Propofol: Unterschied zwischen den Versionen
Cezary (Diskussion | Beiträge) Stand 2026: Fachinformation DISOPRIVAN 1 % (Zulassung, Wechselwirkungen u. a. Valproat, Opiate, Midazolam, Rifampicin; Nebenwirkungen), Rechtshinweis |
Cezary (Diskussion | Beiträge) K Links von http auf https umgestellt – nur Adressen, deren Server über https erreichbar ist (geprüft am 24.09.2026); dx.doi.org auf doi.org |
||
| (5 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
Nach einem Fallbericht<ref>{{cite journal |author=Razavi S, Gharaei B, Jafari A, Aghamohammadi H, Mirkheshti A |title=Propofol and alfentanil in treatment of a patient with episodic cluster headache |journal=Anesth Pain Med |volume=4 |issue=2 |pages=e17560 |year=2014 |month=May |pmid=24910816 |doi=10.5812/aapm.17560 |url=}}</ref> aus Teheran konnte eine Attacke und die Episode bei einem 45 Jahre alten männlichen Patienten mit der intravenösen Gabe von '''Propofol''' und von '''Alfentanil''' beendet werden. Der Patient hatte seit fünf Jahren [[Episodischer Cluster-Kopfschmerz|episodische]] Cluster-Kopfschmerzen, die alle drei bis sechs Monate auftraten. Die [[Episoden]] dauerten in der Regel ca. 15 Tage lang an, Bereich fünf bis 17 Tage. Die Behandlung mit Propofol und Alfentanil erfolgte am zweiten Tag der aktuellen Episode. | Nach einem Fallbericht<ref>{{cite journal |author=Razavi S, Gharaei B, Jafari A, Aghamohammadi H, Mirkheshti A |title=Propofol and alfentanil in treatment of a patient with episodic cluster headache |journal=Anesth Pain Med |volume=4 |issue=2 |pages=e17560 |year=2014 |month=May |pmid=24910816 |doi=10.5812/aapm.17560 |url=}}</ref> aus Teheran konnte eine Attacke und die Episode bei einem 45 Jahre alten männlichen Patienten mit der intravenösen Gabe von '''Propofol''' und von '''Alfentanil''' beendet werden. Der Patient hatte seit fünf Jahren [[Episodischer Cluster-Kopfschmerz|episodische]] Cluster-Kopfschmerzen, die alle drei bis sechs Monate auftraten. Die [[Episoden]] dauerten in der Regel ca. 15 Tage lang an, Bereich fünf bis 17 Tage. Die Behandlung mit Propofol und Alfentanil erfolgte am zweiten Tag der aktuellen Episode. | ||
Der Patient erhielt 20 mg [ | Der Patient erhielt 20 mg [https://de.wikipedia.org/wiki/Propofol Propofol] (Propofol 1% MCT / LCT, Fresenius, Deutschland) alle vier Minuten und [https://de.wikipedia.org/wiki/Alfentanil Alfentanil] (100 μg) alle zehn Minuten. Nach der dritten Injektion von Propofol und der zweiten Injektion von Alfentanil, ca. 15 Minuten nach dem Beginn der Therapie, berichtete er akzeptable Schmerzlinderung mit milden Restschmerzen. Er erhielt eine Gesamtdosis von 120 mg Propofol, das Intervall für die Propofolinjektionen wurde auf zehn Minuten verlängert. Außerdem wurden insgesamt 500 μg Alfentanil injiziert. Die gesamte Behandlung dauerte ca. 50 Minuten. Nach dieser Zeit berichtete er vollständige Genesung ohne Restschmerzen. Er erhielt keinen zusätzlichen Sauerstoff während dieser Behandlung. | ||
Der Patient wurde für zwei weitere Stunden in der Klinik überwacht und danach ohne weitere Medikation entlassen. Er hatte in den folgenden Tagen und auch in den vier folgenden Monaten keine weiteren Attacken. | Der Patient wurde für zwei weitere Stunden in der Klinik überwacht und danach ohne weitere Medikation entlassen. Er hatte in den folgenden Tagen und auch in den vier folgenden Monaten keine weiteren Attacken. | ||
| Zeile 7: | Zeile 7: | ||
In einer anderen Fallserie wurde 2010 über die Behandlung mit Propofol bei fünf sehr schwer betroffenen [[Chronischer Cluster-Kopfschmerz|Chronikern]] berichtet, bei denen eine [[Tiefenhirnstimulation]] wirkungslos oder nur von kurzer Wirkung gewesen sei. Mehrtägige Narkosen mit Propofol führten bei diesen fünf Patienten zu Schmerzfreiheit von bis zu 2 Monaten. Leider trat bei diesen Patienten ein Gewöhnungseffekt ein und spätere Behandlungen mit Propofol-Narkosen hatten eine immer kürzere Wirkungsdauer.<ref>Nicolodi M.: Propofol narcosis in refractory chronic cluster headache. Abstract 182 in {{cite journal |author=|title=Abstracts of the 2nd European Headache and Migraine Trust International Congress (EHMTIC). October 28-31, 2010. Nice, France |journal=J Headache Pain |volume=11 |issue=Suppl 1 |pages=S36 |year=2010 |month=October |pmid=21049310 |doi=10.1007/s10194-010-0259-3 |url=}}</ref> | In einer anderen Fallserie wurde 2010 über die Behandlung mit Propofol bei fünf sehr schwer betroffenen [[Chronischer Cluster-Kopfschmerz|Chronikern]] berichtet, bei denen eine [[Tiefenhirnstimulation]] wirkungslos oder nur von kurzer Wirkung gewesen sei. Mehrtägige Narkosen mit Propofol führten bei diesen fünf Patienten zu Schmerzfreiheit von bis zu 2 Monaten. Leider trat bei diesen Patienten ein Gewöhnungseffekt ein und spätere Behandlungen mit Propofol-Narkosen hatten eine immer kürzere Wirkungsdauer.<ref>Nicolodi M.: Propofol narcosis in refractory chronic cluster headache. Abstract 182 in {{cite journal |author=|title=Abstracts of the 2nd European Headache and Migraine Trust International Congress (EHMTIC). October 28-31, 2010. Nice, France |journal=J Headache Pain |volume=11 |issue=Suppl 1 |pages=S36 |year=2010 |month=October |pmid=21049310 |doi=10.1007/s10194-010-0259-3 |url=}}</ref> | ||
== | == Fachinformation == | ||
'' | ''Die folgenden Angaben stammen aus der Fachinformation. Beim Cluster-Kopfschmerz wäre Propofol eine Anwendung außerhalb der Zulassung.''<ref name="PROFI"/> | ||
* '''Zulassung:''' kurz wirkendes Narkosemittel, das in die Vene gegeben wird (Narkose und Beruhigung/Sedierung bei Eingriffen oder auf der Intensivstation). | * '''Zulassung:''' kurz wirkendes Narkosemittel, das in die Vene gegeben wird (Narkose und Beruhigung/Sedierung bei Eingriffen oder auf der Intensivstation). Laut Fachinformation darf es „nur von anästhesiologisch bzw. intensivmedizinisch ausgebildeten Ärzten verabreicht werden“.<ref name="PROFI">[https://www.fachinfo.de/fi/pdf/002357/disoprivan-r-1 Fachinformation DISOPRIVAN 1 % (Propofol)], Stand der Information August 2025, Abschnitte 4.1, 4.2, 4.3, 4.5 und 4.8, am 23.09.2026 gelesen. 4.1: kurz wirkendes intravenöses Narkosemittel (Narkose, Sedierung). 4.5 im Wortlaut: „Bei Patienten, die mit Rifampicin behandelt wurden, ist über einen ausgeprägten Blutdruckabfall bei einer mit Propofol induzierten Anästhesie berichtet worden. Bei einer zusätzlichen Opiatprämedikation kann Apnoe vermehrt und zeitlich verlängert auftreten. Bei Patienten, die Valproat einnehmen, wurde die Notwendigkeit niedrigerer Propofol-Dosen beobachtet.“; Midazolam: „verstärkten Sedierung und Atemdepression“. 4.8: „Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind pharmakologisch vorhersehbare Effekte von Narkotika/Sedativa, wie z. B. Hypotension und Atemdepression.“</ref> | ||
* '''Wechselwirkungen:''' Andere Mittel, die den Blutdruck senken oder die Atmung dämpfen, können die Wirkung verstärken. Bei Menschen, die [[Valproinsäure|Valproat]] einnehmen, wurden niedrigere Propofol-Dosen gebraucht. Mit Opiaten können Atempausen häufiger und länger auftreten; mit Midazolam werden Beruhigung und Atemdämpfung wahrscheinlich stärker. Unter Rifampicin wurde über einen ausgeprägten Blutdruckabfall berichtet.<ref name="PROFI"/> | * '''Wechselwirkungen:''' Andere Mittel, die den Blutdruck senken oder die Atmung dämpfen, können die Wirkung verstärken. Bei Menschen, die [[Valproinsäure|Valproat]] einnehmen, wurden niedrigere Propofol-Dosen gebraucht. Mit Opiaten können Atempausen häufiger und länger auftreten; mit Midazolam werden Beruhigung und Atemdämpfung wahrscheinlich stärker. Unter Rifampicin wurde über einen ausgeprägten Blutdruckabfall berichtet.<ref name="PROFI"/> | ||
* '''Häufigste Nebenwirkungen:''' Blutdruckabfall und Atemdämpfung – vorhersehbare Wirkungen von Narkosemitteln.<ref name="PROFI"/> | * '''Häufigste Nebenwirkungen:''' Blutdruckabfall und Atemdämpfung – vorhersehbare Wirkungen von Narkosemitteln.<ref name="PROFI"/> | ||
''Die Angaben zur Zulassung geben Rechtsgrundlagen wieder und sind keine Rechtsberatung. Was gilt, wenn die Krankenkasse ein Mittel außerhalb der Zulassung nicht bezahlen will, steht auf der Seite [[Off-Label-Use beim Clusterkopfschmerz|Off-Label-Use]]; für den Einzelfall helfen die Sozialverbände weiter — etwa der [https://www.vdk.de/ Sozialverband VdK Deutschland] oder der [https://www.sovd.de/ Sozialverband Deutschland (SoVD)].'' | ''Die Angaben zur Zulassung geben Rechtsgrundlagen wieder und sind keine Rechtsberatung. Was gilt, wenn die Krankenkasse ein Mittel außerhalb der Zulassung nicht bezahlen will, steht auf der Seite [[Off-Label-Use beim Clusterkopfschmerz|Off-Label-Use]]; für den Einzelfall helfen die Sozialverbände weiter — etwa der [https://www.vdk.de/ Sozialverband VdK Deutschland] oder der [https://www.sovd.de/ Sozialverband Deutschland (SoVD)].'' | ||
* Alle Cluster-Mittel im Vergleich: [[Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Cluster-Mittel#Propofol|Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen]]. | |||
== Literatur == | == Literatur == | ||
| Zeile 25: | Zeile 27: | ||
== Externe Links == | == Externe Links == | ||
* | * https://de.wikipedia.org/wiki/Propofol | ||
* | * https://de.wikipedia.org/wiki/Alfentanil | ||
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||
| Zeile 34: | Zeile 36: | ||
{{Gesundheitshinweis}} | {{Gesundheitshinweis}} | ||
[[Kategorie:Arzneimittel]] | |||
Aktuelle Version vom 24. September 2026, 09:48 Uhr
Nach einem Fallbericht[1] aus Teheran konnte eine Attacke und die Episode bei einem 45 Jahre alten männlichen Patienten mit der intravenösen Gabe von Propofol und von Alfentanil beendet werden. Der Patient hatte seit fünf Jahren episodische Cluster-Kopfschmerzen, die alle drei bis sechs Monate auftraten. Die Episoden dauerten in der Regel ca. 15 Tage lang an, Bereich fünf bis 17 Tage. Die Behandlung mit Propofol und Alfentanil erfolgte am zweiten Tag der aktuellen Episode.
Der Patient erhielt 20 mg Propofol (Propofol 1% MCT / LCT, Fresenius, Deutschland) alle vier Minuten und Alfentanil (100 μg) alle zehn Minuten. Nach der dritten Injektion von Propofol und der zweiten Injektion von Alfentanil, ca. 15 Minuten nach dem Beginn der Therapie, berichtete er akzeptable Schmerzlinderung mit milden Restschmerzen. Er erhielt eine Gesamtdosis von 120 mg Propofol, das Intervall für die Propofolinjektionen wurde auf zehn Minuten verlängert. Außerdem wurden insgesamt 500 μg Alfentanil injiziert. Die gesamte Behandlung dauerte ca. 50 Minuten. Nach dieser Zeit berichtete er vollständige Genesung ohne Restschmerzen. Er erhielt keinen zusätzlichen Sauerstoff während dieser Behandlung.
Der Patient wurde für zwei weitere Stunden in der Klinik überwacht und danach ohne weitere Medikation entlassen. Er hatte in den folgenden Tagen und auch in den vier folgenden Monaten keine weiteren Attacken.
In einer anderen Fallserie wurde 2010 über die Behandlung mit Propofol bei fünf sehr schwer betroffenen Chronikern berichtet, bei denen eine Tiefenhirnstimulation wirkungslos oder nur von kurzer Wirkung gewesen sei. Mehrtägige Narkosen mit Propofol führten bei diesen fünf Patienten zu Schmerzfreiheit von bis zu 2 Monaten. Leider trat bei diesen Patienten ein Gewöhnungseffekt ein und spätere Behandlungen mit Propofol-Narkosen hatten eine immer kürzere Wirkungsdauer.[2]
Fachinformation
Die folgenden Angaben stammen aus der Fachinformation. Beim Cluster-Kopfschmerz wäre Propofol eine Anwendung außerhalb der Zulassung.[3]
- Zulassung: kurz wirkendes Narkosemittel, das in die Vene gegeben wird (Narkose und Beruhigung/Sedierung bei Eingriffen oder auf der Intensivstation). Laut Fachinformation darf es „nur von anästhesiologisch bzw. intensivmedizinisch ausgebildeten Ärzten verabreicht werden“.[3]
- Wechselwirkungen: Andere Mittel, die den Blutdruck senken oder die Atmung dämpfen, können die Wirkung verstärken. Bei Menschen, die Valproat einnehmen, wurden niedrigere Propofol-Dosen gebraucht. Mit Opiaten können Atempausen häufiger und länger auftreten; mit Midazolam werden Beruhigung und Atemdämpfung wahrscheinlich stärker. Unter Rifampicin wurde über einen ausgeprägten Blutdruckabfall berichtet.[3]
- Häufigste Nebenwirkungen: Blutdruckabfall und Atemdämpfung – vorhersehbare Wirkungen von Narkosemitteln.[3]
Die Angaben zur Zulassung geben Rechtsgrundlagen wieder und sind keine Rechtsberatung. Was gilt, wenn die Krankenkasse ein Mittel außerhalb der Zulassung nicht bezahlen will, steht auf der Seite Off-Label-Use; für den Einzelfall helfen die Sozialverbände weiter — etwa der Sozialverband VdK Deutschland oder der Sozialverband Deutschland (SoVD).
- Alle Cluster-Mittel im Vergleich: Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.
Literatur
- Razavi S, Gharaei B, Jafari A, Aghamohammadi H, Mirkheshti A (May 2014). "Propofol and alfentanil in treatment of a patient with episodic cluster headache". Anesth Pain Med 4 (2): e17560. doi:. PMID 24910816.
- Nicolodi M.: Propofol narcosis in refractory chronic cluster headache. Abstract 182 in "Abstracts of the 2nd European Headache and Migraine Trust International Congress (EHMTIC). October 28-31, 2010. Nice, France". J Headache Pain 11 (Suppl 1): S36. October 2010. doi:. PMID 21049310.
Externe Links
Einzelnachweise
- ↑ Razavi S, Gharaei B, Jafari A, Aghamohammadi H, Mirkheshti A (May 2014). "Propofol and alfentanil in treatment of a patient with episodic cluster headache". Anesth Pain Med 4 (2): e17560. doi:. PMID 24910816.
- ↑ Nicolodi M.: Propofol narcosis in refractory chronic cluster headache. Abstract 182 in "Abstracts of the 2nd European Headache and Migraine Trust International Congress (EHMTIC). October 28-31, 2010. Nice, France". J Headache Pain 11 (Suppl 1): S36. October 2010. doi:. PMID 21049310.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Fachinformation DISOPRIVAN 1 % (Propofol), Stand der Information August 2025, Abschnitte 4.1, 4.2, 4.3, 4.5 und 4.8, am 23.09.2026 gelesen. 4.1: kurz wirkendes intravenöses Narkosemittel (Narkose, Sedierung). 4.5 im Wortlaut: „Bei Patienten, die mit Rifampicin behandelt wurden, ist über einen ausgeprägten Blutdruckabfall bei einer mit Propofol induzierten Anästhesie berichtet worden. Bei einer zusätzlichen Opiatprämedikation kann Apnoe vermehrt und zeitlich verlängert auftreten. Bei Patienten, die Valproat einnehmen, wurde die Notwendigkeit niedrigerer Propofol-Dosen beobachtet.“; Midazolam: „verstärkten Sedierung und Atemdepression“. 4.8: „Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind pharmakologisch vorhersehbare Effekte von Narkotika/Sedativa, wie z. B. Hypotension und Atemdepression.“
Diese Seiten sind von Nichtmedizinern geschrieben und ersetzen keinen Arztbesuch. Angaben können fehlerhaft oder veraltet sein – prüfen Sie Wichtiges in den genannten Quellen nach. Bitte beachten Sie die Hinweise zu Gesundheitsthemen und zum Datenschutz sowie unsere Arbeitsweise.