,6 und 1,2 mmol/l liegen sollte.<ref>{{cite journal |author=Manzoni GC, Bono G, Lanfranchi M, Micieli G, Terzano MG, Nappi G |title=Lithium carbonate in cluster headache: assessment of its short- and long-term therapeutic efficacy |journal=Cephalalgia |volume=3 |issue=2 |pages=109–14 |year=1983 |month=June |pmid=6409415 |doi=10.1046/j.1468-2982.1983.0302109.x |url=}}</ref><ref name="DG">Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - [http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-036.html Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]</ref> Regelmäßige Kontrollen der Leber-, Nieren- und Schilddrüsenfunktionen sind notwendig.
Die Wirksamkeit und die Verträglichkeit von Lithium bei Cluster-Kopfschmerz sind der des [[Verapamil]]s unterlegen, so dass es nur ein Mittel der zweiten Wahl ist, aber probiert werden sollte, wenn Verapamil nicht wirksam ist. Lithiumtherapien sollten nur von versierten Fachärzten durchgeführt werden. Eine Behandlung mit Lithium muss über den [http://de.wikipedia.org/wiki/Plasmaspiegel Plasmaspiegel] überwacht werden, der zwischen 0,6 und 1,2 mmol/l liegen sollte.<ref>{{cite journal |author=Manzoni GC, Bono G, Lanfranchi M, Micieli G, Terzano MG, Nappi G |title=Lithium carbonate in cluster headache: assessment of its short- and long-term therapeutic efficacy |journal=Cephalalgia |volume=3 |issue=2 |pages=109–14 |year=1983 |month=June |pmid=6409415 |doi=10.1046/j.1468-2982.1983.0302109.x |url=}}</ref><ref name="DG">Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - [http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-036.html Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]</ref> Regelmäßige Kontrollen der Leber-, Nieren- und Schilddrüsenfunktionen sind notwendig. '''Stand 2026:''' Die europäische Leitlinie von 2023 nennt engere Werte: Der Spiegel darf 1,2 mmol/l nicht überschreiten, mindestens 0,4 mmol/l scheinen für die Wirkung nötig, ideal seien 0,6 bis 0,8 mmol/l — gemessen früh am Morgen, zwölf Stunden nach der letzten Einnahme. Vor Beginn gehören Elektrolyte, Nieren- und Schilddrüsenwerte, eine Urinuntersuchung und ein EKG dazu, danach regelmäßige Kontrollen von Nieren- und Schilddrüsenfunktion und Elektrolyten. Als Dosis nennt sie 600 bis 1.500 mg täglich, beginnend mit 400 mg und nach vier Tagen 2 × 400 mg; die Wirkung trete innerhalb von ein bis zwei Wochen ein.<ref name="EAN2023L">[https://www.uems-neuroboard.org/web/images/docs/exam/2024/papers/06-EAN-guideline-cluster-headache2023.pdf May A, Evers S, Goadsby PJ u. a.: European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache. Eur J Neurol 2023;30(10):2955–2979], PMID 37515405. Volltext in der frei zugänglichen Fassung, am 22.09.2026 gelesen: Abschnitt zu Lithium (Seiten 2968–2969) und Tabelle 17 (Seite 2973).</ref>


Lithiumcarbonat ist in einer täglichen Dosis zwischen 600 und 1.500 mg in mehreren offenen [http://de.wikipedia.org/wiki/Klinische_Studie Studien] zur Prophylaxe des Clusterkopfschmerzes untersucht worden. Die Ergebnisse dieser Studien mit insgesamt 106 Patienten wurden von Karl Ekbom 1981 in einer Übersichtsarbeit zusammengefasst.<ref>{{cite journal |author=Ekbom K |title=Lithium for cluster headache: review of the literature and preliminary results of long-term treatment |journal=Headache |volume=21 |issue=4 |pages=132–9 |year=1981 |month=July |pmid=7021473 |doi=10.1111/j.1526-4610.1981.hed2104132.x |url=}}</ref> Einige Studien geben eine dem Verapamil vergleichbare Wirkungsamkeit von 70% an.<ref name="DMKG1">{{cite journal |author=May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC |title=Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft |journal=Schmerz |volume=19 |issue=3 |pages=225–41 |year=2005 |month=June |pmid=15887001 |doi=10.1007/s00482-005-0397-8 |url=}} [http://web.archive.org/web/20151106202717/http://www.dmkg.de/dmkg/sites/default/files/therapieempfehlung%20clusterkopfschmerz.pdf DMKG: PDF-Datei]</ref> Eine jüngere placebo-kontrollierte Studie zeigte dagegen keinen Effekt von Lithium beim episodischen Cluster-Kopfschmerz.<ref>{{cite journal |author=Steiner TJ, Hering R, Couturier EG, Davies PT, Whitmarsh TE |title=Double-blind placebo-controlled trial of lithium in episodic cluster headache |journal=Cephalalgia |volume=17 |issue=6 |pages=673–5 |year=1997 |month=October |pmid=9350389 |doi=10.1046/j.1468-2982.1997.1706673.x |url=}}</ref> In einer doppelblinden crossover Studie zeigten Lithium und Verapamil eine ähnliche Wirksamkeit beim chronischen Cluster-Kopfschmerz mit einem rascheren Wirkungseintritt und einer besseren Verträglichkeit von Verapamil.<ref>{{cite journal |author=Bussone G, Leone M, Peccarisi C, Micieli G, Granella F, Magri M, Manzoni GC, Nappi G |title=Double blind comparison of lithium and verapamil in cluster headache prophylaxis |journal=Headache |volume=30 |issue=7 |pages=411–7 |year=1990 |month=June |pmid=2205598 |doi=10.1111/j.1526-4610.1990.hed3007411.x |url=}}</ref>
Lithiumcarbonat ist in einer täglichen Dosis zwischen 600 und 1.500 mg in mehreren offenen [http://de.wikipedia.org/wiki/Klinische_Studie Studien] zur Prophylaxe des Clusterkopfschmerzes untersucht worden. Die Ergebnisse dieser Studien mit insgesamt 106 Patienten wurden von Karl Ekbom 1981 in einer Übersichtsarbeit zusammengefasst.<ref>{{cite journal |author=Ekbom K |title=Lithium for cluster headache: review of the literature and preliminary results of long-term treatment |journal=Headache |volume=21 |issue=4 |pages=132–9 |year=1981 |month=July |pmid=7021473 |doi=10.1111/j.1526-4610.1981.hed2104132.x |url=}}</ref> Einige Studien geben eine dem Verapamil vergleichbare Wirkungsamkeit von 70% an.<ref name="DMKG1">{{cite journal |author=May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC |title=Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft |journal=Schmerz |volume=19 |issue=3 |pages=225–41 |year=2005 |month=June |pmid=15887001 |doi=10.1007/s00482-005-0397-8 |url=}} [http://web.archive.org/web/20151106202717/http://www.dmkg.de/dmkg/sites/default/files/therapieempfehlung%20clusterkopfschmerz.pdf DMKG: PDF-Datei]</ref> Eine jüngere placebo-kontrollierte Studie zeigte dagegen keinen Effekt von Lithium beim episodischen Cluster-Kopfschmerz.<ref>{{cite journal |author=Steiner TJ, Hering R, Couturier EG, Davies PT, Whitmarsh TE |title=Double-blind placebo-controlled trial of lithium in episodic cluster headache |journal=Cephalalgia |volume=17 |issue=6 |pages=673–5 |year=1997 |month=October |pmid=9350389 |doi=10.1046/j.1468-2982.1997.1706673.x |url=}}</ref> In einer doppelblinden crossover Studie zeigten Lithium und Verapamil eine ähnliche Wirksamkeit beim chronischen Cluster-Kopfschmerz mit einem rascheren Wirkungseintritt und einer besseren Verträglichkeit von Verapamil.<ref>{{cite journal |author=Bussone G, Leone M, Peccarisi C, Micieli G, Granella F, Magri M, Manzoni GC, Nappi G |title=Double blind comparison of lithium and verapamil in cluster headache prophylaxis |journal=Headache |volume=30 |issue=7 |pages=411–7 |year=1990 |month=June |pmid=2205598 |doi=10.1111/j.1526-4610.1990.hed3007411.x |url=}}</ref>


Die Verwendung von Lithium beim Cluster-Kopfschmerz beruht nur auf sehr kleinen und auf offenen Studien, deren positive Ergebnisse für den chronischen Cluster-Kopfschmerz mehr überzeugend sind. Darum wird Lithium von den nationalen und europäischen Leitlinien zur Behandlung des Cluster-Kopfschmerzes besonders für den chronischen Cluster-Kopfschmerz  
Die Verwendung von Lithium beim Cluster-Kopfschmerz beruht nur auf sehr kleinen und auf offenen Studien, deren positive Ergebnisse für den chronischen Cluster-Kopfschmerz mehr überzeugend sind. Darum wird Lithium von den nationalen und europäischen Leitlinien zur Behandlung des Cluster-Kopfschmerzes besonders für den chronischen Cluster-Kopfschmerz  
empfohlen, wenn andere Substanzen nicht wirksam oder kontraindiziert sind.<ref name="DG"/><ref name="EFNS">May A, Leone M, Áfra J, Linde M,  Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. ''European Journal of Neurology.'' 2006; '''13''': 1066–1077. PMID 16987158, [http://www.efns.org/fileadmin/user_upload/guidline_papers/EFNS_guideline_2006_cluster_headache_and_other_trigeminal_autonomic.pdf PDF-Datei] [http://dx.doi.org/10.1111/j.1468-1331.2006.01566.x DOI]</ref> Der Einsatz von Lithium zur Prophylaxe des Cluster-Kopfschmerzes ist als gut etabliert anzusehen, wird aber trotz der arzneimittelrechtlichen Zulassung nicht durch placebokontrollierte Studien oder eine gute Verträglichkeit und hohe Sicherheit gestützt.<ref name="BFARM"/>
empfohlen, wenn andere Substanzen nicht wirksam oder kontraindiziert sind.<ref name="DG"/><ref name="EFNS">May A, Leone M, Áfra J, Linde M,  Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. ''European Journal of Neurology.'' 2006; '''13''': 1066–1077. PMID 16987158, [http://www.efns.org/fileadmin/user_upload/guidline_papers/EFNS_guideline_2006_cluster_headache_and_other_trigeminal_autonomic.pdf PDF-Datei] [http://dx.doi.org/10.1111/j.1468-1331.2006.01566.x DOI]</ref> Die Leitlinie der ''Deutschen Gesellschaft für Neurologie'' ist seit Mai 2020 abgelaufen. Die europäische Leitlinie von 2023 bleibt bei dieser Einordnung und begründet sie ausdrücklich: Die breite Anwendung beruhe auf kleinen, älteren und offenen Studien, das Verzerrungsrisiko sei hoch, und wegen des engen Bereichs zwischen Wirkung und Vergiftung solle Lithium „only be used in cluster patients who do not respond to verapamil“.<ref name="EAN2023L"/> Der Einsatz von Lithium zur Prophylaxe des Cluster-Kopfschmerzes ist als gut etabliert anzusehen, wird aber trotz der arzneimittelrechtlichen Zulassung nicht durch placebokontrollierte Studien oder eine gute Verträglichkeit und hohe Sicherheit gestützt.<ref name="BFARM"/>


In einer Patientenbefragung beantworteten 65 Probanden, die am Cluster-Kopfschmerz leiden, die Frage nach der Wirksamkeit von Lithium: 24,6% der Teilnehmer berichteten von einer guten Wirksamkeit dieses Medikamentes. 31% der Patienten mit einer episodischen Verlaufsform hatten eine gute Wirkung. Der Anteil der chronischen Cluster-Kopfschmerzpatienten mit einer guten Wirkung betrug 19,4%. 43,1% der Probanden bemerkten keinen Wirkeffekt durch das Lithium. 32,3% der Patienten berichteten einen mäßigen Wirkeffekt.<ref> [http://miami.uni-muenster.de/servlets/DocumentServlet?id=5532 Dissertation Jens Fleßner: Epidemiologie und Verlauf von Patienten mit Clusterkopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Münster 2010] [http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:6-86429591100 (ZIP-Datei)]</ref>
In einer Patientenbefragung beantworteten 65 Probanden, die am Cluster-Kopfschmerz leiden, die Frage nach der Wirksamkeit von Lithium: 24,6% der Teilnehmer berichteten von einer guten Wirksamkeit dieses Medikamentes. 31% der Patienten mit einer episodischen Verlaufsform hatten eine gute Wirkung. Der Anteil der chronischen Cluster-Kopfschmerzpatienten mit einer guten Wirkung betrug 19,4%. 43,1% der Probanden bemerkten keinen Wirkeffekt durch das Lithium. 32,3% der Patienten berichteten einen mäßigen Wirkeffekt.<ref> [http://miami.uni-muenster.de/servlets/DocumentServlet?id=5532 Dissertation Jens Fleßner: Epidemiologie und Verlauf von Patienten mit Clusterkopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Münster 2010] [http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:6-86429591100 (ZIP-Datei)]</ref>


== Wechselwirkungen ==
== Wechselwirkungen ==
Lithium interagiert mit [[Triptan]]en, indem es deren Wirkung verstärkt, sowie mit [http://de.wikipedia.org/wiki/Calciumantagonist Calciumantagonisten] (z.B. mit [[Verapamil]]), wodurch die Nervenzellen schädigende Wirkung des Lithiums verstärkt wird.<ref name="FI_Lithium">[https://portal.dimdi.de/amispb/doc/2010/02/26/2117202/OBFM36BE8B4501CAB604.rtf Fachinformationen Quilonum&#174; (RTF-Datei)] 12.02.2011</ref> Eine Kombination von Lithium mit Verapamil zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerz ist möglich.<ref>Diener HC, Göbel H, Grotemeyer KH, Pfaffenrath V.: Therapie des Clusterkopfschmerzes. Therapieempfehlung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft. ''Dt. Ärzteblatt.'' Oktober 1998; '''95'''(44): A-2760-2769. [http://www.aerzteblatt.de/archiv/13987/Therapie-des-Clusterkopfschmerzes URL]</ref> Der Serumlithiumspiegel sollte bei dieser Kombination im unteren therapeutischen Bereich liegen.<ref name="FI_Lithium" /> [http://de.wikipedia.org/wiki/Diuretikum Diuretika] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Neuroleptikum Neuroleptika] sollten nur unter besonderer Vorsicht während einer Lithiumtherapie eingesetzt werden.<ref name="FI_Lithium" />  
Lithium interagiert mit [[Triptan]]en, indem es deren Wirkung verstärkt, sowie mit [http://de.wikipedia.org/wiki/Calciumantagonist Calciumantagonisten] (z.B. mit [[Verapamil]]), wodurch die Nervenzellen schädigende Wirkung des Lithiums verstärkt wird.<ref name="FI_Lithium">[https://portal.dimdi.de/amispb/doc/2010/02/26/2117202/OBFM36BE8B4501CAB604.rtf Fachinformationen Quilonum&#174; (RTF-Datei)] 12.02.2011. Die Adresse liefert inzwischen „404 Not Found“ (geprüft am 22.09.2026); die aktuelle Fachinformation ist unter „Externe Links“ verlinkt</ref> Eine Kombination von Lithium mit Verapamil zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerz ist möglich.<ref>Diener HC, Göbel H, Grotemeyer KH, Pfaffenrath V.: Therapie des Clusterkopfschmerzes. Therapieempfehlung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft. ''Dt. Ärzteblatt.'' Oktober 1998; '''95'''(44): A-2760-2769. [http://www.aerzteblatt.de/archiv/13987/Therapie-des-Clusterkopfschmerzes URL]</ref> Der Serumlithiumspiegel sollte bei dieser Kombination im unteren therapeutischen Bereich liegen.<ref name="FI_Lithium" /> [http://de.wikipedia.org/wiki/Diuretikum Diuretika] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Neuroleptikum Neuroleptika] sollten nur unter besonderer Vorsicht während einer Lithiumtherapie eingesetzt werden.<ref name="FI_Lithium" />
 
'''Stand 2026, nach der aktuellen Fachinformation:'''<ref name="QUIL2024"/> Bei Kalzium-Antagonisten wie Verapamil heißt es heute: „Erhöhung der Lithiumtoxizität. Der Serumlithiumspiegel sollte deshalb im unteren therapeutischen Bereich liegen.“ Bei gleichzeitiger Einnahme von „5-HT-Agonisten“ — dazu gehören die [[Triptan]]e — wurde ein Serotonin-Syndrom beschrieben: Bewusstseinsstörung, Ruhelosigkeit, Muskelzucken, gesteigerte Reflexe, Schweißausbruch, Frösteln und Zittern; dann ist die gesamte Medikation abzusetzen. Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR — genannt sind unter anderem Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und Indometacin — sowie ACE-Hemmer, Sartane und Metronidazol erhöhen den Lithiumspiegel und können zur Vergiftung führen. Die europäische Leitlinie hebt Indometacin eigens hervor: Soll bei Verdacht auf eine [[Paroxysmale Hemikranie]] mit [[Indometacin]] geprüft werden, muss Lithium vorher abgesetzt werden.<ref name="EAN2023L"/>  


== Kontraindikationen ==
== Kontraindikationen ==
Lithium sollte bei [http://de.wikipedia.org/wiki/Nierenfunktionsstörung Nierenfunktionsstörung,] Herz-/Kreislauferkrankungen, [http://de.wikipedia.org/wiki/Schilddrüse Schilddrüsenerkrankungen] oder bei [http://de.wikipedia.org/wiki/Myopathie Muskelerkrankungen] nicht eingesetzt werden. Bei [http://de.wikipedia.org/wiki/Schuppenflechte Psoriasis]-Patienten (Schuppenflechte) kann Lithium akute Entzündungsschübe auslösen.<ref name="FI_Lithium" />
Lithium sollte bei [http://de.wikipedia.org/wiki/Nierenfunktionsstörung Nierenfunktionsstörung,] Herz-/Kreislauferkrankungen, [http://de.wikipedia.org/wiki/Schilddrüse Schilddrüsenerkrankungen] oder bei [http://de.wikipedia.org/wiki/Myopathie Muskelerkrankungen] nicht eingesetzt werden. Bei [http://de.wikipedia.org/wiki/Schuppenflechte Psoriasis]-Patienten (Schuppenflechte) kann Lithium akute Entzündungsschübe auslösen.<ref name="FI_Lithium" />
'''Schwangerschaft:''' „Quilonum retard darf nicht während der Schwangerschaft angewendet werden.“ Die Fachinformation begründet das so: „Ein erhöhtes Fehlbildungs- und Komplikationsrisiko durch Lithium kann nicht ausgeschlossen werden.“<ref name="QUIL2024"/>


== Unerwünschte Wirkungen ==  
== Unerwünschte Wirkungen ==  
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== Siehe auch: ==
== Siehe auch: ==
* [[Clonazepam]]
* [[Clonazepam]]
* [[Cluster-Kopfschmerz Prophylaxe]] — alle Vorbeugemittel im Vergleich
* [[Verapamil]]
* [[Cluster-Kopfschmerz Behandlung#Lithium|Lithium in der Behandlungsübersicht]]


== Literatur ==
== Literatur ==
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== Externe Links ==
== Externe Links ==
<div class="noprint">
<div class="noprint">
* [https://portal.dimdi.de/amispb/doc/2015/08/08/2117203/Ofa87c55e38b645c9a1f2b9e933f5f6e4.pdf Gebrauchsinformationen Quilonum&#174; (PDF-Datei)]
* [https://portal.dimdi.de/amispb/doc/2015/08/08/2117203/Ofa87c55e38b645c9a1f2b9e933f5f6e4.pdf Gebrauchsinformationen Quilonum&#174; (PDF-Datei)] — ''nicht mehr abrufbar: Das frühere Arzneimittel-Informationsportal des DIMDI liefert unter dieser Adresse „404 Not Found“ (geprüft am 22.09.2026).''
 
* [https://portal.dimdi.de/amispb/doc/2015/08/06/2117203/O0c9acb3480f844ca93a067616d63e0ff.pdf Fachinformationen Quilonum&#174; (PDF-Datei)] — ''ebenfalls „404 Not Found“ (geprüft am 22.09.2026).''


* [https://portal.dimdi.de/amispb/doc/2015/08/06/2117203/O0c9acb3480f844ca93a067616d63e0ff.pdf Fachinformationen Quilonum&#174; (PDF-Datei)]
* [https://www.teofarmasrl.it/wp-content/uploads/2021/01/DE_Quilonum_retard_FI.pdf Fachinformation Quilonum retard 450 mg (Teofarma), Stand August 2024 (PDF-Datei)] — die aktuelle Fassung beim Zulassungsinhaber


* [http://de.wikipedia.org/wiki/Lithium Wikipedia: Lithium], [http://de.wikipedia.org/wiki/Lithiumtherapie Lithiumtherapie]
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Lithium Wikipedia: Lithium], [http://de.wikipedia.org/wiki/Lithiumtherapie Lithiumtherapie]

Version vom 22. September 2026, 22:32 Uhr

Lithium ist ein chemisches Element mit pharmakologischen Eigenschaften. Lithiumsalze werden als Medikamente zum Beispiel gegen Bipolare Störungen und Depressionen eingesetzt und auch in der vorbeugenden Behandlung des Cluster-Kopfschmerzes verwendet.

Lithiumacetat und Lithiumcarbonat sind in Deutschland die einzigen zur vorbeugenden Behandlung von Cluster-Kopfschmerz nach dem Arzneimittelrecht zugelassenen Medikamente.[1][2] Stand 2026: Die Zulassung hängt am einzelnen Präparat, nicht am Wirkstoff. Quilonum retard (Lithiumcarbonat) führt in seiner Fachinformation vom August 2024 als Anwendungsgebiet: „Anfallsweise auftretender oder chronischer Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Syndrom)“.[3] Das ebenfalls Lithiumcarbonat enthaltende Hypnorex retard nennt den Cluster-Kopfschmerz nicht.[4] Ob Lithiumacetat-Präparate die Indikation heute noch führen, wurde nicht geprüft. Wer Lithium gegen Cluster-Kopfschmerz bekommt, kann also in der Apotheke oder Praxis nachfragen, welches Präparat es ist — die Kostenübernahme hängt daran. Die Wirkungsweise ist unbekannt, es wird vermutet, dass die Serotonin-Regelkreise beeinflusst werden.[5]

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit und die Verträglichkeit von Lithium bei Cluster-Kopfschmerz sind der des Verapamils unterlegen, so dass es nur ein Mittel der zweiten Wahl ist, aber probiert werden sollte, wenn Verapamil nicht wirksam ist. Lithiumtherapien sollten nur von versierten Fachärzten durchgeführt werden. Eine Behandlung mit Lithium muss über den Plasmaspiegel überwacht werden, der zwischen 0,6 und 1,2 mmol/l liegen sollte.[6][7] Regelmäßige Kontrollen der Leber-, Nieren- und Schilddrüsenfunktionen sind notwendig. Stand 2026: Die europäische Leitlinie von 2023 nennt engere Werte: Der Spiegel darf 1,2 mmol/l nicht überschreiten, mindestens 0,4 mmol/l scheinen für die Wirkung nötig, ideal seien 0,6 bis 0,8 mmol/l — gemessen früh am Morgen, zwölf Stunden nach der letzten Einnahme. Vor Beginn gehören Elektrolyte, Nieren- und Schilddrüsenwerte, eine Urinuntersuchung und ein EKG dazu, danach regelmäßige Kontrollen von Nieren- und Schilddrüsenfunktion und Elektrolyten. Als Dosis nennt sie 600 bis 1.500 mg täglich, beginnend mit 400 mg und nach vier Tagen 2 × 400 mg; die Wirkung trete innerhalb von ein bis zwei Wochen ein.[8]

Lithiumcarbonat ist in einer täglichen Dosis zwischen 600 und 1.500 mg in mehreren offenen Studien zur Prophylaxe des Clusterkopfschmerzes untersucht worden. Die Ergebnisse dieser Studien mit insgesamt 106 Patienten wurden von Karl Ekbom 1981 in einer Übersichtsarbeit zusammengefasst.[9] Einige Studien geben eine dem Verapamil vergleichbare Wirkungsamkeit von 70% an.[10] Eine jüngere placebo-kontrollierte Studie zeigte dagegen keinen Effekt von Lithium beim episodischen Cluster-Kopfschmerz.[11] In einer doppelblinden crossover Studie zeigten Lithium und Verapamil eine ähnliche Wirksamkeit beim chronischen Cluster-Kopfschmerz mit einem rascheren Wirkungseintritt und einer besseren Verträglichkeit von Verapamil.[12]

Die Verwendung von Lithium beim Cluster-Kopfschmerz beruht nur auf sehr kleinen und auf offenen Studien, deren positive Ergebnisse für den chronischen Cluster-Kopfschmerz mehr überzeugend sind. Darum wird Lithium von den nationalen und europäischen Leitlinien zur Behandlung des Cluster-Kopfschmerzes besonders für den chronischen Cluster-Kopfschmerz empfohlen, wenn andere Substanzen nicht wirksam oder kontraindiziert sind.[7][13] Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist seit Mai 2020 abgelaufen. Die europäische Leitlinie von 2023 bleibt bei dieser Einordnung und begründet sie ausdrücklich: Die breite Anwendung beruhe auf kleinen, älteren und offenen Studien, das Verzerrungsrisiko sei hoch, und wegen des engen Bereichs zwischen Wirkung und Vergiftung solle Lithium „only be used in cluster patients who do not respond to verapamil“.[8] Der Einsatz von Lithium zur Prophylaxe des Cluster-Kopfschmerzes ist als gut etabliert anzusehen, wird aber trotz der arzneimittelrechtlichen Zulassung nicht durch placebokontrollierte Studien oder eine gute Verträglichkeit und hohe Sicherheit gestützt.[1]

In einer Patientenbefragung beantworteten 65 Probanden, die am Cluster-Kopfschmerz leiden, die Frage nach der Wirksamkeit von Lithium: 24,6% der Teilnehmer berichteten von einer guten Wirksamkeit dieses Medikamentes. 31% der Patienten mit einer episodischen Verlaufsform hatten eine gute Wirkung. Der Anteil der chronischen Cluster-Kopfschmerzpatienten mit einer guten Wirkung betrug 19,4%. 43,1% der Probanden bemerkten keinen Wirkeffekt durch das Lithium. 32,3% der Patienten berichteten einen mäßigen Wirkeffekt.[14]

Wechselwirkungen

Lithium interagiert mit Triptanen, indem es deren Wirkung verstärkt, sowie mit Calciumantagonisten (z.B. mit Verapamil), wodurch die Nervenzellen schädigende Wirkung des Lithiums verstärkt wird.[15] Eine Kombination von Lithium mit Verapamil zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerz ist möglich.[16] Der Serumlithiumspiegel sollte bei dieser Kombination im unteren therapeutischen Bereich liegen.[15] Diuretika und Neuroleptika sollten nur unter besonderer Vorsicht während einer Lithiumtherapie eingesetzt werden.[15]

Stand 2026, nach der aktuellen Fachinformation:[3] Bei Kalzium-Antagonisten wie Verapamil heißt es heute: „Erhöhung der Lithiumtoxizität. Der Serumlithiumspiegel sollte deshalb im unteren therapeutischen Bereich liegen.“ Bei gleichzeitiger Einnahme von „5-HT-Agonisten“ — dazu gehören die Triptane — wurde ein Serotonin-Syndrom beschrieben: Bewusstseinsstörung, Ruhelosigkeit, Muskelzucken, gesteigerte Reflexe, Schweißausbruch, Frösteln und Zittern; dann ist die gesamte Medikation abzusetzen. Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR — genannt sind unter anderem Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und Indometacin — sowie ACE-Hemmer, Sartane und Metronidazol erhöhen den Lithiumspiegel und können zur Vergiftung führen. Die europäische Leitlinie hebt Indometacin eigens hervor: Soll bei Verdacht auf eine Paroxysmale Hemikranie mit Indometacin geprüft werden, muss Lithium vorher abgesetzt werden.[8]

Kontraindikationen

Lithium sollte bei Nierenfunktionsstörung, Herz-/Kreislauferkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen oder bei Muskelerkrankungen nicht eingesetzt werden. Bei Psoriasis-Patienten (Schuppenflechte) kann Lithium akute Entzündungsschübe auslösen.[15]

Schwangerschaft: „Quilonum retard darf nicht während der Schwangerschaft angewendet werden.“ Die Fachinformation begründet das so: „Ein erhöhtes Fehlbildungs- und Komplikationsrisiko durch Lithium kann nicht ausgeschlossen werden.“[3]

Unerwünschte Wirkungen

In der klinischen Praxis ist die häufigste Nebenwirkung ein feinschlägiges Zittern (Tremor), das bei der Mehrzahl der Patienten auftritt und Alltagshandlungen relevant einschränken kann. Weitere mögliche unerwünschte Wirkungen von Lithium sind Müdigkeit, Nachlassen von Vitalität, Verwirrtheit, Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen, Veränderung des Blutbildes und Muskelschwäche, Veränderung der Schilddrüse, Kropfbildung, Hyperthyreose, Übelkeit und Veränderung des Stuhlganges, Niereninsuffizienz sowie vermehrtes Wasserlassen und allergische Reaktionen. Viel Trinken ist bei der Einnahme von Lithium notwendig, da es sonst zu einer Lithiumanreicherung kommen kann, die zu verstärkten Nebenwirkungen führt. Als Langzeitnebenwirkungen treten vor allem Störungen der Schilddrüsenfunktion und Kleinhirnfunktionsstörungen auf. Lithium kann die Funktion der Purkinje-Zellen des Kleinhirns beeinträchtigen.[1]

Die Gebrauchs- und Fachinformationen der Hersteller enthalten weitere wichtige Informationen zur Kontrolle der Behandlung und zu unerwünschten Wirkungen, Kontraindikationen, Interaktionen, Warnhinweisen und Vorsichtsmassnahmen.

Handelsnamen

  • Lithiumacetat: Quilonum®, Lithium-SB®
  • Lithiumcarbonat: Quilonum retard®, Lithium-SB retard®, Quilonorm retard®

Siehe auch:

Literatur

  • Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • Evers, S.: Lithium beim Clusterkopfschmerz. Internistische Praxis. 2012; 52(2): 397-8.
  • Stochino, ME.; Deidda, A.; Asuni, C.; Cherchi, A.; Manchia, M.; Del Zompo, M. (Jun 2012). "Evaluation of Lithium Response in Episodic Cluster Headache: A Retrospective Case Series.". Headache. doi:10.1111/j.1526-4610.2012.02183.x. PMID 22670710. 
  • Bussone G, Leone M, Peccarisi C, Micieli G, Granella F, Magri M, Manzoni GC, Nappi G (June 1990). "Double blind comparison of lithium and verapamil in cluster headache prophylaxis". Headache 30 (7): 411–7. doi:10.1111/j.1526-4610.1990.hed3007411.x. PMID 2205598. 
  • Manzoni GC, Bono G, Lanfranchi M, Micieli G, Terzano MG, Nappi G (June 1983). "Lithium carbonate in cluster headache: assessment of its short- and long-term therapeutic efficacy". Cephalalgia 3 (2): 109–14. doi:10.1046/j.1468-2982.1983.0302109.x. PMID 6409415. 
  • Bussone G, Boiardi A, Merati B, Crenna P, Picco A (September 1979). "Chronic cluster headache: response to lithium treatment". J. Neurol. 221 (3): 181–5. doi:10.1007/BF00313049. PMID 91671. 
  • Ekbom K (March 1977). "Lithium in the treatment of chronic cluster headache". Headache 17 (1): 39–40. PMID 845026.  Editorial.
  • Kudrow L (March 1977). "Lithium prophylaxis for chronic cluster headache". Headache 17 (1): 15–8. PMID 845021. 
  • Cruceanu C, Alda M, Turecki G (2009). "Lithium: a key to the genetics of bipolar disorder". Genome Med 1 (8): 79. doi:10.1186/gm79. PMID 19691823. 
  • Flood S, Bodenham A.: Lithium: mimicry, mania, and muscle relaxants. Contin Educ Anaesth Crit Care Pain. (2010) 10 (3): 77-80. DOI
  • McKnight, RF.; Adida, M.; Budge, K.; Stockton, S.; Goodwin, GM.; Geddes, JR. (Feb 2012). "Lithium toxicity profile: a systematic review and meta-analysis.". Lancet 379 (9817): 721-8. doi:10.1016/S0140-6736(11)61516-X. PMID 22265699. 
  • Pasquali L, Busceti CL, Fulceri F, Paparelli A, Fornai F (September 2010). "Intracellular pathways underlying the effects of lithium". Behav Pharmacol 21 (5-6): 473–92. doi:10.1097/FBP.0b013e32833da5da. PMID 20700048. 

Externe Links

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Bewertung der Expertengruppe Off-Label im Bereich Neurologie/Psychiatrie nach § 35b Abs. 3 SGB V zur Anwendung von „Verapamil zur Prophylaxe des Clusterkopfschmerzes.“ 05.07.2011, PDF-Datei
  2. ↑ Das Portal für Arzneimittelinformationen des Bundes und der Länder: http://www.pharmnet-bund.de/ 06.02.2011
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 Fachinformation Quilonum retard 450 mg Retardtabletten (Lithiumcarbonat), Teofarma, Stand der Information August 2024, Zul.-Nr. 17202.00.01; Abschnitte 4.1, 4.4, 4.5 und 4.6. Am 22.09.2026 im Wortlaut gelesen.
  4. ↑ Fachinformation Hypnorex retard 400 mg Retardtabletten (Lithiumcarbonat), letzte Aktualisierung 01.11.2024, Abschnitt 4.1; gelesen am 22.09.2026 über mediately.co.
  5. ↑ Lambru G, Matharu M (January 2011). "Serotonergic Agents in the Management of Cluster Headache". Curr Pain Headache Rep. doi:10.1007/s11916-011-0176-4. PMID 21271306. 
  6. ↑ Manzoni GC, Bono G, Lanfranchi M, Micieli G, Terzano MG, Nappi G (June 1983). "Lithium carbonate in cluster headache: assessment of its short- and long-term therapeutic efficacy". Cephalalgia 3 (2): 109–14. doi:10.1046/j.1468-2982.1983.0302109.x. PMID 6409415. 
  7. ↑ 7,0 7,1 Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  8. ↑ 8,0 8,1 8,2 May A, Evers S, Goadsby PJ u. a.: European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache. Eur J Neurol 2023;30(10):2955–2979, PMID 37515405. Volltext in der frei zugänglichen Fassung, am 22.09.2026 gelesen: Abschnitt zu Lithium (Seiten 2968–2969) und Tabelle 17 (Seite 2973).
  9. ↑ Ekbom K (July 1981). "Lithium for cluster headache: review of the literature and preliminary results of long-term treatment". Headache 21 (4): 132–9. doi:10.1111/j.1526-4610.1981.hed2104132.x. PMID 7021473. 
  10. ↑ May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC (June 2005). "Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft". Schmerz 19 (3): 225–41. doi:10.1007/s00482-005-0397-8. PMID 15887001.  DMKG: PDF-Datei
  11. ↑ Steiner TJ, Hering R, Couturier EG, Davies PT, Whitmarsh TE (October 1997). "Double-blind placebo-controlled trial of lithium in episodic cluster headache". Cephalalgia 17 (6): 673–5. doi:10.1046/j.1468-2982.1997.1706673.x. PMID 9350389. 
  12. ↑ Bussone G, Leone M, Peccarisi C, Micieli G, Granella F, Magri M, Manzoni GC, Nappi G (June 1990). "Double blind comparison of lithium and verapamil in cluster headache prophylaxis". Headache 30 (7): 411–7. doi:10.1111/j.1526-4610.1990.hed3007411.x. PMID 2205598. 
  13. ↑ May A, Leone M, Áfra J, Linde M, Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. European Journal of Neurology. 2006; 13: 1066–1077. PMID 16987158, PDF-Datei DOI
  14. ↑ Dissertation Jens Fleßner: Epidemiologie und Verlauf von Patienten mit Clusterkopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Münster 2010 (ZIP-Datei)
  15. ↑ 15,0 15,1 15,2 15,3 Fachinformationen Quilonum® (RTF-Datei) 12.02.2011. Die Adresse liefert inzwischen „404 Not Found“ (geprüft am 22.09.2026); die aktuelle Fachinformation ist unter „Externe Links“ verlinkt
  16. ↑ Diener HC, Göbel H, Grotemeyer KH, Pfaffenrath V.: Therapie des Clusterkopfschmerzes. Therapieempfehlung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft. Dt. Ärzteblatt. Oktober 1998; 95(44): A-2760-2769. URL


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