Triptane - Festbetragsregelung: Unterschied zwischen den Versionen

Alte Forumslinks: Archivkopie aus dem Internet Archive eingesetzt bzw. Link entfernt (unter der alten Forumsadresse steht heute eine Werbeseite)
K Lange Absätze an Sinngrenzen in kürzere Absätze geteilt (nur Absatzumbrüche, Wortlaut unverändert)
Zeile 30: Zeile 30:


=== Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ===
=== Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ===
Zitate: "Zwischen den Triptanen gibt es Unterschiede, beispielsweise bei der Art der Anwendung und wie schnell die Wirkung eintritt. Es ist unklar, ob ein bestimmtes Triptan weniger unerwünschte Wirkungen hat als andere." - "Auch wenn es sich bei den Triptanen um eine gemeinsame Wirkstoffgruppe handelt, gibt es doch einige Unterschiede zwischen ihnen. Dies betrifft zum Beispiel ihre Dosierung: So enthalten Zolmitriptan-Tabletten 2,5 bis 5 Milligramm (mg) Triptan, und Sumatriptan-Tabletten 50 bis 100 mg des Wirkstoffs. Der Grund für die unterschiedlichen Dosierungen sind geringe chemische Unterschiede zwischen den Wirkstoffen. Auch die Wirkungsweise unterscheidet sich von Mittel zu Mittel ein wenig. Einige wirken sehr schnell, während andere eher auf eine lang anhaltende Wirkung ausgelegt sind. <u>Wenn ein bestimmtes Triptan nicht hilft, könnte es also einen Versuch wert sein, ein anderes auszuprobieren.</u>"   
Zitate: "Zwischen den Triptanen gibt es Unterschiede, beispielsweise bei der Art der Anwendung und wie schnell die Wirkung eintritt. Es ist unklar, ob ein bestimmtes Triptan weniger unerwünschte Wirkungen hat als andere." - "Auch wenn es sich bei den Triptanen um eine gemeinsame Wirkstoffgruppe handelt, gibt es doch einige Unterschiede zwischen ihnen. Dies betrifft zum Beispiel ihre Dosierung: So enthalten Zolmitriptan-Tabletten 2,5 bis 5 Milligramm (mg) Triptan, und Sumatriptan-Tabletten 50 bis 100 mg des Wirkstoffs.
 
Der Grund für die unterschiedlichen Dosierungen sind geringe chemische Unterschiede zwischen den Wirkstoffen. Auch die Wirkungsweise unterscheidet sich von Mittel zu Mittel ein wenig. Einige wirken sehr schnell, während andere eher auf eine lang anhaltende Wirkung ausgelegt sind. <u>Wenn ein bestimmtes Triptan nicht hilft, könnte es also einen Versuch wert sein, ein anderes auszuprobieren.</u>"   


"Die meisten Studien verglichen die Triptane daraufhin, wie gut sie Migränebeschwerden innerhalb eines bestimmten Zeitraums lindern oder beseitigen konnten. In der Regel handelte es sich dabei um zwei Stunden, nachdem das jeweilige Mittel eingenommen wurde. Es wurden jedoch nicht alle Triptane direkt miteinander verglichen. Daher konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nur zu bestimmten Triptanen in Tablettenform Aussagen treffen:
"Die meisten Studien verglichen die Triptane daraufhin, wie gut sie Migränebeschwerden innerhalb eines bestimmten Zeitraums lindern oder beseitigen konnten. In der Regel handelte es sich dabei um zwei Stunden, nachdem das jeweilige Mittel eingenommen wurde. Es wurden jedoch nicht alle Triptane direkt miteinander verglichen. Daher konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nur zu bestimmten Triptanen in Tablettenform Aussagen treffen:
Zeile 52: Zeile 54:
Zitate: "So kommt es bei 15 bis 40% der Patienten nach oraler Gabe von Triptanen zu einer Recurrence, wobei dann eine zweite Gabe der Substanz wieder wirksam ist.[86] <u>Triptane mit einer längeren Halbwertszeit haben tendenziell etwas geringere Recurrenceraten als solche mit kurzer Halbwertszeit.[97]</u>"  
Zitate: "So kommt es bei 15 bis 40% der Patienten nach oraler Gabe von Triptanen zu einer Recurrence, wobei dann eine zweite Gabe der Substanz wieder wirksam ist.[86] <u>Triptane mit einer längeren Halbwertszeit haben tendenziell etwas geringere Recurrenceraten als solche mit kurzer Halbwertszeit.[97]</u>"  


"Die Besserung der Kopfschmerzen nach zwei Stunden, der wichtigste Parameter klinischer Studien für die Wirksamkeit von Migränemedikamenten, ist am höchsten bei der subkutanen Applikation von Sumatriptan (70 bis 80%).[240] Sumatriptan Nasenspray und Sumatriptan Suppositorien sind ebenso wirksam wie Sumatriptan Tabletten.[13,189,229] 25 mg Sumatriptan oral sind weniger wirksam als 50 und 100 mg (ca. 50 bis 60%), weisen dafür aber auch weniger Nebenwirkungen auf.[88] Naratriptan und Frovatriptan (je 2,5 mg) sind in der Besserung der Kopfschmerzen nach zwei Stunden weniger wirksam als Sumatriptan, zeigen aber auch weniger Nebenwirkungen und eine etwas geringere Rate an Recurrence. Der Wirkungseintritt von Naratriptan und Frovatriptan ist im Vergleich zu den anderen Triptanen verzögert. Nach vier Stunden ist die Wirksamkeit mit der von Sumatriptan vergleichbar. Im mittleren Wirkungsbereich liegen Zolmitriptan 2,5 bis 5 mg und Almotriptan 12,5 mg. Rizatriptan 10 mg ist etwas wirksamer als 100 mg Sumatriptan.[102,234,237] Eletriptan ist in einer Dosierung von 2 x 40 mg das effektivste orale Triptan, hat aber auch die meisten Nebenwirkungen.[88] Almotriptan hat eine Nebenwirkungsquote, die sich nicht von Placebo unterscheidet.[36]"
"Die Besserung der Kopfschmerzen nach zwei Stunden, der wichtigste Parameter klinischer Studien für die Wirksamkeit von Migränemedikamenten, ist am höchsten bei der subkutanen Applikation von Sumatriptan (70 bis 80%).[240] Sumatriptan Nasenspray und Sumatriptan Suppositorien sind ebenso wirksam wie Sumatriptan Tabletten.[13,189,229] 25 mg Sumatriptan oral sind weniger wirksam als 50 und 100 mg (ca. 50 bis 60%), weisen dafür aber auch weniger Nebenwirkungen auf.[88] Naratriptan und Frovatriptan (je 2,5 mg) sind in der Besserung der Kopfschmerzen nach zwei Stunden weniger wirksam als Sumatriptan, zeigen aber auch weniger Nebenwirkungen und eine etwas geringere Rate an Recurrence.
 
Der Wirkungseintritt von Naratriptan und Frovatriptan ist im Vergleich zu den anderen Triptanen verzögert. Nach vier Stunden ist die Wirksamkeit mit der von Sumatriptan vergleichbar. Im mittleren Wirkungsbereich liegen Zolmitriptan 2,5 bis 5 mg und Almotriptan 12,5 mg. Rizatriptan 10 mg ist etwas wirksamer als 100 mg Sumatriptan.[102,234,237] Eletriptan ist in einer Dosierung von 2 x 40 mg das effektivste orale Triptan, hat aber auch die meisten Nebenwirkungen.[88] Almotriptan hat eine Nebenwirkungsquote, die sich nicht von Placebo unterscheidet.[36]"


"<u>Ist ein bestimmtes Triptan bei drei konsekutiv behandelten Attacken nicht wirksam, kann dennoch ein anderes Triptan wirksam sein.[64,220]</u>"
"<u>Ist ein bestimmtes Triptan bei drei konsekutiv behandelten Attacken nicht wirksam, kann dennoch ein anderes Triptan wirksam sein.[64,220]</u>"
Zeile 123: Zeile 127:


=== Oregon Evidence-based Practice Center: Drug Class Review: Triptans 2009 ===
=== Oregon Evidence-based Practice Center: Drug Class Review: Triptans 2009 ===
"A patient choosing a triptan might consider many other aspects of effectiveness, such as the completeness, speed, and duration of a single response and the consistency of response from headache to headache.[14] Moreover, individual patients may differ in the value they place on each of these attributes of effectiveness and on how they weigh the benefits of treatment against the side effects. For example, suppose that one triptan is more likely to relieve migraine pain within 2 hours, while another is less likely to provide relief but, when it does, it works faster. Or suppose that one triptan is more likely to relieve pain within 2 hours, but more of the patients who experience relief suffer a recurrence of severe pain later in the day. Or suppose that one triptan is more likely to provide headache relief but is also more likely to cause side effects. In each of these situations, the answer to the question “which triptan is better?” may not have a simple answer, or it may have several different answers among patients who have different preferences. <u>For this reason, some experts argue that satisfaction over time may be the best overall measure for comparing triptans.[15] Other experts argue that preference is the best measure: A patient should try several different triptans, eventually settling on the one that offers the best combination of pluses and minuses for that individual.[4]</u>
"A patient choosing a triptan might consider many other aspects of effectiveness, such as the completeness, speed, and duration of a single response and the consistency of response from headache to headache.[14] Moreover, individual patients may differ in the value they place on each of these attributes of effectiveness and on how they weigh the benefits of treatment against the side effects.
 
For example, suppose that one triptan is more likely to relieve migraine pain within 2 hours, while another is less likely to provide relief but, when it does, it works faster. Or suppose that one triptan is more likely to relieve pain within 2 hours, but more of the patients who experience relief suffer a recurrence of severe pain later in the day. Or suppose that one triptan is more likely to provide headache relief but is also more likely to cause side effects.
 
In each of these situations, the answer to the question “which triptan is better?” may not have a simple answer, or it may have several different answers among patients who have different preferences. <u>For this reason, some experts argue that satisfaction over time may be the best overall measure for comparing triptans.[15] Other experts argue that preference is the best measure: A patient should try several different triptans, eventually settling on the one that offers the best combination of pluses and minuses for that individual.[4]</u>


Finally, if a patient responds consistently well to a triptan, without experiencing disabling side effects, the patient may prefer it to triptans that act faster or have better single episode efficacy. <u>Therefore, an individual patient’s preference among the triptans does not necessarily depend only on which triptan has the highest overall response rate or overall rate of adverse events.</u>"
Finally, if a patient responds consistently well to a triptan, without experiencing disabling side effects, the patient may prefer it to triptans that act faster or have better single episode efficacy. <u>Therefore, an individual patient’s preference among the triptans does not necessarily depend only on which triptan has the highest overall response rate or overall rate of adverse events.</u>"
Zeile 315: Zeile 323:
Zusammenfassend zeigt sich, dass nur Verapamil und Cortison bei geringfügig mehr als 50% der Anwender eine „gute Wirksamkeit“ erzielten, alle anderen Medikamente erzielten zum Teil wesentlich schlechtere Ergebnisse. In dieser Umfrage nicht abgefragt wurde die vorbeugende Wirkung lang wirksamer Triptane wie Eletriptan, Naratriptan und Frovatriptan, mit denen einige Cluster-Kopfschmerzpatientinnen und -patienten auch langfristig gute Behandlungsergebnisse erzielt haben.<ref>CK-Wissen: Patientenerfahrungen mit Triptanen zur vorbeugenden Cluster-Kopfschmerz Behandlung. URL: https://www.ck-wissen.de/ckwiki/index.php?title=Patientenerfahrungen_mit_Triptanen_zur_vorbeugenden_Cluster-Kopfschmerz_Behandlung -  Kurzadresse: http://springhin.de/CK.Triptan</ref>       
Zusammenfassend zeigt sich, dass nur Verapamil und Cortison bei geringfügig mehr als 50% der Anwender eine „gute Wirksamkeit“ erzielten, alle anderen Medikamente erzielten zum Teil wesentlich schlechtere Ergebnisse. In dieser Umfrage nicht abgefragt wurde die vorbeugende Wirkung lang wirksamer Triptane wie Eletriptan, Naratriptan und Frovatriptan, mit denen einige Cluster-Kopfschmerzpatientinnen und -patienten auch langfristig gute Behandlungsergebnisse erzielt haben.<ref>CK-Wissen: Patientenerfahrungen mit Triptanen zur vorbeugenden Cluster-Kopfschmerz Behandlung. URL: https://www.ck-wissen.de/ckwiki/index.php?title=Patientenerfahrungen_mit_Triptanen_zur_vorbeugenden_Cluster-Kopfschmerz_Behandlung -  Kurzadresse: http://springhin.de/CK.Triptan</ref>       


Die europäische Leitlinie von 2023 empfiehlt als Konsens der Fachleute Ergotamintartrat oder [[Frovatriptan]] zur kurzzeitigen Vorbeugung. Bei der episodischen Form kann nach der Leitlinie je nach Länge der aktiven Phase auch eine kurzzeitige Behandlung mit Prednisolon, Frovatriptan oder [[Naratriptan]] erwogen werden; ausreichende Daten gibt es dafür nicht. Dass Triptane zum Einnehmen in der Praxis als kurzzeitige Vorbeugung gegen nächtliche Attacken eingesetzt werden, ist nach der Leitlinie nicht durch gute Studien gestützt.<ref name="EAN2023">{{cite journal |author=May A, Evers S, Goadsby PJ, Leone M, Manzoni GC, Pascual J, et al. |title=European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache |journal=Eur J Neurol |volume=30 |issue=10 |pages=2955-2979 |year=2023 |pmid=37515405 |doi=10.1111/ene.15956}} S. 2969: „In clinical practice, oral triptans are used as short-term preventives for the nocturnal attacks [132], although this approach is not supported by good evidence.“ S. 2971: „Based on consensus, ergotamine tartrate or frovatriptan are also recommended for short-term prevention.“; „No sufficient data exist, but depending on the length of the active period, the above-named preventatives or short-term treatment with prednisolone, frovatriptan, or naratriptan may be considered.“</ref> Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie von 2015 (gültig bis 13.05.2020) formulierte: „Ergotamin oder <u>lang wirksame Triptane wie Naratriptan und Frovatriptan</u> können in der Kurzprophylaxe (d. h. bis eine andere prophylaktische Therapie greift) abends eingesetzt werden, vor allem bei Patienten, die unter nächtlichen Attacken leiden.“<ref name="DG">Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020; eine Neufassung ist angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026. - [https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-036 Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]</ref> Mit "lang wirksam" ist hier eine lange Plasmahalbwertzeit gemeint, die längste Plasmahalbwertzeit hat mit 26 Stunden das Frovatriptan. Zum Vergleich der Pharmakologie der Triptane siehe Tabelle:  
Die europäische Leitlinie von 2023 empfiehlt als Konsens der Fachleute Ergotamintartrat oder [[Frovatriptan]] zur kurzzeitigen Vorbeugung. Bei der episodischen Form kann nach der Leitlinie je nach Länge der aktiven Phase auch eine kurzzeitige Behandlung mit Prednisolon, Frovatriptan oder [[Naratriptan]] erwogen werden; ausreichende Daten gibt es dafür nicht. Dass Triptane zum Einnehmen in der Praxis als kurzzeitige Vorbeugung gegen nächtliche Attacken eingesetzt werden, ist nach der Leitlinie nicht durch gute Studien gestützt.<ref name="EAN2023">{{cite journal |author=May A, Evers S, Goadsby PJ, Leone M, Manzoni GC, Pascual J, et al. |title=European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache |journal=Eur J Neurol |volume=30 |issue=10 |pages=2955-2979 |year=2023 |pmid=37515405 |doi=10.1111/ene.15956}} S. 2969: „In clinical practice, oral triptans are used as short-term preventives for the nocturnal attacks [132], although this approach is not supported by good evidence.“ S. 2971: „Based on consensus, ergotamine tartrate or frovatriptan are also recommended for short-term prevention.“; „No sufficient data exist, but depending on the length of the active period, the above-named preventatives or short-term treatment with prednisolone, frovatriptan, or naratriptan may be considered.“</ref>
 
Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie von 2015 (gültig bis 13.05.2020) formulierte: „Ergotamin oder <u>lang wirksame Triptane wie Naratriptan und Frovatriptan</u> können in der Kurzprophylaxe (d. h. bis eine andere prophylaktische Therapie greift) abends eingesetzt werden, vor allem bei Patienten, die unter nächtlichen Attacken leiden.“<ref name="DG">Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020; eine Neufassung ist angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026. - [https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-036 Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]</ref> Mit "lang wirksam" ist hier eine lange Plasmahalbwertzeit gemeint, die längste Plasmahalbwertzeit hat mit 26 Stunden das Frovatriptan. Zum Vergleich der Pharmakologie der Triptane siehe Tabelle:  


[[Bild:Tara20_tab.gif]]
[[Bild:Tara20_tab.gif]]