Differentialdiagnose: Unterschied zwischen den Versionen

Video wieder sichtbar: {{#ev:…}} funktioniert hier nicht (Erweiterung EmbedVideo fehlt, es stand nur Rohtext da) – jetzt über <youtube> (datenschutzfreundlicher youtube-nocookie-Modus), 320×180 Pixel, passt aufs Handy; Video am 24.09.2026 auf YouTube abrufbar
K Lange Absätze an Sinngrenzen in kürzere Absätze geteilt (nur Absatzumbrüche, Wortlaut unverändert)
Zeile 153: Zeile 153:
* Schmerzfrequenz: Bis zu 100-mal pro Tag
* Schmerzfrequenz: Bis zu 100-mal pro Tag


Bei der '''klassischen Trigeminusneuralgie''' (Tic douloureux) handelt es sich um schlagartig einsetzende, streng einseitige, heftigste Schmerzen im Ausbreitungsbereich des Trigeminusnervs. Der Schmerz wird gewöhnlich durch Reize wie Waschen, Rasieren, Rauchen, Sprechen oder Zähneputzen ausgelöst, kann aber auch häufig spontan auftreten. Im Gegensatz zum Cluster-Kopfschmerz hält sich die Schmerzausstrahlung streng an die Versorgungsgebiete der drei Trigeminusäste. Das typische Erkrankungsalter liegt in der 5.-7. Lebensdekade. Insbesondere die symptomatische Trigeminusneuralgie kann aber auch im frühen Erwachsenenalter auftreten. Die '''symptomatische Trigeminusneuralgie''' unterscheidet sich im Schmerz nicht von der klassischen Trigeminusneuralgie, sie wird aber durch eine andere nachweisbare strukturelle Schädigung ([https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A4sion Läsion]) als durch eine Gefäßkompression hervorgerufen<ref name="LIM"/>. In der IHS-ICHD-II Klassifikation werden Neuralgien im [https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/04_teil3/ Teil 3] beschrieben.
Bei der '''klassischen Trigeminusneuralgie''' (Tic douloureux) handelt es sich um schlagartig einsetzende, streng einseitige, heftigste Schmerzen im Ausbreitungsbereich des Trigeminusnervs. Der Schmerz wird gewöhnlich durch Reize wie Waschen, Rasieren, Rauchen, Sprechen oder Zähneputzen ausgelöst, kann aber auch häufig spontan auftreten.
 
Im Gegensatz zum Cluster-Kopfschmerz hält sich die Schmerzausstrahlung streng an die Versorgungsgebiete der drei Trigeminusäste. Das typische Erkrankungsalter liegt in der 5.-7. Lebensdekade. Insbesondere die symptomatische Trigeminusneuralgie kann aber auch im frühen Erwachsenenalter auftreten. Die '''symptomatische Trigeminusneuralgie''' unterscheidet sich im Schmerz nicht von der klassischen Trigeminusneuralgie, sie wird aber durch eine andere nachweisbare strukturelle Schädigung ([https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A4sion Läsion]) als durch eine Gefäßkompression hervorgerufen<ref name="LIM"/>. In der IHS-ICHD-II Klassifikation werden Neuralgien im [https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/04_teil3/ Teil 3] beschrieben.


Schmerzen, die durch Schädigung des Trigeminusnerven auftreten, z.B. nach Operationen an den Zähnen oder den Nasennebenhöhlen, nach Verletzungen (z.B. Mittelgesichtsfrakturen oder bei entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparats oder der Nebenhöhlen werden auch als '''Trigeminusneuropathie''' bezeichnet.<ref>[http://www.dgnc.de/htm/08/text08_1.html Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie: Medizinische Informationen für Patienten - Trigeminusneuralgie]</ref>
Schmerzen, die durch Schädigung des Trigeminusnerven auftreten, z.B. nach Operationen an den Zähnen oder den Nasennebenhöhlen, nach Verletzungen (z.B. Mittelgesichtsfrakturen oder bei entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparats oder der Nebenhöhlen werden auch als '''Trigeminusneuropathie''' bezeichnet.<ref>[http://www.dgnc.de/htm/08/text08_1.html Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie: Medizinische Informationen für Patienten - Trigeminusneuralgie]</ref>
Zeile 193: Zeile 195:
* Schmerzfrequenz: dauerhaft oder wiederkehrend
* Schmerzfrequenz: dauerhaft oder wiederkehrend


Das  [https://de.wikipedia.org/wiki/Glaukom Glaukom], auch Grüner Star genannt, ist eine der häufigsten Erkrankungen des Sehnervs. Engwinkelglaukome können zum schmerzhaften '''Glaukomanfall''' führen, bei dem unbehandelt innerhalb kurzer Zeit eine akute Erblindung droht. Der Schmerz tritt im, hinter oder oberhalb des Auges auf. Begleitsymptome sind Augenrötung, Sehstörungen und erweiterte Pupille bei aufgehobener Lichtreaktion. Der akute Glaukomanfall beruht auf einer plötzlichen Verminderung des Kammerwasserabflusses aufgrund einer Verlegung des Kammerwinkels durch die Regenbogenhaut. Dies führt zu einer drastischen Druckerhöhung bis zu mehr als dem dreifachen der Norm (60 mm Hg), mit tastbar steinhartem Augapfel. Begleitend zu der Druckerhöhung kann es zu stärksten Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen teilweise mit Herzrhythmusstörungen und Sehen von Farbringen im Gegenlicht kommen. Häufig tritt ein plötzlicher Sehverlust des betroffenen Auges ein. Meistens ist nur ein Auge betroffen. Der Anfall kann nach wenigen Stunden spontan abklingen und in Abständen wiederkehren aber auch - unerkannt - über Tage anhalten.<ref> [https://de.wikipedia.org/wiki/Glaukom Wikipedia: Glaukom]</ref>
Das  [https://de.wikipedia.org/wiki/Glaukom Glaukom], auch Grüner Star genannt, ist eine der häufigsten Erkrankungen des Sehnervs. Engwinkelglaukome können zum schmerzhaften '''Glaukomanfall''' führen, bei dem unbehandelt innerhalb kurzer Zeit eine akute Erblindung droht. Der Schmerz tritt im, hinter oder oberhalb des Auges auf. Begleitsymptome sind Augenrötung, Sehstörungen und erweiterte Pupille bei aufgehobener Lichtreaktion. Der akute Glaukomanfall beruht auf einer plötzlichen Verminderung des Kammerwasserabflusses aufgrund einer Verlegung des Kammerwinkels durch die Regenbogenhaut. Dies führt zu einer drastischen Druckerhöhung bis zu mehr als dem dreifachen der Norm (60 mm Hg), mit tastbar steinhartem Augapfel.
 
Begleitend zu der Druckerhöhung kann es zu stärksten Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen teilweise mit Herzrhythmusstörungen und Sehen von Farbringen im Gegenlicht kommen. Häufig tritt ein plötzlicher Sehverlust des betroffenen Auges ein. Meistens ist nur ein Auge betroffen. Der Anfall kann nach wenigen Stunden spontan abklingen und in Abständen wiederkehren aber auch - unerkannt - über Tage anhalten.<ref> [https://de.wikipedia.org/wiki/Glaukom Wikipedia: Glaukom]</ref>


* [https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/11.03.01_cranial.html IHS-ICHD-II Klassifikation 11.3.1 Kopfschmerz zurückzuführen auf ein akutes Glaukom]
* [https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/11.03.01_cranial.html IHS-ICHD-II Klassifikation 11.3.1 Kopfschmerz zurückzuführen auf ein akutes Glaukom]
Zeile 203: Zeile 207:
* Schmerzfrequenz: dauerhaft
* Schmerzfrequenz: dauerhaft


Bei der '''Subarachnoidalblutung''' (SAB) tritt Blut in den äußeren Liquorraum. Eine Subarachnoidalblutung ist eine der häufigsten Ursachen für einen anhaltenden, extremen Kopfschmerz mit abruptem Beginn (Donnerschlagkopfschmerz). 40 bis 50 % der Patienten sterben an der Subarachnoidalblutung, 10 bis 20 % noch bevor sie das Krankenhaus erreichen; die Hälfte der Überlebenden behält bleibende Schäden zurück.<ref name="ICHD3622">[https://ichd-3.org/6-headache-attributed-to-cranial-or-cervical-vascular-disorder/6-2-headache-attributed-to-non-traumatic-intracranial-haemorrhage/6-2-2-headache-attributed-to-non-traumatic-subarachnoid-haemorrhage-sah/ ICHD-3, 6.2.2 Headache attributed to non-traumatic subarachnoid haemorrhage (SAH)], Kommentar, am 23.09.2026 gelesen: „Non-traumatic subarachnoid haemorrhage (SAH) is one of the most common causes of persistent, intense and incapacitating headache of abrupt onset (thunderclap headache), and is a serious condition (mortality is 40-50%, with 10-20% of patients dying before arriving at hospital; 50% of survivors are left disabled).“</ref> Den meisten Subarachnoidalblutungen liegt eine vorher nicht bekannte Gefäßwandaussackung ([https://de.wikipedia.org/wiki/Aneurysma Aneurysma]) zugrunde, das aufgrund einer akuten Anstrengung reißt ([https://de.wikipedia.org/wiki/Ruptur Ruptur]). Die Kopfschmerzen sind zu Beginn häufig einseitig und werden von Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinstörungen, Nackensteifigkeit und selten auch von Fieber oder Herzrhythmusstörungen begleitet. Manchmal ist der Kopfschmerz weniger stark und tritt ohne Zusatzsymptome auf. Der abrupte Beginn ist das Leitsymptom. Jeder Patient mit abrupten Kopfschmerzbeginn oder "Donnerschlagkopfschmerz" ([https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/04.06.00_other.html IHS-ICHD-II 4.6])  sollte auf eine Subarachnoidalblutung hin untersucht werden.<ref>[https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/06.02.02_vascular.html IHS-ICHD-II Klassifikation 6.2.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine subarachnoidale Blutung]</ref>
Bei der '''Subarachnoidalblutung''' (SAB) tritt Blut in den äußeren Liquorraum. Eine Subarachnoidalblutung ist eine der häufigsten Ursachen für einen anhaltenden, extremen Kopfschmerz mit abruptem Beginn (Donnerschlagkopfschmerz). 40 bis 50 % der Patienten sterben an der Subarachnoidalblutung, 10 bis 20 % noch bevor sie das Krankenhaus erreichen; die Hälfte der Überlebenden behält bleibende Schäden zurück.<ref name="ICHD3622">[https://ichd-3.org/6-headache-attributed-to-cranial-or-cervical-vascular-disorder/6-2-headache-attributed-to-non-traumatic-intracranial-haemorrhage/6-2-2-headache-attributed-to-non-traumatic-subarachnoid-haemorrhage-sah/ ICHD-3, 6.2.2 Headache attributed to non-traumatic subarachnoid haemorrhage (SAH)], Kommentar, am 23.09.2026 gelesen: „Non-traumatic subarachnoid haemorrhage (SAH) is one of the most common causes of persistent, intense and incapacitating headache of abrupt onset (thunderclap headache), and is a serious condition (mortality is 40-50%, with 10-20% of patients dying before arriving at hospital; 50% of survivors are left disabled).“</ref>
 
Den meisten Subarachnoidalblutungen liegt eine vorher nicht bekannte Gefäßwandaussackung ([https://de.wikipedia.org/wiki/Aneurysma Aneurysma]) zugrunde, das aufgrund einer akuten Anstrengung reißt ([https://de.wikipedia.org/wiki/Ruptur Ruptur]). Die Kopfschmerzen sind zu Beginn häufig einseitig und werden von Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinstörungen, Nackensteifigkeit und selten auch von Fieber oder Herzrhythmusstörungen begleitet. Manchmal ist der Kopfschmerz weniger stark und tritt ohne Zusatzsymptome auf. Der abrupte Beginn ist das Leitsymptom. Jeder Patient mit abrupten Kopfschmerzbeginn oder "Donnerschlagkopfschmerz" ([https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/04.06.00_other.html IHS-ICHD-II 4.6])  sollte auf eine Subarachnoidalblutung hin untersucht werden.<ref>[https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/06.02.02_vascular.html IHS-ICHD-II Klassifikation 6.2.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine subarachnoidale Blutung]</ref>


*[https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/06.02.02_vascular.html IHS-ICHD-II Klassifikation 6.2.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine subarachnoidale Blutung]
*[https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/06.02.02_vascular.html IHS-ICHD-II Klassifikation 6.2.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine subarachnoidale Blutung]
Zeile 233: Zeile 239:
* Schmerzfrequenz: dauerhaft
* Schmerzfrequenz: dauerhaft


Die '''Riesenzellarteriitis''' ist eine Gefäßentzündung, die vor allem bei älteren Menschen ab 50 Jahren die Schläfenarterien ([https://de.wikipedia.org/wiki/Arteria_temporalis_superficialis Arteria temporalis]) befällt. Unbehandelt besteht ein Risiko von 20 Prozent zu erblinden. Daher werden bereits bei dringendem Verdacht auf die Erkrankung hochdosiert Cortisonpräparate verabreicht. Bei entsprechender Diagnostik und einem raschen Therapiebeginn mit Cortisonpräparaten ist der Erkrankungsverlauf meist gutartig, wenn auch langwierig. Andere Bezeichnungen: Arteriitis cranialis, Arteriitis temporalis (Horton), Morbus Horton und Horton-Syndrom<ref name="IHSAC">[https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/06.04.01_vascular.html IHS-ICHD-II Klassifikation 6.4.1 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine Riesenzellarteriitis]</ref>. Mehr als 70 Prozent der Patienten berichten als Erstsymptom bei der Riesenzellarteriitis über einen starken, bohrend-stechenden und in der Regel einseitigen Kopfschmerz, der häufig durch Kauen noch verstärkt wird. Typisch ist auch eine einseitige, plötzlich einsetzende Erblindung oder hochgradige Sehminderung, die bei etwa 30 % der Erkrankten auftritt. Daneben werden druckempfindliche Temporalarterien und in 12–15 % der Fälle das Herabhängen eines Augenlides ([[Ptosis]]) oder andere Augenmuskellähmungen sowie häufig Allgemeinsymptome wie Fieber, Gewichtsabnahme, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Muskelschmerzen beobachtet.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Arteriitis_cranialis Wikipedia: Arteriitis cranialis]</ref> Die Riesenzellarteriitis kann durch eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Biopsie Biopsie] der Arteria temporalis nachgewiesen werden.<ref name="IHSAC"/>
Die '''Riesenzellarteriitis''' ist eine Gefäßentzündung, die vor allem bei älteren Menschen ab 50 Jahren die Schläfenarterien ([https://de.wikipedia.org/wiki/Arteria_temporalis_superficialis Arteria temporalis]) befällt. Unbehandelt besteht ein Risiko von 20 Prozent zu erblinden. Daher werden bereits bei dringendem Verdacht auf die Erkrankung hochdosiert Cortisonpräparate verabreicht. Bei entsprechender Diagnostik und einem raschen Therapiebeginn mit Cortisonpräparaten ist der Erkrankungsverlauf meist gutartig, wenn auch langwierig.
 
Andere Bezeichnungen: Arteriitis cranialis, Arteriitis temporalis (Horton), Morbus Horton und Horton-Syndrom<ref name="IHSAC">[https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/06.04.01_vascular.html IHS-ICHD-II Klassifikation 6.4.1 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine Riesenzellarteriitis]</ref>. Mehr als 70 Prozent der Patienten berichten als Erstsymptom bei der Riesenzellarteriitis über einen starken, bohrend-stechenden und in der Regel einseitigen Kopfschmerz, der häufig durch Kauen noch verstärkt wird.
 
Typisch ist auch eine einseitige, plötzlich einsetzende Erblindung oder hochgradige Sehminderung, die bei etwa 30 % der Erkrankten auftritt. Daneben werden druckempfindliche Temporalarterien und in 12–15 % der Fälle das Herabhängen eines Augenlides ([[Ptosis]]) oder andere Augenmuskellähmungen sowie häufig Allgemeinsymptome wie Fieber, Gewichtsabnahme, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Muskelschmerzen beobachtet.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Arteriitis_cranialis Wikipedia: Arteriitis cranialis]</ref> Die Riesenzellarteriitis kann durch eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Biopsie Biopsie] der Arteria temporalis nachgewiesen werden.<ref name="IHSAC"/>
   
   
* [https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/06.04.01_vascular.html IHS-ICHD-II Klassifikation 6.4.1 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine Riesenzellarteriitis]
* [https://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/03_teil2/06.04.01_vascular.html IHS-ICHD-II Klassifikation 6.4.1 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine Riesenzellarteriitis]