Paracetamol: Unterschied zwischen den Versionen
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Cezary (Diskussion | Beiträge) Genauer nach Quelle: Attackendauer „meist“ 15–180 Minuten (ICHD-3 3.1, Anmerkung: in weniger als der Hälfte des Verlaufs auch kürzer oder länger); Übergebrauch als „Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen im Monat“ (ICHD-3 8.2) statt „Dauerkopfschmerz“ – unabhängige Gegenprüfung |
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'''Paracetamol''' ist ein | '''Paracetamol''' (auch Acetaminophen genannt) ist ein Schmerz- und Fiebermittel aus der Gruppe der Nicht-Opioid-Schmerzmittel. Anders als die [[NSAR]] hemmt es keine Entzündung. Zugelassen ist es für leichte bis mäßig starke Schmerzen und Fieber. Es gibt Paracetamol als Tablette, Brausetablette, Kapsel, Zäpfchen, Saft, Granulat und Infusion, zum Beispiel als ben-u-ron®.<ref name="GLPARA">[https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Paracetamol_298 Gelbe Liste: Wirkstoff Paracetamol] (Stand 27.04.2023; Abschnitte Anwendung, Pharmakokinetik, Dosierung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Kontraindikationen, Anwendungshinweise), am 24.09.2026 gelesen.</ref> | ||
Paracetamol | == Beim Cluster-Kopfschmerz == | ||
Gegen die Cluster-Attacke hilft Paracetamol nicht zuverlässig. Die britische Leitlinie NICE rät ausdrücklich davon ab, bei der Attacke Paracetamol, NSAR oder Opioide zu geben.<ref name="NICE150">National Institute for Health and Care Excellence: ''Headaches in over 12s: diagnosis and management.'' Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache.“ [https://www.nice.org.uk/guidance/cg150 URL]</ref> Als Tablette erreicht Paracetamol seinen höchsten Blutspiegel nach 30 bis 60 Minuten, als Zäpfchen erst nach 3 bis 4 Stunden.<ref name="GLPARA"/> Eine Attacke dauert unbehandelt meist 15 bis 180 Minuten und hört auch ohne Mittel wieder auf.<ref name="ICHD31">[https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-1-clusterkopfschmerz/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.1 Clusterkopfschmerz], am 24.09.2026 gelesen. Diagnostische Kriterien: „Starke oder sehr starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“. Anmerkung: „Während eines Teils (aber weniger als der Hälfte) des Zeitverlaufes bei einem 3.1 Clusterkopfschmerz können die Attacken weniger schwer sein und/oder kürzer oder länger andauern.“ Kommentar zu Attacken während einer Clusterepisode: „Diese können durch Alkohol, Histamin oder Nitroglyzerin ausgelöst werden.“</ref> Dass sie nach einer Tablette endet, zeigt deshalb nicht, dass die Tablette gewirkt hat (siehe [[kupiert]]). Was bei der Attacke hilft – vor allem [[Sauerstoff]] und die [[Sumatriptan]]-Spritze –, steht unter [[Cluster-Kopfschmerz Behandlung]]. | |||
== | Wer ohnehin eine Kopfschmerzerkrankung hat und Paracetamol an 15 oder mehr Tagen im Monat nimmt, länger als 3 Monate, kann davon zusätzlich an 15 oder mehr Tagen im Monat Kopfschmerzen bekommen (Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch).<ref name="ICHD8231">[https://ichd-3.org/de/8-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-eine-substanz-oder-deren-entzug/8-2-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-einen-medikamentenuebergebrauch/8-2-3-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-einen-uebergebrauch-von-nicht-opioid-analgetika/8-2-3-1-kopfschmerz-zurueckzufuehren-auf-einen-uebergebrauch-von-paracetamol/ ICHD-3 (deutsche Fassung), 8.2.3.1 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen Übergebrauch von Paracetamol], am 24.09.2026 gelesen: „Regelmäßige Paracetamoleinnahme an ≥15 Tagen/Monat für >3 Monate.“</ref> Mehr dazu unter [[Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch]]. | ||
== Dosierung == | |||
Nach der Gelben Liste beträgt eine Einzeldosis 10 bis 15 mg je Kilogramm Körpergewicht, am Tag höchstens 60 mg je Kilogramm. Für einen Menschen mit 60 kg sind das 600 bis 900 mg auf einmal und höchstens 3.600 mg am Tag. Maßgeblich ist die Packungsbeilage des jeweiligen Präparats.<ref name="GLPARA"/> | |||
== Nebenwirkungen und Vorsicht == | |||
Nebenwirkungen sind selten. Vor allem bei einer Überdosis kann Paracetamol die Leber schwer schädigen, bis hin zum Leberversagen. Deshalb darf die Tageshöchstmenge nicht überschritten werden. Besondere Vorsicht gilt bei Leberschwäche, regelmäßigem starkem Alkoholkonsum, schwerer Nierenschwäche, beim Gilbert-Syndrom (Morbus Meulengracht) und bei Krankheiten, die den Vorrat des Körpers an Glutathion senken können. Nicht nehmen darf man Paracetamol bei einer schweren Störung der Leberfunktion oder bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.<ref name="GLPARA"/> | |||
== Wichtige Wechselwirkungen == | |||
* '''Blutverdünner, vor allem Warfarin:''' Wer länger als eine Woche regelmäßig Paracetamol nimmt, kann ihre Wirkung verstärken. | |||
* '''Probenecid:''' Paracetamol wird langsamer ausgeschieden. | |||
* '''Colestyramin:''' Paracetamol wird schlechter aufgenommen. | |||
* '''Zidovudin:''' Die Neigung zu einem Mangel an weißen Blutkörperchen (Neutropenie) steigt. | |||
* '''Mittel, die bestimmte Leberenzyme anregen, und Stoffe, die die Leber schädigen können.'''<ref name="GLPARA"/> | |||
== Schwangerschaft und Stillzeit == | |||
Nach Embryotox, dem Beratungszentrum der Charité, gehört Paracetamol in jeder Phase der Schwangerschaft zu den Schmerzmitteln der Wahl. Wie jedes Schmerzmittel soll es aber nicht unkritisch und ohne ärztlichen Rat tagelang oder über Wochen genommen werden. Einen ursächlichen Zusammenhang mit ADHS oder Autismus beim Kind haben aktuelle Studien nach Embryotox nicht bestätigt, wenn andere Einflüsse berücksichtigt wurden. In der Stillzeit ist Paracetamol neben [[Ibuprofen]] das Schmerzmittel der Wahl.<ref name="EMBPARA">[https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/ansicht/medikament/paracetamol Embryotox: Paracetamol], am 24.09.2026 gelesen. Im Wortlaut u. a.: „Bei medikamentös behandlungspflichtigen Schmerzen gehört Paracetamol in jeder Phase der Schwangerschaft zu den Analgetika der Wahl.“; „Wie jede andere Schmerzmedikation auch, darf Paracetamol nicht unkritisch und ohne ärztlichen Rat tagelang oder sogar über mehrere Wochen eingenommen werden.“; „Aktuelle Studien und Metaanalysen haben bei Berücksichtigung weiterer potentieller Einflussfaktoren keine ursächliche Verbindung von Paracetamol mit ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen bestätigen können.“; „Paracetamol ist neben Ibuprofen Analgetikum der Wahl in der Stillzeit.“</ref> | |||
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* [[Gängige Schmerzmittel]] | |||
* [[Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch]] | |||
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== Externe Links == | |||
* [https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Paracetamol_298 Gelbe Liste: Wirkstoff Paracetamol] (Wirkung, Dosierung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen) | |||
* [https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/ansicht/medikament/paracetamol Embryotox: Paracetamol in Schwangerschaft und Stillzeit] | |||
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Paracetamol Wikipedia: Paracetamol] | |||
== Einzelnachweise == | |||
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Aktuelle Version vom 24. September 2026, 13:07 Uhr
Paracetamol (auch Acetaminophen genannt) ist ein Schmerz- und Fiebermittel aus der Gruppe der Nicht-Opioid-Schmerzmittel. Anders als die NSAR hemmt es keine Entzündung. Zugelassen ist es für leichte bis mäßig starke Schmerzen und Fieber. Es gibt Paracetamol als Tablette, Brausetablette, Kapsel, Zäpfchen, Saft, Granulat und Infusion, zum Beispiel als ben-u-ron®.[1]
Beim Cluster-Kopfschmerz
Gegen die Cluster-Attacke hilft Paracetamol nicht zuverlässig. Die britische Leitlinie NICE rät ausdrücklich davon ab, bei der Attacke Paracetamol, NSAR oder Opioide zu geben.[2] Als Tablette erreicht Paracetamol seinen höchsten Blutspiegel nach 30 bis 60 Minuten, als Zäpfchen erst nach 3 bis 4 Stunden.[1] Eine Attacke dauert unbehandelt meist 15 bis 180 Minuten und hört auch ohne Mittel wieder auf.[3] Dass sie nach einer Tablette endet, zeigt deshalb nicht, dass die Tablette gewirkt hat (siehe kupiert). Was bei der Attacke hilft – vor allem Sauerstoff und die Sumatriptan-Spritze –, steht unter Cluster-Kopfschmerz Behandlung.
Wer ohnehin eine Kopfschmerzerkrankung hat und Paracetamol an 15 oder mehr Tagen im Monat nimmt, länger als 3 Monate, kann davon zusätzlich an 15 oder mehr Tagen im Monat Kopfschmerzen bekommen (Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch).[4] Mehr dazu unter Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch.
Dosierung
Nach der Gelben Liste beträgt eine Einzeldosis 10 bis 15 mg je Kilogramm Körpergewicht, am Tag höchstens 60 mg je Kilogramm. Für einen Menschen mit 60 kg sind das 600 bis 900 mg auf einmal und höchstens 3.600 mg am Tag. Maßgeblich ist die Packungsbeilage des jeweiligen Präparats.[1]
Nebenwirkungen und Vorsicht
Nebenwirkungen sind selten. Vor allem bei einer Überdosis kann Paracetamol die Leber schwer schädigen, bis hin zum Leberversagen. Deshalb darf die Tageshöchstmenge nicht überschritten werden. Besondere Vorsicht gilt bei Leberschwäche, regelmäßigem starkem Alkoholkonsum, schwerer Nierenschwäche, beim Gilbert-Syndrom (Morbus Meulengracht) und bei Krankheiten, die den Vorrat des Körpers an Glutathion senken können. Nicht nehmen darf man Paracetamol bei einer schweren Störung der Leberfunktion oder bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.[1]
Wichtige Wechselwirkungen
- Blutverdünner, vor allem Warfarin: Wer länger als eine Woche regelmäßig Paracetamol nimmt, kann ihre Wirkung verstärken.
- Probenecid: Paracetamol wird langsamer ausgeschieden.
- Colestyramin: Paracetamol wird schlechter aufgenommen.
- Zidovudin: Die Neigung zu einem Mangel an weißen Blutkörperchen (Neutropenie) steigt.
- Mittel, die bestimmte Leberenzyme anregen, und Stoffe, die die Leber schädigen können.[1]
Schwangerschaft und Stillzeit
Nach Embryotox, dem Beratungszentrum der Charité, gehört Paracetamol in jeder Phase der Schwangerschaft zu den Schmerzmitteln der Wahl. Wie jedes Schmerzmittel soll es aber nicht unkritisch und ohne ärztlichen Rat tagelang oder über Wochen genommen werden. Einen ursächlichen Zusammenhang mit ADHS oder Autismus beim Kind haben aktuelle Studien nach Embryotox nicht bestätigt, wenn andere Einflüsse berücksichtigt wurden. In der Stillzeit ist Paracetamol neben Ibuprofen das Schmerzmittel der Wahl.[5]
Siehe auch
Externe Links
- Gelbe Liste: Wirkstoff Paracetamol (Wirkung, Dosierung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen)
- Embryotox: Paracetamol in Schwangerschaft und Stillzeit
- Wikipedia: Paracetamol
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Gelbe Liste: Wirkstoff Paracetamol (Stand 27.04.2023; Abschnitte Anwendung, Pharmakokinetik, Dosierung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Kontraindikationen, Anwendungshinweise), am 24.09.2026 gelesen.
- ↑ National Institute for Health and Care Excellence: Headaches in over 12s: diagnosis and management. Clinical guideline CG150, 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2025, Empfehlung 1.3.38 (vor diesem Update 1.3.32; am 23.09.2026 auf nice.org.uk im Browser geprüft): „Do not offer paracetamol, NSAIDS, opioids, ergots or oral triptans for the acute treatment of cluster headache.“ URL
- ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 3.1 Clusterkopfschmerz, am 24.09.2026 gelesen. Diagnostische Kriterien: „Starke oder sehr starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten“. Anmerkung: „Während eines Teils (aber weniger als der Hälfte) des Zeitverlaufes bei einem 3.1 Clusterkopfschmerz können die Attacken weniger schwer sein und/oder kürzer oder länger andauern.“ Kommentar zu Attacken während einer Clusterepisode: „Diese können durch Alkohol, Histamin oder Nitroglyzerin ausgelöst werden.“
- ↑ ICHD-3 (deutsche Fassung), 8.2.3.1 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen Übergebrauch von Paracetamol, am 24.09.2026 gelesen: „Regelmäßige Paracetamoleinnahme an ≥15 Tagen/Monat für >3 Monate.“
- ↑ Embryotox: Paracetamol, am 24.09.2026 gelesen. Im Wortlaut u. a.: „Bei medikamentös behandlungspflichtigen Schmerzen gehört Paracetamol in jeder Phase der Schwangerschaft zu den Analgetika der Wahl.“; „Wie jede andere Schmerzmedikation auch, darf Paracetamol nicht unkritisch und ohne ärztlichen Rat tagelang oder sogar über mehrere Wochen eingenommen werden.“; „Aktuelle Studien und Metaanalysen haben bei Berücksichtigung weiterer potentieller Einflussfaktoren keine ursächliche Verbindung von Paracetamol mit ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen bestätigen können.“; „Paracetamol ist neben Ibuprofen Analgetikum der Wahl in der Stillzeit.“
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