SPG-Stimulation: Unterschied zwischen den Versionen

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Autonomic Technologies Europe GmbH, Amtsgericht München Register-Nr.: HRB 218619, Handelsregisterbekanntmachung von 24.09.2019: Über das Vermögen der Gesellschaft ist durch Beschluss des Amtsgerichts München vom 17.09.2019 (Az. 1506 IN 1043/19) das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die Gesellschaft ist dadurch aufgelöst.  
Autonomic Technologies Europe GmbH, Amtsgericht München Register-Nr.: HRB 218619, Handelsregisterbekanntmachung von 24.09.2019: Über das Vermögen der Gesellschaft ist durch Beschluss des Amtsgerichts München vom 17.09.2019 (Az. 1506 IN 1043/19) das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die Gesellschaft ist dadurch aufgelöst.  


'''Was das für die Betroffenen mit Implantat bedeutet.''' Eine Reportage der Fachzeitschrift ''Nature'' vom Dezember 2022 hat nachgezeichnet, was der Zusammenbruch des Herstellers praktisch nach sich zog.<ref name="NATURE2022">Liam Drew: ''Abandoned: the human cost of neurotechnology failure.'' [https://www.nature.com/immersive/d41586-022-03810-5/index.html Nature, 6. Dezember 2022] (Reportage über Betroffene, die nach dem Zusammenbruch des Herstellers mit dem Implantat allein blieben; abgerufen am 21.09.2026).</ref> Nach dieser Darstellung blieben '''mehr als 700 Menschen''' mit einem implantierten Gerät zurück, für das der Hersteller nicht mehr existierte. Das Entscheidende ist dabei nicht das Implantat selbst, sondern das Zubehör und die Software: Ohne die herstellereigene Software lässt sich das Gerät nicht mehr neu einstellen, und damit lässt sich seine Wirkung über die Zeit nicht aufrechterhalten. Dazu kam die Sorge, dass die Batterie des Steuergeräts, das von außen an die Wange gehalten wird, irgendwann leer ist und sich nicht ersetzen lässt. Ein Betroffener, der Elektrotechniker ist, hat die Batterien seines Steuergeräts nach dem Bericht selbst getauscht. Die Patente wurden von einem Nachfolgeunternehmen (Realeve) übernommen, das zum Zeitpunkt der Reportage die vorhandenen Anwender noch nicht unterstützte.<ref name="NATURE2022">Liam Drew: ''Abandoned: the human cost of neurotechnology failure.'' [https://www.nature.com/immersive/d41586-022-03810-5/index.html Nature, 6. Dezember 2022] (Reportage über Betroffene, die nach dem Zusammenbruch des Herstellers mit dem Implantat allein blieben; abgerufen am 21.09.2026).</ref>
'''Was das für die Betroffenen mit Implantat bedeutet.''' Eine Reportage der Fachzeitschrift ''Nature'' vom Dezember 2022 hat nachgezeichnet, was der Zusammenbruch des Herstellers praktisch nach sich zog.<ref name="NATURE2022">Liam Drew: ''Abandoned: the human cost of neurotechnology failure.'' [https://www.nature.com/immersive/d41586-022-03810-5/index.html Nature, 6. Dezember 2022] (Reportage über Betroffene, die nach dem Zusammenbruch des Herstellers mit dem Implantat allein blieben; abgerufen am 21.09.2026).</ref> Nach dieser Darstellung blieben '''mehr als 700 Menschen''' mit einem implantierten Gerät zurück, für das der Hersteller nicht mehr existierte. Das Entscheidende ist dabei nicht das Implantat selbst, sondern das Zubehör und die Software: Ohne die herstellereigene Software lässt sich das Gerät nicht mehr neu einstellen, und damit lässt sich seine Wirkung über die Zeit nicht aufrechterhalten. Dazu kam die Sorge, dass die Batterie des Steuergeräts, das von außen an die Wange gehalten wird, irgendwann leer ist und sich nicht ersetzen lässt.
 
Ein Betroffener, der Elektrotechniker ist, hat die Batterien seines Steuergeräts nach dem Bericht selbst getauscht. Die Patente wurden von einem Nachfolgeunternehmen (Realeve) übernommen, das zum Zeitpunkt der Reportage die vorhandenen Anwender noch nicht unterstützte.<ref name="NATURE2022">Liam Drew: ''Abandoned: the human cost of neurotechnology failure.'' [https://www.nature.com/immersive/d41586-022-03810-5/index.html Nature, 6. Dezember 2022] (Reportage über Betroffene, die nach dem Zusammenbruch des Herstellers mit dem Implantat allein blieben; abgerufen am 21.09.2026).</ref>


Wer eine Behandlung mit der SPG-Stimulation erwägt, sollte deshalb vor allem zwei Fragen an das behandelnde Kopfschmerzzentrum richten: ob das Gerät derzeit überhaupt erhältlich ist, und wer die Einstellung, die Wartung und das Zubehör über die Jahre sicherstellt. Diese Fragen sind bei einem Implantat genauso wichtig wie die Wirksamkeit.
Wer eine Behandlung mit der SPG-Stimulation erwägt, sollte deshalb vor allem zwei Fragen an das behandelnde Kopfschmerzzentrum richten: ob das Gerät derzeit überhaupt erhältlich ist, und wer die Einstellung, die Wartung und das Zubehör über die Jahre sicherstellt. Diese Fragen sind bei einem Implantat genauso wichtig wie die Wirksamkeit.
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== Studienergebnisse ==
== Studienergebnisse ==
[[Datei:Remote-Controller-in-hand-2.jpg|thumb|Steuergerät<br/>© Autonomic Technologies]]
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In einer multizentrischen, randomisierten Studie<ref name="pmid23314784">{{cite journal |author=Schoenen J, Jensen RH, Lantéri-Minet M, Láinez MJ, Gaul C, Goodman AM, Caparso A, May A |title=Stimulation of the sphenopalatine ganglion (SPG) for cluster headache treatment. Pathway CH-1: a randomized, sham-controlled study |journal=Cephalalgia |volume=33 |issue=10 |pages=816–30 |year=2013 |month=July |pmid=23314784 |pmc=3724276 |doi=10.1177/0333102412473667 |url=}}</ref> wurde der [https://de.wikipedia.org/wiki/Prim%C3%A4rer_Endpunkt primäre Endpunkt] der Studie erreicht: Eine Schmerzlinderung nach 15&nbsp;Minuten trat bei 67,1&nbsp;% der Attacken ein, die mit voller Stärke stimuliert wurden, aber nur bei 7,4&nbsp;% der Attacken mit Scheinstimulation.<ref name="pmid23314784" /> Die europäische Leitlinie von 2023 spricht auf Grundlage von zwei randomisierten Studien eine starke Empfehlung für die SPG-Stimulation aus; bei Erscheinen der Leitlinie war das Verfahren in Europa aber nicht erhältlich.<ref name="EAN2023">{{cite journal |author=May A, Evers S, Goadsby PJ, Leone M, Manzoni GC, Pascual J, et al. |title=European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache |journal=Eur J Neurol |volume=30 |issue=10 |pages=2955-2979 |year=2023 |pmid=37515405 |doi=10.1111/ene.15956}} S. 2968 (Tabelle 14) im Wortlaut: „Strong recommendation for SPG stimulation based on a moderate level of evidence from two randomized controlled trials.“ S. 2974 (Tabelle 18): „At the time of publishing, not available in Europe“.</ref> Zwischen den einzelnen Teilnehmern der Studie von 2013 gab es allerdings große Unterschiede. Nur sieben der 28 Teilnehmer erreichten Schmerzlinderung in weniger als 15&nbsp;Minuten bei mehr als 50% der behandelten Attacken. In fünf Fällen seien schwere Nebenwirkungen eingetreten und die meisten Patienten (81%) erlebten vorübergehenden, leichten oder mäßigen Verlust der Empfindung in verschiedenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Nervus_maxillaris Nervus maxillaris] Regionen. 65% der unerwünschten Ereignisse seien innerhalb von drei Monaten aufgelöst gewesen.
In einer multizentrischen, randomisierten Studie<ref name="pmid23314784">{{cite journal |author=Schoenen J, Jensen RH, Lantéri-Minet M, Láinez MJ, Gaul C, Goodman AM, Caparso A, May A |title=Stimulation of the sphenopalatine ganglion (SPG) for cluster headache treatment. Pathway CH-1: a randomized, sham-controlled study |journal=Cephalalgia |volume=33 |issue=10 |pages=816–30 |year=2013 |month=July |pmid=23314784 |pmc=3724276 |doi=10.1177/0333102412473667 |url=}}</ref> wurde der [https://de.wikipedia.org/wiki/Prim%C3%A4rer_Endpunkt primäre Endpunkt] der Studie erreicht: Eine Schmerzlinderung nach 15&nbsp;Minuten trat bei 67,1&nbsp;% der Attacken ein, die mit voller Stärke stimuliert wurden, aber nur bei 7,4&nbsp;% der Attacken mit Scheinstimulation.<ref name="pmid23314784" /> Die europäische Leitlinie von 2023 spricht auf Grundlage von zwei randomisierten Studien eine starke Empfehlung für die SPG-Stimulation aus; bei Erscheinen der Leitlinie war das Verfahren in Europa aber nicht erhältlich.<ref name="EAN2023">{{cite journal |author=May A, Evers S, Goadsby PJ, Leone M, Manzoni GC, Pascual J, et al. |title=European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache |journal=Eur J Neurol |volume=30 |issue=10 |pages=2955-2979 |year=2023 |pmid=37515405 |doi=10.1111/ene.15956}} S. 2968 (Tabelle 14) im Wortlaut: „Strong recommendation for SPG stimulation based on a moderate level of evidence from two randomized controlled trials.“ S. 2974 (Tabelle 18): „At the time of publishing, not available in Europe“.</ref>
 
Zwischen den einzelnen Teilnehmern der Studie von 2013 gab es allerdings große Unterschiede. Nur sieben der 28 Teilnehmer erreichten Schmerzlinderung in weniger als 15&nbsp;Minuten bei mehr als 50% der behandelten Attacken. In fünf Fällen seien schwere Nebenwirkungen eingetreten und die meisten Patienten (81%) erlebten vorübergehenden, leichten oder mäßigen Verlust der Empfindung in verschiedenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Nervus_maxillaris Nervus maxillaris] Regionen. 65% der unerwünschten Ereignisse seien innerhalb von drei Monaten aufgelöst gewesen.


Die stark unterschiedlichen Ergebnisse der einzelnen Teilnehmer während der Testphase zeigt die Auswertung in der [https://cep.sagepub.com/content/early/2013/05/07/0333102412473667/T5.expansion.html Tabelle 5] der Arbeit. Ein Auszug daraus:
Die stark unterschiedlichen Ergebnisse der einzelnen Teilnehmer während der Testphase zeigt die Auswertung in der [https://cep.sagepub.com/content/early/2013/05/07/0333102412473667/T5.expansion.html Tabelle 5] der Arbeit. Ein Auszug daraus:
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Acht der 28 Patienten konnten mit der SPG-Stimulation von insgesamt 62 behandelten Attacken keine einzige Attacke innerhalb von 15 Minuten beenden. Die Erfolge der restlichen Teilnehmer für den primären Endpunkt der „Schmerzlinderung in weniger als 15&nbsp;Minuten“ lagen zwischen 8% und 59% (17 Patienten) oder waren nicht auswertbar (6 Patienten).
Acht der 28 Patienten konnten mit der SPG-Stimulation von insgesamt 62 behandelten Attacken keine einzige Attacke innerhalb von 15 Minuten beenden. Die Erfolge der restlichen Teilnehmer für den primären Endpunkt der „Schmerzlinderung in weniger als 15&nbsp;Minuten“ lagen zwischen 8% und 59% (17 Patienten) oder waren nicht auswertbar (6 Patienten).


Eine Auswertung einer möglichen vorbeugenden Wirkung der SPG-Stimulationsbehandlung war unter den ursprünglich geplanten Endpunkten (Zielen) der Studie nicht geplant. Es ging in der Studie zunächst um die Wirksamkeit der Akutbehandlung und um eventuelle Nebenwirkungen der Behandlung.<ref name="pmid23314784" /><ref>http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01255813</ref> Bei einigen der Operierten kam es zu einem starken Rückgang der Attacken. Dies geschah teilweise direkt nach der Operation, ohne dass überhaupt mit einer Stimulation begonnen wurde, in den meisten Fällen aber nach dem Beginn der Stimulation. 14 der 28 Patienten behandelten während der achtwöchigen Studiendauer keine ausreichende Anzahl von Attacken, eine Auswertung der Wirkung der Akutbehandlung war bei diesen 14 Patienten daher nicht möglich. 13 der 28 Teilnehmer hatten keine Reduzierung der Attackenhäufigkeit. Drei Teilnehmer hatten eine Reduzierung der Attackenhäufigkeit nach Änderung der vorbeugenden Medikation während der Studiendauer. [https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3724276/figure/fig4-0333102412473667/ (Figure 4)] Eine Auswertung der Änderung der Attackenhäufigkeit wurde erst während der bereits laufenden Studie als sekundärer Endpunkt zum Studienprotokoll hinzugefügt.<ref name="pmid23314784" /> Eine Placebokontrolle für die berichtete vorbeugende Wirkung gab es nicht.   
Eine Auswertung einer möglichen vorbeugenden Wirkung der SPG-Stimulationsbehandlung war unter den ursprünglich geplanten Endpunkten (Zielen) der Studie nicht geplant. Es ging in der Studie zunächst um die Wirksamkeit der Akutbehandlung und um eventuelle Nebenwirkungen der Behandlung.<ref name="pmid23314784" /><ref>http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01255813</ref>
 
Bei einigen der Operierten kam es zu einem starken Rückgang der Attacken. Dies geschah teilweise direkt nach der Operation, ohne dass überhaupt mit einer Stimulation begonnen wurde, in den meisten Fällen aber nach dem Beginn der Stimulation. 14 der 28 Patienten behandelten während der achtwöchigen Studiendauer keine ausreichende Anzahl von Attacken, eine Auswertung der Wirkung der Akutbehandlung war bei diesen 14 Patienten daher nicht möglich. 13 der 28 Teilnehmer hatten keine Reduzierung der Attackenhäufigkeit.
 
Drei Teilnehmer hatten eine Reduzierung der Attackenhäufigkeit nach Änderung der vorbeugenden Medikation während der Studiendauer. [https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3724276/figure/fig4-0333102412473667/ (Figure 4)] Eine Auswertung der Änderung der Attackenhäufigkeit wurde erst während der bereits laufenden Studie als sekundärer Endpunkt zum Studienprotokoll hinzugefügt.<ref name="pmid23314784" /> Eine Placebokontrolle für die berichtete vorbeugende Wirkung gab es nicht.   


Die Daten von 24 von ursprünglich insgesamt 43 Patienten konnten 2014 nach einem Kongressbericht<ref>Miguel Lainez, Rigmor Jensen, Arne May, Charly Gaul, Anthony Caparso, Amy Goodman and Jean Schoenen: Long Term Therapeutic Response of Sphenopalatine Ganglion (SPG) Stimulation for Cluster Headache - Pathway CH-1 Study. ''Neurology.'' April, 2014 vol. 82 no. 10 Supplement I9-1.007. https://www.neurology.org/content/82/10_Supplement/I9-1.007.short </ref> in einer Langzeitanalyse ausgewertet werden. Danach habe es bei acht der 24 Patienten eine gute Wirkung bei der Akutbehandlung im Zeitraum 12-18 Monate nach der Implantation gegeben. Zwölf der 24 Patienten hätten eine Reduzierung der Attackenhäufigkeit von durchschnittlich 14,5 Attacken pro Woche auf durchschnittlich 2,3 Attacken pro Woche. Ob diese Reduzierung der Attackenhäufigkeit durch die Behandlung mit der SPG-Stimulation oder durch Änderungen der vorbeugenden Medikation erreicht wurde, ist aus dem Kongressbericht nicht erkennbar.
Die Daten von 24 von ursprünglich insgesamt 43 Patienten konnten 2014 nach einem Kongressbericht<ref>Miguel Lainez, Rigmor Jensen, Arne May, Charly Gaul, Anthony Caparso, Amy Goodman and Jean Schoenen: Long Term Therapeutic Response of Sphenopalatine Ganglion (SPG) Stimulation for Cluster Headache - Pathway CH-1 Study. ''Neurology.'' April, 2014 vol. 82 no. 10 Supplement I9-1.007. https://www.neurology.org/content/82/10_Supplement/I9-1.007.short </ref> in einer Langzeitanalyse ausgewertet werden. Danach habe es bei acht der 24 Patienten eine gute Wirkung bei der Akutbehandlung im Zeitraum 12-18 Monate nach der Implantation gegeben. Zwölf der 24 Patienten hätten eine Reduzierung der Attackenhäufigkeit von durchschnittlich 14,5 Attacken pro Woche auf durchschnittlich 2,3 Attacken pro Woche. Ob diese Reduzierung der Attackenhäufigkeit durch die Behandlung mit der SPG-Stimulation oder durch Änderungen der vorbeugenden Medikation erreicht wurde, ist aus dem Kongressbericht nicht erkennbar.