Nitroglyzerin-Provokationstest: Unterschied zwischen den Versionen
Cezary (Diskussion | Beiträge) Neuer Abschnitt „Wissensstand 2026“: EAN-Leitlinie 2023 und ICHD-3 nachgetragen (Test als Diagnostik nicht erwähnt, Diagnose klinisch), erste placebokontrollierte Fassung des Tests (Wei/Goadsby 2021: 76 % gegen 4 % Scheinbehandlung), heutige Verwendung in der Forschung, CGRP-Infusion als Nachfolger (Vollesen 2018), Christiansen 2000 zur Abgrenzung, Übersichtstabelle aller Trefferquoten. Bei Sances: Anmerkung zur Rechnung 26 von 31 / 80,6 % sowie Sensitivität, Spezifität und Treffergenauigkeit au |
Cezary (Diskussion | Beiträge) Einleitung: die Aussage zu den Leitlinien datiert (DMKG 2005, DGN 2015, EFNS 2006) und um die EAN-Leitlinie 2023 ergänzt; das Klassifikationszitat als zweite Ausgabe von 2004 gekennzeichnet, mit Verweis auf die dritte Ausgabe. Bestehender Text unverändert |
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Ethisch umstritten und nicht zu 100% zuverlässig ist der '''Nitroglyzerin-Provokationstest'''. Während einer Clusterperiode kann bei 70 – 80 % der Patienten eine Clusterattacke durch Gabe von sublingualem Nitroglyzerin ([http://de.wikipedia.org/wiki/Glycerintrinitrat Glycerintrinitrat]) ausgelöst werden. Für eine erfolgreiche Provokation einer solchen [http://de.wikipedia.org/wiki/Iatrogen iatrogen] ausgelösten Attacke ist es erforderlich, dass innerhalb der letzten acht Stunden keine Attacke aufgetreten ist, dass innerhalb der letzten 24 Stunden keine Adern verengenden Substanzen eingenommen wurden und dass keine medikamentöse Prophylaxe betrieben wird. Nach Gabe von 1 mg Nitroglyzerin sublingual lässt sich dann oft, aber nicht bei allen Patienten, innerhalb von 30 bis 60 Minuten die Attacke auslösen.<ref>DMKG - Die Therapie des Cluster-Kopfschmerzes (1998)</ref> Der Test wird als positiv angesehen, wenn die dadurch verursachte Attacke den klinisch spontanen Clusterattacken entspricht. Der Nitroglyzerin-Test lässt sich nicht einsetzen, wenn sich der Patient in einer Remissionsphase befindet. Auch Migräneattacken können durch einen solchen Nitroglyzerin-Test ausgelöst werden.<ref name="PETERS">Peters, GA.: Migraine: diagnosis and treatment with emphasis on the migraine-tension head-ache, provocative tests and use of rectal suppositories. ''Proc Staff Meet Mayo Clin.'' 1953; '''28'''(24): 673-86. PMID 13121092.</ref><ref name="SAN">Sances G, Tassorelli C, Pucci E, Ghiotto N, Sandrini G, Nappi G.: Reliability of the nitroglycerin provocative test in the diagnosis of neurovascular headaches. ''Cephalalgia.'' 2004 Feb; '''24'''(2): 110-9. PMID 14728706.</ref> Der Nitroglyzerin-Provokationstest wird in den aktuellen Leitlinien der DMKG,<ref name="DMKG">{{cite journal |author=May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC |title=Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft |journal=Schmerz |volume=19 |issue=3 |pages=225–41 |year=2005 |month=June |pmid=15887001 |doi=10.1007/s00482-005-0397-8 |url=}} [http://web.archive.org/web/20151106202717/http://www.dmkg.de/dmkg/sites/default/files/therapieempfehlung%20clusterkopfschmerz.pdf DMKG: PDF-Datei]</ref> der DGN<ref name="DG">Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - [http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-036.html Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]</ref> und der EFNS<ref>May A, Leone M, Áfra J, Linde M, Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. ''European Journal of Neurology.'' 2006; '''13''': 1066–1077. PMID 16987158, [http://www.efns.org/fileadmin/user_upload/guidline_papers/EFNS_guideline_2006_cluster_headache_and_other_trigeminal_autonomic.pdf PDF-Datei]. [http://dx.doi.org/10.1111/j.1468-1331.2006.01566.x DOI]</ref> nicht mehr erwähnt. | Ethisch umstritten und nicht zu 100% zuverlässig ist der '''Nitroglyzerin-Provokationstest'''. Während einer Clusterperiode kann bei 70 – 80 % der Patienten eine Clusterattacke durch Gabe von sublingualem Nitroglyzerin ([http://de.wikipedia.org/wiki/Glycerintrinitrat Glycerintrinitrat]) ausgelöst werden. Für eine erfolgreiche Provokation einer solchen [http://de.wikipedia.org/wiki/Iatrogen iatrogen] ausgelösten Attacke ist es erforderlich, dass innerhalb der letzten acht Stunden keine Attacke aufgetreten ist, dass innerhalb der letzten 24 Stunden keine Adern verengenden Substanzen eingenommen wurden und dass keine medikamentöse Prophylaxe betrieben wird. Nach Gabe von 1 mg Nitroglyzerin sublingual lässt sich dann oft, aber nicht bei allen Patienten, innerhalb von 30 bis 60 Minuten die Attacke auslösen.<ref>DMKG - Die Therapie des Cluster-Kopfschmerzes (1998)</ref> Der Test wird als positiv angesehen, wenn die dadurch verursachte Attacke den klinisch spontanen Clusterattacken entspricht. Der Nitroglyzerin-Test lässt sich nicht einsetzen, wenn sich der Patient in einer Remissionsphase befindet. Auch Migräneattacken können durch einen solchen Nitroglyzerin-Test ausgelöst werden.<ref name="PETERS">Peters, GA.: Migraine: diagnosis and treatment with emphasis on the migraine-tension head-ache, provocative tests and use of rectal suppositories. ''Proc Staff Meet Mayo Clin.'' 1953; '''28'''(24): 673-86. PMID 13121092.</ref><ref name="SAN">Sances G, Tassorelli C, Pucci E, Ghiotto N, Sandrini G, Nappi G.: Reliability of the nitroglycerin provocative test in the diagnosis of neurovascular headaches. ''Cephalalgia.'' 2004 Feb; '''24'''(2): 110-9. PMID 14728706.</ref> Der Nitroglyzerin-Provokationstest wird in den aktuellen Leitlinien der DMKG,<ref name="DMKG">{{cite journal |author=May A, Evers S, Straube A, Pfaffenrath V, Diener HC |title=Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft |journal=Schmerz |volume=19 |issue=3 |pages=225–41 |year=2005 |month=June |pmid=15887001 |doi=10.1007/s00482-005-0397-8 |url=}} [http://web.archive.org/web/20151106202717/http://www.dmkg.de/dmkg/sites/default/files/therapieempfehlung%20clusterkopfschmerz.pdf DMKG: PDF-Datei]</ref> der DGN<ref name="DG">Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und dem Berufsverband deutscher Neurologen. Stand: 14.05.2015, gültig bis 13.05.2020. - [http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-036.html Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften]</ref> und der EFNS<ref>May A, Leone M, Áfra J, Linde M, Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. ''European Journal of Neurology.'' 2006; '''13''': 1066–1077. PMID 16987158, [http://www.efns.org/fileadmin/user_upload/guidline_papers/EFNS_guideline_2006_cluster_headache_and_other_trigeminal_autonomic.pdf PDF-Datei]. [http://dx.doi.org/10.1111/j.1468-1331.2006.01566.x DOI]</ref> nicht mehr erwähnt. ''Zum Stand dieser Aussage:'' Gemeint sind die DMKG-Empfehlungen von 2005, die deutschsprachige Leitlinie mit Stand 14.05.2015 und die EFNS-Leitlinie von 2006. Alle drei sind inzwischen selbst überholt — die heute maßgebliche Leitlinie der European Academy of Neurology von 2023 erwähnt den Test ebenfalls nicht, und die Diagnose wird dort ausdrücklich als klinische Diagnose beschrieben. Einzelheiten im Abschnitt [[#Wissensstand 2026|Wissensstand 2026]]. | ||
Zitat aus der IHS-ICHD-II Klassifikation 3.1:<ref name="IHS">[http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/03.01.00_cluster.html IHS/ICHD-II Klassifikation ''3.1 Cluster-Kopfschmerz'']</ref> "Während einer Clusterperiode und bei der chronischen Verlaufsform können Attacken regelmäßig durch Alkohol, Histamin oder Nitroglyzerin ausgelöst werden." | Zitat aus der IHS-ICHD-II Klassifikation 3.1 — das ist die '''zweite''' Ausgabe von 2004; die heute gültige dritte Ausgabe führt den Satz sinngleich weiter, siehe [[#Was aus den Leitlinien geworden ist|unten]]:<ref name="IHS">[http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/02_teil1/03.01.00_cluster.html IHS/ICHD-II Klassifikation ''3.1 Cluster-Kopfschmerz'']</ref> "Während einer Clusterperiode und bei der chronischen Verlaufsform können Attacken regelmäßig durch Alkohol, Histamin oder Nitroglyzerin ausgelöst werden." | ||
Nachfolgend einige gesammelte Informationen zum Nitroglyzerin-Provokationstest. | Nachfolgend einige gesammelte Informationen zum Nitroglyzerin-Provokationstest. | ||
== Peters == | == Peters == | ||