Dihydroergotamin: Unterschied zwischen den Versionen

Berichtigung einer eigenen Angabe vom 22.09.: Die EAN-Leitlinie nennt Ergotamin-Zäpfchen im Fließtext (S. 2963, 2968); der Zäpfchen-Hinweis „no first path effect“ gehört zum DHE, ein Irrtum ist die Zuschreibung ans Ergotamin aber nicht. Mit Zitaten belegt, Berichtigung vermerkt.
Stand-Vermerke eingearbeitet (alte Stände nicht kommentieren; früherer Wortlaut in der Versionsgeschichte). Einleitung mit der Zulassungslage direkt; Abschnitt „Wissensstand 2026“ → „Zulassung und Leitlinien“ (Anker bleibt); Vermerke gestrichen.
Zeile 1: Zeile 1:
'''Dihydroergotamin''' (kurz ''DHE'') ist ein vom [http://de.wikipedia.org/wiki/Mutterkornalkaloide Mutterkornalkaloid] [[Ergotamin]] abgeleiteter Arzneistoff, der zur Therapie von Kreislaufstörungen sowie zur Prophylaxe und Therapie der [[Migräne]] und des Cluster-Kopfschmerzes<ref name="DG">Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - [http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-036.html Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]</ref> eingesetzt werden kann. Es gibt Hinweise, dass die intravenöse Therapie mit Dihydroergotamin (9 mg in 3 Tagen z.B. über [http://de.wikipedia.org/wiki/Spritzenpumpe Perfusor] einen positiven Effekt sowohl beim [[Episodischer Cluster-Kopfschmerz|episodischen]] als auch beim [[Chronischer Cluster-Kopfschmerz|chronischen]] Cluster-Kopfschmerz haben kann.<ref name="DG"/><ref>Magnoux E, Zlotnik G.: Outpatient intravenous dihydroergotamine for refractory cluster headache. ''Headache.'' 2004 Mar; '''44'''(3): 249-55. PMID 15012663 [http://dx.doi.org/10.1111/j.1526-4610.2004.04055.x DOI.]</ref>
'''Dihydroergotamin''' (kurz ''DHE'') ist ein vom [http://de.wikipedia.org/wiki/Mutterkornalkaloide Mutterkornalkaloid] [[Ergotamin]] abgeleiteter Arzneistoff, der zur Therapie von Kreislaufstörungen sowie zur Prophylaxe und Therapie der [[Migräne]] und des Cluster-Kopfschmerzes<ref name="DG">Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - [http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-036.html Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]</ref> eingesetzt werden kann. Es gibt Hinweise, dass die intravenöse Therapie mit Dihydroergotamin (9 mg in 3 Tagen z.B. über [http://de.wikipedia.org/wiki/Spritzenpumpe Perfusor] einen positiven Effekt sowohl beim [[Episodischer Cluster-Kopfschmerz|episodischen]] als auch beim [[Chronischer Cluster-Kopfschmerz|chronischen]] Cluster-Kopfschmerz haben kann.<ref name="DG"/><ref>Magnoux E, Zlotnik G.: Outpatient intravenous dihydroergotamine for refractory cluster headache. ''Headache.'' 2004 Mar; '''44'''(3): 249-55. PMID 15012663 [http://dx.doi.org/10.1111/j.1526-4610.2004.04055.x DOI.]</ref>


''Zum heutigen Stand: Dihydroergotamin ist in Deutschland seit Februar 2014 nicht mehr verkehrsfähig, und die drei Anwendungsgebiete, die das europäische Verfahren beanstandete, sind genau die oben genannten Kreislaufanwendungen und die Migränevorbeugung. Siehe den Abschnitt [[#Wissensstand 2026|Wissensstand 2026]].''
In Deutschland ist Dihydroergotamin seit Februar 2014 nicht mehr verkehrsfähig; beanstandet wurden im europäischen Verfahren genau die genannten Kreislaufanwendungen und die Migränevorbeugung. Einzelheiten [[#Zulassung und Leitlinien|unten]].


== Wissensstand 2026 ==
== Zulassung und Leitlinien ==
''Die Angaben dieses Abschnitts wurden am 22.09.2026 an den Originalquellen geprüft. Die oben genannte deutsche Leitlinie von 2015 ist seit dem 13.05.2020 abgelaufen; eine Überarbeitung ist im AWMF-Register seit dem 24.07.2025 angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026.''<ref name="AWMF030036">[https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-036 AWMF-Registereintrag 030-036 „Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen"], abgerufen am 21.09.2026: Status „Angemeldet", Art der Anmeldung „Überarbeitung", angemeldete Klasse S1, Anmeldedatum 24.07.2025, geplante Fertigstellung 31.12.2026; Koordination PD Dr. Tim Jürgens (Güstrow) und Prof. Gudrun Goßrau (Dresden).</ref>
{{Anker|Wissensstand 2026}}
''Die deutsche Leitlinie von 2015 ist seit dem 13.05.2020 abgelaufen; eine Überarbeitung ist im AWMF-Register seit dem 24.07.2025 angemeldet, geplante Fertigstellung 31.12.2026.''<ref name="AWMF030036">[https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-036 AWMF-Registereintrag 030-036 „Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen"], abgerufen am 21.09.2026: Status „Angemeldet", Art der Anmeldung „Überarbeitung", angemeldete Klasse S1, Anmeldedatum 24.07.2025, geplante Fertigstellung 31.12.2026; Koordination PD Dr. Tim Jürgens (Güstrow) und Prof. Gudrun Goßrau (Dresden).</ref>


=== Warum es das Mittel in Deutschland nicht mehr gibt ===
=== Warum es das Mittel in Deutschland nicht mehr gibt ===
Zeile 50: Zeile 51:
|}
|}


== Wechselwirkungen (Stand 2026) ==
== Wechselwirkungen ==
''Ergänzt am 23.09.2026.'' Bei einer Suche auf fachinfo.de am 23.09.2026 fand sich keine Fachinformation für Dihydroergotamin; warum es das Mittel in Deutschland nicht mehr gibt, steht oben. Wichtig bleibt eine Regel aus der Fachinformation der [[Sumatriptan]]-Spritze: Sumatriptan darf nicht gleichzeitig mit Ergotamin oder mit Mitteln angewendet werden, die aus Ergotamin abgeleitet sind<ref name="IMI">[https://www.fachinfo.de/fi/pdf/006022/imigran-inject Fachinformation Imigran-Inject 6 mg/0,5 ml Injektionslösung (Sumatriptan)], Stand der Information Mai 2026, Abschnitte 4.1, 4.3, 4.4 und 4.5, am 23.09.2026 gelesen. Anwendungsgebiet: „Akute Behandlung von Migräneanfällen mit und ohne Aura sowie Cluster-Kopfschmerz (Horton-Syndrom).“ Im Wortlaut: „Imigran-Inject darf nicht gleichzeitig mit Monoaminooxidase-Hemmern und nicht innerhalb von zwei Wochen nach Abbruch einer Therapie mit einem Monoaminooxidase-Hemmer angewendet werden.“; „In seltenen Fällen wurde über Patienten berichtet, bei denen nach der Einnahme eines selektiven Serotonin-Reuptake-Hemmers (SSRI) und von Sumatriptan ein Serotonin-Syndrom (einschließlich Bewusstseinsveränderungen, autonomer Instabilität und neuromuskulärer Störungen) auftrat. Von einem Serotonin-Syndrom wurde nach gleichzeitiger Behandlung mit Triptanen und Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Hemmern (SNRIs) berichtet. Wenn die gleichzeitige Behandlung mit Sumatriptan und einem SSRI/SNRI aus medizinischen Gründen notwendig ist, sollte der Patient angemessen überwacht werden“; „Bei gemeinsamer Anwendung von Triptanen und pflanzlichen Zubereitungen, die Johanniskraut (Hypericum perforatum) enthalten, können möglicherweise häufiger Nebenwirkungen auftreten.“ Weiter: 4.3: „Sumatriptan darf nicht gleichzeitig mit Ergotamin- oder Ergotaminderivat-haltigen Arzneimitteln (einschließlich Methysergid) oder einem anderen Triptan/5-HT1-Rezeptor-Agonisten angewendet werden“; ebenfalls 4.3: nicht bei Herzinfarkt in der Vorgeschichte, ischämischer Herzkrankheit, koronaren Vasospasmen, peripheren Gefäßerkrankungen, Schlaganfall oder TIA, schweren Leberfunktionsstörungen, mittelschwerem bis schwerem sowie unkontrolliertem leichtem Bluthochdruck; Wartezeiten 4.5: nach Ergotamin oder einem anderen Triptan mindestens 24 Stunden bis Sumatriptan, nach Sumatriptan mindestens 6 Stunden bis Ergotamin und 24 Stunden bis zu einem anderen Triptan; Nebenwirkungen 4.8, sehr häufig: „Vorübergehende Schmerzen an der Injektionsstelle“; häufig u. a. „Schwindel, Schläfrigkeit, Sensibilitätsstörungen einschließlich Parästhesie und Hypästhesie“, „Vorübergehender Blutdruckanstieg kurz nach der Anwendung, Hitzewallungen/Gesichtsrötung (Flushing)“, „Dyspnoe“, „Schweregefühl … inklusive dem Brustkorb und Halsbereich“, „Müdigkeit“; Wirkweise 5.1: „Diese beiden Mechanismen (kraniale Vasokonstriktion und Inhibierung der Aktivität des Trigeminus-Nervs) tragen wahrscheinlich zur Wirkung von Sumatriptan beim Menschen bei.“</ref> – Dihydroergotamin ist ein solches Mittel (siehe den ersten Satz dieser Seite). Die Regeln für das verwandte Ergotamin stehen unter [[Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Cluster-Mittel#Ergotamin|Ergotamin: Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen]].
Bei einer Suche auf fachinfo.de am 23.09.2026 fand sich keine Fachinformation für Dihydroergotamin; warum es das Mittel in Deutschland nicht mehr gibt, steht oben. Wichtig bleibt eine Regel aus der Fachinformation der [[Sumatriptan]]-Spritze: Sumatriptan darf nicht gleichzeitig mit Ergotamin oder mit Mitteln angewendet werden, die aus Ergotamin abgeleitet sind<ref name="IMI">[https://www.fachinfo.de/fi/pdf/006022/imigran-inject Fachinformation Imigran-Inject 6 mg/0,5 ml Injektionslösung (Sumatriptan)], Stand der Information Mai 2026, Abschnitte 4.1, 4.3, 4.4 und 4.5, am 23.09.2026 gelesen. Anwendungsgebiet: „Akute Behandlung von Migräneanfällen mit und ohne Aura sowie Cluster-Kopfschmerz (Horton-Syndrom).“ Im Wortlaut: „Imigran-Inject darf nicht gleichzeitig mit Monoaminooxidase-Hemmern und nicht innerhalb von zwei Wochen nach Abbruch einer Therapie mit einem Monoaminooxidase-Hemmer angewendet werden.“; „In seltenen Fällen wurde über Patienten berichtet, bei denen nach der Einnahme eines selektiven Serotonin-Reuptake-Hemmers (SSRI) und von Sumatriptan ein Serotonin-Syndrom (einschließlich Bewusstseinsveränderungen, autonomer Instabilität und neuromuskulärer Störungen) auftrat. Von einem Serotonin-Syndrom wurde nach gleichzeitiger Behandlung mit Triptanen und Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Hemmern (SNRIs) berichtet. Wenn die gleichzeitige Behandlung mit Sumatriptan und einem SSRI/SNRI aus medizinischen Gründen notwendig ist, sollte der Patient angemessen überwacht werden“; „Bei gemeinsamer Anwendung von Triptanen und pflanzlichen Zubereitungen, die Johanniskraut (Hypericum perforatum) enthalten, können möglicherweise häufiger Nebenwirkungen auftreten.“ Weiter: 4.3: „Sumatriptan darf nicht gleichzeitig mit Ergotamin- oder Ergotaminderivat-haltigen Arzneimitteln (einschließlich Methysergid) oder einem anderen Triptan/5-HT1-Rezeptor-Agonisten angewendet werden“; ebenfalls 4.3: nicht bei Herzinfarkt in der Vorgeschichte, ischämischer Herzkrankheit, koronaren Vasospasmen, peripheren Gefäßerkrankungen, Schlaganfall oder TIA, schweren Leberfunktionsstörungen, mittelschwerem bis schwerem sowie unkontrolliertem leichtem Bluthochdruck; Wartezeiten 4.5: nach Ergotamin oder einem anderen Triptan mindestens 24 Stunden bis Sumatriptan, nach Sumatriptan mindestens 6 Stunden bis Ergotamin und 24 Stunden bis zu einem anderen Triptan; Nebenwirkungen 4.8, sehr häufig: „Vorübergehende Schmerzen an der Injektionsstelle“; häufig u. a. „Schwindel, Schläfrigkeit, Sensibilitätsstörungen einschließlich Parästhesie und Hypästhesie“, „Vorübergehender Blutdruckanstieg kurz nach der Anwendung, Hitzewallungen/Gesichtsrötung (Flushing)“, „Dyspnoe“, „Schweregefühl … inklusive dem Brustkorb und Halsbereich“, „Müdigkeit“; Wirkweise 5.1: „Diese beiden Mechanismen (kraniale Vasokonstriktion und Inhibierung der Aktivität des Trigeminus-Nervs) tragen wahrscheinlich zur Wirkung von Sumatriptan beim Menschen bei.“</ref> – Dihydroergotamin ist ein solches Mittel (siehe den ersten Satz dieser Seite). Die Regeln für das verwandte Ergotamin stehen unter [[Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Cluster-Mittel#Ergotamin|Ergotamin: Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen]].


== Literatur ==
== Literatur ==