Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch: Unterschied zwischen den Versionen

Stand 2026: Kriterien nach ICHD-3 (8.2, 8.2.1, 8.2.2, am Original geprüft, auch die abweichende Nummer „3.3“ in der Quelle vermerkt); Einordnung der EFNS-Aussage von 2006; alter Text unverändert
Formulierung vorsichtiger: beide Quellen nebeneinander statt eigenem Urteil
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'''Wann die Klassifikation von einem Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch spricht:''' Nach der 3. Auflage der internationalen Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3) setzt die Diagnose voraus, dass jemand mit einer bekannten Kopfschmerzerkrankung an mindestens 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen hat und seit mehr als 3 Monaten regelmäßig zu viele Kopfschmerzmittel nimmt. Bei Triptanen gilt als zu viel: an mindestens 10 Tagen im Monat, egal ob als Spritze, Nasenspray oder Tablette. Für Ergotamin gilt dieselbe Grenze.<ref name="ICHD3MOH">ICHD-3, deutsche Fassung, am 23.09.2026 gelesen: [https://ichd-3.org/de/8-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-eine-substanz-oder-deren-entzug/8-2-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-einen-medikamentenuebergebrauch/ 8.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen Medikamentenübergebrauch], [https://ichd-3.org/de/8-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-eine-substanz-oder-deren-entzug/8-2-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-einen-medikamentenuebergebrauch/8-2-2-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-einen-triptanuebergebrauch/ 8.2.2 Triptanübergebrauch] und 8.2.1 Ergotaminübergebrauch. Im Wortlaut: „Kopfschmerz an ≥15 Tagen/Monat bei einem Patienten mit einer vorbestehenden Kopfschmerzerkrankung“; „Regelmäßiger Übergebrauch für >3 Monate eines oder mehrerer Medikamente, die zur Akuttherapie oder symptomatischen Behandlung von Kopfschmerzen eingesetzt werden können“; 8.2.2: „Regelmäßige Einnahme eines oder verschiedener Triptane (jede Darreichungsform) an ≥10 Tagen/Monat für >3 Monate.“; 8.2.1: „Regelmäßige Ergotamineinnahme an ≥10 Tagen/Monat für >3 Monate.“; Kommentar zu 8.2: „Patienten mit einer primären Kopfschmerzerkrankung haben meist 1. Migräne oder 2. Kopfschmerz vom Spannungstyp (oder beides); nur eine kleine Minderheit hat andere primäre Kopfschmerzerkrankungen wie 3.3 Clusterkopfschmerz oder 4.10 neu aufgetretener täglicher anhaltender Kopfschmerz.“ Die [https://ichd-3.org/8-headache-attributed-to-a-substance-or-its-withdrawal/8-2-medication-overuse-headache-moh/ englische Originalfassung] schreibt an dieser Stelle „3.3 Chronic cluster headache“. Die Nummer 3.3 steht in der ICHD-3 sonst für SUNCT und SUNA; der chronische Cluster-Kopfschmerz ist 3.1.2. Die Nummer ist hier wiedergegeben, wie sie in der Quelle steht.</ref>
'''Wann die Klassifikation von einem Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch spricht:''' Nach der 3. Auflage der internationalen Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3) setzt die Diagnose voraus, dass jemand mit einer bekannten Kopfschmerzerkrankung an mindestens 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen hat und seit mehr als 3 Monaten regelmäßig zu viele Kopfschmerzmittel nimmt. Bei Triptanen gilt als zu viel: an mindestens 10 Tagen im Monat, egal ob als Spritze, Nasenspray oder Tablette. Für Ergotamin gilt dieselbe Grenze.<ref name="ICHD3MOH">ICHD-3, deutsche Fassung, am 23.09.2026 gelesen: [https://ichd-3.org/de/8-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-eine-substanz-oder-deren-entzug/8-2-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-einen-medikamentenuebergebrauch/ 8.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen Medikamentenübergebrauch], [https://ichd-3.org/de/8-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-eine-substanz-oder-deren-entzug/8-2-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-einen-medikamentenuebergebrauch/8-2-2-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-einen-triptanuebergebrauch/ 8.2.2 Triptanübergebrauch] und 8.2.1 Ergotaminübergebrauch. Im Wortlaut: „Kopfschmerz an ≥15 Tagen/Monat bei einem Patienten mit einer vorbestehenden Kopfschmerzerkrankung“; „Regelmäßiger Übergebrauch für >3 Monate eines oder mehrerer Medikamente, die zur Akuttherapie oder symptomatischen Behandlung von Kopfschmerzen eingesetzt werden können“; 8.2.2: „Regelmäßige Einnahme eines oder verschiedener Triptane (jede Darreichungsform) an ≥10 Tagen/Monat für >3 Monate.“; 8.2.1: „Regelmäßige Ergotamineinnahme an ≥10 Tagen/Monat für >3 Monate.“; Kommentar zu 8.2: „Patienten mit einer primären Kopfschmerzerkrankung haben meist 1. Migräne oder 2. Kopfschmerz vom Spannungstyp (oder beides); nur eine kleine Minderheit hat andere primäre Kopfschmerzerkrankungen wie 3.3 Clusterkopfschmerz oder 4.10 neu aufgetretener täglicher anhaltender Kopfschmerz.“ Die [https://ichd-3.org/8-headache-attributed-to-a-substance-or-its-withdrawal/8-2-medication-overuse-headache-moh/ englische Originalfassung] schreibt an dieser Stelle „3.3 Chronic cluster headache“. Die Nummer 3.3 steht in der ICHD-3 sonst für SUNCT und SUNA; der chronische Cluster-Kopfschmerz ist 3.1.2. Die Nummer ist hier wiedergegeben, wie sie in der Quelle steht.</ref>


'''Wie häufig der Cluster-Kopfschmerz betroffen ist:''' Die ICHD-3 schreibt, die meisten Betroffenen hätten eine Migräne oder einen Kopfschmerz vom Spannungstyp; nur eine kleine Minderheit habe andere primäre Kopfschmerzerkrankungen wie den chronischen Cluster-Kopfschmerz.<ref name="ICHD3MOH"/> Das passt zu der Beobachtung von 2006 oben, dass vor allem Menschen mit Cluster-Kopfschmerz und eigener oder familiärer Migräne betroffen waren. Die Aussage der EFNS-Leitlinie von 2006 oben, bei Cluster-Kopfschmerz trete durch Triptane kein Kopfschmerz durch Übergebrauch auf, ist damit so allgemein nicht zu halten.
'''Wie häufig der Cluster-Kopfschmerz betroffen ist:''' Die ICHD-3 schreibt, die meisten Betroffenen hätten eine Migräne oder einen Kopfschmerz vom Spannungstyp; nur eine kleine Minderheit habe andere primäre Kopfschmerzerkrankungen wie den chronischen Cluster-Kopfschmerz.<ref name="ICHD3MOH"/> Das passt zu der Beobachtung von 2006 oben, dass vor allem Menschen mit Cluster-Kopfschmerz und eigener oder familiärer Migräne betroffen waren. Beide Quellen zeigen: Beim Cluster-Kopfschmerz kommt ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch vor, wenn auch nur bei einer kleinen Minderheit. Die Aussage der EFNS-Leitlinie von 2006 oben, er trete nicht auf, beschreibt das also nicht vollständig.


'''Ein Sonderfall ist Ergotamin:''' Nach seiner Fachinformation kann eine regelmäßige Einnahme von mehr als 20 mg im Monat zu Dauerkopfschmerzen führen; siehe [[Ergotamin]].<ref name="ERGOFIMOH">[https://www.krewelmeuselbach.de/de/pdf/figihwg/fi_ergo_kranit.pdf Fachinformation Ergo-Kranit Migräne 2 mg Tabletten (Ergotamintartrat)], Stand der Information Februar 2023, am 23.09.2026 gelesen. 4.1: „Behandlung von Migräne-Anfällen (insbesondere sehr lange Anfälle), wenn andere Therapien nicht wirksam oder nicht indiziert sind.“ 4.2: höchstens 2 Tabletten (4 mg) pro Anfall oder Tag; „Die wöchentliche Höchstdosis beträgt 3 Tabletten (entspr. 6 mg Ergotamintartrat).“ 4.3 Gegenanzeigen u. a.: Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Bluthochdruck, periphere arterielle Gefäßerkrankungen, schwere Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Therapie mit Tetracyclinen, „gleichzeitige Therapie mit Beta-Blockern“, „gleichzeitige Therapie mit starken Cytochrom P450 3A4 (CYP3A4)-Hemmern, wie z. B. Makrolidantibiotika (außer Spiramycin), HIV-Proteinase-Hemmern oder Inhibitoren der Reversen-Transkriptase und Azol-Antimykotika“, „gleichzeitige Therapie mit anderen Vasokonstriktoren einschließlich Ergot-Alkaloide, 5-HT1-Rezeptor-Agonisten (z. B. Sumatriptan), Nikotin (z. B. durch starkes Rauchen) und Sympathomimetika“, Schwangerschaft und Stillzeit, „Kinder unter 16 Jahren und Patienten über 65 Jahren“. 4.5: CYP3A4-Hemmer führen zu „einer erhöhten Ergotamin-Exposition … mit einem verstärkten Auftreten von Ergotismus (Vasospasmen, Ischämien der Extremitäten und weiteren Geweben)“; „Die gleichzeitige Einnahme von Metoclopramid verbessert die Resorption von Ergotamin.“ 4.8: häufig Übelkeit, Erbrechen, Diarrhöen; gelegentlich Benommenheit, Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Krämpfe, Muskelschwäche, Muskelschmerzen und Parästhesien; selten Herzschmerzen und kurzfristige Tachy- oder Bradykardien; sehr selten medikamenteninduzierte Fibrosen; nach Langzeitbehandlung Durchblutungsstörungen bis zum Gefäßverschluss mit Gangrän; „Eine regelmäßige Einnahme von mehr als 20 mg Ergotamin pro Monat kann zu Dauerkopfschmerzen führen.“ 5.1: „Ergotamin ist ein natürlich vorkommendes Mutterkornalkaloid mit α-adrenerger, überwiegend vasokonstriktorischer Wirkung auf venöse und arterielle Gefäße.“ Verapamil wird nicht genannt.</ref>
'''Ein Sonderfall ist Ergotamin:''' Nach seiner Fachinformation kann eine regelmäßige Einnahme von mehr als 20 mg im Monat zu Dauerkopfschmerzen führen; siehe [[Ergotamin]].<ref name="ERGOFIMOH">[https://www.krewelmeuselbach.de/de/pdf/figihwg/fi_ergo_kranit.pdf Fachinformation Ergo-Kranit Migräne 2 mg Tabletten (Ergotamintartrat)], Stand der Information Februar 2023, am 23.09.2026 gelesen. 4.1: „Behandlung von Migräne-Anfällen (insbesondere sehr lange Anfälle), wenn andere Therapien nicht wirksam oder nicht indiziert sind.“ 4.2: höchstens 2 Tabletten (4 mg) pro Anfall oder Tag; „Die wöchentliche Höchstdosis beträgt 3 Tabletten (entspr. 6 mg Ergotamintartrat).“ 4.3 Gegenanzeigen u. a.: Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Bluthochdruck, periphere arterielle Gefäßerkrankungen, schwere Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Therapie mit Tetracyclinen, „gleichzeitige Therapie mit Beta-Blockern“, „gleichzeitige Therapie mit starken Cytochrom P450 3A4 (CYP3A4)-Hemmern, wie z. B. Makrolidantibiotika (außer Spiramycin), HIV-Proteinase-Hemmern oder Inhibitoren der Reversen-Transkriptase und Azol-Antimykotika“, „gleichzeitige Therapie mit anderen Vasokonstriktoren einschließlich Ergot-Alkaloide, 5-HT1-Rezeptor-Agonisten (z. B. Sumatriptan), Nikotin (z. B. durch starkes Rauchen) und Sympathomimetika“, Schwangerschaft und Stillzeit, „Kinder unter 16 Jahren und Patienten über 65 Jahren“. 4.5: CYP3A4-Hemmer führen zu „einer erhöhten Ergotamin-Exposition … mit einem verstärkten Auftreten von Ergotismus (Vasospasmen, Ischämien der Extremitäten und weiteren Geweben)“; „Die gleichzeitige Einnahme von Metoclopramid verbessert die Resorption von Ergotamin.“ 4.8: häufig Übelkeit, Erbrechen, Diarrhöen; gelegentlich Benommenheit, Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Krämpfe, Muskelschwäche, Muskelschmerzen und Parästhesien; selten Herzschmerzen und kurzfristige Tachy- oder Bradykardien; sehr selten medikamenteninduzierte Fibrosen; nach Langzeitbehandlung Durchblutungsstörungen bis zum Gefäßverschluss mit Gangrän; „Eine regelmäßige Einnahme von mehr als 20 mg Ergotamin pro Monat kann zu Dauerkopfschmerzen führen.“ 5.1: „Ergotamin ist ein natürlich vorkommendes Mutterkornalkaloid mit α-adrenerger, überwiegend vasokonstriktorischer Wirkung auf venöse und arterielle Gefäße.“ Verapamil wird nicht genannt.</ref>