Trigeminusneuralgie: Unterschied zwischen den Versionen

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→Externe Links: http://www.dgnc.de/dgnc-homepage/patienteninformationen/trigeminusneuralgie.html
 
Stand 2026 ergänzt: ICHD-3 (13.1.1 mit drei Formen), Abweichungen zum Text von 2016 benannt, Abgrenzung zu Cluster-Kopfschmerz und SUNCT, Cluster-Tic-Syndrom (ICHD-3 und Wilbrink 2013 nebeneinander), EAN-Leitlinie 2019, deutsche S1-Leitlinie 2023, Zulassung (Ruscheweyh 2024) mit Rechtshinweis; 5 tote Links einzeln geprüft und gekennzeichnet, neue DGNC-Adresse und DOI ergänzt
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Bei der '''klassischen Trigeminusneuralgie''' (Tic douloureux) handelt es sich um schlagartig einsetzende, streng einseitige, heftigste Schmerzen im Ausbreitungsbereich des Trigeminusnervs. Der Schmerz wird gewöhnlich durch Reize wie Waschen, Rasieren, Rauchen, Sprechen oder Zähneputzen ausgelöst, kann aber auch häufig spontan auftreten. Im Gegensatz zum Cluster-Kopfschmerz hält sich die Schmerzausstrahlung streng an die Versorgungsgebiete der drei Trigeminusäste. Das typische Erkrankungsalter liegt in der 5.-7. Lebensdekade. Insbesondere die symptomatische Trigeminusneuralgie kann aber auch im frühen Erwachsenenalter auftreten. Die '''symptomatische Trigeminusneuralgie''' unterscheidet sich im Schmerz nicht von der klassischen Trigeminusneuralgie, sie wird aber durch eine andere nachweisbare strukturelle Schädigung ([http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A4sion Läsion]) als durch eine Gefäßkompression hervorgerufen. In der IHS-ICHD-II Klassifikation werden Neuralgien im [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/04_teil3/ Teil 3] beschrieben.
Bei der '''klassischen Trigeminusneuralgie''' (Tic douloureux) handelt es sich um schlagartig einsetzende, streng einseitige, heftigste Schmerzen im Ausbreitungsbereich des Trigeminusnervs. Der Schmerz wird gewöhnlich durch Reize wie Waschen, Rasieren, Rauchen, Sprechen oder Zähneputzen ausgelöst, kann aber auch häufig spontan auftreten. Im Gegensatz zum Cluster-Kopfschmerz hält sich die Schmerzausstrahlung streng an die Versorgungsgebiete der drei Trigeminusäste. Das typische Erkrankungsalter liegt in der 5.-7. Lebensdekade. Insbesondere die symptomatische Trigeminusneuralgie kann aber auch im frühen Erwachsenenalter auftreten. Die '''symptomatische Trigeminusneuralgie''' unterscheidet sich im Schmerz nicht von der klassischen Trigeminusneuralgie, sie wird aber durch eine andere nachweisbare strukturelle Schädigung ([http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A4sion Läsion]) als durch eine Gefäßkompression hervorgerufen. In der IHS-ICHD-II Klassifikation werden Neuralgien im [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/04_teil3/ Teil 3] beschrieben. ''(Link am 23.09.2026 geprüft: Die Adresse meldet den Fehler 404, das Dokument ist dort nicht mehr abrufbar.)'' ''Heute gilt die ICHD-3, siehe [[#Stand 2026: Trigeminusneuralgie nach ICHD-3 und den aktuellen Leitlinien|Stand 2026]].''


* Schmerzdauer: Wenige Sekunden  
* Schmerzdauer: Wenige Sekunden  
* Schmerzfrequenz: Bis zu 100-mal pro Tag
* Schmerzfrequenz: Bis zu 100-mal pro Tag


Schmerzen, die durch Schädigung des Trigeminusnerven auftreten, z.B. nach Operationen an den Zähnen oder den Nasennebenhöhlen, nach Verletzungen (z.B. Mittelgesichtsfrakturen oder bei entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparats oder der Nebenhöhlen werden auch als '''Trigeminusneuropathie''' bezeichnet.<ref>[http://www.dgnc.de/dgnc-homepage/patienteninformationen/trigeminusneuralgie.html Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie: Medizinische Informationen für Patienten - Trigeminusneuralgie]</ref>
Schmerzen, die durch Schädigung des Trigeminusnerven auftreten, z.B. nach Operationen an den Zähnen oder den Nasennebenhöhlen, nach Verletzungen (z.B. Mittelgesichtsfrakturen oder bei entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparats oder der Nebenhöhlen werden auch als '''Trigeminusneuropathie''' bezeichnet.<ref>[http://www.dgnc.de/dgnc-homepage/patienteninformationen/trigeminusneuralgie.html Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie: Medizinische Informationen für Patienten - Trigeminusneuralgie] ''(Link am 23.09.2026 geprüft: Die alte Adresse führt nur noch auf die Startseite der DGNC. Die Patienteninformation steht heute unter [https://dgnc.de/patienteninformationen/trigeminusneuralgie dgnc.de/patienteninformationen/trigeminusneuralgie].)''</ref>
 
== Stand 2026: Trigeminusneuralgie nach ICHD-3 und den aktuellen Leitlinien ==
''Ergänzt am 23.09.2026. Der Text oben stammt aus dem Jahr 2016 und bleibt stehen. Wo er von den heutigen Quellen abweicht, steht das hier ausdrücklich. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Untersuchung.''
 
=== Was eine Trigeminusneuralgie ausmacht ===
Der Trigeminusnerv ist für das Gefühl im Gesicht, in den Schleimhäuten von Mund und Nase und in der Hornhaut des Auges zuständig.<ref name="DGNCTN">[https://dgnc.de/patienteninformationen/trigeminusneuralgie Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie: Patienteninformation Trigeminusneuralgie.] Im Wortlaut: „Typischerweise tritt die Erkrankung in höherem Lebensalter (ab 50 Jahren) und meist nur einseitig auf. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer (5 bzw. 3/100.000/Jahr).“ Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.</ref> Die Internationale Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3, Nummer 13.1.1) beschreibt die Trigeminusneuralgie so:<ref name="ICHD3TN">[https://ichd-3.org/de/13-schmerzhafte-laesionen-der-hirnnerven-und-andere-gesichtsschmerzen/13-1-schmerzen-zurueckzufuehren-auf-eine-laesion-oder-erkrankung-des-n-trigeminus/13-1-1-trigeminusneuralgie/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 13.1.1 Trigeminusneuralgie.] Im Wortlaut: „Dauer zwischen einem Sekundenbruchteil bis zu 2 Minuten“; „Es können leichte autonome Symptome wie ein Tränen und/oder eine Rötung des ipsilateralen Auges vorliegen. Einem schmerzhaften Paroxysmus folgt gewöhnlich eine refraktäre Phase, in der keine Schmerzen ausgelöst werden können.“ Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.</ref>
* kurze, einseitige Schmerzattacken, „stromstoßartig, einschießend, stechend oder scharf“, im Gebiet eines oder mehrerer der drei Äste des Trigeminusnervs,
* jede Attacke dauert zwischen einem Sekundenbruchteil und 2 Minuten, die Schmerzen sind stark,
* die Attacken werden durch harmlose Reize im betroffenen Gebiet ausgelöst (zum Beispiel Berührung). Einzelne Attacken können auch spontan wirken,
* nach einer Attacke lässt sich meist eine Zeit lang kein Schmerz auslösen (Fachwort: refraktäre Phase),
* leichte Begleitzeichen wie Tränen oder ein gerötetes Auge auf der Schmerzseite sind möglich.
Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt aus der Schilderung und der Untersuchung. Weitere Untersuchungen dienen dazu, eine Ursache zu finden.<ref name="ICHD3TN"/>
 
'''Drei Formen nach ICHD-3:'''
* '''Klassische''' Trigeminusneuralgie: Ein Blutgefäß drückt auf die Nervenwurzel, und das hat die Wurzel sichtbar verändert (meist geschrumpft oder verdrängt). Das muss im MRT oder bei einer Operation nachgewiesen sein. Eine bloße Berührung von Gefäß und Nerv reicht nicht.<ref name="ICHD3TNK">[https://ichd-3.org/de/13-schmerzhafte-laesionen-der-hirnnerven-und-andere-gesichtsschmerzen/13-1-schmerzen-zurueckzufuehren-auf-eine-laesion-oder-erkrankung-des-n-trigeminus/13-1-1-trigeminusneuralgie/13-1-1-1-klassische-trigeminusneuralgie/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 13.1.1.1 Klassische Trigeminusneuralgie.] Kriterium: „Nachweis einer neurovaskulären Kompression (nicht nur Kontakt) mittels MRT oder während eines chirurgischen Eingriffs, mit morphologischen Veränderungen in der Wurzel des Trigeminusnervs“ (Anmerkung: „Üblicherweise Atrophie oder Verdrängung“). Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.</ref>
* '''Sekundäre''' Trigeminusneuralgie: Eine andere Erkrankung ist die Ursache, zum Beispiel ein Tumor im Kleinhirnbrückenwinkel, eine Gefäßfehlbildung (AV-Malformation) oder Multiple Sklerose.<ref name="ICHD3TNS">[https://ichd-3.org/de/13-schmerzhafte-laesionen-der-hirnnerven-und-andere-gesichtsschmerzen/13-1-schmerzen-zurueckzufuehren-auf-eine-laesion-oder-erkrankung-des-n-trigeminus/13-1-1-trigeminusneuralgie/13-1-1-2-sekundaere-trigeminusneuralgie/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 13.1.1.2 Sekundäre Trigeminusneuralgie.] Im Wortlaut: „Zu den anerkannten Ursachen zählen ein Tumor im Kleinhirnbrückenwinkel, eine AV-Malformation und Multiple Sklerose.“ Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.</ref> Die Beschreibung der „symptomatischen Trigeminusneuralgie“ im Text oben entspricht dieser heutigen sekundären Form.
* '''Idiopathische''' Trigeminusneuralgie: Weder MRT noch elektrophysiologische Tests (Messungen der Nervenleitung) zeigen eine klassische oder sekundäre Ursache. Wichtig: Dass ein Blutgefäß den Nerv berührt, ist laut ICHD-3 auch bei Gesunden ein gängiger Befund.<ref name="ICHD3TNI">[https://ichd-3.org/de/13-schmerzhafte-laesionen-der-hirnnerven-und-andere-gesichtsschmerzen/13-1-schmerzen-zurueckzufuehren-auf-eine-laesion-oder-erkrankung-des-n-trigeminus/13-1-1-trigeminusneuralgie/13-1-1-3-idiopathische-trigeminusneuralgie/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 13.1.1.3 Idiopathische Trigeminusneuralgie.] Im Wortlaut: „Ein Kontakt zwischen einem Blutgefäß und dem Trigeminusnerv und/oder der Wurzel des Trigeminusnervs ist bei bildgebenden Untersuchungen an gesunden Probanden ein gängiger Befund.“ Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.</ref>
Jede Form kann rein anfallsartig (paroxysmal) sein oder zusätzlich mit einem Dauerschmerz einhergehen.<ref name="ICHD3TN"/>
 
=== Wo der ältere Text oben von den heutigen Quellen abweicht ===
* '''Dauer:''' Oben steht „wenige Sekunden“. Nach ICHD-3 dauert eine Attacke einen Sekundenbruchteil bis 2 Minuten; bei einer Minderheit meist länger als 2 Minuten, und die Attacken können im Lauf der Zeit länger werden.<ref name="ICHD3TN"/>
* '''Häufigkeit:''' Oben steht „bis zu 100-mal pro Tag“, ohne Quelle. Die ICHD-3-Kriterien legen keine Zahl von Attacken pro Tag fest.<ref name="ICHD3TN"/>
* '''Alter:''' Oben steht „5.–7. Lebensdekade“ (also etwa 40 bis 69 Jahre), ohne Quelle. Die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie schreibt: typischerweise „ab 50 Jahren“; Frauen sind etwas häufiger betroffen (5 von 100.000 Frauen und 3 von 100.000 Männern erkranken pro Jahr).<ref name="DGNCTN"/>
* '''Namen der Formen:''' Aus „symptomatisch“ wurde „sekundär“; neu ist die „idiopathische“ Form (siehe oben).
* '''Klassifikation:''' Die Links oben führen noch zur alten Fassung ICHD-II und sind nicht mehr erreichbar. Die aktuelle Fassung ICHD-3 ist unten verlinkt.
 
=== Trigeminusneuralgie oder Cluster-Kopfschmerz? ===
Der wichtigste Unterschied ist die Dauer der einzelnen Attacke:
* '''Trigeminusneuralgie:''' Sekundenbruchteil bis 2 Minuten, ausgelöst durch harmlose Reize, höchstens leichte Begleitzeichen am Auge.<ref name="ICHD3TN"/>
* '''Cluster-Kopfschmerz:''' unbehandelt 15 bis 180 Minuten, um das Auge, über dem Auge und/oder an der Schläfe, mit Begleitzeichen auf der Schmerzseite (zum Beispiel tränendes, gerötetes Auge, laufende oder verstopfte Nase, hängendes Lid) und/oder körperlicher Unruhe.<ref name="ICHD3CL31">[https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-1-clusterkopfschmerz/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.1 Clusterkopfschmerz.] Kriterien: Attacken, „die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“, mit Begleitzeichen auf der Schmerzseite und/oder körperlicher Unruhe. Kommentar: „Es sind einige Patienten beschrieben worden, die sowohl einen 3.1 Clusterkopfschmerz als auch eine 13.1.1 Trigeminusneuralgie (mitunter Cluster-Tic-Syndrom genannt) aufwiesen. Diese Patienten sollten beide Diagnosen erhalten. Die Wichtigkeit dieser Beobachtung liegt darin, dass beide Erkrankungen separat behandelt werden müssen, um Schmerzfreiheit zu erreichen.“ Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.</ref>
* '''SUNCT/SUNA:''' ebenfalls sehr kurze Attacken (1 bis 600 Sekunden) mit Begleitzeichen auf der Schmerzseite – mehr dazu auf der Seite [[SUNCT-Syndrom]]. Laut ICHD-3 gibt es Menschen, bei denen sich SUNCT und Trigeminusneuralgie überschneiden; die Unterscheidung sei „klinisch komplex“, sie sollen beide Diagnosen erhalten.<ref name="ICHD3SUNCTTN">[https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-3-short-lasting-unilateral-neuralgiform-headache-attacks/3-3-1-short-lasting-unilateral-neuralgiform-headache-attacks-with-conjunctival-injection-and-tearing-sunct-syndrom/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.3.1 SUNCT-Syndrom.] Kommentar: „Es wurden Patienten beschrieben, bei denen sich eine Überschneidung zwischen 3.3.1 SUNCT-Syndrom und 13.1.1 Trigeminusneuralgie findet. Die Differenzierung ist klinisch komplex. Solche Patienten sollten beide Diagnosen erhalten.“ Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.</ref>
Eine Übersicht mit allen Kopfschmerzformen steht auf der Seite [[Differentialdiagnose]].
 
'''Beides zugleich: das „Cluster-Tic-Syndrom“.''' Manche Menschen haben sowohl einen Cluster-Kopfschmerz als auch eine Trigeminusneuralgie. Dazu gibt es zwei Sichtweisen:
* ICHD-3 schreibt, diese Patienten sollten beide Diagnosen erhalten, und beide Erkrankungen müssten getrennt behandelt werden, um Schmerzfreiheit zu erreichen.<ref name="ICHD3CL31"/>
* Eine Befragung von 244 Menschen mit Cluster-Kopfschmerz aus dem Leidener Forschungsprogramm (Wilbrink und Kollegen, 2013) fand bei 11 von ihnen (4,5 %, etwa 1 von 22) zusätzlich Attacken, die die Kriterien einer Trigeminusneuralgie erfüllten – immer auf derselben Seite wie der Cluster-Kopfschmerz, meist (bei 9 von 11) im ersten Ast, also an Stirn und Auge. Bei 8 der 11 schienen diese Attacken in Häufigkeit und zeitlichem Muster den Cluster-Episoden zu folgen. Nur bei 3 Personen (1,2 %) traten sie unabhängig davon auf. Die Forschenden halten solche Attacken deshalb meist für einen Teil des Cluster-Kopfschmerzes, die dann „wahrscheinlich“ nicht getrennt behandelt werden sollten.<ref name="WILBRINK2013">{{cite journal |author=Wilbrink LA, Weller CM, Cheung C, Haan J, Ferrari MD |title=Cluster-tic syndrome: a cross-sectional study of cluster headache patients |journal=Headache |volume=53 |issue=8 |pages=1334–1340 |year=2013 |pmid=23808839 |doi=10.1111/head.12161}} Im Wortlaut: „Trigeminal neuralgia (-like) attacks in cluster headache patients are most of the time part of the cluster headache spectrum and should then probably not be treated separately.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref>
Beide Aussagen stehen so nebeneinander. Was im Einzelfall gilt, klärt am besten eine Kopfschmerz-Spezialistin oder ein Kopfschmerz-Spezialist ([[Cluster-Kopfschmerz Ärzte und Kliniken|Ärzte und Kliniken]]).
 
=== Behandlung nach den Leitlinien ===
''Wichtig: Diese Empfehlungen gelten für die Trigeminusneuralgie, nicht für den Cluster-Kopfschmerz.''
 
'''Europäische Leitlinie (European Academy of Neurology, 2019):'''<ref name="EAN2019TN">{{cite journal |author=Bendtsen L, Zakrzewska JM, Abbott J u. a. |title=European Academy of Neurology guideline on trigeminal neuralgia |journal=Eur J Neurol |volume=26 |issue=6 |pages=831–849 |year=2019 |pmid=30860637 |doi=10.1111/ene.13950}} Im Wortlaut: „For long-term treatment, carbamazepine or oxcarbazepine are recommended as drugs of first choice.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref>
* Bei allen Betroffenen soll ein MRT gemacht werden (mit drei hochauflösenden Sequenzen), weil kein Krankheitszeichen eine sekundäre Trigeminusneuralgie sicher ausschließen kann.
* Ein Kontakt zwischen Gefäß und Nerv bestätigt die Diagnose nicht. Er hilft aber bei der Entscheidung, ob und wann eine Operation zur Entlastung des Nervs (mikrovaskuläre Dekompression) in Frage kommt.
* Zur Dauerbehandlung sind Carbamazepin oder Oxcarbazepin die Mittel der ersten Wahl. Lamotrigin, [[Gabapentin]], [[Botulinumtoxin]] Typ A, Pregabalin, [[Baclofen]] und Phenytoin können allein oder zusätzlich eingesetzt werden.
* Bei akuten Verschlechterungen kann Fosphenytoin oder [[Lidocain]] als Infusion in die Vene gegeben werden.
* Reichen die Medikamente nicht oder werden sie schlecht vertragen, soll eine Operation angeboten werden; bei der klassischen Form ist die mikrovaskuläre Dekompression die erste Wahl.
* Zusätzlich sollen Betroffene psychologische und pflegerische Unterstützung angeboten bekommen.
 
'''Deutsche Leitlinie:''' Die S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Trigeminusneuralgie“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft hat den Stand 06.10.2023 und gilt bis 05.10.2028.<ref name="AWMF030016">[https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-016 AWMF-Register 030-016: S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Trigeminusneuralgie.] Federführend: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG); Version 7.0, Stand 06.10.2023, gültig bis 05.10.2028. Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.</ref> Eine Zusammenfassung der Autorinnen und Autoren (Ruscheweyh und Kollegen, 2024) nennt zwei wichtige Punkte:<ref name="RUSCH2024">{{cite journal |author=Ruscheweyh R, Gierthmühlen J, Hedderich DM, Goßrau G, Leis S |title=Trigeminal neuralgia: drug therapy. The new German guideline |journal=Schmerz |volume=38 |issue=4 |pages=283–292 |year=2024 |pmid=38689064 |doi=10.1007/s00482-024-00810-4}} Deutschsprachiger Artikel; der Titel steht hier in der englischen Übersetzung, wie Europe PMC ihn führt. Laut Zusammenfassung sind Carbamazepin und Phenytoin in Deutschland die einzigen für die Trigeminusneuralgie zugelassenen Wirkstoffe; Schübe können die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme behindern und dadurch lebensbedrohlich werden. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref>
* Schwere Schübe können das Essen und Trinken so behindern, dass ein lebensbedrohlicher Zustand entsteht.
* In Deutschland sind nur Carbamazepin und Phenytoin für die Trigeminusneuralgie zugelassen. Wirken sie nicht ausreichend oder werden sie nicht vertragen, werden deshalb oft Mittel außerhalb ihrer Zulassung eingesetzt (Off-Label-Use, siehe [[Off-Label-Use beim Clusterkopfschmerz|Off-Label-Use]]).
''Der Hinweis zur Zulassung gibt Rechtsgrundlagen wieder und ist keine Rechtsberatung. Für den Einzelfall, etwa wenn die Krankenkasse ein Mittel nicht bezahlen will, helfen die Sozialverbände weiter — etwa der [https://www.vdk.de/ Sozialverband VdK Deutschland] oder der [https://www.sovd.de/ Sozialverband Deutschland (SoVD)].''
 
''Siehe auch:'' [[Differentialdiagnose]] · [[SUNCT-Syndrom]] · [[Cluster-Kopfschmerz und Zahnmedizin]] · [[Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Cluster-Mittel]]


== Literatur ==
== Literatur ==
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== Externe Links ==
== Externe Links ==
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* [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/04_teil3/13.01.01_facialpain.html IHS-ICHD-II 13.1 Trigeminusneuralgie]
* [http://ihs-classification.org/de/02_klassifikation/04_teil3/13.01.01_facialpain.html IHS-ICHD-II 13.1 Trigeminusneuralgie] ''(Link am 23.09.2026 geprüft: Die Adresse meldet den Fehler 404, das Dokument ist dort nicht mehr abrufbar.)''
*[http://www.dgn.org/leitlinien-online-2012/inhalte-nach-kapitel/2287-ll-58-2012-trigeminusneuralgie.html Leitlinie Trigeminusneuralgie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie 2012]
* [https://ichd-3.org/de/13-schmerzhafte-laesionen-der-hirnnerven-und-andere-gesichtsschmerzen/13-1-schmerzen-zurueckzufuehren-auf-eine-laesion-oder-erkrankung-des-n-trigeminus/13-1-1-trigeminusneuralgie/ ICHD-3 (deutsche Fassung): 13.1.1 Trigeminusneuralgie] – aktuelle Fassung
* [http://www.dgnc.de/dgnc-homepage/patienteninformationen/trigeminusneuralgie.html Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie: Medizinische Informationen für Patienten - Trigeminusneuralgie]
*[http://www.dgn.org/leitlinien-online-2012/inhalte-nach-kapitel/2287-ll-58-2012-trigeminusneuralgie.html Leitlinie Trigeminusneuralgie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie 2012] ''(Link am 23.09.2026 geprüft: Die Adresse meldet den Fehler 404, das Dokument ist dort nicht mehr abrufbar.)''
* [http://www.thieme-connect.de/ejournals/html/lro/doi/10.1055/s-2005-861141 H. Iro, F. Waldfahrer: Gestörte Sensibilität Trigeminus. ''Laryngorhinootologie'' 2005; '''84''': 179-193.]
* [https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-016 S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Trigeminusneuralgie (DGN/DMKG), Stand 06.10.2023, gültig bis 05.10.2028] – aktuelle Fassung im AWMF-Register
* [http://www.dgnc.de/dgnc-homepage/patienteninformationen/trigeminusneuralgie.html Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie: Medizinische Informationen für Patienten - Trigeminusneuralgie] ''(Link am 23.09.2026 geprüft: Die alte Adresse führt nur noch auf die Startseite der DGNC. Die Patienteninformation steht heute unter [https://dgnc.de/patienteninformationen/trigeminusneuralgie dgnc.de/patienteninformationen/trigeminusneuralgie].)''
* [http://www.thieme-connect.de/ejournals/html/lro/doi/10.1055/s-2005-861141 H. Iro, F. Waldfahrer: Gestörte Sensibilität Trigeminus. ''Laryngorhinootologie'' 2005; '''84''': 179-193.] ''(Link am 23.09.2026 geprüft: Die Adresse meldet den Fehler 404, das Dokument ist dort nicht mehr abrufbar.)'' ''Der Artikel ist über die DOI erreichbar: [https://doi.org/10.1055/s-2005-861141 doi:10.1055/s-2005-861141] (am 23.09.2026 bei Crossref geprüft).''
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Trigeminusneuralgie Wikipedia: Trigeminusneuralgie]
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Trigeminusneuralgie Wikipedia: Trigeminusneuralgie]
* Cruccu G, Gronseth G, Alksne J, Argoff C, Brainin M, Burchiel K, Nurmikko T, Zakrzewska JM.: AAN-EFNS guidelines on trigeminal neuralgia management. ''Eur J Neurol.'' 2008 Aug; '''15'''(10): 1013-28. PMID 18721143 [http://dx.doi.org/10.1111/j.1468-1331.2008.02185.x DOI.]
* Cruccu G, Gronseth G, Alksne J, Argoff C, Brainin M, Burchiel K, Nurmikko T, Zakrzewska JM.: AAN-EFNS guidelines on trigeminal neuralgia management. ''Eur J Neurol.'' 2008 Aug; '''15'''(10): 1013-28. PMID 18721143 [http://dx.doi.org/10.1111/j.1468-1331.2008.02185.x DOI.]

Version vom 23. September 2026, 02:16 Uhr

Bei der klassischen Trigeminusneuralgie (Tic douloureux) handelt es sich um schlagartig einsetzende, streng einseitige, heftigste Schmerzen im Ausbreitungsbereich des Trigeminusnervs. Der Schmerz wird gewöhnlich durch Reize wie Waschen, Rasieren, Rauchen, Sprechen oder Zähneputzen ausgelöst, kann aber auch häufig spontan auftreten. Im Gegensatz zum Cluster-Kopfschmerz hält sich die Schmerzausstrahlung streng an die Versorgungsgebiete der drei Trigeminusäste. Das typische Erkrankungsalter liegt in der 5.-7. Lebensdekade. Insbesondere die symptomatische Trigeminusneuralgie kann aber auch im frühen Erwachsenenalter auftreten. Die symptomatische Trigeminusneuralgie unterscheidet sich im Schmerz nicht von der klassischen Trigeminusneuralgie, sie wird aber durch eine andere nachweisbare strukturelle Schädigung (Läsion) als durch eine Gefäßkompression hervorgerufen. In der IHS-ICHD-II Klassifikation werden Neuralgien im Teil 3 beschrieben. (Link am 23.09.2026 geprüft: Die Adresse meldet den Fehler 404, das Dokument ist dort nicht mehr abrufbar.) Heute gilt die ICHD-3, siehe Stand 2026.

  • Schmerzdauer: Wenige Sekunden
  • Schmerzfrequenz: Bis zu 100-mal pro Tag

Schmerzen, die durch Schädigung des Trigeminusnerven auftreten, z.B. nach Operationen an den Zähnen oder den Nasennebenhöhlen, nach Verletzungen (z.B. Mittelgesichtsfrakturen oder bei entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparats oder der Nebenhöhlen werden auch als Trigeminusneuropathie bezeichnet.[1]

Stand 2026: Trigeminusneuralgie nach ICHD-3 und den aktuellen Leitlinien

Ergänzt am 23.09.2026. Der Text oben stammt aus dem Jahr 2016 und bleibt stehen. Wo er von den heutigen Quellen abweicht, steht das hier ausdrücklich. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Was eine Trigeminusneuralgie ausmacht

Der Trigeminusnerv ist für das Gefühl im Gesicht, in den Schleimhäuten von Mund und Nase und in der Hornhaut des Auges zuständig.[2] Die Internationale Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3, Nummer 13.1.1) beschreibt die Trigeminusneuralgie so:[3]

  • kurze, einseitige Schmerzattacken, „stromstoßartig, einschießend, stechend oder scharf“, im Gebiet eines oder mehrerer der drei Äste des Trigeminusnervs,
  • jede Attacke dauert zwischen einem Sekundenbruchteil und 2 Minuten, die Schmerzen sind stark,
  • die Attacken werden durch harmlose Reize im betroffenen Gebiet ausgelöst (zum Beispiel Berührung). Einzelne Attacken können auch spontan wirken,
  • nach einer Attacke lässt sich meist eine Zeit lang kein Schmerz auslösen (Fachwort: refraktäre Phase),
  • leichte Begleitzeichen wie Tränen oder ein gerötetes Auge auf der Schmerzseite sind möglich.

Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt aus der Schilderung und der Untersuchung. Weitere Untersuchungen dienen dazu, eine Ursache zu finden.[3]

Drei Formen nach ICHD-3:

  • Klassische Trigeminusneuralgie: Ein Blutgefäß drückt auf die Nervenwurzel, und das hat die Wurzel sichtbar verändert (meist geschrumpft oder verdrängt). Das muss im MRT oder bei einer Operation nachgewiesen sein. Eine bloße Berührung von Gefäß und Nerv reicht nicht.[4]
  • Sekundäre Trigeminusneuralgie: Eine andere Erkrankung ist die Ursache, zum Beispiel ein Tumor im Kleinhirnbrückenwinkel, eine Gefäßfehlbildung (AV-Malformation) oder Multiple Sklerose.[5] Die Beschreibung der „symptomatischen Trigeminusneuralgie“ im Text oben entspricht dieser heutigen sekundären Form.
  • Idiopathische Trigeminusneuralgie: Weder MRT noch elektrophysiologische Tests (Messungen der Nervenleitung) zeigen eine klassische oder sekundäre Ursache. Wichtig: Dass ein Blutgefäß den Nerv berührt, ist laut ICHD-3 auch bei Gesunden ein gängiger Befund.[6]

Jede Form kann rein anfallsartig (paroxysmal) sein oder zusätzlich mit einem Dauerschmerz einhergehen.[3]

Wo der ältere Text oben von den heutigen Quellen abweicht

  • Dauer: Oben steht „wenige Sekunden“. Nach ICHD-3 dauert eine Attacke einen Sekundenbruchteil bis 2 Minuten; bei einer Minderheit meist länger als 2 Minuten, und die Attacken können im Lauf der Zeit länger werden.[3]
  • Häufigkeit: Oben steht „bis zu 100-mal pro Tag“, ohne Quelle. Die ICHD-3-Kriterien legen keine Zahl von Attacken pro Tag fest.[3]
  • Alter: Oben steht „5.–7. Lebensdekade“ (also etwa 40 bis 69 Jahre), ohne Quelle. Die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie schreibt: typischerweise „ab 50 Jahren“; Frauen sind etwas häufiger betroffen (5 von 100.000 Frauen und 3 von 100.000 Männern erkranken pro Jahr).[2]
  • Namen der Formen: Aus „symptomatisch“ wurde „sekundär“; neu ist die „idiopathische“ Form (siehe oben).
  • Klassifikation: Die Links oben führen noch zur alten Fassung ICHD-II und sind nicht mehr erreichbar. Die aktuelle Fassung ICHD-3 ist unten verlinkt.

Trigeminusneuralgie oder Cluster-Kopfschmerz?

Der wichtigste Unterschied ist die Dauer der einzelnen Attacke:

  • Trigeminusneuralgie: Sekundenbruchteil bis 2 Minuten, ausgelöst durch harmlose Reize, höchstens leichte Begleitzeichen am Auge.[3]
  • Cluster-Kopfschmerz: unbehandelt 15 bis 180 Minuten, um das Auge, über dem Auge und/oder an der Schläfe, mit Begleitzeichen auf der Schmerzseite (zum Beispiel tränendes, gerötetes Auge, laufende oder verstopfte Nase, hängendes Lid) und/oder körperlicher Unruhe.[7]
  • SUNCT/SUNA: ebenfalls sehr kurze Attacken (1 bis 600 Sekunden) mit Begleitzeichen auf der Schmerzseite – mehr dazu auf der Seite SUNCT-Syndrom. Laut ICHD-3 gibt es Menschen, bei denen sich SUNCT und Trigeminusneuralgie überschneiden; die Unterscheidung sei „klinisch komplex“, sie sollen beide Diagnosen erhalten.[8]

Eine Übersicht mit allen Kopfschmerzformen steht auf der Seite Differentialdiagnose.

Beides zugleich: das „Cluster-Tic-Syndrom“. Manche Menschen haben sowohl einen Cluster-Kopfschmerz als auch eine Trigeminusneuralgie. Dazu gibt es zwei Sichtweisen:

  • ICHD-3 schreibt, diese Patienten sollten beide Diagnosen erhalten, und beide Erkrankungen müssten getrennt behandelt werden, um Schmerzfreiheit zu erreichen.[7]
  • Eine Befragung von 244 Menschen mit Cluster-Kopfschmerz aus dem Leidener Forschungsprogramm (Wilbrink und Kollegen, 2013) fand bei 11 von ihnen (4,5 %, etwa 1 von 22) zusätzlich Attacken, die die Kriterien einer Trigeminusneuralgie erfüllten – immer auf derselben Seite wie der Cluster-Kopfschmerz, meist (bei 9 von 11) im ersten Ast, also an Stirn und Auge. Bei 8 der 11 schienen diese Attacken in Häufigkeit und zeitlichem Muster den Cluster-Episoden zu folgen. Nur bei 3 Personen (1,2 %) traten sie unabhängig davon auf. Die Forschenden halten solche Attacken deshalb meist für einen Teil des Cluster-Kopfschmerzes, die dann „wahrscheinlich“ nicht getrennt behandelt werden sollten.[9]

Beide Aussagen stehen so nebeneinander. Was im Einzelfall gilt, klärt am besten eine Kopfschmerz-Spezialistin oder ein Kopfschmerz-Spezialist (Ärzte und Kliniken).

Behandlung nach den Leitlinien

Wichtig: Diese Empfehlungen gelten für die Trigeminusneuralgie, nicht für den Cluster-Kopfschmerz.

Europäische Leitlinie (European Academy of Neurology, 2019):[10]

  • Bei allen Betroffenen soll ein MRT gemacht werden (mit drei hochauflösenden Sequenzen), weil kein Krankheitszeichen eine sekundäre Trigeminusneuralgie sicher ausschließen kann.
  • Ein Kontakt zwischen Gefäß und Nerv bestätigt die Diagnose nicht. Er hilft aber bei der Entscheidung, ob und wann eine Operation zur Entlastung des Nervs (mikrovaskuläre Dekompression) in Frage kommt.
  • Zur Dauerbehandlung sind Carbamazepin oder Oxcarbazepin die Mittel der ersten Wahl. Lamotrigin, Gabapentin, Botulinumtoxin Typ A, Pregabalin, Baclofen und Phenytoin können allein oder zusätzlich eingesetzt werden.
  • Bei akuten Verschlechterungen kann Fosphenytoin oder Lidocain als Infusion in die Vene gegeben werden.
  • Reichen die Medikamente nicht oder werden sie schlecht vertragen, soll eine Operation angeboten werden; bei der klassischen Form ist die mikrovaskuläre Dekompression die erste Wahl.
  • Zusätzlich sollen Betroffene psychologische und pflegerische Unterstützung angeboten bekommen.

Deutsche Leitlinie: Die S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Trigeminusneuralgie“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft hat den Stand 06.10.2023 und gilt bis 05.10.2028.[11] Eine Zusammenfassung der Autorinnen und Autoren (Ruscheweyh und Kollegen, 2024) nennt zwei wichtige Punkte:[12]

  • Schwere Schübe können das Essen und Trinken so behindern, dass ein lebensbedrohlicher Zustand entsteht.
  • In Deutschland sind nur Carbamazepin und Phenytoin für die Trigeminusneuralgie zugelassen. Wirken sie nicht ausreichend oder werden sie nicht vertragen, werden deshalb oft Mittel außerhalb ihrer Zulassung eingesetzt (Off-Label-Use, siehe Off-Label-Use).

Der Hinweis zur Zulassung gibt Rechtsgrundlagen wieder und ist keine Rechtsberatung. Für den Einzelfall, etwa wenn die Krankenkasse ein Mittel nicht bezahlen will, helfen die Sozialverbände weiter — etwa der Sozialverband VdK Deutschland oder der Sozialverband Deutschland (SoVD).

Siehe auch: Differentialdiagnose · SUNCT-Syndrom · Cluster-Kopfschmerz und Zahnmedizin · Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Cluster-Mittel

Literatur

  • Limmroth, Volker: Kopf- und Gesichtsschmerzen. Schattauer, Stuttgart, 2007 ISBN 3-7945-2319-9

Externe Links

Einzelnachweise

  1. ↑ Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie: Medizinische Informationen für Patienten - Trigeminusneuralgie (Link am 23.09.2026 geprüft: Die alte Adresse führt nur noch auf die Startseite der DGNC. Die Patienteninformation steht heute unter dgnc.de/patienteninformationen/trigeminusneuralgie.)
  2. ↑ 2,0 2,1 Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie: Patienteninformation Trigeminusneuralgie. Im Wortlaut: „Typischerweise tritt die Erkrankung in höherem Lebensalter (ab 50 Jahren) und meist nur einseitig auf. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer (5 bzw. 3/100.000/Jahr).“ Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 ICHD-3 (deutsche Fassung), 13.1.1 Trigeminusneuralgie. Im Wortlaut: „Dauer zwischen einem Sekundenbruchteil bis zu 2 Minuten“; „Es können leichte autonome Symptome wie ein Tränen und/oder eine Rötung des ipsilateralen Auges vorliegen. Einem schmerzhaften Paroxysmus folgt gewöhnlich eine refraktäre Phase, in der keine Schmerzen ausgelöst werden können.“ Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.
  4. ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 13.1.1.1 Klassische Trigeminusneuralgie. Kriterium: „Nachweis einer neurovaskulären Kompression (nicht nur Kontakt) mittels MRT oder während eines chirurgischen Eingriffs, mit morphologischen Veränderungen in der Wurzel des Trigeminusnervs“ (Anmerkung: „Üblicherweise Atrophie oder Verdrängung“). Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.
  5. ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 13.1.1.2 Sekundäre Trigeminusneuralgie. Im Wortlaut: „Zu den anerkannten Ursachen zählen ein Tumor im Kleinhirnbrückenwinkel, eine AV-Malformation und Multiple Sklerose.“ Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.
  6. ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 13.1.1.3 Idiopathische Trigeminusneuralgie. Im Wortlaut: „Ein Kontakt zwischen einem Blutgefäß und dem Trigeminusnerv und/oder der Wurzel des Trigeminusnervs ist bei bildgebenden Untersuchungen an gesunden Probanden ein gängiger Befund.“ Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.
  7. ↑ 7,0 7,1 ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.1 Clusterkopfschmerz. Kriterien: Attacken, „die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“, mit Begleitzeichen auf der Schmerzseite und/oder körperlicher Unruhe. Kommentar: „Es sind einige Patienten beschrieben worden, die sowohl einen 3.1 Clusterkopfschmerz als auch eine 13.1.1 Trigeminusneuralgie (mitunter Cluster-Tic-Syndrom genannt) aufwiesen. Diese Patienten sollten beide Diagnosen erhalten. Die Wichtigkeit dieser Beobachtung liegt darin, dass beide Erkrankungen separat behandelt werden müssen, um Schmerzfreiheit zu erreichen.“ Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.
  8. ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.3.1 SUNCT-Syndrom. Kommentar: „Es wurden Patienten beschrieben, bei denen sich eine Überschneidung zwischen 3.3.1 SUNCT-Syndrom und 13.1.1 Trigeminusneuralgie findet. Die Differenzierung ist klinisch komplex. Solche Patienten sollten beide Diagnosen erhalten.“ Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.
  9. ↑ Wilbrink LA, Weller CM, Cheung C, Haan J, Ferrari MD (2013). "Cluster-tic syndrome: a cross-sectional study of cluster headache patients". Headache 53 (8): 1334–1340. doi:10.1111/head.12161. PMID 23808839.  Im Wortlaut: „Trigeminal neuralgia (-like) attacks in cluster headache patients are most of the time part of the cluster headache spectrum and should then probably not be treated separately.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  10. ↑ Bendtsen L, Zakrzewska JM, Abbott J u. a. (2019). "European Academy of Neurology guideline on trigeminal neuralgia". Eur J Neurol 26 (6): 831–849. doi:10.1111/ene.13950. PMID 30860637.  Im Wortlaut: „For long-term treatment, carbamazepine or oxcarbazepine are recommended as drugs of first choice.“ Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.
  11. ↑ AWMF-Register 030-016: S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Trigeminusneuralgie. Federführend: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG); Version 7.0, Stand 06.10.2023, gültig bis 05.10.2028. Abgerufen und geprüft am 23.09.2026.
  12. ↑ Ruscheweyh R, Gierthmühlen J, Hedderich DM, Goßrau G, Leis S (2024). "Trigeminal neuralgia: drug therapy. The new German guideline". Schmerz 38 (4): 283–292. doi:10.1007/s00482-024-00810-4. PMID 38689064.  Deutschsprachiger Artikel; der Titel steht hier in der englischen Übersetzung, wie Europe PMC ihn führt. Laut Zusammenfassung sind Carbamazepin und Phenytoin in Deutschland die einzigen für die Trigeminusneuralgie zugelassenen Wirkstoffe; Schübe können die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme behindern und dadurch lebensbedrohlich werden. Am 23.09.2026 über Europe PMC geprüft.


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