Chronischer Cluster-Kopfschmerz: Unterschied zwischen den Versionen

Ausbau: Bedeutung von „chronisch“, Häufigkeit (EAN 2023, Fischera 2008, Møen 2026), Verlauf (Manzoni 1991 vs. EAN), Unterschiede in der Behandlung (Kortison, Lithium, Galcanezumab, Sauerstoff, nVNS, Implantate), therapierefraktärer Verlauf (EHF 2014), Sozialrecht; alter Text unverändert, „Stand 2026“ ergänzt; alle Belege am 22.09.2026 an der Quelle geprüft
Formulierung im Beleg berichtigt (mindestens 50 % weniger Attacken)
 
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{{Auf einen Blick|geprüft=24. September 2026|
* '''Chronisch heißt:''' Die Attacken kommen seit mindestens einem Jahr, ohne schmerzfreie Pause von drei Monaten oder länger. Über die Stärke der Attacken sagt das Wort nichts ([[#Was „chronisch“ beim Cluster-Kopfschmerz bedeutet|was „chronisch“ bedeutet]]).
* '''Seltener als der episodische Verlauf:''' je nach Quelle etwa jeder Siebte bis jeder Fünfzehnte. Die Attacken kommen oft jeden Tag, und Auslöser wie Alkohol können jederzeit wirken.
* '''Behandlung:''' dieselben Mittel wie beim episodischen Verlauf, aber die Vorbeugung mit Verapamil läuft auf Dauer, mit EKG-Kontrollen. Kortison ist keine Dauerlösung, die übliche zweite Wahl ist Lithium, und Galcanezumab wirkte in einer großen Studie nicht besser als ein Scheinmedikament ([[#Was bei der Behandlung anders ist|Behandlung]]).
* '''„Chronisch“ heißt nicht „für immer“:''' In einer italienischen Langzeitbeobachtung hatte fast jeder Dritte, der von Anfang an chronisch war, später einen episodischen Verlauf; die europäische Leitlinie hält einen solchen Wechsel dagegen für selten.
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'''Chronischer Cluster-Kopfschmerz''', engl. Chronic Cluster Headache ('''CCH'''): Cluster-Kopfschmerzattacken treten über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr ohne [[Remission]] bzw. mit Remissionsphasen von weniger als drei Monaten auf. Der chronische Cluster-Kopfschmerz kann de novo entstehen, früher als primär chronischer Cluster-Kopfschmerz bezeichnet, oder aus der episodischen Form übergehen, früher als sekundär chronischer Cluster-Kopfschmerz bezeichnet. Bei einigen Patienten kann sich aus einem chronischen Cluster-Kopfschmerz die episodische Form entwickeln.
'''Chronischer Cluster-Kopfschmerz''', engl. Chronic Cluster Headache ('''CCH'''): Cluster-Kopfschmerzattacken treten über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr ohne [[Remission]] bzw. mit Remissionsphasen von weniger als drei Monaten auf. Der chronische Cluster-Kopfschmerz kann de novo entstehen, früher als primär chronischer Cluster-Kopfschmerz bezeichnet, oder aus der episodischen Form übergehen, früher als sekundär chronischer Cluster-Kopfschmerz bezeichnet. Bei einigen Patienten kann sich aus einem chronischen Cluster-Kopfschmerz die episodische Form entwickeln.


Die Dauer der [[Remission]]sperioden wurde in der Definition der 3. Auflage der Internationalen Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen (IHS ICHD-III) im Januar 2018 von einem Monat auf ein Minimum von drei Monaten erhöht.<ref name="IHS">[http://dx.doi.org/10.1177/0333102417738202 Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS): The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). ''Cephalalgia.'' '''38'''(1) 1–211. January 25, 2018 - Free full text]</ref>
Die Dauer der [[Remission]]sperioden wurde in der Definition der 3. Auflage der Internationalen Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen (IHS ICHD-III) im Januar 2018 von einem Monat auf ein Minimum von drei Monaten erhöht.<ref name="IHS">[https://doi.org/10.1177/0333102417738202 Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS): The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). ''Cephalalgia.'' '''38'''(1) 1–211. January 25, 2018 - Free full text]</ref>


''Stand 2026:'' Die Definition gilt unverändert. In der Klassifikation heißt es wörtlich: „Cluster headache attacks occurring for one year or longer without remission, or with remission periods lasting less than 3 months.“<ref name="ICHD3122">[https://ichd-3.org/3-trigeminal-autonomic-cephalalgias/3-1-cluster-headache/3-1-2-chronic-cluster-headache/ ICHD-3, 3.1.2 Chronic cluster headache], Website der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft, am 22.09.2026 gelesen. Beschreibung: „Cluster headache attacks occurring for one year or longer without remission, or with remission periods lasting less than 3 months.“ Kriterien: „Attacks fulfilling criteria for 3.1 Cluster headache, and criterion B below“ und „Occurring without a remission period, or with remissions lasting <3 months, for at least 1 year.“ Kommentar: „In some patients change occurs from 3.1.2 Chronic cluster headache to 3.1.1 Episodic cluster headache.“</ref> Auf Deutsch: Die Attacken kommen seit mindestens einem Jahr, und in dieser Zeit gab es entweder gar keine Pause oder nur Pausen, die kürzer als drei Monate waren.
In der Klassifikation (ICHD-3) heißt es wörtlich: „Cluster headache attacks occurring for one year or longer without remission, or with remission periods lasting less than 3 months.“<ref name="ICHD3122">[https://ichd-3.org/3-trigeminal-autonomic-cephalalgias/3-1-cluster-headache/3-1-2-chronic-cluster-headache/ ICHD-3, 3.1.2 Chronic cluster headache], Website der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft, am 22.09.2026 gelesen. Beschreibung: „Cluster headache attacks occurring for one year or longer without remission, or with remission periods lasting less than 3 months.“ Kriterien: „Attacks fulfilling criteria for 3.1 Cluster headache, and criterion B below“ und „Occurring without a remission period, or with remissions lasting <3 months, for at least 1 year.“ Kommentar: „In some patients change occurs from 3.1.2 Chronic cluster headache to 3.1.1 Episodic cluster headache.“</ref> Auf Deutsch: Die Attacken kommen seit mindestens einem Jahr, und in dieser Zeit gab es entweder gar keine Pause oder nur Pausen, die kürzer als drei Monate waren.


== Was „chronisch“ beim Cluster-Kopfschmerz bedeutet ==
== Was „chronisch“ beim Cluster-Kopfschmerz bedeutet ==
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„De novo“ im ersten Absatz heißt: von Anfang an chronisch, ohne vorher eine Zeit mit langen Pausen gehabt zu haben. Wie der Alltag mit der chronischen Form aussieht, fasst die Leitlinie der Europäischen Akademie für Neurologie (EAN) von 2023 in einem Halbsatz: „attacks often occur on a daily basis“ — die Attacken kommen oft jeden Tag.<ref name="EANCCH">[https://www.uems-neuroboard.org/web/images/docs/exam/2024/papers/06-EAN-guideline-cluster-headache2023.pdf May A, Evers S, Goadsby PJ u. a.: European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache. Eur J Neurol 2023;30(10):2955–2979], PMID 37515405, doi:10.1111/ene.15956. Am 22.09.2026 im Volltext gelesen, in der frei zugänglichen Fassung (Creative-Commons-Lizenz) auf dem Server des European Board of Neurology. Für diese Seite herangezogen: Zusammenfassung (S. 2955), natürlicher Verlauf (S. 2958), Tabelle 3 (S. 2959), Tabelle 4 und Abschnitt Sauerstoff (S. 2960–2961), Verapamil (S. 2965), Tabellen 12 und 13 zur Vagusnerv-Stimulation (S. 2966–2967), Kortison und Ausschleichen von Verapamil (S. 2968), Vagusnerv-Stimulation, Stimulation des Ganglion sphenopalatinum, Stimulation des Hinterhauptsnervs, tiefe Hirnstimulation und zerstörende Eingriffe (S. 2970), Zusammenfassung der Empfehlungen (S. 2971), Tabelle 17 (S. 2973), Tabelle 18 und Abschnitt zu den operativen Verfahren (S. 2974).</ref>
„De novo“ im ersten Absatz heißt: von Anfang an chronisch, ohne vorher eine Zeit mit langen Pausen gehabt zu haben. Wie der Alltag mit der chronischen Form aussieht, fasst die Leitlinie der Europäischen Akademie für Neurologie (EAN) von 2023 in einem Halbsatz: „attacks often occur on a daily basis“ — die Attacken kommen oft jeden Tag.<ref name="EANCCH">[https://www.uems-neuroboard.org/web/images/docs/exam/2024/papers/06-EAN-guideline-cluster-headache2023.pdf May A, Evers S, Goadsby PJ u. a.: European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache. Eur J Neurol 2023;30(10):2955–2979], PMID 37515405, doi:10.1111/ene.15956. Am 22.09.2026 im Volltext gelesen, in der frei zugänglichen Fassung (Creative-Commons-Lizenz) auf dem Server des European Board of Neurology. Für diese Seite herangezogen: Zusammenfassung (S. 2955), natürlicher Verlauf (S. 2958), Tabelle 3 (S. 2959), Tabelle 4 und Abschnitt Sauerstoff (S. 2960–2961), Verapamil (S. 2965), Tabellen 12 und 13 zur Vagusnerv-Stimulation (S. 2966–2967), Kortison und Ausschleichen von Verapamil (S. 2968), Vagusnerv-Stimulation, Stimulation des Ganglion sphenopalatinum, Stimulation des Hinterhauptsnervs, tiefe Hirnstimulation und zerstörende Eingriffe (S. 2970), Zusammenfassung der Empfehlungen (S. 2971), Tabelle 17 (S. 2973), Tabelle 18 und Abschnitt zu den operativen Verfahren (S. 2974).</ref>
Einen praktischen Unterschied gibt es bei den Auslösern. Beim episodischen Verlauf können Alkohol, Histamin oder Nitroglycerin während einer Clusterperiode Attacken auslösen; in der Pause dagegen „triggering substances show no effect“, wie die EAN-Leitlinie schreibt.<ref name="EANCCH"/> Beim chronischen Verlauf gibt es diese Schonzeit nicht. Die Klassifikation sagt es ausdrücklich: „During a cluster period in 3.1.1 Episodic cluster headache, and at any time in 3.1.2 Chronic cluster headache, attacks occur regularly and may be provoked by alcohol, histamine or nitroglycerin.“<ref name="ICHD31">[https://ichd-3.org/3-trigeminal-autonomic-cephalalgias/3-1-cluster-headache/ ICHD-3, 3.1 Cluster headache], Kommentar, am 22.09.2026 gelesen: „About 10-15% of patients have 3.1.2 Chronic cluster headache, without such remission periods.“ und „During a cluster period in 3.1.1 Episodic cluster headache, and at any time in 3.1.2 Chronic cluster headache, attacks occur regularly and may be provoked by alcohol, histamine or nitroglycerin.“</ref>


== Wie häufig die chronische Form ist ==
== Wie häufig die chronische Form ist ==
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* Die EAN-Leitlinie nennt die chronische Form „less common“ und gibt weniger als 20 Prozent an, also weniger als jeden Fünften. Von Anfang an chronisch seien 15 Prozent aller Fälle, etwa jeder Siebte.<ref name="EANCCH"/>
* Die EAN-Leitlinie nennt die chronische Form „less common“ und gibt weniger als 20 Prozent an, also weniger als jeden Fünften. Von Anfang an chronisch seien 15 Prozent aller Fälle, etwa jeder Siebte.<ref name="EANCCH"/>
* Die Klassifikation selbst nennt in ihrem Kommentar zum Cluster-Kopfschmerz 10 bis 15 Prozent mit chronischem Verlauf („About 10-15% of patients“), also etwa jeden Zehnten bis jeden Siebten.<ref name="ICHD31"/>
* Eine Metaanalyse von 2008, die bevölkerungsbezogene Studien zusammenfasst, fand auf jede chronische Erkrankung sechs episodische: „The ratio of episodic vs. chronic cluster headache was 6.0.“ Auch das ist etwa jeder Siebte.<ref name="FISCHERA2008">{{cite journal |author=Fischera M, Marziniak M, Gralow I, Evers S |title=The incidence and prevalence of cluster headache: a meta-analysis of population-based studies |journal=Cephalalgia |volume=28 |issue=6 |pages=614-8 |year=2008 |pmid=18422717 |doi=10.1111/j.1468-2982.2008.01592.x}} Im Wortlaut der Zusammenfassung: „The overall sex ratio was 4.3 (male to female), it was higher in chronic cluster headache (15.0) compared with episodic cluster headache (3.8). The ratio of episodic vs. chronic cluster headache was 6.0.“ Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref>
* Eine Metaanalyse von 2008, die bevölkerungsbezogene Studien zusammenfasst, fand auf jede chronische Erkrankung sechs episodische: „The ratio of episodic vs. chronic cluster headache was 6.0.“ Auch das ist etwa jeder Siebte.<ref name="FISCHERA2008">{{cite journal |author=Fischera M, Marziniak M, Gralow I, Evers S |title=The incidence and prevalence of cluster headache: a meta-analysis of population-based studies |journal=Cephalalgia |volume=28 |issue=6 |pages=614-8 |year=2008 |pmid=18422717 |doi=10.1111/j.1468-2982.2008.01592.x}} Im Wortlaut der Zusammenfassung: „The overall sex ratio was 4.3 (male to female), it was higher in chronic cluster headache (15.0) compared with episodic cluster headache (3.8). The ratio of episodic vs. chronic cluster headache was 6.0.“ Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref>
* Eine landesweite Auswertung der norwegischen Gesundheitsregister von 2009 bis 2022 kommt auf deutlich weniger: „The annual prevalence of chronic cluster headache and refractory chronic cluster headache varied between 6%-7% and 1%-2% of all cluster headache cases, respectively.“ Das ist etwa jeder Fünfzehnte mit chronischer Form. Die zweite Zahl betrifft die Form, bei der die üblichen Mittel nicht helfen (dazu [[#Wenn die üblichen Mittel nicht helfen|weiter unten]]): etwa jeder Fünfzigste bis jeder Hundertste. Genau genommen sank der Anteil der chronischen Form in diesen Jahren von 7,2 auf 5,9 Prozent.<ref name="MOEN2026">{{cite journal |author=Møen EN, Bjørk MH, Gilhus NE, Daltveit DS, Contreras D, et al. |title=The Prevalence and Incidence of Cluster Headache: A Norwegian Population-Based Time-Trend Study |journal=Neurology |volume=106 |issue=11 |pages=e214862 |year=2026 |pmid=42096674 |doi=10.1212/WNL.0000000000214862}} Zusammenfassung und Volltext (PMC13165289) am 22.09.2026 über Europe PMC gelesen. Zur Methode: „Individuals filling prescriptions of 137 or more defined daily doses of cluster headache triptans in the year before the prevalence date were classified as having chronic cluster headache.“ Zur eigenen Einordnung: „Although our results are closer to East-Asian estimates, they are likely on the conservative side because we did not have data on oxygen therapy or opioid usage.“ Tabelle 1: Anteil der chronischen Form 7,2 % (2009) und 5,9 % (2022); chronische Form je 100.000 Einwohner: Männer 2,5 und Frauen 1,4 (2009), Männer 2,5 und Frauen 2,6 (2022). Zur Einordnung: „A meta-analysis from 2008 of studies using questionnaire surveys and medical record reviews found that chronic cluster headache account for 14.3% of all cluster headache cases. Three studies from East Asia from 2019 to 2024 report prevalence between 2.33% and 4.8%.“ Einschränkung laut Zusammenfassung: „the lack of clinical validation of cluster headache diagnostic codes in primary health care“.</ref>
* Eine landesweite Auswertung der norwegischen Gesundheitsregister von 2009 bis 2022 kommt auf deutlich weniger: „The annual prevalence of chronic cluster headache and refractory chronic cluster headache varied between 6%-7% and 1%-2% of all cluster headache cases, respectively.“ Das ist etwa jeder Fünfzehnte mit chronischer Form. Die zweite Zahl betrifft die Form, bei der die üblichen Mittel nicht helfen (dazu [[#Wenn die üblichen Mittel nicht helfen|weiter unten]]): etwa jeder Fünfzigste bis jeder Hundertste. Genau genommen sank der Anteil der chronischen Form in diesen Jahren von 7,2 auf 5,9 Prozent.<ref name="MOEN2026">{{cite journal |author=Møen EN, Bjørk MH, Gilhus NE, Daltveit DS, Contreras D, et al. |title=The Prevalence and Incidence of Cluster Headache: A Norwegian Population-Based Time-Trend Study |journal=Neurology |volume=106 |issue=11 |pages=e214862 |year=2026 |pmid=42096674 |doi=10.1212/WNL.0000000000214862}} Zusammenfassung und Volltext (PMC13165289) am 22.09.2026 über Europe PMC gelesen. Zur Methode: „Individuals filling prescriptions of 137 or more defined daily doses of cluster headache triptans in the year before the prevalence date were classified as having chronic cluster headache.“ Zur eigenen Einordnung: „Although our results are closer to East-Asian estimates, they are likely on the conservative side because we did not have data on oxygen therapy or opioid usage.“ Tabelle 1: Anteil der chronischen Form 7,2 % (2009) und 5,9 % (2022); chronische Form je 100.000 Einwohner: Männer 2,5 und Frauen 1,4 (2009), Männer 2,5 und Frauen 2,6 (2022). Zur Einordnung: „A meta-analysis from 2008 of studies using questionnaire surveys and medical record reviews found that chronic cluster headache account for 14.3% of all cluster headache cases. Three studies from East Asia from 2019 to 2024 report prevalence between 2.33% and 4.8%.“ Einschränkung laut Zusammenfassung: „the lack of clinical validation of cluster headache diagnostic codes in primary health care“.</ref>


Die norwegischen Autoren ordnen ihre Zahlen selbst ein: Die Metaanalyse von 2008 kam auf 14,3 Prozent, drei Studien aus Ostasien auf 2,33 bis 4,8 Prozent. Warum ihre eigenen Zahlen niedriger liegen als die ältere Schätzung, erklären sie ebenfalls. Sie haben die chronische Form nicht ärztlich festgestellt, sondern aus den eingelösten Rezepten erschlossen: Wer in einem Jahr 137 oder mehr Tagesdosen der beim Cluster-Kopfschmerz verwendeten Triptane bekam, galt als chronisch — nach ihrer Rechnung mindestens eine Attacke an jedem zweiten Tag über neun Monate. Attacken, die mit Sauerstoff behandelt werden, tauchen in einer solchen Zählung nicht auf. Die Autoren halten ihre Zahlen deshalb für eher zu niedrig, „likely on the conservative side because we did not have data on oxygen therapy or opioid usage“. Umgekehrt räumen sie ein, dass Menschen mit episodischem Verlauf, die in einer heftigen Phase sehr viele Triptane brauchten, fälschlich als chronisch gezählt worden sein können.<ref name="MOEN2026"/>
Die norwegischen Autoren ordnen ihre Zahlen selbst ein: Die Metaanalyse von 2008 kam auf 14,3 Prozent, drei Studien aus Ostasien auf 2,33 bis 4,8 Prozent. Warum ihre eigenen Zahlen niedriger liegen als die ältere Schätzung, erklären sie ebenfalls. Sie haben die chronische Form nicht ärztlich festgestellt, sondern aus den eingelösten Rezepten erschlossen: Wer in einem Jahr 137 oder mehr Tagesdosen der beim Cluster-Kopfschmerz verwendeten Triptane bekam, galt als chronisch — nach ihrer Rechnung mindestens eine Attacke an jedem zweiten Tag über neun Monate.
 
Attacken, die mit Sauerstoff behandelt werden, tauchen in einer solchen Zählung nicht auf. Die Autoren halten ihre Zahlen deshalb für eher zu niedrig, „likely on the conservative side because we did not have data on oxygen therapy or opioid usage“. Umgekehrt räumen sie ein, dass Menschen mit episodischem Verlauf, die in einer heftigen Phase sehr viele Triptane brauchten, fälschlich als chronisch gezählt worden sein können.<ref name="MOEN2026"/>


=== Männer und Frauen ===
=== Männer und Frauen ===
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=== Lithium: beim chronischen Verlauf die übliche zweite Wahl ===
=== Lithium: beim chronischen Verlauf die übliche zweite Wahl ===
Lithium ist nach der Leitlinie das Mittel der zweiten Wahl, wenn Verapamil nicht wirkt oder nicht gegeben werden darf. In ihrer Übersichtstabelle schränkt sie ein: wegen der Nebenwirkungen nur, wenn andere Mittel nicht in Frage kommen oder versagt haben, und mit dem Zusatz „chronic cluster“.<ref name="EANCCH"/> Die Studienlage passt dazu. Die Vergleichsstudie mit Verapamil, auf die sich die Leitlinie stützt, wurde an Menschen mit chronischem Verlauf gemacht: Beide Mittel wirkten, Verapamil mit weniger Nebenwirkungen und schnellerem Wirkungseintritt.<ref name="BUSSONE1990">{{cite journal |author=Bussone G, Leone M, Peccarisi C u. a. |title=Double blind comparison of lithium and verapamil in cluster headache prophylaxis |journal=Headache |volume=30 |issue=7 |pages=411–417 |year=1990 |pmid=2205598 |doi=10.1111/j.1526-4610.1990.hed3007411.x}} Chronischer Verlauf, Überkreuzvergleich: beide wirksam, Verapamil mit weniger Nebenwirkungen und schnellerem Wirkungseintritt.</ref> Beim episodischen Verlauf zeigte die placebokontrollierte Studie, die die Leitlinie anführt, dagegen keinen deutlichen Vorteil gegenüber dem Scheinmedikament.<ref name="STEINER1997">{{cite journal |author=Steiner TJ, Hering R, Couturier EG u. a. |title=Double-blind placebo-controlled trial of lithium in episodic cluster headache |journal=Cephalalgia |volume=17 |issue=6 |pages=673–675 |year=1997 |pmid=9350389 |doi=10.1046/j.1468-2982.1997.1706673.x}} 27 Männer im episodischen Verlauf, 800 mg retardiertes Lithiumcarbonat; deutliche Besserung bei 8 von 13 unter Lithium gegen 6 von 14 unter Placebo, kein signifikanter Unterschied; nach der geplanten Zwischenauswertung abgebrochen.</ref> Wichtig für die Kostenübernahme: Die Zulassung für den Cluster-Kopfschmerz hängt am Präparat; Quilonum retard führt ihn in seinem Anwendungsgebiet.<ref name="QUILONUM">[https://www.teofarmasrl.it/wp-content/uploads/2021/01/DE_Quilonum_retard_FI.pdf Fachinformation Quilonum retard 450 mg Retardtabletten (Lithiumcarbonat), Teofarma], Stand der Information August 2024, Zul.-Nr. 17202.00.01; Abschnitte 4.1, 4.4, 4.5 und 4.6. Am 22.09.2026 im Wortlaut gelesen.</ref> Wer Lithium und Verapamil zusammen nimmt, braucht einen Lithiumspiegel im unteren Bereich — Einzelheiten auf den Seiten [[Lithium]] und [[Cluster-Kopfschmerz Prophylaxe#Lithium|Prophylaxe]].
Lithium ist nach der Leitlinie das Mittel der zweiten Wahl, wenn Verapamil nicht wirkt oder nicht gegeben werden darf. In ihrer Übersichtstabelle schränkt sie ein: wegen der Nebenwirkungen nur, wenn andere Mittel nicht in Frage kommen oder versagt haben, und mit dem Zusatz „chronic cluster“.<ref name="EANCCH"/> Die Studienlage passt dazu. Die Vergleichsstudie mit Verapamil, auf die sich die Leitlinie stützt, wurde an Menschen mit chronischem Verlauf gemacht: Beide Mittel wirkten, Verapamil mit weniger Nebenwirkungen und schnellerem Wirkungseintritt.<ref name="BUSSONE1990">{{cite journal |author=Bussone G, Leone M, Peccarisi C u. a. |title=Double blind comparison of lithium and verapamil in cluster headache prophylaxis |journal=Headache |volume=30 |issue=7 |pages=411–417 |year=1990 |pmid=2205598 |doi=10.1111/j.1526-4610.1990.hed3007411.x}} Chronischer Verlauf, Überkreuzvergleich: beide wirksam, Verapamil mit weniger Nebenwirkungen und schnellerem Wirkungseintritt.</ref>
 
Beim episodischen Verlauf zeigte die placebokontrollierte Studie, die die Leitlinie anführt, dagegen keinen deutlichen Vorteil gegenüber dem Scheinmedikament.<ref name="STEINER1997">{{cite journal |author=Steiner TJ, Hering R, Couturier EG u. a. |title=Double-blind placebo-controlled trial of lithium in episodic cluster headache |journal=Cephalalgia |volume=17 |issue=6 |pages=673–675 |year=1997 |pmid=9350389 |doi=10.1046/j.1468-2982.1997.1706673.x}} 27 Männer im episodischen Verlauf, 800 mg retardiertes Lithiumcarbonat; deutliche Besserung bei 8 von 13 unter Lithium gegen 6 von 14 unter Placebo, kein signifikanter Unterschied; nach der geplanten Zwischenauswertung abgebrochen.</ref> Wichtig für die Kostenübernahme: Die Zulassung für den Cluster-Kopfschmerz hängt am Präparat; Quilonum retard führt ihn in seinem Anwendungsgebiet.<ref name="QUILONUM">[https://www.teofarmasrl.it/wp-content/uploads/2021/01/DE_Quilonum_retard_FI.pdf Fachinformation Quilonum retard 450 mg Retardtabletten (Lithiumcarbonat), Teofarma], Stand der Information August 2024, Zul.-Nr. 17202.00.01; Abschnitte 4.1, 4.4, 4.5 und 4.6. Am 22.09.2026 im Wortlaut gelesen.</ref> Wer Lithium und Verapamil zusammen nimmt, braucht einen Lithiumspiegel im unteren Bereich — Einzelheiten auf den Seiten [[Lithium]] und [[Cluster-Kopfschmerz Prophylaxe#Lithium|Prophylaxe]].


=== Galcanezumab: beim chronischen Verlauf ohne Wirkung ===
=== Galcanezumab: beim chronischen Verlauf ohne Wirkung ===
Der Antikörper Galcanezumab wurde in einer großen Studie eigens beim chronischen Verlauf geprüft: 237 Teilnehmende, drei Monate lang doppelblind, also ohne dass Teilnehmende oder Behandelnde wussten, wer das echte Mittel bekam. Die Zahl der Attacken pro Woche sank unter Galcanezumab um 5,4 und unter dem Scheinmedikament um 4,6 — ein so kleiner Unterschied, dass er gut Zufall sein kann (p = 0,334). Das Hauptziel der Studie wurde verfehlt.<ref name="DODICK2020">{{cite journal |author=Dodick DW, Goadsby PJ, Lucas C u. a. |title=Phase 3 randomized, placebo-controlled study of galcanezumab in patients with chronic cluster headache: Results from 3-month double-blind treatment |journal=Cephalalgia |volume=40 |issue=9 |pages=935–948 |year=2020 |pmid=32050782 |doi=10.1177/0333102420905321}} 237 Patienten, chronischer Verlauf; −5,4 gegen −4,6 Attacken pro Woche, p = 0,334.</ref> Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat es abgelehnt, die Zulassung auf den Cluster-Kopfschmerz zu erweitern; beim chronischen Verlauf habe die Studie „negative results“ ergeben.<ref name="EMGALITY">European Medicines Agency: [https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/emgality Emgality (Galcanezumab), EPAR] — „Emgality is indicated for the prophylaxis of migraine in adults who have at least 4 migraine days per month.“ Dazu der [https://www.ema.europa.eu/en/documents/variation-report/emgality-h-c-04648-x-0004-epar-refusal-public-assessment-report_en.pdf Bewertungsbericht zur abgelehnten Indikationserweiterung, EMA/CHMP/137303/2020]: negatives Gutachten vom 27.02.2020, weil die Ergebnisse der Studie beim episodischen Verlauf „not statistically compelling“ seien und die Studie beim chronischen Verlauf „negative results“ ergeben habe. Beides am 22.09.2026 gelesen.</ref> Auch die Leitlinie empfiehlt Galcanezumab nur beim episodischen Verlauf: „One positive RCT for episodic but not chronic cluster headache“.<ref name="EANCCH"/>
Der Antikörper Galcanezumab wurde in einer großen Studie eigens beim chronischen Verlauf geprüft: 237 Teilnehmende, drei Monate lang doppelblind, also ohne dass Teilnehmende oder Behandelnde wussten, wer das echte Mittel bekam. Die Zahl der Attacken pro Woche sank unter Galcanezumab um 5,4 und unter dem Scheinmedikament um 4,6 — ein so kleiner Unterschied, dass er gut Zufall sein kann (p = 0,334). Das Hauptziel der Studie wurde verfehlt.<ref name="DODICK2020">{{cite journal |author=Dodick DW, Goadsby PJ, Lucas C u. a. |title=Phase 3 randomized, placebo-controlled study of galcanezumab in patients with chronic cluster headache: Results from 3-month double-blind treatment |journal=Cephalalgia |volume=40 |issue=9 |pages=935–948 |year=2020 |pmid=32050782 |doi=10.1177/0333102420905321}} 237 Patienten, chronischer Verlauf; −5,4 gegen −4,6 Attacken pro Woche, p = 0,334.</ref> Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat 2020 empfohlen, die Zulassung nicht auf den episodischen Cluster-Kopfschmerz zu erweitern; die Studie beim chronischen Verlauf war nach ihrem Bewertungsbericht „not statistically significantly superior to placebo“, also nicht nachweisbar besser als ein Scheinmedikament.<ref name="EMGALITY">European Medicines Agency: [https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/emgality Emgality (Galcanezumab), EPAR] — „Emgality is indicated for the prophylaxis of migraine in adults who have at least 4 migraine days per month.“ Dazu der [https://www.ema.europa.eu/en/documents/variation-report/emgality-h-c-04648-x-0004-epar-refusal-public-assessment-report_en.pdf Bewertungsbericht zur abgelehnten Indikationserweiterung, EMA/CHMP/137303/2020]: negatives Gutachten vom 27.02.2020, weil die Ergebnisse der Studie beim episodischen Verlauf „not statistically compelling“ seien und die Studie beim chronischen Verlauf „negative results“ ergeben habe. Beides am 22.09.2026 gelesen.</ref> Auch die Leitlinie empfiehlt Galcanezumab nur beim episodischen Verlauf: „One positive RCT for episodic but not chronic cluster headache“.<ref name="EANCCH"/>
 
Ausführlich: [[Galcanezumab]].
 
=== Melatonin: beim chronischen Verlauf ohne belegten Nutzen ===
Melatonin nennt die Leitlinie als dritte Wahl. In der randomisierten Studie mit Scheinmedikament, auf die sie sich stützt, sprachen 5 von 10 Teilnehmenden unter Melatonin an. Unter den 20 Teilnehmenden waren zwei mit chronischem Verlauf, und sie sprachen nicht an: „The chronic cluster patients did not respond.“<ref name="LEONE1996">{{cite journal |author=Leone M, D'Amico D, Moschiano F u. a. |title=Melatonin versus placebo in the prophylaxis of cluster headache: a double-blind pilot study with parallel groups |journal=Cephalalgia |volume=16 |issue=7 |pages=494–496 |year=1996 |pmid=8933994 |doi=10.1046/j.1468-2982.1996.1607494.x}} 20 Patienten, 10 mg abends über 14 Tage; 5 von 10 sprachen an, in der Placebogruppe keiner; die beiden chronischen Patienten sprachen nicht an. Im Wortlaut der Zusammenfassung: „The chronic cluster patients did not respond.“ Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref> In einer kleinen Untersuchung von 2002 mit neun Teilnehmenden, sechs davon mit chronischem Verlauf, brachte Melatonin zusätzlich zur üblichen Behandlung keinen messbaren Nutzen.<ref name="PRINGSHEIM2002">{{cite journal |author=Pringsheim T, Magnoux E, Dobson CF, Hamel E, Aubé M |title=Melatonin as adjunctive therapy in the prophylaxis of cluster headache: a pilot study |journal=Headache |volume=42 |issue=8 |pages=787–792 |year=2002 |pmid=12390642 |doi=10.1046/j.1526-4610.2002.02181.x}} Neun Teilnehmende, sechs mit chronischem und drei mit episodischem Verlauf, deren Attacken unter der üblichen Behandlung nicht ausreichend kontrolliert waren; je ein Monat Melatonin und Scheinmedikament in fester Reihenfolge. Im Wortlaut: „There were no significant differences between means on analysis of variance and t testing for the melatonin, placebo, and baseline months for all primary and secondary endpoints.“ Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref> In ihrer Übersichtstabelle schreibt die Leitlinie: „Not efficacious in refractory cluster headache“.<ref name="EANCCH"/>


=== Sauerstoff: wirksam, aber das ganze Jahr gebraucht ===
=== Sauerstoff: wirksam, aber das ganze Jahr gebraucht ===
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Ein Handgerät, das den Vagusnerv von außen durch die Haut reizt (nichtinvasive Vagusnerv-Stimulation, kurz nVNS), hilft bei der einzelnen Attacke offenbar nur beim episodischen Verlauf. Die gemeinsame Auswertung der beiden Studien ACT1 und ACT2 mit 225 Teilnehmenden, beide mit einer Scheinbehandlung zum Vergleich, kam zu dem Ergebnis: „nVNS was superior to sham in episodic but not chronic cluster headache“.<ref name="DECOO2019">{{cite journal |author=de Coo IF, Marin JC, Silberstein SD u. a. |title=Differential efficacy of non-invasive vagus nerve stimulation for the acute treatment of episodic and chronic cluster headache: A meta-analysis |journal=Cephalalgia |volume=39 |issue=8 |pages=967–977 |year=2019 |pmid=31246132 |doi=10.1177/0333102419856607}} Gemeinsame Auswertung der Studien ACT1 und ACT2 mit 225 Teilnehmenden (112 mit episodischem, 113 mit chronischem Verlauf). Im Wortlaut: „nVNS was superior to sham in episodic but not chronic cluster headache“. Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref> Entsprechend empfiehlt die Leitlinie das Gerät im Text für die Attacke nur beim episodischen Verlauf, und in ihrer Übersichtstabelle steht „Not efficacious in chronic cluster headache“. In der Bewertungstabelle zu denselben Studien spricht sie dagegen eine schwache Empfehlung für die Attackenbehandlung beim chronischen Verlauf aus — ein Widerspruch innerhalb der Leitlinie.<ref name="EANCCH"/>
Ein Handgerät, das den Vagusnerv von außen durch die Haut reizt (nichtinvasive Vagusnerv-Stimulation, kurz nVNS), hilft bei der einzelnen Attacke offenbar nur beim episodischen Verlauf. Die gemeinsame Auswertung der beiden Studien ACT1 und ACT2 mit 225 Teilnehmenden, beide mit einer Scheinbehandlung zum Vergleich, kam zu dem Ergebnis: „nVNS was superior to sham in episodic but not chronic cluster headache“.<ref name="DECOO2019">{{cite journal |author=de Coo IF, Marin JC, Silberstein SD u. a. |title=Differential efficacy of non-invasive vagus nerve stimulation for the acute treatment of episodic and chronic cluster headache: A meta-analysis |journal=Cephalalgia |volume=39 |issue=8 |pages=967–977 |year=2019 |pmid=31246132 |doi=10.1177/0333102419856607}} Gemeinsame Auswertung der Studien ACT1 und ACT2 mit 225 Teilnehmenden (112 mit episodischem, 113 mit chronischem Verlauf). Im Wortlaut: „nVNS was superior to sham in episodic but not chronic cluster headache“. Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref> Entsprechend empfiehlt die Leitlinie das Gerät im Text für die Attacke nur beim episodischen Verlauf, und in ihrer Übersichtstabelle steht „Not efficacious in chronic cluster headache“. In der Bewertungstabelle zu denselben Studien spricht sie dagegen eine schwache Empfehlung für die Attackenbehandlung beim chronischen Verlauf aus — ein Widerspruch innerhalb der Leitlinie.<ref name="EANCCH"/>


Zur Vorbeugung beim chronischen Verlauf gibt es eine Studie. Wer das Gerät zusätzlich zur üblichen Behandlung benutzte, hatte in der vierwöchigen Vergleichsphase im Mittel 5,9 Attacken pro Woche weniger, die Vergleichsgruppe ohne Gerät 2,1 weniger. Bei 40 Prozent der Gerätegruppe halbierten sich die Attacken mindestens, in der Vergleichsgruppe bei 8,3 Prozent. Die Studie war allerdings offen: Alle wussten, wer das Gerät hatte, und es gab keine Scheinbehandlung.<ref name="PREVA2016">{{cite journal |author=Gaul C, Diener HC, Silver N u. a. |title=Non-invasive vagus nerve stimulation for PREVention and Acute treatment of chronic cluster headache (PREVA): A randomised controlled study |journal=Cephalalgia |volume=36 |issue=6 |pages=534–546 |year=2016 |pmid=26391457 |doi=10.1177/0333102415607070}} Nach eigener Beschreibung eine „prospective, open-label, randomised study“: 48 Teilnehmende mit Gerät zusätzlich zur üblichen Behandlung, 49 nur mit der üblichen Behandlung; vierwöchige Vergleichsphase. Abnahme um 5,9 gegen 2,1 Attacken pro Woche; mindestens halb so viele Attacken bei 40 % (18 von 45) gegen 8,3 % (4 von 48). Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref> Die Leitlinie spricht auf dieser Grundlage eine schwache Empfehlung zur Vorbeugung beim chronischen Verlauf aus.<ref name="EANCCH"/> Mehr auf der Seite [[Cluster-Kopfschmerz Behandlung#Neuromodulation|Behandlung]].
Zur Vorbeugung beim chronischen Verlauf gibt es eine Studie. Wer das Gerät zusätzlich zur üblichen Behandlung benutzte, hatte in der vierwöchigen Vergleichsphase im Mittel 5,9 Attacken pro Woche weniger, die Vergleichsgruppe ohne Gerät 2,1 weniger. Bei 40 Prozent der Gerätegruppe halbierten sich die Attacken mindestens, in der Vergleichsgruppe bei 8,3 Prozent. Die Studie war allerdings offen: Alle wussten, wer das Gerät hatte, und es gab keine Scheinbehandlung.<ref name="PREVA2016">{{cite journal |author=Gaul C, Diener HC, Silver N u. a. |title=Non-invasive vagus nerve stimulation for PREVention and Acute treatment of chronic cluster headache (PREVA): A randomised controlled study |journal=Cephalalgia |volume=36 |issue=6 |pages=534–546 |year=2016 |pmid=26391457 |doi=10.1177/0333102415607070}} Nach eigener Beschreibung eine „prospective, open-label, randomised study“: 48 Teilnehmende mit Gerät zusätzlich zur üblichen Behandlung, 49 nur mit der üblichen Behandlung; vierwöchige Vergleichsphase. Abnahme um 5,9 gegen 2,1 Attacken pro Woche; höchstens noch halb so viele Attacken bei 40 % (18 von 45) gegen 8,3 % (4 von 48). Am 22.09.2026 über Europe PMC geprüft.</ref> Die Leitlinie spricht auf dieser Grundlage eine schwache Empfehlung zur Vorbeugung beim chronischen Verlauf aus. Die vierwöchige Vergleichsphase nennt sie dabei „double-blind phase“ — das passt nicht zur Beschreibung der Studie selbst.<ref name="EANCCH"/> Mehr auf der Seite [[Cluster-Kopfschmerz Behandlung#Neuromodulation|Behandlung]].


=== Eingepflanzte Geräte und Operationen ===
=== Eingepflanzte Geräte und Operationen ===
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=== Zwei verschiedene Bedeutungen von „chronisch“ ===
=== Zwei verschiedene Bedeutungen von „chronisch“ ===
Im Sozialrecht bedeutet „chronisch“ etwas anderes als in der Kopfschmerz-Klassifikation. Für die niedrigere Belastungsgrenze bei den Zuzahlungen kommt es auf die Chroniker-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses an. Sie fragt nicht nach der Verlaufsform, sondern nach der Behandlung: „Eine Krankheit ist schwerwiegend chronisch, wenn sie wenigstens ein Jahr lang, mindestens einmal pro Quartal ärztlich behandelt wurde (Dauerbehandlung) und eines der folgenden Merkmale vorhanden ist“ — etwa ein Grad der Behinderung von mindestens 60 oder eine ständige medizinische Versorgung, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung, eine kürzere Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten wäre.<ref name="CHRONRL">[https://www.g-ba.de/richtlinien/8/ Gemeinsamer Bundesausschuss: Richtlinie zur Umsetzung der Regelungen in § 62 für schwerwiegend chronisch Erkrankte (Chroniker-Richtlinie)], [https://www.g-ba.de/downloads/62-492-1530/RL-Chroniker_2017-11-17.pdf Volltext als PDF-Datei], am 22.09.2026 abgerufen und gelesen. Angaben der Registerseite: „In Kraft getreten am: 06.03.2018", „Geändert am: 17.11.2017 BAnz AT 05.03.2018 B4", „Fassung vom: 22.01.2004".</ref> Die Diagnose „chronischer Cluster-Kopfschmerz“ erfüllt diese Voraussetzungen also nicht von selbst. Umgekehrt ist nach dem Wortlaut der Richtlinie auch beim episodischen Verlauf nicht ausgeschlossen, dass sie erfüllt sind; entscheidend sind die Dauerbehandlung und eines der Merkmale. Wie der Nachweis läuft, steht auf der Seite [[Chronikerregelung]].
Im Sozialrecht bedeutet „chronisch“ etwas anderes als in der Kopfschmerz-Klassifikation. Für die niedrigere Belastungsgrenze bei den Zuzahlungen kommt es auf die Chroniker-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses an. Sie fragt nicht nach der Verlaufsform, sondern nach der Behandlung: „Eine Krankheit ist schwerwiegend chronisch, wenn sie wenigstens ein Jahr lang, mindestens einmal pro Quartal ärztlich behandelt wurde (Dauerbehandlung) und eines der folgenden Merkmale vorhanden ist“ — etwa ein Grad der Behinderung von mindestens 60 oder eine ständige medizinische Versorgung, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung, eine kürzere Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten wäre.<ref name="CHRONRL">[https://www.g-ba.de/richtlinien/8/ Gemeinsamer Bundesausschuss: Richtlinie zur Umsetzung der Regelungen in § 62 für schwerwiegend chronisch Erkrankte (Chroniker-Richtlinie)], [https://www.g-ba.de/downloads/62-492-1530/RL-Chroniker_2017-11-17.pdf Volltext als PDF-Datei], am 22.09.2026 abgerufen und gelesen. Angaben der Registerseite: „In Kraft getreten am: 06.03.2018", „Geändert am: 17.11.2017 BAnz AT 05.03.2018 B4", „Fassung vom: 22.01.2004".</ref> Die Diagnose „chronischer Cluster-Kopfschmerz“ erfüllt diese Voraussetzungen also nicht von selbst.
 
Umgekehrt ist nach dem Wortlaut der Richtlinie auch beim episodischen Verlauf nicht ausgeschlossen, dass sie erfüllt sind; entscheidend sind die Dauerbehandlung und eines der Merkmale. Wie der Nachweis läuft, steht auf der Seite [[Chronikerregelung]].


=== Grad der Behinderung ===
=== Grad der Behinderung ===
Beim [[Grad der Behinderung (GdB)]] zählt, wie stark und wie lange die Teilhabe am Leben beeinträchtigt ist, nach der Versorgungsmedizin-Verordnung „mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate (dauerhaft)“. Für Krankheiten, die mal stärker und mal schwächer ausgeprägt sind, schreibt sie vor: „Bei Gesundheitsstörungen mit einer im Verlauf typischerweise unterschiedlich stark ausgeprägten Teilhabebeeinträchtigung ist als GdB ein Wert festzusetzen, der die Beeinträchtigungen in ihrem Verlauf am ehesten abbildet.“<ref name="VERSMEDV">[https://www.gesetze-im-internet.de/versmedv/anlage.html Anlage zu § 2 der Versorgungsmedizin-Verordnung („Versorgungsmedizinische Grundsätze“)], am 22.09.2026 im Volltext gelesen: Teil A Nr. 1.2, 1.6 und 1.7, Teil B Nr. 2.2 und 2.3.</ref> Der Cluster-Kopfschmerz ist in der Verordnung nicht eigens genannt; Krankheiten, die dort fehlen, werden im Vergleich mit ähnlichen bewertet.<ref name="VERSMEDV"/> Als Vergleich dienen nach dem Beschluss des Ärztlichen Sachverständigenbeirats von 2001, der auf der Seite [[Grad der Behinderung (GdB)#Was der Ärztliche Sachverständigenbeirat 2001 wirklich beschlossen hat|Grad der Behinderung]] im Wortlaut steht, die Gesichtsneuralgien und die Migräne. Die höchste Stufe der Gesichtsneuralgien lautet „starker Dauerschmerz oder Schmerzattacken mehrmals wöchentlich“ und reicht bis 80; die Staffel der Migräne endet bei 60.<ref name="VERSMEDV"/> Was das für die Obergrenze bedeutet und was ein Antrag braucht, steht unter [[Grad der Behinderung (GdB)#Die beiden Maßstäbe im Wortlaut — und warum es um 20 Punkte geht|Die beiden Maßstäbe im Wortlaut]].
Beim [[Grad der Behinderung (GdB)]] zählt, wie stark und wie lange die Teilhabe am Leben beeinträchtigt ist, nach der Versorgungsmedizin-Verordnung „mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate (dauerhaft)“. Für Krankheiten, die mal stärker und mal schwächer ausgeprägt sind, schreibt sie vor: „Bei Gesundheitsstörungen mit einer im Verlauf typischerweise unterschiedlich stark ausgeprägten Teilhabebeeinträchtigung ist als GdB ein Wert festzusetzen, der die Beeinträchtigungen in ihrem Verlauf am ehesten abbildet.“<ref name="VERSMEDV">[https://www.gesetze-im-internet.de/versmedv/anlage.html Anlage zu § 2 der Versorgungsmedizin-Verordnung („Versorgungsmedizinische Grundsätze“)], am 22.09.2026 im Volltext gelesen: Teil A Nr. 1.2, 1.6 und 1.7, Teil B Nr. 2.2 und 2.3.</ref> Der Cluster-Kopfschmerz ist in der Verordnung nicht eigens genannt; Krankheiten, die dort fehlen, werden im Vergleich mit ähnlichen bewertet.<ref name="VERSMEDV"/>
 
Als Vergleich dienen nach dem Beschluss des Ärztlichen Sachverständigenbeirats von 2001, der auf der Seite [[Grad der Behinderung (GdB)#Was der Ärztliche Sachverständigenbeirat 2001 beschlossen hat|Grad der Behinderung]] im Wortlaut steht, die Gesichtsneuralgien und die Migräne. Die höchste Stufe der Gesichtsneuralgien lautet „starker Dauerschmerz oder Schmerzattacken mehrmals wöchentlich“ und reicht bis 80; die Staffel der Migräne endet bei 60.<ref name="VERSMEDV"/> Was das für die Obergrenze bedeutet und was ein Antrag braucht, steht unter [[Grad der Behinderung (GdB)#Die beiden Maßstäbe im Wortlaut — und warum es um 20 Punkte geht|Die beiden Maßstäbe im Wortlaut]].


Für den chronischen Verlauf heißt das praktisch: Befundberichte und ein [[Cluster-Kopfschmerz Datenbank und Tagebuch|Kopfschmerztagebuch]] sollten zeigen, wie häufig und wie stark die Attacken über das ganze Jahr sind. Bewertet wird nach der Verordnung der Verlauf, und beim chronischen Verlauf fehlen die langen Pausen. Auf der Seite zum Grad der Behinderung steht außerdem eine ältere Tabelle der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft von 2010, die den episodischen und den chronischen Verlauf getrennt einstuft. Sie ist eine Fachempfehlung und keine Rechtsgrundlage, und ihre Quelle ist derzeit nicht erreichbar.
Für den chronischen Verlauf heißt das praktisch: Befundberichte und ein [[Cluster-Kopfschmerz Datenbank und Tagebuch|Kopfschmerztagebuch]] sollten zeigen, wie häufig und wie stark die Attacken über das ganze Jahr sind. Bewertet wird nach der Verordnung der Verlauf, und beim chronischen Verlauf fehlen die langen Pausen. Auf der Seite zum Grad der Behinderung steht außerdem eine ältere Tabelle der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft von 2010, die den episodischen und den chronischen Verlauf getrennt einstuft. Sie ist eine Fachempfehlung und keine Rechtsgrundlage. Erschienen ist sie 2010 in der Zeitschrift ''Nervenheilkunde''.<ref name="EVERS2010">Evers S, May A, Heuft G, Husstedt IW, Keidel M, Malzacher V, Straube A, Widder B: Die Begutachtung von idiopathischen und symptomatischen Kopfschmerzen. Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. ''Nervenheilkunde.'' 2010; '''29'''(4): 229–241. [https://doi.org/10.1055/s-0038-1628746 doi:10.1055/s-0038-1628746]</ref>


=== Arbeit und Überblick ===
=== Arbeit und Überblick ===
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== Literatur ==
== Literatur ==
* [http://dx.doi.org/10.1177/0333102417738202 Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS): The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). ''Cephalalgia.'' '''38'''(1) 1–211. January 25, 2018 - Free full text]
* [https://doi.org/10.1177/0333102417738202 Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS): The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). ''Cephalalgia.'' '''38'''(1) 1–211. January 25, 2018 - Free full text]


* {{Cite journal  | last1 = Favier | first1 = I. | last2 = Haan | first2 = J. | last3 = Ferrari | first3 = MD. | title = Chronic cluster headache: a review. | journal = J Headache Pain | volume = 6 | issue = 1 | pages = 3-9 | month = Feb | year = 2005 | doi = 10.1007/s10194-005-0142-9 | PMID = 16362185 }}
* {{Cite journal  | last1 = Favier | first1 = I. | last2 = Haan | first2 = J. | last3 = Ferrari | first3 = MD. | title = Chronic cluster headache: a review. | journal = J Headache Pain | volume = 6 | issue = 1 | pages = 3-9 | month = Feb | year = 2005 | doi = 10.1007/s10194-005-0142-9 | PMID = 16362185 }}
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{{Gesundheitshinweis}}
{{Gesundheitshinweis}}
[[Kategorie:Grundlagen]]