Warfarin: Unterschied zwischen den Versionen
Cezary (Diskussion | Beiträge) K Links von http auf https umgestellt – nur Adressen, deren Server über https erreichbar ist (geprüft am 24.09.2026); dx.doi.org auf doi.org |
Cezary (Diskussion | Beiträge) K Lange Absätze an Sinngrenzen in kürzere Absätze geteilt (nur Absatzumbrüche, Wortlaut unverändert) |
||
| Zeile 12: | Zeile 12: | ||
== Verwendung von Warfarin bei Cluster-Kopfschmerz == | == Verwendung von Warfarin bei Cluster-Kopfschmerz == | ||
Jano Alves de Souza et al. berichteten 2004 über einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Therapieresistent#Therapieresistenz therapieresistenten] 37jährigen Cluster-Kopfschmerzpatienten, der seit 1997 an der [[CCH|chronischen]] Verlaufsform litt:<ref>{{cite journal |author=Souza JA, Moreira Filho PF, Jevoux Cda C, Martins GF, Pitombo AB |title=Remission of refractory chronic cluster headache after warfarin administrations: case report |journal=Arq Neuropsiquiatr |volume=62 |issue=4 |pages=1090–1 |year=2004 |month=December |pmid=15608975 |doi=10.1590/S0004-282X2004000600029 |url=}} - Free full text</ref> Zur vorbeugenden Behandlung wurden als Monotherapie oder in Kombination von bis zu drei verschiedenen Medikamenten versucht: [[Verapamil]] bis zu 720 mg/Tag, [[Lithium]] bis zu 900 mg/Tag, [[Valproinsäure]] bis zu 1500 mg/Tag, [[Topiramat]] bis zu 200mg/Tag, [[Methysergid]] bis zu 4mg/Tag, [[Indometacin]] bis zu 150mg/Tag, [[Naratriptan]] bis zu 5,0 mg/Tag, [[Ergotamin]] bis zu 4 mg/Tag. Ein ausreichender Behandlungserfolg wurde mit diesen Medikamenten nicht erzielt. 60 mg [[Corticosteroide|Prednison]] pro Tag führten zu einer signifikanten Reduzierung der Attacken, aber jeder Versuch der Reduzierung der Prednisondosis führte zu deren Wiederkehr. Im März 2003 war der Patient in einem beklagenswerten psychologischen Status, mit häufigen Krisen von Kopfschmerzen und mit mehreren schweren Nebenwirkungen durch die Dauerbehandlung mit Prednison: [https://de.wikipedia.org/wiki/Cushing-Syndrom Cushing Syndrom,] [https://de.wikipedia.org/wiki/Arterielle_Hypertonie Bluthochdruck] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Diabetes_mellitus Diabetes mellitus.] Ab Juli 2003 erhielt der Patient Warfarin zur Behandlung von Thrombosen und die Attacken verschwanden bei einer Dosis von 10 mg Warfarin pro Tag völlig [https://de.wikipedia.org/wiki/International_Normalized_Ratio (International Normalized Ratio INR > 2,5).] Das Prednison und die Valproinsäure wurden reduziert und schließlich abgesetzt, ohne eine Wiederkehr von Attacken. Verapamil wurde mit 480 mg/Tag weiter verwendet. Im Oktober 2003 wurde das Warfarin ersetzt durch das ebenfalls die Blutgerinnung hemmende Medikament [https://de.wikipedia.org/wiki/Heparin Heparin] und die Attacken kehrten wieder. Nach einer erneuten Umstellung auf Warfarin verschwanden die Attacken. Zum Berichtszeitpunkt im März 2004 war der Patient mit 240 mg Verapamil pro Tag und Warfarin (INR Wert ~ 2,5) seit vier Monaten schmerzfrei. | Jano Alves de Souza et al. berichteten 2004 über einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Therapieresistent#Therapieresistenz therapieresistenten] 37jährigen Cluster-Kopfschmerzpatienten, der seit 1997 an der [[CCH|chronischen]] Verlaufsform litt:<ref>{{cite journal |author=Souza JA, Moreira Filho PF, Jevoux Cda C, Martins GF, Pitombo AB |title=Remission of refractory chronic cluster headache after warfarin administrations: case report |journal=Arq Neuropsiquiatr |volume=62 |issue=4 |pages=1090–1 |year=2004 |month=December |pmid=15608975 |doi=10.1590/S0004-282X2004000600029 |url=}} - Free full text</ref> Zur vorbeugenden Behandlung wurden als Monotherapie oder in Kombination von bis zu drei verschiedenen Medikamenten versucht: [[Verapamil]] bis zu 720 mg/Tag, [[Lithium]] bis zu 900 mg/Tag, [[Valproinsäure]] bis zu 1500 mg/Tag, [[Topiramat]] bis zu 200mg/Tag, [[Methysergid]] bis zu 4mg/Tag, [[Indometacin]] bis zu 150mg/Tag, [[Naratriptan]] bis zu 5,0 mg/Tag, [[Ergotamin]] bis zu 4 mg/Tag. | ||
Ein ausreichender Behandlungserfolg wurde mit diesen Medikamenten nicht erzielt. 60 mg [[Corticosteroide|Prednison]] pro Tag führten zu einer signifikanten Reduzierung der Attacken, aber jeder Versuch der Reduzierung der Prednisondosis führte zu deren Wiederkehr. | |||
Im März 2003 war der Patient in einem beklagenswerten psychologischen Status, mit häufigen Krisen von Kopfschmerzen und mit mehreren schweren Nebenwirkungen durch die Dauerbehandlung mit Prednison: [https://de.wikipedia.org/wiki/Cushing-Syndrom Cushing Syndrom,] [https://de.wikipedia.org/wiki/Arterielle_Hypertonie Bluthochdruck] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Diabetes_mellitus Diabetes mellitus.] Ab Juli 2003 erhielt der Patient Warfarin zur Behandlung von Thrombosen und die Attacken verschwanden bei einer Dosis von 10 mg Warfarin pro Tag völlig [https://de.wikipedia.org/wiki/International_Normalized_Ratio (International Normalized Ratio INR > 2,5).] Das Prednison und die Valproinsäure wurden reduziert und schließlich abgesetzt, ohne eine Wiederkehr von Attacken. | |||
Verapamil wurde mit 480 mg/Tag weiter verwendet. Im Oktober 2003 wurde das Warfarin ersetzt durch das ebenfalls die Blutgerinnung hemmende Medikament [https://de.wikipedia.org/wiki/Heparin Heparin] und die Attacken kehrten wieder. Nach einer erneuten Umstellung auf Warfarin verschwanden die Attacken. Zum Berichtszeitpunkt im März 2004 war der Patient mit 240 mg Verapamil pro Tag und Warfarin (INR Wert ~ 2,5) seit vier Monaten schmerzfrei. | |||
Aufgrund eines früheren Berichtes von Jano Alves de Souza über den gleichen Patienten behandelten Pedro A. Kowaks und Kollegen drei ihrer an der chronischen Verlaufsform erkrankten und gegen die üblichen vorbeugenden Medikamente therapieresistenten Cluster-Kopfschmerzpatienten ebenfalls mit Warfarin:<ref>{{cite journal |author=Kowacs PA, Piovesan EJ, de Campos RW, Lange MC, Zetola VF, Werneck LC |title=Warfarin as a therapeutic option in the control of chronic cluster headache: a report of three cases |journal=J Headache Pain |volume=6 |issue=5 |pages=417–9 |year=2005 |month=October |pmid=16362716 |doi=10.1007/s10194-005-0234-6 |url=}}</ref> Zwei der Patienten wurden unter der täglichen Einnahme von Warfarin schmerzfrei, zum Berichtszeitpunkt seit 20 Monaten bzw. seit sieben Monaten. Die vorher zur vorbeugenden Behandlung verwendeten Medikamente Prednison, Verapamil, Methysergid und Lithium konnten abgesetzt werden. Ein Warfarin Absetzversuch nach zwei Monaten erfolgreicher Behandlung führte bei dem ersteren der beiden Patienten zu einer Wiederkehr der Cluster-Kopfschmerzen mit sechs Attacken pro Tag. Nach der Wiederaufnahme der Behandlung mit 2,5mg Warfarin pro Tag wurde er wieder attackenfrei. | Aufgrund eines früheren Berichtes von Jano Alves de Souza über den gleichen Patienten behandelten Pedro A. Kowaks und Kollegen drei ihrer an der chronischen Verlaufsform erkrankten und gegen die üblichen vorbeugenden Medikamente therapieresistenten Cluster-Kopfschmerzpatienten ebenfalls mit Warfarin:<ref>{{cite journal |author=Kowacs PA, Piovesan EJ, de Campos RW, Lange MC, Zetola VF, Werneck LC |title=Warfarin as a therapeutic option in the control of chronic cluster headache: a report of three cases |journal=J Headache Pain |volume=6 |issue=5 |pages=417–9 |year=2005 |month=October |pmid=16362716 |doi=10.1007/s10194-005-0234-6 |url=}}</ref> Zwei der Patienten wurden unter der täglichen Einnahme von Warfarin schmerzfrei, zum Berichtszeitpunkt seit 20 Monaten bzw. seit sieben Monaten. Die vorher zur vorbeugenden Behandlung verwendeten Medikamente Prednison, Verapamil, Methysergid und Lithium konnten abgesetzt werden. Ein Warfarin Absetzversuch nach zwei Monaten erfolgreicher Behandlung führte bei dem ersteren der beiden Patienten zu einer Wiederkehr der Cluster-Kopfschmerzen mit sechs Attacken pro Tag. Nach der Wiederaufnahme der Behandlung mit 2,5mg Warfarin pro Tag wurde er wieder attackenfrei. | ||
| Zeile 30: | Zeile 36: | ||
Während der Studie wurde keine weitere vorbeugende Medikation verwendet. Die Akutbehandlung der Attacken z.B. mit [[Sauerstoff]], [[Sumatriptan]] s.c., [[Lidocain]] oder [[Zolmitriptan]] oral war gestattet. Der primäre Endpunkt der Studie war das Auftreten von Remissionen über 4 Wochen oder länger. | Während der Studie wurde keine weitere vorbeugende Medikation verwendet. Die Akutbehandlung der Attacken z.B. mit [[Sauerstoff]], [[Sumatriptan]] s.c., [[Lidocain]] oder [[Zolmitriptan]] oral war gestattet. Der primäre Endpunkt der Studie war das Auftreten von Remissionen über 4 Wochen oder länger. | ||
27 der ursprünglich 34 teilnehmenden PatientInnen (8 Frauen und 26 Männer) beendeten die Studie wie geplant. Ein Patient brach die Studie ab, sechs weitere Patienten standen nicht zur Nachverfolgung zur Verfügung. Bei 17 (50 %) der Patienten trat während der Behandlung mit Warfarin eine Remission von mehr als 4 Wochen auf. Unter Placebo hatten nur 4 Patienten (11,8 %) eine Remission von mehr als vier Wochen [https://de.wikipedia.org/wiki/P-Wert (p = 0,004)]. Die Häufigkeit, die Dauer und die Intensität der Cluster-Kopfschmerzattacken waren [https://de.wikipedia.org/wiki/Statistische_Signifikanz signifikant] niedriger während der Behandlung mit Warfarin (p < 0,01). Die Remissionen traten nach ca. vier Wochen Behandlung ein und hatten eine Dauer von ca. 5 Wochen [https://de.wikipedia.org/wiki/Median (Median).] Die Lebensqualität der Patienten war während der Behandlung mit Warfarin nach den Ergebnissen der Auswertung der HIT-6™ Fragebögen signifikant besser, der HIT-6™ Score (Median) war vor der Behandlung 64 und in der zwölften Behandlungswoche = 38. | 27 der ursprünglich 34 teilnehmenden PatientInnen (8 Frauen und 26 Männer) beendeten die Studie wie geplant. Ein Patient brach die Studie ab, sechs weitere Patienten standen nicht zur Nachverfolgung zur Verfügung. Bei 17 (50 %) der Patienten trat während der Behandlung mit Warfarin eine Remission von mehr als 4 Wochen auf. | ||
Unter Placebo hatten nur 4 Patienten (11,8 %) eine Remission von mehr als vier Wochen [https://de.wikipedia.org/wiki/P-Wert (p = 0,004)]. Die Häufigkeit, die Dauer und die Intensität der Cluster-Kopfschmerzattacken waren [https://de.wikipedia.org/wiki/Statistische_Signifikanz signifikant] niedriger während der Behandlung mit Warfarin (p < 0,01). Die Remissionen traten nach ca. vier Wochen Behandlung ein und hatten eine Dauer von ca. 5 Wochen [https://de.wikipedia.org/wiki/Median (Median).] Die Lebensqualität der Patienten war während der Behandlung mit Warfarin nach den Ergebnissen der Auswertung der HIT-6™ Fragebögen signifikant besser, der HIT-6™ Score (Median) war vor der Behandlung 64 und in der zwölften Behandlungswoche = 38. | |||
Keiner der 34 Patienten hatte während der Studie Komplikationen durch größere Blutungen. Allerdings entwickelten zwei (5,9 %) der Patienten milde Nasenbluten und zwei weitere hatten leichte Blutergüsse unter der Haut, nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Trauma_(Medizin) Traumen] während der Warfarin-Therapie. | Keiner der 34 Patienten hatte während der Studie Komplikationen durch größere Blutungen. Allerdings entwickelten zwei (5,9 %) der Patienten milde Nasenbluten und zwei weitere hatten leichte Blutergüsse unter der Haut, nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Trauma_(Medizin) Traumen] während der Warfarin-Therapie. | ||