Gabapentin
Gabapentin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Antikonvulsiva, der zur Behandlung der Epilepsie und neuropathischer Schmerzen eingesetzt wird. Es wird in Deutschland unter den Handelsnamen Neurontin® , Gabax® und unter generischer Bezeichnung angeboten. Gabapentin unterliegt der ärztlichen Verschreibungspflicht. Der erste Fallbericht über die Wirkung von Gabapentin bei Cluster-Kopfschmerz erschien 2000, weitere kleine Studien folgten.[1]
2007 erschien ein positiver Bericht aus der Charité Berlin über Gabapentin als zusätzliches Medikament bei ansonsten nicht mit den Standardmedikamenten behandelbaren chronischen Cluster-Kopfschmerz Patienten. Bei 6 von 8 Patienten sei eine Wirkung eingetreten. Die längste innerhalb der Beobachtungszeit erreichte schmerzfreie Zeit war 18 Monate. Bei einigen Patienten musste mit der Zeit die Dosis erhöht werden. Der Dosisbereich, durch den die Patienten schmerzfrei wurden, war mit 800 bis 3600 mg Gabapentin pro Tag individuell sehr unterschiedlich.[2]
Wegen ungewöhnlicher Vertriebspraktiken geriet das Medikament 2004 in die Schlagzeilen.[3][4]
Was die Fachinformation sagt
Grundlage ist die Fachinformation Neurontin (Stand Januar 2026).[5]
- Zulassung: Epilepsie und Nervenschmerzen, etwa bei Diabetes oder nach einer Gürtelrose; der Cluster-Kopfschmerz ist nicht dabei.[5]
- Wirkweise: Gabapentin bindet an einen Teil bestimmter Calciumkanäle an Nervenzellen, die sogenannte α2δ-Untereinheit. An den Andockstellen für GABA wirkt es nicht, obwohl der Name daran erinnert.[5]
- Nebenwirkungen: sehr häufig Schläfrigkeit, Schwindel, unsicherer Gang, Müdigkeit, Fieber und Virusinfektionen. Gabapentin kann auch in üblicher Dosis abhängig machen. Schwere Hautreaktionen sind möglich; dann wird es sofort abgesetzt.[5]
- Wechselwirkungen: Zusammen mit Opioiden und anderen dämpfenden Mitteln wurden Atemdämpfung, starke Müdigkeit und Todesfälle berichtet; wer beides braucht, muss sorgfältig beobachtet werden, und die Dosis ist zu senken. Morphin erhöhte den Gabapentinspiegel im Mittel um 44 Prozent. Magenmittel mit Aluminium oder Magnesium senken die Aufnahme um bis zu 24 Prozent; Gabapentin daher frühestens zwei Stunden danach einnehmen. Mit Phenobarbital, Phenytoin, Valproinsäure und Carbamazepin wurden keine Wechselwirkungen beobachtet, und die Pille (Norethindron, Ethinylestradiol) beeinflusst den Gabapentinspiegel nicht und umgekehrt.[5]
- Alle Cluster-Mittel im Vergleich: Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Cluster-Mittel.
Literatur
- Perloff MD, Berlin RK, Gillette M, Petersile MJ, Kurowski D (2015). "Gabapentin in Headache Disorders: What Is the Evidence?". Pain Med. doi:. PMID 26398728.
- Vuković V, Lovrencić-Huzjan A, Budisić M, Demarin V (September 2009). "Gabapentin in the prophylaxis of cluster headache: an observational open label study". Acta Clin Croat 48 (3): 311–4. PMID 20055254. Free full text (PDF)
- Schuh-Hofer S, Israel H, Neeb L, Reuter U, Arnold G.: The use of gabapentin in chronic cluster headache patients refractory to first-line therapy. European Journal of Neurology 2007 14(6), 694–696, abstract PMID 17539953, DOI
- Leandri M, Luzzani M, Cruccu G, Gottlieb A.: Drug-resistant cluster headache responding to gabapentin: a pilot study. Cephalalgia. 2001 Sep; 21(7): 744-6. PMID 11595003, DOI
- Tay BA, Ngan Kee WD, Chung DC.: Gabapentin for the treatment and prophylaxis of cluster headache. Reg Anesth Pain Med. 2001 Jul-Aug; 26(4): 373-5. PMID 11464360, DOI
- Ahmed F.: Chronic cluster headache responding to gabapentin: a case report. Cephalalgia. 2000 May; 20(4): 252-3. PMID 10999675, DOI
- Silberstein, S.; Goode-Sellers, S.; Twomey, C.; Saiers, J.; Ascher, J. (Nov 2012). "Randomized, double-blind, placebo-controlled, phase II trial of gabapentin enacarbil for migraine prophylaxis.". Cephalalgia. doi:. PMID 23165696.
- Ward TN (April 2014). "Statement of concern [about gabapentin studies]". Headache 54 (4): 599–600. doi:. PMID 24697222.
Externe Links
Einzelnachweise
- ↑ PubMed Search results cluster headache + gabapentin
- ↑ S. Schuh-Hofer, H. Israel, L. Neeb, U. Reuter, G. Arnold: The use of gabapentin in chronic cluster headache patients refractory to first-line therapy. European Journal of Neurology 2007 14(6), 694–696, abstract PMID 17539953.
- ↑ Pfizer Settles Neurontin Off-Label Marketing Lawsuit for $427M
- ↑ Mack, A.: Examination of the Evidence for Off-Label Use of Gabapentin, Journal of Managed Care Pharmacy, 2003, 9(6): 559-68, PDF-Datei
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 Fachinformation Neurontin 100/300/400 mg Hartkapseln (Gabapentin), Stand der Information Januar 2026, am 23.09.2026 gelesen. 4.1: Epilepsie und „Behandlung von peripheren neuropathischen Schmerzen wie schmerzhafter diabetischer Neuropathie und postherpetischer Neuralgie bei Erwachsenen“. 4.4: „Gabapentin kann eine Arzneimittelabhängigkeit verursachen, die bei therapeutischen Dosen auftreten kann.“; schwere Hautreaktionen einschließlich DRESS. 4.5: „Es liegen Spontanmeldungen und Fallberichte in der Literatur über Atemdepression, Sedierung und Todesfälle in Zusammenhang mit Gabapentin bei einer gleichzeitigen Anwendung mit ZNS-dämpfenden Arzneimitteln, einschließlich Opioiden, vor.“; Morphin erhöhte die mittlere Gabapentin-AUC um 44 Prozent; aluminium- und magnesiumhaltige Antazida können die Bioverfügbarkeit um bis zu 24 Prozent senken, Gabapentin „im Abstand von mindestens 2 Stunden“ danach einnehmen. 4.8: sehr häufig Somnolenz, Schwindelgefühl, Ataxie, Ermüdung, Fieber, Virusinfektionen. 5.1: „Gabapentin bindet mit hoher Affinität an die α2δ (Alpha-2-delta)-Untereinheit von spannungsabhängigen Calciumkanälen“.
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